In vielen Medien wird (teilweise ausschließlich) die irrwitzige Messung der Polizei wiedergegeben, es wären gestern nur „tausende“ oder „zehntausend“ Menschen auf der Straße gewesen. Das Organisationsteam der Demonstration für „Unsere Uni“ spricht von 50.000 Menschen. Im Folgenden eine kleine Grafik, warum ich davon ausgehe, dass es zumindest über 40.000 waren. Als jemand, der den Abmarsch von etwa 50.000 aus dem Happel-Stadion, den von einem übervollen Frequency und den von etwa 10.000 aus dem Horr-Stadion erlebt und beobachtet hat, lasse ich mir übrigens den Vorwurf nicht gefallen, ich wüsste nicht, wie so etwas aussieht. Ersteres und zweiteres sind durchaus vergleichbar.

RSS-FeedDie blaue Linie ist der rekonstruierte Protestweg (4,5km). Die rote Linie die Strecke, über die sich die Demo an ihrem Höhepunkt und Abschluss hinzog (1,5km). Die grüne Linie ist der längste von mir überblickbare Bereich gewesen (650m), an dem sich die Demo über die komplette Breite des Rings erstreckte, ich aber NICHT den Anfang und das Ende des Zuges sehen konnte. Dies ist also die absolut sicher von mir überblickte Länge des Protests, die nicht seine gesamte Größe darstellt. Den Blick darauf sieht man auch in meinem kleinen Video von gestern kurz. Der Zusammenschluss mit der Akademie der Bildenden Künste erfolgte übrigens erst später. Vor dem Bildungsministerium berichteten Leute, dass sich die Demo etwa 45 Minuten lang vorbeiwälzte.


„Unsere Uni“-Demo auf einer größeren Karte anzeigen

Auf diese Informationen und meine Erfahrungen zurückgreifend, halte ich die in den meisten Medien tatsächlich noch ernsthaft genannte Zahl von 10.000 für eine reine Desinformation.

Update: Dominik Gubi hat ein super Video gepostet, in dem beschleunigt der gesamte Protestzug (zu Beginn, ohne Akademie und andere später Dazugekommene!) vorbeiläuft. Alle die bisher von 10.000 sprachen, schulden mir hiermit ein Bier.

  • auf höhe parlament zogen die massen ca 30 minuten lang vorbei, 10.000 = witzzahl

  • Pingback: Tweets that mention Zur Politik » Über die Zahl der Protesierenden -- Topsy.com()

  • Erfahrung aus Deutschland: Bei Demos wie der „Freiheit statt Angst“ gehen die genannten Zahlen von Polizei/Medien und Orga auch regelmäßig um den Faktor 5 auseinander. Ihr seid also nicht die einzigen, die diese Diskrepanz feststellen. Man kann da durchaus schon behaupten, dass das absichtlich gemacht wird.

    Mit welchem Sinn? Gute Frage. Die wahrscheinlichste Antwort klingt zwar leider schwer nach Verschwörungstheorie, aber dennoch glaube ich, dass der „breiten Masse“ einfach verschwiegen werden soll, wie sehr es brodelt.

  • Olaf

    Erscheint mir plausibel. Wenn auf einer Strecke von 1 km 10.000 Menschen laufen, dann wären in jeder Reihe von 1m 10 Menschen zu finden. Die Reihen scheinen mir aber dichter zu stehen. Nur ob es 50 in einer Reihe sind (und natürlich in jeder Reihe) sieht mir nicht danach aus.

    Grüße

  • sind aber 1,5 kilometer, und dann müssens nur noch etwa 25 im schnitt sein, damit man auf 40.000 kommt 😉

  • Jaja, Medien und die Zahlen…!

    Ähnliche Unstimmigkeiten findet man immer wieder – besonders tagesaktuelle (Druck)Werkersteller sind da recht anfällig dafür.

    Am interessantesten finde ich Journalisten, die – konfrontiert mit ihren publizierten Teilnehmerzahlen von z. B. Sportveranstaltungen – nicht und nicht anerkennen, was auf offiziellen Ergebnislisten dokumentiert ist. Da gehen die Angaben dann gleich mal um bis zu 100 % auseinander (z. B. „500 Teilnehmer“ statt „250“).

    Oft und öfter lautet dann die Begründung: „Wir können nicht alles nachprüfen“ oder „Der Veranstalter wird’s wohl am besten wissen“

    Interessant ist in dem Zusammenhang, daß Zeitnehmerfirmen nur ihren Kunden (den Veranstaltern nämlich) Auskunft geben – und z. B. keinen interessierten, weit weg lokalisierten Adabeis.

    Wer da Details dazu wissen möchte, kann sich gerne mal mit mir in Verbindung setzen. Der Beispiele gibt es zu Hauf. 😉

    Bei Zuschauerzahlen bzw. solchen Demoaufläufen tut man sich natürlich nochmals so schwer als Journalist. – Wie soll man die Leute zählen?

    Hier kann ganz locker Behauptung gegen Behauptung aufgefahren werden – Belege werden in Berichten sowieso nie zitiert. Und persönliche Schätzungen basierend auf Erfahrungen sind genauso gehaltvoll wie beliebige andere Schätzungen auf beliebigen anderen persönlichen Erfahrungen.

    Wie Journalisten mit Zahlen umgehen bzw. wie sie sie belegen, halte ich daher für ein ganz wesentliches Qualitätsmerkmal des jeweils Publizierenden.

  • Immerhin die Tageszeitung „Österreich“ spricht in der heutigen Ausgabe von 50.000 Demo-TeilnehmerInnen.

    Mir scheint es, die Polizei sprach auch weiterhin von 10.000, welche schon vorab erwartet wurde, um nicht eine völlige Fehleinschätzung der Lage eingestehen zu müssen.

  • herr ernst

    ich nehme zwar an, dass es mehr als 10.000 waren, aber ich verspeise einen besen, wenn es mehr als 40.000 waren. schätz mal 15 bis 20.000.

  • Vielleicht hätte man bei dem Bericht erwähnen sollen, dass es sich um einen Protest von Studenten gegen die derzeitigen Studienbedingungen handelt.

    Nicht jeder Piefke weiß sofort, dass in Österreich derzeit das Hochschulsystem extrem leidet.

  • @der Mops – ich bin davon ausgegangen, dass jeder der hier irgendwie hergefunden hat ohnehin mitbekommen hat, was hier grade los ist. auf facebook, twitter und in diesem blog ists ja nicht zu übersehen. 😉 ich habs aber ergänzt. danke für den hinweis

  • Pingback: Die gestreamte Revolution und die Demo « donkey rhubarb()

  • kaboltzky

    Hi,
    ich hab mich mal an eine kleine Auswertung gewagt und wollte noch was zur roten Linie loswerden:

    Annahmen:
    1. Die rote Linie bezeichnet die Länge der Demo bei der Ankunft der ersten Personen vor der Uni.
    2. Die Linie (keine Fläche!) kennzeichnet die Strassenmitte.
    3. Ausgehend von dieser Mittellinie beträgt die Breite der Strasse konstant 5m in beide Richtungen. Dieser Bereich ist die Fläche die die Demonstranten einnehmen.
    4. Diese Fläche ist komplett mit Demonstranten angefüllt.

    Ergebnisse:

    – Die Fläche beträgt 14.900m² (+/- 100m²).
    – Um eine Teilnehmerzahl von 50.000 Personen zu erreichen darf jede Person ca. 0,3 m² beanspruchen.

    Natürlich kann man über alle Annahmen streiten. Mich bringen sie aber zu dem Schluß, dass sowohl die Zahlen 10.000 als auch 50.000 nicht realistisch sind! 15.000 bis 20.000 Leute scheinen mir schon eher plausibel. Zumindest hatte ich während dieser Strecke immer 1m² oder mehr Platz (in der unmittelbaren Nähe der Sambattac-Trommler)…

  • Die Breite einer Straßenspur wird afaik für gewöhnlich afaik mit 3m angenommen. Schottenring und Franz-Josefs-Kai sind 4-spurig. Erhöht die Breite der Straße gleich mal auf 12m und die Straßenfläche auf 18.000m². Die Demonstranten waren freilich auch außerhalb der reinen Straße. Grade bei der Kurve von Franz-Josefs-Kai auf den Schottenring ist eine große Grünfläche. Die belegte Fläche ist also zumindest über dieser Zahl.

    Die Dichte war sicherlich unterschiedlich groß, ein ganzer Quadratmeter Freiheit halte ich als Schnitt aber für zu hoch – schätze eher 0,5 bis 0,75. Das ergibt dann 25.000 bis 40.000 Menschen.

    Dazu kommen solche, die die Besetzung aufrecht erhielten oder überhaupt erst zur Abschlusskundgebung kamen und im Protestzug überhaupt nicht dabei waren und solche die nur zeitweise mitmarschierten nud dann halt am Ende schon gar nicht mehr dabei waren. Hat ja nicht jeder die Zeit um die ganzen 3 Stunden durch Wien zu gehen.

    Es ist aber eigentlich noch einfacher als das. Mit dieser Menschenmenge hätte man das Audimax mit Sicherheit mehr als 20-30 mal füllen können. Und das fasst inklusive Nichtsitzplätzen rund 1000 Menschen. Als ich (im vorderen Zehntel) des Zuges bei der Uni ankam, war das Audimax und rundumliegende Gänge bzw. Höfe bereits voll und der Platz vor der Uni so gerammelt, dass die Leute gebeten wurden weiter Richtung Rathaus zu ziehen.

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