Während meines samstägigen Frühstücks wurde mir übel. Nein, der Kaffee war wie immer bestens. Ein Artikel im „profil“ zeigte sich als Verursacher. „Kreuzzug gegen den Islam“ wurde da getitelt. Und eine bestimmte Umfrage zitiert, deren Ergebnis, nun ja, irgendwie erschreckend ist.

Ich möchte in diesem Artikel keine fremdenfeindlichen Politiker bashen, die sich das aber alle Male verdienen würden, oder die Sarrazin-Debatte weiter anheizen. Mir geht es um ein Argument, dass in der „Ausländercausa“ (ich nenne sie mal einfach so) immer wieder eingebracht wird.

Unvereinbar

„DIE sollen sich integrieren“. Doch wie ist Integration messbar? Welche Anforderungen stellt DER Österreicher an DEN Immigranten?

Anstoß für diesen Beitrag war folgende Passage im profil-Artikel.

… bezeichneten 71 Prozent der Befragten die Lebensweise von Migranten aus islamisch geprägten Ländern als „mit den westlichen Vorstellungen von Demokratie, Freiheit und Toleranz nicht vereinbar“.

Wer bist denn du, dunkler Typ?

Interessant wäre, wie viele Menschen aus diesen 71% schon einmal Kontakt zu Menschen islamischer Prägung hatten. Klingt irgendwie komisch. Ich selbst möchte nicht als christlich geprägt dargestellt werden, aber naja, wenn man aus dem Orient kommt, kann man sich so Pauschalbezeichnungen nicht aussuchen. Pech gehabt.

Und mit Kontakt meine ich nicht, dass man in der Straßenbahn neben einem Jungen dunklerer Hautfarbe gesessen hat. Mindestanforderung um als Kontakt eingestuft zu werden, ist jetzt einfach mal ein näheres Gespräch.

Und schon fällt der Großteil der 71% weg. Doch woher kommt dann deren Angst, oder besser gesagt, deren Abneigung?

Moslems in der HTL

Nicht der Islam ist schuld, der wird nur als Angriffspunkt missbraucht. Eine generelle Angst vor dem Fremden ist in nicht wenigen Menschen vorhanden. So schön war die Ruhe, die Sicherheit, die die Beständigkeit des Alltags ausstrahlte.

Und dann kommen so ein paar Moslems, schächten Schafe, unterdrücken ihre Frauen und schicken ihre 12 Kinder in eine HTL (Höhere Terroristen Lehranstalt), welche ihren Platz in einer Moschee findet. So eine HTL soll ja jetzt auch am Ground Zero entstehen.

Diese Angst vor dem Neuen, die den bequemen Österreicher von seiner gemütlichen Couch aufspringen lässt (ja auch über uns gibt es Klischees) und selbst den moderatesten, säkularisiertesten Menschen zum Kämpfer für das Christentum oder das Abendland machen, in der linken Hand die Bibel, rechts den/die Rosenkranz (keine Anspielung), zeigt sich für fast alle Probleme im Umgang mit der Ausländercausa verantwortlich.

Kriminelle Bastarde

Natürlich, jeder Mensch, der in Österreich lebt, muss Deutsch beherrschen und sich an unsere Gesetze halten. Keine Frage. Der gelernte Österreicher mokiert sich dann auch gerne mal über das Gestotter, dass aus so manchem reiferen Einwanderermund stammt. Das lässt sich oft nicht vermeiden, mit 40 oder 50 ist es eben schwer, eine Sprache noch perfekt zu erlernen. Gerne würde ich aber dann aus dem Mund des gelernten Österreichers einmal ein paar Sätze auf Englisch hören. Lustig wär das, da bin ich mir sicher.

Und ja klar, gibt es Türken die nach Jahren nicht richtig deutsch sprechen. Bosnier, die kriminell werden. Oder Kroaten, die ihre Frauen unterdrücken. Genauso wie es österreichische Menschen gibt, die Nazis sind, Kinder vergewaltigen oder anderweitig kriminell aktiv sind.

Koran versus Bibel

Verantwortlich dafür zeigt sich aber, bei Aus- wie auch Inländern, der soziale Hintergrund. Die familiäre Prägung, der Freundeskreis, die mangelnde Bildung. Wie hat das Reinhold Gärtner vor einiger Zeit schön formuliert: „Reduzieren sie Identität nicht auf Ethnizität“.

Und kommt mir jetzt nicht mit Koranstellen oder irgendwelchen Einzelbeispielen misslungener Integration. Denn falsch interpretierbare Stellen aus der Bibel und österreichische Verbrecher sind schnell gefunden.

Probleme streitet niemand ab

Natürlich gab und gibt es Missstände, sowohl auf Seiten der Politik wie auch auf Seiten der Einwanderer. Deutschkurse müssen so früh wie möglich und gratis erhältlich sein. Wer überhaupt kein Deutsch spricht, darf in keine Schule kommen. Falsche Toleranz, die es Migranten zum Beispiel erlaubt, dem Biologie- oder Sportunterricht fern zu bleiben, ist absolut kontraproduktiv. Und da darf man sich auch schon mal auf westliche Werte berufen, die es wert sind, verteidigt zu werden.

All das aber sind lösbare Probleme. Und je länger Migranten in Österreich sind, desto besser sind sie beruflich wie sozial gestellt.

Der von der Akademie für Wissenschaften herausgegebende „2. Österreichische Migrations- und Integrationsbericht“ kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass die Mehrheit der Zuwandererkinder höhere Schulen besucht und bessere Berufe ergreift als ihre Eltern… (Zitat aus profil-Artikel)

Aus der Sicht eines Migranten

Dass man in diesem Prozess alle Migranten mitnimmt, ist Sache der Regierung. Und erfordert natürlich auch das Engagement der Betroffenen selbst. All das ist aber nur gemeinsam möglich.

Wenn ich als Migrant aber davon höre, dass ein Buch, dass darstellt, wie dumm ich nicht bin und auch immer bleiben werde, zum Bestseller avanciert, fremdenfeindliche Parteien auf Kosten meiner Religion Wahlgewinne erzielen und sich die Problemlösungskompetenz einer amtierenden Innenministerin in der Einwanderungsfrage nur im Verschärfen von Asylgesetzen manifestiert, so frage ich mich, ob ich oder meine Integration in diesem Land überhaupt gewollt ist.

Herkunft ≠ Identität

Also, ich wiederhole. Integration ist keine Einbahnstraße. Gegenseitiger Respekt und Engagement auf beiden Seiten sind erforderlich, um das scheinbar größte Problem unserer Zeit zu beidseitiger Zufriedenheit zu lösen.

Und wie ein Mensch handelt hat nichts oder wenig mit seiner Herkunft zu tun (ein bisschen geprägt werden wir dann doch alle), sondern mit seinem sozialen Hintergrund. Und auch wenn alle in Österreich lebenden Migranten gut Deutsch beherrschen und einer Arbeit nachgehen würden, wären sie für einen nicht unwesentlichen Teil der oben zitierten 71% immer noch Fremde.

Anders sind und bleiben sie dann doch, die Ausländer.

Bild “Körpersprache”: © Jerzy Sawluk / PIXELIO
Bild „Fremde werden zu Freunden“: © Rike / PIXELIO