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Das Spiel der Werbung um die öffentliche Meinung

Was haben BMW, Starbucks und Apple gemeinsam? Irgendwie sind alle cool. Zufall? Keineswegs. Wer Einblick in die Arbeit von Werbeagenturen hat, der weiß, wie geschickt die Branche an den richtigen Fäden zieht.

Bedenklich? Ganz sicher. Dagegen etwas zu machen ist aber schwierig. Manchmal gelingt es schlauen Köpfen jedoch, den Spieß umzudrehen. Greenpeace zeigt immer wieder vor, wie es geht. Einige Beispiele.

RWE, ein deutscher Energiekonzern, wirbt für seine grüne Stromherstellung. Wahnsinnig gut gelungener Spot:

Greenpeace hat der Spot nicht so gefallen. Die Antwort:

Auch Nestlé hat die Schlagkraft der Greenpeace-Agentur schon zu spüren bekommen. Und darauf (zu spät) reagiert:

VW lobbyiert in Brüssel gegen Klimaschutzgesetze. Man kann sich vorstellen, was Greenpeace davon hält. Die Videoreaktion der Umweltschützer hat große Wellen geschlagen:

http://www.youtube.com/watch?v=UPSljYDXIjk

Greenpeace Solidar Suisse würde Nespresso gerne fair gehandelt sehen und unterstreicht das gekonnt:

Wer weitere Videos (auch von anderen Organisationen) kennt, darf sie gerne in den Kommentaren posten.

 

 

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| 28. October 2011

13 Reaktionen bisher

    Daniel sagt:

    Der Nespresso-Spot ist afaik nicht von Greenpeace, sondern von Solidar Suisse. ( http://www.solidar.ch/index.cfm?ID=7FE9E7C3-E35A-C1C7-B6F71BC32E6E049E&dtl=1312 )

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    !!! | 28. October 2011 | 22:52
    Andreas Sator sagt:

    Hab es schon ausgebessert. Vielen Dank!

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    28. October 2011 | 22:55
    Petra Köstinger sagt:

    Greenpeace: 123.741 – RWE: 1.170 (YouTube Views)

    Die Runde geht wohl klar an Greenpeace … :)

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    29. October 2011 | 14:11
    Dyrnberg sagt:

     
    Ich find manche Formulierungen im Text deuten in eine zu einseitige Richtung. Es klingt, als würden da zum Einen die bösen großen Konzerne mit ihren Marketingmillionen versuchen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, und als wären da auf der anderen Seite die über alles erhabenen NGOs, die uns die Wahrheit verkünden.

    Es braucht Gegenöffentlichkeiten, die noch mal genauer drauf schauen, keine Frage, und insofern können NGOs eine wichtige Aufgabe erfüllen, interesselos und damit objektiv ist aber ihre Perspektive auch nicht. Und auch der oft bemühte Vergleich von David gegen Goliath stimmt nur bedingt, wenn man sich die Marketingausgaben mancher NGOs aussieht.

    Sprich: Das Spiel um die öffentliche Meinung wird von allen mit einem Heidenaufwand gespielt. Jeder möchte seine Message anbringen. Und verschweigt den Rest. (Ich hab erst letzte Woche einen Wissenschaftler kennen gelernt, der seit Jahren unter Polizeischutz leben muss, weil eine sehr populäre NGO ihn und seine Familie bedroht. Das Thema Forschungsfreiheit sieht man entsprechend wenig in diesen Spots… )

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    !!! | 31. October 2011 | 09:09
    dieter sagt:

    Was haben BMW, Starbucks und Apple gemeinsam? Irgendwie sind alle cool. Zufall? Keineswegs. Wer Einblick in die Arbeit von Werbeagenturen hat, der weiß, wie geschickt die Branche an den richtigen Fäden zieht.

    Das wollen uns allenfalls Werbeagenturen und PR-Experten weiß machen. Ein BMW wäre für die Zielgruppe nicht cool, wenn er nicht wie ein Raubtier aussehen und brüllen würde und nicht das entsprechende Fahrverhalten hätte.

    Steve Jobs setzte gerade nicht auf klassische Werbung, sondern er präsentierte jedesmal ein neues Gimmick oder Feature. Apple-Aficionados stürmten sogleich die Apple-Stores und wenn die neuen Features nicht wirklich cool gewesen wären, hätte Apple schnell zusperren können.

    ****

    Ich dachte zunächst der RWE Spot sei der Greenpeace-Spot und ärgerte mich über den naiven Techno-Utopianismus, den Greenpeace wieder mal verbreitet und freute mich schon auf die Entgegnung von RWE. Dann musste ich feststellen, dass die noch dümmere Entgegnung eigentlich von Greenpeace stammt.

    Der Anteil erneuerbarer Energien steht und fällt mit der Speicherfrage. 

    Prof. Dr. Eduard Heindl will das Problem mit einem Lagerspeicher lösen. Er will im Schwarzwald einen Granitblock von 1 km Durchmesser und Höhe aus dem Gestein schneiden und Energie durch Anheben und Absenken des Blocks speichern.

    http://eduard-heindl.de/energy-storage/index.html
    Vortrag dazu und zur Speicherproblematik:
    http://www.studium-generale.hs-furtwangen.de/seminar/detail/energiespeicher-der-superlative.html

    ****

    Greenpeace verkauft gutes Gewissen auf Basis vereinfachter Analyse. Dort die sturen und verbohrten Konzerne, die nur aus Gemeinheit oder Unwissen die Umwelt ruinieren. Und hier Greenpeace im vermeintlichen Besitz der Lösung, die durch Bewusstmachung die Welt retten wird. Und durch einen kleinen Mitgliedsbeitrag oder einfach nur gut finden kann jeder zu den Guten gehören. Das ist ein Geschäftsmodell, das sich bezahlt macht.

    Dazu Christian Landers köstliche Beobachtung:
    http://stuffwhitepeoplelike.com/2008/01/23/18-awareness/

    Die Stromkonzerne haben schon längst mit dem Argumentieren aufgehört und sind drauf gekommen, dass sie das, was Greenpeace macht, einfach selber machen können. Nämlich Wohlfühlspots schalten. Greenpeace kann sich die Unterminierung des Geschäftsmodells natürlich nicht gefallen lassen und muss das ganze zwangsweise übertrumpfen.

    *****

    Zu Nespresso: Hier wäre zu kritisieren, dass die es geschafft haben, ihre sauteuren Kapseln patentieren zu lassen. Sonst könnten Konkurrenten ja Fairtrade-Kaffee in solchen Kapseln anbieten. Umweltfreundlich ist die Kapselwirtschaft aber auf keinen Fall.

    Fairtrade ist im übrigen fragwürdig. Insbesondere der zwang zur Vergenossenschaftung:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Fair_trade#What_proportion_of_the_money_reaches_the_farmers.3F

    ***** 

    Die deutschen Autobauer lobbyieren, soweit ich weiß, gegen den verordneten Flottendurchschnittsverbrauch. Wenn man den Benzinverbrauch senken will, dann müsste die Politik nur die Mineralölsteuer kräftig erhöhen, PKW-Maut einführen, große Autos stärker besteuern, Pendlerpauschalen streichen und die staatlich voran getriebene Zersiedlung stoppen. Das traut sich aber keiner. Die österreichischen Grünen auch nicht, wenn man sich das Abstimmungsverhalten im Nationalrat ansieht. Dazu braucht es keinen Konzern-Lobbyismus.

    Ein Flottendurchschnittsverbrauch bewirkt langfristig lediglich, dass sich die Produktpaletten der Hersteller angleichen. Die Franzosen bauen dann halt mehr Limousinen und Sportwägen und die Mercedes mehr Kleinwägen. Es handelt sich um eine absurden, zentralplanerischen Ansatz.

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    !!! | 1. November 2011 | 21:52
    Andreas Sator sagt:

    @Dyrnberg:
    Du hast Recht, dass das aus meinem Text oben nicht wirklich hervorgeht, aber mir ist schon bewusst, dass das kein Spiel Gut gegen Böse ist und auch NGOs Interessen vertreten. Ich will nur hervorheben, wie wichtig ich es finde, dass das Werbespiel nicht nur von einer Seite dominiert wird.

    @dieter:
    Danke für den Input. Vor allem mit der Fair Trade-Kritik werde ich mich noch näher beschäftigen.
     
    #Greenpeace: Die stellen sich natürlich selbst heroisch dar. Wer würde das in ihrer Situation nicht machen? Ich nehme viele Aktivitäten von Greenpeace aber als extrem wichtig wahr. Es braucht im “corporate capitalism” schlicht und einfach Gegenpole. Und davon haben wir meines Erachtens noch viel zu wenige.

    Zum Text und “awareness”: Das gibt die Materie aber extrem vereinfacht wieder, was es leicht macht, Bewusstseinsarbeit ins Lächerliche zu ziehen. Natürlich löst Bewusstseinsbildung keine Probleme, das Wissen der breiten Masse über Vorgänge erzeugt aber in den Fällen, wo die Politik am Zug ist, erst die Öffentlichkeit, die Faymann und Co brauchen, um den Hintern zu bewegen.

    Und mittlerweile schaffen es Organisationen wie Greenpeace auch, nicht mehr nur die Politik sondern auch große Unternehmen zum Umdenken zu zwingen. 

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    2. November 2011 | 00:31
    dieter sagt:

    Der klassische Umweltaktivismus von Greenpeace und anderen machte Sinn. Und zwar überall dort, wo ein einzelner Übeltäter identifiziert werden kann und die Alternative einfach umzusetzen ist. Also z.B., wenn eine Fabrik ungeklärtes Abwasser in einen Fluss pumpt und überall tote Fische treiben. Aber solche Fälle gibt es im Westen kaum noch. Die Umweltverschmutzung geht seit Jahrzehten stark zurück.

    Die Energiefrage ist aber allgemein bekannt. Auch das amerikanische Militär und die deutsche Bundeswehr zerbrechen sich darüber den Kopf, sowie die Energieriesen, die freilich wissen, dass Öl, Kohle und Gas zur Neige gehen. Darüber hinaus gibt es in solchen Fragen keinen einfachen Übeltäter. Strom und Benzin sind populär. Quellen für Energie sind beschränkt. Effizienzsteigerungen stoßen an die Grenzen der Naturgesetze und der Technik.

    Der Greenpeace-Spot bringt uns kein bisschen näher zur Lösung. Er dient lediglich der Selbstpromotion. Greenpeace will mit seiner Marke nicht im Mainstream untergehen.

    Christian Landers Beispiele Awareness-Kritik:

    Popular things to be aware of: The Environment, Diseases like Cancer and AIDS, Africa, Poverty, Anorexia, Homophobia,  Midde School Field Hockey/Lacrosse teams, Drug Rehab, and political prisoners.

    Die meisten davon sind, wie die Energiefrage, allgemein bekannt, werden breit diskutiert und sind eben nicht so einfach, oder vielleicht überhaupt nicht zu lösen.

    Ich persönlich glaube nicht, dass die Menschheit auch nur einen Tropfen Öl oder ein Stück Kohle ungenutzt im Boden lassen wird.
     

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    !!! | 2. November 2011 | 09:28
    Tom Schaffer sagt:

    Ob wir es uns leisten können einen Tropfen Öl im Boden zu lassen, werden wir eh sehen. Was wir uns nicht leisten sollten ist, diesen wertvollen und begrenzten Rohstoff in ineffizienten Motoren und System zu verbrennen.

    Effizienzmaßnahmen und Energiegewinnungsumstrukturierungen sind lange nicht so weit fortgeschritten, wie sie das sein könnten. Und das belastet das Klima, Umwelt (und nur so nebenbei auch unser Importbudget) mehr als nötig.

    Das Problem an Playern wie “Energieriesen”, denen du anscheinend ein größeres Vertrauen entgegenbringst, ist ihre Fixiertheit/Angewiesenheit auf Gewinne. Demgemäß werden von ihnen diese Fragen nämlich nach kurzfristiger – vielleicht mittelfristiger – Marktlogik beantwortet, und nicht nach den langfristigen Auswirkungen dieser Logik. Es mag schon sein, dass ein Windkraftwerk oder was auch immer kurzfristig teurer und deshalb unlukrativ ist – natürlich auch technisch noch nicht so ausgereift, wie man es sich in 20 jahren erhofft. Aber die Folge davon, dass wir heute deshalb fossile Energieträger nutzen statt Defizite in Kauf zu nehmen, ist halt fatal und eine Bedrohung für alle Menschen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts …

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    3. November 2011 | 13:39
    dieter sagt:

    Wenn du dir Eduard Heindls Vortrag angesehen hättest (zumindestens die ersten 20 Minuten), wüsstest du besser Bescheid.

    Windräder sind ausgereift. Windkraft boomt überall auf der Welt, weil bis zu einem gewissen Grad profitabel. Das Problem Deutschlands ist, dass man den Windstrom nicht speichern kann. Wenn der Wind bläst, wird der Strom gratis an den Börsen verkauft, z.T. sogar zu Negativpreisen. Deutsche Energiebetreiber schicken den Strom dann einmal durch die alten Netze Polens und zurück, um überschüssigen Strom als Wärme zu verbraten. Deutschland hat bis auf weiteres genug Windräder.

    Derjenige, der das Problem der Stromspeicherung löst, könnte damit enorme Profite machen. Die Marktlogik zwingt tendenziell zur Effizienzsteigerung und jede Alternative zum Gegenteil. Wenn RWE wüsste, wie man Strom speichern kann, würden sie das längst machen, um ihre Profite zu maximieren.

    Das größte Potential zur Effizienzsteigerung steckt:
    a.) in der thermischen Sanierung: Diese ist profitabel, bringt also Geld ein. Leider sind Häuslbauer und Hausbesitzer zu faul und verzichten daher häufig auf diesen Profit.
    b.) Stadtlanung, Straßenbau: Verkehr und damit Benzinverbrauch hängen direkt mit der Größe des Straßennetzes und Zersiedelung zusammen. Es ist der Staat, nicht der Markt, der ständig neue Straßen baut und Zersiedelung vorantreibt. Er tut das, weil es populär, also demokratisch ist.

    Effizienz bei Autos ist ausgereizt
    Der Energieverbrauch eines Autos wird bei höheren Geschwindigkeiten vom Luftwiderstand und somit vom Querschnitt des Autos dominiert. Bei geringeren Geschwindigkeiten von der Masse.  Deshalb muss das Ein-Liter-”Auto” von VW[1] so aussehen, wie es aussieht. Eigentlich handelt es sich um einen Kabinenroller und nicht um ein Auto.

    Die Effizienz des Motors hängt vom Hubraum ab. Moderne Dieselmotoren kommen auf 45% Prozent. Viel mehr ist da aus physikalischen Gründen nicht drin[1].
    Daher gilt interessanterweise auch: Je kleiner und sparsamer das Auto, desto ineffizienter wiederum der Motor.

    Effizienzsteigerungen senken aber in der Regel nicht den Gesamtverbrauch. Siehe Jevon’s Paradoxon[3]. Wir werden also dennoch alles ausschöpfen, was es an fossiler Energie gibt.

    [1]http://de.wikipedia.org/wiki/Ein-Liter-Auto_von_VW
    [2]http://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%A4rmekraftmaschine#Verbrennungsmotor 
    [3]http://de.wikipedia.org/wiki/Jevons%E2%80%99_Paradoxon 

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    !!! | 3. November 2011 | 20:30
    Tom Schaffer sagt:

    Die Sache mit der Stromspeicherung ist natürlich ein Problem. Da hab ich allerdings zeitgleich auch Einwände.

    1. Du sagst, Autos seien von der Effizienz ausgereizt. Das stimmt für Benzinmotoren. Allerdings nur für die besten, die eben in praktisch keinem Auto verwendet werden das auf der Straße ist. Die Welt fährt immer noch SUVs und 5-15 Liter Autos. Deine Ausreizung ist also rein theoretisch und eben nicht praktisch (was entscheidend ist). Dazu kommt, dass Elektromotoren schon vom Prinzip her wesentlich effizienter sind. E-Autos sind aber noch nicht wirklich am Markt und in diverser Hinsicht eben auch nicht ausgereizt. Und das ist in der Marktlogik vollkommen verständlich, aber eben eher unvernünftig, wenn man langfristig denkt.

    2. Diese Elektroautos sind dann ja eigentlich auch eine sehr interessante Antwort auf das Speicherproblem. Denn die meiste Zeit des Tages über parkt ein Auto. Und damit kann es an Steckdosen hängen, und sich mit genau diesem überschüssigen Strom aufladen – und das eben auch nachts. Gerade das wäre eine massive Umschichtung von Verschwendung fossiler Energieträger (Öl->Benzin) zu erneuerbaren Energien (Autos aus EE geladen) die noch überhaupt nicht stattgefunden hat.

    3. Und angesichts dieser Elektrifizierung des Verkehrs stellt sich dann auch wieder die Frage, ob dein Befund stimmt, dass Deutschland “bis auf weiteres genug Windräder” hat – vor allem weil es ja ein europäisches Stromnetz gibt und an anderen Orten Windkraft weniger gut funktioniert. Und vor allem deshalb, weil der Strom ja überhaupt nur deshalb überschüssig ist, weil Öl, Kohle, Gas und Atomkraft immer noch voll am Werken sind.

    Die Windkraft hab ich an sich nur exemplarisch hergenommen, mit “noch nicht perfekt ausgereift” meinte ich alternative Energieformen im Allgemeinen. Dass du sagst “Windräder” sind ausgereift, ist schon richtig, aber das ist ja vielleicht noch nicht das Ende der Geschichte für die “WindKRAFT”. Dazu als Anregung der Kreativität vllt nur dieser TED-Talk von Saul Griffith.

    Bei der Sache mit der thermischen Sanierung und der Stadtplanung bin ich einigermaßen bei dir. Einigermaßen halt.

    Denn es hilft in der thermischen Sanierung nix, die Faulheit der Leute zu bejammern. Da muss man eben was tun, um an der was zu ändern. Und auch daran hindert der Markt, weil er Investitionen/Subventionen des Staates bestraft. Die würden nämlich im Moment die Staatsschulden antreiben – dass sie mittelfristig und in 100 Jahren noch viel höhere Kosten verhindern könnten, interessiert den Markt nicht. Das belohnt er nämlich niemandem. Ich hab dafür keine einfache Antwort, aber mit “ist halt so” kann man sich auch nicht zufrieden geben, weil das genau zu diesen höheren Kosten (und der damit verbundenen Katastrophe für die Menschheit) führen wird.

    Und bei der Stadtplanung ists ein bisserl kurz gedacht, dass man sagt “Der Staat zersiedelt, deshalb pendeln die Menschen”. Es ist eher so, dass der Preis dieser Mobilität nicht stimmt, weil die nichtmonetären Kosten (Umweltverschmutzung, Ölproblematik, Klimawandel) dabei NICHT berücksichtigt werden. Das tut der Markt nämlich nicht, weil diese Kosten nicht den Verursachern angerechnet sondern in der Zukunft vergemeinschaftet werden. Dass uns das Klima um die Ohren fliegt zahlt in 50 Jahren weder Shell, noch mein Nachbar der dauernd mit dem Auto fährt, sondern das wird meinen Kindern und ihren Mitmenschen auf diesem Planeten eine Scheisszeit bescheren und große Kosten verursachen.
    Deshalb SCHEINEN Autos und das Pendeln billig. Deshalb entscheiden sich die Menschen zum Auto und zum Pendeln und zum Fahren in den Supermarkt der 10 Gehminuten entfernt ist. Und DAS treibt eine (vom Staat durch demokratische Zwänge und/oder Blödheit geförderte) Zersiedelung voran.

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    4. November 2011 | 12:31
    dieter sagt:

    SUV-Motoren sind effizient. Sogar effizienter als die Motoren in Kleinwägen, wegen des größeren Hubraums pro Zylinder.

    Elektromotoren haben einen Wirkungsgrad von fast 100%, dafür sind die Akkus ineffizient und schwer. Beim Verbrennungsmotor ist es umgekehrt. 40% Wirkungsgrad beim Diesel, dafür gibt es keine Verluste im Tank und Diesel ist pro kwH gespeicherter Energie viel leichter.

    Durchbrüche bei Akkus werden immer wieder groß angekündigt, haben sich aber nie materialisiert. In der Praxis steigt die Effizienz von Akkus nur linear, nicht, wie wir das bei Computern gewohnt sind, exponentiell. 

    Die rasante Entwicklung bei Unterhaltungselektronik, Handys und Computern dürfte ein Hauptgrund dafür sein, dass wir das Potential in anderen Bereichen der Technologie haushoch überschätzen.

    Elektrofahrräder und Elektromopeds zahlen sich aus, auch für den Geldbeutel. Hybrid bringt Vorteile bei mittleren und großen Autos im Stadtverkehr, allerdings nicht auf längeren Strecken, die den Löwenanteil ausmachen.

    Aber Elektroautos sind als Gesamtsystem betrachtet eben aktuell weniger effizient als Autos mit Verbrennungsmotor. Dafür, dass sich das demnächst oder überhaupt jemals ändern wird, gibt es bisher keinen stichhaltigen Beleg.

    ****
    Die Idee, Elektroautos als Speicher zu verwenden, hat Eduard Heindl im Vortrag durchgerechnet und verworfen. Deutschland muss 7 Tage Strom speichern können, um Flauten von Sonne und Wind abdecken zu können. Akkus brauchen knappe Rohstoffe in der Herstellung und sind teuer. Außerdem müsste man dann in der Nacht fahren und am Tag aufladen.

    ****
    Die Idee mit der Windkraft aus Lenkdrachen wird von einem italienischen Startup namens Kitegen bereits entwickelt.

    Interessant sind auch Flüssigsalzreaktoren, die in Indien entwickelt werden. Diese können, im Gegensatz zu regulären Kernreaktoren, auch flexibel Spitzenlast zur Verfügung stellen und Brennstoff gäbe es jede Menge. Man könnte damit sogar Atommüll abbauen.

    Das sind alles interessante Technologien, die, wenn sie effizient sind, auch profitabel sein werden. Ich glaub’s aber erst, wenn es funktioniert.

    ****
    Der Markt preist negative Externalitäten des Verkehrs nicht ein. Der Staat, jedenfalls ein demokratischer Staat tut das auch nicht, weil es eben unpopulär wäre. Man müsste, wie schon erwähnt, die Steuern auf’s Tanken und die Straßenbenutzung kräftig anheben.
    Mubarak fiel unter anderem deshalb beim Volk in Ungnade, weil er die Subvention auf Benzin kürzen wollte. Evo Morales wäre vor einem Jahr fast gestürzt worden, weil er selbiges vor hatte. Also selbst autokratische Herrscher haben hier ein Problem.

    Es bräuchte schon einen Umwelt-Stalin, um den Markt zu verbessern.

    Der dominante Faktor bleibt dennoch der populäre und staatlich forcierte Straßenbau. Wo es keine Straße gibt, fährt auch kein Auto.

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    !!! | 5. November 2011 | 08:18
    dieter sagt:

    Sehr vielversprechend ist übrigens Solare Prozesswärme:

    http://www.sol-ution.com/solar-produkte/komplettsysteme/solareprozesswaerme/

    Unter ”solarer Prozesswärme“ versteht man die Nutzung thermischer Sonnenenergie in Gewerbe- und Industriebetrieben zur Erzeugung von Warmwasser für Prozesswärme.
    Das Potenzial ist grundsätzlich sehr groß: Rund 30 % des industriellen Wärmebedarfs in Europa liegt auf einem Temperaturniveau von unter 100°C, also geeignet für die Nutzung thermischer Sonnenenergie. Solare Prozesswärme eignet sich vor allem für Betriebe, die insbesondere in der warmen Jahreszeit Prozesswärme auf einem niedrigen Temperaturniveau – jedenfalls unter 100°C, besser unter 50°C – benötigen.
    Mit Solarenergie wird dabei die für verschiedene Prozesse (wie z.B. Waschen & Reinigen, Beheizung von Bädern & Kesseln, Trocknung, Vorerwärmung) benötigte Wärme erzeugt.

    ****
    Diese Technologie ist ausgereift, günstig und unkompliziert.

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    !!! | 5. November 2011 | 08:38
    Tom Schaffer sagt:

    “SUV-Motoren sind effizient. Sogar effizienter als die Motoren in Kleinwägen, wegen des größeren Hubraums pro Zylinder.”

    Mag schon sein, aber sie sind zu 95% unnötig und auch unter der Berücksichtigung der größeren Effizienz bleibt unterm Strich eine höhere Umweltbelastung und ein höherer Treibstoffverbrauch.

    “Es bräuchte schon einen Umwelt-Stalin, um den Markt zu verbessern.”

    Ich denke, es braucht ein cleveres System aus Aufklärung, Anreizen, Konsequenzen und Regularien. Natürlich geht es nicht, den Leuten plötzlich eine Belastungswelle drüberzuknallen und mit einem Mal die gewaltigen Kosten weiterzugeben. Das wäre ein zu großer Schock, der für die meisten Menschen zu teuer und ruinierend wäre, und wohl auch das politische System destabilisieren würde (und eben deshalb muss man das politisch einleiten und nicht warten, bis das nach Peak Oil plötzlich ohne jede Rücksichtnahme aufgezwungen wird – denn dann kommt der Schock ungebremst). Man muss das in einem planbaren, transparenten mittel/längerfristigen Prozess machen – am Besten parallel zur Umschichtung der Energiequellen allgemein.

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    5. November 2011 | 15:01

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