Mit dem dritten Teil der BloggerInnen-Untersuchung nähern wir uns der ersten Halbzeit dieser sechsteiligen Serie. Wie angekündigt widmen wir uns heute den Selbstverständnissen österreichischer PolitikbloggerInnen, deren Motivationen zu bloggen und den Themen die vorwiegend behandelt werden.

Objektiv subjektiv

Objektiv betrachtet handeln BloggerInnen subjektiv. Während JournalistInnen objektiv arbeiten (müssten), argumentieren BloggerInnen meist subjektiv. In der empirischen Sozialforschung würde man hierbei beinahe von einer Form von nachvollziehbarer Intersubjektivität sprechen. Unterstrichen wird dies etwa mit folgendem Zitat einer befragten Person:

Ich bekenne mich ausdrücklich zur Subjektivität (im Blog wird meine persönliche Meinung dargestellt) und Transparenz (offene Diskussion, Darstellung eventueller Abhängigkeiten).

So findet sich auch in der „Über uns„-Page von zurPolitik.com ein starker Verweis auf den subjektiven Charakter des Blogs.

Gläserne BloggerInnen?

Wie im vorherigen Zitat ersichtlich, ist Transparenz ein wichtiger Bestandteil im Selbstverständnis vieler BloggerInnen. Besonders anschaulich wurde dies etwa folgendermaßen formuliert:

Bloggen heißt, sich angreifbar zu machen.

BloggerInnen geben oftmals tiefe Einblicke in ihr Privatleben, ihre Denkstrukturen und deren Wertebasis. Gerade hierbei beweisen viele BloggerInnen großen Mut. Immerhin nähern sie sich selbst(bestimmt) in manchen Fällen gar dem „gläsernen Menschen“. Ein weiteres Zitat:

Es geht darum, meine subjektive Meinung wiederzugeben, Widersprüche aufzudecken, Fehler (auch eigene) transparent hand zu haben.

Die Transparenz umfasst jedoch nicht nur die eigene Persönlichkeit, sondern auch das eigene Schaffen. Transparenz hinsichtlich der verwendeten Quellen (etwa bei Bildmaterial) wird generell als wichtiges Element des Schaffensprozesses angesehen.

Information, Diskussion, Meinungsbildung

BloggerInnen wollen informieren, diskutieren und legen ihre Meinung dar. Eine befragte Person beschrieb das eigene Selbstverständlich folgendermaßen:

Ich sehe mich als Citoyen, der durch Bereitstellung von Informationen und persönlicher Meinung zu politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen sowie Möglichkeiten der Diskussion und Vernetzung aktiv, eigenverantwortlich und gewissenhaft am Gemeinwesen teilnimmt.

BloggerInnen sehen sich als Teil der Gesellschaft und betrachten diese kritisch. Sie wollen aktiv an ihr teilhaben und ihren Beitrag zur Gestaltung dieses komplexen Gebildes leisten.

Der Beginn? Einfach so …

Wir untersuchten auch die anfänglichen Intentionen der BloggerInnen. Einige der Befragten meinten, es sei ihnen „einfach so passiert“. Bei vielen war es auch die Neugierde, die für das erstmalige Erstellen eines Blogs sorgte. Die Neugierde, ein Medium auszuprobieren und Inhalte einem dispersen Publikum zur Verfügung zu stellen. Die anfänglichen Motivationen variieren zwischen „zufälligen“ Bloggründungen und zielgerichtetem Vorgehen. Zwei Zitate hieraus will ich an dieser Stelle vorstellen:

Ich habe jahrelang in […] gelebt und wollte Kontakt mit meinen FreundInnen in Europa halten.

Ich habe begonnen zu lesen und wollte einen eigenen Blog haben, wenn ich wo einen Kommentar schreibe. Die ersten Monate waren dann von sehr persönlichen, tagebuchartigen Beiträgen geprägt.“

Aber warum bloggen die nun wirklich?

Aber weshalb bloggen die nun wirklich?  Mit jeweils 27% der Gesamtnennungen (Mehrfachauswahl) belegten „Diskussion von Themen“ und „Verbreitung von Themen abseits des Mainstreams“ gleichauf den ersten Rang. Mit 24% folgte „Verbreitung eigener Ansichten“. BloggerInnen haben demnach, betrachten wir die Motivationen, ein großes Kommunikations- und Sendungsbewusstsein. Es ist für die österreichischen BloggerInnen ein Bedürfnis, abseits der traditionellen Medien Informationen und Meinungen zu verbreiten und zu diskutieren. BloggerInnen weisen ein großes Kommunikations- und Sendungsbewusstsein auf.

13% der Gesamtnennungen entfielen auf „Nutzung für private/berufliche Zwecke“, 9% entfielen auf „Anderes“ wie z. B.:

Die stilistische Methode Feuilleton auch online anzuwenden.

oder

Anlass zur Reflexion – Verbreitung ist sekundär.

Und wie war das nochmal mit den Themen?

Welche Themen werden von den befragten BloggerInnen hauptsächlich behandelt? Kaum überraschend entfiehlen 26% der Nennungen (Mehrfachauswahl) auf „Politik“. Mit 10% der Gesamtnennungen folgte „Persönliches“, gleichauf mit „Soziales“. Doch auch „Grassroot-Bewegungen“ und „Bildung“ wurden mit jeweils 9% genannt. Etwas weniger häufig wurden Themen wie „Netzpolitik“ und ferner „Wirtschaft“, „Technik“ oder auch „Energie/Ökologie/Nachhaltigkeit“ gewählt. Zwei Zitate zur Themenauswahl aus den Antworten der Befragten:

Es sind die Bereiche mit denen ich mich auch außerhalb des Blogs beschäftige. Dort kenne ich mich aus. Der Blog dient zur Vertiefung des Wissens und der weiteren Auseinandersetzung damit.

Interesse und die Hoffnung doch etwas zu ändern und andere auf das Thema aufmerksam zu machen.

Bringt das überhaupt etwas?

BloggerInnen sind – so meine persönliche Einschätzung – oftmals idealistische Pragmatiker. Sie wollen an gesellschaftlichen Diskursen teilhaben und sehen, grundsätzlich, kaum Gebiete in denen Blogs gesellschaftliche Veränderungen nicht unterstützen könnten.

Mir fallen keine gesellschaftlichen Bereiche ein, in denen sie [Anm.: die Blogs] NICHT unterstützen könnten – wobei ich davon ausgehe, dass es ebenso viele Blogs gibt wie es Menschen gibt und damit alle gesellschaftlichen Themen irgendwo vertreten sind.

Alles super, alles toll?

Dennoch werden Blogs und deren Inhalte nicht durch die rosarote Brille betrachtet. Wo Persönlichkeitsrechte verletzt werden oder fehlende Transparenz gegeben ist sehen BloggerInnen das Medium durchaus kritisch. Aber auch vor unbedachtem Vorgehen von BloggerInnen wird gewarnt. Die beiden abschließenden Zitate zeigen dies gut auf:

Als Leser entscheide ich selbst, was ich lese und was nicht. Von dieser Seite gibt es daher keine Bedenken. Von Bloggerseite steht es jedem frei über alle Themen zu bloggen, die einen so bewegen. Das ist gut so, stellt aber auch eine Gefahr dar. Eine Gefahr sehe ich und das ist das Impulsbloggen. Hier kann es zu unüberlegten Aussagen kommen, die einmal im Netz nicht immer wieder herauszubekommen sind. Aber das ist auch eine generelle Gefahr mit dem Internet.

Alle Informationen anonymer AutorInnen sind generell mit Skepsis zu betrachten. Besonders im Bereich Dirty-Campaining werden Blogs gerne wegen ihrer hohen Glaubwürdigkeit mißbraucht um Desinformation zu betreiben.

Foto: raindog, CC2.0-BY-ND

  • Auch wenn vieles nicht überrascht – spannender Überblick! 😉

  • Na dich überraschts ja sowieso nicht, Insiderin 😉 Andere hoffentlich zumindest teilweise 😉

  • Sagen wir Journalisten sollten objektiv arbeiten. Ich kenne viele Blogger die das genauso handhaben, und deren Beiträge sich darum bemühen. Letztlich aber ist entscheidend, ob argumentiert wird, denn erst macht man sich angreifbar, und stellt sich dem was man „Objektivität“ nennen kann. Meinung, vielleicht der Klarheit wegen, verstehe ich als nicht begründete Ansicht.

    Alle Informationen anonymer AutorInnen sind generell mit Skepsis zu betrachten.

    Das halte ich (ich weiß es ist ein Zitat) für großen Unfug. Da spricht u.a. meine persönliche Erfahrung dagegen. Außerdem: Jeder der privat im Netz unterwegs ist, tut gut daran ein Pseudonym zu verwenden. Und jeder der ständig dasselbe verwendet, für den wird es ein Name (ev. eine Marke, ein Produkt), auf das er acht gibt. Es steht für etwas Bestimmtes (für ihn, für seinen Blog, usw.).

    Jetzt bedauere ich es erst recht, dass es keine Liste gibt, die Motivationen sind sehr aufschlussreich. Meist ist es wohl ein ganzes Faktorenbündel (Bedürfnis, Mitteilung/Kommunikation, Interesse, Diskussion/Austausch, Lernen von anderen, Kreativität, Unausgeglichenheit…).