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Grüne Vorwahlen: Was für die Grünen schädlich ist

Mauer
Kann man es PolitikerInnen im Jahr 2010 noch erlauben, dass sie sich dem Internet verweigern? Nein. Darf jemand der in ein öffentliches Amt gewählt werden möchte sich scheuen, sich zu präsentieren? Nein. Muss man es akzeptieren, dass es PolitikerInnen in einer progressiven Partei gibt, deren primäre Motivation gegen eine Verbreiterung der Basis einzutreten die Angst ist? Nein. Darf man Menschen, die vielleicht nicht den politischen Gepflogenheiten entsprechend aber doch in bester Absicht eine Änderung anstreben, beschimpfen und verunglimpfen? Nein. Wenn sich in der Politik etwas ändert, sollte man das positiv nutzen oder so lange wie möglich hinauszögern? Ersteres.

Die gegenteiligen Standpunkte wären aus einer durchschnittsmenschlichen Perspektive heraus verständlich. Aber das ist nicht die Sichtweise die ich mir von einem Menschen wünsche, der ein Land oder eine Stadt mitgestalten will. Ich bin mir aus meinen recht zahlreichen Erfahrungen mit grünen PolitikerInnen heraus ziemlich sicher, dass die meisten Grünen mir in meiner Einschätzung zustimmen würden. Aber aus der Debatte in den letzten Wochen und dem Gespräch des gestrigen Abends bei den Grünen Vorwahlen heraus muss man schließen, dass es signifikante Kräfte gibt, die das anders sehen. Leute die moderne Kommunikationswege scheuen, sich von Angst leiten lassen, glauben dass ihr Funktionärsdasein ihnen ein demokratisches Amt garantiert und die mit Sympathisanten umgehen wie man selbst mit Gegnern nicht umgehen sollte.

Solche Funktionärsgeister sind für den Betrieb einer jeden Organisation nötig. Aber an den Hebeln einer Demokratie haben sie meiner Ansicht nach einfach nichts verloren. In öffentlicher Funktion schaden sie einer Partei wie den Grünen, weil sie genau das darstellen, wovor sich die Grünen bei den Großparteien immer abgegrenzt haben. Es ist ein verdammtes Dilemma, dass mein Unwille solche Menschen in Ämter zu wählen, der alternativslosen Wahl der Grünen gegenüber steht. Und es ist scheisse, dass all die Grünen die ich gerne wähle, von diesen wenigen Blockierern in eine Art Geiselhaft genommen werden (bewusst hart formuliert).

Da die Grünen sich anders als ich es will entwickeln, muss ich eine Konsequenz setzen. Parteimitglied zu werden ist angesichts solcher Kleingeistigkeiten unattraktiver denn je.

Es gibt drei Möglichkeiten.
1. Ich werde die Grünen bei der Landtagswahl erstmals nicht wählen. Angesichts nicht vorhandener inhaltlicher Alternativen keine schöne Perspektive.
2. Die hoffentlich mehrheitlich “guten” Grünen befreien sich selbst aus der Blockade. Eine Möglichkeit die äußerst explosiv ist.
3. Die Verursacher dieser größten Entfremdung von den Grünen seit ich wählen darf geben sich einen Ruck und überdenken ihre Position. Dann werde ich als grüner Vorwähler im Herbst für die von mir als am besten empfundenen KandidatInnen stimmen – und im nächsten Jahr die Grünen.

Parteimitglieder die überlegen müssen, was ihnen am Liebsten ist, sind für die Grüne Partei schädlicher als es die Initiative der Grünen Vorwahlen in ihren schlimmsten Albträumen überhaupt sein könnte.

Fotocredit: seier+seier+seier, CC2.0-BY

| 13. May 2009

22 Reaktionen bisher

    digiom (Jana Herwig) sagt:

    Bei dem Eisenhintern war meine Vermutung, dass da jemand gar nicht im Bewusstsein jemanden zu beschimpfen sich äußerte – sondern vielmehr in völliger Ahnungslosigkeit sich bei der Meinungsbekundung nur auf Stereotype und klassische Vorurteile gg.über einer neuen Medienkultur stützte. Was es freilich nicht sehr viel besser macht:)

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    !!! | 13. May 2009 | 19:54
    Christian Klepej sagt:

    oder aber möglichkeit nummer vier: du wirst endlich mitglied bei den grünen. übernimmst verantwortung und tust das deine, dass sich die grünen »dorthin entwickeln«, wo du auch mitkannst.

    als erstes hättest du dann natürlich zu lernen, dass »die welt« ganz sicher nie nicht so funktionieren wird, wie du »es willst«. dass »demokratie«, dass »politik«, die »res puplika« halt immer auch kompromiss bedeuten muss.

    (anm.: ich weiss, dass du das alles weisst! ich versuche nur – als beobachter des szenarios – einen spiegel der ereignisse abzugeben.)

    ich halte diese ganze »Gruene-VW«-sache (noch immer) für eine sehr tolle. natürlich hat sie schwächen (, die ich hoffentlich noch einmal versuchen werde, zusammenzufassen).

    eine schwäche (mE.) darf ich gleich ansprechen: das ist diese unglaubliche selbstüberschätzung eigener positionen. beispielhaft sei nur dein erster satz in diesem deinen posting genannt: da schreibst du »Kann man es PolitikerInnen im Jahr 2010 noch erlauben, dass sie sich dem Internet verweigern? Nein.« – hach, immer diese absolutheiten. natürlich KANN es sich ein politiker im jahre 2010 noch erlauben, auf twitter zu scheissen, facebook für eine turnschuhmarke oder bloggen für eine hiphop-variante zu halten. also ist schon dein allererstes postulat, mit einer mittlerweile nur mehr lähmenden absolutheit hingeschmissen, schlicht falsch!

    und das ist schade. und weil das eines der wenigen dinge an diesem blog ist, die mich halt ab und an etwas vergrämen, durfte ich das heute in dieser deutlichkeit fallen lassen.

    ein lieber gruss, christian.

    ps. und bitte, bitte, liebe GVW-initiatoren: habt ein bisschen verständnis, dass die grünen, die dortigen aktiven halt, nicht gleich und in voller konsequenz erkennen können, dass da der muesli, der bäck, die digiom und der maschi sowie der herr mit dem halblustigen hut (alles nach meinem dafürhalten ausnahmslos interessante wie tolle zeitgenossen – soweit ich das beurteilen darf) die rettung sind. die einzige. ; )

    ich weiss schon, niemand von euch sagt oder denkt das. nur: politisch aktiv werden, heisst »verhandeln«, heisst um kompromisse ringen, heisst »positionen besetzen«, ja durchaus auch »um positionen kämpfen«. und – ich habe von den schwächen geschrieben – noch eine schwäche ist halt die tatsache, dass sich keiner dieser intitiative einer wahl stellt. (auch das mach ich bitte niemanden zum vorwurf.) nur lässt das halt viel raum für »vermutungen«.
    dafür müsst ihr einfach verständnis aufbringen. so. genug. sorry, zu lang.

    unkorrigiert gepostet.

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    !!! | 13. May 2009 | 20:01
    digiom (Jana Herwig) sagt:

    Christian, die räumliche Distanz lässt es nicht zu, aber wenn du mal auf einen Infoabend kämest würdest es eh erleben, dass wir (derer es 150+ gibt, also deutlich mehr als die, die du ansprichst) uns keineswegs als God’s gift to the Greens verstehen. Ansonsten bin ich, wie ggfls. irgendwo anders gelesen, sehr für Geduld und Verständnis von Seiten #GrueneVW – zumal die Grünen ja auch grad mitten in drei Wahlkämpfen drin sind. Also, bitte. Danke.

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    !!! | 13. May 2009 | 20:12
    tobi sagt:

    Ich verfolge die GVW schon seit einiger Zeit, nehme aber nicht daran Teil, weil ich (obwohl noch am ehesten von den Grünen) von keiner Partei in Österreich repräsentiert fühle und deswegen ungültig wähle. (Ja, Streitfrage, ich weiß).
    Aber was mich ein wenig beeindruckt ist der Wille zur offenen Partizipation, einer Möglichkeit all die Dinge nach der Arbeit, am Wochenende oder an anderen Orten/ Zeiten privat zu erledigen. Ohne in ein Messezentrum oder einen Vortragssaal gehen zu müssen.
    Meine Hochachtung dafür! (Auch wenn man sich davon nix kaufen kann)

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    !!! | 13. May 2009 | 20:22
    dieter sagt:

    Zu den rhetorischen Fragen zur Bedeutung des Internets.

    Was ist das Internet? Für viele ist es etwas, wo man sich einmal die Woche einloggt, um ein Rezept auszudrucken, oder nach Gebrauchtwägen zu sehen, vielleicht etwas bei Wikipedia nachzuschlagen.

    Twitternde, facebookende, bloggende Internetjunkies sind nicht repräsentativ. Für eine Partei reicht die klassische Webseite mit Informationen für Anhänger. Dementsprechend ist das Angebot der SPÖ auch am populärsten.

    Web 2.0 kann auch nach hinten losgehen. Harald Walser lässt sich auf seinem Blog ständig von tiefen FPÖ-Trollen diffamieren. Warum er das zulässt, verstehe ich nicht.
    Auf Chorherr’s Blog kommt hingegen eine Rege Diskussion zustande.

    Die amerikanische Polit-Bloggosphäre dient als Schützenhilfe und kollaborativer Think-Tank für die Parteien, aber nicht als Ort, um Wähler zu gewinnen. Die FPÖ macht ja auch kein Web 2.0. Die gehen in die Bierzelte und Beisln, wo sich die Leute aufhalten, die nicht ständig eingeloggt sind.

    Gut, das machen die Grünen Funktionäre ja auch nicht. Früher haben die Grünen auf kantige, interessante, unterschiedliche Persönlichkeiten gesetzt, die junge Bürgerliche für sich begeistern konnten. Heute scheint man eher einfach darauf zu vertrauen, dass man die FM4-Jugend im Kollektiv abholen kann.

    Die Frage ist also, was die Blogger beitragen können, wie sie also die Arbeit der Funktionäre produktiv ergänzen können.

    Bisher sehe ich nur gegenseitige Ablehnung und einen Kampf um Stimmrechte.

    Mangelnde Alternative? Nun, nachdem der kreative Banner produzierende Heini aus der Parteizentrale die Blogger neoliberaler Umtriebe verdächtigt, würde ich das LIF empfehlen. ;-)

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    !!! | 13. May 2009 | 20:53
    max sagt:

    @Christian:
    Stell dir vor der erste Satz von Tom hätte so gelautet:

    “Kann man es PolitikerInnen im Jahr 2010 noch erlauben, dass sie sich dem Fernsehen verweigern? Nein.”

    Wie wäre da deine Reaktion gewesen?

    Natürlich kann man sich dem verweigern, aber dazu noch ein paar Zahlen:
    Die ZIB2 hatte z.b. am Dienstag 468.000 ZuschauerInnen, das sind 7% der Österreichischen Bevölkerung, wobei bei der ZIB2 das Durschnittsalter(!) bei 60 Jahren liegt.

    Die ZIB hatte 1,096 Millionen, das entspricht 16% der Bevölkerung, Durchschnittsalter ist zwar niedriger als bei der ZIB2, aber nicht so viel.

    Momentan sind laut AIM 72% der ÖsterreicherInnen im Internet, wobei 60% er ÖsterreicherInnen IntensivnutzerInnen sind. In der Gruppe der unter 40-jährigen sind es um die 90%.

    Davon geben 63% an, dass sie das Internet nutzen um aktuelle Nachrichten und Informationen zu suchen und zu lesen.
    Bei den unter 30-jährigen hat die Internetnutzung schon lange die Fernsehnutzung und die Zeitungsnutzung abgelöst.
    Und das tolle ist: Durch diese Internetnutzung interessieren sich die Menschen auch mehr für Politik! dazu gibt es einige Studien aus den USA aber auch aus Europa (Facebook hat übrigens in Österreich, stand jetzt gerade 5222.020 User).

    Da denke ich mir das gerade eine Partei, die auf die Jugend setzt sich dem nicht verweigern kann. Da fällt mir ein schönes Zitat ein:

    “Wer zur Hölle will Schauspieler reden hören?”

    (H.M. Warner, Warner Brothers, 1927).

    Und ich muss mich leider wiederholen: Das Ziel dieser Initiative ist ja das es einen Vorwahlkampf gibt. Das die Wiener Grünen die wunderbare Chance haben über vier Monate einen (fast kostenlosen!) Wahlkampf zu führen ohne einen politischen Gegner zu haben.
    Dazu noch mit einer Wählerschaft die wohl auf ihrer Seite steht, wo bei allen die Adressen den Grünen (und nur den Grünen) bekannt ist. D.h. auch wenn jemand von Tür zu Tür gehen will, kein Problem, ich freu mich auf die Gespräche und biete gerne einen Tee an.
    Dazu kommt noch jede Menge Feedback ohne teure Fokusgruppen zu bemühen.

    Noch dazu von Leuten die euch nie und nimmer die Jobs wegnehmen wollen da sie eben nicht Mitglied werden wollen.

    Aber all das wird von den Grünen einfach nicht gesehen und ignoriert, da werden Hürden gebaut, Pauschalisierungen ausgesprochen, WählerInnen meiner Meinung nach fast beschimpft (etwas das ein No No für PolitikerInnen ist) und es vergeht viel wertvolle Zeit.

    In einer Welt wo alle die nicht in einer Partei arbeiten jeden Tag um ihren Job zittern müssen, jeden Tag Entscheidungen treffen müssen die sehr weitreichend sein können, stößt so ein Verhalten auf Unverständnis.

    Es geht nicht um Wochen, heutzutage geht es um Stunden.

    Zeit ist etwas sehr wertvolles!

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    !!! | 14. May 2009 | 05:29
    pezi sagt:

    auch wenn ich die ängste so mancher grün-funktionäre in ihren grundzügen nachvollziehen kann (wenn man eben jahre oder sogar jahrzehnte in diesem system drinnen war und damit gut gelebt hat, versäumt man den blick über den tellerrand meistens) – nur kann ich’s gar nicht nachvollziehen, wenn man deswegen eine so wertvolle (und extrem billige) chance wie das grüne-vw-projekt verabsäumt zu nutzen bzw. sogar verunglimpft – aus kommunikativer als auch als politisch-aktiver sicht.

    ich begrüße die grünen vw, weil ich’s als wunderbare chance seh, endlich etwas an den festgefahrenen und aktuell einfach wenig transparenten polit-strukturen zu ändern. um die möglichkeiten und den einfluss neuer kommunikationswege endlich begreifbar zu (stichwort blogger-szene, twitter…). um damit potenziell neue wählergruppen anzusprechen, auf diesem weg zu mobilisieren (stichwort nichtwähler und option des konkurrenzlosen vorwahlkampfs).

    und auch wenn ich über die ablehnende haltung der offiziellen grün-seite dezent geschockt war – so lange der diskurs ernsthaft aufrecht erhalten bleibt, ist das projekt denk ich auf einem guten weg – go go go! :)

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    !!! | 14. May 2009 | 09:09
    bruckner sagt:

    danke max, war auch mein erster impuls – christians posting ein paar zahlen betr. medienbedeutung beizustellen.

    @tom: kam heute bei meinen überlegungen zu den GVW zu einem ähnlichen ergebnis – es ist ein verdammtes dilemma, wo sich die grünen da jetzt hinein versetzt fühlen müssen – und eben die frage zu beantworten haben: soll sich die partei weiter entwickeln und also verändern, oder bleibz wie gehabt…

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    !!! | 14. May 2009 | 09:14
    Martin Schimak sagt:

    @christian

    warum sollte sich irgendjemand als “einzige rettung” begreifen? kapier ich gar nicht. wir wollen vorwahlen und wollen, dass diejenigen, die dann kandidieren werden (vielleicht kommen ja noch neue dazu, ich hab halt sicher keine lust) sich einer inhomogenen, den grünen grundsätzlich freundlich gesinnten wählermenge präsentieren, die man weder einheitlich taxieren kann noch sonst steuern kann. man wird die “neuen” nur über inhalte und persönliches auftreten überzeugen können. wer immer was dazu beitragen kann, dass die vorwähler noch mehr und noch inhomogener werden als sie schon sind: please go ahead. just do it. ein ehemaliger jvpler und ein ehemaliger kjöler sind daweil mal schon dabei. sehr viel mehr weiss ich nicht über die leute. oja doch: ausnahmslos alle die mir bisher persönlich begegnet sind – und das sind einige – sind einfach sympathisch, freundlich, aufgeschlossen und ganz sicher weitaus repräsentativer für die grüne wählerschaft als das grüne kernpersonal. DAS IST KEIN VORWURF, sondern nur natürlich, erklärt aber vielleicht, warum sich manche wundern, dass man die chancen die darin liegen noch nicht erkennen kann – ganz ohne deshalb sich selbst oder die eigenen positionen “unglaublich zu überschätzen”. denn die chance läge ja eben nicht in bestimmten positionen, sondern in einer potentiellen grünwählern entsprechenden vielfalt…

    über die einforderung von demokratischer mitbestimmung hinaus werde ich persönlich nicht “politisch aktiv” werden, sondern mich höchstens diskursiv immer wieder mal einbringen – und werde daher abgesehen von diesem thema auch nicht “um kompromisse kämpfen”. das sollen bitte meine repräsentanten erledigen. sicher, wär halt schön, wenn mal eineR dabei wäre, der von meinen problemen auch eine ahnung hat. muss aber auch nicht sein, ich möchte nicht mehr als das recht, das für mich selbst beurteilen zu dürfen. und ja, diesbezüglich – verbindung wähler-repräsentant – halte ich österreich für gelinde gesagt “weiterentwickelbar”. und ja, wär ganz schön, wenns das den diesbezüglich weitestentwickelten grünen eines tages auch ein herzensanliegen würde.

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    !!! | 14. May 2009 | 09:30
    Tom Schaffer sagt:

    @christian dass ich meine haltungen oft als absolut hinstelle ist durchaus beabsichtigt. ich finde kommentare langweilig, die jeden standpunkt mit “ich weiß schon, dass man x und y ein bisschen z und a sehen könnte, aber wenn man d und o in betracht zieht, dann bleibe ich dabei, dass mein v für die beste lösung halte”.

    und wenn man diese x,y,o,a,z & co in betracht zieht, komme ich zum ergebniss, dass jemand in einem politischen amt heutzutage das internet kennen sollte – vielleicht sogar muss.

    es müsste nämlich eigentlich ein zentrales medium politischer kommunikation, information und präsentation sein. einfach, weil heute 2009 ist, und nicht 1960. max hat die daten genannt. ich denke sogar wenn man die halbiert würde mein standpunkt richtig sein.

    politiker sollten sich in ihrer zeit auskennen und ihre möglichkeiten aktiv nutzen. und das erwarte ich eben ganz besonders von den grünen. ich sehe das als anforderung an sie, aber eben auch als kompliment. von der fpö erhoffe ich mir zum beispiel, dass sie diese möglichkeiten lang genug übersieht.

    aber: erfüllt ein politiker meine anforderungen nicht, dann gibts nicht nur das problem, dass politikerInnen völlig irrsinnig mit neuen medien umgehen (siehe die gesetzgebung und debatten der letzten jahre), sondern dass sie ganz einfach auch die jüngere hälfte des landes nicht verstehen. und wieder: das dürfen wir gerade den grünen nicht durchgehen lassen.

    mit “dem internet” meine ich eigentlich nicht nur blogs und twitter – sondern ganz allgemein das web. es muss nicht jeder twittern , aber ein gemeinderat der keine webseite hat, ist doch blanker hohn. es muss nicht jeder bloggen, aber kein grüner politiker darf sich weigern, als teil seiner arbeit mal ein paar blogs zu lesen. ob er dann in seinem eigenen leben die vorteile von skype, wikipedia und last.fm kapiert ist mir egal – das ist seine sache.

    als ich vor kurzem von einem grünen die beschwerde gelesen habe, dass die bloggerInnen unter den VorwählerInnen ja so unfein wären, nicht MIT sondern nur ÜBER die Grünen zu kommunizieren, hats mir die Haare aufgestellt. was, wenn nicht der versuch mit den grünen zu kommunizieren, soll all das denn bitte sein?

    Jeder einzelne richtet seine Gedanken hier offen an die Grünen, und wenn man der Initiative eine Gemeinsamkeit unterstellen kann, dann ist es die, dass sie den Grünen mitteilt, dass hier Leute eine Öffnung wollen.

    dass menschen die mich REPRÄSENTIEREN sollen sogar diese beiden selbstverständlichkeiten nicht verstehen, ist eine katastrophe. da wird von politikerInnen die ich wählen soll nämlich plötzlich die heutige welt und meine lebensrealität als problem oder gar gefahr gesehen.

    Wie könnte ich das akzeptieren?

    Es ist nunmal so: Ich will im Moment einfach nicht “in die Politik” gehen. Sofern ich das nicht schon bin: Ich erreiche mit meinen Argumentationen täglich mehr Menschen, als beim 2008er Wahlkampfabschluss der Grünen am Naschmarkt vorbeigeschaut haben. Ich bin halt nur bei keiner Partei.

    Solange Flyerausteilen als bessere, politischere Arbeit verstanden wird, als im Freundeskreis, Facebook und Blogs Überzeugungsarbeit zu leisten, wird sich das sicher auch nicht ändern. Eine Funktionärkarriere, wo sich ein politisches Amt auf Gefälligkeiten stützt, werde ich auch nie wollen.

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    14. May 2009 | 10:02
    dieter sagt:

    Die Sache mit den Verabsolutierungen gefällt mir auch nicht, zumal dir dafür die glaubwürdige Authorität fehlt und du häufig Randthemen als absolute Wahrheit darstellst, die jedenfalls nicht allgemein akzeptiert sind; wofür es also Überzeugungsarbeit und Verständnis für die Sichtweise des Mainstreams bedürfte.

    Die FPÖ hat übrigens einen vorbildlichen Youtube-Kanal. Das populärste Video zum Thema Islam hat ~50.000 Aufrufe. Aber das ist ein heißes Thema, das im ganzen deutschsprachigen Raum interessant ist.
    Ansonsten hat man ein paar hundert Zugriffe pro Video. Das ist interessant als Informationsangebot für Polit-Junkies, hat aber offenbar keine Breitenwirkung und das, obwohl FPÖ+BZÖ die Parteien der Jugend sind.

    Die größte Reichweite haben die klassischen Nachrichtenportale der Zeitungen, Magazine und des ORF. Dort kommen die Politiker ja auch gerne zum Chatten vorbei.

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    !!! | 14. May 2009 | 19:25
    Tom Schaffer sagt:

    Die FPÖ und das BZö haben keine guten Internetwahlkmäpfe geführt und sind nicht die Parteien der Jugend, sonder die Parteien einer polit-uninteressierten Minderheit der Jugend. Und außerdem ists einfach falsch, das Internet auf die Jugend reduzieren zu wollen.

    Ich selbst hab ein Youtube-Video mit 2.500 BesucherInnen zustande gebracht – und das ohne einen Cent in eine Verbreitung zu investieren. Der thematisch und regional extrem begrenzte Blog zum von mir mitgestalteten PoWi-Protest hat ohne dass wir gerade besonders viel darauf fokussiert hätten zehntausend Zugriffe verzeichnet. Politiker-Chats oder -Interviews im Online-Standard haben zigtausende, Artikel selbst in diesem recht kleinen Blog tausende LeserInnen.

    Wie gesagt: Ich hab nirgendwo gesagt, dass PolitikerInnen unbedingt gleich bloggen müssen. Aber ich müsst mich ja auch schon ziemlich lange zurück erinnern, wann mal ein grüner Gemeinderat bei derStandard.at war. Und dass die dort sind und jemanden ihre Chat-Antworten eintippen lassen, ist halt auch noch nicht wirklich viel.

    Wenn du die Relevanz des Internet anzweifeln willst, dann viel Spaß dabei. Die beste Widerrede ist, dass Grüne Vorwahlen mittlerweile so groß ist, dass es wahrscheinlich (ein geeintes Verhalten vorausgesetzt) ein unlösbares Problem für die auf online verzichtenden unter den Grünen wäre.

    Was du “Verabsolutierung” nennst, nenne ich die Selbstsicherheit die eigene Meinung zumindest bis zur Widerlegung auch für richtig zu halten. Ob du mir irgendeine Autorität zusprichst ist mir sowas von Wurst, dass es schon fast wieder lebendiges Fleisch ist. Ein Blog ist keine Diktatur, sondern ein Ort der gleichberechtigten Debatte.

    Wenn ich meine “PolitikerInnen dürfen auf das Internet nicht verzichten”, kannst du das Gegenteil schreiben und versuchen mich zu überzeugen.

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    15. May 2009 | 00:44
    Christian Klepej sagt:

    liebe kollegin, liebe kollegen, eure erwiderungen sind durch die bank natürlich richtig. wichtig sind sie nicht alle und einige sind (sogar) AUCH nicht richtig. (es ist eine komplizierte welt.)

    1. ad zahlen (vor allem vom max)

    das ist mir alles bewusst. (und ich denke, das brauchen wir uns nicht gegenseitig vordazählen.) ich darf an die NRW’08 erinnern: wenn wir hier die (damals vorhandene) österreichische netzcommunity betrachten, hätten wir – wenn wir einzelnen prominenten netzaktiven opinionleadership unterstellen würden – ein bild der österreichischen politischen landschaft zu zeichnen gehabt, das in etwa so auszusehen gehabt hätte: 50% LIF, 40% Grün, Rest% diverse andere Listen. (wie die wahl ausgegangen ist, darf als bekannt gelten.) das zum einen.

    zum anderen ist mir auch 2009, plus minus 650 jahre also nach gutenberg noch immer nicht ganz klar, warum sich nicht alle den freuden der literatur widmen. warum nicht alle an historischen, gesellschaftlichen oder politischen geschehnissen interessiert sind. es ist halt so. der »neue kanal« internet verändert selbstverständlich die möglichkeiten. viel mehr aber auch nicht. (ich hoffe inständig, dass er auch nachhaltig interesse (an politischer diskussion) erweitert, müsste dazu aber prophet sein, dies zu garantieren.) »die menschen« mögen zu welchen statistikzahlen auch immer »im netz« sein, vor allem erfreuen sie sich dort an abbildungen, die ich heranwachsender noch verschämt in der traffik kaum mich zu erstehen traute, stellen ihrer bildlein ein, um mit der mitschülerin »freund« zu werden und bezahlen für klingeltöne oder den aktuellen hit der woche.

    das ist jetzt gar nicht pessimistisch und wenn ich gerade geschrieben habe, ich würde hoffen, das interesse würde auch erweitert, glaub ich schon, dass hier möglichkeits- und interessensverbreiterung hand in hand gehen.

    2. ad postulat

    natürlich hat tom recht, wenn er den »webaffinen« (oder vielleicht besser) webvertrauten politiker fordert. das tu ich mit ihm. es geht um die realität, die wir auch zu betrachten, miteinzubeziehen haben: von den 183 abgeordneten sind plus minus 183 webanalphabeten. (ZUSATZ: »webanalphabeten im vergleich mit »uns«, also den hier versammelten. natürlich lesen auch abgeordnete die presse oder den standard im netz, natürlich ersurfen sie orf autonom. das »email« als wirklich funktionierendes (zweiweg-) kommunikationsmittel – nach »unserer lesart« also (etwa seit 1995 bei mir) verwenden schon nicht mehr alle. (viel zu wenige … ; )

    von »relevanten« (zumindest ehemaligen spitzen-) politikern ist wohl Christoph Chorherr allein auf weiter flur (Peter Pilz führt so ein halbzweinull-leben) und wird plus minus von einer schar ausschliesslich grüner politiker »begleitet«. dann kommt lange nichts. (ausser vielleicht etwas facebooken als jahrmarkt regionaler eitelkeiten.)

    aber das ist alles egal. es geht nämlich ausschliesslich um

    3. die kommunikation, die keine ist

    jana (und ich denke, der martin in folge auch ein bisschen) pickt sich aus meinem posting den passus mit der »einzigen rettung« heraus. jetzt habe ich das sogar in einem folgenden satz erklärt, dass ich NICHT davon ausgehe, dass das irgendjemand von euch »so sieht«. mir war es nur bedürfnis aufzuzeigen, dass eine solche sichtweise (bei den funktionären der grünen) offenbar zumindest möglich erscheint. (für mich als »beobachtenden« sogar sehr deutlich.) das ist alles.

    miteinander zu schreiben – noch dazu, wenn man sich nicht persönlich kennt (bzw. gerade wenn das so ist) -, ist eben keine ein persönliches gespräch ersetzende kommunikationsform. (das wäre eine weitere der von mir schon angesprochenen »schwächen« …)

    3.1 beispiel der »nichtkommunikation«

    werfen wir einen schlagschatten auf das posting des wiener bezirksrats Gerhard Ladstätter (auf gruenevorwahlen.at)

    –> http://www.gruenevorwahlen.at/2009/04/update-von-gruenevorwahlenat/#comments

    ok. (leider sitzen wir jetzt nicht zusammen, dann würden mimik und gestik schon viel zur »kommunikation« darüber beitragen. so muss ich es »beschreiben«.) da antwortet also ein funktionär (, der offensichtlich wenig vertraut im »code« der webaffinen). er macht sich die mühe und schreibt sich seine gedanken von der seele. er hat dabei – und das ist ihm nicht zu verdenken – eine gehörige portion skepsis mitklingen lassen.

    UND DANN wird auf den eingebügelt. zigmal wird ihm erklärt, was er eigentlich »für eine trübe tasse« sei. (ja. das ist natürlich ausschliesslich meine interpretation als beobachter.) nicht einmal werden ihm die fragen – in stereotyper art und weise – beantwortet, zigmal. da werden ihm bücher um die ohren geworfen, die er bitte lesen solle und da werden im texte zugelinkt, die ihm sicher wunderbar illustrieren, wie deppat seine fragen denn seien. die frage, ob er blos »verarschen« wolle, ist dann gar keine wirkliche steigerung mehr und fügt sich wunderbar ins »aufgeregte« bild.

    dieser acker wurde also ordentlich umgepflügt. aber nicht mit dem dünger konstruktiver zusammenarbeit, sondern nur mit dem humus, der dem ego jedes einzelnen noch ein weiteres ästlein wachsen lässt.

    (STOP: wieder darf ich zwischendurch festhalten, dass alle reaktionen »verständlich« sind (sein können); wieder geht es mir nur um die spiegelung der – vermeintlichen – kommunikation. und wieder nur darum, dass man die reaktionen eben auch so lesen kann.)

    das ist jetzt natürlich nicht ausweglos. da werden persönliche gespräche von euch (jana hat darauf hingewiesen) sicher das ihre dazu beitragen, dies alles zu bereinigen. die grundsätzliche problematik (und wieder eine schwäche, diesmal die des status der grünen) eine für einzelne gedachte »Mitwahlmöglichkeit« zu »instrumentalisieren«, also »von aussen organisiert« zu »gebrauchen«. (nicht »missbrauchen« wohlgemerkt! aber dennoch allein durch die tatsache der organisiertheit auch potentiell »misstrauenserweckend.)

    und diese »statutarische schwäche« hat überhaupt keinen »verursacher« im sinne eines »schuldigen«, sondern erklärt sich einfach aus der durch das netz entstandenen möglichkeit heraus.

    zusammenfassend (endlich zum ende kommend) bleibt als wichtigste – und ich darf bitten, diesen meinen beitrag nur dies bekräftigend zu sehen – tatsache stehen: die aktion »grüne vorwahlen« ist eine gute, gut durchdachte und unterstützenswerte. bei all den reibereien, die sie erzeugen kann. bei all dem staub, den sie aufwirbelt. und jedenfalls dient sie der sache einer demokratischen weiterentwicklung.

    lg christian

    ps. ad tom noch: ja, natürlich, : ) ich mach mir ja gerne weiterhin die mühe, deine »postulate« zwischen vielen interessanten gedanken rauszufiltern und darüber hinwegzulesen. und jetzt zu erklären, dass du mir nicht offenbaren müsstest, dass wir nicht 1960 sondern 2009 haben, wäre jetzt mehr als kleinlich ; ) nicht zuletzt deswegen, weil ich mit deiner antwort in weiten teilen sowas von übereinstimme!

    unkorrigiert

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    !!! | 15. May 2009 | 13:49
    max sagt:

    @Christian:
    Kleiner Einwurf zu deinem ersten Absatz: das stimmt eben nicht, genau das Gegenteil ist der Fall. Durch die Beobachtung der Web-Dinge während der NRW08 hat meine Firma das Ergebnis der Wahl mit einer Abweichung von +-0,3% genau vorhergesagt, uns war schon Wochen vorher klar das das LIF scheitern wird, eben aus der Analyse des Internets und der Kommunikation dort.

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    !!! | 15. May 2009 | 14:08
    Tom Schaffer sagt:

    ich kann dem nicht zustimmen, dass etwa die reaktion eines gerhard ladstätter eine “verständliche” sei. wenn er im straßenwahlkampf mit den leuten auf diese art spricht, dann zuckert ihm früher oder später irgendjemand eine über.

    wenn man erwachsene menschen anspricht, als wären sie zurückgebliebene kindergartenkinder, dann ist ein wenig spott die wohl freundlichstmöglich-normale reaktion darauf. und wenn diese person im gleichen atemzug noch will, dass diese leute für ihn flyer verteilen, wirds wirklich wirklich lustig. bei dieser peinlichen gewissensprüfung von “gedanken von der seele schreiben” zu sprechen, ist beschönigend.

    und ich finde schon, dass man einem menschen diese “gehörige portion skepsis” verdenken kann im umgang mit mitmenschen, sympathisantInnen und potentiellen wählerInnen.

    im übrigen hat er bis heute nicht darauf reagiert, dass ihm gut 20 menschen geantwortet haben. kein “entschuldigung falls das herablassend geklungen hat”, kein verteidigen der eigenen standpunkte, keine kommunikation. schlicht und ergreifend peinlich.

    das was ich ihm anrechne ist, dass er sich vorgewagt hat. dass ein politiker mit menschen spricht, ist jetzt aber noch keine bejubelnswerte sensation. es ist nur eine grundvoraussetzung und selbstverständlichkeit – egal über welchen kanal.

    PS: Anschließend an Max Beitrag – Natürlich darfst du etwa dieses Blog nicht mit einem Querschnitt der Internetnutzerschaft verwechseln. Andererseits sind Blogs wie dieser ja gerade deshalb eigentlich interessant für die Grünen und das LIF, weil sich eben hier so viele ihrer Sympathisanten tummeln.

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    15. May 2009 | 14:10
    dieter sagt:

    Das geniale “VdB blamiert HC-Video” hat 20.000 Aufrufe. Die Grünen aber über 500.000 Wähler. Sonstige Videos der Grünen auf Youtube haben ~200 Aufrufe. Ich sehe in der Bloggosphäre einfach nicht die Massen der wählerschaft.

    @Tom:

    Und außerdem ists einfach falsch, das Internet auf die Jugend reduzieren zu wollen.

    Internet und Jugend hast du zuerst in Verbindung gebracht.

    Wenn du die Relevanz des Internet anzweifeln willst, dann viel Spaß dabei.

    Ich habe die Relevanz des Internets überhaupt nicht angezweifelt und sehe sogar die bloggenden Internet-Junkies als potentiell relevant an, nur halt als verteilten Think Tank und nicht als Ort, wo relevante Wählerstimmen zu gewinnen sind.

    Ist euch eigentlich klar, dass dieser Thread hier in der Druckansicht schon 20 A4-Seiten Text ausmacht? Lesegeschwindigkeit- und Kompetenz sind nur eingeschränkt trainierbar. Nicht jeder kommmt bei den Textmengen mit, die man verarbeiten muss, um sich in der Bloggsphäre auszukennen. Deshalb sind Artikel in der Krone auch verständlich und kompakt für Herrn- und Frau Durchschnitts-IQ geschrieben.

    Auch Maschinenschreiben beherrscht noch lange nicht jeder. Habt ihr schon mal anderen, langsameren Leuten bei der Benutzung von Computer und Internet zugesehen?

    Ich habe auch Verständnis dafür, dass ein Robert Korbei fünf Tage für eine Antwort braucht, was ihm ja vorgehalten wurde. Das ist doch eine vertretbare Zeit.

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    !!! | 15. May 2009 | 16:10
    Martin Schimak sagt:

    Ich formuliere Toms Fragen mal mit ein kleines bisschen weniger apodiktisch, um zu illustrieren worums hier ursprünglich mal ging – was mA jeder freilich auch ohne Umformulierung hätte verstehen können:

    Bevorzugen sie persönlich PolitikerInnen, die sich dem Internet verweigern?

    Wählen sie persönlich gerne jemand in ein öffentliches Amt der sich scheut, sich zu präsentieren?

    Akzeptieren sie persönlich gerne PolitikerInnen progressiver Parteien, deren primäre Motivation gegen eine Verbreiterung der Basis einzutreten die Angst ist?

    Finden sie persönlich es gut, dass Menschen, die vielleicht nicht den politischen Gepflogenheiten entsprechend aber doch in bester Absicht eine Änderung anstreben, beschimpft und verunglimpft werden?

    Finden sie persönlich, wenn sich in der Politik etwas ändert, sollten PolitikerInnen das positiv zu nutzen versuchen oder sollten sie besser alles so lange wie möglich hinauszögern?

    Die höchstpersönlichen Antworten auf die Fragen helfen dann vielleicht bei den eigenen, ebenso höchstpersönlichen Wahlentscheidungen.

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    !!! | 15. May 2009 | 16:32
    Christian Klepej sagt:

    @Max: erstens sehe ich in deiner zahlenvermittlung keinen widerspruch. zweitens verstehen wir uns offenbar nicht; denn es als “falsch” zu bezeichnen, dass es einen quantitativen überhang der 2008er “Netzcommunity” (damit bezeichne ich etwa auch die blogs, wo du und ich uns gerne tummeln) zugunsten grüner und liberaler gegeben hat, kann nur ausfluss eines missverständnis sein. dann (wenn falsch) müsste es nämlich (in einem paralelluniversum? ; ) eine florierende menge an gutgelesenen övp oder fpö-blogs geben. ich unterstelle, dass mir diese nicht untergangen wären. aber egal. ich habe nie und werde nie die bedeutung des internets in frage stellen. (wenn deine firma im übrigen das ergebnis mit 0,3%iger abweichung vorrausgesagt hat, dann gratuliere. was ich mich erinner, seid ihr dann ja offenbar die besten … ; )

    @Tom: du musst dem auch gar nicht zustimmen (betr. reaktion ladstätters). ich wollte nur verdeutlichen bzw. dich davon in kenntnis setzen, dass “man” seine reaktion als “verständlich” verstehen kann. dein hinweis, er würde eine übergezuckert bekommen, wenn er “so auf der strasse sprechen würd” zeigt, dass auch wir uns leider nicht verstehen. ich habe versucht zum ausdruck zu bringen, dass rein verschriftlichte kommunikation eben eine ganz andere ist, als gesprochene. (ich VERSTEHE deine reaktion und auch dein UNVERSTÄNDNIS auf sein schreiben. es führt bloss zu nichts. – aber offensichtlich auch meine hilflosen “vermittlungsversuche” ; )

    @Martin: du schreibst: “was mA jeder freilich auch ohne Umformulierung hätte verstehen können:” – ok. so. versuchen wir beide diesen satz einmal zu isolieren. kannst du dir dann auch imaginieren, dass man (etwa ich; einmal schreib ich jetzt noch: ICH tus nicht ; ), dass man also diesen satz auch so lesen könnte:

    “ok. für alle jetzt nochmals, obwohl es eh schon superklar war und es die letzte nase eigentlich hätte vestehen können:”

    ((( — bitte lieber martin, das ist jetzt keine wie auch immer geartete vorführung deines postings eben. auch nicht, wenn ich jetzt weiter-“hinein”-oder-“herauslese … —)))

    denn dann stellst du fragen, die natürlich niemand klaren geistes wird anders beanworten, als intentiert.

    SO.

    und ich denke – ohne damit die grünen jetzt besonders verteidigen zu wollen – dass auch “die grünen” diese fragen in deinem sinne (martin) beantworten werden.

    und das führt uns zurück: ein problem der kommunikation. da kann man dann natürlich nur mehr schwer heraus. (“verunglimpft und beschimpft” schreibst du sogar. gut, das hab ich nicht mitbekommen.)

    @Dieter: hach, du hast sehr recht. durch mein geschwafel sind es jetzt sicher schon 24 seiten. ZU VIEL – ich verspreche besserung und hör gleich auf : )

    ganz was anderes

    gestern war ich bei einer wohnungsversammlung. (geht um thermische sanierung usw. usf.) etwa 20 leute. alles liebe, wahrscheinlich gscheite, im grunde jedenfalls sympathische menschen. und trotzdem sind das 20 wirklichkeiten, die es ungeheuer schwer haben, in einem demokratischen prozess einmal die 50,01 prozent nur für den grundsatzbeschluss der inauftraglegung eines kostenvoranschlages zu erreichen. demokratische prozesse sind grossartig. aber verdammt schwer real zu leben. verdammt schwer. es gibt keine einfache welt in der wirklichen. lg christian

    PS: vielleicht ist wer von euch beim politcamp in graz. dann wird sich der nebel lichten

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    !!! | 15. May 2009 | 17:46
    Martin Schimak sagt:

    Mir gings nicht um “die letzte Nase” sondern eher um den versuch, den hier schreibenden so zu interpretieren, wie er es im grunde wahrscheinlich gemeint hat. und mit gutem willen kann man das. damit unterstelle ich jetzt nicht “bösen” willen, sondern eher die manchmal zu notorisch werdende suche nach dem haar in der suppe. hier: zu apodiktisch formuliert. jo. vermutlich.

    ändert aber nix an seinem punkt.

    und mir ist in der diskussion zunehmend untergegangen, dass toms punkt eigentlich der war, dass vermutlich die meisten sich solche politiker “eher nicht” wünschen.

    (die fragen sind übrigens nicht von mit, sondern jene von tom, nur entapodiktisiert…)

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    !!! | 15. May 2009 | 18:20
    Martin Schimak sagt:

    Ach ja. Wichtigsten Punkt vergessen: ich kann mir vorstellen, dass mein satz so interpretiert wird wie von dir dargestellt. Es würde für mich aber auch hier dasselbe gelten, was ich oben vom Haar in der Suppe erzählt habe: man sollte geschriebene Sätze nicht einfach so interpretieren, wie sie sich gerade anfühlen, sondern immer mehrere Interpretationen in Betracht ziehen – und im Zweifel für den Angeklagten entscheiden.

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    !!! | 15. May 2009 | 18:52
    Tom Schaffer sagt:

    Im Übrigen lautet der Slogan dieses Blogs: “Der subjektiven Wahrheit und Vernunft verpflichtet.” Schon allein das sollte klar machen, dass ich hier Dinge schreibe die ich für gut oder richtig halte, die aber nicht allgemeingültig richtig oder unumstritten sein müssen und dass mir das auch bewusst ist.

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    16. May 2009 | 15:47

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