Soll Romneys Kampagne untergehen?

Vielleicht ist nur ein Eindruck von außen, geboren aus einer chronisch Amerika-skeptischen medialen Umgebung. Aber die Nominierung von Mitt Romney für die US-Präsidentschaftswahl durch die Republikaner hatte immer diesen verrückten Beigeschmack. Ein Superreicher, der oft gerade zu unfähig wirkt, seine Abgehobenheit und Inkompetenz zu verstecken? Natürlich ist das Bild überspitzt, aber der soll unter all den Millionen RepublikanerInnen das Beste sein, das die Partei zu bieten hat? Mit dem wollen sie an Barack Obama kratzen? Was, wenn das immer nur die Draufgabe gewesen wäre?

Romneys jüngster Ausrutscher wird ihm nicht weiter geholfen haben. Er sagte im Prinzip, 47% der AmerikanerInnen seien sozialstaatsabhängie, selbsternannte Opfer, die niemals Republikaner wählen würden und deshalb nicht zu seinem Job gehörten. (Es stimmt übrigens, dass ärmere Menschen eher Demokraten wählen, aber nicht in diesem Ausmaß). Dass sich einige der reaktionärsten ParteikollegInnen davon inspiriert und bestätigt fühlen, macht die Schadensbegrenzung noch schwieriger.

Nimm, was du kriegen kannst

Aber Meinungen, auch sehr dumme, sind schnell vergessen und am Wahltag wählen die meisten Menschen zumindest das kleinere Übel. Für die konservativ-rechten Teile des Volkes wird das auch diesmal der Mann der Grand Old Party sein: Romney. In Umfragen ist er zwar zurück, aber noch nicht entscheidend. Falls sich das allerdings ändert, wird so manch ParteifreundIn möglicherweise nur Krokodilstränen vergießen – wegen des Geldes. Romney hat für seinen Wahlkampf massenhaft Spenden gesammelt, die allerdings fast zur Hälfte von der Republikanischen Partei verwaltet werden. Da im November nicht nur ein neuer Präsident, sondern teilweise auch ein neuer Kongress gewählt wird, könnten die Parteigranden sich dazu entschließen, das Geld in dortige Wahlkämpfe umzuleiten.

Sie streben vor allem um die Eroberung des knapp von den Demokraten dominierten Senats. Aktuell sehen die Chancen dazu nicht gut aus, eine kleine Geldspritze würde so manchen Kampf um einen Sitz aber möglicherweise wieder spannender machen. Mit der Kontrolle über beide Häuser könnten die Republikaner auch Obamas zweiter Amtszeit viele Reformen verhindern. Er wäre vom ersten Tag an eine “Lame Duck”, wie George Bush Jr. in seinen letzten beiden Jahren. “Nobody in the media wants to say it—because we have too much fun calling the play-by-play—but the presidential race is over”, sagt Elliot Spitzer, ein demokratischer Ex-Governeur der nun als Pundit durch die Medien zieht. Für ihn ist der wichtige Wahlkampf, um in der nächsten Amtsperiode regieree zu können, schon nicht mehr der um das Weiße Haus, sondern der um die Senatsitze und eine Filibuster-Reform (die die Demokraten diesmal mit einer Mehrheit wohl durchdrücken wollen).

Der offensichtlich geschickte und gut vernetzte Fundraiser Romney könnte den Republikanern vielleicht mehr nutzen, wenn er sich intern bei der Wahl vorzeitig geschlagen gibt. In dieser Funktion ergibt seine Nominierung irgendwie auch mehr Sinn, als als ernsthafter Herausforderer von Amtsinhaber Obama. Denn wenn der nun eine schwache zweite Amtszeit hat, stellt sich die Frage, ob die Demokraten in vier Jahren wieder ein solches Zugpferd finden, gleich noch deutlich lauter.

Fotocredits: Terence Burlij/PBS NewsHourCC2.0 BY-NC

  • Ich finde es etwas seltsam, dass man das heimlich aufgenommene Video vom Romney als “Ausrutscher” bezeichnet. Offensichtlich ist es nicht geschickt so was öffentlich zu sagen – aber das wollte er ja auch gar nicht, es ist eine heimliche Aufnahme. Andererseits ist die Vorstellung, dass sich Menschen ihre Sozialleistungen wählen unter amerikanischen Konservativen nicht wirklich originell und auch die damit in Verbindung gebrachte Anzahl derer, die keine Einkommensteuer zahlen ist etwas, das ich schon vor vielen Jahren auf konservativen Blogs gelesen habe. Oft im Zusammenhang mit der Frage, was passiert, wenn diese Zahl über 50% steigt und oft mit Zitaten von Alexis de Tocqueville (wenn Du im Google nach Romney 47 Tocqueville suchst, bekommst Du 2.8 Millionen Ergebnisse).
     
    Romney hat auch nicht ganz unrecht. Das ist auch nicht unbedingt eine links/rechts Sache. Der Grund, dass bei uns der Staat das ganze Geld in die Pensionen steckt ist wohl auch der, dass man sich damit mehr Wählerstimmen kaufen kann, als z.B. mit Bildungsausgaben.

  • dieter

    Republikaner und Demokraten sind keine Parteien im europäischen Sinne. Es handelt sich um lose Wahlplattformen. Jeder kann sich zur Wahl mal als Republikaner, mal als Demokrat registrieren lassen und bei den Vorwahlen mitmachen. Jeder kann sich als Kandidat anmelden, von der Gemeinde-Ebene, bis zur Präsidentschaftswahl. Unterschiedliche Interessensverbände pushen unterschiedliche Kandidaten oder einigen sich auf Kompromisskandidaten.

    Insofern ist die Frage “Was haben sich die Republikaner gedacht?” sinnlos, denn es gibt “Die Repubilkaner” eigenlich nicht. 

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    Die europäischen Medien beweisen keine nüchterne Distanz zur US-Politik, sondern schreiben bei den anti-republikanischen Medien ab und potenzieren das noch einmal durch ihren eigenen Anti-Amerikanismus.

    So kommt es, dass Romney und Obama, die eigentlich charakterlich und politisch sehr ähnlich gestrickt sind von hysterischen Medien in den USA, in Europa und von den fanatischen Anhängern der beiden Lager in den USA zu Stalin vs. Hitler gemacht werden.

    Obama ist geschickter in diesem Spiel. Bei den letzten Wahlen profilierte sich als neuer Messias, um anschließend an die Politik Bushs einfach anzuknüpfen und generell eine zentristische Establishment-Politik betreibt. Auch diesmal macht er das wieder, allerdings etwas abgeschwächt.

    Romney musste sich bei den Vorwahlen verstellen. Früher hatte er sich für Außenpolitik überhaupt nicht interessiert, was ihn für mich sehr sympatisch macht. Er ist der eigentliche Erfinder von der Gesundheitsreform, die Obama einfach kopiert hat, musste sich davon aber distanzieren.

    Den Schwenk zurück hat er aber nicht mehr geschafft.

    Der größte Fehler Romneys ist aber glaube ich, dass er den Randianer Paul Ryan als Vize auserkoren hat. Ryan hatte sein Leben der Pensionskürzung verschrieben. Auch wenn er jetzt in dieser Frage leiser tritt, dürfte das trotzdem die Pensionisten verstören, die besonders häufig zur Wahl gehen, besser informiert sind und den Ausgang in den Swing-States wie Florida und Ohio bestimmen.

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    Romney hat jedenfalls mehr Erfahrung als Obama 2008, dessen mittelmäßige Karriere von den anti-republikanischen Medien damals völlig übertrieben wurde.

    Die sogenannten “Ausrutscher” und “Sager” werden nur von den Romney-feindlichen Medien als solche stilisiert und zeigen eigentlich auf die Schwachstellen der Demokraten. Romney lässt sich aber immer wieder einschüchtern und versucht sich gegenüber jenen Journalisten zu erklären, die ihn sowieso verhindern wollen.

    Dazu gehört beispielsweise der Libyen-Sager, als auch der Palästinenser-Sager. Bzgl. des Friedensprozesses hat er einfach nur Ross und Reiter beim Namen genannt.

    Auch die “47%” müssen kein Malheur sein. Obama meinte über “small town”-Amerikaner, was ein Kodewort für Republikaner ist: “they cling to guns or religion, or antipathy toward people who aren’t like them, or anti-immigrant sentiment, or, you know, anti-trade sentiment [as] a way to explain their frustrations.”

    Das Verunglimpfen der Wähler anderer Parteien hat auch in Europa Tradition und kann sehr effektiv sein. Die Grünen lebten in den letzten Wahlkämpfen fast ausschließlich von der Verächtlichmachung von FPÖ-Wählern als ungebildete Globalisierungsverlierer. Sozialschmarotzer-Debatten hatten wir auch schon zuhauf, auch von SPD&Co.

    >95% aller Menschen halten sich für überdurchschnittlich intelligent. >90% aller Amerikaner zählen sich zur Mittelschicht. Und Sozialschmarotzer sind immer die anderen.

    Indem man die Wähler einer anderen Partei verächtlich macht, kann man deren Wählerbasis und Aktivisten demoralisieren und Unentschiedene zur Wahl der eigenen Partei animieren, die somit beweisen können, dass sie nicht zu den Schmuddelkindern gehören.

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    Vorbildlich ist der Progressive Journalist Glenn Greenwald, der das alberne Pro-Wrestling-Match zwischen den beiden Parteien und deren Ahnängern in Bezug auf Außenpolitik, Überwachung und Drohneneinsätze aufzeigt:
     http://www.salon.com/2012/02/08/repulsive_progressive_hypocrisy/

    Obama lässt sich jeden Tag Kärtchen mit den Fotos und Kurzbeschreibungen von mutmaßlichen Terroristen vorlegen. Er entscheidet dann, wer sterben muss und wer leben soll, wie ein römischer Imperator im Kolosseum. Das übersteigt die Willkür und Brutalität Bushs um einiges, wird aber von jenen, die sich über Bush echauffiert hatten, ignoriert oder sogar gepriesen.

  • “Insofern ist die Frage “Was haben sich die Republikaner gedacht?” sinnlos, denn es gibt “Die Repubilkaner” eigenlich nicht.”

    Hä? Sorry, aber natürlich gibts es sowohl eine massive Stammklientel als auch einen Stamm an Aktivisten und Parteifunktionären der republikanischen Partei, Der ist fluider als bei Parteien in Europa, aber drum sind das trotzdem nicht jedes Mal völlig andere Menschen mit komplett anderen Werten. Und natürlich ist es legitim zu fragen, was diese Leute mit der Nominierung Romneys im Sinn hatten.

    Seine Peinlichkeiten jetzt nur auf angeblich anti-republikanische Medien abzuschieben ist eine peinliche Argumentation und Strategie. Die Medienlandschaft hat sich in den letzten 20 Jahren nicht merkbar zu ungunsten der Republikaner verändert. Die Republikaner und ihre Wählerbasis aber sehr wohl.

    In einem Zweiparteiensystem ist es schlecht, wenn die eine Partei sich eher moderat geben kann, weil sie die radikaleren Sympathisanten sowieso wählen, während die andere Partei droht, ihren radikalen Idiotenflügel zu verlieren. Das ist das aktuelle Problem der Republikaner: Sie sind viel zersplitterter als die Demokraten. Gäbe es ein funktionierends Mehrparteiensystem wäre das ein Vorteil. Dann könnten Ron Paul und Mitt Romney und Sarah Palin jeweils ihre eigene Partei anführen und alles Potential aufgreifen und die Demokraten in ihrer heutigen Form wären zu breit um dagegen zu halten. Aber dieses System gibt es nicht.

    Deshalb musste Romney nach rechts rutschen und deshalb ist er dort auch nicht mehr rausgekommen bzw wird auch nicht mehr rauskommen, weil ihn das das Tea Party-Elektorat fallenlassen würde. Und wer die ominöse Mitte nicht hat, gewinnt in einem recht gleichmäßig geteilten Zweiparteiensystem keine Wahl.

    “Das Verunglimpfen der Wähler anderer Parteien hat auch in Europa Tradition und kann sehr effektiv sein.”

    Das funktioniert halt in einem Mehrparteiensystem wo es darum geht, 25 statt 20% zu schaffen besser, als in einem Zweiparteiensystem, wo es darum geht 52 statt 48% zu bekommen. Wenn man da schon mal angebliche 47% vor den Kopf stößt und abschreibt… (und auch wenn der tatsächliche Effekt nicht alle 47% verstoßen wird, Romneys Sager erlaubte es eben nicht, dass er eh “alle andere außer mich” gemeint haben könnte, er sagte ganz logisch und undifferenzierbar: Wer Leistungen bezieht, der ist von den Demokraten korrumpiert.)

    “Indem man die Wähler einer anderen Partei verächtlich macht, kann man deren Wählerbasis und Aktivisten demoralisieren und Unentschiedene zur Wahl der eigenen Partei animieren, die somit beweisen können, dass sie nicht zu den Schmuddelkindern gehören.”

    Das seh ich anders. Indem man die Wähler einer anderen Partei verächtlich macht, mobilisiert man sie erst recht, weil man selbst sich ihnen als Feind darstellt. Und Unentschiedene – also großteils eher unabhängige und moderate Menschen – mögen keine Radikalisierung der Politik. Die Unity-Message (und Bush) waren Obamas Trumph 2008.

    “Vorbildlich ist der Progressive Journalist Glenn Greenwald” … Glenn Greenwald ist seit langer Zeit in meinem Twitterstream, du erzählst mir damit nichts neues. Wenn du jetzt aber Salon.com-Artikel zu Dronen und präsidentiell angeordneten Tötungen verlinkst verwechselst zu aber einen Wahlkampf mit einer rein rational-sachpolitischen noch dazu monothematisch bestimmten Auseinandersetzung. 😉

  • Übrigens:

    “Bei den letzten Wahlen profilierte sich als neuer Messias, um anschließend an die Politik Bushs einfach anzuknüpfen und generell eine zentristische Establishment-Politik betreibt.”

    Es wird keinen Präsidenten geben, der eine andere Politik betreibt, selbst wenn die Amerikaner einen solchen wählen würden (was sie nicht tun). Das ist nicht Obamas Schuld – müßig ob er das überhaupt wollte oder nicht – sondern systemimmanent. Realpolitisch erlaubt das amerikanische System nichts anderes, Windows of Opportunity um eine radikale Veränderung auf irgendeinem Gebiet durchzusetzen sind selten und angesichts der finanziellen Interessen in der US-Politik auch eher etwas, das zu gunsten von mächtigen Lobbies genutzt wird.

  • @Tom:
    Obama 2008: “Jerusalem will remain the capital of Israel, and it must remain undivided,”
    Romney 2012: “Jerusalem, the capital of Israel”
    Und warum genau ist jetzt Romneys Aussage ein Ausrutscher, Obamas aber nicht?

  • Hab ich mich zu der Aussage geäußert?

    War doch eh alles ganz gleich wie diesmal bei Romney. US State Department distanziert sich, stellt die Haltung klar, die Palästinenser regen sich auf…
    http://www.haaretz.com/news/abbas-slams-obama-for-saying-jerusalem-to-stay-israel-s-undivided-capital-1.247201

    Einen Monat später: Obama sagt in Sderot ganz klar an, dass über die Teilung Jerusalems die Palästinenser und Israelis entscheiden.
    Und er sagt Jerusalem “WILL BE the capital”.
    http://www.youtube.com/watch?v=Tl-GHERR9hM

    Während Romney praktisch “IS the capital” sagt.
    http://www.guardian.co.uk/world/video/2012/jul/30/mitt-romney-jerusalem-capital-israel-video

    Und zufällig gesagt hat er es ja auch nicht, er bekam von der rechten Klientel zuhause ja auch Lob dafür.
    http://www.breitbart.com/Big-Peace/2012/07/29/Romney-Jerusalem-Capital-of-Israel

    Und von den angeblichen anti-republikanischen Medien auch
    http://www.washingtonpost.com/blogs/right-turn/post/romney-you-bet-jerusalem-is-the-capital/2012/07/29/gJQAuEUTIX_blog.html

    Und drum bleibt er auch dabei. Übrigens: Schon 2008 nach der Berichtigung von Obamas Kurs waren diese sprachlichen Nuancen der Unterschied zwischen Obama und McCain.
    http://www.politifact.com/truth-o-meter/statements/2012/aug/07/mitt-romney/romney-says-obama-rejects-jerusalem-capital-israel/

  • dieter

    1.) Wenn ich von anti-republikanischen Medien spreche, dann meine ich genau diese und nicht alle Medien und schon gar nicht die Medien der anderen Seite, also FOX News, Radio (exklusive NPR) oder National Review.
    Bei diesen Medien wird Obama bestenfalls als ahnungsloser Tölpel dargestellt, der mehr Zeit am Golfplatz verbringt als mit dem Regieren. Von dieser Seite werden Obama ständig faux pas und Ausrutscher unterstellt, die ebenfalls keine sind. (z.B. “you didn’t build that”)
    Ob etwas ein Faux Pas ist, bstimmt der Konsens in der fraglichen Gemeinschaft. Hier also alle Amerikaner, oder die Anhänger des eigenen Lagers. Wenn sich die NYT über Romney echauffiert, oder FOX News über Obama, dann ist das noch lange kein Beleg für einen objektiven Ausrutscher.
    2.) Der Hinweis auf Glenn Greenwalds Analyse sollte nur untermauern, dass das, was als unmöglich und transgressiv gilt, von einem Tag auf den anderen akzeptiert werden kann. Folglich darf man diese Aufreger-Diskussionen nicht zu ernst nehmen.
    3.) Republikaner und Demokraten sind politische Lager, ähnlich wie die Sozialdemokratie, das christlich Soziale Lager, oder das dritte Lager. Kaderparteien, in denen man erst einmal eine Ochsentour absolvieren muss und wo Spitzenfunktionäre bestimmen, wer antreten darf und was die dieswüchige, von allen zu wiederholende Position der Partei ist, sind es nicht. (Ich bevorzuge auch das kollektivistische, eher europäische Modell, aber beides hat Vor- wie Nachteile).
    4.) Obama hätte die Politik Bushs sehr wohl rückabwickeln können. Er ist aber ein “liberal internationalist”, die sich von ihnen verhassten Neokonservativen in der Praxis nicht unterscheiden, sich aber Spinne feind sind. Die einen unterstellen, den anderen, inkompetent und böswillig zu handeln. Beide aber wollen mit militärischen Mitteln die Welt verbessern und auf der Seite der Guten intervenieren. Methoden, Kollateralschäden und Blowback sind bei so einer Politik unabdingbar.

  • dieter

    5.) Sicher ist das Verunglimpfen anderer Parteigänger ein zweischneidiges Schwert und jene, die sich stark mit der fraglichen Partei identifizieren, können dadurch motiviert werden.

    Die Zahl “47%” war tatsächlich unglücklich hoch gegriffen. 37% wären besser gewesen. Trotzdem bezweifle ich, dass sich davon alle Wähler der Demokraten angesprochen fühlen. Die Republikaner haben auch einen guten Teil an Wählern, die Netto mehr bekommen, als sie beitragen. Das verkompliziert zusätzlich die Frage, wer da überhaupt angesprochen sein soll.

    6.) Retrospektive Grüne Vorwahlen: Die Ablehnung der Vorwähler durch die Grünen hatte paranoide Züge und war vielleicht auch durch Abstiegsängste getrieben. Eine Gefahr für die Partei waren die Vorwahlen nicht. Die ÖVP würde durch Vorwahlen wohl in eine Bauernpartei, eine Beamtenpartei und eine Wirtschaftspartei aufgespalten.

    7.)  Jerusalem ist defacto die Hauptstadt Israels und daran wird sich auch nichts ändern. Ein Präsident kann das freilich aus diplomatischen Gründen nicht aussprechen. Das ist ein Sturm im Wasserglas. Die Aufregung beider Seiten ist albern.

  • 1. Du stellst die NYT da gerade publizistisch auf eine Ebene mit Fox News. Ok…
    2. Sag ich ja schon im Text: “Aber Meinungen, auch sehr dumme, sind schnell vergessen und am Wahltag wählen die meisten Menschen zumindest das kleinere Übel.”
    3. Ich sehe jetzt nicht, was diese Argumentation damit zu tun hat, dass trotzdem die Republikaner – ob als Lager oder als Gruppe oder als Kollektiv ist doch wurscht – Romney zu ihrem Vertreter gemacht haben.
    4. “Obama hätte die Politik Bushs sehr wohl rückabwickeln können.”
    Ja, zu einem Teil hat er das auch getan. Zu einem bedauerlichen anderen nicht.
    “Er ist aber ein “liberal internationalist”,”
    Liberaler Institutionalist.

    “die sich von ihnen verhassten Neokonservativen in der Praxis nicht unterscheiden”
    Mit der Meinung würdest du in Theories of International Relations 101 zumindest ganz knapp nicht durchfallen. Beide sind sich darin ähnlich, dass sie wertegesteuerte Interventionisten sind. Sie unterscheiden sich allerdings a. in den Werten, b. im Einsatz von Gewalt und Diplomatie, c. in der Einschätzung internationaler Institutionen und Organisationen.

    Die Denkschulen verschwimmen in der Praxis unter anderem auch deshalb, weil die tatsächlich vorherrschende Internationale Theorie vor allem bei Militärs der Realismus ist, der auch stark die US Außenpolitik prägt. Und der kombiniert mit missionarischen Werten führt eher in den Neoconservativismus.

    http://internationalebeziehungen.files.wordpress.com/2008/01/from_theore_to_practice_1.jpg

    Eine viel interessantere Einteilung der Nuancen der US Außenpolitik von Präsidenten stammt meiner Ansicht nach von W.R. Mead, der vier Traditionen erkennt, benannt nach den Präsidenten, die sie als erste geprägt haben: Jefferson, Hamilton, Wilson, Jackson. Bush war eine Kombo aus Jackson-Wilson, Obama eher Jefferson-Wilson.
    http://www.foreignpolicy.com/articles/2009/12/18/the_carter_syndrome?page=0,0

  • 5.)“Die Republikaner haben auch einen guten Teil an Wählern, die Netto mehr bekommen, als sie beitragen.”

    Deshalb ist die Aussage ja ein Problem für Romney. Die Gegner hat er mobilisiert, einen nicht zu kleinen Teil an Anhängern damit befremdet. 😉

    6.) Retrospektive Grüne Vorwahlen: Die Ablehnung der Vorwähler durch die Grünen hatte paranoide Züge und war vielleicht auch durch Abstiegsängste getrieben. Eine Gefahr für die Partei waren die Vorwahlen nicht. 

    Sorry, verliere die Übersicht. Der Punkt hier war was? 😉

    7.) Jerusalem ist defacto die Hauptstadt Israels und daran wird sich auch nichts ändern. Ein Präsident kann das freilich aus diplomatischen Gründen nicht aussprechen. Das ist ein Sturm im Wasserglas. Die Aufregung beider Seiten ist albern.

    Wenns um Botschaften anderer Länder geht, ist Jerusalem nicht die Hauptstadt. Das Land sieht sie aber als solche. Wir werden das hier nicht aufklären, natürlich ist die Diskussion eine auf rein diplomatisch bedeutender Ebene. Die Aufregung ist deshalb so groß, weil das Thema problematisch ist und es taucht deshalb in den meisten Präsidentschaftswahlkämpfen auf, weil es nicht unwichtig in der Mobilisierung mancher Teile der jüdischen Bevölkerung bei Wahlen in den USA ist. Es gibt trotzdem die sehr nuancierte Unterscheidung zwischen Romney und Obama (bzw McCain und Obama).

  • dieter

    Nein, ich meine “Liberal Internationalism”, nicht “Institutionalism”.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Liberal_internationalism
    Setzen Sechs. 😉

    Dass ich mit meiner Gleichsetzung zum Neokonservativismus an der Uni durchfallen würde, spricht gegen die österreichische Politikwissenschaft. Mich interessiert die Substanz und nicht Oberflächenrhetorik. Die einen sprechen von “internationaler Gemeinschaft”, die anderen von “Alliierten unter amerikanischer Führung”. Beide ignorieren Russland, China und UNO, wenn die nicht mitziehen.

    Militär und CIA sind Realisten. Diese Denkschule hat im öffentlichen Diskurs aktuell nicht viel zu vermelden.

     ad 1.) Ein Republikaner würde die Gleichsetzung genauso empörend empfinden, wie ein Demokrat. Ich vergleiche FOX News und NYT aber nicht in publizistischer Hinsicht. Da gäbe es andere Äquivalenzen.

    ad 3.) Die Entscheidung für Romney wurde aber nicht im verrauchten Hinterzimmer von Spitzenfunktionären getroffen, sondern basierte auf Schwarm(un)intelligenz.

  • “Dass ich mit meiner Gleichsetzung zum Neokonservativismus an der Uni durchfallen würde, spricht gegen die österreichische Politikwissenschaft”

    Das liegt daran, dass du konkretere Beschilderungen (Neocons vs. Liberale Institutionalisten) mit einzelnen Prinzipien (Internationalismus) vermischt. Das ist nicht ganz dieselbe Deutungsebene. Aber wie die Wikipedia schon sagt: Entwickelt wurde diese Doktrin in den USA unter Woodrow Wilson. Uund wie ich sagte: sowohl Obama als auch Bush hatten Wilson’sche Elemente in ihrer Außenpolitik. Aber beide eben auch andere. Der Mead-Artikel erklärts ganz gut.

    “Militär und CIA sind Realisten. Diese Denkschule hat im öffentlichen Diskurs aktuell nicht viel zu vermelden.”

    Wohl aber in den Entscheidungen.

    “Ein Republikaner würde die Gleichsetzung genauso empörend empfinden, wie ein Demokrat. Ich vergleiche FOX News und NYT aber nicht in publizistischer Hinsicht. Da gäbe es andere Äquivalenzen.”

    Das kommt stark darauf an, was du unter Republikaner und Demokraten empfindest. Die intellektuelle Kapazität eines NYT-Lesers ist nicht gerade mit der eines Fox-Sehers zu vergleichen. Die NYT ist natürlich progressive-leaning, aber keinesfalls ein Republikaner-hassendes Kampfblatt. Romney und andere Republikaner haben dort eine faire Chance und werden nicht um jeden Preis lächerlich gemacht.

    “Die Entscheidung für Romney wurde aber nicht im verrauchten Hinterzimmer von Spitzenfunktionären getroffen, sondern basierte auf Schwarm(un)intelligenz.”

    Ja gut, das provokant-verschwörerische Intro meines Textes bekommt mit der Analyse ein problem. Aber abgesehen davon, dass das schon ein ziemlich idealisiertes Bild von amerikanischen Realitäten ist: Für die Bewertung, ob seine Nominierung so clever war und dass sein Ende den Republikanern mehr nützen könnte (und das ist natürlich was, das in verrauchten Hinterzimmern beschlossen wird), spielt das keine wesentliche Rolle . 😉

  • Mir geht nicht darum, was Obamas/Romneys Position ist bzw. wie sie sich entwickelt hat, sondern nur um die unterschiedliche Reaktion in den Medien auf die gleiche Aussage (bzw. eigentlich geht ja die Aussage von Obama, dass Jerusalem nicht geteilt werden soll noch ein ganzes Stück weiter).
    Und hier wiederum eigentlich um die europäischen Medien, die Dieter ja erwähnt hatte und deren Einseitigkeit Du bestritten hast. Der Link zur WP zählt aber auch schon alleine deswegen nicht, weil das eine konservative Meinungsseite ist (deswegen auch der Name “Right Turn”, und die Autorin wird lt. Wikipedia u.A. als “one of the right’s most prolific online political writers” beschrieben).

  • “Und hier wiederum eigentlich um die europäischen Medien, die Dieter ja erwähnt hatte und deren Einseitigkeit Du bestritten hast.”

    Dieter sprach von anti-republikanischen Medien die den Wahlkampf und Romneys Verhalten beeinflussen. Das sind keine europäischen Medien, wenn du mich fragst. Europäische Medien sind keine einheitliche Masse. Guardian, Independent, FAZ, Süddeutsche, BBC, FT und NZZ, die ich unter anderem immer wieder lese, müssen sich bestimmt nicht den Vorwurf gefallen lassen, pauschal einseitig zu sein.

    Dass die europäischen Gesellschaften eher amerikakritisch sind, schreib ich ja eh schon im Text (“Vielleicht ist nur ein Eindruck von außen, geboren aus einer chronisch Amerika-skeptischen medialen Umgebung.”), dass sie eher mit den Demokraten sympathisieren, würde ich auch sagen und logisch finden. Auch dass europäische Medien als Teil dieser Ganzes wohl insgesamt eine gewisse Präferenz für die Demokraten haben, lässt sich wahrscheinlich empirisch herausfinden. “Anti-republikanisch” ist aber ein viel zu hartes Wort.

    “Der Link zur WP zählt aber auch schon alleine deswegen nicht, weil das eine konservative Meinungsseite ist”

    Eben, die Washington Post gilt als eher linke Zeitung, hat aber konservative Kolumnistin. Das ist eben kein Kampfmedium, nichts anti-republikanisches, nix wo Romney per se als Dodel abgestempelt wird. Ich für meinen Teil lese über die USA die NYT, den Economist, die WP, Slate.com, Salon.com und Politico bzw. höre einige Podcasts, die von ebenso hoher Qualität sind. Sollen das alles antirepublikanische Medien sein?

  • dieter

    *** TV-DUELL ***

    Der Konsens ist heute, dass Romney die Debatte gewonnen habe. Das Obama-Camp von seinem Idol schwer enttäuscht.

    Ich kann das persönlich nicht nachvollziehen. Aber auch bei Palin und Bush musste man eingestehen, dass sich diese besser geschlagen hatten als erwartet. Die Intelligenzia des demokratischen Camps macht immer wieder den gleichen Fehler, den Gegenkandidaten als völlig inkompetent, ahnungslos und peinlich zu diffamieren. Wenn der Gegenkandidat diese Negativerwartung übertrifft, was sogar Palin gelang, dann ist große Verwirrung angesagt.

    Für mich hat die Debatte nichts neues gebracht und meine Einschätzung bestätigt. Romney und Obama sind sich charakterlich und politisch sehr ähnlich. Die beiden liegen geradezu auf gleicher Wellenlänge und könnten gar eine harmonische, kompromissbereite und freundschaftliche Doppelpräsidentschaft bestreiten. 

    Romney hat das TV-Duell genutzt, um wieder in die Mitte zu rücken. Diese Option hielt er sich immer offen gelassen, da er sich, genau wie Obama, nicht genau festlegt, was sich langfristig bezahlt macht.

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