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28. März: Ein Beispiel von Medienversagen

"Wir zahlen nicht für eure Krise"-Demo
20.000 Menschen spazierten über die Mariahilferstraße zum Parlament (laut Attac) und verliehen der Message der von Attac initiierten und von hunderten Organisationen unterstützten Demo damit einiges Gewicht: “Wir zahlen nicht für eure Krise“. Ich wäre auch gern dort gewesen, aber aus familiären Gründen musste ich übers Wochenende in die Steiermark. Das ist nicht weit genug weg, um auf das Versagen der kommerziellen Online-Medien hinzuweisen.

[ad#ad-1]Presse, Standard, ORF, Krone, Kurier, Heute und Österreich sitzen mit ihren Online-Ausgaben direkt in Wien. Und während die eine der größten Demos dieses Jahrzehnts ein paar hundert Meter von ihnen entfernt stattfindet, haben diese Unternehmen keine Live-Reporter für spezielle Blogs dort. Sie streamen keine Videos ins Internet (gabs dafür hier). Ja, sie sammeln nicht einmal die üppigen Informationen die man mit etwas Mühe über Twitter bekommt. Niemand versucht das Interesse an dieser Veranstaltung zu schüren und auch etwas Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Das ist nicht nur bedenklich in Hinsicht auf moderne journalistische Aufgaben (die nunmal zeitnahe Information beinhalten), es ist auch ein kommerzielles Versäumnis.

Wenn überhaupt etwas über die Demo zu finden ist, dann nimmt das fast schon skurrile Formen an. In APA-Aussendungen wurde (teilweise im Chronik-Ressort) im Vorfeld (allerdings viel zu spät um Teilnahmeinteressierte zu informieren) gesammelt über die weltweiten politischen Proteste berichtet (immerhin waren auch 40.000 Menschen in London, 25.000 in Frankfurt am Main, 20.000 in Berlin), allerdings mit dem Alarmgeschrei der britischen Polizei verknüpft und betitelt. Die Presse titelt zum Beispiel:

Tausende bei Anti-G-20-Demo: “Noch nie dagewesene Gefahr”

Das Informationstempo von etwas besseren Tageszeitungen und eine hirnlose Skandalisierung gespeist aus APA-Meldungen. So darf man sich nicht wundern, wenn Twitter eine Bedrohung darstellt (wo ein gemeinsames Tag für die Demos in Wien, Frankfurt und Berlin leider fehlte – die Demo in London dominiert die Twitter-Trends dank sowas).

Fotocredits: Andreas Lindinger per Twitpic

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| 28. March 2009

33 Reaktionen bisher

    Rebecca E. sagt:

    Jupp, -und ich tipperte mir die Finger wund Meldungen aufzugreifen. Dabei wusste der Mainstream bereits Tage zuvor von den bevorstehenden Veranstaltungen. Da wird auch klar, was die Kanzlerin auf der Journalistenkonferenz vor wenigen Wochen meinte, als sie die Branche bat “Optimismus” zu streuen.

    Grüße
    Rebecca

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    !!! | 28. March 2009 | 17:04
    thomas sagt:

    naja, zumindest wien.orf.at hat vor ca. 7 stunden einen bericht online gestellt http://wien.orf.at/stories/351646/

    EDIT: und immer wieder überarbeitet.

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    !!! | 28. March 2009 | 17:50
    Tom Schaffer sagt:

    da steht ja noch nichtmal die zahl die die veranstalter nennen drinnen. kein einziger o-ton, kein video, ein mickriges bildchen, keine auseinandersetzung mit den forderungen, keine interviews, keine kommentare (ob dafür oder dagegen). was konnte man da überhaupt updaten?

    das is doch nur das absolute minimum für das wiederum jeder abgestellte redakteur pure ressourcenverschwendung ist, weil der mehrwert gegen null geht.

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    28. March 2009 | 18:39
    Mig sagt:

    Der, an und für sich von mir geschätzte, Onlinestandard ließ es sich heute auch nicht nehmen, sein Scherflein zur qualitativ schwachen Berichterstattung beizutragen.

    Um ca. 17.45 Uhr war in einem Beitrag noch die Rede von “friedlichen” (unter Anführungszeichen) Demonstrationen. Weshalb Anführungszeichen? Entweder sie waren friedlich oder nicht; da braucht man keine Anführungszeichen, um irgendeine andere Interpretation sozusagen hineinzuwurschteln – nun wurde dies wenigstens “behoben”.

    Und die Überschrift desselben Beitrages stellt leider auch einen mehr als verkürzten Sachverhalt dar: “Demonstrationen gegen G-20-Treffen” … ich kann mich ja wahnsinnig irren, aber ich denke nicht, dass die Leute wirklich GEGEN die G-20, sondern mehr GEGEN den Umgang mit der Krise und dessen daraus folgenden Auswirkungen demonstrieren. Mit dieser Überschrift wird die Tendenz auf eine einfache Akteursebene getragen und die Motive der Demonstranten werden verkürzt bzw. einfach nicht ernsthaft wiedergegeben.

    Dabei ist das Ganze doch ein spannendes Thema – viel Raum für interessante O-Töne, relativ viele Informationen die relativ einfach in einen Beitrag verpackt werden könnten, Einholung von Stimmen mit anderer Ansicht – das müsste doch für jeden Journalisten ein tolle Abwechslung zu den sonstigen Nullaussagen auf Pressekonferenzen oder bei Interviews mit “Profis” aus Politik und Wirtschaft sein. Und für die kommerielle Verwertung (sprich Anzeigen) wird ein ausgewogener, gut-recherchierter Beitrag auch keine negativen Auswirkungen haben – ein “anzeigenfreundliches Umfeld” darf nicht automatisch zu vorauseilendem Gehorsam, der Diskriminierung und Marginalisierung wichtiger gesellschaftlicher Themen, führen.

    Der Standard ist für österreichische Verhältnisse ein Qualitätsmedium – mit diesem Beitrag hat er sich aber alles andere als mit Ruhm bekleckert.

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    !!! | 28. March 2009 | 18:58
    thomas sagt:

    ich würd mal auf dem boden bleiben: bei den wenigstens veranstaltungen gibts live video streams von online nachrichtenangeboten. der “aufwand” des veranstalters hält sich mit dem qik video ja auch sehr in grenzen.

    ja, die berichterstattung der medien über die demo hält sich in grenzen, aber das war in österreich im bezug auf demos noch nie anders und auch die web2.0 kompetenz der österreichischen medien generell ist noch irgendwo nahe des vorigen jahrhunderts.

    ergo: ich kann mich jetzt auch nicht wirklich wundern, oder gar aufregen, dass sich das nicht mit einem schlag geändert hat.

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    !!! | 28. March 2009 | 19:11
    Andy sagt:

    Naja, wenns überhaupt wirklich 20k waren, ist das trotzdem in etwa genauso viel wert wie ein mittelgrosses Live-Konzert, und da wird auch nicht viel mehr berichtet, obwohl die Leute sogar einen Haufen Eintritt zahlen, also nehmt das ganze nicht so wichtig ;-)

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    !!! | 28. March 2009 | 19:18
    thomas sagt:

    übrigens waren es nie und nimmer 20k. polizei sagt 6500, und ich hätt zum schluss vorm parlament ehrlich gesagt noch weniger geschätzt.

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    !!! | 28. March 2009 | 19:25
    Tom Schaffer sagt:

    @thomas Die aktuelle Demo ist natürlich nicht der primäre Grund sondern der Anlass meines Beitrags. Die kommerziellen Medien verschlafen da einfach was, was bei professioneller Umsetzung ein enormer Mehrwert wäre.

    Ich hätte auch bei den Veranstaltern in der Hinsicht noch einiges zu kritisieren gehabt.

    @Andy Ein mittelgroßes Livekonzert halte ich gemessen an den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nicht wirklich mit einer doch merkbar links-ausgerichteten politischen Demo mit 10-20.000 Menschen direkt vorm Parlament vergleichbar.

    Natürlich war das heute keine Revolution, kein politisches Erdbeben. Ich verlange von Medien ja auch nicht, dass sie das draus machen. Aber es war doch interessantes gesellschaftliches Ereignis, das kommerzielle Medien imo sowohl aus journalistischer als auch ökonomischer Sicht einfach stärker aufgreifen hätten müssen.

    Im Wesentlichen geht es ja auch um mehr bei meiner Kritik an den Medien. Da kommt doch im Moment mit G20-Gipfel, Wirtschaftskrise und solchen Demos eh alles zusammen, um einen wunderbaren Schwerpunkt draus zu machen. Es irritiert mich, dass kein einziges Medium sowas angeht. Wir müssen weg von diesem faden, gefährlichen Agentur”journalismus”, der weder den Medienunternehmen beim Gewinn-machen hilft noch die journalistische Aufgabe in der Gesellschaft erfüllt.

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    28. March 2009 | 19:31
    Tom Schaffer sagt:

    Im Übrigen ists bezeichnend, dass wir hier so über die Teilnehmerzahlen debattieren müssen. Ein einzelnes Foto von einem professionellen Pressefotographen von der richtigen Position aus hätte diese Frage problemlos klären können. Stattdessen haben wir nur die Twitpics in die man alles und gar nichts interpretieren kann. Das von mir genutzt zeigt imo mehr als 6.000, wenn man sich ansieht, wie weit die Plakate da zurückreichen.

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    28. March 2009 | 19:37
    Andy sagt:

    Ja, Tom, da geb ich dir recht, aber die APA hat nun leiderm ein Monopol bei uns – demonstriert doch mal gegen die, da kämen dann genug unabhängige vorbei ;-)

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    !!! | 28. March 2009 | 19:43
    thomas sagt:

    die “richtige” perspektive gibts bei massenaufläufen, wo die teilnehmerzahl sehr prestigelastig ist, eigentlich nicht.

    man kann auf fotos z.b. nur sehr schwer sehen wie gedrängt die menschen in den hinteren reihen stehen.

    aber naja, ich versteh ja überhaupt nicht wieso die angaben von polizei und veranstalter immer dermaßen auseinandergehen, wobei ich bei der polizei eigentlich keinen grund seh wieso die die zahlen bewusst runterkorrigieren sollten. sofern alles ruhig geblieben ist macht das ja für jene überhaupt keinen unterschied.

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    !!! | 28. March 2009 | 19:45
    Andy sagt:

    Die machen aus dem Helikopter des IM immer hervorragende Schätzungen, da gibts eine eigene Auswertungssoftware für die Fotos. Normalerweise werden die verwendet, um Ticketschwindel bei Veranstaltungen aufzudecken, dass bei Demos gerne vom Veranstalter übertrieben wird, liegt ja bloss daran, dass sie von der Finanz nichts zu befürchten haben….

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    !!! | 28. March 2009 | 19:55
    Tom Schaffer sagt:

    die “richtige” perspektive gibts bei
    massenaufläufen, wo die teilnehmerzahl
    sehr prestigelastig ist, eigentlich
    nicht.

    Für einen unabhängigen Filmer/Fotografen schon. Man wirds natürlich nicht auf die hunderter-Stelle Genau feststellen können, vermutlich wird man sogar 2.000 personen schwanken, aber obs 6.000 oder 20.000 sind, das würd man schon sagen können. ;)

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    28. March 2009 | 19:56
    dieter sagt:

    Demonstrieren ist ganz lustig in einem gewissen Alter, aber was tragen die Demonstranten denn im Internetzeitalter sinnvolles bei?

    Jede Sekunde, die Armin Wolf damit verbringt, Paul Krugmans Blog zu lesen, ist hundert mal sinnvoller, als eine Berichterstattung über ein Polithappening, das von einer inkohärenten Wirtschats-Aktionismus-Truppe inszeniert wird.

    Die paar guten Ideen, die ATTAC hat, stammen von einzelnen Ökonomen, wie Krugman, Stiglitz, Tobin (mittlerweile verstorben) usw. Da gehe ich doch lieber gleich an die Quelle, anstatt mich mit der populistischen und in sich wiedersprüchlichen Rezeption von ATTAC&Co auseinanderzusetzen.

    Durch die Demonstration wird Josef Pröll auch nicht darüber aufgeklärt, dass Geld kein Mascherl hat (im Standard-Interview argumentierte er, dass die Banken nicht die staatlichen Subventionen, sondern andere Gelder als Dividenden ausschütten würden) oder den Keynesianismus (er versteht auch nicht, dass, wenn man in der Krise spart und die Wirtschaft an die Wand fahren lässt, sich die Budgetsituation noch verschlechtern wird und unseren Kindern nicht gedient ist, wenn die Räder still stehen, anstatt Werte zu schaffen.)

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    !!! | 28. March 2009 | 20:00
    Andy sagt:

    @dieter:
    scheinbar gehörst Du ja auch zu den eher lebenserfahrenen Typen. Ich war so frei, und habe gestern schon etwas geschrieben:
    http://www.alteknacker.at/?p=593

    Zwar nicht auf wissenschaftlicher Basis, aber doch so ein paar Gedanken eines Menschen, der gegen Zwentendorf und Hainburg demonstriert hat, wobei Hainburg im Vergleich ja auch eher Happening war….

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    !!! | 28. March 2009 | 20:07
    Tom Schaffer sagt:

    @dieter Eine Demonstration ist ja auch keine Ort für wissenschaftliche Theorien, sondern einer an dem Missstände beklagt und Forderungen gestellt werden.

    Ich bin total bei dir, wenns darum geht, dass es Experten braucht, mit denen man als Journalist über das alles spricht – um zu erklären und Lösungen aufzuzeigen. Und darüber soll man dann ebenfalls schreiben – dann schnallts vielleicht auch der Pepi Pröll irgendwann.

    Aber diese Demo heute war ein recht großes, anlassbezogenes, politisches Ereignis – und über das hat man als professionelles Massenmedium auch umfassend zu berichten. Das was ATTAC da macht ist eben etwas anderes als die Arbeit eines Tobin. Das eine ist die Wissenschaft, das andere ist politische Artikulation.

    Das zu marginalisieren und ihm den Sinn abzusprechen hat @Andy mit “lebenserfahren” nichts zu tun.

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    28. March 2009 | 20:24
    Andy sagt:

    Naja, “Atomkraft – Nein danke!” war zumindest auch für Deine Gesundheit von ernormer Wichtigkeit, hoffe ich zumindest. Hainburg war da schon mehr ein Happening, weil es nicht wirklich so unbedingt nötig war, das zu verhindern. Ok, wir waren dort, es wurde etwas erreicht, aber eigentlich hätte es weder Dich noch mich irgendwie tangiert, wenns doch gebaut worden wäre. Jetzt ist es eben ein schönes Ausflugsziel. Du kannst mir also keine Unerfahrenheit nachsagen, was Demos, Besetzungen etc. angeht, udn so leid es mir tut, das ganze ATTACK Zeugs ist in meinen Augen ein “Lärcherlschaas” – wärs mehr, wären doch wohl 200.000 gekommen bei dem schönen Wetter, denkst Du nicht auch?

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    !!! | 28. March 2009 | 20:34
    Tom Schaffer sagt:

    Wie oft waren in der Geschichte Österreichs zuletzt 200.000 Menschen an irgendwas Politischem beteiligt – besonders wenns nicht irgendwie gewerkschaftlich oder von etablierten Parteien initiiert wurde? Bei einer so einmaligen Bewegung wie “Hainburg” waren meines Wissesn 40.000 Menschen auf den Beinen. Die ganzen Anti-EU-Bewegungen die hierzulande ja wohl unbestritten einigen Zulauf haben, haben im Herbst läppische 3-5000 Menschen vor den Stephansdom gebracht.

    Größer werden die heutigen 6.500 bis 20.000 Menschen vor allem dann, wenn man bedenkt, dass es im Vergleich zu Zwentendorf oder Hainburger keine klare politische Verantwortlichkeit und kein wirklich konkretes Ziel gab.

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    28. March 2009 | 20:49
    Andy sagt:

    Na da hast Du es doch:

    Größer werden die heutigen 6.500 bis 20.000 Menschen vor allem dann, wenn man bedenkt, dass es im Vergleich zu Zwentendorf oder Hainburger keine klare politische Verantwortlichkeit und kein wirklich konkretes Ziel gab.

    Warum soll ich für kein konkretes Ziel demonstrieren gehen? Wie wäre es denn, zur Abwechslung mal bei der Wahl das Hirnkastl einzuschalten statt Sympathiewähler zu bleiben?

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    !!! | 28. March 2009 | 21:01
    Tom Schaffer sagt:

    das war keine wahl.

    es gab sehr wohl ziele und anliegen, aber die thematik ist halt komplexer als “schaltet das atomkraftwerk nicht ein” und dementsprechend schwerer zu pointieren (bzw. auch vielfältiger zu lösen).

    die parolen dieser bewegung müssen deshalb zwangsläufig allgemeiner, die adressaten vielfältiger sein.

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    28. March 2009 | 23:33
    Andy sagt:

    Ich meinte damit, dass mehr Leute am Wahltag ihr Hirnkastl einschalten sollten, anstatt spazieren zu gehen, weil schönes Wetter ist, oder die Partei zu wählen, die auch der Opa schon gewählt hat! Genau für so schwammige Thematiken sollte man seinen Unmut mittels des stärksten Mittels der Demokratie umsetzen, aber wie meistens wird auch das heutige Anliegen wieder vergessen sein, in vier Jahren *fg*

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    !!! | 28. March 2009 | 23:57
    dieter sagt:

    Ich nehme die Aussage mit der Sinnlosigkeit von Demonstrationen zurück. Das war wohl etwas vorschnell.

    Größere Demonstrationen der letzten Jahre waren die Großdemonstration gegen Schwarz-Blau, gegen den Irak-Krieg und die Spontandemo gegen die Studiengebühren. Bei allen dreien war ich dabei.

    Die Anti-FPÖVP-Demo machte klar, dass es eine breite, engagierte Opposition gegen die Regierung gab, die diese nicht leiden kann und bestärkte diese Opposition in ihrer Zielstrebigkeit.

    Die Demo gegen Studiengebühren war kleiner, aber eben zeitnah und bestand aus einer logischen Interessensgruppe, den Studenten. Ohne diese Demo wären die Studiengebühren nicht zum politischen Dauerthema und letztlich auch nicht mehr abgeschafft worden. Man hätte das Thema einfach vergessen und sich damit abgefunden. Die Studentenvertreter hätten sie immer wieder mal in ihren regelmäßigen Presseaussendungen kritisiert, aber sonst hätte sich nichts getan.

    Die weltweiten Antikriegsdemos sorgten sicher dafür, dass beim Irak-Krieg hingeschaut wurde (bei Abu Ghraib usw.) und auch das zum Thema wurde, das letztlich den Neocons das Genick gebrochen hat.

    Es geht nämlich auch ganz anders, wie man an den kolonialistischen Dauerkriegen der Franzosen sieht. Erst vor zwei drei Jahren haben die Franzosen beispielsweise in der Zentralafrikanischen Republik, wo es Uranvorkommen gibt, die sich Frankreich sichern will, eine ganze Stadt, die Rebellenhochburg war, in Schutt und Asche und die Bevölkerung in einen vorzivilisatorischen zustand gebombt. Darüber hat außerhalb Frankreichs ein britischer Journalist berichtet, sonst niemand. Wahlkampfthema war das in Frankreich auch nicht, denn die Franzosen haben auch mangels Kritik keine Befürchtungen, international ihr Ansehen zu verlieren.

    Ineffektiv sind aber Demonstrationen von klassischen, themenbezogenen Berufsaktionisten wie ATTAC. Da scheint mir der Aktionismus ein Selbstzweck zu sein. Man braucht halt irgendein Thema, wegen dem man demonstrieren kann, aber der Spass am Trommeln und Plakate bemalen steht hier wohl im Vordergrund. Das zeigt doch schon der alberne Name. Und deshalb werden solche Demos auch nicht ernst genommen.

    ATTAC verleugnet auch die wahren Interessenskonflikte zwischen unterschiedlichen Schichten und Bevölkerungen, sondern demonstriert stets gegen “die da oben”. Der Spruch “Wir zahlen nicht für eure Krise” zeigt das auch. Denn gezahlt haben wir schon und zwar für Millionen von luxuriösen amerikanischen Häusern, mit Swimmingpool und allem drum und dran, die den Amis auch weiterhin zur Verfügung stehen werden. Bezahlen können sie halt nicht die Amis und das ist das Hauptproblem.

    Demonstrationen sind sinnvoll, wenn sie aus klaren Interessensgruppen bestehen (Arbeiter, Postler, Ärzte, EU-Gegner, …) und/oder, wenn sie sich zeitnah auf klar benennbare politische Vorhaben beziehen (Lissabon-Vertrag, Studiengebühren, Irak-Krieg, Schließung von Postfilialen usw.)

    Wenn es aber um komplexe Thematiken geht, dann ist Paul Krugmans Wort wichtiger und daher auch gewichtiger und nicht Leute mit Dreaklocks, Tröten und lustigen Transparenten.

    Übrigens, die aktuelle Southpark Folge Margaritaville ist ein geniales Kommentar zur Situation und zur politischen Debatte.

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    !!! | 29. March 2009 | 08:52
    dieter sagt:

    Sehen wir uns mal die konkreten Demomaterialien an. Auf dem Flyer steht:

    - massiver Anstieg der Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit
    Okay, dass das ein Problem ist, weiß eh jeder.

    - verlorene Häuser und Geldanlagen
    Es gibt genauso viele Häuser wie vor der Krise. Das Geld wurde ausgegeben, um die Häuser zu bauen. Geld legt man in einer Matrazze an. Der Bank borgt man es in der Hoffnung auf Zinsen. Wo kein Risiko, da kein Gewinn.

    - teure Energie und Lebensmittel
    Der Verbraucherpreisindex für Februar 2009 liegt im Vergleich zum Vorjahresmonat bei 1,3%. Dieses Jahr dürften die Reallöhne gestiegen sein. Die Energie wird knapp und an den dürrebedingten Ernteausfällen in Australien sind die Finanzmärkte auch nicht schuld. Weiters wendet sich ATTAC stets gegen die industrielle Landwirtschaft, ohne die Lebensmittel wesentlich teuerer wären. (Siehe Preise von Ökoprodukten)

    Der Forderungskatalog enthält eine Reihe von Schubladenthemen, die mit der aktuellen Krise nichts zu tun haben. (Grundsicherung, mehr Sozialausgaben)

    Die einzige gute Idee, die ATTAC hat, die Tobin-Steuer (Transaktionssteuer), die die Finanzmärkte drosseln kann, wird in einen moralischen Kontext gestellt. (Die Profiteure sollen zahlen)
    Steuern auf Kapitaleinkommen sind in Österreich extrem niedrig, nur die Vermögenden haben in dieser Krise verloren und aktuell gibt es mangels Vermögenszuwächsen auch nichts zu besteuern.

    Es gibt einen Seitenhieb auf Autofirmen und die ökologischen Kosten, die sie verursachen. Dabei werden wie üblich die begeisterten Autofahrer im gemeinen Volk übersehen. Hier besteht auch ein Widerspruch zur Klage über erhöhte Energiekosten.

    - Regionaleres Wirtschaften
    würde zur Verteuerung von Lebensmitteln und anderen Produkten führen.

    - kooperative Betriebe
    Na dann gründet einfach welche und zeigt es vor, wie man es macht.

    - Sozialer Schutzschirm für Erwerbslose, Beschäftigte und RentnerInnen
    Gibt es schon.

    - gerechte Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern
    Sehe keinen Bezug zwischen Windeln wechselnden Männern und der aktuellen Krise. Außerdem geht es ATTAC nichts an, wie sich Elternpaare ihre Arbeit aufteilen.

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    !!! | 29. March 2009 | 09:21
    Laura sagt:

    @Dieter:

    “Dreaklocks” ? – eine wunderschöne Freud’sche Fehlleistung :-) ! Spiegelt sehr schön deine unterschwellige Meinung über Attac-AnhängerInnen wieder :-) !

    P.S.: Drecklocks rule !!

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    !!! | 29. March 2009 | 19:42
    Tom Schaffer sagt:

    So unterschwellig find ichs nicht. Er hat seine vorurteilsbeladene Abscheu eh ganz offen ausgedrückt. ^^

    Im Übrigen ging es im Artikel um die Arbeit der Medien. Und ganz egal was du nun für gewichtiger hältst – ob es nun die Demo oder das Wort Krugmanns ist (ich halte ha beides für wichtig) – beides bleibt im Moment in Österreich völlig unbeachtet.

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    29. March 2009 | 22:39
    Andy sagt:

    @tom:

    Die Art der Medien ist seit vielen Jahren sowieso unerträglich, Dir fällt das eben momentan durch ein spezielles Ereignis auf.

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    !!! | 29. March 2009 | 22:55
    Tom Schaffer sagt:

    Ja, sag ich ja – und kritisiere ich deswegen.

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    29. March 2009 | 23:03
    Andy sagt:

    Das liegt an der Verflechtung der Medien. Krone und Kurier waren früher absolute Gegner, haben versucht, sich gegenseitig die Stories wegzuschnappen, dann kam die Mediaprint. Die Krone war lange Zeit nicht Teilhaber der APA, seit ein- oder zwei Jahren hat sich das aber auch geändert. Jetzt sind die grössten Zeitungen Österreichs Teilhaber der APA, die kleinen beziehen ihre Meldungen gegen Pauschalgebühren auch von dieser Firma, an der der ORF übrigens mehr als die Hälfte besitzt. Und da wundert sich noch irgendjemand, dass es nur eienn Einheitsbrei gibt? Heutzutage kann man bloss ungefähr unterscheiden, wer wen ansprechen will, der Standard die Ultralinken, die Presse die Schwarzen, die Krone den Pöbel und der Kurier halt irgendwen. Profil und News sind die letzten zwei, die sich noch befighten, wobei es Profil gegen das Fellner-Imperium auch nicht leicht hat. Wenn man bedenkt, dass der mit dem Rennbahn-Express begonnen hat……alle Achtung! Nicht zu vergessen, dass fast überall die Raika mit im Spiel ist, oder die Bawag, aber das ist eine andere Geschichte. Was heute zählt, sind bestenfalls die Kommentare neben den Artikeln, aber da findet sich bei den Bloggern meist fundierteres.

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    !!! | 30. March 2009 | 00:06
    thomas sagt:

    Da muss ich mich jetzt auch mal wieder zu Wort melden: Meines Wissens Nach ist die Krone auch heute kein Teilhaber der APA, sie haben nur, im Gegensatz zu noch vor ein paar Jahren, den APA Basisdienst abonniert. Davor haben die Krone Redakteure einfach alles selber “recherchiert”.

    Der Einheitsbrei ist natürlich ein Problem, aber hier muss man auch bedenken, dass der Markt in Österreich sehr schwierig, weil klein ist. Komplexe Geschichten vernünftig zu recherchieren braucht Personal, das kostet Geld. Hier genauso viel wie in anderen, größeren Staaten mit einem viel größeren Zeitungsmarkt. Dort ist es möglich das Geld wieder durch Anzeigen, Verkäufe reinzubringen, hier ist es sehr schwierig und darum muss man Kosten teilen, etwas wie die APA erschaffen.
    Dies lässt sich natürlich sofort an der Qualität feststellen, man vergleiche nur mal eine Qualitätszeitung aus Deutschland mit einer österreichischen, der Unterschied ist gewaltig.

    Bei der Frage wie man diese Kleinstaatenproblematik besser lösen kann scheiden sich natürlich die Geister, ich würde z.b. eine Tageszeitung, die thematisch den ganzen deutschsprachigen Raum abdeckt und dann natürlich auch erreicht, sehr spannend finden. Ob das jedoch eine zufriedenstellende Lösung für Österreich sein kann, wage ich auch zu bezweifeln.

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    !!! | 30. March 2009 | 09:25
    Andy sagt:

    Ja, mit dem Basisdienst kannst du recht haben, nichtsdestotrotz eine Aufweichung. Wenn aber der Werbemarkt so klein ist, wie Du sagst, warum entsteht dann im Moment nahezu quartalsmässig eine Gratiszeitung nach der anderen? Und zu Deutschland: Natürlich holen sich auch die grossen Zeitungen Infos von der DPA und Reuters, aber sie machen eigene Artikel draus, verknüpfen sie mit anderen Infos, versuchen, mehr in die Tiefe zu gehen. Sehr schön kann man das bei so Dingen wie Fritzl oder Winenden sehen, wie verschieden da berichtet wird

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    !!! | 30. March 2009 | 10:23
    thomas sagt:

    Die Gratiszeitungen sind aus meiner Sicht auf zwei Säulen aufgebaut:

    Erstens können sie durch hohe Auflagen (“Heute” erreicht nach eigenen Angaben über eine halbe Mio. Leser, so viel wie Presse und Standard zusammen. Darüberhinaus hat sie in der werbetechnisch sehr interessanten Zielgruppe von <30 laut Wikipedia einen Anteil von 39%) entsprechende Anzeigenpreise verlangen.

    Und zweitens haben sie so gut wie kaum Herstellungskosten: Kleinformat, darüberhinaus extrem wenig Inhalt (der ohnehin schon geringe Platz wird zu einem großen Teil von Anzeigen Belegt) und das wirkt sich natürlich darauf aus, dass nicht viel Mittel notwendig sind, den geringen Platz mit Informationen zu füllen. Qualitativ sind die meist auch unterste Schublade, also wenig Recherchekosten.

    Die von mir angesprochene Problematik des kleinen Österreich trifft imho die Qualitätszeitungen am stärksten, denn die müssen sich auf der kostenintensivsten Ebene duellieren, nämlich der Qualität.

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    !!! | 30. March 2009 | 10:52
    Andy sagt:

    Die Angaben zur Leserschaft sind seit jeher falsch, vor allem bei Gratiszeitungen. Wennst schaust, wieviele Ausgaben zb. vom Heute an sämtlichen Ausgabestellen am Boden rumliegen, weisst, was ich meine. Dem Werbekunden wird aber suggeriert, dass die alle gelesen wurden. Die Richtkosten beim Drucken sind enorm hoch, wenn ich ein paar tausend Exemplare dazudrucken lasse, macht das aber wneig aus, einmal eingerichtet, störts niemanden, wenn die Maschine jetzt eine Stunde läuft oder eine halbe Stunde mehr ausspuckt. Das Geld hole ich mir dafür locker über den TKP wieder rein. Und die meisten dieser Angebote sind sogar Verluststräger, und ich sag Dir auch, warum. Viele Angebote, auch am Privat-TV Sektor werden nur umgesetzt, damit es kein anderer macht! Da finanziert ein Teil des Unternehmens mit Gewinn ein paar völlig unnötige Bereiche mit, nur um den Markt nicht teilen zu müssen. Das hat mit Journalismus sowieso nichts mehr zu tun. Die Werbeverkäufer machen heute Zeitung, Radio und TV, nicht der Redakteur…

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    !!! | 30. March 2009 | 11:19
    Hollerbusch sagt:

    Ich kenne das frustrierte Gefühl, wenn einem selbst eine Veranstaltung oder ein Ereignis wichtig war, und es dann kein mediales Echo gibt. Was in diesem Fall so extrem ja gar nicht stimmt, es gab ja sehr wohl eine mediale Berichterstattung.

    Will ich massenmediale Berichterstattung, muss ich einen Angelpunkt finden, vom dem aus das Ereignis eine „G’schicht“ liefert, die nach Ansicht des Journalisten auf Interesse beim Leser stoßen könnte. Wobei die Redaktionen mMn ihre Leserschaft da oft falsch einschätzen …

    Diese „G’schicht“ muss nicht ganz wahr sein, und wenn sie gängige Vorurteile bedient, umso besser. Die Menschen wollen angeblich ohnehin am liebsten Dinge lesen, die ihre Meinung bestätigen.

    Die Kunst ist also, das eigene Anliegen in eine gute, spannende, im besten Fall mit der Wahrheit lose verbundene Geschichte zu verpacken und dabei passende Vorurteile zu bedienen.

    Zynisch? Sicher. Aber leider sind die Regeln für PR heute auch für politischen Journalismus anwendbar. Zum Glück gibt es andere Infokanäle, wo diese zynischen Regeln nicht unbedingt gelten.

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    !!! | 3. April 2009 | 10:48

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