Blog - Kolumnen - An jedem verdammten Wochentag

Lesezeit:

1.6

Minuten

27/09/10

POLITIK: kaum Überraschendes aus der Steiermark, Thronfolgersuche in der ÖVP OÖ, der Finanzminister weiß nicht so recht – GESELLSCHAFT: Wie aus Neonazis Juden wurden, die digitale Patientendatenbank – MEDIEN: ORF gibt die “Schauplatz”-Bänder nicht her, Journalistengewerkschaft plant Unterschriftenaktion – WEB 2.0: Zweite Instanz beim Pirate Bay-Verfahren, das Zeitalter der Cyberkriege – TECHNIK: der iPod nano 6G – eine Enttäuschung?

POLITIK

Die SPÖ bleibt in der Steiermark auf Platz 1, mehr oder weniger knapp vor einer geschlagenen ÖVP. Die “Moschee baba”-FPÖ verdoppelt sich, die Grünen gewinnen zu. Die KPÖ verliert und das BZÖ gewinnt dazu, verliert aber trotzdem, nämlich an Bedeutung. War das wirklich so überraschend? (Kleine Zeitung)

In Oberösterreich hat Landesrat Josef Stockinger den Hut genommen und zieht sich in die Privatwirtschaft zurück. Die Volkspartei sucht einen neuen Thronfolger. Denn Stockinger war schon lange ein Geheimtipp, wenn es um den Nachfolger für den amtierenden Landeshauptmann Josef Pühringer ging. Die Stelle als Agrarlandesrat bekommt wenig überraschend ein Bauernbündler. (Die Presse)

Weil die Prognosen überraschend gut sind, traute sich Finanzminister Josef Pröll davon zu sprechen, sich die Idee mit den neuen Steuern noch einmal zu überlegen. Jetzt meint er, dass die Steuererhöhung womöglich geringer ausfallen könnte und das Hauptaugenmerk auf das Sparen gelegt werde. (Der Standard)

GESELLSCHAFT

Schön blöd, wenn man in der Warschauer Neonazi-Bewegung ist, und plötzlich erfährt, dass man selbst jüdisch ist. So geschehen ist es Pawel und Ola, die in einer CNN-Dokumentation ihren Wandel zeigen. Wenigstens sieht man, dass die beiden schlussendlich doch den richtigen Weg eingeschlagen haben. (AOL News)

Das Megaprojekt E-Health sieht vor, eine riesige Datenbank aus Patienteninformationen aufzubauen. Diese Digitalisierung hat natürlich ihre Vorteile, doch Fragen um den Datenschutz stehen trotzdem noch im Raum. (Die Presse)

MEDIEN

Und doch nicht: Der ORF weigert sich nun, die restlichen Aufnahmen zur Skinhead-”Am Schauplatz”-Doku der Staatsanwaltschaft zu übergeben. Sie wollen das Redaktionsgeheimnis wahren und warten, ob sich die Politik einschaltet und ebendiese stärken wird. (Die Presse)

Noch einmal das Redaktionsgeheimnis: die Journalistengewerkschaft plant eine Unterschriftenaktion zu diesem Thema. Auch sie fordern (natürlich) eine Stärkung des Geheimnisses und kämpfen gegen die Kriminalisierung einiger Journalisten an. (Der Standard)

WEB 2.0

Pirate Bay, eine der Anlaufstellen für Torrent-Suchende, wird immer noch von 20 Millionen regelmäßigen Usern besucht. Am Dienstag prüft nun ein schwedisches Gericht, ob die Verurteilung der vier Pirate-Bay-Gründer Bestand hat. (taz.de)

Nachdem ein Virus die Industrieanlagen des Irans lahmlegte, ist es soweit: man spricht vom Cyberkrieg. Durch gezielte Angriffe kann man nun also die Infrastruktur einer Region lahmlegen. Spannend wird: wer gewinnt das Wettrüsten im Cyberkrieg? Wann kommt der erste Cyberterrorismusanschlag? (Kurier)

TECHNIK

Dass eine neue Generation nicht immer Fortschritt bringt, zeigt die sechste Generation des iPod nano: zwar steuert man ihn nur mehr über den Touchscreen, dafür kann man nun keine Videos mehr abspielen und außerdem fehlt auch die, in der fünften Generation eingeführten, Kamera. (Der Standard)

Hat dir der Eintrag gefallen? Hilf ihn zu verbreiten!
 
| 27. September 2010

Eine Reaktion bisher

    phom sagt:

    Sie können annehmen, dass niemand aus Gutmütigkeit oder um die Patientenversorgung zu verbessern ein Projekt E-Health, elektronische Gesundheit, einführt. Dahinter steckt das finanzielle Interesse, das Gesundheitssystem um jeden Preis effizienter zu gestalten, sprich: Kostenfaktoren zu eliminieren. Die Kontrollbedürfnisse der Effizienzsteigerer werden durch die neu geschaffenen Listen und Register bestens bedient, es lassen sich etwa Fragen zur Medikationshäufung bei bestimmten Ärzten durch geeignete Programme klären. Arbeitet ein Arzt nicht effizient, kann man ihm doch Knüppel zwischen die Beine werfen, so lange bis er sich beugt, nicht wahr?

    Der Patient selbst wird einem undurchschaubaren System ausgesetzt, in dem per Standard womöglich jeder, der ein begründetes Interesse an seinen Daten hat (also Apotheken, Pharmafirmen, öffentliche und private Krankenversicherungen, …), darauf zugreifen darf und kann. Der Patient soll sich aber in ein Widerspruchsregister eintragen können, um einzelnen Stellen den Zugriff auf seine Daten zu verweigern. Da gemeinhin nur der nicht alles von sich preis gibt, der etwas zu verbergen hat, könnte man doch gezielt all jene genauer unter die Lupe nehmen, die gewissen Stellen den Zugriff auf ihre Daten versagen, oder nicht? Die unbedingte Vernetzung ermöglicht dies und das Prinzip der Effizienzsteigerung bedingt dies. Von einer Schweigepflicht spricht zu diesem Zeitpunkt niemand mehr. Gewaltige Vertrauenseinbußen werden zwischen Arzt und Patient entstehen, wenn der Patient nicht mehr weiß, wer aller mit seinen sensiblen medizinischen Daten hausieren geht und in irgendeiner Weise Zugriff darauf hat. Die Patientengeschichten werden lückenhaft, unliebsames könnte verschwiegen werden und spätestens dann ist es absurd davon zu sprechen, der Patient könnte in irgendeiner Art und Weise von diesem glorifizierten Schwachsinn profitieren. Man bastelt an einer letztklassigen Automaten- und Registermedizin, bei der man darauf vertraut, dass die in den Registern enthaltenen Informationen a) korrekt und b) vollständig sind. Das ist aber in einem derart vernetzten und umfangreichen System illusorisch. Wer sich mit derart esoterischen Heilsversprechen der unbedarften Menge andient, betreibt eine Verdummbeteulung der übelsten Sorte.

    In der Machbarkeitsstudie dazu heißt es übrigens, dass dieses Projekt in Bezug auf die strengen Datenschutzgesetze in Österreich nicht umsetzbar ist (http://www.unwatched.org/node/571).

    Like! Thumb up 0

    !!! | 27. September 2010 | 08:38

Jetzt sag doch was!

Registrierte UserInnen surfen hier ohne Werbung!