Update 15:55: Offensichtlich hat Unzensuriert.at den Link mittlerweile geändert. Jetzt wird Adorno über die Wikipedia erklärt.

Unter Unzensuriert.at findet man seit geraumer Zeit ein Blog in dem unter Autoren im Impressum Martin Graf (FPÖ, Nationalratspräsident), Norbert Hofer (FPÖ-Vizebundesparteiobmann und Nationalratsabgeordneter), Walter Rosenkranz (FPÖ, Nationalratsabgeordneter), sowie Walter Asperl (Grafs Büroleiter) und Alexander Höferl (Grafs Pressesprecher) geführt werden. Letztere beiden sind die eingetragenen Namen (PDF, Bundesministerium für Inneres) für den dahinterstehenden „Verein für Medienvielfalt„.

Neben Beiträgen wie „Feindbild Mutter“ und „Wieviel Gleichberechtigung brauchen wir noch?“ erschien dort am 20. Februar 2010 auch der Beitrag „Die Zerstörung Dresdens: Wie die Linke lernt, Bomben zu lieben„. In diesem erscheint hinter dem Namen Theodor W. Adorno ein Link auf das rechtsextreme Wiki Metapedia (Screenshot). Dort wird man ausführlich über die jüdische Abstammung Adornos, dessen jüdischen Vater und seine nichtjüdische Mutter, sowie jüdische Freunde und „antideutsche Zitate“ unterrichtet.

Wer von den Autoren Graf, Rosenkranz, Hofer, Asperl und Höferl den Beitrag verfasst hat, lässt sich nicht feststellen. Laut Impressum „distanziert sich [die Unzensuriert-Redaktion] von sämtlichen Seiten, die extremistisches oder verhetzendes Gedankengut transportieren und erklären hiermit, dass eine Verlinkung von unzensuriert.at durch die Betreiber dieser Webseiten unerwünscht ist„. Das hält die Betreiber anscheinend nicht davon ab, ihrerseits eine Seite zu verlinken, deren Inhalte der parteilose deutsche Staatssekretär August Hanning als „auf Interessen von Rechtsextremisten zugeschnitten“ bezeichnet (PDF, Seite 6).

Die Metapedia ist seit Februar 2009 in Deutschland als jugendgefährdende Schrift indiziert. Wegen der Verlinkung des NS-Propagandafilms „Der ewige Jude“ klagte die Republik Deutschland die Seite. Metapedia hat laut eigenen Angaben das Ziel „durch das Erkennen der Wahrheit den Frieden und die Verständigung der Völker zu fördern“ und richtet sich an „Personen, die keine antideutschen Vorurteile hegen„.

Die Metapedia erzählt ihren LeserInnen über den Zweiten Weltkrieg zum Beispiel, der deutsche Feldzug gegen Polen 1939 wäre „Notwehr“ gewesen. Im Artikel über den Nationalsozialismus wird zwar die „Lösung der Judenfrage“ erwähnt, nicht jedoch die Ermordung von etwa 6 Millionen Menschen, die vom NS-Regime als Juden definiert wurden. Unter dem Begriff „Shoa“ findet sich zwar keine Besprechung der systematischen Morde des nationalsozialistischen deutschen Regimes, jedoch aber der Verweis, dass der „Völkermord an den Deutschen im Zuge der Vertreibung das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte“ war. Und so weiter und so fort.

In einem Blog, in dessen Impressum ein Nationalratspräsident und zwei weitere Nationalratsabgeordnete der Republik Österreich als Autoren ausgewiesen sind (und wo die Parlamentsführungen von ersterem beworben werden), wird auf diese Seite verlinkt.

Wir bedanken uns bei einem Leser für den Hinweis.

  • Johannes

    Interessanter Beitrag! (Aber: „Beweisscreenshot“ können Sie sich sparen)

  • Hannes

    Warum finden Sie den Beweisscreenshot überflüssig?

  • Versteh ich jetzt auch nicht ganz? Eine Erklärung wäre nett, wenn sie schlüssig ist, ändere ich die Bezeichnung gern. ^^

  • Ich glaube was Hannes meint ist dies: Screenshots stellen keinen Beweis dar, weil sie so leicht zu manipulieren sind.

    Danke für den Blogeintrag!

  • Mani

    Hier ist der Link noch gecashed: http://bit.ly/bBJxWt
    Sollte aussagekräftiger sein als ein Screenshot.

  • Johannes

    @tom: stefon hats schon gesagt; bildschirm-screenshots sind innerhalb von sekunden konstruier- bzw. manipulierbar und daher in meinen augen als wertlos zu betrachten; spätestens dann wenn man bedenkt warum sowas überhaupt eingesetzt wird – spätestens der zweifler wird dann dieses argument bringen, und zwar zu recht
    was Mani gepostet hat gefällt mir schon besser; caches von suchmaschinen sind da schon eher schwer als un-objektiv darzustellen – yahoo, google, etc. werden sich kaum die mühe machen von sich aus solche ergebnisse zu verfälschen bzw. diesen unternehmen unmittelbare und schnelle beeinflussbarkeit zu unterstellen würde ich in diesem zusammenhang als übertriebene paranoia bezeichnen

  • gut, auch ob screenshots manipuliert sind lässt sich im zweifelsfall oft feststellen. in dem fall galt der screenshot einfach als dokumentation und – ok nicht als beweis im juristischen sinn – da er den sachverhalt imo plakativer darstellt als zB die yahoo cache-tabelle. er war jedenfalls nicht gefaked.

  • Johannes

    @tom: mir gings auch nicht darum, deinen screenshot anzuzweifeln. mir gings nur um den aus meiner sicht etwas kindischen screenshot-beweis, nicht gemeint das wording, sondern die tatsache, dass das gar nix heisst.
    ob du jetzt schreibst „es wurde von x auf y ein link gesetzt“ oder einen screenshot anfügst bedeutet genau das gleiche.
    beides setzt voraus, dass ich deinen informationen vertraue.

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