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First things first: Lernt Deutsch!
Die Ergebnisse der PISA-Studie alarmieren: Immer weniger 15-jährige in Österreich können ausreichend lesen. Yilmaz Gülüm schreibt bereits von der Bedrohung des geschriebenen Wortes. Die Kurzform seines lesenswerten Textes: Da immer weniger Menschen lesen können, bewirkt Journalismus auch immer weniger. Yilmaz sorgt sich, dass viele unerreichbar werden.
Luca Hammer meint, wenn er einen Absatz dreimal lesen muss um ihn zu verstehen, dann hat der Autor versagt. Er hat damit recht. Ist dann aber “Heute” [Anm.: Gratis U-Bahn-Zeitung in Wien] der neue Qualitätsmaßstab, an dem unsere Artikel gemessen werden?
Luca widerspricht. Nicht “Heute” wäre das richtige Modell: “Auf Twitter gibt es viele Menschen, die sehr gut sind, die Aussagen von Artikeln in einen Satz zu packen.” Er hat schon wieder recht. Verständlichkeit ist nicht unbedingt dasselbe wie inhaltliche Vereinfachung und Verkürzung. Blogger und Journalistinnen, Autorinnen und Publizisten müssen das lernen.
Was ist gutes Deutsch? Jedenfalls nicht das, was wir an unseren Schulen lernen. Wir lernen Grundlagen und Regeln der Sprache, aber keinen guten Stil – und damit auch keine verständliche Schreibweise.
Für eine gute Note bei der Deutsch-Matura darf man keine Fehler machen, muss aber nicht gut Deutsch können. Du kannst den grausigsten Schachtelsatz mit den unnötigsten Fremdwörtern reinschwurbeln. Solange du keinen formalen Fehler machst, klappt das “Sehr Gut”. Vergiss eine der hunderten Ausnahmen der deutschen Sprache und du wirst geprügelt. Vergewaltige den Sinn der Sprache (verständlichen Austausch von Wissen) und es bleibt ohne Folgen.
Unsere Sprache ist schwierig. Mark Twain schrieb einmal: “Wer niemals Deutsch gelernt hat, kann sich keine Vorstellung davon machen, wie verzwickt diese Sprache ist.” Ein andermal meinte er: “Wenn der deutsche Schriftsteller in einen Satz taucht, hat man ihn die längste Zeit gesehen; bis er auf der anderen Seite seines Atlantiks wieder hervorkommt mit seinem Verbum im Mund.” Und zum Drüberstreuen: “Einige deutsche Wörter sind so lang, dass sie eine Perspektive haben“. Lange Rede, kurzer Sinn. Nicht nur Grammatik, auch verständliches Schreiben will gelernt sein.
Ich verrate euch ein kleines Nicht-Geheimnis: Bis heute habe ich kein Interesse daran, Grammatik zu lernen. Fragt mich, was das “Plusquamperfekt” ist, und mich schleudert es immer noch wie einen Erstklassler. Ich kann es anwenden, aber es war mir immer zu blöd, mir diesen Namen zu merken.
Ist das optimal? Nein. Doch trotz meiner Ignoranz gegenüber der “Vorvergangenheit” und einer allgemeinen Grammatik-Lernfaulheit: Immer steckten die MitschülerInnen mir ihre Schularbeiten zu, damit ich sie vor der Abgabe noch korrigierte. Auf meiner Maturaarbeit stand: “Man beachte den geschliffenen Stil”. Mein Stil war damals reiner Müll, aber das wurde mir erst später klar.
Natürlich sind mir die Regeln der Sprache nicht komplett fremd. Das wäre gelogen. Aber mein Verständnis für (alle) Sprachen speiste sich schon immer mehr aus einem Gefühl. Das wurde mir nicht in die Wiege gelegt, sondern erarbeitet. Ich konnte schon früh sprechen, lange vor der Einschulung schreiben und lesen. Und ich las auch immer gerne. Lesen ist geil. Wenn dir bei einem spannenden Buch das Herz bis zum Hals klopft, weißt du, dass “Abenteuer im Kopf” eine Untertreibung ist.
Computerspiele und Fernsehen mögen für Jugendliche (und ihre Vorbilder) attraktive Alternativen zu jenen Büchern sein, die man Ihnen aufzwingen möchte. Aber darüber zu schimpfen, wäre reaktionär und sinnlos. Es ist wichtiger, sich Gedanken darüber zu machen, welche Texte einem Kind Spaß machen könnten.
Irgendwann nach meiner schmeichelhaften Maturabewertung empfohl mir ein Bekannter ein Buch von Wolf Schneider. Der Untertitel war “Wege zum guten Stil“. Ich wehrte mich hysterisch gegen die Idee, den Schrott zu ändern, den ich für meinen “individuellen Stil” hielt. Am Ende las ich es doch. Heute denke ich, niemand sollte publizieren dürfen, der “Deutsch für Profis (8,95€, 288 unterhaltsame Seiten)” nicht gelesen hat. Man sollte es immer wieder lesen. (Ja, ja. Ich auch.)
Dann kam ich an die Uni. Die größte Strafe ist es, einen deutschen akademischen Text zu lesen. WissenschaftlerInnen pflegen keinen Stil in ihrer Sprache. Verständlichkeit scheint sogar eher unerwünscht als das Ziel zu sein.
Wo auch immer man ein eingängiges Wort durch eine lateinische Phrase, abstraktes Konzept oder ein sonstiges silbenreiches Fremdwort ersetzen kann, wird ein deutschsprachiger Wissenschaftler das auch tun. Wo auch immer ein Verb mit Verständlichkeit droht, macht eine hiesige Akademikerin ein umständliches Hauptwort daraus. Wissenschaftler in unseren Breitengraden sind eine besondere Form des funktionalen Analphabeten.
Das wird auch den Studierenden aufgezwungen. Wer nicht schon durch die Lektüre verdirbt, dem geben die Aufgaben den Rest. Die lauten nicht: “Schreib eine Arbeit die XY erklärt”. Sie lauten: “Schreibe 15 Seiten zu XY”. Als jemand, der “sehr gut ist, die Aussagen von Artikeln in einen Satz zu packen”, will ich nicht die dreifache Arbeit leisten. Ich bin faul. Was bleibt mir bleibt mir da anderes, als Dinge immer wieder zu wiederholen, Füllwörter an allen Ecken und Enden zu verwenden und zu schwafeln, als würde mit dem Ende eines Satzes mein Leben enden?
Doch wir alle werden alltäglich mit miesem Deutsch zugemüllt – nicht nur auf der Uni. Unsere Medien sind voll davon. Die meisten JournalistInnen haben nicht die Zeit, besonders auf den Stil zu achten. Die Welt legt ihnen auch genügend Steine in den Weg. Versucht mal einen sexy Nachrichtentext über Politik zu verfassen, wenn dort Phrasen erfunden werden wie “Kompetenzzentren für aufenthaltsbeendende Maßnahmen”; oder wenn in “Finanzausgleichsverhandlungen” eine “bedarfsorientierte Mindestsicherung” geschaffen wird, für “sozial Schwache” bei denen “arbeitsbeschaffende Maßnahmen” nicht funktionieren. Und das unter Zeitdruck – und am besten gegendert!
Wir müssen eingestehen, dass unser alltägliches Lesematerial oft ein Verbrechen gegen die Lesbarkeit ist. Wir Autoren und Autorinnen jeder Art stehen in der Küche des Geschriebenen. Wer dem Nachwuchs nur verkochten Spinat serviert, darf sich nicht beschweren, wenn der lieber bei McDonald’s isst und fett wird.
Wenn schon wir kein Deutsch können, gibt die Sprache den Löffel ab.
Wissenswertes:
Die Deutsche Presseagentur hält Sätze mit neun Wörtern für “optimal verständlich”. 20 sind die Obergrenze des Erwünschten, 30 des Erlaubten. Etwa die Hälfte der Sätze in der BILD haben vier Wörter oder weniger. Auch ein Satz mit wenigen Worten kann schrecklich formuliert sein. Ein Text mit ausschließlich kurzen Sätzen ist einschläfernd Das Plusquamperfekt ist die Vorvergangenheit. Es sollte laut Wolf Schneider nur sparsam eingesetzt werden. Dasselbe gilt für das Passiv. Schachtelsätze sind das Werk des Teufels – und fast immer vermeidbar. Eine der schwierigsten aber wichtigsten Fertigkeiten beim Schreiben ist, am Ende alles wegzukürzen, was nicht wirklich zum Thema passt. Computerspiele sind gar nicht böse.
Fotocredits: So gesehen, CC2.0 BY-NC-SA
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29 Reaktionen bisher
Und mir dreht es jedes Mal wieder den Magen um, wenn irgendwer, egal ob Politiker oder Journalistin “so schnell als möglich” sagt oder schreibt. Pfui Teufel!
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!!! | 16. December 2010 | 11:40
bei so viele induktionen dreht es mir den Magen um.
Aufgrund seiner eigenen Deutsch Matura (wie und wann ma da ein sehr gut bekommen hat) auf das Gesamte Schulsystem zu schließen, find ich so nicht-akademisch…. ganz schlimm!!!
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!!! | 16. December 2010 | 12:48
Um den Wissenschaftern die Ehre zu retten: wenn man sich mit einem Themenbereich eingehend (wissenschaftlich) beschäftigt, bleibt ein gewisser Jargon hängen. Das geht auch mir als “nur” Studentin so. Da wissenschaftliche Publikationen nicht in erster Linie an Laien gerichtet sind, kann man Fachausdrücke in Fachliteratur mehr schlecht als recht kritisieren, zumal Jargons der internen Kommunikation dienen und somit die internationale Verständigung erleichtern (werfe ich einer/m LinguistIn das Wortpaar langue/parole vor die Füße, wird betreffende Person von ihrer Muttersprache unabhängig wissen, was gemeint ist.)
Auch Grammatik und korrekte Rechtschreibung (ich traue mich gar nicht, von Orthographie zu schreiben) dienen der Verständlichkeit des zu Übermittelnden. Schachtelsätze sind wohl kontraproduktiv, doch verwendeten alle 90 Millionen deutsche Muttersprachler unterschiedliche Schreibweisen und ungrammatische Sätze kämen wir auch nicht weiter. Anders als im Chinesischen (in dem die Han-zi, also die Schriftsprache, DAS verbindende sprachliche Element der Bevölkerung ist) verstehen wir zumindest die meisten versprachlichten Varietäten (Dialekte) des Deutschen instinktiv, wenn auch mit mehr Mühe als das “Hochdeutsche”, die Standardsprache.
Vor allem wichtig finde ich, Kinder zum Lesen zu motivieren. Das geht natürlich am besten mit Inhalten, die sie interessieren, darauf sollte auch in der Schule mehr Rücksicht genommen werden.
Es stellt sich die Frage, ob es wichtiger ist, in der Oberstufe Lessings “Nathan der Weise” zu lesen, wenn Literaturgeschichte eigentlich niemanden interessiert (und, zumindest bei mir war es so, auch nicht bei Schularbeiten geprüft wird) oder moderne Literatur (durchaus qualitätsvoll), die mehr mitreißt und somit auch mehr zum Lesen außerhalb der schulischen Pflichtlektüre bringt.
Und die Leser meines Kommentars wissen jetzt auch, dass die chinesischen Schriftzeichen Han-zi genannt werden und haben somit von einem “Fachausdruck” profitiert.
Mit ergebenen Grüßen,
eine Germanistikstudentin mit Studienschwerpunkt (germanistische) Linguistik
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!!! | 16. December 2010 | 13:26
Wer seinen Wolf Schneiderschen Standesdünkel zur Grundlage guten Schreibens macht, ist verlassen! Was denn nun, vertraust du deinem Gefühl (newsflash – Muttersprachler scheinen irgendwie alle eine gewisse Kompetenz in ihrer Sprache zu haben, auch ohne Schulbildung oder gar Wolf Schneider) oder dem Franz Beckenbauer des Journalismus?
Entweder du versuchst mit der Sprache, deinem Publikum verständlich zu sein, oder du hältst dich an “Regeln” die deine Sprache für ein sehr begrenztes Publikum interessant machen. Oder glaubst du ernsthaft, die junge Generation, die Texte in erster Linie am Bildschirm liest, redet auch nur annähernd so, wie selbsternannte Sprachexperten ohne jeglichen Sachverstand in Linguistik es gerne hätten?
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!!! | 16. December 2010 | 13:42
@Anna:
Es geht sicher nicht um die komplette Abschaffung von Fachausdrücken. Ich nehm jetzt mal wahllos ein Buch aus meinem Uni-Regal, schlage eine beliebige Seite auf, zeige auf irgendeine Stelle und zitiere den ersten Satz, der mir unterkommt:
“Daß die Hauptfinanzierungsquellen öffentlicher und privatwirtschaftlicher Medien andere sind, ist bekannt, weit weniger geläufig vielleicht die Antwort auf die Frage, warum Gebühren und Werbung (noch) die Hauptfinanzierungsmöglichkeiten von Rundfunk sind und warum Pay-TV erst jetzt zum rundfunkwirtschaftlichen Hoffnungsträger avanciert.” (ein Text aus einem Einführungsbuch(!) zur Publizistikwissenschaft)
1 Satz, 39 Wörter, einige davon passen kaum in eine Zeile. Vieles davon könnte man streichen ohne einen Funken Information zu verlieren.
Darum gehts! Das ist Antideutsch und völlig unnötig. Es grenzt daran, Information gezielt zu vermeiden. Solche Schreibweisen lassen sich nicht über “Insiderwissen” oder Unvermeidbarkeit erklären. Jemand der sowas schreibt, hat einfach nie eine Sekunde über seine Sprache nachgedacht, publiziert aber beruflich!
Und das ist jetzt wie gesagt ein rein zufällig gewähltes Beispiel. Im Laufe meiner beiden Studien ist mir da wesentlich Schlimmeres untergekommen.
@Erz:
**”Wer seinen Wolf Schneiderschen Standesdünkel zur Grundlage guten Schreibens macht,”…**
Ich hab zwar am Rande mitbekommen, dass der Schneider das Journalistendasein ein bisschen zu sehr verehrt, aber das entwertet keines seiner Argumente zum verständlichen Schreiben. Was das mit einem Standesdünkel zu tun haben soll, wirst du erklären müssen. Hast du jemals eines seiner Stil-Bücher gelesen?
**”Was denn nun, vertraust du deinem Gefühl oder dem Franz Beckenbauer des Journalismus?”**
Ich höre prinzipiell auf das bessere Argument. Es ist mir auch egal, wenn du gewisse “Regeln” von Leuten wie Schneider nicht akzeptierst, weil du sie für schlecht begründet hältst. Ich halte es lediglich für die Aufgabe eines Autors sich mit seinem Werkzeug und dessen Zweck auseinanderzusetzen und den Gebrauch zu optimieren.
**”Entweder du versuchst mit der Sprache, deinem Publikum verständlich zu sein, oder du hältst dich an “Regeln” die deine Sprache für ein sehr begrenztes Publikum interessant machen.”**
Du befolgst die Regeln (die dich überzeugen) um für das Publikum verständlich zu schreiben. Das Entweder-oder ist völlig fehl am Platz.
**”Oder glaubst du ernsthaft, die junge Generation, die Texte in erster Linie am Bildschirm liest, redet auch nur annähernd so, wie selbsternannte Sprachexperten ohne jeglichen Sachverstand in Linguistik es gerne hätten?”**
Es geht um Verständlichkeit, nicht den Duktus. Wie die Leute frei sprechen ist sicher kein Maßstab für gutes Deutsch – egal ob jung oder alt.
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16. December 2010 | 17:35
“Wie die Leute frei sprechen ist kein Maßstab:” Es ist der einzige Maßstab. Und, Ironie der Geschichte, der Maßstab an dem Wolf Schneider sich doch angeblich orientiert, schließlich verehrt er Luther für dessen kraftvolles, einfaches Deutsch und dessen Diktum vom aufs Maul schauen. Er hält sich nur nicht an diesen Maßstab, weil der einzige Maßstab für gutes Deutsch nach Schneider Wolf Schneider ist.
Es ist natürlich ein entweder-oder, wenn du kein begrenztes Publikum von Sprachpuristen oder vielmehr Leuten, die wissen was “richtiges” Deutsch ist, ansprechen willst, sondern eben jenes Volk, dem es sich doch sonst so geziemt aufs Maul zu schauen. Verständlich ist denen eben nicht die Regel, die der Methusalem Schneider als Hochform seiner Muttersprache vor ungefähr 127 Jahren erworben hat, sondern das grammatikalische Urteil, was Muttersprachler heute erwerben.
Um jetzt mal den armen Wolf Schneider aus der Schusslinie zu nehmen – er ist nur das prominenteste Beispiel für Journalisten, die aus ihrem persönlichen ästhetischen Empfinden einen Maßstab für Korrektheit ableiten. Sie haben es ja so gelernt. Dieser Maßstab ist allerdings schlicht und ergreifend Humbug. Es handelt sich um einen Fehlschluss, ein von Unwissen über Grammatikalität geprägtes Urteil. Der Standesdünkel ersetzt hier die notwendige Auseinandersetzung mit dem Thema. Was Sprachwissenschaftler an der Korrektheitsdoktrin kritisieren, wird von vielen Journalisten, die ja schließlich “mit Sprache arbeiten” gar nicht erst zur Kenntnis genommen. Von wegen besseres Argument.
Ich hätte vielleicht gleich hierauf verlinken sollen, statt mich zu wiederholen: http://kontextschmiede.de/seid-gegrust-euer-diskurshoheit/
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!!! | 16. December 2010 | 18:41
Mir ist schon klar, dass Grammatik und deren lateinische Fachausdrücke nicht jeden interessieren. Aber alle, die von sich behaupten wollen, der deutschen Sprache mächtig zu sein, sollten zumindest eine leise Ahnung von Plusquamperfekt, Adverb etc. haben. Um meine Französisch-Lehrerin zu zitieren: Eine Sprache zu beherrschen heißt, nicht nur die Sprache, sondern auch darüber sprechen zu können.
Es stimmt leider, dass wir ständig von schlechtem Deutsch umgeben sind:
- Ein Beispiel, das mich als Sprachliebhaberin besonders aufregt: “das” Pendlerpauschale. Wer hat unserer Regierung diesen Blödsinn eingeredet?
- Bei den Nachrichten auf Ö3 (weiß schon, selbst schuld) kann ich nicht mehr zuhören, weil eine Sprecherin konsequent das Plusquamperfekt (Vorvergangenheit, nur in Kombination mit Vergangenheitsformen notwendig) mit dem Präsens (Gegenwart) verwendet.
- Unter Blogeinträgen, in denen “dass” und “das” falsch gebraucht werden, würde ich am liebsten äußerst unhöfliche Dinge posten.
- Und: Wegen verlangt den Genitiv. Obwohl der “Dativ dem Genitiv sein Tod” ist.
Natürlich geht es um Verständlichkeit, die durch die richtige Verwendung der Sprache erst möglich wird. Ein Satz muss eben auch korrekt sein (was übrigens selbst Sätze in der Wissenschaft manchmal nicht sind).
So: Ich haben fertig.
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!!! | 16. December 2010 | 19:38
@Erz:
Okay. Schachtelsätze sind also lässig, unerreichbar gut dann, wenn sie 200 Wörter lang sind. Das Plusquamperfekt ist nicht abstrakt und leicht im Kopf zu verarbeiten, besser wird es nur im Passiv. Je mehr Fremdworte ein klares deutsches Wort ersetzen desto verständlicher – optimal ist, wenn sie noch dazu fast niemand kennt. Verben sind eine üble Sache, weil sich dann niemand mehr auskennt und viel besser ist es, sie durch künstliche Substantive mit möglichst vielen Silben zu ersetzen. Füllwörter sind das beste was man seinem Leser geben kann und Wortwiederholungen sind unbedingt zu forcieren (es sei denn, man kenn möglichst unbekannte Synonyme).
Es gibt einfach wirkllich keinerlei Anhaltspunkte dafür, wie man verständlich schreibt und wobei sich das menschliche Gehirn schwer tut.
Das Gegenteil wären unter anderem die Dinge, die Schneider zum Beispiel in “Deutsch für Profis” schreibt, was du anscheinend nicht gelesen hast? Und ich seh dagegen wenig Angriffsfläche.
Was du ihn in irgendwelchen Talkshows sagen hast hören, das dich jetzt offensichtlich hier beim Erblicken seines Namens auf 180 bringt, ist mir mehr egal, denn es ist nicht das Thema meines Texts. Hier geht es um die Verständlichkeit, und Schneider hat ganz hervorragende Beiträge zur Förderung verständlichen Schreibens ausgearbeitet.
Ich seh bei dir irgendwie kein Argument, außer, dass du Schneider nicht leiden kannst. Bist du der Meinung, unverstndliches Schreiben ist prinzipiell nicht möglich? Ist Aufgrund dessen, dass sich Sprache wandelt jetzt jede Norm ein Hort des Satans? Was bitte willst du? Wenn Schneider dagegen anschreibt, dass Sprachungetüme wie mein vorhin zitierter Satz in die Welt gesetzt werden, das kann man dagegen einwenden?
**”“Wie die Leute frei sprechen ist kein Maßstab:” Es ist der einzige Maßstab.”**
Hast jemals ein unbereinigtes Originaltranskript von dir gelesen, wenn du jemandem ein Interview gegeben hast? Das gesprochen, freie Wort klingt ungefähr so:
“Natürlich ist das eigentlich, hmmm, eh nicht so arg, was der, na der Schneider da so schreibt. Die Sache ist, dass ähm, das Dings ist, dass wir so – und manchmal…”
So klingt es zuminst, wenn du hochdeutsch sprichst.
Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen echter Alltagssprache und veröffentlichter Sprache. Bei Zweiterer kann man sich länger Gedanken machen und sie deshalb um all die Stolpersteine bereinigen, die man beim freien Sprechen dem Gegenüber hinlegt. Man kann Klarheit reinbringen, sie perfektionieren.
Natürlich muss sich ein Autor nach dem richten, was ein Leser versteht und damit zu einem gewissen Grad auch nach dem, wie Leser die Sprache verwenden. Das heißt aber nicht, dass er das Werkzeug Sprache nicht wesentlich besser beherrschen sollte, als der Leser selbst.
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16. December 2010 | 19:53
@Tom,
ich freue mich über deinen Input.
Nur um eine Sache klar zu stellen, die ich in meinem Blogpost (zugegeben) nicht deutlich gemacht habe: Bei der “Absatz 3x lesen und nicht verstehen = Schuld des Autors”-Sache muss man natürlich differenzieren.
Ich beziehe mich aussschließlich auf journalistische Texte. Wenn ich heute in der Früh den Artikel zu Skylink im Standard lese, und auch nach dem dritten mal nicht verstanden hätte was da drinnen steht, worum es geht- dann hätte der Autor versagt, finde ich. Eine der Aufgaben des Journalismus ist es immer noch, komplexe *Realität* zu verständlich zu vermitteln.
Journalistische Artikel sind keine Romane oder wissenschaftliche Lektüre, mit denen man sich in der Regel mehrere Stunden, wenn nicht Tage oder Wochen, auseinander setzt. Wenn ich ein Buch zu Kernpyshik rauskrame (kenne mich damit 0 aus), verstehe ich natürlich wahrscheinlich auch nach dem 10x mal nichts. Der Autor hätte nicht versagt.
…Und zu der Vereinfachungsmaxime: Ich habe in einem Kommentar angemerkt, dass es Menschen gibt, die ein Interesse daran haben gewisse Infos möglichst kompliziert zu kommunizieren. Beispiel: Tücken in einem Vertrag. Wer hier nicht (sinnerfasend) lesen kann, ist klar im Nachteil.
Ansonsten- alles was du über das wissenschaftliche (un-)Deutsch sagst, kriegt meine volle Zustimmung. Auch was du zur Beurteilung von Deutschfähigkeiten in der Schule sagst- volle Zustimmung.
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!!! | 16. December 2010 | 20:04
Tja, dann bleibt’s halt beim Unverständnis. Ich habe Schneider gelesen und auch linguistische Fachliteratur. Letzterer vertraue ich aber mehr, wenn ich mir Urteile über Sprache, Verständlichkeit und Grammatikalität erlaube. Natürlich hat Schneider recht, wenn er Verständlichkeit von Texten einfordert. Dein Verständnis von Sprache macht mich allerdings traurig.
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!!! | 16. December 2010 | 21:16
Auf all die Argumente bist du ja leider erneut nicht eingegangen. Würdest du auch nur andeuten, welches Verständnis von Sprache du selbst hast, wäre für mich wesentlich einfacher zu sagen, ob wir uns überhaupt maßgeblich unterscheiden.
Bisher kann ich nur vermuten, dass du keinerlei Norm akzeptierst.
@Yilmaz: Natürlich muss man differenzieren. Ich denke niemand beschwert sich, wenn er als völliger Laie Texte über Quantenphysik nicht versteht. Der Anspruch eines Textes in sachlicher Richtung und die Verständlichkeit in rein sprachlicher Richtung sind aber zu unterscheiden. Nur weil ich einen Text über Quantenphysik sowieso nicht verstehen würde, kann man so einen trotzdem verständlich oder miserabel schreiben.
(Btw. interessehalber: Hab ich deinen Namen im Podcast richtig ausgesprochen?)
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16. December 2010 | 22:42
Zum Problem unnötig unverständlicher Fachliteratur: Ich hab schon das eine und andere mal meine Uni-Reader gegen die Wand gepfeffert. Es ist einfach lächerlich, einen 60-seitigen Text durchzuackern, in dem der gleiche Inhalt 5 mal wiederholt wird und für jeden einfachen Zusammenhang gleich ein neues, wichtig klingendes Wort erfunden wird.
Das dehnt Erkenntnisse auf unnötige Länge aus, erschwert den Erkenntnisgewinn beim Lesen und führt dazu, dass man sowas vll. schleichend übernimmt. Ich hatte da schon ein paar Artikel in den Händen, die auch auf 10 Seiten Platz gefunden hätten. “Normal” geschrieben könnten dass dann auch Leute verstehen, die noch nie eine Uni von innen gesehen haben.
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16. December 2010 | 23:25
@Tom
Fast
Jilmas werde ich ausgesrochen.
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!!! | 16. December 2010 | 23:40
Gut, ich gebe zu, ich war sarkastischer als nötig oder gar hilfreich. Entschuldigung.
Ja, ich habe etwas gegen Regeln. Nicht gegen die Regeln von Sprache, wie sie als soziales Konstrukt zur Grammatik eines Muttersprachlers werden, sondern gegen Regeln, die auf nichts weiter als dem ästhetischen Empfinden und der Gewohnheit einzelner Leute beruhen, die Vorschriften für richtiges Deutsch machen wollen. Einige dieser Vorschriften können sogar tatsächlich hilfreich sein. Das Problem solcher Regeln ist aber, dass sie ein Eigenleben annehmen und einen gegenteiligen Effekt erzeugen, nämlich für unverständliche Sprache zu sorgen. Unverständlich für jene, die beim Sprachwandel mitmachen, ohne die alten, “richtigen” Floskeln zu lernen.
Wenn du dich einerseits darüber belustigst, dass du das Plusquamperfekt nicht lernen magst, andererseits aber anmaßt, wegen deines Wissens um einen Regelsatz für “gutes Deutsch” besser mit Sprache umgehen zu können, als deine Leser, finde ich das schon etwas fragwürdig. Dein Ansatz, “gutes Deutsch” als eine absolute Wertung vornehmen zu können ist es, der mich so irritiert. Es gibt kein “richtiges Deutsch”. Es gibt angemessene Varietäten und unpassende Varietäten, aber das hängt komplett von deinem Gesprächspartner ab. Die Schriftlichkeit ist dabei nur ein weiterer Filter von Konventionen. Natürlich fehlen die Füllwörter und der Satzbau wird komplexer (oder eigentlich leichter zu parsen), aber die Grammatik bleibt die gleiche wie die des gesprochenen Deutsch.
Das Wissen, wie Sprache funktioniert, statt welche Regeln es gibt, wäre etwas, das Schulen vermitteln sollten. Das tun sie leider nicht. Da hast du recht. Aber “gutes Deutsch” bringen sie insofern jedem bei, als an Schulen Standarddeutsch die Lehrsprache ist (zumindest in Deutschland sprechen die Muttersprachler deutscher Dialekte Standarddeutsch an der Schule). Und der Sprachgebrauch von Muttersprachlern ist das einzige Grammatikalitätsurteil, das Verständlichkeit garantiert.
Verständlich zu schreiben ist eine Fähigkeit die man zurecht von Journalisten erwarten kann. Das bedeutet dann aber auch, dass Schreiber eine Demut vor der Sprache erwerben, statt sich zu deren Hütern aufzuschwingen. Sprachliche Normen werden von den Lesern bestimmt, nicht von einer selbsternannten Sprachelite. Wenn sich zum Beispiel im Standarddeutschen das “bekommen-Passiv” durchsetzt und die Passivmarkierung am Verb ersetzt, dann ist es verständliches Schreiben, diesen neuen Passiv zu gebrauchen. So bekommt der Leser auch mal etwas verständlich gemacht, selbst wenn es dem Sprachästheten missfällt.
Ich hoffe, hiermit besser auf deine Fragen eingegangen zu sein.
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!!! | 17. December 2010 | 12:45
@Tom
Meinst Du nicht, dass Deine Sicht arg journalismuszentriert ist, und Dein Verständnis von Sprache (verständlicher Ausdruck von Wissen) reduktionistisch?
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!!! | 19. December 2010 | 22:27
@mete
Ich will nicht leugnen, dass Sprache auch ganz andere Funktionen erfüllt. Aber es geht mir hier zumindest um diesen Zweck der Informationsverbreitung und des -austausches, den ich bei der Sprache schon für sehr bedeutend und vordergründig halte.
@erz
Wie ich dachte, sind wir nicht allzu weit entfernt. Auch ich halte Schneiders Bücher nicht als Bibel hoch und bin sehr einverstanden damit, dass Sprache sich schon allein durch den Gebrauch ändert. Wenn im Deutschen heute Dinge auch Sinn “machen” und nicht nur “ergeben” dann ist dagegen für mich nicht viel einzuwenden. Genau genommen ist ja beides abstrakt und die aus dem Englischen importierte Variante besteht sogar aus weniger Silben.
Allerdings denke ich schon, dass es sinnvoll ist, wenn man Leuten die viel mit Sprache arbeiten zu den Neuerungen anhört. Wie schon gesagt: Man muss ja nicht alles befolgen – die Sprache findet ohnehin jeder selbst.
Aber ich bin sicher, dass etwa aus “Deutsch für Profis” die meisten Menschen zahlreiche Anregungen sehr sinnvoll finden werden. Ich bin nicht der Meinung, dass die dortigen Beobachtungen nur auf ästhetischem Empfinden und Gewohnheit basieren, sondern großteils auf gut durchdachter Kritik.
Durch die Veränderungen unserer Sprache, wird sie oft auch unschärfer und kompliierter – und damit schwerer brauchbar. Und es ist dann auch mein gutes Recht und sogar meine Aufgabe, auf die gängige Neo-Praxis zu pupsen und am Besseren festzuhalten. Dazu muss ich aber eben so viele Argumente wie möglich kennen.
Die Argumente von Leuten wie Schneider kennen die Menschen die unsere Schulen abschließen imo nicht ausreichend.
Natürlich ist man als Autor nicht nur der Sklave der gängigen Sprache, sondern auch der Hüter der eigenen Sprache. Das hat nicht unbedingt damit zu tun, dass man sich aufspielt.
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19. December 2010 | 22:52
@Tom
Aber dann sollte man nicht von Sprache und gutem Deutsch im Allgemeinen schreiben – ich finde es seltsam, wenn Journalisten (hast Du nicht explizit) beklagen, dass andere ihre Texte nicht lesen könnten (Ist das nicht furchtbar selbstzentriert?). Ist das Erschütternde nicht vielmehr, dass diese Menschen – von denen man annehmen kann, dass sie nur wenig schreiben, und über ein sehr eingeschränktes Vokabular verfügen – die fundamentale Funktion von Sprache, etwas auszudrücken, anderen etwas mitzuteilen, nur stark eingeschränkt nutzen können? Auch wenn Sprache nicht die einzige menschliche Ausdrucksform ist: Ist das nicht viel schlimmer, als einen lächerlichen Artikel nicht lesen zu können (zugegeben, das ist jetzt z.T. meine persönliche Sicht)?
Zu Schneider: Bei ihm gibt es sicher etwas zu lernen (“Handwerkszeug”); ich habe aber nur eines seiner Büchlein gelesen, und in einem “Experiment” einen meiner sehr langen Texte herunter gebrochen: Mein Fazit ist, dass das dann sicher mehrere Leute lesen, aber einen erkennbaren persönlichen Stil wird man dadurch nicht entwickeln (das war dann nicht mehr mein Text, weil er in wichtigen Entscheidungen jemand anderem gefolgt ist).
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!!! | 20. December 2010 | 00:48
Wenn du nur einmal einen Text derartig überarbeitet hast, ists doch keine Frage, dass dir das fremd erscheint. Es ist dann ja eben einmalig. Aber ein Stil ist kein festes Gebilde, sondern wird ständig weiterentwickelt. Es ist illusorisch zu behaupten, dass das was du heute für “deinen Stil” hältst nicht ohnehin schon tausendfach beeinflusst ist – nur sind die meisten Einflüsse von wesentlich schlechteren und unreflektierten Ratgebern.
Wenn du schon selbst denkst, dass Dinge schlechter lesbar sind, die du in “deinem Stil” schreibst, dann solltest du ihn überdenken. Oder welchen Zweck erfüllt er sonst für irgendjemanden?
Ich widerspreche vehement, dass die Berücksichtigung von Schneider’schen Argumenten keinen eigenen Stil entwickeln lässt.
**Ist das Erschütternde nicht vielmehr, dass diese Menschen – von denen man annehmen kann, dass sie nur wenig schreiben, und über ein sehr eingeschränktes Vokabular verfügen – die fundamentale Funktion von Sprache, etwas auszudrücken, anderen etwas mitzuteilen, nur stark eingeschränkt nutzen können?**
Das ist schlimm. Aber für mich ists dramatisch genug, dass Leute die viel schreiben und ein großes Vokabluar haben, diese Funktion der Sprache fast schon mutwillig nicht erfüllen. Und deshalb habe ich hier das thematisiert.
**ich finde es seltsam, wenn Journalisten beklagen, dass andere ihre Texte nicht lesen könnten (Ist das nicht furchtbar selbstzentriert?). **
Wenn der Grund dafür ist, dass Menschen nicht mehr richtig lesen können, dann ist das nicht selbstzentriert.
Wenn der Grund dafür ist, dass die Journalisten selbst nicht gut schreiben können, wäre die Klage absurd.
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20. December 2010 | 13:08
@Tom
Ich habe nur einen Ratgeber gelesen, das war das Büchlein von Schneider. Was mich am meisten beeinflusst hat, war einerseits das, was ich gelesen habe (keine Ratgeber), andererseits das, was ich selbst ausprobiert habe (und natürlich die Anmerkungen von anderen).
Vielleicht habe ich mich oben nicht klar genug ausgedrückt: Es ging primär um die Länge des Textes; außerdem wollte ich mir ansehen, wie das was Schneider schrieb, dazu passte. Das entscheidende Kriterium ist (für mich, und das ist tendenziell kein journalistisches), dass das was ich ausdrücken, sagen, oder mitteilen möchte in dem Text aufscheinen muss. Wenn es das nicht mehr tut, ist der Text für mich wertlos. Ein Beispiel: Was Schneider über lange Sätze oder Schachtelsätze schreibt, ist grundsätzlich richtig (vor allem aus seiner journalistische Perspektive), und es ist gut darüber bescheid zu wissen; aber wenn der Rhythmus meines Textes einen Schachtelsatz verlangt, oder er aus irgendwelchen Gründen besonders lang wird, ist das eben so. Für mich ist der Ausdruck entscheidend, und nicht irgendwelche Verständlichkeitskriterien.
“Wenn der Grund dafür ist, dass Menschen nicht mehr richtig lesen können, dann ist das nicht selbstzentriert.”
Und warum? Das ist doch primär ein Problem des Betroffen, und sekundär das eines Journalisten; wenn mir zuerst einfällt, dass andere meine Texte nicht lesen könnten, weil sie ihre Sprache kaum beherrschen, dann existiert der andere (bzw. seine Probleme) nur in Bezug auf mich – das ist aber nicht so.
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!!! | 20. December 2010 | 20:01
ich denke, du besprichst da soweiso ein fiktives phänomen. kein mir bekannter journalist nimmt die leseschwäche der bevölkerung erstmal persönlich. es ist aber legitim auch die bedeutung der leseschwäche für die eigene tätigkeit aufzuzeigen (die ja immerhin eine wichtige demokratische funktion erfüllt).
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20. December 2010 | 23:08
Magst Du den Beginn Deines Textes noch einmal lesen: “Die Kurzform seines lesenswerten Textes: Da immer weniger Menschen lesen können, bewirkt Journalismus auch immer weniger. Yilmaz sorgt sich, dass viele unerreichbar werden.”
Nicht die Legitimität, sondern die Verzerrung der Perspektive ist das Problem: Hier geht es nicht mehr primär darum, was Leseschwäche für diese Menschen bedeutet, sondern dass man sie nicht mehr erreichen kann; der andere wird nur in Relation zu einem selbst (oder seinem Berufsstand) gesehen, und nicht für sich.
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!!! | 20. December 2010 | 23:25
Ja und?
1. ist die Sorge daraus ja eben, dass damit eine für die gesamte Gesellschaft bedeutende demokratische Funktion schwieriger erfüllbar wird.
2. gibts halt keine Nicht-Journalisten die journalistisch über die journalistische Perspektive schreiben. Es ist logisch und legitim, dass auch das von Journalisten und Bloggern erledigt wird.
Mir wärs allgemein recht, wenn ein Argument sachlich angegriffen wird, nicht dadurch, dass es in eine dubiose egoistische Schmuddelecke fantasiert wird. Diese Debatte ist kein “furchtbar selbstzentriertes” Tunnelblickproblem, sondern durchaus von eigenständiger Bedeutung.
Mir sind manchmal die Konsequenzen nicht klar, die du dir aus deinen Klagen erhoffst. Soll jetzt niemand mehr drüber reden und nachdenken, was wachsender Analphabetismus für die Informationsverbreitung in einer Demokratie bedeutet, nur weil dir irgendwas anderes wichtiger erscheint?
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21. December 2010 | 01:01
Zu 1: Was ist das primäre Problem, die demokratische Funktionalität oder die Auswirkungen auf das Leben des Betroffenen selbst? Ganz klar letzteres, weil es zunächst doch den einzelnen Menschen für sich zu sehen gilt, weil er nicht bloß in einem Funktionszusammenhang zu begreifen ist – der Mensch ist ein Selbstzweck (und existiert nicht für die Demokratie, sondern letztere für ihn).
Zu. 2: Auch wenn Du Dich schon in Deinem zweiten Satz selbst selbst widerlegst (Blogger ist ungleich Journalist): Wenn Du magst kannst Du auf den Menüpunkt “Medien” in meinem Blog klicken, da wirst Du fündig. Oder auch in meiner Linkliste. Es gibt dutzende Webseiten die sich mit Journalismus beschäftigen (ich bin mir sicher, dass auch die Seite von erz).
Was mir recht wäre, wenn Du nicht mit unsachlichen, unbegründeten Behauptungen um Dich wirfst (“Mir wärs allgemein recht, wenn ein Argument sachlich angegriffen wird, nicht dadurch, dass es in eine dubiose egoistische Schmuddelecke fantasiert wird.”) – und ich habe lediglich gefragt, ob das nicht furchtbar selbstzentriert ist. Und ich habe das jetzt noch einmal (lediglich mit anderen Worten) begründet. Es zwingt Dich ja niemand darauf einzugehen.
Das ist Kritik, keine Klage. Du kannst über das reden, und nachdenken was Du magst, aber wenn Du öffentlich schreibst, musst damit rechnen, dass jemand Widersprüche kund tut – ich ergänze was mir unvollständig erscheint, und in diesem Fall ist das die Perspektive des Individuums. Wenn Dir das nicht passt, dann solltest Du die Kommentarfunktion abschalten.
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!!! | 21. December 2010 | 10:15
**”Was ist das primäre Problem, die demokratische Funktionalität oder die Auswirkungen auf das Leben des Betroffenen selbst? Ganz klar letzteres”**
was du wichtiger findest ist dir überlassen. ich halte beides auf komplett unterschiedlichen ebenen für wichtig aber eben sicher nicht “ganz klar letzteres” für wichtiger. ich versteh den versuch nicht, das eine thema mit dem anderen zu erschlagen. vielleicht wird das andere hier mal thematisiert, vielleicht bloggst du lieber selbst darüber. aber hier gehts eben um eine andere ebene. bitte akzeptier das.
zu 2. wenn du zwischen blogger und journalisten trennst (was in der sache doch absurd ist, weils für beide um dieselbe auswirkung auf die eigene tätigkeit geht), dann geht deine kritik ins leere, denn yilmaz und ich sind blogger – und eben auch journalisten. sollen wir jetzt weder übers bloggen noch über den journalismus sprechen?
**”ich habe lediglich gefragt, ob das nicht furchtbar selbstzentriert”**
und ich habe dem jetzt mehrmals widersprochen.
btw. was ist unsachlich und unbegründet, wenn ich das als unterstellung eines negativen (furchtbar) egoismus (selbszentriert) interpretiere?
**”Du kannst über das reden, und nachdenken was Du magst, aber wenn Du öffentlich schreibst, musst damit rechnen, dass jemand Widersprüche kund tut”**
Darüber brauche ich keine Belehrung. Ich kann mit anderen Meinungen, Widerspruch und Kritik gut umgehen – solangs um die Sache geht. Aber es wär mir recht, wenn das zum Thema passt und eben nicht die ganze Zeit versucht wird, die eine Diskussion abzudrehen, weil jemand eine andere für wichtiger hält.
“”*ich ergänze was mir unvollständig erscheint, und in diesem Fall ist das die Perspektive des Individuums*”"
Ist das nicht furchtbar selbstzentriert?
Scherz beiseite: Es ist ein wertvoller Beitrag von dir, diese Perspektive einzubringen – aber die andere Perspektive als “weniger wichtig” und die sie äußernden Personen als “furchtbar selbstzentriert” permanent abzuwerten ist kontraproduktiv und eine miese Masche. Den Gewinn den du daraus ziehst, kann ich nicht erkennen.
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21. December 2010 | 11:58
Tut mir leid: Darauf ist mir keine konstruktive Antwort mehr möglich. Vielleicht kann ein Mitlesender noch kurz seine Sicht darlegen – auf jeden Fall werde ich mir jetzt einmal eine Auszeit nehmen…
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!!! | 21. December 2010 | 15:11
Wenn wir grade von schlechtem Deutsch sprechen: Die Medieninformation des OGH zum Fall BAWAG: http://is.gd/jie0I
Na, wer checkts auf Anhieb?
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23. December 2010 | 12:19
@Ines
“Das Pauschale” ist richtig, das steht so im ÖWB. Nachdem dieses das amtlich bindende Schriftregelwerk in Österreich ist, haben das die Politiker in unserem Land auch zu befolgen. Period.
Nur weil irgend ein Saupreiß – nennen wir ihnen K. Duden, oder damit es nicht so offensichtlich ist Konrad D. – ein Buch geschrieben hat in dem “Die Pauschale” steht, ist das noch lange nicht für uns bindend.
Überhaupt, der Duden ist seit 1996 nichtaml Deutschland das offiziell bindende Werk für die deutsche Sprache – genauer gesagt hat die Bundesrepublik nichtmal ein Regelwerk für die Schrift – das ist dort Ländersache und jeder kann es theoretisch machen wie er will.
Mit tut “die URL” hingegen weh – es heisst eindeutig “der URL”, da es explizite Regeln gibt, wie ein Wort ein gedeutscht wird. Aber sowas wird heutzutage nicht mehr beachtet, wenn es rigendwann genug Leute falsch machen, wirds richtig.
Bald werden wir allso “brilliant” und “einzigste” im Duden finden, möglicherweise kommt dann auch noch “Standart” dazu – vielleicht muss sich unsere Zeitung dann ja umbennenend? In “Die Standarte der Republik” oder ähnliches :p
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!!! | 23. December 2010 | 15:29
btw. was ich noch anmerken wollte: die komplett ungenormte veränderung von sprache führt dazu, dass wir ausdrucksstärke und präzision verlieren. z.b. wenn kein unterschied mehr zwischen anscheind und scheinbar, vergleichen und gleichsetzen, streitbar und strittig gemacht wird, viele menschen halten diese begriffe für austauschbar, sie sind es aber nicht. es ist die aufgabe von uns, die wir die sprache zum werkzeug haben, derartige präzision aufrecht zu erhalten.
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30. December 2010 | 17:18
Es gibt aber auch gegenteilige Beispiele – Zynismus und Kynismus waren mal dasselbe bis sich dann irgendwann später der feine Unterschied eingeschlichen hat.
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!!! | 30. December 2010 | 21:40
Jetzt sag doch was!