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Das Problem an Google Latitude ist nicht das Programm

Google Maps
Jederzeit geortet werden können, keine Geheimnisse mehr, permanente Überwachung – eine düstere Vision einer Welt. Mit dem Aufkommen von Social Networks (wie Twitter, Facebook oder jüngst unter großen öffentlichen Sorgenbekundungen eben Google Latitude) scheint sie sich langsam und paradoxerweise freiwillig zu verwirklichen. Würden Staat oder Wirtschaft Daten von Menschen einfordern, wie die sie heutzutage von sich aus ins Internet stellen, dann wäre ordentlich Feuer am Dach. Und doch: Die Social Networks sind nicht das Problem.

Viele Menschen denen Datenschutz und Privatsphäre ein wichtiges Anliegen sind, nutzen derartige Dienste mit großer Begeisterung. Und sie machen sich dabei nicht nackig.

Ich glaube nicht, dass man im Internet mehr über mich erfährt, als ich nach fünf Minuten Bekanntschaft zu erzählen bereit wäre. (Malte Welding)

Ich höre Fragezeichen über Köpfen aufpoppen.

“Lieber genialer Tom! Wieso scheisst du dir wegen der expandierenden Videoüberwachung regelmäßig in die Hose, hast aber nichts gegen Sauffotos im Internet, die jeder sehen kann?” (Anonymer Leserbrief aus der Zukunft)

[ad#ad-1]Alle genannten Programme geben mir die Kontrolle darüber, was ich von mir preisgebe, und wer es sehen darf. Sie befolgen die Grundprinzipien informationeller Selbstbestimmung (über die Dienste kann man im Einzelnen und im Detail sicher diskutieren). Und die hier nur anscheinend so achtlosen, sonstigen Datenschützer sind Leute, die das nötige Wissen rund um diesen Themenbereich haben. Deshalb brauchen sie sich auch keine Sorgen machen.

Logisch, dass hingegen Menschen die von den “neuen Technologien” keine Ahnung haben beim Gedanken unwohl wird, dass jemand erfahren könnte wo sie zu jedem Zeitpunkt sind. Sie verstehen ja schon aus technischer Unwissenheit heraus nicht, dass die Preisgabe meines Standorts bei Google Latitude nicht viel mehr bedeutet, als dass ich meine Freunde anrufe und ihnen sage, wo ich gerade bin. (Dass Menschen die in den Medien darüber reden das nicht verstehen, ist schon wieder ein anderes Thema). Bis zu einem gewissen Grad haben sie auch recht. Denn viele Menschen nutzen ihr StudiVZ-Profil wohl tatsächlich auf eine Art und Weise, wie es ihnen beruflich oder privat schaden kann.

Obwohl kritische Kompetenz beim Medienkonsum (und der Mediengestaltung) heute wichtiger und chancenreicher als je zuvor ist, sucht man in der Schule vergeblich nach einem Medienkompetenz-Fach. Wie sehe ich, welchen Medien ich vertrauen kann? Was soll ich von mir preisgeben? Wie funktioniert eigentlich das Medienrecht? In der Schule erfährt man es nicht.

Hätte die Politik die Zeichen der Zeit früh genug erkannt, müsste es dieses Fach eigentlich schon seit über einem Jahrzehnt geben – und eine ganze Generation an BürgerInnen wäre dadurch für die Gefahren der neuen Medienwelt gewappnet. Stattdessen ist selbst ein hochwertiger Informatikunterricht vielerorts noch heute Utopie und Jugendliche stellen Videos von ihren Drogenexperimenten auf Youtube (und entblößen damit auch ihre Freunde).

Mit jeder Freiheit und jedem Recht muss verantwortungsvoll umgegangen werden, damit niemand zu Schaden kommt. Die nötige Voraussetzung für Verantwortung ist das Machtmittel “Wissen”. Wie so viele andere Voraussetzungen für die heutige Welt wurden und werden auch jene für die informationelle Selbstbestimmung nicht rechtzeitig geschaffen. Die Verantwortlichen lassen in einer sich schnell wandelnden Welt die BürgerInnen im Regen der Eigenverantwortung stehen.

Was Google Latitude gefährlich macht ist nicht das Programm selbst, sondern die seit langer Zeit völlig antiquierte Bildungspolitik.

Foto: Google Maps

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| 6. February 2009

7 Reaktionen bisher

    maschi sagt:

    Lieber Tom, ich bin bei Dir, dass Einfordern von und noch besser Arbeit an besserer Bildung und -spolitik immer notwendig ist. Aber das wird auch immer notwendig bleiben, denn ad “hätte die Politik die Zeichen der Zeit früh genug erkannt”: Politik erkennt die Zeichen der Zeit (fast) niemals früh. Und das ist systemimmanent. Denn Politik wie ich sie verstehe ist demokratisch organisiert. Und Mehrheiten sind nicht visionär. Sie kommen immer erst dann zustande, wenn etwas Neues für wirklich viele Menschen offensichtlich geworden ist…

    Just my five Saturday cents… ;)

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    !!! | 7. February 2009 | 11:18
    Tom Schaffer sagt:

    Das mit der Trägheit der Demokratie seh ich grundsätzlich ähnlich. Allerdings ist der Sinn der representativen Demokratie ja imo, dass eine Elite die zur Aufgabe hat vorausschauend zu denken die Leute vertritt, die freilich in ihrem Leben anderes im Kopf haben.

    Wäre mal interessant zu diskutieren, was man da als Motor ins System integrieren könnte.

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    7. February 2009 | 12:42
    Cle sagt:

    “Wäre mal interessant zu diskutieren, was man da als Motor ins System integrieren könnte.”

    Hirn?

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    !!! | 8. February 2009 | 19:28
    Tom Schaffer sagt:

    Vielleicht doch eher was Institutionelles. ;)

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    8. February 2009 | 21:56
    Fivel sagt:

    Lieber Tom, das Grundrecht ist das Recht auf “informationelle Selbstbestimmung”, wie du es auch richtig verlinkt hast.

    lg,
    Fivel

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    !!! | 10. February 2009 | 20:28
    Tom Schaffer sagt:

    Stimmt, doofer Fehler. Danke.

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    11. February 2009 | 00:13
    Raphael sagt:

    Elite? Hab’ ich da “Elite” gelesen? Wo gibt’s die? Wer soll das sein? Faymann/Pröll? Gusenbauer/Molterer? Gewählt wird keine Elite sondern Medienprominenz.

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    !!! | 13. March 2009 | 10:39

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