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Studierende in Zeiten der Dauerkrise
In den letzten Tagen war die Stimmung an der Uni wie ein Viergeteilter kurz vor seinem Ende: angespannt. Zu Beginn des Semesters ist sie das seit ich studiere immer, weil der Platzmangel und die wahnwitzige Unterfinanzierung der Lehre gerade da besonders augenscheinlich wird. Das vierte neue Anmeldesystem in meinen vier Studienjahren am Politikwissenschafts-Institut hat etwa mir nur einen von drei benötigten Kursen beschert, alle Seminare waren 4-fach überbelegt. Studieren ist jetzt zum Hantieren mit Punkten geworden, zu einer Art Pokerspiel mit zukunftsweisendem Einsatz. Und weil im Mai ÖH-Wahlen sind, tut sich in den Studierendenvertretungen jetzt auch endlich etwas.
Die Studienrichtungsvertreteung der PoWis rief gestern zu einer HöhrerInnenvollversammlung – der ersten seit kurz vor der bisher letzten ÖH-Wahl vor zwei Jahren. Dafür gab es ordentlich Schelte von den etwa 100 bis 150 Anwesenden an diesem verregneten Abend im Seminarraum 1. Nicht immer war das ganz unabhängig: Oft war die Kritik von Mitgliedern anderer Fraktionen am Lautesten. Es ist halt Wahlkampf. Was (fast schon politiktypisch für Österreich) fehlte waren freilich die konkreten Vorschläge, wie man es besser machen will. Aufgebrachte Studierende diskutierten also zwischen Wahlkampf und Detailwahnwitz (“Quellcode des Anmeldesystem offenlegen”) hin und her.
[ad#ad-1]Der wesenstlichte Punkt wurde gleich zu Beginn festgestellt und dann doch schnell wieder vergessen: Schuld ist eigentlich die Politik.
So sieht die Problemkette aus: Der Finanzminister gibt dem Wissenschaftsminister zu wenig und meint “Die Krise ist da” (in Österreich dauert die Krise demnach schon Jahre länger als überall sonst). Der Wissenschaftsminister, sein Parteikumpel, ist weder besonders fähig noch gewillt, die Entscheidung von 75% der Bevölkerung umzusetzen (denn so viele Stimmen versammeln die Parteien, die die Studiengebühren abgeschafft und den Unis mehr Geld zugesprochen haben – was er nicht umsetzt).
Das Rektorat in Wien ist alles andere als Sozial- bzw. Humanwissenschafts-affin (Politik- oder Kommunikationswissenschaft gehören etwa zu den größten und dennoch schlechtestfinanzierten Studienrichtungen). Außerdem sieht das Rektorat die Uni generell als Forschungseinrichtung und die Lehre nur als lästiges Beiwerk. Die Studienprogrammsleitung am Institut betreibt dann nur noch Mangelverwaltung. Und was war im heutigen Forum? “Die setzen sich zu wenig für uns ein”, tuschelte eine junge Kollegin. Und meinte damit die Studierendenvertreter, die das alles fernab von perfekt, aber immerhin auch nur ehrenamtlich machen.
Woher stammt eigentlich dieser Unwille in Österreich, einfach einmal viel zu wagen – auch wenn es im Endeffekt vielleicht zu viel ist? Denn während sich teilweise Bakkelaureats- und Diplomstudierende fetzten, wer nun die beschissenere Bedingungen am Institut vorfände (diese Ellbogenmentalität ist das täglich spürbare Ergebnis des Wettbewerbs um Seminarplätze und Betreuung – oder noch banaler: um Sitzplätze in Vorlesungen), wagte es niemand zu sagen, dass man als großes Ziel nur eines vor Augen haben darf: Die Verursacher unter Druck zu setzen.
Wenn der Finanzminister die Bildungsinstitutionen eines so hinterherhinkenden Land wie Österreich noch weiter aushungert, dann muss er politisch attackiert werden.
Wenn das Rektorat meint, es dürfe zehntausenden Studierenden per Finanzierung vorschreiben, was nun wertvoll zu lernen ist und was nicht, dann muss es den Unmut zu spüren bekommen.
Wenn die Studierenden aus allen Entscheidungsgremien in autoritärer Manier rausgehalten werden, dann müssen sie sich aufstellen und diese Gremien spüren lassen, was uns die Geschichte des friedlichen politischen Aktivismus anzubieten hat.
Die mehr oder weniger Mitleidenden in den untersten Ebenen des Systems sind die letzten die man anpatzen darf. Nur mit ihnen gemeinsam, in einer solidarischer Bewegung, kann sich etwas ändern. Klar ist der Studienprogrammsleiter greifbarer – ein leichteres Ziel – aber für die Missstände kann er auch so gut wie nichts. Selbst wenn man ihn stürzen könnte, könnte die Nachfolge bestenfalls kleinste Details verbessern. Selbst wenn auf unterster Systemebene der letzte Rest an Effektivität herausgeholt wird (und etwas Potential sehe ich da durchaus), hängen wir immer noch alle am selben leeren Trog.
Es muss also mehr Geld her, oder der Finanzminister wird zehntausende Studierenden vor seiner Tür und auf den Straßen haben. Eine andere Wahl darf er nicht haben.
Genau zu diesem Zweck müssen die Studierenden und Lehrenden aufwachen und sich gemeinsam formieren und organisieren. Die ÖH-Fraktionen müssen aufhören die deplatziertesten Dinge zu plakatieren (GRAS fordert als Studierendenvertretung(!), dass mehr Frauen in Uni-Führungspositionen kommen; VSSTÖ bildet rauchende und Bongotrommelspielende StudentInnen ab) oder wie AG und FL in unpolitischer Sinnlosigkeit zu vegetieren, sondern die zweifellos bestehende Wut sinnvoll zu bündeln.
Am Freitag geht es auf Institutsebene weiter. Eine Plattform von Lehrenden will den Schulterschluss mit den Studierenden suchen (12:15, HS I). Ich würde vorschlagen, dass jeder der gestern im NIG war, noch ein oder zwei Personen zum Mitkommen überzeugt. Schlussendlich können selbst die besten Bündnisse und Vertretungen scheissen gehen, wenn die Studierenden als Basis sich nur in Internetforen ausheulen. Die Anzahl der Teilnehmer zumindest zu verdoppeln wäre ein guter erster Schritt auf dem Weg zum Finanz- und Wissenschaftsministerium.
Das was heute war, vergessen wir und ordnen es wir unter Startschwierigkeiten ein.
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8 Reaktionen bisher
Was ich nicht so ganz verstanden habe: Betreffen die Versammlungen im NIG nur die Politikwissenschaft oder allgemein die von dir beschriebenen schlechten Zustände an den Unis?
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!!! | 12. March 2009 | 01:46
die versammlungen sind an der powi – aber ich meine man sollte das ausbreiten (viele andere sehen das auch so). die zustände sind wiederun weit verbreitet bis universell. was an erfahrungen eingeflossen ist habe ich in powi, kowi aber auch anglistik und romanistik erlebt.
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12. March 2009 | 02:47
sicherlich müsste man in der politik beginnen, alle versprechen mal einzuhalten bzw. das geld, das durch die abschaffung der studiengebühren nun fehlt, rückzuerstatten. Doch überlegt mal realistisch: wird jemals irgendein wahlversprechen eingehalten?
D.h. so wie immer müssen wir Studenten zurückstecken und alles im Grunde genommen so hinnehmen, wie es kommt. (Ich glaube nämlich so gar nicht mehr an irgendwelche Wahlversprechen, geschweige denn überhaupt irgendwelchen Versprechungen, die mit der Finanzierung der Unis oder überhaupt mit Universitäten zu tun haben)
Du hast schon recht, wenn du davon schreibst, dass es mehr oder weniger zu einem “Kampf” zwischen Diplom und Bakk kommt, wer hier die schlechteren Bedingungen zum Studieren hat. Meiner Meinung nach müsste die SPL das Angebot so aufteilen, dass jede “Gruppe” gleich viele Anteile hat. Im Moment siehts aber (meine persönliche Meinung) für die Diploms noch schlechter aus, als für die Bakks. Jetzt stellt sich natürlich die Frage – WARUM? Die Antwort darauf ist einfach, dass die Diploms bis 2012 fertig sein müssen, dies aber aufgrund dieser Bedingungen einfach nicht möglich ist. Naja was solls…
…um auf das Thema “Versammlung” zu sprechen zu kommen. Naja…ich sag mal so, einerseits sehr schön, dass sich die Studienvertreter einsetzen, doch es ist halt schon sehr komisch, dass die Initiativen immer erst im Nachhinein stattfinden. Genau kann ich es nicht mehr sagen, ich habe aber im Powi-Forum gelesen, dass sich die BAGRU schon des Längeren für diverse Sachen, wie eben immer weniger werdendes Studienangebot einsetzt. Doch die frage stellt sich halt, warum sie sich dann erst so spät mit den Studenten in Verbindung setzen und informieren? Warum kann die bagru nicht von alleine sagen: “Ja so ist es und so schaut es aus” – warum meldet sie sich erst, nachdem einige Studenten sich über die fehlende Initiative beschwert hat?
Nicht nur dass es am Geld mangelt, es mangelt auch an der Kommunikation zwischen Studenten und Lehrenden bzw. SPL. Langsam wird Studieren zur Qual. Im Normalfall sollten die Studenten über Kürzungen des Angebots, mögliche Anrechnungen usw. rechtzeitigst informiert werden, doch was passiert? Nichts passiert! Auf E-Mails wird nicht mal reagiert. Nachfragen kann man ja auch nicht, weil die Öffnungszeiten gewisser Institute sehr “Angestellten-freundlich” sind. Aber ok…that´s life.
…und zur Kritik, dass der Unmut in gewissen Foren ausgetragen wird, muss ich sagen…WO SONST? Beispielsweise war es mir persönlich nicht möglich, die Veranstaltung gestern aufzusuchen, geschweige denn morgen. Wäre gern hingegangen, aber ja…
…so genug jetzt…
;o)
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!!! | 12. March 2009 | 07:11
naja am ende wurde es doch etwas konstruktiver. und natürlich war die kritik an der bagru hefigst…
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!!! | 12. March 2009 | 08:04
Wie ich schreibe: Auf der Straße, vorm Ministerium, vorm Rektorat. Ich find es immer wieder erstaunlich, dass in den Foren alle ganz toll wütend sind, und bei der nächsten Demo gerade mal 50 Leute auftauchen.
Natürlich ist der einzelne in seinen Möglichkeiten eingeschränkt, aber die mangelnde Protestkultur ist wohl kaum wegzureden. Das darf ich uns Studis definitiv vorwerfen ohne rot zu werden.
Warum konntest du um 19:30 nicht? Es muss schon klar sein, dass Protestaufbau nicht unbeding ein angenehmes Erlebnis sein muss, dass jedem in den Terminplan passt.
Morgen ist deine nächste Chance.
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12. March 2009 | 15:41
Bei einer Demo gegen den wahnwitzigen Bildungsabbau in Österreich, wie wir ihn nun schon lange mitansehen müssen, bin ich sofort dabei.
Es stimmt leider, dass Demonstrationen hierzulande meistens eher einer Cocktailparty als sonst etwas gleichen. Wir sollten uns da an den französischen Studierenden (und den Franzosen allgemein) ein Beispiel nehmen: die wissen, wie man ordentlich demonstriert (und nicht nur rumsteht und miteinander plaudert während der Demo).
Jemand, der mit dem Bildungsabbau bereits in der eigenen Diss begonnen hat, und dieses dort bekundete, sehr eigenartige Verständnis von “Bildung” nun auch allen anderen aufzwingt, wie der Hahn es tut, der kann sich auf was gefasst machen. Den scheiß ich gerne zusammen. Verdientermaßen. Wir können keinen friedlichen Dialog mit irgendwem mehr suchen, wir müssen endlich auf die Barrikaden steigen.
Wir müssen uns also möglichst schnell organisieren und eine Demo auf die Beine stellen, und zwar eine gscheite. Es muss aber eine Versammlung für alle Studienrichtungen geben, damit wir uns wirkungsvolle Maßnahmen für eine Demo ausdenken und diese dann gemeinsam umsetzen können. Ihr könntet das ja bei eurer Versammlung anregen? – Es sollten ja möglichst viele mobilisiert werden.
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!!! | 12. March 2009 | 18:29
sagt dir das Thema –> krank etwas? ;O)
aber das nächste mal bin ich dabei…hoffentlich!!!
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!!! | 13. March 2009 | 12:57
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