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Warum ein Rauchverbot auch aus Unternehmersicht richtig ist

 

Zigarrette
Dass mir das erst jetzt aufgefallen ist – seltsam. Seit Jahren wird nun über ein öffentliches Rauchverbot diskutiert. Und die letzte Festung seiner Gegner war immer wieder, auf die wirtschaftliche Freiheit der Gastwirte zu pochen (auch in den Kommentaren dieses Blogposts). Hier scheint es, als würde das Problem auf seine ultimative Unauflösbarkeit reduziert. Als stünde das Unternehmerrecht gegen den Arbeiterschutz. Dass da ein gedanklicher Fehler drinnen steckt, das hat bisher noch nie jemand so klar formuliert.

Wir kennen die Situation der letzten Jahrzehnte. Rauchen in Lokalen war uneingeschränkt erlaubt, ein adäquates Nichtsraucherangebot ist nicht entstanden. Der Markt hat in dieser Frage versagt, weil er von zu vielen geschriebenen und ungeschriebenen Zwängen beeinflusst wird. Der Versuch, ein rauchfreies Alternativangebot aufzuziehen ist nicht nur gescheitert, er wurde aus freien Stücken dann auch irgendwann gar nicht mehr in Angriff genommen.

Die Erklärung im theoretischen Schnelldurchlauf: Raucher- wie Nichtraucherlokale werden zwar beide von Rauchern wie Nichtrauchern besucht, zweitere sind aber im Nachteil. Denn während ein beachtlich großer Teil der Raucher nicht einsieht, sich in seiner Lust- und Sucht-Gewohnheit einschränken zu lassen (was dann auch dazu führt, dass so manches Lokal mit besonders festgefahrener Klientel bei einem Rauchverbot Probleme bekommen wird), sind Nichtraucher in einer Gesellschaft sozialisiert, wo sie die Rauchgefährdung und -belästigung gewöhnt sind. Viele nehmen sie auch nicht ernst. Wer kennt sie schließlich nicht, die Geschichten vom Kettenraucher-Opa, der trotzdem 214 Jahre alt geworden ist?

Die Anzahl militanter Nichtraucher, die aus Prinzip ihren eigenen Nachteil in Kauf nehmen, auf die guten Lokale verzichten und zuhause bleiben (oder wo überhaupt möglich in meist schrecklich langweilige Nichtraucher-Kneipen gehen), ist deshalb wesentlich kleiner. Sie wird nur um die rücksichtslos stets ignorierte Zahl derer ergänzt, die aus Krankheitsgründen schon nicht einmal daran denken dürfen, eine rauchversiffte Bude aufzusuchen. Macht sich ein Nichtraucher überhaupt Gedanken um die Problematik des Rauchs, bleibt immer noch der soziale Gruppenzwang (und die Bedeutung von “Zwang” darf man hier nicht so einfach übergehen), der in seinem inhomogenen Freundeskreis entsteht.

Nochmal kurz: Die aktuellen Rahmenbedingungen, die zwar nicht immer in Gesetzesform niedergeschrieben aber denoch zwanghaft sind und deshalb freie Entscheidungen verunmöglichen, benachteiligen Nichtraucherlokale. Auch aus so mancher Unternehmersicht ist ein Rauchverbot also gut. Eine pauschale Instrumantalisierung “der Unternehmer” als Argument gegen ein Rauchverbot muss nicht akzeptiert werden.

Meine Fragen an die sicher kommenden Widersprechenden:
Wieso soll der Nachteil von Nichtraucherlokal-Besitzer weniger beklagenswert sein, als der Rückschlag, den manch andere Lokale bei einem Rauchverbot erleiden würden?
Wieso haben Rauchlokal-Besitzer anscheinend die Garantie, dass die Welt es immer gut mit ihrem Geschäft meinen soll – auch wenn es gefährlich ist?
Und angesichts dessen, dass ein völlig freier Markt eher eine Dystopie als ein anstrebenswertes Ziel ist, was spricht da gegen diese harmlose Regulierung? (Und ich meine konkret. Bitte keine dieser prinzipiellen “Der Markt muss frei sein”-Statements.)

Schlussendlich darf doch das Ziel eines Liberalen niemals ein Instrument als Prinzip sein (eben der sogenannte “freie” Markt), sondern die größtmögliche Freiheit aller – die aber aus bekannten Gründen niemals grenzenlos sein darf. Die Freiheit wird aber nicht nur vom Staat und seinen Ge- und Verboten eingeschränkt, sondern auch von anderen und nicht minderen Zwängen – etwa gesellschaftlichen und wirtschaftlichen. Und weil dazwischen abgewogen werden muss, bestimmt nicht die Entscheidung zwischen einer Regulierung und keiner Regulierung, wie viel Freiheit entsteht, sondern die Auswirkungen dieser Entscheidung.

Fotocredits: nyki_m

 
Tom Schaffer | 11. February 2009

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9 Reaktionen bisher

    kritikus.at sagt:

    Es geht nicht um das Abwägen von Nachteilen der Nichtraucherlokal- oder Raucherlokal-Besitzer und auch nicht um einen garantieren Vorteil der Rauchlokal-Besitzer. Bei einem totalen Rauchverbot wird es genauso zu Verzerrungen kommen. In der Getränkegastronomie wird nämlich der gewinnen, der am Gemütlichsten den Gehsteig, die Terrasse oder den Hinterhof heizt und regensicher macht. Dort wird dann die Luzi abgehen. Alle anderen werden durch die Finger schauen, denn die Masse der Nichtraucher wird auch nachher den paar Rauchern nachlaufen (dagegen wird es ja so schnell kein Gesetz geben können… ;) ).

    Restaurants werden wahrscheinlich auch einen guten Teil des Umsatzes verlieren, weil die Verweildauer kürzer werden wird. Das gemütliche Sitzenbleiben danach bei Cognac, Kaffee und/oder ein paar Gläsern Wein wird einfach weniger stattfinden. Und seien wir ehrlich, vom Essen alleine werden die meisten Restaurants nicht leben können und früher oder später vor dem Problem stehen, die Menüpreise massiv erhöhen zu müssen.

    Und nochmal, so eine “harmlose Regulierung” ist es nicht, wenn man jemanden aus dem Lokal schmeisst – überhaupt dann nicht, wenn man nicht einmal der Besitzer des Lokals ist… ;)

    !!! | 11. February 2009 | 22:47
    Alexander sagt:

    Raucher sind Nikotin-Süchtige. Ohne regelmässige Nikotin-Versorgung (mehrmals täglich) werden sie nervös. Wie andere Drogensüchtige tun sich auch Raucher schwer, sich von ihrer Sucht zu befreien. Ohne fremde Hilfe schaffen das nur die wenigsten von ihnen.

    Im Gegensatz zu den meisten anderen Drogenkranken, schaden Raucher mit ihrem Verhalten aber auch Nichtsüchtigen. Jedes Jahr sterben mehrere Menschen an den Folgen des Passivrauchens.

    Zum Liberalen: Die Freiheit des Rauchers endet dort, wo es um die Gesundheit anderer Menschen (Nichtraucher) geht.

    Eine Liberale Gesellschaftsordnung kann nur funktionieren, wenn die Protagonisten eigenverantwortlich und rücksichtsvoll handeln. Da Raucher in den letzten hundert Jahren bewiesen haben, dass sie nicht rücksichtsvoll handeln können, sind gesetzliche Regelungen und Massnahmen zum Schutz der Nichtraucher zwingend notwendig.

    Die meisten Länder auf dieser Welt haben strenge Anti-Drogengesetze. Es ist an der Zeit, dass die Bevölkerung von einer der allerschlimmsten Drogen der Welt, welcher jedes Jahr eine grosse Zahl Menschen zum Opfer fallen, geschützt werden.

    Gastwirte, die mutwillig und fahrlässig ihre Gäste und Mitarbeiter hochtoxischen Rauchwolken aussetzen sollten dafür mit Haft oder hohen Geldstrafen und Schadenersatzforderungen belangt werden können.

    !!! | 12. February 2009 | 11:14
    kritikus.at sagt:

    @Alexander

    >>Ohne fremde Hilfe schaffen das nur die wenigsten von ihnen.

    Und was schlägst Du vor, wenn manche die “fremde Hilfe” nicht wollen? Raucherzwangsentwöhnungs-KZs?

    <>Gastwirte, die mutwillig und fahrlässig ihre Gäste und Mitarbeiter hochtoxischen Rauchwolken aussetzen sollten dafür mit Haft oder hohen Geldstrafen und Schadenersatzforderungen belangt werden können.<<

    Warum soll man denn diese Volksschädlinge gar so nobel anfassen? Gleich an die Wand stellen und gut ist. Dann gibts wenigstens keine Widerholungstäter.

    Ist wirklich toll, mit welchen Einstellungen man sich auch Gedanken über eine “Liberale Gesellschaftsordnung” machen kann… ;)

    !!! | 12. February 2009 | 13:27
    Petra Köstinger sagt:

    @kritikus: das sind ja tolle gegenargumente…

    die ganze raucher-diskussion ist ein einziges vernebeltes gedanken-lulu, wie man den “armen raucher” doch irgendwie mehr freiheiten lassen könnt als durch jegliche vernunft begründet angebracht wäre.

    sorry für die polemik, aber meine leber kann dem nikotinschwall (erbkrankheit) generell aber vor allem der geballten ladungen in den lokalen nicht standhalten, mehr als eine stunde am stück steht das mein kreislauf nicht durch. und ich sehs einfach nicht ein, warum man so leichtsinnig langfristige gesundheitliche einbußen hinnehmen soll (vorausgesetzt man will sich dem sozialen leben in der kalten jahreszeit nicht entziehen), nur weil die masse an stinkern nicht für fünf minuten vor die tür gehn kann.

    *grml*

    12. February 2009 | 17:47
    Markus mh sagt:

    Kurz und bündig:

    Rauchen ist schädlich für die Gesundheit und es stinkt. Das weiß jeder.

    Es gab und gibt keine statistisch signifikant verkürzte Lebenserwartung durch Passivrauchen, das ist eine Legende und nicht nachweisbar.

    Lokale müssen vor dem Gesetz gleich behandelt werden. Gar keine Gesetze zu dem Thema oder völliges und allgemeines Rauchverbot in Gaststätten.

    !!! | 14. February 2009 | 13:03
    Tom Schaffer sagt:

    Es gab und gibt keine statistisch signifikant verkürzte Lebenserwartung durch Passivrauchen, das ist eine Legende und nicht nachweisbar.

    Das hatten wir bereits in der letzten Diskussion per Link als falsch entlarvt. Dass nichtrauchende Lebenspartner von Rauchern signifikant Krebsrisiko-belasteter sind, wurde bereits in zig Studien belegt.

    14. February 2009 | 19:38
    Laura sagt:

    …dazu braucht man wohl keine Studie, um das zu checken (manche offenbar schon) ! Was mir bisweilen auch schon ziemlich auf den Geist geht, sind die Raucher, die als erste Reaktion, wenn sich jemand als NichtraucherIn outet(!), immer gleich anmerken müssen, wieviele Nichtraucher sie nicht kennen, die an einem Tumor gestorben sind :-) ! (Manche scheinen in ihrem Bekanntenkreis offenbar jede Woche mindestens einen Todesfall zu beklagen zu haben – vielleicht rauchen sie deshalb so viel, um das verkraften zu können, dass all ihre armen Nichtraucherfreunde am laufenden Bande dahinschwinden – hätten sie doch nur geraucht, dann wären sie sicherlich am Leben geblieben, weil sie ja so glücklich gewesen wären anstatt sich zu kasteien um auf das Rauchen verzichten zu können ;-) Einige Raucher müssen tatsächlich vor Nichtrauchern ständig darauf pochen, wieviel Lebensfreude letzteren nicht entginge, ohne zu rauchen ;-) und dass sie sich nicht so kasteien sollen (denn dann bekommen sie eh sicher einen Tumor), sondern lieber das Leben genießen ;-) !

    !!! | 15. February 2009 | 02:58
    Thomas W. sagt:

    Natürlich wird es auch wieder zu Verzerrungen im Wettbewerb kommen, wenn der eine die Leute vor der Tür positionieren kann, während andere wegen Anrainer, die sich vom Lärm belästigt fühlen, das nicht können.
    Das ist dann nunmal so, ja, und in dem Sinne eine neue Herausforderung, ein Wechsel, dem sich der Wirt stellen muss und sich diesem auch anpassen (können) muss, um weiterhin bestehen zu können. Wer sich nicht anpasst, wird früher oder später untergehn, das ist eine normale Entwicklung.

    Ein einheitliches Gesetz, das das Rauchen generell aus dem Betrieb ausschließt, mindert strukturelle Ungerechtigkeiten. Im Endeffekt wird es dennoch am Betreiber liegen, sich neu auszurichten.

    Vielleicht werden viele Leute aufgrund dieser Entwicklung mit dem Rauchen aufhören? Sind dann die Tabakproduzenten die Armen, die benachteiligt sind? Vielleicht. Vielleicht nicht. Wenn man nicht alles in Benachteiligung denkt, sondern es als Wechsel der neue Herausforderungen bringt sieht, was wäre dann?

    !!! | 16. February 2009 | 15:22
    Tom Schaffer sagt:

    Zu den Verzerrungen im Wettbewerb: Nichtraucherlokal muss zusperren

    17. February 2009 | 16:17

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