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Obamas Wiederwahl tat weh (hat nichts mit ihm zu tun)

Seit Wochen hat mich die Berichterstattung zur US-Präsidentschaftswahl genervt. Nicht, weil ich grundsätzlich uninteressiert gegenüber dem Ereignis wäre, sondern aufgrund der Art und Weise, wie darüber (vom Spin der US-Medien ausgehend) geschrieben und gesendet wurde.

Seriöse Umfrageinterpreten wie Nate Silver in der New York Times hatten in den letzten Monaten nie auch nur den geringsten Zweifel daran, dass Barack Obama diese Wahl gewinnen wird. Zwischen 60 und über 90 Prozent Siegeswahrscheinlichkeit zeigten seine Berechnungen im letzten halben Jahr für den Präsidenten. Lange vor “Hurricane Sandy” hatte sich Obama selbst vom kleinen aber nicht wirklich bedeutenden Tief nach der ersten TV-Debatte erholt. Elliot Spitzer, Demokrat, hatte schon im September darauf hingewiesen, dass das interessante Rennen eigentlich nun jenes um den Senat wäre (ich habe das hier schon verarbeitet). Entgegen aller medialen Behauptungen, dass wir am Wahlabend ein “Kopf an Kopf”-Rennen erleben werden: Es hat nie eines stattgefunden. Mitt Romney stand lange als Verlierer fest.

Nobody in the media wants to say it—because we have too much fun calling the play-by-play—but the presidential race is over. After more than a year of watching Mitt Romney, very few undecided voters remain“, Elliot Spitzer, Slate, 20. September 2012.

Obama hat bei der Wahl nun vermutlich 332 Wahlleute gewonnen. 62 Prozent von ihnen. Nur das zählt im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf, das ist als Erkenntnis über das Wahlsystem nicht neu. Obama hat all “seine” Bundesstaaten mit über 5 Prozent Vorsprung gewonnen. Außer Florida, Ohio und Virginia. Und diese drei Staaten hätte er verlieren können und wäre trotzdem Präsident geblieben. Deshalb hätten “Pundits” und JournalistInnen dieses Rennen nie als “knapp” verkaufen dürfen, wenn sie ihren Informationsauftrag ernst genommen haben. Fast zwei Drittel der entscheidenden Stimmen (also die der Wahlleute) zu gewinnen, ist in einem Zwei-Kandidaten-Rennen kein knappes Ergebnis.

Die New York Times hatte eine Grafik im Angebot, wie die Kandidaten zu ihrem Sieg kommen würden. Dies ist der Weg, der es schließlich wurde, der eindeutigst mögliche:

Der Abstand an absoluten Stimmen mag knapper aussehen: Obama wird zirka drei Millionen Stimmen (2 bis 3 Prozent Unterschied) mehr sammeln. Aber das ist ein Ergebnis des Spiels unter den gegebenen Regeln. Hochburgen werden bei diesen Wahlen schlecht mobilisiert, weil der Gewinner sowieso alle Stimmen bekommt. Ob Obama in Kalifornien mit 3 oder 10 Millionen Stimmen Unterschied gewinnt ist ebenso belanglos, wie beim Sieg von Romney in Texas. In diese oft bevölkerungsreichen Staaten fließen weder Energie noch Ressourcen der Kampagnen. Ein Wahlsystem mit absoluten Stimmen hätte ein andere Ergebnis gebracht, welches weiß man nicht. Fakt bleibt: Der etwas knappere Sieg nach absoluten Stimmen macht das Ergebnis der “Wahl” auch nicht knapper.

Huh? Medien? Hallo?

Wenn das Rennen weder eng war noch knapp ausging, warum haben die Medien dann mitgespielt? Ich spreche hier vor allem von US-Medien – und da vor allem von den größeren, einflussreicheren – weil die wissen müssten, was sie da tun (weil sie genügend Ressourcen für eine durchdachte Berichterstattung haben). Die kleineren und europäischen Medien geben naturgemäß stark das wieder, was sie selbst von dort mitbekommen (man sitzt ja nicht an der Quelle). Bei diesen Verursachern – den großen Portalen, Zeitungen und Networks in den USA – muss man bis zu einem gewissen Grad von Kalkül ausgehen: Es geht da nicht um seriöse Information allein, sondern um die Quote, um die Auflage, um die Zugriffszahlen.

Man kann das mit Sportevents vergleichen. Weil die Übertragungsrechte von Ligen und Events teuer sind, muss natürlich jedes Event dann auch irgendwie das tollste, coolste, beste und schönste sein. Auch wenn es nur die marode zweite Liga des österreichischen Fußballs ist. Man redet sich nicht das eigene Produkt schlecht.

Für die US-Wahl braucht man zwar keine Übertragungsrechte zu kaufen, kann sie aber auch nicht ignorieren. Eine würdig aussehende Berichterstattung kostet auch einiges Geld. Also muss man sie “attraktivieren”, das etwas stinkende Produkt wenigstens bunt anmalen. Der Spin einer Kampagne darf dann nicht zu lange gleich sein. Keine Neuigkeiten sind schlechte Neuigkeiten. “News” brauchen Drama, Wendungen und Neuigkeiten, wenn man mit ihnen ein Medienprodukt verkaufen will. Man kann nicht kommerziell erfolgreich fünf Monate über eine Wahl berichten, die entschieden ist.

Die total egale, megawichtige TV-Debatte

Einer der bemerkenswertesten “Turns” dieser Geschichte war bei der ersten TV-Debatte zwischen Obama und Romney zu beobachten. Er fiel mir deshalb besonders stark auf, weil ich zu diesem Zeitpunkt bereits auf den nächsten “Überraschungsschwenk” gewartet hatte. Dass Obama uneinholbar war, hatte sich nämlich schon zu lange herumgesprochen. Vor der Debatte war dann zu allem Überdruss in allen Medien die Rede davon, wie das Format seine Bedeutung verloren hatte. Es galt als fast schon wirkungslos und gleichgültig für den Ausgang der Wahlen. Die meisten Leute hätten sich zu diesem Zeitpunkt bereits entschieden, unglaublich viele sogar schon vorab gewählt. Die ExpertInnen waren sich einig: Eigentlich alles wurscht.

Aber als Obama an diesem Abend nicht gut aussah, da war es plötzlich ein “Game Changer”. Dazu muss man sagen, dass Obama eigentlich einfach nur keinen guten Tag hatte, aber sich keinen radikalen Fehler leistete. Er ließ Romney mit einigen Lügen durckommen, griff ihn zu wenig an. Obama sagte aber nichts neues Kontroverses, verplapperte sich nicht, stieß niemanden bei einem emotionalen Thema vor den Kopf. Die Siegeswahrscheinlichkeit nach Nate Silver sank in den Tagen danach auf 60 Prozent (ein herbeigeschriebener Wandel bewirkt auch einen kleinen tatsächlichen und einen großen in der Wahrnehmung).

Der errechnete Vorsprung fiel aber nie unter zehn bis zwanzig Wahlleute, zu klar hatte Obama die wichtigsten Staaten auf seiner Seite. Trotzdem konnten die Medien nun endlich tratschen: Stolpert der Favorit vor der Ziellinie? Die Sportmetapher ist auch hier kein Zufall. Diese Art der Berichterstattung nennt man auch “Horse Race Journalism”.

Keine Fragen

Es war das willkommene Fressen für die Medien, dass Obama an diesem Tag irgendwie schläfrig war. Endlich eine Neuigkeit, ein neuer Trend, ein neues Narrativ. Quote, Auflage, Klicks!

Dabei wurde nie analysiert, wie es möglich war, dass dieser manchmal so brillant wirkende Mann sich so einfach übertölpeln lies – dass er lustlos und unvorbereitet scheinend in die Konfrontation ging? Kann es ihm zu egal gewesen sein? War er zu faul? Hatte irgendein Ereignis, ihn von einer ordentlichen Vorbereitung abgehalten? Oder könnte man fast schon Absicht dahinter vermuten? Um die eigenen Anhänger nochmal wachzurütteln (“Hey, ihr dürft nicht nachlässig werden!”), um zu verhindern, dass die Republikaner zu viel Geld von Romney in den Kongresswahlkampf ableiten können?

Aber wie will man auch etwas glaubwürdig analysieren, das man vor allem hysterisch aufgeblasen hat? In den großen Medien wurde das Versagen deshalb wenig behandelt und beantwortet. (Es gibt dennoch eine Liste mit den 10 dümmsten Erklärungsversuchen) Am Ehesten passte das alles noch in das Erklärungsmuster von konservativen Kommentatoren, die die Leistung als Ausdruck von Obamas angeblicher elitärer Arroganz abtaten.

Obama hats überlebt

Die Debattenleistung war jedenfalls ein Fehler ohne großen tatsächlichen Schaden für Obama. Nur wenige Tage nach dem Duell erholten sich die Umfragewerte. Sie steigerten sich bis zum Wahlergebnis sogar über jedes Level der letzten Monate (wenn Obama mit Florida 332 Electors sammelt, ist das mehr als selbst Nate Silver je vorhergesagt hatte). Interessanterweise griffen die Medien diesen Schwenk nicht mehr in ihr dominierendes Narrativ auf, sondern schrieben weiter vom Kopf-an-Kopf-Rennen.

Erstaunlich ist: All dieses Tarnen und Täuschen, dieses Dramatisieren und Hysterisieren, das konnte man als Medienkonsument durchaus entlarven, denn die Informationen standen bereit. Alle Polls waren einsehbar. Es gab immer wieder hervorragende Infografiken und Analysen (vor allem der New York Times). Aber auch dort, wo die Informationen eigentlich immer wieder richtig wiedergegeben wurden, war nirgendwo etwas prominent von der Vorentscheidung zu lesen.

Respekt vor dem demokratischen Prozess? Sicher. Demut vor möglichen Fehlern? Wahrscheinlich. Manches wird auch damit zu tun haben, dass viele JournalistInnen sich in gewissen Themen-Blasen schwer mit einem Blick von außen tun und sich in Hysterien verleiten lassen. Andere sind dazu vielleicht auch gar nicht fähig. Dazu kommt, dass speziell die Republikaner jeden Versuch heftig attackierten, die Faktenlage unters Volk zu bringen (speziell Nate Silver wurde sogar als “Ideologe” angegriffen). Fakten sind schlecht für den Spin des Verlierers. Aber nicht unwesentlich war wohl auch, dass TV-Networks auch am Wahltag noch 24 Stunden an die Seher zu bringen und Onlinemedien viel Geld in die Live-Aufbereitung der Election gesteckt hatten. So einen Magneten würgt man sich dann ungern allzu sehr ab.

Auch der Kandidat glaubt den Spin

Die Absurdität des herbeifantasierten “knappen” Rennens fand am Wahlabend einen Höhepunkt. Nicht darin, dass CNN zwar beeindruckend viele Reporter quer durchs Land geschickt hatte, diese dann aber dazu verdonnerte in irgendwelchen Wahllokalen irgendwelche sinnlosen Zahlen vorzulesen. Sondern darin, dass Romney sich einige Stunden weigerte, die offensichtliche Niederlage anzuerkennen. Zu einem Zeitpunkt an dem ihm nicht einmal bereits in weite Ferne gerückte Siege in Virginia, Ohio und Florida noch zum Präsidenten gemacht hätten, wollte und wollte er nicht vor die Kameras treten um Obama zu gratulieren.

Auf CNN war dann erstmals sogar eine gewisse Verzweiflung bei Moderator John King vor seiner geilen Riesentouchscreen-Wahlkarte zu erkennen, der die Entscheidung schlicht nicht mehr leugnen konnte und wieder und wieder mit denselben Argumenten vorrechnete, dass es vorbei sei (aber es halt dann doch nicht ganz sagen wollte).

Das Gesicht bleibt gewahrt

Blöd aussehen müssen die Medien jetzt nach dieser Wahl trotzdem nicht, denn “zum Glück” lässt sich der Sieg des Präsidenten ja mit allem möglichen erklären. Dabei hilft nicht unbedingt die Analyse, dass die Repubikaner ein “Latino-Problem” haben (das aber um Himmels willen nie wirklich inhaltlich benannt wird, sondern rein an der Abstammung hängenbleibt). Denn auch das hätte man ja durchaus auch schon vorher wissen müssen.

Aber erstens war das Ergebnis ja nun “wirklich knapp” (das muss man anscheinend ja auch nicht begründen, weil es eh schon jeder gefressen hat) und zweitens hat wahrscheinlich einfach Hurricane “Sandy” die “Leadership” des Präsidenten nur Tage vor der Wahl gestärkt. Unheimlich viele hätten das in Exit Polls als wichtige Sache beschrieben (die auf CNN knappe 10 Stunden gleichzeitig als wirklich ungenau und nichtssagend aber auch als total vielsagend und unverzichtbar dargestellt wurden). Damit muss man sich und den KonsumentInnen auch nicht eingestehen, dass man ihnen seit Wochen eine ganze Menge überdramatisierten Blödsinn verkauft hatte.

How did Romney lose a race that seemed so tantalizingly within reach just one week ago? ‘We were this close,’ one of Romney’s most senior advisers sighed after watching the Republican nominee concede. ‘This close.’“, CNN [Hervorhebung durch mich]

Ich habe ja immer so meine Zweifel, ob Naturkatastrophen oder kleine Versprecher und Stolperer von KandidatInnen wirklich so einfach über massive Differenzen bei emotionalen Wertethemen hinwegtrösten. Pundits machten eine Katastrophe daraus, dass Romney bei der “Town Hall”-Debatte bei einer unangenehmen Frage kurz auf die Uhr geschaut hat.

Aber Obama und Romney unterscheiden sich ja bei den Themen sozialer Freiheit (Abtreibung ja vs. nein?), Sozialstaat (Ja vs. Jein), Minderheitenrechten (etwa Homosexuellenrechte), Steuerpolitik (ein bisserl Keynes gegen ein bisserl Voodoo), Wirtschaftspolitik (Bailouts da oder dort? Regulierung so oder anders?), Einwanderungsreformen, Waffen oder Außenpolitik doch einigermaßen. Bei diesen Fragen zu entscheiden – ob nun informiert oder nicht -und deshalb einen Kandidaten aus Überzeugung oder nur zur Abwehr des größeren Übels zu wählen, ist eine wichtigere Motivation für WählerInnen, als wie oft jemand auf die Uhr geschaut hat und ob ein Tropfen Schweiß von seiner Unterlippe tropfte.

It’s also the Inhalte, stupid!

Der heutige Politikjournalismus und das selbstreferentielle Expertenwesen tun manchmal so, als wären diese inhaltlichen Fragen komplett egal, wenn man einfach nur am richtigen Ort zur richtigen Zeit genug Werbegeld investiert, oft genug in einem Staat als KandidatIn herumläuft und im Fernsehen nur möglichst richtig auftritt. Nicht, dass diese aufgeblähte Politikberatungsblase und ihre Theorien vollkommen falsch wären. Menschen sind natürlich keine perfekt informierten, konsequent denkenden und standardisiert-rationalen EntscheiderInnen und eine gute Kampagne macht einen Unterschied. Aber das Spielchen der Pundits, ParteisoldatInnen und Spin-DoktorInnen ist dann halt zum Glück doch nicht die komplette Geschichte einer Demokratie.

Noch zumindest. Denn das alles bettet sich in eine Gesellschaft mit fiktionalen Paralell-Realitäten, die in ihren Filter-Bubbles ihren Blick aufs Faktische und Wahre verliert (ein toller Text zu diesem Thema erschien im schweizer Tagesanzeiger). Romney erklärte im Wahlkampf, alle Steuern und kaum Ausgaben zu kürzen und damit das Budgetdefizit zu verringern. Er wurde dazu nicht hart befragt.

Aber nicht nur, dass er unhinterfragt Voodoopolitik versprechen konnte – dass er das wirklich bringen konnte! -, noch in der Wahlnacht präsentierte ein CNN-Journalist das mit ernster Miene als kommendes Feature seiner möglichen Präsidentschaft. Dass das alles keinen Sinn ergibt und keinem Realitätscheck standhalten würde, war für den Journalisten aber zum Glück egal, denn er erzählte es in einer funkeligen, neuen, nie dagewesenen Bluebox. (So etwas kann mittlerweile übrigens jedes Youtube-Kiddie. Es wird Zeit dass Medienhäuser aufhören, mit ihren hässlichen 3D-Animationen und – Studios anzugeben und die Technologie einfach dezent und sinnvoll einsetzen.)

Ab die Post

Behauptung statt Wahrheit, Quote statt Information, Medienprodukte statt journalistischer Prinzipien, Spin statt Fakten, 3D-Studios statt Fact Checking, O-Ton-Wiedergabe statt Reflektion, Personalisierung statt Analyse, Emotionalisierung statt Erklärung. All das was wir im US-Wahlkampf erleben mussten sind problematische, langfristige Entwicklungen in der Politik- und Medienwelt. Die zeigen sich am größten politischen Ereignis natürlich auch am stärksten und offensichtlichsten.

Aber es sind durchaus symptomatische Zeichen einer “Post-truth-Politik” die einem boulevardisierten Post-Journalismus gegenübersteht, der nun wiederum keinesfalls auf die USA beschränkt ist. Es gibt auch noch den anderen, richtigen Journalismus. Man darf das in einem Anfall von pessimistischer Heulerei nicht übersehen. Aber er scheint sich immer schwerer zu tun, in die dominanten Narrative der großen Themen einzudringen.

Und bei anderen, wirklich knapperen Wahlen wird das eine größere Rolle spielen, als bei dieser.

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Fotocredits: Steve Rhodes, CC 2.0 BY-NC-ND

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| 7. November 2012

41 Reaktionen bisher

    samot sagt:

    Ich habs zwar nicht so genau verfolgt aber es dürfte in der Wahlnacht doch nicht immer so klar gewesen wie es jetzt aussieht.Was man so liest hat sich Obama recht schnell bei einem doch noch recht niedrigen Auszählungsgrad bereits zum Sieger erklärt.
    Zitat Fefe: “Aber als mitten in der Nacht Obama plötzlich seinen Sieges-Tweet raushaute, da bestätigten ihn plötzlich alle großen Nachrichtenorganisation — ohne dass irgendwelche neuen Zahlen vorlagen! Der einzige Swing State, der ihm die Wahl garantiert hätte zu dem Zeitpunkt, war Florida. Florida hat aber niemand an Obama gegeben zu dem Zeitpunkt. Was sie dann an Obama gaben war Ohio, und da stand die Auszählung bei 75% und die Verteilung war 2100000 gegen 2050000. Das war also noch ganz klar im Ramen der statistischen Schwankung, zumal die ja die Zahlen nicht als Hochrechnung rausgeben, wo man anhand einer demografischen Gleichverteilung wie der Gesamtstaat arbeitet, sondern das waren schlicht die Wahlkreise, die schon ausgezählt waren, die anderen hätten auch anders verteilt sein können. Selbst jetzt ist das Ergebnis in Ohio noch nicht überzeugend, finde ich, laut New York Times steht es bei 99% Auszählung 2672302 zu 2571539 — aber da sind ja wie gesagt die “provisional ballots” noch gar nicht dabei!”
    http://blog.fefe.de/?ts=ae64b2de
     
     

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    8. November 2012 | 10:36
    Tom Schaffer sagt:

    Wie gesagt: Ohio und Florida spielen keine Rolle, der Vorsprung ist zu groß. Er hätte beide und noch Virginia verlieren dürfen und alle anderen Staaten waren glasklar.

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    8. November 2012 | 10:44
    Tom Schaffer sagt:

    Plus: in diesen Swing States fehlten praktisch immer Ballots aus urbanen Gebieten, die mitunter ziemlich klar zu Obama tendieren.

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    8. November 2012 | 10:46
    martin sagt:

    “Es geht da nicht um seriöse Information allein, sondern um die Quote, um die Auflage, um die Zugriffszahlen.” Richtig! Und ähnliches erleben wir schon jetzt in Österreich mit Stronach. Während manche den Medien bereits unterstellen, auf das Werbebudget Stronachs zu schielen, so bin ich überzeugt: Alle Medien brauchen “eine Story” für die Wahl 2013. Da “Faymann gegen Spindelegger” kein Heuler ist und auch “Strache Stories” nicht mehr so den Neuheitswert haben (Grüne haben sowieso den Status “fad”), so bleibt einfach nur “Frankie Boy”. Mit ihm lässt sich fast täglich eine Schlagzeile schreiben (“Kaufe die ÖBB” etc.). Ja – es ist erschreckend, wie sehr die Quote die Politik bestimmt.

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    !!! | 8. November 2012 | 10:54
    Clara Moosmann (@ClaraMoosmann) sagt:

    Du sprichst mir aus der Seele.

    Einige kleine Anmerkungen, nur:
    CNN betreibt absurden postmodernen Journalismus, der, wie die Daily Show trefflich verarscht, stupide Gadgetspielereien regelmäßig vor die Vermittlung tatsächlicher Informationen setzt.

    Allerdings war John King in dieser Wahlnacht von allen Journalisten und Exoperten auf allen Sendern praktisch der einzige, der tatsächliche Fakten vermittelte (und deshalb auch andauernd versuchte, gegenüber Blitzer und anderen einzuwenden, wie absurd die Versuche, ein Kopf- an Kopfrennen zu konstruieren, anhand der Tatsachen, nämlich der konkreten Ergebnisse, waren). Wenn CNN Postjournalismus betrieb, wie du sagst, dann haben ARD, ZDF, ORF, aber auch die BBC überhaupt keinen Journalismus mehr betrieben, sondern der Informationsvermittlung etwa diesselbe Bedeutung in ihrer Berichterstattung zugemessen, wie das “Österreich” tut. Da interviewten sich Journalisten gegenseitig, oder irgendwelche Pseudoprominenten, oder es wurde “Pundits” die Möglichkeit gegeben, Allgemeinplätze mit wichtiger Miene auszusprechen oder einfach vollkommen unfundiereten Schwachsinn von sich zu geben. (Bestes Beispiel: Filzmaier, der gestern offensichtlich die Daily Show gesehen, Satire mit Realität verwechselt hat, und dann im Standard als “Analyse” verbreiten durfte, 2016 wäre ein Rennen “Bush gegen Clinton” möglich, dabei aber vergessen hat, zu sagen, dass auch ein Rennen Bruce Springsteen gegen Chris Christie “möglich” wäre).

    Wie du sagst: Fakten spielen keine Rolle, wenn man halbseiden spekulieren kann, und, wie Sepp Herberger schon sagte, für die Experten, wurscht wie falsch sie wieder waren (Dick Morris!!!, George Will!!!, Peggy Noonan!!!), ist nach dem Spiel vor dem Spiel. Und genau das ist es für die von dir kritisierten medialen Player auch: nicht mehr als ein Spiel.
     

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    !!! | 8. November 2012 | 11:10
    samot sagt:

    @Tom; Waren zum Zeitpunkt des Obama Tweets die anderen Swing States schon vollständig ausgezählt? Wie gesagt ich habs nicht so genau verfolgt.

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    8. November 2012 | 12:17
    Tom Schaffer sagt:

    Nicht vollständig, aber sie waren projected, also per hochrechnung als entschieden erklärt.

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    8. November 2012 | 13:22
    Tom Schaffer sagt:

    @clara, ich hab die anderen sender nicht genau verfolgt, aber was ich so mitbekommen habe, hatte der orf zumindest eine gute reportagedoku im angebot, der webdesk hat brauchbare fragen beantwortet und dass sich journalisten gegenseitig interviewen halte ich für völlig ok, wenn der eine davon ein experte (oder eben korrespondent) auf dem befragten gebiet ist. Das ist dann mehr die tv-variante eines zeitungskommentars.  Wenn man einen hanno settele oder christoph prantner im studio hat, dann hat man leute, die über die usa und deren politik bescheid wissen. Beim zappen hab ich auch heinz gärtner, einer der führenden österreichischen politologen in bezug auf us-präsidentschaftspolitik gesehen. Da hat man sich durchaus bemüht die dinge zu erklären. und dann ist all das eben nicht nur sinnlose exit-polls-spielerei, reporter die nutzlose zahlen vorlesen lassen und horse race.  Dass man sich von den quellensendern in den usa dann auch irgendwo mal anstecken ließ, halte ich für möglich, aber wir reden hier imo schon von einem etwas anderen problem, wenn ein vergleichsweise kleines team großteils aus wien arbeitend über etwas berichtet, als wenn CNN und co ihren job verfehlen. 

    Den besten job hat insgesamt für mich die new york times gemacht. leider hat deren map extrem langsam aktualisiert was ergebnisse anbelangte. 

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    8. November 2012 | 13:36
    Clara Moosmann (@ClaraMoosmann) sagt:

    Naja, das mit dem kleinen Team mag für den ORF gelten, wobei man ja doch genug Geld hatte, Wolf in die USA zu schicken, um ihm zu ermöglichen, dort CNN anzuschauen. Aber ORF hin oder her, sei´s drum.

    Für ZDF, die BBC (bei der mich das Niveau in Anbetracht des erwarteten Standard besonders schockierte) gilt diese Entschuldigung jedenfalls nicht, zumal ja erkennbar war, dass an Mitteleinsatz nicht gespart wird, und massenhaft Reporter um Ground Zero herumspazierten und Passanten belästigten.

    Und, auch bei geringem Mitteleinsatz gibt es ja auch in Österreich keine gesetzliche Verpflichtung, den zur Verfügung stehenden Raum mit den Absonderungen der Filzmaierschen Phrasendresch- und Spekulationsmaschine zu füllen. Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen und so….

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    !!! | 8. November 2012 | 14:10
    Tom Schaffer sagt:

    Ich weiss nicht was Filzmaier gesagt hat, aber abgesehen von seiner herausragenden Eignung für TV Interviews ist auch sein wissenschaftliches Gebiet afaik Politische Kommunikation und US Politik, insofern kann man ihn natürlich laden und befragen. Ich spiel mich jetzt hier nicht zum Chefverteidiger des ORF auf, aber ich hab die Performance, die ich am Rande mitgekriegt habe, nicht als so dramatisch empfunden. Wenn man heimische Medien kritisieren will, gibts dazu wahrhaft bessere Gebiete als die US Wahlen.

    BBC und ZDF hab ich gar nicht gesehen. 

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    8. November 2012 | 14:20
    Clara Moosmann (@ClaraMoosmann) sagt:

    Hast du Filzmaiers gestrigen Standardchat gesehen? Natürlich kann man ihn befragen. Nur darf man sich von ihm im Regelfall keine Antworten, aus denen irgendjemand irgendetwas lernen kann, erwarten. 

    Übrigens haben nicht nur die New York Times, sondern mit viel geringerem Mitteleinsatz auch Mother Jones oder der Guardian aufschlussreich informiert. 

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    !!! | 8. November 2012 | 14:45
    DkMeisinger sagt:

    “Der heutige Politikjournalismus und das selbstreferentielle Expertenwesen tun manchmal so, als wären diese inhaltlichen Fragen komplett egal, wenn man einfach nur am richtigen Ort zur richtigen Zeit genug Werbegeld investiert, oft genug in einem Staat als KandidatIn herumläuft und im Fernsehen nur möglichst richtig auftritt.”
    - Volle Zustimmung. Das manifestiert sich dann in der Tendenz zur einer TV-Berichterstattung, die sich nur mehr auf die Meta-Ebene (Wahlkampfstratagie, Wählermobilisierung etc.) beschränkt und die tatsächlichen politischen Inhalte als nebensächlich behandelt. Das kann natürlich nicht der Anspruch eines ernsthaften Politikjournalismus sein, es leistet auch noch dem, was man gemeinhin unter dem Schlagwort Postdemokratie zu verfassen versucht, Vorschub.
    “Seriöse Umfrageinterpreten wie Nate Silver in der New York Times hatten in den letzten Monaten nie auch nur den geringsten Zweifel daran, dass Barack Obama diese Wahl gewinnen wird.”
    - Das ist meines Erachtens eindeutig zu absolut formuliert. So um den 12. Oktober herum lag die Siegeschange von Romney bei Nate Silver bei fast 40%. Das Verhältnis 60:40 mag immer noch viel klingen, aber statistisch gesehen ist da das Ergebnis tatsächlich offen. Denn wenn Obama und Romney (hypothetisch) zehn Mal gegeneinander antreten, gewinnt Romney ja statistisch vier Mal. Romney kann auch die ersten vier der zehn Duelle gewinnen. Bei 60:40 ist ein Sieg Romneys natürlich deutlich weniger wahrscheinlich als ein Sieg Obamas, aber dass es nie auch nur den geringsten Zweifel an einem Sieg Obamas wird dem wohl auch nicht ganz gerecht. Natürlich hat sich die Siegeswahrscheinlichkeit dann in weiterer Folge stark zugunsten von Obama verändert und bei 80:20 u.Ä. sieht das dann ganz anders aus.

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    !!! | 8. November 2012 | 14:51
    DkMeisinger sagt:

    Korrektur zum letzten Posting: “Das kann natürlich nicht der Anspruch eines ernsthaften Politikjournalismus sein. Es leistet auch noch dem, was man gemeinhin unter dem Schlagwort Postdemokratie zu fassen versucht, Vorschub.”

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    !!! | 8. November 2012 | 14:54
    Tom Schaffer sagt:

    Diese Siegeschance ist nicht so ganz eindeutig definiert. Wenn man sich ansieht wie sich die Polls auf die Wahlleute-Verteilung auswirkten, dann war Obama zu jedem Zeitpunkt ziemlich sicher über den 270. Es hätten sich auch ziemlich viele Bundesstaaten gegen Obama drehen müssen, damit er heute nicht wiedergewählt wäre. Dass dieses “Romney gewinnt in 4 von 10 Fällen” stimmt, kann ich mir deshalb nicht wirklich vorstellen, eben weil die Mehrheiten ja nicht rein mathematisch, sondern strukturell-politisch sind. Das ist kein Würfelspiel.

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    8. November 2012 | 15:05
    Dyrnberg sagt:

    Sehr, sehr guter Text, der – wie ich finde – vieles auf den Punkt bringt, was einen die letzten Wochen und Monate aufregte. Ich meine damit vor allem die Gespräche mit all jenen, die Romney als fast sicheren Sieger sahen, weil doch die europäischen Medien nach den TV-Debatten die Frage stellten, ob das nun nicht doch den Sieg für Romney bedeuten würde. Der Vergleich mit dem eingekauften Sportpaket scheint die Sache auf den Punkt zu bringen: Es darf nicht unspannend sein, was einen über Monate die Seiten füllen soll. Dann ist die zweite Liga eben “die beste zweite Liga aller Zeiten” und der Wahlkampf “ein Kopf-an-Kopf-Rennen”. Wurscht, was die Zahlen sagen. Drama, drama, drama, Baby.

    (Überhaupt: Wir müssen vielleicht sorgfältiger in unserer Sprache werden und nicht alles Journalismus nennen, was gern Journalismus wäre. Ich hab in den letzten Wochen Dinge mit “Journalisten” erlebt, die mich die Vertrauensfrage stellen lassen. Ein andermal mehr dazu.)

    @ Tom: Großer Text.

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    !!! | 8. November 2012 | 15:15
    Tom Schaffer sagt:

    Hier gibts eine Analyse über das (angenommene) Modell von Nate Silver, die Wahrscheinlichkeiten setzen sich nicht aus den Polls und Mathematik alleine zusammen, sondern aus allen erdenklichen statistisch geprägten Szenarien.

    http://www.guardian.co.uk/science/grrlscientist/2012/nov/08/nate-sliver-predict-us-election

    D.h. Vom dem Zeitpunkt der 60:40 Situation gesehen hätte Romney nicht in vier von zehn Wahlen an diesem Tag gewonnen, sondern vier von zehn möglichen Szenarien von da bis zum Wahltag hätten ihn zum Sieg geführt. ich frage mich, welchen Einfluss es auf diese Zahl hat, dass diese Szenarien ja aktiv von den Kampagnen kontrolliert werden, Obama also zum Beispiel ganz sicher keine unpopuläre Steuerpolitik drei Tage vor der Wahl ankündigt.

    @dyrnberg: thanks. ;)

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    8. November 2012 | 15:17
    Michael sagt:

    Wie immer man das auch alles sieht – aber eine höhere Quote ist ja praktisch gleichbedeutend damit, dass sich mehr Menschen für Politik interessieren – was ja eigentlich positiv ist, oder?

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    !!! | 8. November 2012 | 23:26
    DkMeisinger sagt:

     
    @ Tom:

    Mit dem Beispiel wollte ich nur anschaulich darstellen, was eine Siegeschance von 40% konkret bedeutet. Vielleicht hab ich mich unklar ausgedrückt und das Beispiel war eher irreführend. So wie du es formulierst, bedeutet es in der Sache nämlich eh dasselbe. Meine Formulierung hat einfach den die rein statistische Bedeutung einer Siegeswahrscheinlichkeit von 40% anhand eines hypothetischen Beispiels erklärt (schon klar, dass die Wahl tatäschlich nicht zehn Mal anders ausginge, wenn man sie zehn Mal hintereinander ausführt ;-) ) deines ist die praktische Anwendung im konkreten Fall davon. Beide sagen: So und so viele Szenarien inkludiert das Modell und so und so viele davon würden Romney zum Sieger machen.

    Die Mathematik ist im Fall von Nate Silver einfach die Methode, die er zur Vorhersage unsicherer Ereignisse benutzt und deren logische Gesetze sind natürlich unabhängig vom Gegenstand. Ob das Politik, Baseball oder Wetter ist, ist ja schon bei der Erstellung des Modells selbst berücksichtigt und spielt bei der Interpretation des Ergebnisses (d.h. der statistischen Wahrscheinlichkeit) keine Rolle. Aber egal, ich will da jetzt überhaupt keine große Methodendiskussion vom Zaun brechen (die inhaltlich ja von der sehr berechtigten Kernaussage des Artikels wegführen würde), mein Posting sollte bloß eine ergänzende Anmerkung darstellen.

     

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    !!! | 8. November 2012 | 23:33
    Otto Hildebrandt sagt:

    In der Tendenz ist das was sie schreiben völlig richtig. Aber Umfragen sind keine Wahlen. Es kann immer unvorhergesehene Entwicklungen und plötztliche Tendenzwenden geben. Entschieden wird erst am Wahltag, und ich denke man ist gut beraten, das immer im Hinterkopf zu behalten.
    Eine der wichtigsten Argumente für Obama war die Neigung der Amerikaner, ihrem Präsidenten eine zweite Amtszeit zu gewähren, wenn nichts außergewöhnliches passiert. Da es keine Wechselstimmung gab und die Kandidaten die innepolitisch festgefahrenen Fronten symbolisierten, war das Ergebnis in hohem gerade erwartbar. Und dort stehen sich immer noch expanisve Haushalts- und Sozialpolitik bei den Demokraten und Haushaltssanierung bei den Republikanern gegenüber. Die Amerikaner haben für eine weitere Runde Schuldenpolitik gestimmt. Klug ist das nicht.
    Und bitte. Die NYT ist keine neutrale Informationsquelle in diesen Fragen. Dort darf nicht mal der Pförtner für die Republikaner sein, wenn er nicht entlassen werden will. Trotzdem war man immer noch besser informiert, als bei jedem anderen Medium. Die deutsche Berichterstattung war unterirdisch.
     

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    !!! | 9. November 2012 | 10:57
    Tom Schaffer sagt:

    “Die NYT ist keine neutrale Informationsquelle in diesen Fragen”

    Die NYT ist verglichen mit allen anderen Zeitungen der Welt eine sachlich ausgewogene Informationsquelle in allen Fragen. 

    “Und dort stehen sich immer noch expanisve Haushalts- und Sozialpolitik bei den Demokraten und Haushaltssanierung bei den Republikanern gegenüber.”

    So sagen das zumindest die konservativen Kampagnenleiter. Die Republikaner haben unter ihren letzten Präsidenten genau nichts für die Haushaltssanierung getan, Obama trau ich da, wenn die großen Kriseninstrumente vielleicht nicht mehr nötig und die zwei Kriege beendet werden, wesentlich mehr zu als “wir kürzen alle steuern um 20% aber sagen nicht welche ausgaben wir eigentlich nicht wollen”-romney.

    Ich nehme an, du bist eher auf der wirtschaftlich rechten Seite angesiedelt? Es scheint mir immer ein bisschen eine ungute Art von dieser Seite zu sein, so zu tun als wüssten sie als einzige was über Volkswirtschaften. Man kann ihnen das nämlich genauso polemisch streitig machen, wie du das praktisch grade über die “eher linke” Politik der (nach unseren Maßstäben eh gar nicht so linken) Demokraten getan hast.

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    9. November 2012 | 12:12
    Martin Schimak sagt:

    Sagenhaft gute Analyse.

    Muss hochqualitative politische Information – in einem ausreichend auch viele erreichenden Ausmass – nicht vielleicht doch weitgehend öffentlich finanziert sein? Ich denke dabei natürlich nicht an antiquierte Rundfunkgebühren, sondern an was schlaueres, demokratischeres, pluralistischeres. Und doch hab ich keinen Stein der Weisen.

    Die Schweizer – ein eher konservatives, sehr marktwirtschaftlich denkendes Völkchen – würden auf diese Frage sicher mit “Ja” antworten, man denke z.B. an die umfassende öffentlich finanzierte, pluralistisch aufbereitete Information vor Schweizer Volksabstimmungen – mir ist gerade entfallen, wie sie das genau nennen…

    Und da wären wir vielleicht bei einer anderen Wurzel für eine Krise der “Quality for the masses”. Man sollte die Intelligenz der Menschen nie unterschätzen. Qualitätsinformation benötigen sie instinktiv nur dann, wenn sie sie in Folge auch einsetzen können. Für die meisten geht hier die instinktive, unterbewusste “Kosten-Nutzen-Analyse” nicht auf. Warum sollte ich mir geistig anspruchsvolle Qualitätsinfos reinziehen, wenn ich doch nichts zu den Entscheidungen beitragen kann? Ich find das nachvollziehbar, auch wenn ich selbst ein Info-Junkie bin dessen subjektive “Kosten-Nutzen-Analyse” wahrscheinlich einen “Kick” beinhaltet, den andere so nicht kennen.

    Der Markt für Qualitätsinformation. Komisch, dass er in der Schweiz zwar auch unter Druck ist, aber immer noch viel besser funktioniert als in anderen Ländern? Ich finds logisch, denn: Nachfrage entsteht eben nicht nur über Angebot, sondern auch über Kundennutzen.

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    !!! | 9. November 2012 | 12:58
    Simon sagt:

    Super Artikel, trifft den Nagel auf den Kopf! Winzige Anmerkung: Der mit dem Riesen-Touchscreen auf CNN ist nicht Anderson Cooper, sondern John King… :-))

    Dessen Analysen der einzelnen Counties fand ich in der Wahlnacht übrigens extrem interessant und sehr aufschlussreich… 

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    !!! | 9. November 2012 | 13:01
    Tom Schaffer sagt:

    @simon: danke für den hinweis. mir ist ernsthaft noch nie aufgefallen, dass john king und anderson cooper zwei verschiedene menschen sind (ich finde, die sehen sich unheimlich ähnlich, zumindest wenn sie nicht nebeneinander stehen), aber als du das jetzt sagtest ist mir eingefallen, dass wolf blitzer seinen kumpanen immer “john” nennt. :D

    @martin: ich hab in der wahlnacht allerdings auch bei PBS ein paar sekunden reingeschaut und die ersten worte, die ich hörte, waren auch dort (so auf die art) “das wird also eine enorm knappe sache” ;)

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    9. November 2012 | 13:38
    llamaz sagt:

    Zwischen 60 und 90 Prozent Siegwahrscheinlichkeit. D.h. umgekehrt gerade mal eine Wahrscheinlichkeit zwischen 10 und 40 Prozent das er verliert. Bei solchen klaren Werten die auch grad mal um 30 Punkte hin und her schwanken (wieso sollte es dann nicht durch irgendein unvorhergessenes Ereignis – z.B. Obama versaut das Krisenmanagement im Hurrican auf 50:50 fallen?) da kann man natürlich das Rennen im April als gelaufen ansehen und die Berichterstattung einstellen.
    Sorry, aber was für ein Haufen Bullshit ist das hier.

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    !!! | 9. November 2012 | 20:57
    Tom Schaffer sagt:

    Steht hier irgendwo, dass man die Berichterstattung einstellen sollte? Nö, glaub ich nicht.

    Wenn Obama das Krisenmanagement versaut, kann man drüber berichten. Man muss auch nicht im September damit titeln, dass das Rennen hoffnungslos verloren für Romney ist. Aber man soll nicht über etwas berichten, das nicht da ist. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen war in den Monaten vor der Wahl nie da und war auch am Wahlabend nicht zu sehen.

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    9. November 2012 | 20:59
    llamaz sagt:

    Noch eine kleine Anmerkung: Wenn das alles so klar war, warum erscheint dann dieser Beitrag nach der Wahl? Wäre dieser Beitrag hier letzte Woche erschienen – ok. So aber kann man davon ausgehen, daß der Autor selbst den Vorhersagen nicht getraut hat und bis zum Wahlergebnis abgewartet hat  – nur um sich jetzt an die angeblich so klaren Vorhersagen dranzuhängen.
    Das ist dann schon ziemlich billig – abzuwarten bis man auf der sicheren Seite ist – um dann nachträglich auf alle anderen draufzuhauen.

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    !!! | 9. November 2012 | 21:03
    Tom Schaffer sagt:

    1. Dass das Rennen sehr klar steht steht ansatzweise schon in einem Artikel im September hier.
    2. Ich hab diverse dieser Dinge in den letzten Wochen auch schon auf Twitter immer wieder gesagt.
    3. Hast du das Gefühl, die Kritik beschränkt sich darauf, dass Obama viel klarer gewonnen hat, als viele gesagt haben? Es geht wohl um einiges mehr.
    4. Ich haue nicht auf alle anderen drauf, sondern kritisiere sehr konkrete Praktiken.
    5. Billig ist anonym rumzuschimpfen, es scheint dich ja sehr zu kränken, sag das doch unter deinem Namen.
    6. Ich lass mir nicht vorschreiben, wann mir der Kragen platzt.
    7. Und doch: Es schadet überhaupt nicht zu wissen, dass etwas stimmt, bevor man es schreibt.

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    9. November 2012 | 21:12
    Tilman_s sagt:

    Ich finde die Kritik an den Medien überzogen. Man muss zwei Punkte auseinanderhalten: die Wahrscheinlichkeit, dass Obama gewinnen würde, war groß. Aber knapp war es trotzdem. Romney hätte Florida, Ohio, Virginia und z.B. Colorado gewinnen müssen, dann wäre er Präsident. Dazu haben ihm insgesamt 393.269 Stimmen gefehlt, wenn ich richtig gerechnet habe. In all diesen Swingstates war es knapp, wenn man sich die Umfragen der letzten Wochen vor der Wahl anschaut, das ist ein chaotisches auf und ab, auch wenn Obama, Florida ausgenommen, meistens vorne lag.
     
    Das Problem ist jetzt: Romney musste von diesen offenen Staaten sehr viele gewinnen, Obama nur sehr wenige. Daher war das Rennen mathematisch praktisch netschieden. Aber knapp war es trotzdem – Romney musste eben “nur” 393.269 Stimmen mehr gewinne, allerdings eben verteilt auf vier Staaten, was schon wesenltich schwerer ist. In Virginia ein paar Wahlkampfauftritte mehr machen, und dann 115910 Stimmen mehr bekommen –> vielleicht möglich. Das selbe gilt für Ohio. Aber in vier Staaten den Trend deutlich zu drehen, ist eben mathematisch schwer, ändert aber nichts daran dass es knapp war.
     
    Ich finde es daher korrekt, dass die Medien es “knapp” genannt haben, auch wenn die Wahrscheinlichkeit für Romney schlecht aussah.
     
    PS. weiter oben hat schon jemand Fefe zitiert, das ist in der Tat das eigentliche Problem: Obamas Wahl wurde zu früh verkündet, zu einem Zeitpunkt als es zwar sehr wahrscheinlich war, dass er gewonnen hatte, aber eben auch nicht viel wahrscheinlicher als zu Beginn des Wahlabends. Man fragt sich also, warum man fünf Stunden wartet bis man die Wahl Obama zuspricht, obwohl die Wahrscheinlichkeit seines Sieges zu dem Zeitpunkt nicht höher oder niedriger als fünf Stunden zuvor war. Besser wäre es wohl gewesen, zu warten bis entweder Ohio, Virginia oder Florida ein belastbares Ergebnis haben.
     
    Andererseits hat zumindest CNN auch nie einen hehl daraus gemacht, dass Florida wohl eher an Obama als an Romney gehen würde, für mich war das letztlich knappe Ergebnis dann wieder eine Überraschung.

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    !!! | 9. November 2012 | 22:30
    Tom Schaffer sagt:

    “Ich finde es daher korrekt, dass die Medien es “knapp” genannt haben, auch wenn die Wahrscheinlichkeit für Romney schlecht aussah.”

    Ist ja auch ok, wenn du das so siehst.

    Man muss zwei Punkte auseinanderhalten: die Wahrscheinlichkeit, dass Obama gewinnen würde, war groß. Aber knapp war es trotzdem.

    Aber wenn das ein knappes Rennen ist, dann ist jede Wahl ein knappes Rennen. Nochmal zur Klarstellung: Ich fordere nicht, dass man am 5. November die Wahl für sinnlos erklären hätte müssen. Es geht um diese Game-Show-artige Inszenierung, als ginge es hier um Haaresbreiten. Nein. Romney hätte gravierende Erdrutschsiege in unheimlich vielen Staaten feiern müssen. Das heißt: Es gab zwar ein Rennen, aber das eine Pferd kam zehn Sekunden früher aus dem Starthaus. ;) Die Tatsache, dass es eine Wahl gab, macht es dementsprechend deiner Argumentation nach schon zu einer knappen Sache.

    Zu fefes Kritik. Kann ich nicht nachvollziehen. Von den Hochrechnungen(! – Obama wurde ja nicht zum Präsidenten erklärt, sondern “projected”, d.h. die Medien haben auf Basis von sehr gut gesucherten Berechnungen Staaten ihren Siegern zugewiesen) her war die Wahl entschieden als Obama zum Sieger erkoren wurde. Virgina, Ohio und Florida waren dabei noch nicht berechnet, aber in allen anderen Staaten gab es belastbare Vorsprünge und eindeutige Hochrechnungen für Obama. Die Networks haben anscheinend Colorado und Wisconsin abgewartet. Als die klar waren, gab es keine offenen Fragen mehr, dass der Vorsprung groß genug ist.

    Selbst wenn die verbleibenden Staaten sich noch komplett gedreht hätten (was sie erwartbar nicht haben), wäre Obama Präsident gewesen. Auch die Argumentation der Romney-Crew, weshalb sie noch nicht aufgeben, war ja absurderweise eine rein theoretisch rechnerisch noch mögliche Drehung von Ohio und nicht eine, die tatsächlich noch einen Unteschied gemacht hätte (etwa Colorado UND Ohio). Ohio spielte zu diesem Zeitpunkt keine Rolle mehr.

    Btw. Als Florida am Wahlabend nach der Entscheidung aufgehört hat auszuzählen, hätte Romney das Ergebnis nur drehen können, wenn die verbleibenden Stimmen mit 17% Vorsprung an ihn gegangen wären. Die fehlenden Stimmen stammten aber aus klar demokratisch-tendierenden Regionen, womit die rechnerische Wahrscheinlichkeit (siehe “Hochrechnungen”) dafür gegen Null ging.

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    9. November 2012 | 22:52
    Tom Schaffer sagt:

    Noch ein interessanter Text zu den “neuen Umfrageinterpreten” die da im Vorfeld mit ziemlich allem recht hatten (und dafür von den alten Pundits in den Medien als Ideologen beschimpft wurden)  http://www.bbc.co.uk/news/magazine-20246741

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    9. November 2012 | 23:58
    murry sagt:

    Ja, hinterher hab ich auf vorher gewusst, daß das ein sicheres Ding für Obama wird.

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    !!! | 11. November 2012 | 17:55
    Tom Schaffer sagt:

    Dazu siehe meine Einwände 4 und 5 Posts über dir. Wenn einem sonst nicht viel einfällt, fest auf die persönliche Integrität des Autors hinhauen, ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, ob man mit den Vorwürfen auch nur in der Nähe der Wahrheit ist, ist eine feige Scheisstaktik.

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    11. November 2012 | 22:25
    coolray sagt:

    was man nicht mehr in der presse liest ..ist das ergebnis von florida…nach der wahl..tagelang berichte über den wahlausgang und alles mögliche..aber jetzt..nicht darüber das obama florida auch gewonnen hat..und somit mit 332 wahlmännern gegenüber 206 wahlmännern für rommnea..die wahl gewonnen hat….aber seis drum..die presse bauscht auf und lässt unter den tisch fallen ..wie es gerade in den kram passt

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    !!! | 12. November 2012 | 10:20
    Treverer sagt:

    dem tenor des beitrages stimme ich voll zu: die wahl obamas war sehr früh sehr sicher. doch die medien haben lieber ein zielphoto d’raus gemacht – der auflage wegen.
    wie ich darauf komme? außer empfinden während der berichterstattung?
    am tage der dritten debatte schaltete SPON eine headline mit dem tenor, wer diesen abend gewinne, der habe die präsidentschaft gewonnen.
    am nächsten morgen hieß es eindeutig, obama habe die debatte für sich entschieden.
    trozdem schrieben die gleichen redakteure, die entscheidung sei offen.
    obwohl es ganz offensichtlich nicht der fall war, was man sich dachte und durch das klare ergebnis bewiesen wurde.
    SPON wollte klicks generieren. hätte man geschrieben, obama sei durch, ja dann wäre nichts spannendes mehr gewesen. also schrieb man, das rennen sei weiter offen, obwohl es wirklich klar war wie lange nicht mehr…

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    !!! | 13. November 2012 | 02:40

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