Bauen wir Windmühlen – oder warum nicht?

Montage: Windmühlen über Wien

Tom Schaffer | 18. June 2009
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4 Kommentare bisher

Michael sagt:

Weil Wind durch Strukturen am Boden gebremst wird. Deswegen sollten Windräder in einer möglichst strukturlosen Umgebung gebaut werden, idealerweise auf dem Meer (siehe z.B. da).

Noch was grundsätzliches: Wenn es das Ziel Österreichs sein sollte, möglichst wenig fossile Energieträger zur Stromproduktion einzusetzen, dann sollten wir uns um neue Wasserkraftwerke bemühen. Dass Windenergie und Photovoltaik jetzt so populär sind ist nur eine Modeerscheinung: wegen der fehlenden technischen Möglichkeiten zur Speicherung großer Strommengen kann man damit zwar etwas an fossilen Energieträgern einsparen, aber nicht grundsätzlich darauf verzichten.

Ich habe in meinem Blog einen ziemlich ausführlichen Eintrag geschrieben, in dem ich die Stromgewinnung in den OECD Staaten vergleiche. Österreich stellt 63% seines Stroms aus erneuerbaren Energieträgern her (das ist Platz 3 in der OECD). Dänemark ist bei den “modischen” Energieformen Nummer 1 und kann dank seiner riesigen Off-Shore Anlagen 19% seines Stroms produzieren (Nummer 1 bei den “modischen” Energieformen), aber für Österreich ist das aufgrund seiner Geografie keine Option.

Ich verstehe die Begeisterung der österr. Grünen für Windenergie und Photovoltaik nicht: Das ist in Österreich keine Alternative. Unsere Möglichkeit ist die Wasserkraft.

!!! | 18. June 2009 | 18:20
weltbeobachterin sagt:

vielleicht, weil bei uns hier nicht soviel Wind geht? Burgenland ginge es, aber auf einer Alm?

!!! | 18. June 2009 | 18:40
Tom Schaffer sagt:

also in wien geht die ganze zeit wind. ;) gegen windfarmen in der ebene würde natürlich auch nichts sprechen. das bild ist natürlich bewusst übertrieben, aber ich hab mich wirklich schon oft gefragt warum gerade in einer so windigen stadt wie wien überhaupt keine windenergie genutzt wird.

18. June 2009 | 22:55
jo sagt:

Wasserkraft ist eine Option.

- Bei Nichtberücksichtigung ökologischer Grenzen wird (vom Verband österreichischer Elektrizitätsunternehmen [1], der hier wohl eher positive Stimmung macht) das Gesamtpotential in Österreich auf rund 17 TWh geschätzt. Das entspricht ungefähr 25% des Konsums von 2006 (68 TWh).
- Allerdings steht Wasserkraft im Konflikt mit ökologischen Zielsetzungen (auch ordnungspolitisch im Rahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie gefordert)
- Auch Wasserkraft ist keine garantierte Energiequelle. Fossile Backupleistung ist auch bei Wasserkraft notwendig, obwohl Wasserkraft besser verfügbar ist als Solar und Wind.
- Sollte die Elektromobilität in Form von Elektroautos kommen, wir ein drastischer Anstieg der Stromproduktion notwendig sein.

- Gleichzeitig stimmt es, dass alle “modischen” Stromformen gemeinsam es in Österreich laut e-control auf gerade einmal 5 TWh bringen.
-Windkraftpotentiale – wieder optimistisch geschätzt von der ig windkraft [2] – werden auf maximal 7 TWh bis 2020 geschätzt, eine Erhöhung um 5 TWh. Allerdings ist Windkraft im Vergleich zu anderen erneuerbaren (Biomasse und v.a. Photovoltaik) deutlich billiger und wird deswegen bereits jetzt stark ausgebaut. Sie sollte nicht als Zweitoption angesehen werden.
- Für Photovoltaik auf Gebäudeflächen geht man bis 2050 von Potentialen von 20 TWh für Österreich aus [3], dem dreifachen des Windkraftpotentials also. Diese Option ist also mengenmäßig nicht zu unterschätzen, allerdings ist sie sehr teuer.

Realistischerweise ist aber zu bedenken, dass bei Beibehaltung der Stromkonsumationswachstumsraten der letzten Jahre (2%/a), der Verbrauch von jetzt 68 TWh auf
85 TWh ansteigen wird. D.h. dass das gesamte zusätzliche Wasserkraftpotential (17 TWh) allein durch die Zusatzkonsumation aufgebraucht würde – eine großflächige Verbreitung von Elektromobilität gar nicht miteinberechnet. Solar (und zu sehr kleinen Teilen auch Wind) sind daher unbedingt notwendig, um zusätzlich eine Verringerung des Anteils fossiler Energieträger an der jetzigen Stromproduktion zu erreichen. Gleichzeitig muss immer bedacht werden: auch wenn erneuerbare Energien per definitionem erneuerbar sind, so sind sie doch begrenzt, weil sie Fläche bzw. andere natürliche Ressourcen (z.b. Fließgewässer) beanspruchen.

Als effizientere Alternative sei in den Raum gestellt: Energiepreise drastisch erhöhen und so die Konsumation einschränken. Bei einer Preiselastizität von Strom von -0.6 ([4]), bringt eine 1% Stromerhöhung / Jahr eine 0.6%ige Verringerung des Verbrauchs / Jahr. Bis 2020 würde das den Stromverbrauch um knapp 6% verringern. D.h. ohne ein einziges Kraftwerk zu bauen könnten wir den Anteil erneuerbarer von 63% auf 69% heben bzw. 6% der fossilen Energieproduktion einsparen. Niedrigerer Verbrauch wird auf der Konsumationsseite auf technologischem Weg (Energieeffizienz) erreicht werden, aber auch durch die verringerte Konsumation energieintensiver Güter und Dienstleistungen.

Langer Rede, kurzer Sinn: die Diskussion um erneuerbare Energien und technologische Potentiale ist nicht die eigentlich Relevante. Die Nutzung der technischen Potentiale erneuerbarer Energieträger (ohne diese gegeneinander auszuspielen) ist natürlich Gebot der Stunde. Es muss aber gleichzeitig ordnungspolitische Maßnahmen geben, um die Strom- und Energiekonsumation im Allgemeinen deutlich einzuschränken. Der Ruf nach einer ökologischen Steuerreform ist

[1] http://www.veoe.at/fileadmin/allgemein/Elektrizitaet_u_Energie/E-Wirtschaft_in_OE/050508_Positionspapier_Wasserkraft_final.pdf

[2] http://www.igwindkraft.at/redsystem/mmedia/2007.08.30/1188464900.pdf

[3] http://www.act-center.at/?q=node/1268

[4] http://eeg.tuwien.ac.at/events/iewt/iewt2007/papers/abstracts/PL2/Haas_Liberalisierung_ein_Erfolg.pdf

!!! | 23. June 2009 | 22:33

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