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Wir und die Wahlen im Iran

Iran
Vielleicht ist es Wunschdenken hier im Westen, dass das Ergebnis der iranischen Wahlen gefälscht war. Man weiß im Moment nicht, was man glauben soll. Aber diese Fakten sind klar: Ahmadinejad ist nicht gerade als aufrechter Demokrat bekannt, alle Oppositionspolitiker vermuten massive Manipulationen, selbst die religiösen Führer des Landes lassen nun untersuchen und in Teheran brennt die Straße. Das Internet ist stark eingeschränkt, die Handynetze abgeschaltet. Und doch: Hunderttausende demonstrieren – trotz Verbot. Eine Revolution? Hoffentlich. Und hoffentlich entlädt sich die unterdrückte Wut der IranerInnen nicht zu früh. Aber es scheint schwer vorstellbar, wie diese Massen wieder beruhigt werden können.

Diese Ereignisse medial zu verfolgen ist spannend. Ich habe in den letzten Tagen immer wieder auf CNN gewechselt – und nie viel darüber gesehen. Möglicherweise schlechtes Timing meinerseits, aber es scheint, als fehlen dem Fernsehen die Bilder, um gebührend umfassend berichten zu können.

Die Online-Medien berichten das Wichtigste, sind aber langsam, weil es für die Agenturen lange dauert die Informationen zu verifizieren. Und vor Ort-Journalisten hat ja nahezu niemand. Die Ausdünnung der Korrespondentennetzwerke macht sich bemerkbar. Warum ich in diesen Tagen (heimische?) Print-Produkte kaufen soll? Keine Ahnung. Sie bieten keinen Mehrwert. Ebensowenig, wie wir Blogger hier im Rest der Welt, die wir bestenfalls einen Beitrag leisten, indem wir Informationen sammeln.

Folgendes soll keine Lobhudelei sein: Aber mit Twitter ist man mitten drin. Zum Beispiel in einer belagerten Universität, wo verletzte StudentInnen anscheinend von Hisbollah-Milizen belagert werden. Das ist beklemmend. Nach vielen Stunden des Verharrens, machten sie sich zur großen Moussavi-Kundgebung auf – unsicher ob die überhaupt stattfindet, oder ob die Regierung die Demonstranten gar in eine Falle lockt. Seit sie losgezogen sind, ist Funkstille. News, die wohl aus erster Hand sind – und ich zittere mit, hoffe bei jedem Update, dass es nicht das letzte ist.

Iran ist ein Internet-Land mit einer extrem jungen Bevölkerung. Viele Menschen bloggen und nie zuvor waren Twitter & Co. bei der Organisation von politischen Protesten so wichtig. Ob die Informationen alle wahr sind, die wir hier über die Social Webs bekommen? Lässt sich schwer sagen. Was er glaubt muss vorerst jeder für sich selbst entscheiden. Klar hat diese Art der Information Vor- und Nachteile.

Ich nutze bei internationalen Konflikten gerne auch nicht-westliche Medien – zumindest jene die ich sprachbedingt konsumieren kann. Bei Russia Today erfährt man nicht viel. Irgendwo zwischendrin: “Erdrutschsieg für Ahmadinejad” und die Opposition vermutet zwar Manipulationen aber von den Demonstrationen ist nichts zu lesen. Al Jazeera lässt im Vergleich keine Wünsche offen, es wird sogar ein offener Brief von Moussavi veröffentlicht. Die schnelle authentische Information von der “Front” fehlt freilich auch.

Die Weltstaatengemeinschaft scheint eingeschlafen zu sein. EU-Staaten wie Frankreich und Deutschland berufen die iranischen Botschafter ein und verlangen Klärung über die Legitimität der Wahl. Die USA “beobachten mit Sorge”. Russland? China? Die beiden Schutzmächte des iranischen Regimes im Streit um das Atomprogramm schweigen. Und mit ihnen auch der UN-Sicherheitsrat. Apropos: In dem wäre eigentlich auch Österreich. Warum erzählt uns Michael Spindelegger nicht, was er in der Sache gerade unternimmt?

Wo findet ihr eure Informationen? Kennt ihr gute Links? Verfolgt ihr brauchbare Blogs oder Twitter-Accounts?

Update (16.6.): Auch in Wien demonstrierten nun tausende Menschen für einen demokratischen Iran.

Fotocredits: Twitpic/madyar

Tom Schaffer | 15. June 2009
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22 Kommentare bisher

SaschaP sagt:

Such mal bei twitter nach #iranelection ;) dann kriegst du viele brauchbare Postings verschiedenster User zu dem Thema. auch Videos von vor Ort usw.

!!! | 15. June 2009 | 19:06
Tom Schaffer sagt:

ja gut, das is logisch (und auch im text verlinkt ;) )), aber derbe unübersichtlich, weil dutzende postings pro sekunde eingehen.

15. June 2009 | 19:10
Hannahli sagt:
!!! | 15. June 2009 | 19:56
Tom Schaffer sagt:

Beeindruckende Bilder von professionellen Fotografen gibts hier

15. June 2009 | 21:38
tobi sagt:

Der große Vorteil und der gleichzeitig große Nachteil kommen hier ganz deutlich raus: Die Geschwindigkeit. Wer verifiziert das ganze? Wer sagt mir, dass ich nicht einem Troll auf den Leim gegangen bin.
Wer streut aus Langeweile Desinformation? Tut das jemand? Nein. Sicher nicht, denn das ist ja Twitter. Das, was leider kaum bei Twitter verbreitet wird, ist das Problem, dass es relativ leicht zur Weitergab von Falschinformationen neigt. Oder überprüfst du jeden Tweet, den du retweetest?

!!! | 15. June 2009 | 21:43
Tom Schaffer sagt:

Ich prüfe bei Twitter genausogut wie überall anders.

Was du da schreibst ist aber das generelle Argument gegen alle soziale Medien – und dieses Argument überbetont die Gefahren gegenüber den Chancen und dem Nutzen. Ja: Schabernack ist möglich. Meiner nun doch recht ausführlichen Erfahrung mit Twitter nach, geschieht das aber äußerst selten.

Twitter lebt ja auch von der Verlinkung von ausführlicheren Medien, schlussendlich hängen die Informationen meistens von denen ab.

15. June 2009 | 21:59
tobi sagt:

Das ist zwar das Problem bei allen sozialen Medien, aber was bei Twitter noch stärker reinspielt ist die Geschwindigkeit der Informationsausbreitung. Du magst deine Quellen prüfen, aber weißt du, dass deine Quelle ihre Quelle prüft. Oder deren Quelle die nächste Ebene?

Derzeit sehe ich kein Problem, aber wenn ich hier sitze und von Handyfotos von Demonstrationen in Teheran sehe. Ich glaube daran, dass dem so ist. Ich will es ja auch selbst ein wenig.
Aber was ist wenn nicht? Was ist wenn das Foto da nicht aus dem Zentrum von Teheran ist? Oder vielleicht ist es aus Isfahan? Es könnte ja sein, dass jemand mit dem Bild nur eine Botschaft illustrieren will. Vielleicht nimmt jemand Desinformation in Kauf um eine Bewegung zu mobilisieren oder zu unterdrücken.

Das Problem ist, dass Twitter schneller ist als die klassischen Medien, was insb. in Anfang mich fragen ließ: Wieviel sind das nun, die revoltieren? Weil: Ich habe keine Referenz.

!!! | 15. June 2009 | 22:43
Tom Schaffer sagt:

twitter ist ja kein alleinstehender kanal – ein mündiger konsument würde sich niemals nur auf twitter verlassen.

15. June 2009 | 22:49
tobi sagt:

Genausowenig wie ein mündiger Konsument auch nur eine Zeitung lesen würde. Tun trotzdem viel zu viele…

!!! | 15. June 2009 | 22:56
chromosfear sagt:

“Aber es scheint schwer vorstellbar, wie diese Massen wieder beruhigt werden können.”

Gerade mal 20 Jahre und ein paar Tage her, im Fernsehen laufen zur Zeit nur Dokus über die Geschichte am Platz des Himmlischen Friedens. So viel dazu wie man der Massen Herr wird.
Aber was Michael Spindelegger dazu sagt, bzw. was er tut würde mich auch interessieren.

!!! | 15. June 2009 | 23:11
Tom Schaffer sagt:

was ist dein punkt? kein medium wird alle schwächen der menschen über nacht wegwischen. ;)

wobei eine zeitung den anspruch eines umfassenden angebots hat, twitter nicht. twitter setzt sogar eine eigenverantwortliche quellenwahl voraus.

15. June 2009 | 23:16
chromosfear sagt:

Mein Punkt ist der, daß ich auf diese Mediensache gar nicht eingehen wollte, sondern der Meinung bin, daß es Ahmadinejad egal ist, wer was über ihn sagt oder schreibt, solange er an der Macht ist und die Sache so wie die Chinesen damals vom Tisch wischen kann. Klar schaut die Weltöffentlichkeit jetzt mehr zu, dank der neuen Medien, und darum würde so ein Massaker nicht mehr so leicht zu vertuschen sein, (obwohl die Möglichkeiten der Iranischen Regierung natürlich auch mitgewachsen sind). Aber der Iranische Obermullah, der zwar sagt, daß er die Wahl prüfen lassen will, hat ihn und das Wahlergeniss bestätigt. Braucht ein religöser Fanatiker mehr Legitimation um seinen Anspruch zu rechtfertigen. Außerdem bin ich überzeugt, Ahmadinejad freut sich wie ein Kleinkind über jeden Ausländischen Bericht, der ihn als Bedrohung darstellt.

!!! | 15. June 2009 | 23:36
Tom Schaffer sagt:

ich meinte tobi, als ich die seite für meine antwort lud, war dein kommentar noch nicht drauf. :)

bin nicht sicher, ob das tiananmen-massaker heute im iran wieder passieren könnte, vor allem im iran. seitdem sind 20 jahre vergangen, die welt ist eine andere und wir sprechen über ein ganz anderes land. es scheint hier eine gewaltige, gut vernetzte bewegung zu geben, hinter der das halbe land steht.

15. June 2009 | 23:41
chromosfear sagt:

tja, und ich hab mich gleich angegriffen gefühlt….;-)
ich hoffe auch daß so etwas nicht mehr passiert und ich kann es mir auch nicht vorstellen, aber das konnte sich damals glaube ich auch niemand…
(auch wenn ich gerne den Teufel an die Wand male, das Gut wird siegen…)

!!! | 15. June 2009 | 23:50
tobi sagt:

Ich verfolge keinen Punkt, ich habe nur einen Gedanken. Ich selbst benutze twitter, bin aber insb. in der Qahl meiner Quellen (über)vorsichtig.
Das was ich sehe, ist das jeder Twitter als schnell und super bejubelt, aber kaum jemand über die geährlichen/ komplizierten/ negativen Seiten nachdenkt.

!!! | 16. June 2009 | 09:22
Tom Schaffer sagt:

Versteh ich nicht, steht doch zB hier im Ausgangsposting? Die Kritik an Twitter wird doch wohl wirklich ausreichend getätigt. Ich bezweifle, dass den meisten Personen denen ich folge die Stolpersteine nicht bekannt sind.

Und für alle anderen ist Twitter so gefährlich wie jeder andere Medienkanal.

16. June 2009 | 13:10
aha sagt:

Du bist doch ein Heuchler Tom. Vor einem Jahr hast du noch den Iran und Ahmadinejad verharmlost und jetzt wo’s plötzlich in ist, bist du hier der große Demokratiesupporter. Einfach heuchlerisch.

!!! | 24. June 2009 | 17:34
Tom Schaffer sagt:

Da muss ich mir jetzt aber das ein oder andere Schimpfwort als Antwort verkneifen, so ein Scheissdreck ist das, was du da sagst.

Mir deucht da kann einer den Zweifel, ob ein Einmarschieren im Iran die richtige Lösung im Atomstreit ist, nicht von “Verharmlosung” eines Diktators unterscheiden. Ich bin übrigens sicher: Wäre ersteres passiert, würde die Bewegung (auf die ich hier lange im Vorfeld bereits gehofft habe) heute nicht stattfinden. Und das ist es, was ich schon vor zwei Jahren wirklich gesagt habe: Hier nachzulesen.

Und das hier hab ich im April 2007 über den Iran geschrieben:

Zu fremd erscheint ein religiöser Fundamentalistenstaat, der auch die primitivste Propaganda nicht scheut (hier)

Ich hab Ahmadinejad und das iranische Mullah-Regime keine Sekunde verharmlost – und ich bin schon mein Leben lang ein Freund der Demokratie und keiner von religiösen Fanatikern.

Also was immer du mit deinem anonymen Posting erreichen wolltest, du bist damit wundervoll auf die Schnauze gefallen.

24. June 2009 | 17:56
aha sagt:

Du verdrehst wieder alles wie es dir beliebt. Dabei faselst du hier ständig rum von wegen

Diplomatische und wirtschaftliche Sanktionen wirken.

oder gar, dass der

Der irrationale “Islamofaschismus” (…) vorerst in weite Ferne gerückt

Dass Bush das iranische Atomprogramm nur erfunden hätte bzw. darüber gelogen hätte, etc.

Du hast das iranische Regime verharmlost, das ist eine Tatsache.

PS: Was heißt hier anonym? Glaubst du ich meld mich hier an, nur um einen Kommentar zu hinterlassen? Wenn’s dir nicht passt, dann deaktivier halt die Kommentarfunktion.

!!! | 24. June 2009 | 19:49
Tom Schaffer sagt:

Diplomatische und wirtschaftliche Sanktionen wirken – richtig. Das zeigt der amerikanische NIE-Report. Was hat das mit Verharmlosung zu tun? Da gehts nur darum, dass ich andere Mittel als militärische für wirksamer halte, um die Mullahs los zu werden.

Ich weiß nicht was für einen Beissreflex du da hast, aber nur weil ich nicht Teheran wegbomben möchte, bin ich noch lange kein Verharmloser der dortigen Diktatur.

Und wenn du aus einem Artikel wo es genau um solche Überlegungen einen kontextlosen Halbsatz rauskopierst und völlig falsch darstellst, dann muss ich wohl nicht mehr erklären, wer hier die Dinge dreht wie sie passen. Ich hab dir hier jetzt insgesamt fünf Artikel verlinkt, die aus den letzten beiden Jahren stammen, in denen ich ganz sicher keine Sympathien oder Verharmlosungen des Fundi-Regimes von mir gebe – einfach weil ich nie so gedacht habe.

Dies ist deine Chance, dein Gesicht zu wahren und einfach einen Fehler im Erinnerungsvermögen zuzugeben.

PS: Anonym heißt, dass du nicht die Eier hast, mit deinem eigenen Namen zu unterschreiben, wenn du jemanden verunglimpfst. Registrieren muss man sich dafür nämlich wahrlich nicht, nur seinen Namen buchstabieren können. Ich deaktviere deswegen gar nichts, weil so ein schlechter Stil hier sonst nie vorkommt. Und so ein Schmarrn ist eh amüsant. Aber das hält mich nicht davon ab dir zu sagen, was ich von dieser Tour halte: nix.

24. June 2009 | 21:32
aha sagt:

Ach, wer deinen Hang zum Exhibitionismus nicht teilt und sich nicht als großer Politkommentator geriert, hat gleich “schlechten Stil”? Tolle Projektionsleistung.

Du warst es der behauptet hat, der Islamfaschismus sei eine Erfindung von Präsident Bush gewesen. Na, dann frage ich mich was derzeit im Iran vor sich geht, wenn sogar in Standardkommentarspalten von der islamischen SA gesprochen wird? Nix anderes als Verharmlosung war das, was du da betrieben hast.

!!! | 25. June 2009 | 12:11
Tom Schaffer sagt:

so, probieren wirs nochmal sachlich und bei 0. sorry, wenn ich dich evtl. zu harsch angefahren bin. aber du verstehst mich grundsätzlich falsch und machst daraus einen ziemlich harten vorwurf. und wenn mir ungeheuerliches unterstellt wird, werde ich sauer.

worum es in der auseinandersetzung mit dem iran geht sind zwei dinge.

einerseits gehts um die weltpolitische bedrohung durch den iran, den atomstreit und wie man damit umgehen muss. da bin ich der meinung, dass ein militärisches eingreifen eine schlechte option ist, diplomatie und sanktionen bessere.

hier ist es ein teil der neocon-doktrin dem iran ein irrationales verhalten zuzuschreiben, der die eigene vernichtung in kauf nehmen würde um zB israel wegzublasen (nichts anderes würde ein atomschlag auf israel ja auslösen).

diese einschätzung teile ich nicht. bush hat, um dieses bild zu stärken, die im verlinkten NIE report gewonnenen erkenntnisse ein halbes jahr zurückgehalten und weiterhin so kommuniziert, als wäre das gegenteil davon wahr. das ist erwiesen.

ich denke nicht, dass man ein bush-freund sein muss, um für demokratie im iran einzutreten. im gegenteil. meine ehrliche überzeugung ist und war immer, dass man die neocon-bush-doktrin ablehnen muss, wenn sich die dinge verbessern sollen.

denn das ist das andere worum es geht: dass der iran sich innenpolitisch entwickelt – weg von einem religiösen fundi-regime hin zu einer die menschenrechte respektierenden demokratie.

auch für diese entwicklung wäre es schlecht gewesen, militärisch/politisch auf konfrontation zu gehen, weil das die innenpolitische rolle der fundis stärkt (das wurde bereits politikwissenschaftlich analysiert – hatte ich dir bereits verlinkt).

all das ändert aber nichts daran, dass ich ahmadinejad schon seit jeher für einen antisemitischen verbrecher halte und den iran für eine schreckliche diktatur. um das dauerhaft zu ändern, müsse entscheidende handlungen aber von der eigenen bevölkerung gesetzt werden. und wie ich in diesem artikel schreibe: ich hoffe, dass das gerade passiert.

diese standpunkte haben nichts mit verharmlosung zu tun.

ich habe diese dinge nie anders gesehen, und ich hoffe du akzeptierst, dass du mich hier offensichtlich falsch verstanden hast.

25. June 2009 | 13:05

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