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Der Antisemit Williamson, der Papst und die Connection zu FPÖ und BZÖ

 

Die Debatte über den vom Papst Benni wieder De-Exkommunizierten Holocaustleugner Richard Williamson ist mittlerweile wohlbekannt. Auch dessen Zugehörigkeit zur sogenannten Piusbruderschaft hat sich herumgesprochen. Nirgendwo findet man jemanden, der diese Bruderschaft gut findet. Die ganze Welt ist über den Papst empört und auch in ganz Österreich scheinen die Menschen zu begreifen: Der Papst spinnt. (Keine Sorge Loub. Mögen Georg und Helge auch fies zu dir sein, ich meine damit wirklich nicht dich.) Aber eines irritiert dann doch. Beinahe 11% der im Moment fast einstimmig empörten heimischen Bevölkerung haben noch 2008 zum wiederholten Male einen der Bruderschaft von Williamson sehr Nahestehenden ins österreichische Parlament gewählt.

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX, Abkürzung von lat. Fraternitas Sacerdotalis Sancti Pii X.) ist eine traditionalistische Priestervereinigung. Sie wurde 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet, um an traditionellen Riten und Lehren der römisch-katholischen Kirche festzuhalten, die diese aus ihrer Sicht aufgegeben hatte. Sie lehnt [... die] Anerkennung des Judentums als eigenständiger Heilsweg (Nostra Aetate) [ab]. (Wikipedia, Hervorhebung & Klammern durch mich)

Insbesondere die Nostra Aedate wird abgelehnt. Was in dieser Schrift drinnen steht?

Dieses Versöhnungsangebot an das Judentum wurde von den Zeitgenossen als zentrale Aussage von Nostra Aetate und als revolutionärer Schritt der katholischen Kirche aufgefasst. Zudem beklagt die Erklärung ausdrücklich alle Formen des Antisemitismus.

“Erzkonservativ” wird die selbst der erzkonservativen katholischen Kirche zu konservative Piusbrudreschaft (hier eine kleine Liste der antisemitischen, antiislamischen, sexistischen und homosexuellenfeindlichen Äußerungen ihrer Repräsentanten) heute in den Medien oft genannt. Da mir die Kirche und ihre interne Machtpolitik echt egal sind, belassen wir es einfach mal dabei…

…und machen wir den wirklich nur kleinen Sprung zu unseren netten beiden Rechtsaußenparteien.

Denn ein hierzulande prominenter Ex-Anhänger dieser umstrittenen Glaubensgemeinde ist Ewald Stadler – ein bekanntes Gesicht der heimischen Politik. Zwar habe er mittlerweile eine kritische Distanz zur Bruderschaft gewonnen, erklärte er in einem Interview, jedoch nicht wegen den augenscheinlichen antijudaistischen Tendenzen, sondern wegen deren Streit mit Rom. Trotzdem meinte er: “Ich werde der Bruderschaft sicher keine Steine nachwerfen.”

Früher war er als verheirateter Laie bei der Piusbruderschaft aktiv. Nach dem Motu Proprio wechselte er zu einer diözesanen Altritus-Gemeinde [...]. (kreuz.net)

2008 wurde er auf Listenplatz 4 des BZÖ in den Nationalrat gewählt wurde. 10,7% der ÖsterreicherInnen war das kein Überdenken ihrer Stimme wert.

Prominente Stadler-Freunde wie die Niederösterreicherin Barbara Rosenkranz oder Generalsekretär Karlheinz Klement befinden sich nun in einem Loyalitätskonflikt. (Profil zum Wechsel Stadlers von FPÖ zu BZÖ / Links durch mich)

Bis März 2007 war Stadler Mitglied der FPÖ, für die er ebenfalls von 11% der Österreicher in den Nationalrat gewählt wurde. Davor, von 2001 bis 2006, war er Volksanwalt, wozu er (lange vor der Causa um Martin Graf) von einer Mehrheit der ParlamentarierInnen gewählt werden musste. Und auch er hatte in dieser Zeit etwas zum Holocaust zu sagen (wenn er nicht gerade Reden am Jahrestag der Wehrmachts-Kapitulation hielt):

Im September 2006 vertrat Stadler in einem Vortrag beim Initiativkreis katholischer Laien und Priester in Wien, Niederösterreich und Burgenland die Ansicht, dass „die EU das wichtigste Instrument der freimaurerischen Politik“ sei. Gegenwärtig seien die „Maurer [...] damit beschäftigt, eine Zivilreligion mit dem Holocaust als Zentrum aufzubauen“. (Dokumentationsarchiv des östereichischen Widerstands / Und: Woher diese Gedanken Stadlers einem bekannt vorkommen)

Stadler sagte 2002 auch, seine Kameraden sollten ihren Geschichtsumgang enttabuisieren und dabei Horst Mahlers Beispiel folgen:

Ewald Stadler, appointed by the far Right as one of three People’s Attorneys (Volksanwälte), advised Austrians to “practice a new treatment of contemporary history, as Horst Mahler has done”. Horst Mahler is better known as a convicted Baader-Meinhof terrorist who swung over in jail from the far Left to the far Right, where he now runs a weird entity called the Deutschen Kolleg, “the thinktank of the Germanic empire” according to its website. Mahler’s strangeness is that unlike the various pseudo-left or pseudo-postmodern routes to the Right, he has gone from being a nouveau-marxist to being a pre-Nazi, blood and soil fascist (he refers to Austrians as “mountain-Germans”). (A Fistful of Euros)

Später, ab 2004, leitete er mit der Freiheitlichen Parteiakademie den “Think Tank” der FPÖ. Wenn auch alles was Stadler bisher tat seine Karriere in der FPÖ nicht aufhalten konnte, dass er in der Bildungsstätte der FPÖ seine Piusbruderschafts-Zugehörigkeit anscheinend exzessiv auslebte, war sogar Heinz-Christian Strache irgendwann zu viel des Guten (er zahlte die darauffolgende Entmachtung Stadlers gerüchteweise damit, dass dieser seine “Paintballfotos” an die Presse spielte).

Der Vorwurf: Stadler sei ein „katholischer Mullah“, der die Akademie als Vorfeldorganisation der Piusbruderschaft, einer ultrakonservativen Splittergruppe, missbrauche. (wiederum Profil)

Aber auch im BZÖ hat er von seinen religiösen Vorlieben wohl nicht abgelassen.

derStandard.at: In der FPÖ haben Sie sich immer stark für klerikale Themen eingesetzt – Wie sieht das jetzt aus?

Stadler: Genauso. Noch mit Haider habe ich vereinbart, dass ich in der Akademie einen eigenen Mitarbeiter zu diesem Thema kriege, was auch geschehen ist. Momentan beschäftige ich mich mit der Frage, ob der Kirchenbeitrag noch gerechtfertigt ist. Er ist schließlich zur Seelsorge da und nicht für Pfarrer, die sich als Schlepper betätigen, wie der Herr Friedl für die Familie Zogaj. (derStandard.at)

Und sein Weg durch politischen Topämter der österreichischen Rechten ist noch nicht zu Ende. Denn für die EU-Parlamentswahlen wird Stadler als möglicher Spitzenkandidat für sein einst so verhasstes BZÖ gehandelt.

Er, als ein “erzkonservativer” Nahestehender einer als antijudaistisch geltenden Bruderschaft, der bereits durch zweifelhafte Verschwörungstheorien über die EU und den Holocaust in Erscheinung getreten ist und Gedenkfeiern zur Kapitulation der deutschen Wehrmacht beiwohnt.

Ob die potentiellen BZÖ-WählerInnen wenigstens diesmal darüber wohl auch empört sein würden?

 
Tom Schaffer | 5. February 2009

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3 Reaktionen bisher

    weltbeobachterin sagt:

    der Stadler, das ist echt schlimm und hardcore.
    letzten Sommer hat mein Vater nur er – wir Frauen in der Familie sind wohl nicht würdig genug, einen Postwurf vom BZÖ bekommen. Vom Stadler. So Piusbruderschaftmäßig aufgemacht, wie verlottert der Staat ist und vor allem wie unchristlich. Es läuft darauf hinaus, dass er mit einer Stimme für den Stadler die Welt retten kann und für sich selber ein Platz im Himmel. Übrigens ist der Stadler offensichtlich ein Fan vom Herrn Wagner. Das bestätigt meine Aversion gegen den Wagner.
    Mit einer Aussendung beschimpft er ja den Pühringer, weil dieser sich über diese Entscheidung des Papstes kritisch äußerte.
    http://www.ots.at/presseaussendung.php?schluessel=OTS_20090202_OTS0101&ch=panorama
    das BZÖ ist meiner Meinung nach irgendwie sinnlos. Den lustig sind sie auch nicht wirklich. Vor allem Dörflers Witze.

    !!! | 5. February 2009 | 19:29
    Georg sagt:

    Stadler attackiert OÖ LH Pühringer wegen dessen Kirchenkritik *tilt*

    http://www.ots.at/presseaussendung.php?schluessel=OTS_20090202_OTS0101&ch=panorama

    Reicht das um das BZÖ als Christenfundi-Partei zu bezeichnen? ^^

    !!! | 5. February 2009 | 23:49
    Georg sagt:

    oh, da is mir die weltbeobachterin zuvor gekommen ;)

    !!! | 6. February 2009 | 00:37

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