Blog

Best of Popkultur 2009

Pop Art, Paris Hilton
Ich erweitere nach den beschaulichen Weihnachtstagen ein kleines bisschen den Rahmen und ströme hinaus in andere Welten. Was hatte das Jahr mir denn so zu bieten an Popkulturigem und Guten?

Bücher
[ad#ad-1]Ich glaube nicht, dass ich etwas aus diesem Jahr fertiggelesen habe. “Ghost” von Robert Harris habe ich glaube ich schon vergangene Weihnachten bekommen, ebenso das gerade in Lesung befindliche “Im Namen der Toten” von Ian Rankin. Grundsätzlich bin ich mit ziemlich wenigen Büchern fertig geworden. George Orwells “Burmese Days” ist davon definitiv schon älter (trotzdem super), Nick Hornbys “Fever Pitch” auch und Ryszard Kapuscinskis Reportagesammlung “Die Erde ist ein gewalttätiges Paradies” ist auch nicht ganz neu. Das wirtschaftskritische “Die Schock Strategie” von Naomi Klein liegt noch ziemlich ungelesen auf meinem Nachtkästchen, direkt neben “Die Chancen der Globalisierung” von Joseph Stiglitz. Ich muss mir echt abgewöhnen immer 10 Bücher gleichzeitig zu lesen, dann klappt es vielleicht 2009 mit einem aktuellen Buch. Andererseits: Es macht halt auch so Spaß. Außerdem habe ich gerade mit “Rot Ist Mein Name” (Orhan Pamuk) Hörbücher für mich entdeckt (durch diesen Süddeutsche.de-Podcast (iTunes)). Bücher die mich interessieren, die ich aber nie wirklich lesen würde, werde ich mir in Zukunft vielleicht öfter vorlesen lassen.
Ach ja, empfehlen kann ich prinzipiell all das vorbehaltlos.
Ungelesen: “Uns gehört die Welt” von Klaus Werner Lobo, “Imperium” von Robert Harris.
Wer gute politische Thriller a la Robert Harris bis Tom Clancy kennt, darf mir gerne bescheid geben.

Blogs & Medien
Zur Nationalratswahl in Österreich war Christoph Chorherr enorm aktiv und darüber hinaus hat er sich mit Videos gespielt. Immer wieder gern bin ich bei den Jungs von Spreeblick vorbeigesurft, die nach wie vor eine unerreichte Mischung aus Meinung, Information und Unterhaltung bieten. Beim Blog vom Medienprofi Juan Antonio Giner hole ich mir meine kleinen Kommentare zum Zeitungsgeschäft (und krisenbedingt hat er ja einiges zu sagen), bei rigardis NVP-Watch die amüsanten Postingss eines wirren Pressesprechers. Im RSS-Feed habe ich außerdem die Editorials der New York Times, und den Politik-Teil von Slate.com, die ich auch gerne neben BBC und manchmal El Pais auch für meine internationalen News konsultiere. Für meine Premier League-News lese ich Eurosport.co.uk. Im heimischen Online-Wald kann mich momentan aus emotionalen aber auch aus Qualitätsgründen nur derStandard.at überzeugen, dessen Print-Ausgabe ich hingegen mittlerweile fast nie mehr lese. Fürs Lesen bei einer gemütlichen Tasse Kaffee kaufe ich ab und zu (trotz diesem kapitalen Bock) den sehr schön neu gestalteten Falter, meistens das immer gute DATUM, hin und wieder die International Herald Tribune oder Le Monde Diplomatique und nur noch sehr selten Die Zeit. Mein Abo beim Guardian Weekly habe ich mitte der zweiten Jahreshälfte finanziell bedingt gekündigt.
Bedauerlich: Die Abgänge von kick08, maschi, Planeta Eskoria

Computerspiele
Vor einem Jahr habe ich mir ein neues Notebook zugelegt, aber das beste Spiel der letzten Jahre (seit “Pyschonauts”) läuft eigentlich auch noch auf meinem vorletzten Rechner (und auf Macs): “World of Goo” ist so super, dass ich jedem befehlen muss, die 20$ für die Downloadversion auszugeben. Man darf ein bißchen denken, oft lachen und findet dabei viel Entspannung (hier mein Review). Lachen darf man bei einem weiteren Low-Tech-Spiel: Das deutsche Adventure “Edna bricht aus” schickt euch als Mädchen mit wirrem Hasen in eine Irrenanstalt (Rebell.at-Review). Ausgezahlt hat sich der neue PC hingegen beim Post-Nuklearkriegs-Epos “Fallout 3″, das mir noch einige Zeit Spaß bereiten wird. Und eine weitere Überraschung war “Left 4 Dead”, obwohl es von Valve ist. Verblüffenderweise können auch Zombie-Spiele Spaß machen. Meine Wii … nun, sagen wir ich bin schon etwas sauer auf Nintendo und die Spieleentwickler die all die coolen Möglichkeiten dieses Geräts einfach ignorieren. Viel gespielt habe ich da nicht. “No More Heroes” war echter Mist, “Star Wars: The Force Unleashed” war nicht annähernd so gut wie es sein könnte. Auch meinen NDS habe ich zur Seite gelegt und werde ihn nur für “Phoenix Wright 3″ einschalten. Eine PS3 brauche ich nach wie vor nicht und auf eine Xbox 360 warte ich noch bis “Alan Wake” erscheint und auf meinem Notebook nicht laufen will.
Noch nicht gespielt: Spore (lief aus irgendeinem Grund nicht), GTA 4 (ist mir noch zu riskant), Mario Kart Wii (noch zu teuer für etwas das ich schon 10 Mal besitze)

Kino
So oft bin ich nicht im Kino, darum fehlen da sicher eine ganze Menge an Geheimtipps. Ich war sehr überrascht von “Batman: The Dark Knight”, weil ich eigentlich Comicverfilmungen gar nicht mag. Dass das bei The Dark Knight anders ist, liegt möglicherweise daran, dass es nicht viel von diesem überzogenen Gedönns hat (wie etwa dieser Schwarzenegger-Batman). Wirklich lustig war “Vicky Cristina Barcelona”, das Woody Allen wahrscheinlich in einem spätpubertären Wahn fabriziert hat. “I’m Not There” (auch mit Christian Bale), den witzig bis ernsthaften filmischen Tribut an Bob Dylan, habe ich bei der Viennale gesehen und man darf ihn als überaus gelungen bezeichnen. Auch über “Juno” fällt mir gar kein schlechtes Wort ein, das auf lustig-leichtfertige Weise eine Geschichte über das ungemein schwierige Abtreibungsthema erzählt. Und dann fällt mir noch “Free Rainer” ein, das hier die amerikanische Schlagseite ein bisschen dämpft. Die deutsche Produktion erzählt, wie man die Welt mit ein paar kleinen Fernsehquoten-Manipulationen zum Paradies machen könnte – unrealistisch aber zumindest ein netter Gedanke. Unbedingt sehenswert war auch ein österreichisches Machwerk: “Let’s Make Money” (hier das Buch), über das ich ja hier schon einiges schrieb. Wirklich abraten kann ich eigentlich nur von “Ghomorra”. Der Mafia-Epos war sehr langweilig, weil ohne Drive in der Geschiche. Und der “Oh mein Gott muss das dort schrecklich sein”-Effekt hat sich nach wenigen Minuten auch vertschüsst.
Noch nicht gesehen: Burn After Reading, No Country for Old Men, Mundl

Musik
Mein Jahr war geprägt von Musik älterer Jahrgänge. Ich habe viel Zeit mit Two Gallants, The Shins und zuletzt The Thermals verbracht. Neu waren nur die neuen Alben von Coldplay und R.E.M.. Letztere habe ich auch bei ihrem genialen Auftritt am Frequency gesehen, wobei das Publikum überhaupt nicht genial war. Auffällig war, dass ich vereinzelt auch Musik bei Youtube gehört habe.

Podcasts
Ich höre kein Radio mehr (und habe deshalb “Last Christmas” feinerweise nur einmal in diesem Jahr gehört (bei einem Musik-Attentat meiner Familie am Heiligen Abend)). Das liegt einerseits daran, dass die meiste Zeit des Tages nichts läuft was mir gefällt, und zum anderen daran, dass ich nirgendwo mehr einen “Jetzt-Radio-einschalt”-Rhytmus entwickelt habe (früher beim Arbeiten und Autofahren). Ich bin jetzt wohl ein echter “On-Demand-Konsument” geworden. Podcasts sind meine neue Leidenschaft. Da habe ich praktischerweise gerade erst heute entdeckt, dass der “FM4 Interview Podcast” (RSS) und der der “FM4 Reality-Check” (RSS) eh online verfügbar sind (allerdings letzterer bestenfalls nur einmal jede Woche?). Liebe FM4ler, ein Ausbau dieses Services und andere Sendungen würden sich anbieten! Unschlagbar ist allerdings eh “This American Life” vom Chicago Public Radio. Da hört man tolle Geschichtenerzähler und clevere Erklärer – möchte ich nicht mehr missen. Die Macher haben für ihre kostenlose Streaming-Architektur gerade zum Spenden aufgerufen. Meine Spenden kriegen ja lieber humanitäre Einrichtungen, aber ich überlege, ob ich stattdessen 10 bis 15 Dollar in den Download von 10 bis 15 Sendungen investiere. Sollte ihnen theoretisch ja nicht weniger bringen und immer zu streamen ist eh unpraktisch. Ganz cool fand ich auch “Welcome to Mars” (iTunes) von Ken Hollings – da studiert man freiwillig und ohne ECTS-Punkte die amerikanische Kulturgeschichte der 1940er und 50er im Vorbeigehen. Ich will mehr davon. Wer kennt noch ähnliches?

Sport
Der Moment im Stadion, als Ivica Vastic für Österreich bei der Euro den Ausgleich gegen Polen geschossen hat, der hatte etwas ewiges (nicht nur, weil er vielleicht der erste und letzte österreichische Treffer bei einer Europameisterschaft war). Überhaupt war die ganze Europameisterschaft eine tolle Sache. In Wien vor die Tür zu gehen und überall friedlich, feiernde Fußballfans zu treffen war cool. Währenddessen beim Online-Standard in der Sportredaktion zu arbeiten war sogar sehr cool. Dass Liverpool die Premier League anführt ist auch cool. Bei den Olympischen Spielen waren zweifellos die Siege von Usain Bolt und Michael Phelps cool (auch wenn ich nie wirklich daran glaubte, dass sie ehrlicher als der Tour de France-Bergtrikotsieg von Bernhard Kohl erlangt worden sind). Wirklich cool war in Peking auch irgendeine Segel-Entscheidung bei der wegen Schlechtwetter ungefähr jedes Boot siebenmal gekentert ist. Ich habe mich bei keinem Liveticker für den Standard besser amüsiert.
Ich selbst habe mich mit Squash, Fußball und manchmal sogar widerwillig aber doch mit Joggen beschäftigt und mich den ganzen Sommer über zu Fuß oder per Rad durch Wien bewegt. Mehr davon ist dringend von Nöten.
Dringend erwartet: Liverpool FC-Meistertitel

TV-Programm
Ich bin TV-technisch wie immer sehr amerikanisch. “Californication” amüsiert mich, “Breaking Bad” unterhält mich auch sehr gut, “Boston Legal” ist nicht nur dank William Shatner großartig (und wird leider eingestellt), “Chuck” hat einfach herrlich nerdige Anspielungen, “Dexter” ist unerreichbar gut, “How I Met Your Mother” ist lustiger und besser als es Friends war. Dass es diese Serien hierzulande immer noch nicht im leistbaren Abo oder on-demand gibt, ist ein schweres Versäumnis der hiesigen TV-Sender. Ein europäischer/österreichischer TV-Fixpunkt war in diesem Jahr für mich nur der Club 2 – wobei, seit der On-Demand-Service ohne Begründung abgeschafft wurde, schaff ich das leider auch kaum noch.
Wird vermisst: Neues von Scrubs

Was waren eure jeweiligen Highlights? Und was kennt ihr, das mir gefallen könnte?

Anmerkung: Alle Links zu Amazon sind mit meiner ID aus dem Amazon-Partnerprogramm verknüpft.

Fotocredits: Sebastian Fritzon

Hat dir der Eintrag gefallen? Hilf ihn zu verbreiten!
 
| 30. December 2008

6 Reaktionen bisher

    @schaffertom sagt:

    New Blogpost: Best of Popkultur 2009 http://is.gd/e5dB

    Like! Thumb up 0

    !!! | 30. December 2008 | 01:16
    Michael sagt:

    Bei TV-Serien kann ich Rules of Engagement und Burn Notice empfehlen. Außerdem gibts eine neue Futurama-Staffel.

    Bei den Podcasts kann ich die Podcasts vom Cato Institute empfehlen. Und wer mal so richtigen Gloom&Doom bezüglich der Wirtschaftskrise hören will, kann sich Peter Schiff anhören (wer wissen will, wer Peter Schiff ist, sollte sich das Video Peter Schiff was right auf youtube anschauen). Auch Econtalk ist recht interessant.

    Like! Thumb up 0

    !!! | 30. December 2008 | 11:41
    weltbeobachterin sagt:

    gute Idee, vielleicht mach ich es dir nach.
    Stiglitz hatte ich auch schon in der Hand.
    Harris find ich auch immer wieder gut. Hab Vaterland sogar auf deutsch und englisch.

    Like! Thumb up 0

    !!! | 30. December 2008 | 17:01
    flame gun sagt:

    Ich hab einen Podcast-Tipp, den du vielleicht schon kennst, wenn du “This American Life” hörst: Planet Money Podcast, auch von NPR, bietet jeden Werktag etwa 15 Minuten Infos zur Finanzkrise, teils nur mit anecdotal evidence (also genau die Geschichten, die “TAL” auch erzählt, nur kürzer), aber auch mit Expertenmeinungen. Als Laie was Finanzwirtschaft betrifft, hat mir der bis jetzt sehr geholfen.
    http://www.npr.org/blogs/money/

    Like! Thumb up 0

    !!! | 30. December 2008 | 21:51
    Erz sagt:

    Mein Tipp für dich wenn du es noch nicht kennst, wäre im TV auf Arte “Mit offenen Karten”, das ist ein geopolitisches Magazin, sehr interessant, informativ und schnell (eine sendung dauert nur ca 10 min.)

    einziger Nachteil ist, dass die anscheinend nicht so viele Sendungen im Jahr produzieren, und deshalb gerne Wiederholungen ausstrahlen (die aber wie die Sendung allgemein immer interessant sind)

    Der Link zur Sendung
    http://www.arte.tv/de/Die-Welt-verstehen/mit-offenen-karten/392.html

    Da die Sendung relativ kurz sind, findet man auch einige Folgen auf Youtube
    http://de.youtube.com/results?search_query=mit+offenen+karten&search_type=&aq=0&oq=%22Mit+offenen

    Like! Thumb up 0

    !!! | 9. January 2009 | 16:36
    Tom Schaffer sagt:

    Ja, mit offenen karten ist wirklich klasse. Leider zu fr mich äußerst schlechten Sendezeiten. ;)

    Like! Thumb up 0

    9. January 2009 | 18:09

Jetzt sag doch was!

Registrierte UserInnen surfen hier ohne Werbung!