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An der Homepage der ÖVP ist nichts neu

ÖVP-Webseite
Ich folge ja gerne den Einladungen der Parteien. Auch jenen der ÖVP (und in gewisser Weise sogar besonders, weil sie unter Michi Mojzis als erste österreichische Partei aktiv auf Blogs als Medien zugegangen ist und sich dabei nach wie vor die größte Mühe gibt). Gestern hätte die Volkspartei mich auch eingeladen zur Präsentation ihrer neuen Webseite. Ich bin aus zwei Gründen nicht hingegangen. Erstens musste ich arbeiten. Zweitens hat das keinen Sinn.

[ad#ad-1]Die Partei verkaufte ihre Pressekonferenz als kleine Sensation. Erstmals würden Online-Journalisten etwas zuerst exklusiv präsentiert bekommen. Bloß stimmt das nicht. Denn ziemlich zeitgleich mit der Veranstaltung wurde die Webseite auch ins Internet gestellt. Während die JournalistInnen sich also top-down die Präsenz erklären und bewerben ließen, konnte der Rest der Welt die Seite einfach selbst erkunden. Hätte man einen Informationsvorsprung sichern wollen, dann hätte man den Leuten einfach einige Tage vor dem Launch eine E-Mail mit einem Link schicken müssen.

Das wäre auch praktisch: Man bekäme Feedback vor dem Start für letzte Tweaks, Coverage bei denen sich die Leute etwas mehr Gedanken machen können, als das in den paar Stunden nach einer Pressekonferenz (eine allgemein zunehmend sinnlose Form der politischen Kommunikation aus journalistischer Sicht) bis zum Erscheinen des Artikels möglich ist. (Darum schreibe ich erst jetzt, nicht gestern)

Aber selbst dann: Es wäre immer noch nichts anderes als die Information, dass man jetzt eine neue Website hat. Davon können sich weder BloggerInnen noch Online-JournalistInnen etwas kaufen (hier schön von Katrin Burgstaller auf den Punkt gebracht). Will man denen helfen, dann sollte man ihnen beispielsweise den Zugang zu Presseausweisen erleichtern.

Ich bin verwundert, dass diese kleine Nachricht es bei einigen Online-Medien gar prominent auf die Startseite geschafft hat.

Und die Seite selbst?
Ja, das ist halt eine Internetseite. Schön, dass die Inhalte unter einer (leider sehr ristriktiven) Creative Commons-Lizenz stehen. Das erfährt man nur, wenn man die Information aktiv sucht. Einen Hinweis auf der Seite (siehe rechts auf diesem Blog) gibt es nicht. Übrigens ist es genau genommen nicht das erste Mal in Österreich, dass eine Parteiwebseite unter CC gehandelt wird. HC Strache hat ja eh alles bei Obama geklaut – und dessen Sachen standen unter dieser Lizenz.

Besser wäre es allerdings ohnehin, die Volkspartei würde in ihrer politischen Arbeit etwas gegen die zunehmend repressiven Copyright-Gesetze unternehmen und den Gedanken der Creative Commons aufsaugen. Dass man ihre PR-Inhalte frei verbreiten darf, verbessert die Welt nicht. In der Realität tut die ÖVP freilich das Gegenteil und haut am Gängelband der Industrie auf jene drauf, die in der Medien- und Informationsrealität im bald zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts nicht mehr auf die unflexiblen Gesetze des letzten Jahrtausends hören wolle.

Ist die Seite eigentlich beeindruckend? Nein. Ist sie “ein weiterer Meilenstein” (Kaltenegger) bei der Öffnung der Partei? Nein. Ist da in irgendeiner Form eine neue Art der Kommunikation vorhanden? Nein. Es wird streng kontrolliert von oben herab kommuniziert – nichts publiziert was nicht der Partei-PR entspricht und kein öffentliches Feedback zugelassen. Und gerade einmal fünf Partei-Blogger verstecken sich hinter einem kleinen Icon (sie werden anders als bei den Grünen also nicht auf der Startseite promotet). Allesamt stammen sie aus zweiter oder dritter Reihe, bloggen schon etwas länger – großteils eher schlecht als recht – und haben nicht aus Gründen einer “neuen Öffnung” damit begonnen. Ist das wirklich die ganze Ausbeute der groß proklamierten Erneuerung einer einst großen Volkspartei?

Die neue Homepage der ÖVP ist recht hübsch. Aber so wie sie jetzt ist, hätte sie eigentlich schon 2000 sein sollen. Ein Signal, dass die ÖVP da irgendwas ganz neu begriffen hat, kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Aber ok. Sie wird halt weiterhin eine Partei sein, die es zumindest probiert.

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| 16. April 2009

3 Reaktionen bisher

    ak sagt:

    Du sprichst mir aus der Seele…

    Ich hab mir die Seite gestern angesehen, und viele Dinge sind nur so halbherzig umgesetzt. Beispielsweise RSS: der RSS-Feed validiert nicht (und einige RSS-Feedreader haben ihre Probleme damit), die Texte werden nicht komplett transportiert (was das Offline-Lesen unmöglich macht), und es gibt kein RSS-Feed Autodiscovery, das wäre der RSS-Icon ganz rechts in der Adressleiste von z.B. Firefox. Stattdessen nur ein Icon mit Link relativ weit unten. Und immerhin ist RSS eine der essentiellen Technologien des Web, die tatsächliche Umsetzung auf der neuen ÖVP-Website ist allerdings nur mittelprächtig gelungen. Das ist nur ein Teil, den ich betrachtet habe, und da war ich doch ziemlich enttäuscht.

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    !!! | 16. April 2009 | 13:31
    Thomas sagt:

    Stimmt, ich glaub viele wahren einfach die Übertreibung der ÖVP übernommen…

    Zur Anmerkung: Die SPÖ hat auch einige Blogger, diese werden auch auf der Startseite der SPÖ (allerdings nicht sehr prominent) und unter der eigenen Domain redblogs.at präsentiert.

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    !!! | 16. April 2009 | 19:06
    Michi sagt:

    Danke, Tom. Und bleib bitte dran. Manche Dinge brauchen einfach ihre Zeit …

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    !!! | 29. April 2009 | 19:11

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