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Ich bin keine Facebook-Rebellin!

piratenpezi

Das ist also das Ergebnis, wenn ein Interviewer nur schemenhaft auf einem Notizblock mitkritzelt. Verzerrte Aussagen und Unrichtigkeiten auf Boulevard-Niveau. Ich als „grüne Facebook-Rebellin“. Ich schwanke zwischen Belustigung und dezenter Fassungslosigkeit.

An dieser Stelle also nochmals ein paar Worte zu meinem Engagement bei den Grünen Vorwahlen. Für mich gab’s zwei ausschlaggebende Gründe, mich der Initiative anzuschließen: Einerseits der Kommunikationsaspekt. Dazu gleich mehr. Andererseits hab ich darin tatsächlich eine noch nie da gewesene Chance gesehen, die veralteten Politikstrukturen in Österreich ein wenig aufzubrechen. Jedoch nicht ausschließlich innerhalb der Grünen Partei, sondern generell als Impulsgeber für die Verbreitung einer anderen Art von Politik. Ein Konzept für die Zukunft. Vor allem im Bereich der Mitsprachemöglichkeiten, der politischen Transparenz.

Ausgehend von den Grünen, weil ich dort am Ehesten die Bereitschaft zu solch einem mutigen Unterfangen vermutet hätte. Und weil ich dachte, dass die Mitsprachemöglichkeiten bei den Grünen weit fortgeschrittener seien als bei den anderen Parteien. Obwohl ich zugegebenermaßen nicht mal grüne Stammwählerin bin. Ich sympathisiere mit den Grünen und bin schlicht davon überzeugt, dass diese doch einiges mehr an Mitspracherecht in der heimischen Politik verdient hätten.

Dialog statt Krieg

Meine Rolle sollte nicht die einer Rebellin sein, die die Grüne Partei „ins Chaos stürzt“. Sondern die einer Diskurspartnerin, einer von vielen, die gemeinsam mit weiteren Sympathisanten sowie den politisch Verantwortlichen eine zukunftsfähige Lösung entwickelt. Und die sich dabei die unbezahlbare Intelligenz der Gruppe zu Nutze machen.

Es muss aufhören, um rein machtpolitische Interessen zu gehen. Um die Macht des parteiinternen Lobbyismus. Politiker können es sich im Jahr 2009 nicht erlauben, sich dem Internet und seinen neuen Kommunikationsmöglichkeiten zu verweigern. Politiker dürfen sich nicht scheuen, sich zu präsentieren. Man muss bereit sein, eine neue Richtung politischer Kommunikation einzuschlagen. Genau darin sah ich die große Chancen der Grüne Vorwahlen-Initiative. Und genau deshalb hat mich das Projekt auch begeistert. Mich als Kommunikationswissenschaftlerin und mich als „politisch Interessierte“.

Nieder mit der Baumplakat-Kommunikation!

Gerade in Zeiten weit verbreiteter Politikverdrossenheit ist eine neue Art der Kommunikationsarbeit denk ich eine nicht unwesentliche. Ich sah im Vorwahl-Projekt unglaubliches Mobilisierungspotenzial. Die Chance, potenzielle Wähler und Wählerinnen neu anzusprechen, wiederzugewinnen. Durch ein wenig mehr Einblick und transparentere Gestaltungsmöglichkeiten völlig neue Wählerschichten zu erschließen und zu begeistern. Vor allem junge.

Die vorhandene restriktive Partizipationspolitik also durch die Chancen eines aktiven Austausches abzulösen. Sowohl online als auch im Offline-Alltag. Und die Gelegenheit, den Grünen in drohenden Häupl-Strache-Zweikampf-Zeiten ein unglaublich wertvolles Alleinstellungsmerkmal für den Wiener Vorwahlkampf zu sichern. Ich muss sagen, ich bin ein wenig enttäuscht, wie gekonnt diese vielen Chancen von einigen Grün-Funktionären vertan wurden.

Machbar ist heute zunehmend nur mehr, was öffentlich legitimierbar ist. Vor allem in der Politik. Die Voraussetzung dafür ist eine funktionierende Kommunikation. Und die erfolgt heutzutage eben auch vermehrt übers Internet. Stichwort Online-PR. Es geht nicht um die einseitige Durchsetzung von Interessen. Und man kann sich dabei schon gar nicht mehr auf die Ebene der Information beschränken. Hinzu kommt die Ebene der Glaubwürdigkeit. Und die ist eben nur bei einer wahrhaftigen Dialog-Bereitschaft gegeben. Und nicht beim „Pseudo-Zuhören“, das auch die anderen Parteien wirklich bereits zur Genüge praktizieren.

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| 20. July 2009

13 Reaktionen bisher

    Christopher Clay sagt:

    Das mit dem schemenhaften mitkritzeln und dann falsch od. zumindest verzerrt zitieren ist mir bei Soup.io jetzt fast jedes Mal passiert, wenn ich mit einem Journalisten geredet hab — von FuZo bis APA. Warum nehmen die nicht auf Tonband auf oder fragen vor der Veröffentlichung noch mal nach, ob die Fakten so stimmen? Mir ist das ein Rätsel… und es erhöht natürlich die Skepsis gegenüber allem anderen, was so in der Zeitung steht.

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    !!! | 20. July 2009 | 22:53
    Tom Schaffer sagt:

    Ich nehm immer auf. Schon allein deshalb, weil ich nicht so schnell (leserlich) schreiben kann und mich lieber auf das Gespräch als aufs Schrifteln konzentriere.

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    20. July 2009 | 23:32
    Petra Köstinger sagt:

    du sagst es, christopher. ein grund wird wohl oft die mangelnde zeit sein. was es natürlich nicht besser macht.

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    21. July 2009 | 09:01
    BikeArea sagt:

    Warum soviel Falsches “in der Tageszeitung” steht? Zitat eines Journalisten: “Wir haben einfach keine Zeit, alles zu prüfen” und “Wir haben leider nicht die Zeit, für einen Zweispalter derart viele Versionen zu machen” (mit “Versionen” ist gemeint, den Text tw. nochmals umzuschreiben wegen ev. Korrekturen).

    Nicht berücksichtigte Korrekturen sind daher vor allem durch den Produktionsprozeß bedingt: Da wird ein Satzspiegel entworfen, der gefüllt werden muß, der also reserviert wird für die aktuelle Ausgabe der betreffenden Tageszeitung, und wenn es danach zu Änderungen kommt, die ein Verwerfen des Satzspiegels nötig machten, nimmt man lieber Unkorrigiertes in Kauf, als eine halbgefüllte Seite zu drucken.

    Interessant wäre zu wissen, warum hier die Prioritäten so gelagert sind – und nicht anders.

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    !!! | 21. July 2009 | 11:49
    Philip sagt:

    Die Journalistenqualität ist in der Tat oftmals katastrophal, selbst bei “Qualitätszeitungen”. Man fragt sich, welche Ausbildung die genossen haben …

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    !!! | 21. July 2009 | 12:05
    superlupo sagt:

    @philip: meistens keine. man muss schon froh sein, wenn sie sich irgendwie durch ein politikwissenschaftsstudium geschummelt haben.

    prinzipiell würd ich aber nicht den journalisten die schuld geben, sondern dem derzeitigen kostendruck. es muss einfach heute von einem journalisten dermaßen viel produziert werden, dass er keine zeit dafür hat, alles sorgfältigst zu kontrollieren, selbst wenn er wollte.

    die presse am sonntag ist ein gutes beispiel dafür. mit der gleichen redaktionsmannschaft wie vorher muss jetzt auch noch eine sonntagsausgabe produziert werden, weil man auf die zusätzlichen einnahmen angewiesen ist.

    betriebswirtschaftlich gesehen rechnet sich qualitätsjournalismus einfach nicht, schon gar nicht in der heutigen zeit.

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    !!! | 21. July 2009 | 13:49
    superlupo sagt:

    und frau petra: du als publizistik-studentin müsstest ja wissen, dass man geschichten gern ein bisschen aufpeppt.

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    !!! | 21. July 2009 | 13:50
    Tom Schaffer sagt:

    Da wird aber nicht aufgepeppt, da weren Dinge erfunden. Und als Journalist (der sich noch nicht ganz durch sein Politikwissenschafts-Studium “geschummelt” hat) kann ich dir versichern, dass das keineswegs der akzeptierte Ton ist.

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    21. July 2009 | 16:01
    superlupo sagt:

    darf ich fragen, wo du arbeitest? scheint mir das paradies zu sein

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    !!! | 22. July 2009 | 00:36
    pezik sagt:

    @superlupo:

    klar bin ich mir als publizistik-studentin (was ich übrigens nicht mehr bin, hab vor über einem jahr abgeschlossen) im klaren drüber, dass man geschichten aus den verschiedensten gründen gern aufpeppt. ich kann’s verstehen, gutheißen muss ichs aber nicht ;)

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    !!! | 22. July 2009 | 09:37
    Markus Rathmayr sagt:

    Es gibt 2 Arten von Interviews. Die einen in denen es tatsächlich darum geht Informationen zu bekommen (von JournlisteInnen-Seite) und die bei der es nur darum geht eine bereits fertige Geschichte mit Namen und Aussagen zu schmücken. In diesem Fall war Ziel und Tenor wahrscheinlich lange vorher schon klar, wie leider bei vielen Pressebeiträgen zum ganzen Themenkomplex. Also nicht grämen oder ärgern so ist die Welt des Journalismus leider, ist auch eine Art von Showbiz geworden.

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    !!! | 22. July 2009 | 10:42
    Tom Schaffer sagt:

    @superlupo – bei derstandard.at und in meinen blogprojekten (also unter anderem hier). warum seriöses arbeiten nur im paradies möglich sein soll, wirst du mir noch erklären müssen. ich halte das für eine grundvoraussetzung.

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    22. July 2009 | 16:19

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