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Die Zeitungen haben sich in die Nesseln gesetzt

Unsere Zeitungen haben sich am Montagabend allesamt ordentliche Blöße gegeben. Innerhalb weniger Minuten war sowohl bei Presse, Standard, Kleiner Zeitung und Kurier die Nachricht online “Asylanträge der Zogajs angenommen”. Die Krone machte gar ein “Die Zogajs sind offizielle Flüchtlinge” daraus. (Andere Zeitungen habe ich nicht überprüft). Die Foren tobten zwischen Jubel über die vermeintliche menschliche Entscheidung und Empörung über “die Erpressbarkeit des Staates durch eine Selbstmorddrohung” hin und her. Auf Twitter sah das nicht anders aus. Es war Leben in der Bude. Nur an eines hatte keiner Gedacht: Die Sache zu überprüfen.
[ad#ad-1]Dabei wäre mit geringer Expertise sehr schnell klar gewesen, dass hier etwas nicht stimmen kann. Nach einem Erstaufnahmegespräch in Thalheim sei das Asylverfahren angenommen worden, hieß es. Wenn man sich auch nur fünf Minuten mit dem Asylverfahren in Österreich bschäftigt hat, müssen dabei die Glocken schrilen. Ein Erstaufnahmegespräch ist der Beginn des Verfahrens, der erste Kontakt. In Wahrheit waren die Zogajs nicht “offiziell Flüchtlinge” oder “AslyantInnen”, sondern “AsylwerberInnen”. Die sprachliche Ungenauigkeit (hier schon besprochen) und die Unwissenheit im Umgang mit allem was mit Asyl zu tun hat, hat sich also wieder einmal “gelohnt”.
Nach den ersten Widerworten kundigerer Forennutzer begannen die Zeitungen umzustellen, (die rechten User schäumten freilich weiter) wofür manche recht lange brauchten (bei der Kleinen Zeitung steht er um 18:18 noch immer). Passagen wurden gelöscht, einige klärende Worte hinzugefügt. Manche ließen den unnötigen und ominösen Satz im Artikel stehen: “Zuvor war berichtet worden, dass der Antrag nach einer Befragung im Erstaufnahmelager Thalheim angenommen worden sei“. Verschwiegen wird dabei natürlich, dass nicht irgendeine Naturgewalt, sondern man selbst diesen Unsinn in die Welt gesetzt und seine Sorgfaltspflicht verletzt hatte.
So etwas kann ja in der schnelllebigen Welt der Redaktionen ruhig einmal passieren. Bedauerlich ist aber die mangelnde Transparenz, dass etwa keine der Redaktionen ein Meta-Blog führt, wo sie sich für den Fehler öffentlich entschuldigen und ihre bereits falsch informierten Leser prominent erreichen könnten.
Liebe Verantwortlichen, wie wäre es damit, das jetzt zu ändern? Es wäre ein großes Zeichen von Qualität und bräuchte nicht weniger als die große Portion Mut, sich einzugestehen, dass man auch nur menschlich ist.
Fotocredits: fischerhuder
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7 Reaktionen bisher
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!!! | 12. January 2009 | 17:52
Du kennst leider die Systematik der Online-Medien nicht. Hier werden keine eigenen Meldungen geschrieben, sondern vom Content-System der APA übernommen. Du kannst also nicht den einzelnen Medien den Vorwurf machen, sondern – wenn überhaupt – der APA. Und ob die APA hier nicht sorgfältig genug war oder von den Behörden schlicht falsch informiert wurde, können wir beide aus der Entfernung nicht beurteilen.
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!!! | 12. January 2009 | 19:45
Irrtum, ich kenne die Systematik der Online-Medien sehr wohl, habe ich doch bereits für welche gearbeitet.
Die heutigen Meldungen stammten größtenteils aus den morgigen Tageszeitungen und waren demnach nicht dem zeitdruckbedingten APA-Copy&Paste geschuldet, sondern tatsächlich Mängel in der Eigenrecherche. Wenn es ein APA-Fehler gewesen wäre, hätte ich mich darüber ausgelassen.
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12. January 2009 | 19:50
Der Entenfellner von “Österreich” hat es heute noch auf dem Titelblatt, eingeschränkt auf Arigona
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!!! | 13. January 2009 | 08:54
Neueste Nachricht: Das BiA ermittelt wer die EKIS-Daten der Zogajs abgefragt, die der Öffentlichkeit damals präsentiert worden waren.
Sowas muss ermittelt werden? Solche Daten sind nicht unter einem Sicherheitsverschluß, bei dem man sich für Zugriff autorisieren muss? Was bitte ist das BMI für ein Sauhaufen?
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!!! | 14. January 2009 | 09:58
in der schnellen online-Welt ist eben keine Zeit für genaues hinschauen. Will man nicht immer der letzte sein, der berichtet muss schon mal ein Überfliegen reichen…
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!!! | 30. January 2009 | 13:46
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