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Ausländer auf ewig

Während meines samstägigen Frühstücks wurde mir übel. Nein, der Kaffee war wie immer bestens. Ein Artikel im “profil” zeigte sich als Verursacher. “Kreuzzug gegen den Islam” wurde da getitelt. Und eine bestimmte Umfrage zitiert, deren Ergebnis, nun ja, irgendwie erschreckend ist.

Ich möchte in diesem Artikel keine fremdenfeindlichen Politiker bashen, die sich das aber alle Male verdienen würden, oder die Sarrazin-Debatte weiter anheizen. Mir geht es um ein Argument, dass in der “Ausländercausa” (ich nenne sie mal einfach so) immer wieder eingebracht wird.

Unvereinbar

“DIE sollen sich integrieren”. Doch wie ist Integration messbar? Welche Anforderungen stellt DER Österreicher an DEN Immigranten?

Anstoß für diesen Beitrag war folgende Passage im profil-Artikel.

… bezeichneten 71 Prozent der Befragten die Lebensweise von Migranten aus islamisch geprägten Ländern als „mit den westlichen Vorstellungen von Demokratie, Freiheit und Toleranz nicht vereinbar“.

Wer bist denn du, dunkler Typ?

Interessant wäre, wie viele Menschen aus diesen 71% schon einmal Kontakt zu Menschen islamischer Prägung hatten. Klingt irgendwie komisch. Ich selbst möchte nicht als christlich geprägt dargestellt werden, aber naja, wenn man aus dem Orient kommt, kann man sich so Pauschalbezeichnungen nicht aussuchen. Pech gehabt.

Und mit Kontakt meine ich nicht, dass man in der Straßenbahn neben einem Jungen dunklerer Hautfarbe gesessen hat. Mindestanforderung um als Kontakt eingestuft zu werden, ist jetzt einfach mal ein näheres Gespräch.

Und schon fällt der Großteil der 71% weg. Doch woher kommt dann deren Angst, oder besser gesagt, deren Abneigung?

Moslems in der HTL

Nicht der Islam ist schuld, der wird nur als Angriffspunkt missbraucht. Eine generelle Angst vor dem Fremden ist in nicht wenigen Menschen vorhanden. So schön war die Ruhe, die Sicherheit, die die Beständigkeit des Alltags ausstrahlte.

Und dann kommen so ein paar Moslems, schächten Schafe, unterdrücken ihre Frauen und schicken ihre 12 Kinder in eine HTL (Höhere Terroristen Lehranstalt), welche ihren Platz in einer Moschee findet. So eine HTL soll ja jetzt auch am Ground Zero entstehen.

Diese Angst vor dem Neuen, die den bequemen Österreicher von seiner gemütlichen Couch aufspringen lässt (ja auch über uns gibt es Klischees) und selbst den moderatesten, säkularisiertesten Menschen zum Kämpfer für das Christentum oder das Abendland machen, in der linken Hand die Bibel, rechts den/die Rosenkranz (keine Anspielung), zeigt sich für fast alle Probleme im Umgang mit der Ausländercausa verantwortlich.

Kriminelle Bastarde

Natürlich, jeder Mensch, der in Österreich lebt, muss Deutsch beherrschen und sich an unsere Gesetze halten. Keine Frage. Der gelernte Österreicher mokiert sich dann auch gerne mal über das Gestotter, dass aus so manchem reiferen Einwanderermund stammt. Das lässt sich oft nicht vermeiden, mit 40 oder 50 ist es eben schwer, eine Sprache noch perfekt zu erlernen. Gerne würde ich aber dann aus dem Mund des gelernten Österreichers einmal ein paar Sätze auf Englisch hören. Lustig wär das, da bin ich mir sicher.

Und ja klar, gibt es Türken die nach Jahren nicht richtig deutsch sprechen. Bosnier, die kriminell werden. Oder Kroaten, die ihre Frauen unterdrücken. Genauso wie es österreichische Menschen gibt, die Nazis sind, Kinder vergewaltigen oder anderweitig kriminell aktiv sind.

Koran versus Bibel

Verantwortlich dafür zeigt sich aber, bei Aus- wie auch Inländern, der soziale Hintergrund. Die familiäre Prägung, der Freundeskreis, die mangelnde Bildung. Wie hat das Reinhold Gärtner vor einiger Zeit schön formuliert: “Reduzieren sie Identität nicht auf Ethnizität”.

Und kommt mir jetzt nicht mit Koranstellen oder irgendwelchen Einzelbeispielen misslungener Integration. Denn falsch interpretierbare Stellen aus der Bibel und österreichische Verbrecher sind schnell gefunden.

Probleme streitet niemand ab

Natürlich gab und gibt es Missstände, sowohl auf Seiten der Politik wie auch auf Seiten der Einwanderer. Deutschkurse müssen so früh wie möglich und gratis erhältlich sein. Wer überhaupt kein Deutsch spricht, darf in keine Schule kommen. Falsche Toleranz, die es Migranten zum Beispiel erlaubt, dem Biologie- oder Sportunterricht fern zu bleiben, ist absolut kontraproduktiv. Und da darf man sich auch schon mal auf westliche Werte berufen, die es wert sind, verteidigt zu werden.

All das aber sind lösbare Probleme. Und je länger Migranten in Österreich sind, desto besser sind sie beruflich wie sozial gestellt.

Der von der Akademie für Wissenschaften herausgegebende “2. Österreichische Migrations- und Integrationsbericht” kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass die Mehrheit der Zuwandererkinder höhere Schulen besucht und bessere Berufe ergreift als ihre Eltern… (Zitat aus profil-Artikel)

Aus der Sicht eines Migranten

Dass man in diesem Prozess alle Migranten mitnimmt, ist Sache der Regierung. Und erfordert natürlich auch das Engagement der Betroffenen selbst. All das ist aber nur gemeinsam möglich.

Wenn ich als Migrant aber davon höre, dass ein Buch, dass darstellt, wie dumm ich nicht bin und auch immer bleiben werde, zum Bestseller avanciert, fremdenfeindliche Parteien auf Kosten meiner Religion Wahlgewinne erzielen und sich die Problemlösungskompetenz einer amtierenden Innenministerin in der Einwanderungsfrage nur im Verschärfen von Asylgesetzen manifestiert, so frage ich mich, ob ich oder meine Integration in diesem Land überhaupt gewollt ist.

Herkunft ≠ Identität

Also, ich wiederhole. Integration ist keine Einbahnstraße. Gegenseitiger Respekt und Engagement auf beiden Seiten sind erforderlich, um das scheinbar größte Problem unserer Zeit zu beidseitiger Zufriedenheit zu lösen.

Und wie ein Mensch handelt hat nichts oder wenig mit seiner Herkunft zu tun (ein bisschen geprägt werden wir dann doch alle), sondern mit seinem sozialen Hintergrund. Und auch wenn alle in Österreich lebenden Migranten gut Deutsch beherrschen und einer Arbeit nachgehen würden, wären sie für einen nicht unwesentlichen Teil der oben zitierten 71% immer noch Fremde.

Anders sind und bleiben sie dann doch, die Ausländer.

Bild “Körpersprache”: © Jerzy Sawluk / PIXELIO
Bild “Fremde werden zu Freunden”: © Rike / PIXELIO

| 18. September 2010

18 Reaktionen bisher

    dieter sagt:

    Du lebst wohl hinterm Mond. Anders kann ich nicht verstehen, wie du extra einen so langen, selbstgefälligen Text schreiben kannst, der auf dem Stand der naiven 90er Jahre ist, ohne auf die mittlerweile weithin bekannten Gegenargumente einzugehen.

    Da wäre zunächst die abstruse Behauptung, dass Antipathie mit Unwissen zu tun habe. Meistens kommt diese Behauptung von grün wählenden Zugereisten (alle hiesigen Blog-Autoren kommen doch aus irgendwelchen gottverlassenen Bauernkaffs) bzw. Bildungsbürgerkindern, die sich als Ethnologen verstehen, nur weil sie eine oberflächliche Freundschaft mit einem Kommilitonen pflegen.

    Dann die Leugnung kultureller oder identitärer Faktoren und die Behauptung, es handle sich um eine Frage des sozialen Milieus (gemeint Bildungsstad, Berufstand, Einkommen). Übersetzt heißt das: “Ich könnte ja eh mit den Türken, wenn sie nur alle WU-Studenten wären, so wie ich. Das Problem ist, dass sie ungebildete Unterschichtler sind.”.

    Das Milieu kann aber kein migrationsspezifisches Konfliktpotential sein, weil es ja auch eine autochthone, ungebildete Unterschicht gibt, die sich im Übrigen für überlegen hält und WU-Schnösel wie dich auch nicht ausstehen kann und sich am liebsten mit ihresgleichen abgibt (im berüchtigten Wiener Arbeiterbeisl z.B.).

    Türkische Unterschichtler und Ösi-Unterschichtler müssten sich also prima verstehen. Tun sie aber nicht.

    Und auch deine Migranten-Sicht ist lediglich deine eigene Projektion. Die Migranten wollen nicht so werden wie du, sondern sie sind stolz auf ihre Identität und ihr Umfeld. Dass du das nicht weißt, zeigt, dass du keine Ahnung hast. Mittlerweile gibt es zig-Studien aus unzähligen Ländern, inkl. von der österreichischen Regierung, die das auch aufzeigen, was die 71% aus eigener Beobachtung schon längst wussten.

    ______________________________

    Zuguterletzt kommt der pauschale Rassismusvorwurf, ohne daraus aber Schlüsse abzuleiten, sondern lediglich um deine nichtrassistische Qualität zu unterstellen.

    Ob du tatsächlich so unbeeinflusst von der Hautfarbe deines Gegenübers bist, kannst du mit dem folgenden wissenschaftlichen und robusten Rassismus-Test der Harvard-Universität testen:

    https://implicit.harvard.edu/implicit/Launch?study=/user/education/race/race.expt.xml

    Aber ja, ein Teil der 71% würde Muslime, türkische Migranten usw. auch dann ablehnen, wenn sie in allen anderen Dingen von Österreichern ununterscheidbar wären und selbst die Religiosität nur mehr oberflächlich gelebt würde.

    Und das wird vielleicht immer so bleiben. Noch vor ein paar Jahrzehnten vermischten sich Evangelen und Katholiken nicht, also nach über 500 Jahren Reformationsgeschichte. Man arbeitete zusammen, aber eine Heirat konnte bedeuten, dass man aus der Familie verstoßen wurde.

    Das misstrauische Nebeneinanderleben unterschiedlicher Volksgruppen war vor der Etablierung der Nationalstaaten der Normalfall in Europa. Wie sich das alles entwickeln wird und wohin die Reise geht, kann man wohl kaum vorhersehen und auch nicht beeinflussen.

    Falls es dir also Sorgen macht, dass sich Bevölkerungsteile in Österreich nicht grün sind, so rate ich dir, dich damit abzufinden. Das wird sich zu deinem Lebtag nicht mehr ändern.

    _______________________________

    P.S.: Ja, ich pauschalisiere, denn sonst wäre der Kommentar drei Mal so lang.

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    !!! | 18. September 2010 | 19:27
    Tom Schaffer sagt:

    @andreas

    das vorurteil beruht zumindest nicht nur auf unwissenheit, sondern auf selektiver wahrnehmung und pauschalierung beim unqualifizierten kontakt (was von rechten gezielt gefördert wird).

    die 19 ausländer die so gut integriert sind wie ich selbst fallen den wenigsten auf. der zwanzigste der sich blöd aufführt prägt das bild – vor allem wenn einem die ganze zeit mitgeteilt wird, dass diese probleme typisch sind.

    ich hab das im fall vom jugendlichen schon vor zwei jahren mal beschrieben.

    http://zurpolitik.com/2008/09/26/warum-viele-jugendliche-rechts-wahlen/

    @dieter
    —–
    “Und das wird vielleicht immer so bleiben.

    Das misstrauische Nebeneinanderleben unterschiedlicher Volksgruppen war vor der Etablierung der Nationalstaaten der Normalfall in Europa. Wie sich das alles entwickeln wird und wohin die Reise geht, kann man wohl kaum vorhersehen und auch nicht beeinflussen.”
    —–
    Es gab schon viele Dinge die einmal normal waren und es heute nicht mehr sind. Ich halte die Menschen prinzipiell für lernfähig. Du musst dir übrigens keine Sorgen machen: Auch wenn die Leute ihre Angst vor anderen Volksgruppen ablegen, werden sie nicht alle grün wählen – dann werden auch die anderen Parteien auf dieser Klaviatur nicht mehr spielen wollen.

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    18. September 2010 | 21:54
    dieter sagt:

    @Tom:
    Du hast mich missverstanden. LOL
    “sich nicht grün sein” = “sich nicht leiden können”

    “” ———– “”
    Es gab schon viele Dinge die einmal normal waren und es heute nicht mehr sind. Ich halte die Menschen prinzipiell für lernfähig.
    “” ———– “”

    Mit Lernfähigkeit hatte das aber nicht unbedingt zu tun, sondern mit den Kriegen, ethnischen Säuberungen, diktatorischer Unterdrückung von Konflikten, Zwangsassimilierung von Minderheiten, Assimilierungsdruck auf Minderheiten die auf der falschen Seite des eisernen Vorhang bzw. anderer undurchlässiger Grenzen lebten usw.

    Freilich wären auch der Strukturwandel in der Wirtschaft zu erwähnen, sowie natürlich Fernsehen und Massenmedien, wodurch sich zahlreiche Minderheiten innerhalb der Nationalstaaten auflösten.

    So wurden die Nationalstaaten homogenisiert.

    So sah das Nationengewirr früher aus; und das ist nur Mitteleuropa und die Farbe kennzeichnet jeweils nur die örtliche Mehrheit:
    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/65/Central_Europe_(ethnic).JPG

    Die Massenmedien haben ja dank Satellit, Internet und Kostensenkungen heute wieder den gegenteiligen Effekt.

    Thilo Sarrazins Vergleich der Einwanderungswelle der letzen Jahrzehnte mit der Völkerwanderung ist durchaus treffend. Vom absoluten und relativen Umfang her hat es seit damals noch nie so viel so schnell verändert.

    Im Vergleich zu früheren Zeiten geht es heute ja eigentlich recht harmonisch zu und damit könnte man sich ja auch zufrieden geben.

    Aber das ist vielen nicht harmonisch genug, auch weil man sich noch an das homogene Österreich der Kreisky-Ära erinnern kann, bzw. dieses in manchen Regionen noch existiert. Und nun werden überall Schuldige und Unruhestifer geortet; unter den Ausländern, oder bei den Österreichern.

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    !!! | 18. September 2010 | 23:16
    Andreas Sator sagt:

    Hallo dieter!

    Ich nehme jetzt einmal nur zu deinen sachlichen Äußerungen Stellung, verweise aber an dieser Stelle trotzdem darauf, dass ich es nicht in Ordnung finde, dass du hier persönlich wirst.

    Woraus ziehst du den Schluss Antipathie/Unwissen? Ich schreibe vor der Angst vor dem Neuen, Fremden, Ungewohnten, welche den bequemen Österreicher von seiner Couch holen. Und es ist Tatsache, dass diese Angst auch damit zu tun hat, dass man nicht weiß, wie DIE sind, weil man mit DENEN noch keinen oder nur oberflächlichen, negativen, Kontakt hatte.

    Ich leugne keine kulturellen oder identitären Faktoren (letztere sind mE trotzdem sehr wohl eine Frage des sozialen Milieus), sondern verweise darauf, dass vermehrte Probleme und das Gefühl der Menschen, dass Ausländer/Menschen mit Migrationshintergrund krimineller, weniger gebildet, usw. sind, oft durch Statistiken gedeckt sind. Und das nicht aufgrund kultureller Faktoren, sondern aufgrund des sozialen Hintergrunds der Betroffenen. Das stellst du wohl nicht in Abrede?

    Und warum sollten die Migranten auch so werden wollen wie ich? Fordere ich das irgendwo oder stelle ich deren Identität in Frage und verlange eine Assimilierung?

    Der pauschale Rassismusvorwurf ist nicht wirklich ein Vorwurf. Solange Menschen in Grenzen denken und Ethnizität/Identität nicht unterscheiden, wird ein sogenannter Fremder in deren Augen immer Fremder bleiben.

    Den Test kenne ich schon.

    Zuguterletzt noch schnell zum Grund, warum ich “extra einen so langen, selbstgefälligen Text schreibe”. Weil mich der Umgang mit diesem Thema stört und ich meine grundlegende Meinung, wie man diesen Umgang besser handhaben könnte, darlegen wollte. Das habe ich auch getan.

    Schöne Grüße von hinter dem Mond,
    Andreas

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    19. September 2010 | 11:26
    Michael sagt:

    Es geht ja nicht um die 40-50 jährigen, sondern um die, die in Österreich aufgewachsen sind und kein richtiges Deutsch können (und z.T. semilingual sind).

    Die meisten Menschen in Ballungsräumen haben durchaus Kontakt zu Migranten – speziell natürlich in der Schule. Auch ich habe in der Hauptschule “meinen ersten Türken” kennen gelernt. Bin sogar neben ihm gesessen, hab aber praktisch nie ein Wort mit ihm gewechselt, weil der praktisch nie ein deutsches Wort geredet hat. Unter normalen Umständen hätte er die Schule nie geschafft – da haben die Lehrer halt alle Augen zugedrückt, weil er ja so bemitleidenswert war. In der HTL (Höhere Technische Lehranstalt – damits da keine Verwechslung mit dem Blog-Eintrag gibt) war dann auch ein Türke in der Klasse. Der war aber nur zum Schulbesuch nach Österreich gekommen und der konnte – oh Wunder – innerhalb kürzester Zeit ein ausgezeichnetes Deutsch. Durch den Kontakt zu weiteren Migranten weiß ich mittlerweile, dass es – auch als Erwachsener, neben dem Beruf – möglich ist, innerhalb von einem Jahr ein ausgezeichnetes Deutsch zu erlernen.

    Für die Leute, die das nicht schaffen, die semilinguale Kinder hervorbringen, usw. hab ich deswegen in erster Linie Unverständnis übrig. Und die Erkenntnis, dass wir von den Leuten erst mal genug in Österreich haben und versuchen sollten vorerst dieses Problem zu lösen.

    Und es ist ein echtes Problem. Ein Problem, unter dem viele Österreicher leiden. Und ein Problem, das leider von Politikern, Journalisten, Intellektuellen oft weggewischt wird. Und oft genug werden die Menschen, die sich beklagen in einer Arroganten Art und Weise zu Ausländerfeinden erklärt. Genau so wie in diesem Blog-Eintrag: Rassisten, die Angst vor Menschen mit dunklerer Hautfarbe haben sind es – nichts weiter. Interessanterweise sind es dann meist genau die Politiker, Journalisten und Intellektuellen, die sich dann wundern, warum so viele Menschen FPÖ wählen.

    Und jetzt lies mal das da durch (ist zwar von Berlin, wird in Wien aber z.T. nicht viel anders sein):
    http://www.zitty.de/magazin-berlin/63190/

    Und jetzt sag mir, dass die Eltern dieser Kinder in dem Artikel ja nur Angst vor Menschen mit dunklerer Hautfarbe haben.

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    !!! | 19. September 2010 | 13:25
    Andreas Sator sagt:

    Natürlich gibt es Probleme, das streite ich auch nicht ab. Trotzdem ist der Umgang mit der Thematik vollkommen falsch, der Zugang unserer Politik ist einfach verkehrt.

    Ich hab jetzt keine Zeit/Lust mir den Artikel durchzulesen, aber kann mir schon vorstellen worums geht. Natürlich existieren Probleme, die müssen angegangen werden. Das man diese erstmal bewältigen muss bevor man weiter massenhafte Zuwanderungen zulässt, ist auch richtig. Ich habe nie etwas anderes behauptet.

    Komisch, woher du denkst, dass ich anderer Meinung wäre. Keine Ahnung, auf was für einer Basis du das begründest. Vorurteile?

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    19. September 2010 | 19:08
    Tom Schaffer sagt:


    Das man diese erstmal bewältigen muss bevor man weiter massenhafte Zuwanderungen zulässt, ist auch richtig.

    Das Wort “weiter” ist irreführend. Es sagt, dass es bisher sowas gegeben hat und in Zukunft auch wieder geben soll. Es gibt aber keine “massenhafte” Zuwanderung und wird sie auch in absehbarer Zukunft nicht geben. Dass manche Stadtteile sehr “ausländisch” sind und dort die bekannten Probleme auftauchen, ist ein Agglomerationsphänomen, kein Resultat einer Massenzuwanderung.

    Dashalb ist das Beispiel von Michael auch so schlecht. Es pickt die Problembezirke raus und Micael tut ein bisserl so, als wäre das fast flächendeckend so. In Detuschland gibts rund 40.000 Schulen und es jetzt wohl in ein paar hundert dieser Schulen der Fall, aber eben absolut nicht die Normalität, dass in den Klassen nur eine Minderheit an Menschen ohne Migrationshintergrund sitzt.

    Dass 71% der Menschen also Muslimen nicht zutraut, sich in die westliche Wertegemeinschaft zu integrieren, hat primär nichts mit der Wirklichkeit zu tun, sondern ist ein schlichtes Vorurteil.

    Dieses wird teilweise von schlechten realen Erfahrungen gefüttert, aber es entspricht trotzdem nicht der objektiven Wahrheit. Wenn 71% der Österreicher denken, dass Migranten aus islamisch geprägtenLändern „mit den westlichen Vorstellungen von Demokratie, Freiheit und Toleranz nicht vereinbar“ sind, dann ignorieren sie die vielen Realbeispiele die das Gegenteil längst beweisen und denken vielleicht an die wenigen Realbeispiele, die ihre Vermutung nähren.

    (Ganz abgesehen davon, dass ich vermutlich problemlos 50 (unverzerrte) Studie erstellen könnte, die beweisen, dass die 71% großteils selbst überhaupt keine Ahnung von “den westlichen Vorstellungen von Demokratie, Freiheit und Toleranz” haben)

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    19. September 2010 | 19:49
    Michael sagt:

    @Andreas: Ich begründe das auf dem “Wer bist denn du, dunkler Typ”, das Du geschrieben hast. Das kommt mir Arrogant vor – so als wenn Du Menschen, die Probleme mit Migranten haben einfach mal präventiv als Rassisten, die sich vor “dunklen Typen” fürchten abstempelst. Es kann sein, dass ich mich da irre – aber wenn Du z.B. mal in die Politik einsteigen willst, dann hätten sich nach diesem Satz schon zumindest 71% der Österreicher abgewendet. Die, die dann den Strache wählen, weil der das Problem zumindest ernst nimmt und sie nicht auch noch beleidigt.

    @Tom, @Andreas: Natürlich ist der Zugang falsch. Es ist auch falsch nur den Islam dafür verantwortlich zu machen (obwohl der sicher nicht ganz unschuldig ist). Ich glaube ich habe eh schon mal in diesem Blog geschrieben, dass es in den USA eine Schicht von türkischen Einwanderern gibt, die zur Elite der Gesellschaft gehören. Das ändert aber nichts daran, dass es die Probleme bei uns gibt. Und Menschen, die unter diesen Problemen zu leiden haben wollen, dass sie gelöst werden. Wenn nun die, die Probleme aufzeigen und die Lösungen dafür anbieten – wie z.B. Sarrazin, Strache, Fekter, usw. laufend nur als Rassisten und Unmenschen beschimpft werden, ohne überzeugende (!) alternative Lösungen anbieten zu können, dann muss man sich nachher überhaupt nicht wundern.

    Es ist natürlich richtig, dass diese Schulen, in denen es >90% Migrantenanteil gibt die absoluten Ausnahmen sind. Aber es braucht nicht 90% Migrantenanteil in einer Klasse, um Probleme zu verursachen. Es genügen schon ganz wenige Problemschüler – die natürlich nicht notwendigerweise Migrantenkinder sein müssen, es dann aber meistens doch sind.

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    !!! | 19. September 2010 | 21:31
    metepsilonema sagt:

    Lieber Andreas, ich muss dieter in der Sache zustimmen: Dein Artikel kratzt bestenfalls an der Oberfläche, auch wenn er sicherlich gut gemeint ist – das aber bitte nicht als Vorwurf missverstehen.

    Ich greife einen Punkt heraus, die Erfahrung von Fremdheit (die nichts mit Bequemlichkeit auf der Couch zu tun hat): Wer sie einmal gemacht hat, weiß, dass man sie nicht einfach wegwischen und zur Tagesordnung übergehen kann; wer erfahren hat wie sehr der Fremde (also derjenige der sich jeder Definition entzieht; der ganz Andere) das Ich verstößt und in Frage stellt, wird verstehen, warum so viele mit Abwehr reagieren (das hat nichts mit Rassismus zu tun, sondern ist eine Reaktion auf eine empfundene Bedrohung). Viele in unserer Gesellschaft – und es ist wichtig, dass das Zuwanderer und Staatsbürger gleichermaßen betrifft – machen diese emotional sehr tiefgehende Erfahrung, täglich, und handeln danach; die Erfahrung ist da, sie entzieht sich jeder moralischen Bewertung, und ist nicht steuerbar – steuern können wir nur unsere Reaktion darauf, aber das braucht Behutsamkeit, Reflexionsvermögen, und Zeit.
    Die kollektiven Identitäten werden deshalb wieder bedeutsam, weil sie das ins Schwanken geratene Ich stützen: Islam und Christentum bilden einen Schutzwall und binden die Gleichen nach außen hin zusammen: Die Zuwanderer verteidigen sich gegen die sie abstoßende, fremde Gesellschaft, und die Staatsbürger gegen die Fremden, die in ihr Land strömen. Kultur, Identität und Religion spielen deshalb eine entscheidende Rolle, eine größere mitunter als in den Herkunftsgesellschaften oder vor der Einwanderung – darum lassen sich diese Konflikte nicht einfach auf Sozialität reduzieren.

    Ich halte dieses Problem für zentral; man muss es lösen, aber das wird nicht von heute auf morgen gelingen. Und es bleibt vieles andere.

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    !!! | 19. September 2010 | 22:07
    Andreas Sator sagt:

    @metepsilonema:

    Da widersprech ich dir gar nicht. Ich habe oben auch nicht geschrieben, dass der soziale Hintergrund Ursache des Konflikts zwischen Aus- und Inländern ist, sondern Ursache dessen, dass Ausländer relativ krimineller, ungebildeter… sind. Und viele Inländer stufen dann jeden Ausländer als kriminell und ungebildet ein. Das ist das von mir geschilderte Problem.

    Die steigende Bedeutsamkeit “kollektiver Identitäten” bestreite ich auch nicht. Bitte mir nicht ständig irgendwas in den Mund legen, was ich so nicht gesagt/geschrieben habe. Mein Artikel mag nur an der Oberfläche kratzen. Das ändert nichts an der Richtigkeit der von mir geschilderten Tatbestände. Und bitte nicht erwarten, dass ich in der Stunde, die ich für den Beitrag aufgewendet habe, eine umfassende Forschung zum Thema betreiben kann. Ich habe einen für mich zentralen Punkt herausgepickt.

    LG

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    19. September 2010 | 23:41
    metepsilonema sagt:

    Naja, in Deinem obigen Kommentar steht immerhin, dass identitäre Faktoren eine Frage von Sozialität wären – und ich habe es Dir auch nicht vorgehalten… mein Kommentar ist der Versuch etwas zu ergänzen, und zur Diskussion beizutragen, falls er misslungen ist, nun gut.

    Bestimmte Dinge und Themen brauchen ihre Zeit, Schnelligkeit ist oft kein gutes Kriterium, es zwingt Dich doch niemand zur Eile, oder?

    Es ist oft nicht weiter schlimm, wenn man Fehler macht… verstehe aber bitte, dass diejenigen, die hier lesen, und Zeit in Kommentare stecken, das auch ansprechen, es meint, wie schon gesagt, niemand böse.

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    !!! | 20. September 2010 | 01:54
    Martin Schimak sagt:

    Es ist in den Kommentaren im Grunde vieles gesagt worden, was man sagen muss, insb. der Comment von metepsilonema gefällt mir. Der Beitrag kratzt leider tatsächlich nur an der Oberfläche. Ich wohne selbst seit sieben Jahren in einem Viertel des 20. Wiener Bezirks mit starkem türkischstämmigen Anteil. Die Erfahrungen sind unterm Strich nicht wirklich gut – bei wie ich glaube besten Vorsätzen und Absichten meinerseits. Schon die stinknormale Nachbarschaftsbeziehung im Haus, die ich mir irgendwo erwarten würde – man sieht einander zumeist freundlich an, grüsst, wechselt vielleicht mal ein paar Worte – stellt extrem hohe Anforderungen an einen, wenn man um bis zu diesem Punkt zu kommen in meinem Fall rund 5 Jahre hartnäckige, einseitige Freundlichkeit aufbringen muss. In den ersten Jahren wurde regelrecht “durch mich hindurch” geblickt. Nicht wirklich bös, aber so als wär ich einfach nicht da. Jetzt nach rund sieben Jahren hat es sich doch etwas gebessert, allerdings kann ich immer noch nicht sagen, dass die Begegnung wirklich angenehm ist. Der Gesamteindruck ist – leider – man will keinen Kontakt.

    Diese Erfahrung hat mich, der ich früher glaub ich auf einem ähnlichen Standpunkt war wie Du (alles geht, wenn man will) doch stark zum Nachdenken gebracht.

    Jetzt kann man sagen, die fühlen sich nicht angenommen oder auch sozial unterlegen und agieren entsprechend. Da wird was dran sein. Und dann steht dem aber gegenüber, dass ich diese vom Gegenüber kommende Haltung des “Ich will Dich nicht kennenlernen” bei anderen Migrantengruppen, zB aus dem Bereich Balkan oder Osteuropa kommend bei ähnlichem sozialen Hintergrund überhaupt nicht so erfahre. Ich bleibe also etwas ratlos zurück – andere schimpfen. Ich verstehs heut besser – auch wenn ich es weiterhin ablehne so zu reagieren. Denn es bringt uns ja keinen Zentimeter weiter.

    Ein paar offene Worte aus der Praxis auch zum Thema Schulen: einen zu hohen Anteil an Moslems in der Gruppe – sagen wir ab 50% – würde ich für meine Töchter nicht wollen – und nehme (nicht nur deshalb, aber auch deshalb) ein paar Stationen U-Bahn fahren in Kauf. Mir gehts dabei nicht um die “Fremden”, die Ethnizität, nicht einmal um die Sprache, das ist alles managebar, sondern Sorgen macht mir die doch deutlich stärkere Religiosität der Leute. Ich würde meine Töchter auch nicht dem katholischen Gedankengebäude einseitig ausliefern, und möchte eben auch nicht, dass aus dem Koran abgeleitete Weisheiten das Klassenzimmer zu dominieren beginnen.

    Die Schule in die meine ältere Tochter nun geht ist ziemlich bunt gemischt und überhaupt gut – und ich glaube sie lernt auch durch den Kontakt mit unterschiedlichsten Kulturen, Sprachhintergründen und Religionen enorm viel…

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    !!! | 22. September 2010 | 15:02
    Martin Schimak sagt:

    @Michael: habe gerade den von Dir verlinkten Artikel gelesen – nach meinem Statement…! Es ist in unserer Gegend glaub ich nicht so krass, aber mein Comment zeigt schon die Parallelen. Gerade an den Schulen wird die mangelnde Durchmischung durch die unterschiedlichen Geburtenraten eben entsprechend stärker. Und ein Kind, das dann sagt “Ich glaube nicht an Gott” ist sicher recht schnell im Eck.

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    !!! | 22. September 2010 | 15:31
    dieter sagt:

    @Martin:
    Ich wir lange Zeit mit einem säkularen Türken eng befreundet. Ich war oft bei seiner Familie zu Gast. Einmal waren ein paar Bärtige da, die Spenden für die Gemeinde sammeln wollten. Wie mir später erklärt wurde, hatten sich die Bärtigen darüber echauffiert, dass die Familie einen Ungläubigen wie mich bewirtschaften würden. Das sei eine Sünde.

    Vielleicht meinen es die Türken in deinem Haus nicht unbedingt nicht persönlich, sondern fürchten die Strafe Gottes, wenn sie sich dir annähern würden.

    @Michael:
    ” ——- ”
    Durch den Kontakt zu weiteren Migranten weiß ich mittlerweile, dass es – auch als Erwachsener, neben dem Beruf – möglich ist, innerhalb von einem Jahr ein ausgezeichnetes Deutsch zu erlernen.

    Für die Leute, die das nicht schaffen, die semilinguale Kinder hervorbringen, usw. hab ich deswegen in erster Linie Unverständnis übrig.
    ” ——- ”

    Spracherwerb ist auch eine Begabungsfrage. Ich habe dafür Verständnis.
    In meiner Verwandtschaft gibt es ein ambitioniertes, Grün wählendes Lehrerpärchen, wie es im Buche steht. Sie hatten für ihre Adoptivtochter große Pläne. Sie sollte schon vom Kindergarten an Fremdsprachen lernen. Daraus wurde nichts. Die Tochter hat schon enorme Probleme dem regulären Unterricht zu folgen, trotz intensiver Betreuung der elterlichen Pädagogen.

    Umso stärker sind Eltern der ewigen ersten Generation (durch Importehe) überfordert.

    @Andreas:
    Nochmal, die Hypothese von zunehmender Sympathie durch Kennenlernen war früher die allgemein vorherrschende. Ich glaubte selbst daran. Das Problem damit ist, dass die andere Seite der Medaille übersehen wird und somit eine Hälfte der Menschenkenntnis ausgeblendet wird.

    Wenn sich zwei Geschiedene bekriegen, dann hat das nicht damit zu tun, dass sie sich zu wenig, sondern zu sehr kennen. Verbitterten Streit und Antipathie gibt es zwischen Nachbarn, Arbeitskollegen, Brüdern usw. und selten zwischen Unbekannten.

    Nähe kann Sympathie als auch Antipathie fördern.

    Mittlerweile ist es doch offensichtlich, dass mit zunehmendem Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in Europa das Potential für rechtspopulistische Parteien enorm zunimmt und nicht, wie man früher hoffte, abnimmt. Mehr noch, der gesamte politische Diskurs hat sich verschoben und die Volksparteien nehmen den Rechtspopulisten zuweilen mittlerweile den Wind aus den Segeln.

    Leider verschiebt sich der Diskurs nicht unbedingt zum Besseren. Diejenigen, die früher die Problematiken abstritten und später Hetzern und ungebildeten Inländern die Schuld zuwiesen, geben nun den Ausländern die Schuld, die aufgrund der Anreizstruktur angelockt wurden, bzw. den Multikulturalisten (zu denen sich nachträglich niemand selber zurechnen will). Selbst Daniel Cohn-Bendit meinte neulich in einem Spiegel-Interview, dass er ja schon immer gemeint habe, dass Multikulturalismus zu Konflikten führe und dass die anderen (nicht er) bei den Grünen naiv gewesen wären.

    Ich glaube, dass die Reaktion auf Sarrazin auch deshalb so hysterisch ist, weil es bei ihm keine klaren Schuldigen gibt. Die Identifikation von Prügelknaben hat nämlich etwas Beruhigendes, weil man meint, dass sich durch das Einprügeln auf selbige die Situation in Wohlgefallen auflösen würde.

    Ich halte daher auch nichts von dem allgemeinen Grün-Bashing, das heute allgegenwärtig ist. Sicher, die Grünen sind häufig die Avantgarde der Naivität, aber sie waren nie an der Macht (auch in .de nur kurz und als Juniorpartner). Cohn-Bendit rief den bezeichnenden Satz “Liebe Ausländer, lasst uns mit diesen Deutschen nicht allein.” in Erinnerung. Multikulturalismus war im wesentlichen ein unilaterales Romantisierungs- und Verklärungsprojekt linker Bildungsbürger.

    Die Etablierung von Parallelgesellschaften erwächst nicht aus solchen zeitgeistigen Spinnereien, sondern ist durch das natürliche Bedürfnis der Zuwanderer, ihre eigene Identität bewahren zu wollen, erklärbar.

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    !!! | 22. September 2010 | 21:54
    Martin Schimak sagt:

    @Dieter Ist meine vorläufige These auch, dass den Leuten ihre Religiosität im Weg steht. Ich kann ausschliessen, dass es an mir liegt. Und bin ebenfalls mit mehreren säkularen urspr. türkischen Österreichern befreundet, mit einem Ehepaar sogar richtig eng.

    Wir haben allerdings selbst immer noch eine Kultur der Förderung der religiösen Weltanschauung. Werden uns dementsprechend schwer tun, von Einwanderern irgendeine Entwicklung in Richtung Säkularität zu erwarten.

    Und ein Wort noch zu den “Parallelgesellschaften”: ich habe mit diesen im Grunde kein Problem. Wenn ich da wohne wo ich wohne, dann tue ich das freiwillig. (Wenn ich in Manhattan China Town wohne, sollte ich mich auch nicht beschweren, dass es so ist wie es ist). Etliche gerade auch durch Türken geprägte Aspekte des Viertels gefallen mir, zB die Tendenz zu wirtschaftlicher Selbständigkeit, dh Kleinunternehmertum auf Märkten und Geschäften. Da sehe ich mehr Initiative als bei den Österreichern und man ist auch als Altösterreicher immer gerne als Kunde gesehen. ;-)

    Das ändert aber eben auch nichts daran, dass man zB in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen (viel) mehr tun muss, um das Auskommen für alle gedeihlich zu gestalten… die Ablehnung von (für mich) überzogener Religiosität ist keine Islamophobie.

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    !!! | 23. September 2010 | 09:13
    metepsilonema sagt:

    @Martin
    Parallelgesellschaften sind ein Problem, wenn sie entstehen (und warum entstehen sie sonst?), weil man der Rest der Gesellschaft ablehnt oder von ihr abgelehnt wird – es gibt dann eigentlich kein Gemeinwesen, das beide zusammen prägen. Ich finde das schon bedenklich, wozu lebt man sonst gemeinsam in einem Staat, wenn das Gemeinwohl (das das Gemeinwesen inkludiert) nichts mehr gilt, wenn man sich für einander nicht mehr interessiert?

    Bezüglich Religion: Nicht die Religion, sondern das Verständnis von Religion, ihr Anspruch, ist das Problem (das meintest Du wahrscheinlich mit überzogener Religiosität). Aus Interesse: Kennst Du zur Korrelation von Religiosität und Integrationsproblemen irgendwelche Statistiken, oder ist das Deine persönliche Einschätzung?
    Ich habe unlängst den Film Bal gesehen, und mich danach gefragt, was tun kann, wenn sich Menschen, die jahrelang ein bestimmtes Leben gewohnt sind oder waren, ändern müssen (also wie man sie unterstützen kann)? Einsicht kann man nicht erzwingen, es bedarf wahrscheinlich zahlreicher persönlicher Beziehungen und Kontakte – das braucht wieder Zeit, Geduld, usw. Zu starke Einwanderung kann sich darauf mitunter negativ auswirken, auch hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Alles furchtbar schwierig…

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    !!! | 29. September 2010 | 22:43
    Martin Schimak sagt:

    @metepsilonema “Korrelation von Religiosität und Integrationsproblemen”

    Es ist sogar weniger als meine persönliche Einschätzung. Ich kann nichtmal aufgrund persönlicher Einschätzung sagen, dass es da eine “Korrelation” gibt, ich habe nur den Eindruck, dass eine bestimmte Art starker Religiosität, die damit einhergeht dem Nichtreligiösen mit starkem Befremden und grosser Skepsis gegenüberzustehen, der Grund für meine persönlichen Erlebnisse sein dürfte.

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    !!! | 29. September 2010 | 23:13
    metepsilonema sagt:

    Es ist ja durchaus plausibel (ich frage mich gerade nur, ob eine z.B. sehr starke ethnische Identität den selben Effekt haben könnte).

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    !!! | 29. September 2010 | 23:30

    Jetzt sag doch was!

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