Wie das Burschi im Plenum (Künstlergruppe) war auch der Anruf aus Genua wie erwartet ein Fake. Ein Aktivistenduo wollte dazu mahnen, die neuen Medien mit der nötigen kritischen Distanz zu benutzen. Im Folgenden ihr „Bekennerschreiben“ alias Stellungnahme.

Geschätzte Besetzerinnen und Besetzer, Freundinnen und Freunde!

Noch immer hallt der nächtliche Jubel taumelnder Begeisterung in unseren Ohren als wir, „Vertreter der Uni Genua“, uns gestern mit eurem Protest solidarisch erklärten. Allein das Aufblitzen der Zeichenkette „Università degli Studi di Genova“ wurde für das Auditorium zur Quelle einer sich übersteigenden Zuversicht, die selbst durch den Anblick unserer, hinter Gasmasken und Uschankas verborgenen Gesichter nicht gedämpft, sondern weiter angefacht wurde. Heute haben wir unsere Verkleidung abgelegt, möchten unsere Unterstützung aber umso deutlicher unterstreichen und unseren Impuls gegen unkritisches Handeln in der Masse, insbesondere im unreflektierten Umgang mit neuen Medien, erneuern. Wir müssen uns im Klaren sein, dass die vermeintlich objektive Wirklichkeit mehr als jemals zuvor einer Fülle von höchst manipulierten und manipulativen Partikularwirklichkeiten gewichen ist. Diesem Umstand kann einzig dadurch begegnet werden, indem alles, am meisten jedoch das eigene Handeln und die eigenen Ziele kontinuierlich hinterfragt werden. Die Grossbildleinwand ist ebenso wenig Instanz absoluter Autorität wie das Aufgehen des Individuums in der Masse Absolution von Eigenverantwortung wäre. Für alle Interessierten stehen wir, Kurt Fleisch und Rudolph Hagen, auf Facebook (und vielleicht demnächst auch in einer eigenen AG) gern zur Diskussion und Planung weiterer Aktionen zur Verfügung.

Mit solidarischen Grüßen,
Kurt Fleisch und Rudolph Hagen

  • Interessante Sache. Nur das:
    „Wir müssen uns im Klaren sein, dass die vermeintlich objektive Wirklichkeit mehr
    als jemals zuvor einer Fülle von höchst manipulierten und manipulativen Partikularwirklichkeiten
    gewichen ist.“

    halte ich für Geschwafel. Wir befinden uns in Zeiten höchster informeller Selbstbestimmung, ganz einfach weil die Infrastruktur noch niemals derart ausgeprägt dafür zur Verfügung stand. Das heißt natürlich nicht, dass kritisches Hinterfragen keine Tugend mehr wäre und auch nicht, dass man – siehe Genua-Beispiel – den Neuen Medien genauso auf den Leim gehen kann wie einem Propagandablatt im letzten Jahrhundert. Nur trifft dieses Credo vom ständigen Belogenwerden durch „die Medien“ eben auch nicht wirklich den Zeitgeist – zumindest nicht mehr als vor noch fünfzig Jahren, als die Presse noch wesentlich stärker kontrolliert wurde als heutzutage.

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