Grüne Vorwahlen: Langsam nerven die GegnerInnen

Grüne Vorwahlen
Im Keller des “Kent” (mitten am “furchterregenden” Brunnenmarkt) fand heute Abend eine Podiumsdiskussion zu den Grünen Vorwahlen mit Klaus Werner Lobo, Angela Stoytchev, Robert Menasse und Markus Rathmayer statt. Ich hatte zwei Leute mitgebracht, die sonst zwar potentielle aber keine sicheren Grün-Wählerinnen sind, die sich aber wegen der aktuellen Bewegung für die Partei interessieren. In Zeiten in denen die Grünen als zunehmend langweilig gelten und kurz vor einem historischen Wahldebakel stehen, hat ihnen die Vorwahl-Initiative einen vollen Wirtshauskeller beschert.

Ich will nicht darauf eingehen, was da alles gesagt wurde. Weil es alles schonmal hier erwähnt wurde. Es hat sich nämlich seit dem ersten Tag noch nichts verändert. Dass Leute zur ihrer Meinung stehen wäre aus Respekt vor der Meinungsvielfalt in Ordnung, wenn alle wenigstens verstehen würden, worum es eigentlich geht. Es ist den Gegnern (Rathmayer, Ellensohn,…) aber dem Anschein nach in den vergangenen zwei Monaten nicht gelungen, zu begreifen womit sie es überhaupt zu tun haben. Während Ellensohn erklärte, wie wichtig der Kampf gegen Martin Graf sei (anscheinend in der Annahme, die Grünen VorwählerInnen würden dem irgendwie widersprechen) brüllten aus den hinteren Reihen Leute hervor, sie wollten doch endlich über Inhalte sprechen und die GVWler sollten sich doch deklarieren.

Missverständnis

Aber die Initiative ist kein Projekt mit homogenen Inhalten abseits dem Wunsch nach Mitsprache (wären sie das, würde man sie auch erst recht nicht aufnehmen wollen). Wie oft wird man das noch sagen müssen, bis es auch gehört wird? Da hilft es auch nichts, wenn eine mir gegenübersitzende Dame von der Grünen Wirtschaft das suggeriert. Und schon gar nichts hilft es, dass sie mich mitten im Satz abwinkt, als ich ihr dann (unter uns und ohne Mikro) erklären will, dass da ein Missverständnis vorliegt. Grüne Vorwahlen ist nichts anderes als eine Werbekampagne für ein Instrument, das sich die Grünen selbst ins Statut geschrieben haben, das ihnen aber nun wohl zu unkontrollierbar erscheint. Die mittlerweile über 200 VorwählerInnen eint nur der Wunsch mitzusprechen und eine Sympathie für die Grünen.

Mitsprechen gegen plappern lassen

Der Wunsch mitzusprechen ist was anderes als der Wunsch mit den Grünen zu sprechen. Ich unterhalte mich ja gerne mit Grünen über Sachpolitik. Und wer dieses Blog liest, der weiß wie gut ich mich mit diesbezüglich den Grünen anfreunden kann. Aber meine Energie in eine Unterhaltung zu investieren, ohne dann am Schluss auch das politische Gewicht einer Wahlmöglichkeit zu haben, das ist schon ein bisschen witzlos. Das ist von Seiten der PolitikerInnen nämlich die Art von Alibi-Zuhören, die die anderen Parteien bereits zu genüge praktizieren.

Hält man es so, dann passiert es allzu gerne, dass ein Podiumsteilnehmer das wiederholt, was er Wochen vorher in seinem neuen Blog geschrieben hat – unverändert, trotz zahlreicher ehrlicher und guter Gegenargumente auf die er ja zumindest irgendwann mal Bezug nehmen sollte. Das ist kein Dialog. Das ist kein Gespräch. Das ist kein Zuhören. Das ist einfach nur plappern lassen und dabei bleiben, was man sich vorher ausgedacht hat.

Wenn mit Volker Plass ein ehemaliger Funktionär und grünes Mitglied aufstehen kann und erklärt, er halte die Basisdemokratie (einen grünen Grundsatz) für nicht praktikabel, dann ist es eine Frechheit, dass von mir ein außergewöhnliches Bekenntnis zu grünen Grundsätzen verlangt wird – oder gar ein “Gesinnungscheck”, wie ihn ein anderer forderte.

Machtpolitik

Spaß ist auch, dass David Ellensohn unterstellt, die Vorwahlen würden nur von liberaleren Grünen wie Christoph Chorherr begrüßt, weil die in der “linkeren” Wiener Landesgruppe eine kleine Gruppe wären. Warum das lustig ist? Weil er damit diesen “Liberaleren” (Chorherr war immerhin grüner Bundessprecher, kann also nicht so ganz alleine da stehen) etwas unterstellt, was er selbst jedenfalls ganz offen betreibt (nämlich unterstellt er, dass sie aus machtpolitischen Interessen neue angeblich liberale Wähler hinzuholen würden, während er selbst aus machtpolitischen Interesse solche angeblich Liberalen aussperren will).

Darüber, dass ein Ellensohn nicht per restriktiver Partizipationspolitik zu bestimmen hat, welche Nuancen bei den Grünen dominieren, soll hier nicht gesprochen werden. Die Idee, jemand würde durch neue VorwählerInnen die linken Grünen schwächen wollen, muss man auch nicht ernst nehmen. Das fällt ins Land der Verschwörungstheorien von Leuten, die sich offenkundig nicht informieren wollen. Dass in der Runde wohl selbst ein Klaus Werner Lobo heute als zu “liberaler” Grüner gesehen wurde (so muss das Gelächter nach der Selbstbezeichnung Lobos als “einer der Linksradikalsten im Raum” wohl interpretiert werden), darüber kann man auch herzlich lachen (wenn das alles nicht so frustrierend weh tun würde).

Dass die Leute die ich mitgebracht habe aber hinterher folgende Sätze sagten: “Also heute waren die Grünen mir extrem unsympathisch.”, “Das hat mich wieder einen Schritt zur SPÖ gebracht.” – darüber sollte man vielleicht mal ernsthaft nachdenken.

Dafür sei den Skeptikern und Ängstlichen eine herzliche Gratulation ausgesprochen.

Bin gespannt ob sie es auch noch schaffen, mich zu vertreiben. Lange hab ich keine Lust mehr, mich mit uneinsichtigen Angstscheissern auseinanderzusetzen, die meine ausgestreckte Hand abzuschlagen versuchen. Wer einen Freund wie einen Feind behandelt, den wähl ich halt nicht. Dann würde halt auch im nächsten Jahr die Gefahr eines Wahldebakel wachsen.

Aus inhaltlicher Sicht wäre es ja schade.

Tom Schaffer | 4. June 2009
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23 Kommentare bisher

Andreas Lindinger sagt:

Danke für den umfassenden und emotionalen Bericht. Man/frau darf weiter gespannt sein…

!!! | 4. June 2009 | 22:49
Markus Otti sagt:

War heute auch dabei und habe das ganze im wesentlichen so wie du wahrgenommen. Bei allem Ärger schlage ich aber doch vor, im Ton so sachlich wie möglich zu bleiben – gerade auch, weil sich doch einige Grüne persönlich angegriffen zu fühlen scheinen. Wäre schade, wenn das ganze aus (eh verständlicher, aber trotzdem!) Enttäuschung emotional eskaliert… noch ist nicht aller Tage Abend.
Offensichtlich gibts immer noch einige ganz grundlegende Missverständnisse: Vielleicht hilfts, alle vorgebrachten Argumente zusammenzutragen und nochmal drauf einzugehen?

!!! | 4. June 2009 | 22:58
Tom Schaffer sagt:

Dafür, dass ich bereits verdächtigt wurde die Grünen zu unterwandern, als Eisenhintern beschimpft wurde und dass die ganze Initiative von einigen GegnerInnen schon mit unlauteren Mitteln diskreditiert werden sollte, bin ich meiner Ansicht nach immer noch sehr ruhig.

Wenn man (und damit meine ich mich und andere VorwählerInnen) dann nach über 2 Monaten immer noch dieselben, längst widerlegten, ängstlichen “Argumente” zu hören kriegt, dann ist ein “Angstscheisser” so sachlich wie nur irgend möglich.

Im Hinterkopf habe ich trotz allem immer, dass es sich hier um Leute handelt, die mir unter anderen Umständen wahrscheinlich enorm sympathisch wären und mir politisch zumindest nahe stehen. Aber das was manche(!) Grünen sich hier leisten geht einfach gar nicht.

5. June 2009 | 00:08
Volker Plass sagt:

Zwei Präzisierungen, damit keine Missverständnisse entstehen:

1. Ich unterstütze die Grünen Vorwahlen bedingungslos und auch die meisten KollegInnen in der Grünen Wirtschaft tun das. Die zitierte “Dame von der Grünen Wirtschaft” ist nicht repräsentativ für die Stimmung innerhalb unserer Organisation.

2. In meinem Statement habe ich gesagt, dass ich immer ein Skeptiker des radikal basisdemokratischen Prinzips war, weil ich es in der Praxis für kaum lebbar und durchführbar halte. Aber wenn dieser Grundsatz existiert und wenn derartiges im Statut steht, dürfen die Grünen nicht kneifen, wenn der hochgelobte Grundwert zum ersten Mal wirklich auf die Probe gestellt wird!

In diesem Sinne: Viel Erfolg den Grüne Vorwahlen!

Volker Plass
Bundessprecher der Grünen Wirtschaft

!!! | 5. June 2009 | 05:15
dieter sagt:

Danke für diesen interessanten Bericht.

Bisher wählte ich in Wien immer Chorherr mit Vorzugsstimme, weil mir Chorherr sympathisch ist. Das nächste mal wähle ich ihn nicht nur deshalb, sondern auch, weil mir seine Gegner in der Partei immer unsympathischer werden.

!!! | 5. June 2009 | 07:20
Konterspieler sagt:

Danke für den “Frontbericht”

Zur links-rechts Diskussion:

Wer hat die Definitiondhoheit zu links/rechts?
Die Defintion von links/rechts wird von vielen Establishnent-Grünen versucht zu monopolisieren.

Bin ich rechts wenn ich für mehr Vaterrechte bin?
Stichwort: automatische gemeinsame Obsorge für biologische Eltern egal ob sie zusammenleben oder nicht.

Bin ich rechts, wenn ich für Einführung der Grenzkontrollen entlang der gesamten österreichischen Grenze bin?
Zur besseren Verbrechensbekämpfung- bzw Abschreckung.
Ich unterscheide mich hier von der deutschnationalen FPÖ, die die Grenzen zu D, CH, I, und FL offen lassen will.
Obwohl die meisten Kriminaltouristen aus D kommen.

Was ist rechts an dieser Forderung?

Die Grünen müssen die Sorgen der Leute ernst nehmen, sonst werden sie zur permanenten 5-10% Partei, ohne Potential nach oben und eine solche Partei nimmt der politischen Gegener dann nicht mehr ernst.

!!! | 5. June 2009 | 07:54
The Sandworm sagt:

Danke für die Zusammenfassung! Ich war gestern leider nicht im Kent, es scheint aber, dass sich im Grunde die Diskussionen vom Open House Camp fortgesetzt haben. Ich hab dort einige sehr engagierte und vor allem interessierte Grüne getroffen, trotzdem gab es Gespräche, die völlig sinnlos, teilweise skurril/absurd waren. Es gibt offenbar Personen bei den Grünen, die sich durch die Grünen Vorwähler persönlich angegriffen fühlen. Ich habe da einige Leute erlebt, die wirklich aufgebracht schienen und, genau so wie du es beschreibst, gab es endlose Diskussionen was “WIR” denn nun vorhaben und aushecken. Ich glaube ich habe mich, seit ich Grüne Vorwählerin bin, ungefähr 1000x erklärt, die Verschwörungstheorien sind aber immer noch am brodeln. Ich persönlich hab mich jetzt mal in Warteposition begeben und bin neugierig, wie die Entscheidung wen man letztlich aufnimmt und wen nicht, ausfällt.

!!! | 5. June 2009 | 08:13
Markus Rathmayr sagt:

@Tom
“Es ist den Gegnern (Rathmayer, Ellensohn,…) aber dem Anschein nach in den vergangenen zwei Monaten nicht gelungen, zu begreifen womit sie es überhaupt zu tun haben”

Sorry, dass ich trotz vieler Diskssionen, denen ich mich gerne und freiwillig stelle und gestellt habe immer noch zu blöd bin mich voll und ganz deiner Meinung anzuschließen. Was würdest du sagen, wenn ich dir dasselbe vorwerfen würde? Ich an deiner Stelle wäre dann zumindest ein klein wenig persönlich angegriffen, oder?

Es soll schon vorgekommen sein, dass es trotz intensiver Diskussionen beständig unterschiedliche Ansichten prinzipieller Natur gibt, so what? Und wie du gestern sicher mitverfolgen konntest gibt es von mit keinerlei persönliche Angriffe, Untergriffe oder bösartige Unterstellungen, sondern schlicht und ergreifend ein anderes Verständnis wie partizipative Demokratie am besten erreicht werden kann und was die besten Wege zu einer politisierten Gesellschaft sind.

Wir sind keine Gegner, sondern einfach nur anderer Meinung…

!!! | 5. June 2009 | 08:30
subfraut sagt:

Ich war gestern im Kent, bin extra für die Diskussion gekommen, fand aber keine vor bzw. auf Nachfrage im Kent konnte mir auch der Kellner nicht sagen, wo ihr zu finden seid…
Um 19.25 Uhr bin ich gegangen in der Annahme, es wurde wohl abgesagt…

Bin ich jetzt zu blöd, um euch zu finden, oder war ich im falschen Kent? (Brunnengasse) Ich bin übrigens ab 17.30 Uhr drinnen gesessen…

!!! | 5. June 2009 | 09:38
Jürgen Koprax sagt:

Ich habe die Lust verloren, bei weiteren Diskussionen mit dem uns(grüneVW) abgeneigten Teil der Wiener Grünen mitzumachen. Ich rate den Wiener Grünen ihre internen Konflikte zu lösen! Bitte schafft ein verständliches und wählbares Bild nach außen!!!

Links, ganz links, liberal, usw…

WTF? Ideologien zu folgen ist mir zu primitiv! Die Welt ist komplexer.

!!! | 5. June 2009 | 10:11
schimi sagt:

Ich war gestern auch im Kent und kann die Frustration voll und ganz verstehen. Bis vor kurzem war ich noch der festen Überzeugung, dass die Grünen einfach ein wenig länger brauchen um in ihren Strukturen alles in Ruhe zu diskutieren, und die ganze Aufregung sich bald legen wird. Inzwischen kommen mir die Gespräche teilweise aber auch immer absurder und skurriler vor, und bei manchen Argumenten kann man sich nur an den Kopf greifen, weil sie sich wirklich seit 2 Monaten einfach nicht verändern.

@Markus Rathmayr: Dass du gestern sachlich und ohne Untergriffe gesprochen hast sei dir unbenommen. Aber es geht nicht darum dass du dich voll und ganz einer anderen Meinung anschließen musst. Es geht darum, dass du in einer Diskussion nicht immer nur dieselben Argumente wiederholen kannst, ohne auch nur ein einziges Mal ernsthaft auf die guten Gegenargumente einzugehen. Das kann man den Grünen Vorwählern nämlich nicht vorwerfen, dass nicht viele von ihnen in Blogs, aber zunehmend auch in vielen Einzelgesprächen, immer wieder auf die konkreten Ängste der Grünen eingehen und versuchen sie ihnen zu nehmen. So funktioniert Dialog.

!!! | 5. June 2009 | 10:16
Tom Schaffer sagt:

@markus

untergriffe hab ich dir nicht unterstellt und selbst auch keine getätigt. aber wie kann es sein, dass nach monaten der kommunikation, in denen von GVW-Seite immer wieder nur das eine betont wird (dass es nämlich wirklich darum geht, dass wir alle grüne werte teilen und es eigentlich gut meinen), immer noch diese fundamentale tatsache in abrede gestellt wird? wie gibt es das, dass immer noch einerseits inhalte von den GVW gefordert werden und andererseits vor inhalten bei den GVW (zu links, zu rechts, was auch immer) angst gehabt wird?

wie ich schon sagte: wenn man wenigstens mal vom selben spricht, darf man gerne unterschiedlicher meinung sein. aber immer wieder an den menschen vorbei zu reden und ihnen einfach nicht zu glauben, was sie immer wieder beteuern, das ist mies. und das muss ich nicht nur den hinterbänklern von gestern sondern auch dir vorwerfen. ich verstehe dieses menschenbild nicht, bei dem man diesen menschen nur angst und skepsis entgegenbringt.

ich habe gestern kein negatives wort gegen die grünen gesagt, sondern nur versucht (mal wieder) den standpunkt zu verdeutlichen, aber dafür wurde ich angefaucht wie ein FPÖler der versucht die partei zu übernehmen.

es gibt einige dutzend leute unter den grünen vorwählern, die selbst bloggen und die öffentlich seit jahren zu politischen themen stellung nehmen. wenn ihr es ihnen schon nicht glaubt, dass sie die grünen grundwerte teilen, dann lest es doch verflucht nochmal nach.

@Volker Plass
so hatte ich das auch verstanden. sorry, wenn das etwas anders rüber gekommen ist.

5. June 2009 | 12:03
guenterstrobl sagt:

danke für diesen bericht! ich war ja nicht dabei. du triffst den nagel wirklich auf den kopf! hab mich selten so verstanden gefühlt beim lesen …
danke!
günter strobl

!!! | 5. June 2009 | 19:08

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Birgit Hebein sagt:

Ich habe mir jetzt beide Videos vom Kent „reindruckt“ und es hat sachlicher auf mich gewirkt als (auch deine) Erzählungen darüber. Was hast du erwartet?
Vorurteile (auch meine eigenen) prägen die Dynamik auf beiden Seiten. Und jetzt wird persönlich diskutiert und „abgeklopft“, gut! Die Fans sind genauso kein homogener Haufen wie wir (das war eine Erkenntnis). Und ja, mir ist Sehnsucht nach politischen Identitätsfiguren ebenso nicht geheuer, wie auch mögliche Entwicklungen gesponserter SelbstdarstellerInnen. Bin ich deswegen eine Verschwörungstheoretikerin? Nein! Und ja, ich schätze an David Ellensohn, dass er Befürchtungen offen ausspricht. Die Debatten links/liberal, inhaltliche Grenzen und mögliche grüne Entwicklungen sind Realität. Ebenso wie eure Forderung nach respektvollen Umgang für euer Engagement. Wir können uns jetzt nur weiter “abklopfen” ohne uns zu zermürben.

!!! | 7. June 2009 | 10:01

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Annelies Schimak sagt:

Am Donnerstag ist etwas Komisches mit mir passiert…

Ich habe, seit ich wählen darf, immer wieder die Grünen gewählt. Nicht immer, aber immer wieder. Und ich muss zugeben, oft nicht mit einem ausschließlich guten Gefühl. Ich habe abgewogen, ob ich gewisse Dinge in Kauf nehmen kann, habe mir überlegt welche Alternativen es für mich gäbe, durchaus links UND rechts der Grünen angesiedelt, es ist sogar vorgekommen, dass ich mich erst in der Wahlzelle letztendlich für die Grünen entschieden habe. Durch und durch wohl war mir selten dabei. Vielleicht KANN es eine Partei mit der mir durch und durch wohl ist ja auch nicht geben, hab ich mir manchmal gedacht, und dass das leichte Bauchziehen vielleicht einfach dazu gehört zum Prozess meine Entscheidung zu treffen.
Am Donnerstag ist etwas Komisches mit mir passiert. Ich habe an diesem Abend, während der Diskussion, alle möglichen Gefühle durchlebt. Zuerst voll freudiger Erwartung, gespannt, interessiert, dann überrascht, verwirrt, gekränkt, wütend, enttäuscht und zuletzt auch etwas dumpf in Kopf und Bauch.
Und doch, ich hab am Donnerstag plötzlich am Nachhauseweg gewusst, wen ich wählen werde: Ich wähle heute die Grünen. Und erstmals geht das wirklich leicht, fast wie von selbst, eine Art Automatismus, die Macht der Gewohnheit. Es macht keinen Spaß, und ich denke fast nichts dabei. Ich will gar nicht so weit denken. Ich wollte das alles ja gar nicht so genau wissen und jetzt wo ich’s weiß will ich nicht weiter drüber nachdenken. Ich mach heute das, was so viele so oft in ihrem Leben tun, ich geh wählen und wähle einfach die Partei die ich meist wähle, und denk nicht weiter drüber nach.

Gerade frag ich mich was die Grünen wohl dazu sagen würden!? Vor dem Donnerstag hätte ich geschätzt sie fänden das nicht gut und würden sich fragen was denn da los ist. Seit Donnerstag glaub ich sie freuen sich. Jö. Eine Stimme mehr. Denkende WählerInnen sind ohnehin nicht sehr gefragt.

!!! | 7. June 2009 | 13:06

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Jürgen Koprax sagt:

@Annelies:

Die Gefühle die du beschrieben hast, habe ich auch durchlebt! Ich habe aber ein anderes Gefühl am Freitag morgen gehabt.

Die Überzeugeung, dass die Grünen die Einzigen sind die ich wählen kann, weil sie sich der Diskussion stellen und damit ausdrücken für was sie stehen.

!!! | 7. June 2009 | 13:20

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saibot sagt:

Voraus gesagt: Ich bin kein Wiener, verfolge die Sache aber und hab auch das Video der Veranstaltung gesehen. Dazu meine Ansichten:
1. Die ganze Sache scheint mir überflüssig, können doch alle (die wirklich Interesse haben) den Grünen beitreten. Sie werden dann zu JEDER Versammlung eingeladen und haben passives und aktives Wahlrecht. Warum also “freie Wähler” organisieren? Die Hauptforderung war Mitbestimmen. Das wäre dann ja erledingt.
2. Ich habe mich im wissenschaftlich mit Grüner Geschichte befasst und kann hier auch noch auf die Grüne Geschichte verweisen (in Wien), die vieleicht vieles erhellen kann: Es gab einst 2 große “Fraktionen” das waren “Die Wiener” und die “Grazer” bei den Grünen (zu beginn). Da kam es vor, dass zu Landesversammlungen (oder anderem) Busweise (sic!) Leute angekarrt wurden (es durfte damals JEDER mitstimmen) um gewisse Personen los zu werden/Themen zu puschen. Das erklärt vieleicht die Angstreaktionen.
3. Herr Lobo war mir persönlich viel zu agressiv und polemisch auf dieser Veranstaltung. Das war weder konstruktiv noch politisch klug. Wer einen kühlen Kopf behält ist klar im Vorteil.
4. Ja, man sollte sich auch fragen dürfen: “Welche Motive stecken dahinter”. Ich finde es autoritär diese Frage zu unterdrücken oder als unwichtig abzutun.
5. Die Sache mit der Verantwortung ärgert mich. Eines ist klar: Wer mitbestimmen will muss auch Verantwortung übernehmen (zumindest für das Ergebnis seiner Stimme). Einfach zu sagen ich will mitbestimmen aber sonst nicht tun ist faadenscheinig und unproduktiv. Mit autoritär hat das alles jedenfalls nichts zu tun.

!!! | 9. June 2009 | 15:47

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Tom Schaffer sagt:

1. nein. ich will kein parteimitglied werden. punkt.
2. das erklärts, rechtfertigts aber nicht
3. wird irgendwann unmöglich, wenn mans ständig mit ignoranz zu tun hat.
4. darf man fragen. muss man sich aber auch irgendwann mal mit “keine anti-grünen motive, keine sachpolitischen motive, lediglich der wunsch und versuch, die grünen zu öffnen und ihnen so zu helfen” beantworten lassen. die antwort wurde schon oft genug gegeben, sie wird nur nicht gehört oder geglaubt. und das ist fernab von dem, was ich akzeptiere.
5. niemand sagt, dass er nichts tun will. das ist einfach polemischer mist. mitglied werden und flyer verteilen wollen die leute halt nicht. das ist nicht das, was unterstützung bedeutet.

fakt ist: der status unterstützer ist von den grünen selbst erfunden worden, nicht von den vorwählerinnen.

außerdem: die grünen fordern, die vorwählerinnen sollten mit ihnen über inhalte reden. das ist aus meiner sicht witzlos, wenn gleichzeitig angedeutet wird, “liberalere” könne man eh nicht brauchen. ich will unterstützer werden, nicht gleichgeschaltet. (ob ich nun liberaler grüner oder linker grüner bin sei dahingestellt und verflucht nochmal wurst.) zu den grundsätzen bekenn ich mich gern, zum ellensohn-weltbild aber ggf. nicht.

es ist auch witzlos in einen dialog zu treten, wenn das was ich dort sage schlussendlich überhaupt kein politisches gewicht hat. darum will ich eine stimme.

ob den angstscheissern das nun passt, ob das historisch erklärbar oder ob ich mitglied werden könnte ist mir völlig wurst. nichts davon spielt für mich eine rolle oder gibt eine befriedigende antwort.

wenn die grünen meinen “ok, dann brauchen wir dich nicht”, dann sollen sie es sagen und ich werd meine konsequenzen daraus ziehen.

9. June 2009 | 16:34

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Markus Otti sagt:

1. Es besteht anscheinend nun einmal das – recht weit verbreitete – Bedürfnis, sich ohne Vollmitgliedschaft einzubringen. Warum sollte das nicht auch möglich sein? Wie ernst es jemandem mit dem Engagement ist, lässt sich ohnehin nicht an einem rein formellen Status festmachen. Zusätzlich wird so die gefühlte Einstiegshürde abgebaut: Es entsteht eine Plattform auch für Leute, die sich ernsthaft interessieren und sich das Ganze gerne einmal ansehen würden. Endlose Diskussionen darüber zu führen, wie ernst es jemand denn wirklich meinen kann, der nicht gleich Vollmitglied werden will, sind herzlich sinnlos. Ausprobieren, herausfinden: Die Frage muss lauten, wie holen wir möglichst viele Leute ins Boot, nicht: wie stellen wir sicher, dass aber wirklich nur der ganz harte Kern was zu sagen hat.

2. Interessant! Das erklärt wirklich einiges.

3. Stimme ich zu, ich finde weder Lobo noch Menasse haben besonders viel zu einer konstruktiven Diskussion beigetragen. Es war aber wohl auch notwendig, dass sich die aufgestauten Emotionen einmal entladen.

4. Richtig. Das hätte vielleicht in aller Ruhe noch einmal von Grund auf erklärt werden sollen.

5. Ja, aber die Verpflichtung, Verantwortung für seine Wahl zu übernehmen, ist eine moralische. Vorbedingungen für die Ausübung eines demokratischen Mitspracherechts kann man daraus nicht ableiten, zumal es ja keine Anhaltspunkte gibt, dass es jemandem nur darauf ankäme, mal schnell abzustimmen und sich weiter um nichts zu kümmern. Misstrauen ist ja verständlich, doch letztlich muss man sich halt auch ein bisschen was trauen…

!!! | 9. June 2009 | 17:05

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dieter sagt:

Also in den Videos machten Helge und die anderen Vorwähler einen netten, freundlichen, vielleicht etwas schüchternen, um nicht zu sagen eingeschüchterten Eindruck.

Aggression, persönliche Angriffe und Paranoia kamen von der anderen Seite.

Für Ellensohn soll schon jeder, der seine Idee von “Kampf gegen Rechts” (mit 200 grünen Hanseln gegen 200 blaue Hanseln demonstrieren) nicht als zentrale oder effektive Lebensaufgabe betrachtet, sich quasi eine andere Partei suchen.
Er verdächtigt jeden, nur durch Geld, Macht und Sex motiviert zu sein. Also ein gutmenschliches Menschenbild ist das jedenfalls nicht. Eher das Gegenteil davon.

Ich war überaus verwundert, dass Wähler als passive, nutznießende Kreuzerlmacher betrachtet werden. Das sehe ich ganz anders. Wähler kennen nämlich Nichtwähler und Wähler anderer Parteien und führen häufig auf eigene Faust Überzeugungsarbeit für ihre Gesinnungsgemeinschaft in verschiedensten sozialen Settings (Familie, Arbeitsplatz, Schule, Verein, …) zu jeder Zeit und zu verschiedensten tagespolitischen Anlässen und nicht nur zwei Wochen vor irgendwelchen Wahlen.

Ich dachte, die Wichtigkeit dieser Mundpropaganda wäre bekannt, wird aber offenbar als bedeutungslos verkannt.

!!! | 9. June 2009 | 17:54

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dieter sagt:

Menasses Johnny Depp Metapher fand ich eigentlich sehr treffend. Vor dieser ganzen Vorwahlgeschichte gefiel mir die grüne Partei wesentlich besser. Da war die Welt für mich noch in Ordnung. Leider gibt es jetzt kein Zurück.

!!! | 9. June 2009 | 18:10

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