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Trauer um Kärnten, Mitleid mit Jörg Haider

Heute gibt es keine erklärenden Worte. Ich kenn mich ehrlich nicht aus (warne aber noch mehr als hier vor einer zu großen bundespolitischen Herumdeuterei). Eine knapper BZÖ-Sieg wäre noch irgendwie verkraftbar gewesen, aber das? Heute ist in Kärnten die Sonne vom Himmel gefallen und in den Wörthersee geplumpst. Ich denke, niemand weiß wieso. Mein Mitleid gilt meinen Kärntner Freunden, die nun weitere Jahre verarscht werden. Und es gilt meinen Kärntner Großeltern, die Kärntens langsames Dahinsiechen seit Jahren leidend erleben müssen. Mein Mitleid gilt aber auch Jörg Haider. Kaum war das angebliche politische Genie tot, haben seine beiden Parteien gemeinsam fast 50% erreicht.
Es ist nur ein guter Tag für Kabarettisten. Weitere Jahre des Materials sind gesichert.
Tom Schaffer | 1. March 2009
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15 Reaktionen bisher
Leider weiß ich die Antwort von H. A. Gansterer noch nicht ob man per email kondolieren darf (wenn nein, dann vermutlich per Blog erst recht nicht…)
however…
dieses bitte als Kondolenz-Posting zu verstehen
der Versuch einer Erklärung (?)
Warum die Kärntner anders ticken
ich glaube zwar nicht an Pauschal-Analysen, aber für’s Erste kann man sich damit, denke ich, über das Ergebnis hinwegtrösten…
!!! | 2. March 2009 | 09:02
Meiner Meinung nach liegts daran, dass aufgrund des Todes sich niemand richtig auszusprechen getraut hat dass Kärnten am Boden liegt, sondern alle nur “die gute Arbeit Haiders” fortsetzen wollten. Damit bestätigt man den Kurs des BZÖs
!!! | 2. March 2009 | 13:00
BZÖ erreicht über 45%:
Solidarität der Alkofahrer?
Trotzreaktion wider jeglicher politischen Vernunft?
Unbewusstes Warten auf die Wiederkehr des Jörg?
Die Langzeitfolgen von Villacher Fasching und Co.?
Neid auf die Burgenländerwitze?
… oder einfach ein unerklärbares Phänomen?
Logisch ist das Wahlresultat nicht, blöd dafür allemal. Mein aufrichtige Beileid an all jene Kärntnerinnen und Kärntner, die das BZÖ nicht gewählt haben.
!!! | 2. March 2009 | 15:00
Die Kärntner haben meiner Meinung nach ja gar nicht das BZÖ gewählt (zumindest nicht in diesem Ausmaß). Sie haben diese Partei lediglich in Kauf genommen, um denen, die nicht wissen, wie man mit einem Toten umgeht, eine kräftige Watschen zu verpassen. Die Schlaumaier in den anderen Parteien hätten das vorraussehen müssen. Einem Jörg Haider wäre so ein politischer Schnitzer ganz bestimmt nicht passiert…
!!! | 2. March 2009 | 16:04
Wahrscheinlich war alles nur ein Gag, bald schon wieder grinst uns der Jörginator aus’m Fernsehkastl zu: “Bin wieder da!”
!!! | 2. March 2009 | 21:36
Ich glaube die KärnterInnen wollten dem Rest Österreichs eins auswischen. Weil sie in den Medien immer als völlig geistig umnachtet und durch und durch vertrottelt hingestellt werden. Da haben sie sich gedacht: Jetzt erst recht(s)!


Ich halte es tatsächlich für problematisch, dass die KärntnerInnen in den Medien stets als dumm hingestellt werden, da dadurch die Kluft zum Rest Österreichs nur noch größer wird und sich nur noch mehr verhärtet, weil sie sich dadurch gekränkt fühlen. (Ich hielte es aber natürlich für nicht minder problematisch, wenn man jetzt nicht mehr öffentlich über die KärntnerInnen herziehen dürfte
Ich weiß auch nicht, wie man die KärtnerInnen aus dieser Massentrance herausmanoevrieren könnte. Normalerweise reicht es doch, wenn man einfach in die Hände klatscht, damit die Betroffenen aufwachen: Wir haben den KärtnerInnen also anscheinend noch nicht genug Applaus für ihr Ergebnis zukommen lassen
(aber jetzt mach ich wieder das, was die ganzen Medien immer machen, und was die Abschirmung Kärntens ja gerade vorantreibt – hm… schwierig… wie soll sich Restösterreich am besten verhalten?)
!!! | 3. March 2009 | 02:26
Ein Bundesland das mittlerweile zu 50% rechtsextreme Parteien wählt (nicht zu vergessen: ÖVP und SPÖ sind in Kärnten auch kein Leuchtfeuer der Progressivität), wird sich Spott gefallen lassen müssen. Da gibts kein Mitleid. Nicht Restösterreich hat Kärnten in diese Situation geritten, die haben das selbst gemacht (und schaden damit zB in Sachen Mindestsicherung allen anderen Österreichern).
Natürlich sind die Kärntner nicht dumm (bin selbst familiär zu einem guten Teil einer), aber sie führen sich seit geraumer Zeit denkbar seltsam auf. Wenn mir sogar manch Kärntner Grün-Wähler mit dieser eigenartigen “Das BZÖ zu kritisieren ist Verrat an der Volksseele”-Argumentation kommt (natürlich nicht wortwörtlic), dann weiß ich echt nicht, was man als “Restösterreicher” in dieser Frage eigentlich “richtig” machen könnte. Gegen indoktrinierte Propaganda ists argumentativ schwer anzukommen.
3. March 2009 | 12:30
Das stimmt natürlich alles. Ich habe ja nur faktisch festgestellt, dass es die Kärnter Situation (de facto) nur noch mehr unterstützt, wenn über sie gespottet wird. Ich spotte ja selber, und hab ja gesagt, dass es inakzeptabel wäre, das nicht mehr zu tun oder gar tun zu dürfen. De facto ist es aber ein Problem (wenn man sich die Reaktionen der Kärtner auf unseren Spott ansieht – die werden dadurch nur noch oranger und spalten sich nur noch mehr von uns ab).
Dass argumentativ da nichts zu machen ist, weiß ich auch. Aber wie ist dann etwas zu machen? Warum gibt es in Österreich überhaupt so einen breiten Boden für Dummheit? Ich versteh das einfach nicht, wie gibts das, nämlich in DEM Ausmaß? Dass ein paar Nazis bei uns noch herumkrebsen, wär historisch nachvollziehbar, aber gleich sooo viele nationalistisch eingestellte Menschen auf einmal?
!!! | 3. March 2009 | 13:54
Ich freue mich auf Stermann & Grissemann am Donnerstag ….
!!! | 3. March 2009 | 23:25
Es ist sicherlich etwas Wahres dran, dass eine gewisse Reaktion eine bestimmte, nicht gewollte Trotzreaktion eher fördert als hemmt. Man muss sich aber auch fragen, inwieweit die Kärntner Oppositionspolitik versagt hat, was ich als Nicht-Kärntner leider nur eingeschränkt beurteilen kann.
Zumindest außerhalb Kärntens konnte man im Wesentlichen nur zwei Kritikpunkte an der Regierungspolitik in Kärnten medial vernehmen: Erstens die Schuldenpolitik, zweitens die Causa Saualm. Letzteres scheint leider einen viele Menschen nicht zu berühren (und jene die gegen Asylwerber hetzen erst recht in ihrer Haltung bestärken), Ersteres ist vielleicht in einer Wirtschaftskrise, in der überall riesige Schulden gemacht werden, für viele nicht als Missstand erkennbar.
Abgesehen von diesen Ansätzen zweier aus der Entfernung getroffenen sachpolitischen Erklärungen kann den Faktor Haider wohl niemand einordnen.
!!! | 5. March 2009 | 15:55
Vergessen wir den Faktor Haider. Ich bezweifle, dass so viele Menschen eine Wahl mit einer Kondolenzbekundung verwechseln. Die Hälfte der Kärntner WählerInnen will tatsächlich diese Politik.
Wenn die politischen Gegner des BZÖ sich zu sehr darauf verlassen, dass das Haiders letzter Sieg war, dann übersehen sie womöglich auch beim nächsten Mal wieder zentrale Dinge.
Die Art wie das BZÖ Politik macht (zwischen Sozialpopulismus, Fremdenhetze, Wien-Bashing, Mia-san–mia-und-ia-vastehds-uns-olle-lei-nid-Legende und Fête Blanche) liegt etwas, das bei vielen Menschen ankommt.
Ich glaube nicht, dass die hässlichen Elemente wirklich ausschlaggebend sind. Auch die zweifelhaften Finanzierungen machen das Kraut nicht fett. Es ist wohl hauptsächlich der intensive (wenn auch primitive) Bürgerkontakt und das geschickte (wenn auch in Wahrheit nur oberflächliche) Abgrasen von Themen. Es ist klientelistischer, bäuerlicher Sozialpopulismus.
Und wenn die anderen Parteien das glaubwürdiger und geschickter kontern würden, dann wär auch das personell-inhaltlich verdammt dünne BZÖ schnell wieder geschrumpft.
Der Aufstieg des BZÖ (und anderswo auch der FPÖ) ist zu einem guten Teil der völligen Vernichtung inhaltlicher Art bei SPÖ und ÖVP zu verdanken. Den Grüne, der KPÖ oder dem LIF muss man vorwerfen, dass sie das nicht für sich zu nutzen vermögen. (Dass Proteststimmen auch nach links gehen können, hat Ernst Kaltenegger vor nicht allzu langer Zeit in Graz mit der KPÖ bewiesen).
5. March 2009 | 19:05
Ad Kärnten: Gerade die Reaktionen aus den Parteien und den Medien führen leider zu einer Trotzreaktion, wie man sie beispielhaft auf http://www.krone.at/krone/S99/object_id__135824/hxcms/index.html sehen kann, und die vielleicht auch in der Berichterstattung vor der Wahl ihren Teil zu diesem Wahlergebnis beigetragen hat.
Ad Kaltenegger/BZÖ/Politik: Diese Proteststimmen gingen aber nicht nach links weil er links war, sondern wegen der Politik Kalteneggers. Insbesondere wegen seinem guten Draht zum bzw. seiner nachvollziehbaren Arbeit für den Bürger, aufgrund dessen (Bürgerkontakt) du auch dem BZÖ seinen Wahlerfolg zuschreibst. Faktum ist, dass sich die Bürger in den letzten Jahren kontinuierlich von der Politik entfernt haben (was ich in meinem Blog des Öfteren aufzeige). Jetzt, in der Finanz-, Wirtschafts-, Klima-, Energie-, Verteilungs-, etc.-Krise suchen viele Personen wieder die Politik als Rettungsanker, doch anstatt sich den konstruktiven, komplexen, langfristigen Lösungen zuzuwenden (die man ehrlich gesagt auch selten findet), goutiert man lieber das plakative Aufzeigen einzelner Probleme bzw. Missstände, kurzum eine Politik der “völkisch getönten Sozialideologie” (SZ – http://www.sueddeutsche.de/politik/598/460233/text/). Nichtsdestotrotz scheinen FPÖ/BZÖ damit zu den Wählern durchzudringen, oder um es in der Sprache der BZÖ-Wähler zu sagen: “Setzt doch mal euer Hirn ein und überlegt, warum das BZÖ und die FPÖ stark zugelegt haben? Diese beiden Parteien sind nämlich die einzigen, die sich wirklich um die Sorgen der österreichischen Bevölkerung kümmern.” (http://www.krone.at/krone/S99/object_id__135983/hxcms/index.html)
Mein daran anschließender Aufruf zur Diskussion: http://www.andreaslindinger.at/?p=284
!!! | 6. March 2009 | 01:11
Wenn sie aus ideologischen Gründen nach links gegangen wären, wären sie keine Proteststimmen sondern Überzeugungsstimmen. Jedenfalls macht mich eben genau dieses Beispiel hoffnungsfroh, dass es eben nicht die menschenfeindliche Hetze ist, die dem BZÖ den Zulauf verschafft, und dass das prinzipiell auch andere Parteien erreichen könnten. Das BZÖ/Die FPÖ werden wahrscheinlich von guten Teilen ihrer Wählerschaft wegen ihrer Standpunkte im gesellschaftspolitischen Bereich gewählt, aber von vielen zum Glück auch eher trotz dieser Standpunkte.
6. March 2009 | 02:05
Auch im Protest sollte man sich als Wähler die Frage stellen, welchen Protest man unterstützt, daher würde ich in Punkto Protest oder Überzeugung keinen reinen Entweder-Oder Standpunkt anwenden. Die Wähler Kalteneggers sollten sich genauso bewusst sein dass er für eine linke Politik steht so wie sich die Wähler von FPBZÖ bewusst sein sollten dass diese für eine rechte Politik stehen. Eine reine Proteststimme gibt es nie, man unterstützt damit immer einen gewissen Kurs, dem man damit als Alternative legitimiert.
!!! | 6. March 2009 | 02:10
Du setzt ein normatives “sollte” und erklärst damit ein faktisches “ist”
Natürlich ist immer auch Ideologie dabei, aber genausowenig wie es damals in Graz 20% Kommunisten gab, gibt es in Kärnten 50% Nazis. (wobei die Tendenz zur Zustimmung in Kärnten wahrscheinlich größer ist)
6. March 2009 | 17:30
Jetzt sag doch was!