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Hass, Autos, Sex und das Wetter

Regen
Menschen reden gerne übers Wetter. Wenn es in Wien zu regnen beginnt, dann melden mir das 20 bis 30 Twitteranten in Echtzeit. Menschen reden gerne über Autos, gerüchteweise zumindest. Menschen reden gerne über Sex, außer sie sind außerordentlich prüde. Menschen reden auch gerne über Verbote. Und Menschen regen sich gerne auf. Demzufolge ist das hier ein Text über den alle Menschen gerne sprechen werden.

Es ist einer dieser schönen Gedanken, die man an einem sonnigen Frühlingstag beim Überqueren der aus irgendeinem Grund gesperrten Ringstraße hat: Wie toll wäre das, wenn die Autos immer weg wären? Kein Lärm der dir vermiest, einem Podcast zu folgen. Kein Gestank der dir Gedanken in den Kopf pflanzt, ob das bereits eine tödliche Dosis Giftstoffe ist, die du dir da grade in die Lungen atmest. Keine Ampeln an denen man wie ein Roboter herumsteht, bis endlich das Licht grün wird. Ich hasse Autos.

Zumindest ein bisschen. Denn nicht falsch verstehen. Es ist fantastisch, mit Freunden an einem lauen Sommernachmittag irgendwohin zu düsen und den Wind bei geöffnetem Fenster durch die Haare flüstern zu lassen. Und es ist auch ziemlich offensichtlich, dass unsere Gesellschaft Autos braucht.

Der wesentliche Unterschied zwischen dem Ring- und dem Düs-Erlebnis ist: Das eine findet in Wiens Innenstadt statt, das andere am Land. Am Land bist du ohne Auto der Arsch der Nation. Alle zwei Stunden kommt mal ein Bus vorbei mit dem du dein gewünschtes Ziel in einer guten Stunde Fahrtzeit ereichst. Und nach 19 Uhr ist sogar diese Tranportmöglichkeit bei uns nur ein frommer Wunsch. In Wiens Innenstadt habe ich ein Rad, öffentliche Citybikes, Busse, Straßenbahnen, U-Bahnen und wenn alle Dämme brechen: Taxis und Leihwagen. Wer in Wiens Innenstadt mit dem Auto fährt ist entweder ein Ausnahmefall oder ein Vollidiot.

Das ist nicht zu hart formuliert: Ich habe gerade den Beweis erlebt.

Im strömenden Regen entschied ich mich, von der Arbeit trotzdem frohen Mutes zu Fuß heim zu gehen. “Haha, Wiener Linien, meine 1.80 bekommt ihr nicht!”. Immerhin war ich eh schon nass. Also stapfte ich durch die Wasserfälle, die der Himmel auf mich niederließ.

An so mancher Ecke muss man sich in einem solchen Fall vorsichtig vortasten, weil man am Gehsteig Freiwild ist für Autos, die eilig Wasserlacken durchkreuzen. Es gibt fünf solcher Stellen an meinem Heimweg von der Arbeit auf der Währinger Straße. Die erste meisterte ich mit Bravour, die zweite mit Glück, die dritte und vierte waren kein Problem und auch an der fünften kam ich gut vorbei. Geschafft.

Ich habe nicht mit der Dummheit eines Autofahrers gerechnet.
Am Bürgesteig dahintwatschelnd, kam mir an einer völlig unverdächtigen Strecke einer dieser in der Innenstadt autofahrenden “§%§!$% entgegen und ließ mich die Inhaltsstoffe einer größeren Lacke schmecken. Von der Haarspitze bis zun Zehen rieche ich nach Abgasen und abgefahrenem Reifengummi. RSS-FeedDarum sitze ich hier auch nur in der Unterhose, während ich das schreibe (da habt ihr auch den Sex in der Geschichte!).

Nicht, dass der Penner gebremst hätte. Nicht, dass er einen halben Meter zur Seite gefahren wäre. Nein. Voll durch ist er gefahren, der Scheisskerl und trieb mich direkt in die Forderung nach einem totalen Verbot von Autos in der Innenstadt. Ja ja. Wenn ich mich wieder etwas beruhigt habe, bin ich sicher auch wieder mit einer Citymaut zufrieden. Aber gerade jetzt will ich, dass alle Autos die den Gürtel nach innen überqueren sofort gesprengt werden. Mit Plutoniumbomben – nur zur Sicherheit.

Fotocredits: southgeist (CC2.0 BY-SA)

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| 6. July 2009

47 Reaktionen bisher

    georgM sagt:

    Oje, armer schaffertom :)

    -> Hättest du dir das Nummernschild gemerkt, dann müsste er die Reinigungskosten übernehmen. Der Ärger bleibt dir freilich.. Hielt heute auch Abstand von großen Lacken auf der Straße.

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    !!! | 6. July 2009 | 16:56
    Heinz Wittenbrink sagt:

    Rein wissenschaftlich/SEO-technisch würde mich interessieren, ob dir der Sex in der Überschrift mehr Klicks bringt als gewöhnlich ;-)

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    !!! | 6. July 2009 | 17:02
    Dominik sagt:

    Oh, was gibt es nur für Idioten auf dieser Welt. (Und die bekommen dann auch noch Führerscheine und große Autos.)

    Ich hoffe, du hast es schon wieder geschafft, trocken zu werden. Am Besten eine Tasse Tee nehmen, sich vor den Computer setzen, und warten bis es wieder zu regnen aufhört. Und dann mit einem Absperrband jede Straße in Wien absperren. Das wär ja mal was. So als kleine Rache an diesem blöden Autofahrer. ;)

    Und das mit dem Land hast du einfach vollkommen verstanden. Ohne Auto? Unvorstellbar. Aber um die Kosten so niedrig wie möglich zu halten, fahre ich hier in der oberösterreichischen Provinz bevorzugt mit dem netten kleinen Auto meiner Mutti. :)

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    !!! | 6. July 2009 | 17:03
    Tom Schaffer sagt:

    @georg – is mir zu blöd da zur polizei zu rennen. ;)

    @heinz – kannst du dir ansehen – die viewzahlen sind eh rechts unter dem beitrag zu sehen.

    @dominik – in meinen bösen momenten denk ich mir noch viel bösere aktionen gegen die autos aus. ;)

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    6. July 2009 | 17:08
    Moe sagt:

    Für Autos in der Innenstadt fallen auch mir partout keine objektiven Gründe ein, die dafür sprächen. Im Auto ist man langsamer, es kostet erheblich mehr, man hat ständig Stress (Parkplatzsuche, Stau) und als Krönung verpestet man auch noch die Umwelt.

    Aber gerade weil es keine objektiven Gründe gibt, kann diese Debatte niemals sachlich geführt werden. Sofort werden da Argumente der Sorte “persönliche Freiheit” und “Raubrittertum” ins Feld geführt, die jede weitere konstruktive Auseinandersetzung über dieses Thema zunichte macht.

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    !!! | 6. July 2009 | 17:22
    weltbeobachterin sagt:

    stimm dir zu, mit dem Auto in der Stadt ist man der reinste Trottel. Linz ist wahrscheinlich eh noch harmlos, aber mir wären die Parkgebühren zu hoch. Trotz der gratisParkmünzen die man beim Stadteinkauf bekommt.
    Das mit den Verwünschungen kenne ich. Passiert mir vor allem, wenn was mit den Öffentlichen hinhaut.

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    !!! | 6. July 2009 | 18:17
    pezik sagt:

    wieder mal schön gegrummelt + ein rrrr für die unterhose ;)

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    !!! | 6. July 2009 | 20:28
    subfraut sagt:

    @pezik Calvin Klein??

    @Tom … ich bin auch in Nicht-wütenden Momenten für ein Autoverbot innerhalb des Gürtels… mit entsprechenden Parkzentren außen funktioniert das glatt.. dann können die Öffis auch kaum Verspätung haben, weil kein Verkehr der sie aufhält… somit gäbe es auch keine Argumente mehr gegen Öffis (sofern sie dann auch 24 stunden fahren)…
    ich kenne das begossener Pudel Gefühl leider zu gut … ;-)

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    !!! | 6. July 2009 | 21:41
    Mathias sagt:

    @subfraut: Mit diesem Argument müsste schon jetzt jede U-Bahn immer pünktlich kommen. Das ist ganz offensichtlich nicht der Fall – deswegen ist es gut, dass es die freiwillige Alternative Auto gibt.

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    !!! | 7. July 2009 | 00:04
    Tom Schaffer sagt:

    Also ich hab vielleicht alle halbe Jahre mal ein Problem mit einer U-Bahn und besitze überhaupt kein Auto. In der Innenstadt braucht man schlichtweg keines.

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    7. July 2009 | 00:39
    Mathias sagt:

    Dann bist du wahrscheinlich noch nie um 8 Uhr früh in einer vollgestopften U-Bahn gefahren, die den japanischen Pendants Konkurrenz machen kann, oder 20 Minuten zu spät gekommen, weil du blöderweise in einem “schadhaften Zug” gesessen bist. Dass das bloß “alle halbe Jahre” vorkommt, ist meiner Erfahrung nach stark untertrieben.

    Anyways, ob “man” irgendetwas “braucht”, lässt sich – wie schon weiter oben bemerkt – gar nicht objektiven bemessen. Gerade deshalb muss es aber jedem selbst überlassen bleiben, ob er die billigen Öffis oder das stressfreie Auto benützt. Dass irgendwelche persönlichen Befindlichkeiten daran nichts rütteln, ist dir ja sicher bewusst.

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    !!! | 7. July 2009 | 08:01
    Tom Schaffer sagt:

    Ja. Und doch spielt aber auch das persönliche Befinden der Innenstadtbewohner eine Rolle. Darum: City Maut. Wer wirklich muss oder unbedingt will soll autofahren und dafür zahlen. Die anderen sollen umsteigen.

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    7. July 2009 | 12:47
    Mathias sagt:

    Und du bist dir sicher, dass dieses Befinden auf eine zwangsverordnete Einschränkung des Autoverkehrs (nichts anderes ist eine “City Maut”) hinausläuft? Sprichst du hier eigenmächtig für alle Bewohner der Wiener Innenstadt, oder wie kann ich das sehen?

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    !!! | 7. July 2009 | 13:04
    Alex sagt:

    Ich wär auch für ein Autoverbot in der Innenstadt – allerdings würde sich das nicht durchsetzen.

    Ja ich habe ein Auto und ein Motorrad, jedoch meide ich die City wo’s nur geht mit meinen Fahrzeugen (und wenns sein muss, dann er mit Motorrad)

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    !!! | 7. July 2009 | 14:14
    Tom Schaffer sagt:

    @Mathias:

    Ich spreche natürlich für mich, was sonst?

    Ich habe übrigens auch schon so gedacht, als ich noch in Meidling gewohnt habe.

    Und mir ist natürlich sehr bewusst, dass das ein lenkender Eingriff ist. Ich habe mit regulatorischer Politik rein prinzipiell kein Problem, da kannst du es noch so oft zwangsverordnet nennen.

    Entweder werd ich gezwungen die Autos zu ertragen, oder die Autofahrer motiviert, den Bus zu nehmen, weil sie zu einer Maut gezwungen werden. Zwang ist immer dabei. Zweiterer ist mir sympathischer.

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    7. July 2009 | 14:30
    Mathias sagt:

    “Ich spreche natürlich für mich, was sonst?”

    Mir ist schon klar, dass du vorwiegend für dich selbst sprichst. Die Formulierung “Und doch spielt aber auch das persönliche Befinden der Innenstadtbewohner eine Rolle.” lässt aber eher darauf schließen, dass du deine persönliche Meinung als repräsentativ für die der meisten Innenstadtbewohner siehst. Und das gilt es erst zu beweisen.

    “Entweder werd ich gezwungen die Autos zu ertragen, oder die Autofahrer motiviert, den Bus zu nehmen, weil sie zu einer Maut gezwungen werden. Zwang ist immer dabei. Zweiterer ist mir sympathischer.”

    Dann haben wir unterschiedliche Auffassung davon, was Zwang ist. Zwang ist für mich nicht ein unangenehmer (d.h. nicht lebensbedrohender) Zustand, dem ich problemlos aus dem Weg gehen könnte, selbst wenn ich dafür einige Privilegien einbüßen müsste. Das hat mit Zwang rein gar nichts zu tun, sondern eher mit persönlichen Vorlieben und Befindlichkeiten, die individueller nicht sein könnten.

    “Ertragen” muss man im Leben ja ziemlich viel. Ist nun mal so, dass in einer Großstadt auch Autos fahren – wen das stört, der sollte am besten aufs Land ziehen. Aber anderen die eigene Vorstellung einer urbanen Umgebung über den Weg der Gebühren (die nicht einmal einer Aufrechterhaltung derselben dienen) vorzuschreiben, das ist zwingendes Verhalten nach dem Schema “leiste es dir oder verzichte auf ein Privileg” – und das, obwohl diese Entscheidung rein ökonomisch gar nicht notwendig wäre!

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    !!! | 7. July 2009 | 18:54
    Tom Schaffer sagt:

    Bedenke: Nicht-regulieren ist auch eine politische Entscheidung.

    Zwang ist für mich nicht ein unangenehmer Zustand, dem ich problemlos aus dem Weg gehen könnte, selbst wenn ich dafür einige Privilegien einbüßen müsste.

    Perfekt: Das Privileg des Autofahrens in der Innenstadt wird eingebüßt, wenn du den Gebühren aus den Weg gehen willst.

    Ehrlich: Der Wille in einer mit öffentlichem Verkehr perfekt erschlossenen Innenstadt Auto zu fahren steht bei mir im Zweifelsfalls sicher nicht über dem Bedürfnis in der Innenstadt zu leben.

    Schlussendlich hoffe ich schon sehr, dass du der folgenden These zustimmst: Die Freiheit zu leben wo ich will ist wichtiger als die Freiheit gratis autozufahren wo ich will.

    “Zieh doch um, damit du nicht unter dem Verkehr leidest” ist ein noch viel gemeinerer Gedankengang als “Bleib doch zuhause, wenn dich der Zigarettenrauch im Pub stört”.

    PS: Wenns nach mir geht wird mit den Erträgen aus der Citymaut der öffentliche Verkehr gefördert.

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    7. July 2009 | 20:48
    Mathias sagt:

    “Bedenke: Nicht-regulieren ist auch eine politische Entscheidung.”

    Und? Verstehe nicht, worauf du hinaus willst. Das hier ist ja durchaus eine politische Diskussion.

    “Perfekt: Das Privileg des Autofahrens in der Innenstadt wird eingebüßt, wenn du den Gebühren aus den Weg gehen willst.”

    Es ist ein “Privileg”, auf mit Steuergeldern bezahlten Straßen mit dem Auto fahren zu dürfen? Ich nenne das in einer Großstadt Normalität.

    “Schlussendlich hoffe ich schon sehr, dass du der folgenden These zustimmst: Die Freiheit zu leben wo ich will ist wichtiger als die Freiheit gratis autozufahren wo ich will.”

    Nein. Beide Freiheiten sind gleichwertig. Im Zweifelsfall muss sich aber der anpassen, der sich gestört fühlt. Wie gesagt geht es hier ja nicht um Leib und Leben, sondern um individuell empfundene Störfaktoren.
    Kirchenverbot/-maut, weil mich Gebimmel und religiöse Menschen in meiner Umgebung stören? Wäre genauso unsinnig.

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    !!! | 7. July 2009 | 21:03
    Georg sagt:

    Nein. Beide Freiheiten sind gleichwertig. Im Zweifelsfall muss sich aber der anpassen, der sich gestört fühlt. Wie gesagt geht es hier ja nicht um Leib und Leben, sondern um individuell empfundene Störfaktoren.

    Dann sollte man beiden Freiheiten Genüge tun. Ein autofreie Innenstadt ist machbar und die Finanzierung der Öffis über eine Citymaut eine gute Idee, weil damit ein funktionierender Ersatz für die sanktionierte Autofahrt geboten wird.

    Würde man Autos sinnvoll nützen und etwa Fahrgemeinschaften bilden, statt im Schnitt vermutlich weniger als 1,5 Personen in eine Karre zu setzen. Dann allerdings wärs im Auto auch enger und wärmer.

    Und auch ein Auto kann ein plötzliches Gebrechen haben, und das führt in der Regel zu weitaus größeren Problemen als “nur” 20 Minuten warten zu müssen. Beide Argumente kann man also nicht gelten lassen.

    Fahrgemeinschaften werden (vielleicht aufgrund der immer “flexibleren Arbeitswelten”) kaum gebildet, obwohl man damit Autofahren an sich schneller, ökonomischer und ökologischer gestalten könnte.

    Folglich ist das Auto auch nicht wirklich flexibler, weil den Weg zum Öffi + den “Zeitverlust” durch das Warten (bei 5-7 min. Intervallen ist auch das nicht so derb) holt man im Auto leicht im Stau ein, dazu brauchts nicht einmal unbedingt die Rush Hour. Das gilt zumeist auch für Nicht-Innenstadtbewohner.

    Ich seh also keine triftigen Gründe, warum man den Innenstädtern Lärm, Dreck und unzumutbare Ampelintervalle zumiten muss, wenns auch anders ginge ohne dass für irgendwen ein ernster Nachteil entsteht.

    Vielleicht wäre ja eine CityMaut auch ein geeigneter Anreiz für Fahrgemeinschaften, die wäre durch die Autoinsassen geteilt ja auch erheblich billiger ;)

    PS: Als jemand der zuerst am Margareten- und derzeit am Währingergürtel wohnt, kann ich dir sagen, dass Autolärm/schmutz defintiv mehr sind als “individuelle Störfaktoren”.

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    !!! | 7. July 2009 | 21:19
    Tom Schaffer sagt:

    “Bedenke: Nicht-regulieren ist auch eine politische Entscheidung.”

    Und? Verstehe nicht, worauf du hinaus willst. Das hier ist ja durchaus eine politische Diskussion.

    Das deshalb, weil du immer so tust als wäre nur die Entscheidung für eine Citymaut ein Eingriff der Politik. Tatsächlich ist auch die Entscheidung gegen eine Citymaut ein Eingriff der Politik.

    “Perfekt: Das Privileg des Autofahrens in der Innenstadt wird eingebüßt, wenn du den Gebühren aus den Weg gehen willst.”

    Es ist ein “Privileg”, auf mit Steuergeldern bezahlten Straßen mit dem Auto fahren zu dürfen? Ich nenne das in einer Großstadt Normalität.

    Ja, es ist ein Privileg. Und es ist eine für mich unerwünschte Normalität.

    “Schlussendlich hoffe ich schon sehr, dass du der folgenden These zustimmst: Die Freiheit zu leben wo ich will ist wichtiger als die Freiheit gratis autozufahren wo ich will.”

    Nein. Beide Freiheiten sind gleichwertig. Im Zweifelsfall muss sich aber der anpassen, der sich gestört fühlt.

    Die Polizei solte spätnachts einen vom Geschrei geweckten Anrainer bestrafen statt eine auf der Straße pöbelnde Besoffene? Nicht die Baustelle muss sich an gesetzliche Ruhezeiten halten, sondern die Anwohner wegziehen, wenn sie der Lärm eines Presslufthammers um 2 Uhr morgens stört? Bei einer Schularbeit wird nicht das Kind aus der Klasse geworfen, das allen anderen die Stifte wegnimmt, sondern alle anderen müssen sich entscheiden, ob sie die Schularbeit auch ohne Stift schreiben wollen?

    Wer beschränkt werden muss lässt sich pauschal glaube ich nicht sagen. Aber rein vom Gefühl her hat derjenige der stört bei mir mal ganz sicher nicht mehr Rechte, als der der gestört wird. Tendentiell trifft eher das Gegenteil zu. Der Nichtraucher hat das Recht auf Schutz vor Rauch. Der Fußgänger hat das Recht auf Schutz vor Autos. Der Anrainer hat das Recht auf Schutz vor Störefrieden, Lärm und Gestank.

    Wie gesagt geht es hier ja nicht um Leib und Leben, sondern um individuell empfundene Störfaktoren.

    Beim Autofahren gehts auch nicht um Leib und Leben, sondern darum, dass eine Citymaut ein individuell empfundener Störfaktor wäre. Deine Argumentation läuft drauf hinaus, dass du die Realität mit sich selbst rechtfertigst: “Autos fahren da schon, drum dürfen sie da fahren”.

    Ich bin für eine Änderung der Normalität.

    Kirchenverbot/-maut, weil mich Gebimmel und religiöse Menschen in meiner Umgebung stören? Wäre genauso unsinnig.

    Ich bin agnostischer Atheist: Mit der Forderung, dass Kirchen nicht über die ganze Stadt bimmeln dürfen, läufst du bei mir offene Türen ein. Durch die Luft schwirrenden Klang kannst du im Gegensatz zu Autos aber nicht so leicht erfassen, zuordnen und besteuern. Die logische Variante wäre hier ein Glockenverbot. Wohne nicht neben einem Kirchturm – keine Ahnung ob das nötig ist.

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    7. July 2009 | 21:27
    Mathias sagt:

    “Dann sollte man beiden Freiheiten Genüge tun. Ein autofreie Innenstadt ist machbar und die Finanzierung der Öffis über eine Citymaut eine gute Idee, weil damit ein funktionierender Ersatz für die sanktionierte Autofahrt geboten wird.”

    Wenn beide Freiheiten in Konkurrenz zueinander stehen wird das wohl kaum möglich sein. Merke: Es geht nicht um die Freiheit des schnellen Vorankommens in der Innenstadt, sondern um die Freiheit, mit seinem Auto auf deren Straßen fahren zu dürfen. Das mag für dich marginal oder nicht wichtig genug wirken, ist aber noch kein Grund, die Rechte jener, die das anders sehen, künstlich zu beschneiden.

    Deine ganzen anderen Argumente sind ja ganz nett, entkräften aber nun mal nicht die Autonomie eines Autobesitzers, selbst darüber zu entscheiden, ob er nun lieber in den Öffis, in einer Fahrgemeinschaft oder in seinem Auto durch die Stadt fährt. Genauso wie du darüber entscheiden darfst, ob du mit Straßenbahn oder Rad fährst.

    Was ein “ernster Nachteil” ist oder nicht, ist jedenfalls Ansichtssache. Diese Citymaut-Agitationen erinnern mich ziemlich stark an die Forderung irgendeiner grünen Jugendorganisation in Deutschland, Autofahren pauschal zu verbieten. Und wenn man deine und Toms Forderungen konsequent weiterdenkt, ergibt sich daraus ja nicht nur ein Verbot des personalisierten Autoverkehrs in der Innenstadt, sondern im gesamten städtischen Bereich. Mit irgendeinem Regionalbus kommt man ja schließlich immer an sein gewünschtes Ziel, selbst wenn man dabei fünf Mal umsteigen und jeweils acht Minuten warten muss.

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    !!! | 7. July 2009 | 21:36
    Georg sagt:

    Und wenn man deine und Toms Forderungen konsequent weiterdenkt, ergibt sich daraus ja nicht nur ein Verbot des personalisierten Autoverkehrs in der Innenstadt, sondern im gesamten städtischen Bereich. Mit irgendeinem Regionalbus kommt man ja schließlich immer an sein gewünschtes Ziel, selbst wenn man dabei fünf Mal umsteigen und jeweils acht Minuten warten muss.

    omfg. Bitte lies dir den dritten und vierten Absatz des Artikels noch einmal durch. Ich stimme diesem nämlich vollinhaltlich zu.

    In der Innenstadt ist ein problemloser Ersatz des Autofahrens durch Öffis durchaus machbar. In den Aussenbezirken, also schon eher suburbanen Gegenden sowie draussen am Land sieht das schon anders aus. Speziell dort ist der Öffisausbau ziemlich schwach und die Intervalle oft haarsträubend lang. Ich würde jemandem aus Maria Enzersdorf etwa nicht zumuten wollen, von dort mit Öffis reinzufahren. Durchaus aber, bis zum nächsten Öffi oder maximal der Innenstadtgrenze zu fahren um dort (kostenlos!) zu parken und auf Öffis umzusteigen oder eben Citymaut zu zahlen.

    Es ist auch meine individuelle Freiheit eine Innenstadt mit weniger Lärm und Dreck in der Luft und freierer Bewegung zu haben, und vermutlich bin ich da bei weitem nicht alleine mit der Forderung. Die Citymaut bietet da einen Kompromiss: “Okay, ich verbiete dir nicht, mit deinem Auto in die Innenstadt zu fahren, aber dafür finanzierst du die öffentlichen Verkehrsmittel zusätzlich, damit für jene, die hier nicht autofahren diese Alternative verbessert werden kann.”

    Und dabei haben wir noch gar nicht beachtet, dass im Sinne des Klimaschutzes eine solche Maßnahme auch nicht verkehrt wäre. Da sind Einschnitte ohnehin unumgänglich, warum also nicht dort, wo eine brauchbare Alternative schon vorhanden ist und es ausser dem “individuellen Bedürfnis in der Innenstadt sein Auto zu fahren, weil man es halt kann” kein Argument gibt?

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    !!! | 7. July 2009 | 21:53
    Mathias sagt:

    Das deshalb, weil du immer so tust als wäre nur die Entscheidung für eine Citymaut ein Eingriff der Politik. Tatsächlich ist auch die Entscheidung gegen eine Citymaut ein Eingriff der Politik.

    Laissez-faire ist plötzlich ein “Eingriff”? Sehr interessant.

    Die Polizei solte spätnachts einen vom Geschrei geweckten Anrainer bestrafen statt eine auf der Straße pöbelnde Besoffene? Nicht die Baustelle muss sich an gesetzliche Ruhezeiten halten, sondern die Anwohner wegziehen, wenn sie der Lärm eines Presslufthammers um 2 Uhr morgens stört? Bei einer Schularbeit wird nicht das Kind aus der Klasse geworfen, das allen anderen die Stifte wegnimmt, sondern alle anderen müssen sich entscheiden, ob sie die Schularbeit auch ohne Stift schreiben wollen?

    1.) Von “bestrafen” war niemals die Rede. Niemand soll aktiv bestraft werden; wer sich passiv bestraft fühlt, darf das meinetwegen gerne tun, das fällt aber eher unter die Kategorie “Befindlichkeiten”.

    2.) Wenn wir jetzt mit überspitzen Beispielen anfangen, führt das zu bestimmt nichts Produktiven. Bauarbeiten um 2 Uhr früh sind klar schlafentziehend und damit eine allgemeine Beeinträchtigung. Das gilt erst recht für eigentumsraubende Kleinkinder, die man natürlich an ihrem Handeln hindern muss.
    Dir geht es aber nicht um den Schutz von Gesundheit und Eigentum deiner Mitmenschen. Du magst ganz einfach keinen Autoverkehr in der Stadt, fühlst dich von brummenden Motoren belästigt und würdest dein Ideal einer autofreien Innenstadt am liebsten allen Menschen auferzwingen. Das bringt es doch auf den Punkt, oder?

    Wer beschränkt werden muss lässt sich pauschal glaube ich nicht sagen. Aber rein vom Gefühl her hat derjenige der stört bei mir mal ganz sicher nicht mehr Rechte, als der der gestört wird. Tendentiell trifft eher das Gegenteil zu. Der Nichtraucher hat das Recht auf Schutz vor Rauch. Der Fußgänger hat das Recht auf Schutz vor Autos. Der Anrainer hat das Recht auf Schutz vor Störefrieden, Lärm und Gestank.

    Gebe dir prinzipiell ja Recht, nur, dass ich Autofahren eben nicht als Akt der Störung ansehe, sondern als natürliches Element einer mit Straßen versehenen Großstadt. Genauso natürlich wie Kirchenbimmeln um acht Uhr früh, gelegentlich Betrunkene auf der Straße oder durchs Fenster scheinende Straßenlampen. Das sind Dinge, die man aushalten muss, wenn man in der Großstadt leben will. Weil sie Ausdrücke persönlicher Freiheit sind, die gleichzeitig weder Leben noch Eigentum gefährden.

    Ich bin für eine Änderung der Normalität.

    Meinetwegen. Viel Spaß beim Durchsetzen.

    Ich bin agnostischer Atheist: Mit der Forderung, dass Kirchen nicht über die ganze Stadt bimmeln dürfen, läufst du bei mir offene Türen ein. Durch die Luft schwirrenden Klang kannst du im Gegensatz zu Autos aber nicht so leicht erfassen, zuordnen und besteuern. Die logische Variante wäre hier ein Glockenverbot. Wohne nicht neben einem Kirchturm – keine Ahnung ob das nötig ist.

    Bin ich auch. Trotzdem erkenne ich die Autonomie der Kirchen an, zu jeder Stunde die Glocken läuten zu lassen, weil das nun mal ihre Tradition ist und niemanden wesentlich beeinträchtigt. Außer vielleicht die Nerven von uns Atheisten.

    (Und Kirchenglocken lassen sich doch super besteuern/beseitigen. Bei den Autos besteuerst du doch auch nicht direkt Lärm und Abgase; das wäre auch ein recht hoffnungsloses Unterfangen.)

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    !!! | 7. July 2009 | 21:55
    Mathias sagt:

    omfg. Bitte lies dir den dritten und vierten Absatz des Artikels noch einmal durch. Ich stimme diesem nämlich vollinhaltlich zu.

    omfg. Ging’s nicht um die Bezirke innerhalb des Gürtels? Du lebst doch schon lange genug in Wien um zu wissen, dass man sich auch außerhalb dieses nicht in einer nahverkehrsmäßigen Wüste befindet.

    Es ist auch meine individuelle Freiheit eine Innenstadt mit weniger Lärm und Dreck in der Luft und freierer Bewegung zu haben, und vermutlich bin ich da bei weitem nicht alleine mit der Forderung.

    Dann mach dir doch deine Innenstadt. Bitte, das ist wirklich lächerlich. Ist es auch eine “individuelle Freiheit”, wenn ich eine Stadt ohne Menschen fordere, weil mich große Massen nerven? Ich will die Freiheit, mich ohne Körperberührungen durch die Mariahilferstraße bewegen zu können! Citymaut für Fußgänger!

    Was heutzutage als “Freiheit” bezeichnet wird, ist schier unglaublich. Demnächst gibt’s wohl die Freiheit auf Ernährung nach Wahl oder die Freiheit auf kostenlosen Öffi-Transport. Leute, das sind keine Freiheiten sondern Forderungen. Gegen die ist prinzipiell nichts zu sagen, nur sollte man sie auch beim Namen nennen und nicht so tun, als wäre man “liberal”. Freiheiten macht man nicht, man gewährt sie.

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    !!! | 7. July 2009 | 22:06
    Georg sagt:

    omfg. Ging’s nicht um die Bezirke innerhalb des Gürtels? Du lebst doch schon lange genug in Wien um zu wissen, dass man sich auch außerhalb dieses nicht in einer nahverkehrsmäßigen Wüste befindet.

    Natürlich. Aber dort ist die Verkehrslage meiner Erfahrung nach abseits der Gürtelstraßen nicht mehr so dramatisch.

    Ich hab von dir jetzt immer noch kein Argument FÜR unbemauteten Autoverkehr in der Innenstadt gelesen abseits von “weil mans kann”. Auf deine absurden Beispiele, die genau gar nicht vergleichbar sind werd ich nicht eingehen, denn sie sind ein super Beweis, dass du hier ausschließlich ideologisch und nicht praktisch argumentierst. Kostenlosen Öffiverkehr halte ich im Übrigen für umsetzbar.

    Auch “Gewähren” ist eine Handlung und somit “Machen”. Und gewisse Freiheiten werden wohl erst gewährt, wenn man sie vehement fordert. Eine Citymaut gewährt Innenstadtbewohnern höhere Lebensqualität – ohne die Fortbwegung in selbiger wesentlich einzuschränken.

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    !!! | 7. July 2009 | 22:18
    Tom Schaffer sagt:

    Laissez-faire ist plötzlich ein “Eingriff”? Sehr interessant.

    Ja. Ein weitgehendes Problem von ökonomisch Liberalen ist, dass sie im allgemeinen nicht verstehen, dass Nicht-Handeln auch ein Handeln ist bzw. das auch kein festgelegter Ordnungsrahmen trotzdem noch ein Ordnungsrahmen ist.

    Dir geht es aber nicht um den Schutz von Gesundheit und Eigentum deiner Mitmenschen.

    Doch, sehr wohl.

    Du magst ganz einfach keinen Autoverkehr in der Stadt, fühlst dich von brummenden Motoren belästigt

    Genau, das auch.

    und würdest dein Ideal einer autofreien Innenstadt am liebsten allen Menschen auferzwingen

    Dann müsste ich Autos pauschal in der Stadt verbieten wollen.

    Mies, mir niedere, eigennützige Motive zu unterstellen, weil ich eine andere Lösung als deine präferiere.

    Ich schlage hier pragmatisch vor, Autofahren nicht zu verbieten aber trotzdem einen Lenkungseffekt zu erzielen, während du von Problem-ignorierenden Laissez-faire-Prinzipien träumst und Pseudo-Freiheiten annimmst, und dann unterstellst du mir, dass ich jemandem irgendwelche Ideale aufzwingen möchte?

    Gebe dir prinzipiell ja Recht, nur, dass ich Autofahren eben nicht als Akt der Störung ansehe, sondern als natürliches Element einer mit Straßen versehenen Großstadt.

    *gähn* Nochmal: Das ist kein Argument sondern eine Zustandsbeschreibung. Und ein Zustand ist nicht durch sich selbst zu rechtfertigen.

    Genauso natürlich wie Kirchenbimmeln um acht Uhr früh, gelegentlich Betrunkene auf der Straße oder durchs Fenster scheinende Straßenlampen. Das sind Dinge, die man aushalten muss, wenn man in der Großstadt leben will. Weil sie Ausdrücke persönlicher Freiheit sind, die gleichzeitig weder Leben noch Eigentum gefährden

    Man muss überhaupt nichts aushalten. Ich bin ja eh für einen legeren Umgang mit singulären Ereignissen. Aber im Zweifelsfall ist das Recht nicht auf der Seite des schreienden Betrunkenen, sondern des schlafenden Anrainers – und das ist gut so.

    Und Kirchenglocken lassen sich doch super besteuern

    Die Kirchenglocken sind mir einfach wurst. Ich hab wie gesagt keine Ahnung, inwiefern die nun wirklich ein Problem darstellen.

    Wenn du findest, dass Autofahren in der Innenstadt so wichtig ist, dass man es nicht zu reduzieren versuchen darf, dann sag das. Aber hör mir doch auf das als großen Liberalismus zu verkaufen. Du präferierst einfach Rechte der Autofahrer gegenüber den Rechten der Fußgänger und Anrainer.

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    7. July 2009 | 22:22
    Tom Schaffer sagt:

    Was heutzutage als “Freiheit” bezeichnet wird, ist schier unglaublich.

    In der Tat. Zwei meiner Favoriten:
    Die Freiheit eine Zigarette in geschlossenen öffentlichen Räumen zu rauchen.
    Die Freiheit mit dem Auto aus Prinzip durch Wohngebiete zu brummen.

    Du lebst doch schon lange genug in Wien um zu wissen, dass man sich auch außerhalb dieses nicht in einer nahverkehrsmäßigen Wüste befindet.

    Innerhalb des Gürtels ist die nächste Öffistation höchstens 1-2 Querstraßen entfernt. Außerhalb davon sieht das schon ganz schnell ganz anders aus.

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    7. July 2009 | 22:26
    Mathias sagt:

    @Georg:

    Mein Hauptargument ist die Autonomie von Autobesitzern, sich auf von ihnen finanzierten Straßen zu bewegen. Weil man es kann, weil es viele Leute wollen und weil es ein Ausdruck persönlicher Freiheit ist. Nenn das von mir aus “ideologisch”, damit hab ich kein Problem. Ich sehe nun mal keinen Anlass, irgendeine “praktische” Lösung durchzusetzen.

    (Ob kostenloser Öffi-Verkehr umsetzbar ist oder nicht, wurde von mir nie in Frage gestellt. Die Frage ist, ob man dies eine “Freiheit” nennen kann. Ich sage Nein.)

    Ach, wenn ich einen Spaziergänger über mein Feld gehen lasse, ist das also eine Handlung, also “machen”? Ehm, ja. Kein Kommentar.

    “Höhere Lebensqualität gewähren” hat mit echtem Gewähren (zulassen, machen lassen, nicht einmischen, laissez-faire – mehr Synonyme zum besseren Verständnis fallen mir nun wirklich nicht ein) nichts zu tun, da hier ein Zustand künstlich geschaffen, also aktiv gemacht wird – im Gegensatz zum passiven Zulassen von z.B. Autovekehr.

    Ja. Ein weitgehendes Problem von ökonomisch Liberalen ist, dass sie im allgemeinen nicht verstehen, dass Nicht-Handeln auch ein Handeln ist bzw. das auch kein festgelegter Ordnungsrahmen trotzdem noch ein Ordnungsrahmen ist.

    Nicht-Handeln ist Handeln? Kein Ordnungsrahmen ist ein Ordnungsrahmen? Tut mir Leid, aber das verstehe ich wirklich nicht.

    Ich schlage hier pragmatisch vor, Autofahren nicht zu verbieten aber trotzdem einen Lenkungseffekt zu erzielen, während du von Problem-ignorierenden Laissez-faire-Prinzipien träumst und Pseudo-Freiheiten annimmst, und dann unterstellst du mir, dass ich jemandem irgendwelche Ideale aufzwingen möchte?

    Die Sache ist nur die, dass das “Problem”, das du gerne beheben würdest, für viele Leute keines ist. Für dich ist es eines – okay, aber dann gib bitte auch zu, dass es in erster Linie eine persönliche Befindlichkeit ist, die dich antriebt.

    (Inwiefern ein Argument dadurch besser wird, dass es “pragmatisch” irgendetwas “Praktikables” herbeiführen will, anstatt Freiheit zu gewähren, erschließt sich mir leider nicht. Ich brauch keinen “Lenkungseffekt”. Ich sehe auch keinen allgemeinen Bedarf daran. Ist wohl – subjektive – Ansichtssache.)

    Und unterstellen brauche ich dir da nicht viel, es ist offensichtlich, dass du mit dem Instrument der Steuer eine autofreie Innenstadt erzwingen willst. Wenn du das selbst nicht erkennst, tut’s mir Leid für dich. Aber du würdest es wahrscheinlich einfach nicht “erzwingen” nennen, sondern einen edlen Dienst am Menschen. “Freiheit schaffen”, sozusagen. Haha.

    Aber im Zweifelsfall ist das Recht nicht auf der Seite des schreienden Betrunkenen, sondern des schlafenden Anrainers – und das ist gut so.

    Das ist kein Argument, sondern eine Zustandsbeschreibung. Oder auch nur deine persönliche Meinung.

    Wenn du findest, dass Autofahren in der Innenstadt so wichtig ist, dass man es nicht zu reduzieren versuchen darf, dann sag das. Aber hör mir doch auf das als großen Liberalismus zu verkaufen. Du präferierst einfach Rechte der Autofahrer gegenüber den Rechten der Fußgänger und Anrainer.

    Die olle Kamelle schon wieder. Ich präferiere eine friedliche Koexistenz, bei der jeder ein bisschen einstecken muss. Die Fußgänger bei der Lärmbelästigung und die Autofahrer beim Zebrastreifen. Wenn das nicht liberal ist, sag mir bitte, was dann.

    Die Freiheit eine Zigarette in geschlossenen öffentlichen Räumen zu rauchen.

    Naja, wer privates Eigentum als “öffentlich” bezeichnet, ist bei mir sowieso unten durch.

    Innerhalb des Gürtels ist die nächste Öffistation höchstens 1-2 Querstraßen entfernt. Außerhalb davon sieht das schon ganz schnell ganz anders aus.

    Dann leben wir wohl in zwei verschiedenen Wiens. Kommst du zufällig doch aus den USA?

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    !!! | 7. July 2009 | 22:38
    Mathias sagt:

    Ach, noch was, weil du es angesprochen hast: Was sind “die” Rechte der Autofahrer, die ich ja angeblich gegenüber denen der Fußgänger präferiere? Ich sehe da höchstens das Recht, auf Straßen autofahren zu dürfen, mit der Voraussetzung, sich dabei an Verkehrsregeln zu halten, die eine eventuelle Gefährdung Dritter verhindern.
    “Die” Rechte der Fußgänger belaufen sich wiederum darauf, sich auf sämtlichen Bürgersteigen und Gehwegen frei bewegen zu dürfen. Damit sich beide Parteien nicht in die Quere kommen, gibt’s eben Gesetze, die das Fahren auf Gehsteigen oder das Laufen auf Straßen verhindern. Gute Sache, mehr Rechte und Pflichten sehe ich da allerdings nicht. Und hierbei wird niemand bevorzugt, sondern lediglich jeder nach seinen individuellen Fortbewegungsbedürfnissen behandelt.

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    !!! | 7. July 2009 | 22:44
    Georg sagt:

    Die Fußgänger bei der Lärmbelästigung und die Autofahrer beim Zebrastreifen. Wenn das nicht liberal ist, sag mir bitte, was dann.

    Du willst mich verarschen, oder? Allein die Grünintervalle der Ampeln am Währinger Gürtel sind bestenfalls ein schlechter Scherz. Betagtere Menschen kommen da nichtmal bis zur Mitte, dann is das Ding schon wieder für die nächsten Minuten auf Rot. Der Autoverkehr wiederum wäre ohne diesen Intervallen auch nicht erheblich langsamer. Die einzigen die da wirklich einstecken sind die Fußgänger, deine Argumentation ist nicht liberal sondern realitätsfremd.

    Höhere Lebensqualität gewähren” hat mit echtem Gewähren (zulassen, machen lassen, nicht einmischen, laissez-faire – mehr Synonyme zum besseren Verständnis fallen mir nun wirklich nicht ein) nichts zu tun, da hier ein Zustand künstlich geschaffen, also aktiv gemacht wird – im Gegensatz zum passiven Zulassen von z.B. Autovekehr.

    Und die Strassen dafür und die Gesetze die ihn regeln wurden nicht gebaut oder geschrieben sondern sind da ohne Zutun gewachsen, oder wie? Und die Straßen reparieren sich auch von allein? Es ergibt sich nun aus vielerlei Hinsicht und aus meiner Sicht die Nötigkeit, hier lenkend einzugreifen und dabei muss man die bisher sehr stark berücksichtigen Rechte der Autofahrer gegen die bisher zurückgesteckten Rechte der Anrainer auch mal beschneiden.

    Wenn ein Fußgänger einmal über mein Feld geht wird es mir wurscht sein. Wenn er sich mein Feld jeden Tag als seine persönliche Abkürzung benutzt und mir meine Ernte zertrampelt und ich tu nix dagegen, dann ist das durchaus eine Handlung, weil ich beschließe nichts zu tun. Ich habe mich aktiv entschlossen passiv zu bleiben und darf mich dann aber nicht wundern, wenn irgendwann mein halbes Feld zertrampelt ist.
    Hier ist es das gleiche: Der Autolärm- und Dreck plus eklatante Benachteiligung der Fußgänger an den Ampeln gepaart mit der Sinnlosigkeit innerstädtischen Autoverkehrs stellt – das stelle ich mal als Behauptung in den Raum – für nicht wenige Leute ein Problem dar. Wir können uns nun entscheiden es irgendwie zu lösen oder auch nicht. Beides ist eine Entscheidung und somit eine Handlung.

    Nochmal: Niemand wird in seiner Mobilität in der Innenstadt behinert durch so eine Maßnahme weil eine funktionierende Alternative da ist. Und wer nicht drauf verzichten will mit dem Auto !unnötigerweise! (jedenfalls hast du nach wie vor nicht argumentiert, warum es nötig wäre) über den Ring zu heizen, der zahlt halt dafür.

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    !!! | 7. July 2009 | 23:05
    Tom Schaffer sagt:

    Nicht-Handeln ist Handeln? Kein Ordnungsrahmen ist ein Ordnungsrahmen? Tut mir Leid, aber das verstehe ich wirklich nicht.

    Da das das zugrundeliegende Problem ist, geh ich nur mehr hierauf ein.

    Es ist ganz einfach ein Bias in der Sache, dass du das gegebene Momentane als “normal” ansiehst, und nicht als etwas Geschaffenes. Es ist aber geschaffen. Die Straßen in der Innenstadt sind menschengemacht und nicht einfach aus dem Boden gewachsen. Die Regeln der Gesellschaft, die den Autos im Verkehr den Vorang gegenüber Fußgängern geben und den innerstädtischen Verkehr auf Autos ausrichten sind ebenfalls menschengemacht und nicht aus dem Nichts entstanden. Ebenso kann ihre Änderung menschengemacht sein.

    Nichts Neues zu tun ist in solchen Fällen keine Entscheidung dafür, irgendein freies Spiel der Kräfte wirken zu lassen und einen normalen, natürlichen Zustand zu erreichen, sondern eine Entscheidung dafür, das bereits Gegebene zu präferieren – eine Bekräftigung bereits getroffener Entscheidungen.

    “Liberale” verstecken sich bewusst oder unbewusst sehr oft hinter bereits getroffenen Entscheidungen, wenn es darum geht, den Status quo zu bewahren – also in einer Frage eigentlich konservativ zu sein. Sie schmücken das dann gern mit hochtrabenden, positiv besetzten Begriffen wie “Normalität” und der Idee, dass es die “Freiheit” gebe dass das auch so bleibt. Sie verdammen dann jeden Eingriff in diese “Normalität” als irgendeine Art von bösem Zwang, ja schon fast Faschismus – vollkommen ignorierend, dass die bereits erschaffene Realität voll von Zwängen und Problemen jeder Art ist.

    60% der Bevölkerung sind Nichtraucher? 50% der Bevölkerung wollen gute Luft beim Fortgehen? Sollen sie doch die Scheisse einatmen oder zuhause bleiben! Unsere Freiheit lassen wir uns nicht nehmen HÖHÖ! Wir sind die großen freien Menschen!

    In der Innenstadt braucht man im Normalfall kein Auto aber der immer ärger werdende Verkehr ist ein echtes Problem für die Bewohner? Sollen die Dodeln doch umziehen, unsere Freiheit lassen wir uns nicht nehmen HÖHÖ! Wir sagen euch, welche Freiheit liberal ist!

    Solche absurden Argumentationen kann man bis ganz rauf zu den Wirtschaftstheorien spinnen: Was soll das heißen, der freie Markt kann ohne gewisse Voraussetzungen nicht funktionieren und sollte reguliert werden, um mehr Freiheit für alle zu erlauben? Wir lassen uns unsere Freiheit sicher nicht nehmen! Gesetze sind böse! Wir sind liberal!

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    7. July 2009 | 23:40
    Mathias sagt:

    Du willst mich verarschen, oder? Allein die Grünintervalle der Ampeln am Währinger Gürtel sind bestenfalls ein schlechter Scherz. Betagtere Menschen kommen da nichtmal bis zur Mitte, dann is das Ding schon wieder für die nächsten Minuten auf Rot. Der Autoverkehr wiederum wäre ohne diesen Intervallen auch nicht erheblich langsamer. Die einzigen die da wirklich einstecken sind die Fußgänger, deine Argumentation ist nicht liberal sondern realitätsfremd.

    Aha. Und deine “praktikable” Lösung ist also nicht etwa, die Intervalle fairer zu gestalten, sondern stattdessen gleich das Autofahren zu besteuern?

    Wenn er sich mein Feld jeden Tag als seine persönliche Abkürzung benutzt und mir meine Ernte zertrampelt und ich tu nix dagegen, dann ist das durchaus eine Handlung, weil ich beschließe nichts zu tun. Ich habe mich aktiv entschlossen passiv zu bleiben und darf mich dann aber nicht wundern, wenn irgendwann mein halbes Feld zertrampelt ist.

    Ein aktiver Entschluss kann nicht mit einer aktiven Handlung gleichgesetzt werden, da für den Entschluss keine Tätigkeit vonnöten ist. Ich kann auch beschließen, mein Feld zur befahrbaren Zone zu machen und mich im nächsten Moment schlafen legen.

    Nochmal: Niemand wird in seiner Mobilität in der Innenstadt behinert durch so eine Maßnahme weil eine funktionierende Alternative da ist. Und wer nicht drauf verzichten will mit dem Auto !unnötigerweise! (jedenfalls hast du nach wie vor nicht argumentiert, warum es nötig wäre) über den Ring zu heizen, der zahlt halt dafür.

    Schau mal: Ich persönlich muss gar nicht argumentieren, wieso es nötig ist, mit dem Auto zu fahren. Denn inwiefern eine derartige Tätigkeit für “notwendig” befunden wird oder nicht, muss jedem Menschen selbst überlassen bleiben. Als jemand, der wahrscheinlich nicht sonderlich oft mit dem Auto fährst, kommst du offensichtlich zum Schluss, dass Autofahren in der Innenstadt total unnötig ist. Gut, das ist dein persönlicher Standpunkt. Daraus ergibt sich für mich aber nur, dass du ja nicht gezwungen wirst, mit dem Auto herumzudüsen. Aber bitte lass den anderen Leuten, die das vielleicht anders sehen – und im Individualverkehr beispielsweise eine stressfreie und komfortablere Lösung als im Massenbetrieb Öffis -, die (kostenfreie) Möglichkeit zur Wahl.

    (Zu dieser Notwendigkeitsdebatte fällt mir ein, dass irgendein deutscher Politiker mal gemeint hat, Gewaltspiele und Internetsurfen wäre sowieso unnötig und gehört deshalb verboten bzw. eingeschränkt. Klar, aus der Sicht eines konservativen Fünfzigjährigen sind CS-Turniere und co. ganz bestimmt eine völlig nutzlose und zeitraubende Freizeitbeschäftigungen. Dass andere Menschen daran aber auch ehrlich und ernsthaft Spaß haben können, ist ihm in seinem Verbotswahn nicht in den Sinn gekommen. Genau das muss man aber berücksichtigen und nicht immer bloß den eigenen Standpunkt.)

    Zu dieser Normalitätssache: Klar, der Status Quo wurde auch geschaffen. Jetzt ist er aber nun mal da, also kann man den freien Lauf der Dinge genauso gut gewähren lassen. Ich hätte beispielsweise nichts dagegen, wenn Straßen alleine mit der KFZ-Steuer finanziert würden, die Autofahrer sich also ihre befahrbaren Wege selbst aufrecht erhalten müssten. Aber ich sehe nicht ein, dass sie zusätzlich zu dieser Steuer noch für das Benutzen bestimmter Strecken, deren Befahren zwei Einzelpersonen als “unnötig” klassifizieren (können auch mehr sein, ändert nichts daran), Geld zahlen müssen, dass dann jenen zugute kommt, die eben nicht Auto fahren. Das ist absurde Umverteiler-Mentalität, wie immer bei den Linken natürlich für das “Gute”, ohne zu bedenken, dass derartige Wertung immer subjektiv sind.

    Schau, wenn es nach mir geht, könnte man Straßen auch privatisieren. Wusch, da hast du deine antikonservative Durchbrechung des gegebenen Zustands! Nur halte ich das schlicht für nicht besonder sinnvoll bzw. praktikabel, weswegen ich mich dafür nicht stark mache. Das heißt aber nicht, dass ich unbedingt will, dass immer alles so bleibt, wie es ist. Manche Dinge sind in ihrer jetzigen Verfassung aber einfach gut. Wenn diese Ansicht konservativ ist, dann bin ich eben auch ein Konservativer.

    60% der Bevölkerung sind Nichtraucher? 50% der Bevölkerung wollen gute Luft beim Fortgehen? Sollen sie doch die Scheisse einatmen oder zuhause bleiben! Unsere Freiheit lassen wir uns nicht nehmen HÖHÖ! Wir sind die großen freien Menschen!

    Stimmt, über die private Eigentumsfreiheit lasse ich tatsächlich nichts gehen. Ansonsten können wir gleich zu enteigenen anfangen, wenn “60% der Bevölkerung” womöglich gerne kostenlos wohnen würden und “50% der Bevölkerung” nichts dagegen haben, den Bonzen ihre Villen abzunehmen.

    (Hieran sieht man mal wieder, dass Eigentum der wahre Schlüssel zur Freiheit ist. In einem von dir besessenen Lokal kannst du rauswerfen, wen immer du willst – Raucher, Stinker, pöbelnde Nervensägen etc. Du bekommst deinen rauchfreien Raum in nullkommanix. Auf einer Straße, die sich in deinem Eigentum befindet, kannst du Autos verbieten wie du lustig bist. Niemand wird dich daran hindern.
    Nur leider ist die Öffentlichkeit halt für alle da und nicht nur für Rad fahrende und Öffis benutzende Grüne, die sie sich nach ihren persönlichen Vorstellungen modellieren dürfen. Trotzdem haben sie bereits jetzt ihren Platz (Gehsteige, Fahrradwege), genauso wie die Autofahrer (Straßen, Autobahnen). Faire Sache, eigentlich.)

    In der Innenstadt braucht man im Normalfall kein Auto aber der immer ärger werdende Verkehr ist ein echtes Problem für die Bewohner?

    Es ist ein Problem für dich. Du hast mir noch nicht beweisen können, dass es auch für eine bedeutsame Mehrheit der restlichen Städter ein Problem ist. Bin gespannt, wann du das endlich mal tust.

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    !!! | 8. July 2009 | 07:21
    Georg sagt:

    Aha. Und deine “praktikable” Lösung ist also nicht etwa, die Intervalle fairer zu gestalten, sondern stattdessen gleich das Autofahren zu besteuern?

    WEnn du die Intervalle fairer gestaltest, kannst du das Autofahren am Währingergürtel gleich verbieten, weil dann zwischen 7 und 9, 11 und 13 und 16 und 19 Uhr nichtmal Fußgängertempo erreicht wird. Das wiederum heisst, dass momentan die Autofahrer den Fußgängern klar bevorzugt werden. Ich kriege das tagtäglich live bestätigt und sehe dies daher als Faktum.

    Ebenso halte ich die Benutzung eines Autos in der Innenstadt für sinnlos und das wiederum auch objektiv für eine richtige Einschätzung. Ich gestehe zu, dass etwa Sachen wie die jüngsten Fahrpreiserhöhungen usw. nicht gerade zu einer gegenteiligen Entwicklung führen. Wenns nach mir ginge würde eine Citymaut aber dafür verwendet die Öffialternative zu verbessern und zu verbilligen. Ich will ja auch bei dne Öffis den STatus Quo nicht behalten. Der einzige Grund fürs Autofahren wäre dann vielleicht der pure Fetisch für den eigenen Pkw oder das Verlangen, nicht neben anderen Leuten zu stehen. Sorry, für alles muss man nicht Verständnis aufbringen, wenn Politik halbwegs sinnvoll sein soll. Den Anrainern quasi zu vermitteln “akzeptiert den [im wachsenden Wien täglich stärker werdenden] Starkverkehr und all seine Folgen oder schleichts euch” ist eine “Kopf-in-den-Sand” Strategie.

    DAs Autofahren zu Stosszeiten am Gürtel stressfrei wäre ist ebenso absurd wie deine “es gibt Gehsteige und Ampeln also is eh alles perfekt” Behauptung. Was bleibt?

    Und ich frage mich wirklich, was du mit deinen völlig verfehlten Vergleichen bezwecken willst? Ein CS-Turnier stört/beeinträchtigt niemanden direkt, das gleiche gilt fürs Inetsurfen. Dass jemand damit moralische Probleme hat ist was ganz anderes als der von Autos nachweislich produzierte Dreck und Lärm.

    Wir haben ein Verkehrsproblem in der Innenstadt, das werden dir vermutlich auch die meisten Autofahrer bestätigen. Wir haben ein Lärmproblem, das damit zusammenhöngt, das werden dir vermutlich viele Anrainer bestätigen. Wir haben ein Dreckproblem, das damit zusammenhängt, dazu kann dir wohl die zuständige MA mehr Auskunft geben, aber das Autoabgase nicht unbedingt gesundheitsförderlich sind weißt du wohl selber. Wir haben gut ausgebaute Öffis, die im wesentlichen nicht langsamer sind als mit dem Auto zu fahren.

    Es ist ein Problem für dich. Du hast mir noch nicht beweisen können, dass es auch für eine bedeutsame Mehrheit der restlichen Städter ein Problem ist. Bin gespannt, wann du das endlich mal tust.

    Frage: Was tust du, wenn eine repräsentative Umfrage unter den Innenstadtbewohnern erscheint, in der sich eine klare Mehrheit von der jetzigen Verkehrslage belästigt fühlt?

    Ist der lenkende Eingriff dann okay? Ist eine Citymaut dann plötzlich doch mit deinem Standpunkt vereinbar, weil du sie nicht mehr als Lösung für die Probleme Einzelner abqualifizieren kannst?

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    !!! | 8. July 2009 | 11:21
    Mathias sagt:

    Ebenso halte ich die Benutzung eines Autos in der Innenstadt für sinnlos und das wiederum auch objektiv für eine richtige Einschätzung.

    Wie kommst du dazu, diese Einschätzung als “objektiv” zu bezeichnen, wenn es doch genügend Leute gibt, für die Autofahren in der Innenstadt ja offensichtlich ganz und gar nicht “sinnlos” ist?
    Ob etwas für einen persönlich Sinn ergibt bzw. notwendig oder nützlich ist, lässt sich objektiv ja gar nicht feststellen. Es ist immer eine Sache der subjektiven Präferenz.

    Sorry, für alles muss man nicht Verständnis aufbringen, wenn Politik halbwegs sinnvoll sein soll.

    Stimmt. Auch nicht für glockenkritisierende Atheisten oder angeblich lärmbelästige Großstadtbewohner.

    Den Anrainern quasi zu vermitteln “akzeptiert den [im wachsenden Wien täglich stärker werdenden] Starkverkehr und all seine Folgen oder schleichts euch” ist eine “Kopf-in-den-Sand” Strategie.

    Ebenso ungebührlich ist die Strategie, den vielen Autofahrer zu vermitteln “zahlt’s gefälligst für das Befahren von ohnehin schon von euch finanzierten Straßen oder schleicht’s euch”. Es gibt auch zu berücksichtigende Autofahrerbedürfnisse, selbst wenn du diese nicht siehst bzw. als marginal betrachtest.

    DAs Autofahren zu Stosszeiten am Gürtel stressfrei wäre ist ebenso absurd wie deine “es gibt Gehsteige und Ampeln also is eh alles perfekt” Behauptung. Was bleibt?

    Wie viel Stress ein Autofahrer am Gürtel hat, dürfte dich doch eigentlich weniger interessieren, oder?

    Ein CS-Turnier stört/beeinträchtigt niemanden direkt, das gleiche gilt fürs Inetsurfen.

    Wenn es nach den Verfechtern der “Gewaltspiele führen zu Amokläufen!”-Theorie geht, schon.

    Frage: Was tust du, wenn eine repräsentative Umfrage unter den Innenstadtbewohnern erscheint, in der sich eine klare Mehrheit von der jetzigen Verkehrslage belästigt fühlt?
    Ist der lenkende Eingriff dann okay? Ist eine Citymaut dann plötzlich doch mit deinem Standpunkt vereinbar, weil du sie nicht mehr als Lösung für die Probleme Einzelner abqualifizieren kannst?

    Prinzipiell natürlich nicht, jedoch ist das Thema dann weitaus relevanter, als wie wenn eine Minderheit ihre Vorstellung vom öffentlichen Raum allen anderen diktieren will. Zu dieser Mehrheit müsste natürlich auch eine Mehrheit der Autofahrer gehören, denn deren Rechte und Bedürfnisse sind ebenso bedeutsam wie die der meckernden Fußgänger – wurscht, für wie unwichtig du persönlich sie hältst. Es bräuchte also zusätzlich ein Diskussionsforum, bei dem ein Vertreter jeder Gruppierung zu Wort kommt, um einen echten Kompromiss zu erzielen.

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    !!! | 8. July 2009 | 12:53
    Tom Schaffer sagt:

    Nur leider ist die Öffentlichkeit halt für alle da und nicht nur für Rad fahrende und Öffis benutzende Grüne, die sie sich nach ihren persönlichen Vorstellungen modellieren dürfen.

    Der öffentliche Raum ist im Moment keineswegs für alle da. Er ist vermietet, kommerzialisiert und reguliert und diverse Bevölkerungsteile – etwa die Autofahrer – werden bevorzugt behandelt. Schonmal irgendwo in der Stadt eine reine Fahrradstraße oder einen Laufweg gesehen, die nicht permanent von Autos gestört werden? Du kommst mit dem Rad nichtmal so einfach ungefährdet vom Gürtel zum Ring, weils da nur meist stark befahrene auf Autos ausgerichtete Straßen ohne Radwege als Verbindung gibt – teilweise mit Straßenbahnschienen, teilweise mit Pflasterstein. Die Öffi-Spuren sind teilweise Abbiegespuren für Autos.

    Vorgestern hat mich ein Auto nassgespritzt, als ich auf dem Bürgersteig spazierte, gestern habe ich zu Fuß ich auf der Währingerstraße zwischen zwei 300 Meter auseinanderliegenden Zebrastreifen knappe 4 Minunten gewartet um die Straße überqueren zu können.

    Wieder: Du hältst hier politisch modellierte Dinge für Normalität (nämlich die, in der das Auto alles dominiert) und verteidigst sie mir einem Freiheitsbegriff der halt dazu passt. Ich hätte gerne eine andere politisch hergestellte Normalität und benutze da einen anderen Freiheitsbegriff.

    Ich halte die Citymaut da für einen fairen Kompromiss. Wenn man bei dieser Idee nur verleumdet wird, dann könnte man es natürlich auch radikal anders machen und einfach die Straßen abreissen, sie mit Fußwegen, exklusiven Öffi-Straßen und Fahrradwegen zupflastern. Dann sind da ganz normal keine Autos mehr, also dürften laut deiner Argumentation halt da auch keine Autos sein. Ganz im Sinne der Normalität.

    Was würde passieren, wenns schon so wäre? Die Autofahrer würden gegen diese Normalität Sturm laufen. Und du? Du würdest gegen die antiliberalen Autofahrer wettern, die mit Steuergeld teure neue Straßen bauen wollen.

    Es nervt, dass Leute wie du permanent glauben, sie hätten irgendwie mehr mit Freiheit am Hut, als Leute die einfach andere Rechte unf Freiheiten priorisieren – nur weil sie wider jede Erfahrung daran glauben, dass sich alles ganz von selbst regelt.

    So ist es nicht: Märkte (in dem Fall ist das ein abstrakter) übersehen diverse Probleme. Werte die sich klar definieren lassen und die schnelle Vorteile gewinnen immer die Oberhand gegenüber langfristen Zielen oder imateriellen Werten – und das ist nicht immer die beste Lösung.

    Diese ganze Frage hat mit Freiheit an sich nichts zu tun, sondern mit politischen Vorstellungen. In deiner hat der Autofahrer mehr Rechte, in meiner die anderen Verkehrsteilnehmer und Anrainer. Hör auf mich dafür immer als halbfaschistoiden Utopisten darzustellen.

    In jeder Vorstellung wird der jeweils andere gewisser Rechte und Freiheiten beschnitten.

    Nur dass ich sage: “Ok, lassen wir die Autos zu, aber besteuern wir sie”. Während du sagst: “Pech, zieh halt aufs Land”. Fragt sich, welche Lösung da nicht auf die Bedürfnisse des jeweils anderen Rücksicht nimmt.

    Rücksichtnahme halte ich übrigens für ein zentrales Element einer freien Gesellschaft.

    Auf die Eigentumsdebatte mit dem Rauchverbot lass ich mich hier besser gar nicht mehr ein. Dazu hab ich eh schon anderswo alles gesagt.

    jedoch ist das Thema dann weitaus relevanter, als wie wenn eine Minderheit ihre Vorstellung vom öffentlichen Raum allen anderen diktieren will.

    Wir leben in einer Demokratie – so halbwegs. Ich will und kann gar niemandem was diktieren. Schon wieder ein beschissener Untergriff.

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    8. July 2009 | 12:55
    Georg sagt:

    Stimmt. Auch nicht für glockenkritisierende Atheisten oder angeblich lärmbelästige Großstadtbewohner.

    Doch, für letztere durchaus. Sie sind die gesellschaftliche und finanzielle Basis des jeweiligen Bezirkes. Wenn sie weg sind kannst du zwar alle Fußgängerampeln abreissen und den Verkehr fliessen lassen, das Bezirksbudget retten wird das aber nicht.
    Wir reden nicht von ein paar lärmenden Kindern und überreagierenden, frustrierten Leuten. Wir reden hier von einer ganztägigen Lärm- und Dreckquelle die zu bestimmten Stunden ein inakzeptables Ausmaß erreicht und die Lebensqualität mindert.

    Ebenso ungebührlich ist die Strategie, den vielen Autofahrer zu vermitteln “zahlt’s gefälligst für das Befahren von ohnehin schon von euch finanzierten Straßen oder schleicht’s euch”.

    Ich halte die Rechte der Anrainer für wichtiger, einfach weil sie hier leben und dem ganzen also permanent ausgesetzt sind. Dazu haben die Autofahrer (und ich wiederhole das zum x-ten mal) mit den Öffis eine gute Alternative die man weiter verbessern kann. Die Anrainer und Fußgänger haben diese nicht.

    Wie viel Stress ein Autofahrer am Gürtel hat, dürfte dich doch eigentlich weniger interessieren, oder?

    Warum nicht? Ich muss mir das jeden Tag anhören, wenn ein paar ganz Schlaue mal wieder meinen, durch Hupen würds schneller gehn im Stau – trotz angeblichen Hupverbots in der Stadt. Ich nehme an, das ist eine Stressreaktion.

    Prinzipiell natürlich nicht, jedoch ist das Thema dann weitaus relevanter, als wie wenn eine Minderheit ihre Vorstellung vom öffentlichen Raum allen anderen diktieren will. Zu dieser Mehrheit müsste natürlich auch eine Mehrheit der Autofahrer gehören, denn deren Rechte und Bedürfnisse sind ebenso bedeutsam wie die der meckernden Fußgänger – wurscht, für wie unwichtig du persönlich sie hältst.

    1. Wie kommst du darauf, dass die die sich von Lärm und Dreck permanent belästigt fühlen eine Minderheit sind? Du hast das ebensowenig erhoben wie wir, jedoch kann ich als Gürtelbewohner zumindest mit einem gewissen Erfahrungsschatz aufwarten.

    2. Du würdest hier ernsthaft auch noch eine Teilmehrheit der Autofahrer (wie auch immer du die erfassen wirst) voraussetzen, um Maßnahmen zu ergreifen? Die sich in tausend Jahren nicht mehrheitlich für verkehrseindämmende Maßnahmen entscheiden würden? Du würdest also die Verursacher der Störfaktoren (überspitzt: Täter) über die Betroffenen (überspitzt: Opfer) diktieren lassen?

    Deine Definition von liberal mutiert für mich grad mehr und mehr zum Schimpfwort.

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    !!! | 8. July 2009 | 13:15
    Mathias sagt:

    Wieder: Du hältst hier politisch modellierte Dinge für Normalität (nämlich die, in der das Auto alles dominiert) und verteidigst sie mir einem Freiheitsbegriff der halt dazu passt. Ich hätte gerne eine andere politisch hergestellte Normalität und benutze da einen anderen Freiheitsbegriff.

    Autofahren ist mitnichten politisch modelliert. Überleg dir mal den Stadtzustand nach einer völligen Raushaltung der Politik. Dann würde zwar niemand mehr die Straßenverwaltung für die Autofahrer übernehmen, aber die könnten sich schließlich immer noch selbst organisieren, wenn das in ihrem Interesse liegt. Straßen und damit Autoverkehr würde also mit äußerster Wahrscheinlichkeit auch ohne irgendwelche Eingriffe existieren, ganz einfach weil sich die Menschen daran gewöhnt haben und weil Autofahren eine bequeme Sache ist. Ein freiwilliger Kompromiss mit Radfahrern und Fußgängern ist auch dann nicht ausgeschlossen, weil jeder Autofahrer irgendwann ja auch Fußgänger ist.

    Werte die sich klar definieren lassen und die schnelle Vorteile gewinnen immer die Oberhand gegenüber langfristen Zielen oder imateriellen Werten – und das ist nicht immer die beste Lösung.

    Was die “beste Lösung” ist, ergibt sich auf dem wirklich freien Markt (den wir in den letzten Jahrhunderten de facto noch nie hatten) von selbst. In der Masse an subjektiven Lösungsvorschlägen ist ein Ergebnis nur auf zwei Arten zu finden: Einseits über das demokratische Prinzip (Mehrheit bestimmt über Minderheit – mit Gewalt, muss man dazu sagen), andererseits per Angebot und Nachfrage. Eine Alternative ist natürlich der Kompromiss, mit dem jedoch jeder einverstanden ist. Das ist meist leider äußerst unwahrscheinlich.

    Rücksichtnahme halte ich übrigens für ein zentrales Element einer freien Gesellschaft.

    Fragt sich nur, auf was man alles Rücksicht nehmen muss. Du nimmst ja auch nicht Rücksicht auf Autofahrer, die gerne weiterhin umsonst ihre Straßen benutzen würden. Aber das ist ja “sinnlos”, lassen du und Georg hier mit eurer objektivsten aller Weisheiten verkünden.

    Wir leben in einer Demokratie – so halbwegs. Ich will gar niemandem was diktieren. Schon wieder ein beschissener Untergriff.

    Dann sieh zu, dass du zu deiner demokratischen Mehrheit kommst. Die aber – leider, leider! – auch immer eine Diktion der Mehrheit über die Minderheit ist. Fact.

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    !!! | 8. July 2009 | 13:15
    Tom Schaffer sagt:

    Überleg dir mal den Stadtzustand nach einer völligen Raushaltung der Politik

    Es gibt keine Raushaltung der Politik. Alles ist politisch.

    Und ich will die Existenz des Autoverkehrs ja eben auch nicht leugnen oder vernichten. Ich möchte sie mit sehr harmlosen Mitteln lenken, um die Rechte anderer zu betonen, die nicht mit 100 dezibil und 2 liter Benzin pro Kilometer zwischen den Ampeln herumbeschleuningen und bremsen.

    In der Masse an subjektiven Lösungsvorschlägen ist ein Ergebnis nur auf zwei Arten zu finden: Einseits über das demokratische Prinzip (Mehrheit bestimmt über Minderheit – mit Gewalt, muss man dazu sagen), andererseits per Angebot und Nachfrage.

    Ich wähle die Nummer c. Einen demokratisch regulierten Markt.

    Fragt sich nur, auf was man alles Rücksicht nehmen muss. Du nimmst ja auch nicht Rücksicht auf Autofahrer, die gerne weiterhin umsonst ihre Straßen benutzen würden.

    Ich nehme Rücksicht auf die Autofahrer, das zählt. Ich fordere ja eben deshalb kein Verbot, sondern eine Maut. Das gratis Benutzen in der Innenstadt ist imo natürlich ein untergeordnetes Recht. WEIL es hier Alternativen gibt, (im Gegensatz zu Außenbezirken oder auf dem Land).

    Dann sieh zu, dass du zu deiner demokratischen Mehrheit kommst. Die aber – leider, leider! – auch immer eine Diktion der Mehrheit über die Minderheit ist. Fact.

    Solange gewisse normative Grenzen zum Minderheitenschutz eingehalten werden, muss man das Mehrheitsprinzip nicht bedauern. Es ist das beste das wir haben. Die Welt in der eine mächtige Minderheit permanent der Mehrheit ihren Willen aufzwingt, ist jedenfalls per se kein schönerer Gedanke.

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    8. July 2009 | 13:43
    dieter sagt:

    Das ist ja hier primär eine Lifestyle-Debatte. Von der Ökologie her betrachtet, ist es dem Klima ziemlich egal, welche Fahrten, wer für nötig befindet.

    Landbewohner brauchen jedenfalls viel mehr Sprit und können sich auch nicht so flexibel an Preissteigerungen anpassen. Nachdem die Leute nunmal gerne Auto fahren wollen, ist es umweltpolitisch kontraproduktiv, diese mit Gebühren aus der Stadt zu vertreiben.

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    !!! | 9. July 2009 | 09:23
    Tom Schaffer sagt:

    Hä? Du meinst, anstatt ihr Fahrtziel in der Wiener Innenstadt anzustreben fahren die Leute dann nach Sinabelkirchen oder wie?

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    9. July 2009 | 12:46
    dieter sagt:

    Hä? Du meinst, anstatt ihr Fahrtziel in der Wiener Innenstadt anzustreben fahren die Leute dann nach Sinabelkirchen oder wie?

    Nein, sie ziehen vielleicht nach Sinabelkirchen, wenn man sich dort das Autofahren noch leisten kann.

    Ich habe gelesen, dass in London die congestion charge dazu geführt hat, dass dort halt jetzt mehr Nobelautos im Stau stecken. Wenn die Geringverdiener nicht mehr fahren, fahren die Besserverdiener halt mehr und öfter.

    Jedenfalls ist das durchaus wünschenswerte Ziel der Verkehrsberuhigung für Fußgänger und Radfahrer bei weitem nicht deckungsgleich mit Umweltpolitik.

    Das Auto fahren am Land ist ein Tabuthema, das leider auch
    die Grünen nicht einmal mehr mit der Kneifzange anfassen, weil die unmittelbare, subjektive Rechtfertigung dafür vernünftiger ist.

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    !!! | 9. July 2009 | 18:55
    Tom Schaffer sagt:

    Welcher Geisteskranke zieht nach Sinabelkirchen, weil er in Wien in der Innenstadt nicht mehr gratis im Stau stehen darf?

    Aber ok: Nehmen wir das an, dann ist die zweite Annahme, dass ich aufs Land ziehe, wenn in der Innenstadt weiter so viel auto gefahren wird.

    Was wäre das Ergebnis?
    Mit Citymaut: Es würde der Autofahrer dorthin ziehen, wo er noch mehr autofahrt, ich würde weiterhin nicht autofahren.

    Ohne Citymaut: Der Innenstadt-Autofahrer fährt immer noch und ich wäre (jetzt am Land lebend) auch gezwungen aufs Auto umzusteigen, weils am Land im Gegensatz zur Innenstadt eben keine gleichwertige Alternative gibt.

    Auch mit überzogenen Annahmen ist die Citymaut also auch in Sachen CO2 Bilanz die bessere Lösung. Ohne Citymaut hast du also bei weitem mehr Autofahrten und machst einen im Verkehr CO2-neutralen Menschen zu einem Pendler.

    Besser aussteigen tut bei der Rechnung die Nicht-Citymaut-Argumentation nur dann, wenn man davon ausgeht, dass die Innenstadtbewohner einfach die Krot fressen. Weil die natürlich ebensowenig wegziehen, wie die Autofahrer nach Sinabelkirchen ziehen würden, wenns eine Citymaut gäbe.

    Mir kann ja wirklich kein Blödbratzen erzählen, dass ihm das Autofahren in der Wiener Innenstadt so viel Spaß macht, dass er sonst die Stadt verlassen würde.

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    9. July 2009 | 21:16
    dieter sagt:

    Welcher Geisteskranke zieht nach Sinabelkirchen, weil er in Wien in der Innenstadt nicht mehr gratis im Stau stehen darf?

    Autofahrer.

    Aber ok: Nehmen wir das an, dann ist die zweite Annahme, dass ich aufs Land ziehe, wenn in der Innenstadt weiter so viel auto gefahren wird.

    Du bluffst!

    Besser aussteigen tut bei der Rechnung die Nicht-Citymaut-Argumentation nur dann, wenn man davon ausgeht, dass die Innenstadtbewohner einfach die Krot fressen.

    Das tun sie angeblich in London.

    Der Verkehr wird primär durch den Stau beschränkt. Wenn man eine neue Spur baut, wird mehr gefahren und es gibt bald wieder Stau. Wenn der Ring für irgendeinen Event gesperrt wird, wird hingegen weniger gefahren. Wenn sich der Stau in der Innenstadt lockert, weil sich es manche nicht mehr leisten können oder wollen, fahren diejenigen, die es sich leisten können, mehr.

    Ich glaube der Schlüssel läge darin, den Verkehr zu beschränken, ohne, dass den Autofahrern das bewusst wird. Solange sie ihr Statussymbol vor der Tür stehen haben, sind sie glücklich.

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    !!! | 9. July 2009 | 22:30
    Georg sagt:

    Deine Argumentation spricht im Wesentlichen für ein (komplettes oder nach Uhrzeiten geregeltes) Autoverbot in der Innenstadt als einzige Alternative.

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    !!! | 9. July 2009 | 22:41
    Tom Schaffer sagt:

    Nein, er meint einen Rückbau der Straßen. Das wird teilweise an anderen Orten gemacht, von den Autofahrern aber natürlich auch bemerkt. Wennst der Währinger Straße plötzlich eine Spur zupflanzt und den Ring nach einer Demo einfach nimmer aufmachst, ist das schwer zu verheimlichen. ;) Vor allem brauchts dazu ja auch einen Masterplan, der das langfristig umsetzt.

    Das ist teilweise sicher ein Rezept, aber afaik nicht wirklich weniger kontrovers als die Citymaut (die noch dazu Mittel für den Ausbau der Öffis lukriert – von mir aus gern von den reichen und ihren Luxusautos die trotzdem fahren ;) )

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    9. July 2009 | 23:47
    Armin Soyka sagt:

    danke fuer diesen artikel, super geschrieben! auf dass es noch viele (aergerliche) begebenheiten wie diese gibt, die dich dazu verleiten ganz viele solche artikel zu schreiben!!! super

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    !!! | 18. July 2009 | 21:02

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