Kürzlich habe ich auf Facebook ein Experiment der New York Times verlinkt, bei dem sich gezeigt hat, dass nur die wenigsten Menschen eine logische (und ziemlich einfache) Entwicklung überhaupt ein bis zwei Schritte voraus denken können – geschweige denn sie konsequent zuende zu denken. Dieser Befund ist harmlos, wenn es um ein Zahlenratespiel geht und ich hab ein bisserl darüber gewitzelt, aber er hat mich ehrlich gesagt tiefer drinnen schockiert und nachdenklich gemacht. Denn die Unfähigkeit, etwas zuende zu denken ist nicht harmlos, wenn sie sich an wichtigen und oft komplexeren politischen Themen zeigt. Auf den Tod von dutzenden Flüchtlingen in einem Schlepper-LKW mit „Grenzkontrollen“ oder „schärferen Strafen für Schlepper“ reagieren zu wollen, ist genau so eine kurzsichtige Antilogik.

Das ist ein purer, undurchdachter, denkfauler Reflex. Grenzkontrollen und härtere Strafen werden – besonders in Kombination – das Problem auf allen Ebenen verschlimmern und nichts besser machen. Denn diese Instrumente sind genau dieselben, die bereits jetzt verwendet werden. Schlepperei ist illegal, Grenzübertritte sind streng reguliert. Ja, Österreich selbst hat keine Grenzkontrollen, aber um nach Österreich zu kommen, müssen Flüchtlinge (mehrere) verschlossene, gefährliche und streng bewachte Grenzen überqueren. Schlepper gibt es trotzdem und Menschen überqueren diese Grenzen trotzdem – ziemlich überall auf der Welt. Sie überqueren die streng bewachte Grenze von Mexiko in die USA, sie überqueren jene von der Türkei nach Griechenland und von dort nach Mazedonien und die von Serbien nach Ungarn. Sie überqueren sogar das fucking Mittelmeer, auch wenn Zehntausende vor ihnen dabei qualvoll ersoffen sind.

Und genau weil wir diese Grenzen so dicht machen, wird es Schlepper – wovon viele kriminelle Unmenschen sind – weiter geben. Weil sie gebraucht werden. Weil jemand, der alles verloren hat und sich nach Sicherheit und Frieden sehnt, nicht plötzlich umdreht und nach Syrien zurücktgeht oder wieder mit Millionen anderen im libanesischen Flüchtlingslager vegetieren will, nur weil der letzte oder vorletzte Schritt in die erhoffte Sicherheit schwieriger oder riskanter wird. Aber diese Schlepper werden riskantere Wege finden müssen, um Menschen nach Europa zu bringen – und dann können sie dafür auch mehr Geld verlangen und mehr Profit damit machen.

Das kommt heraus, wenn man diese Sache zuende denkt.
Das ist absehbar, das ist eine logische Folge und man kann es auch an vielen Orten der Welt empirisch beobachten.

Wenn man weiterdenkt, weiß man natürlich auch: Es wäre kein Problem, wenn Schlepperei unter Strafe steht. Es steht ja auch Diebstahl unter Strafe, obwohl er trotzdem weiterhin passiert. Aber das beste Mittel gegen Diebstahl ist meist nicht eine Strafe, sondern wenn Menschen sich die Produkte leisten können. Es ist nicht das Verbot, das uns alle vom Stehlen abhält, sondern dass wir es nicht tun müssen. Wenn ich vorm Verhungern stehen oder mir ein wichtiges Medikament nicht leisten können würde, scheiss ich auf jedes Verbot.

Vor genau so einer dramatischen Situation stehen Menschen auf der Flucht – sie kämpfen ums Überleben und eine Chance auf ein würdiges Leben. Das beste Mittel gegen illegale Schlepperei und gegen Tote im Mittelmeer und auf österreichischen Pannenstreifen ist es, wenn Menschen auf der Flucht einen legalen Weg nehmen können. Illegale Schlepper bekämpft man damit, wenn sie möglichst wenige Menschen brauchen. Das ist logisch.

Aber diesen logischen Weg geben wir ihnen nicht. Im Gegenteil. Wir verriegeln Europas Außengrenzen. Wir schieben Menschen nach dem Dublin-Abkommen zurück ins völlig überforderte Griechenland, und ins überforderte Italien. Wir schaffen mit voller Absicht Gesetze, die verhindern, dass sie auf sicheren Wegen einreisen und von ihrem Menschenrecht Gebrauch machen, um Asyl anzusuchen.

Deshalb geben diese Menschen skrupellosen Verbrechern viel Geld, oft all ihr letztes Geld, die sie dann in einen verschissenen Kleinstransporter pferchen, über die Grenzen bringen, im besten Fall irgendwo auf einer Bundesstraße raushauen und im schlimmsten Fall auf einer österreichischen Autobahn zurücklassen, wo sie rund um sich Menschen ersticken sehen, bis sie am qualvollen Ende selbst den letzten Atemzug hauchen.

Und jetzt zum letzten Problem: Dass das logischerweise genau so passieren muss, das ist gar kein so komplizierter Gedankengang, dass er noch nie jemandem gekommen wäre. Wie es ist, ist Absicht.

  • Stefan Rohregger

    Sehr guter Artikel. Ich stimmme dir völlig zu. λόγος lógos – das Wort ist über 2000 Jahre alt und ich kenne es von den antiken Philosophen – etymologisch die Freunde der Weisheit. LOGOS – das Wort, auch: die Lehre von… wie z.B. die Bio – LOGIE und schließlich auch das Wort LOGIK. Im westlichen Kontext benützen wir das Wort Logik ständig. Es ist eine einfache „wenn – dann“ oder „wenn – dann nicht“. „tertium non datur“ – ein Drittes ist nicht gegeben. Mathematisch ausgedrückt wäre also 1 + 2 = 3; aber nicht 1 + 2 = 8.Logik ist also sehr simpel für Lebewesen, um Dinge zu verstehen oder eher Prognosen zu erstellen. Ich habe den Satz des Amnesty International – Sprechers in der heutigen ZIB 2 (27.08.2015), dass die heutige LKW-Flüchtlingskatastrophe für ihn keine TRAGÖDIE sei, weil das Wort TRAGÖDIE Bestandteil der Fragestellung war. Die Begründung liegt ebenfalls in der Antike, denn eine Tragödie trägt immer ein schicksalshaftes Moment in sich. Die gesamte Flüchtlingskatastrophe in EUROPA selbst ist nicht einfach schicksalshaft, sondern eine Kette logischer Aneinanderreihungen. Diese logische Kette hat allerdings eine oder mehrere Variablen, sprich x + y = z. Das Ergebnis z ist also das Produkt aus y, eine Variable. Und hier gibt es sehr viele Möglichkeiten. Wie in dem oben beschriebenen Artikel sehr gut dargestellt können wir y so gestalten, dass das Ergebnis die tödlichen Grenzen erreicht. Das ist schon längst passiert. Viel zu lange, aber es gibt noch andere Möglichkeiten. Also haben wir es hier mit LOGIK zu tun, aber auch einem zweiten Element, welches y auszeichnet: HUMANITÄRES MITGEFÜHL. Damit möchte ich meinem Kommentar den wichtigsten Bestandteil hinzufügen. Ohne Menschlichkeit, ohne Mitgefühl, ohne Menschen in Not zu helfen kann sich keiner der Grenzen baut noch als menschliches Lebewesen bezeichnen. Ich definiere Menschen als Lebewesen die, die genannten Eigenschaften besitzen und veurteile
    1. Jegliches verleugnen dieser humanitären Katastrophe!
    2. Den POLITISCHEN UNWILLEN Menschen zu retten. Dabei möchte ich an den Zeitfaktor erinnern. Wenn Menschen, wegen der von den Politikern, die hier aufgefordert sind zu handeln, aus Gründen der demokratischen Macht, die sie durch das Volk zur Umsetzung und Lösung dieser Katastrophe anvertraut bekommen haben, sich nur einen Tag mehr Zeit lassen, sterben mehr Menschen als ohnehin schon.
    3. Wenn eine „FINANZKRISE“ durch einen eilig einberufenen SONDERGIPFEL der EU relativ rasch umgesetzt werden kann, dann muss es möglich sein, eine Sofortmaßnahme zur NOTLÖSUNG und in Folge ein Konzept zu erstellen möglich sein.
    4. Daher muss ich schlussfolgern, dass unsere Politiker, die sich verweigern zu Handeln zu Mittätern der zahlreichen sterbenden Kindern, Frauen und Männern werden.
    5. Ich will sofortige Maßnahmen und Lösungen! Bloßes Bedauern über diese „außergewöhnlichen“ Ereignisse erscheint mir teilweise nur heuchlerisch und schaulustig und nach ein paar Tagen spricht niemand mehr darüber. NEIN! Sofortige Maßnahmen. Und wenn sich bloß eine Gruppe von Staaten eine Sofortmaßnahme setzen, die auch sinnvoll ist. Derzeit sollten wir unsere Ressourcen nicht in Schlepperbanden-Verfolgungsjagden verschwenden, sondern für Lösungen bereitstellen.
    -Daraus folgt, dass ich mir erwarte, dass heute bereits etwas passiert und morgen noch mehr usw.
    -wenn nicht, dann berufe ich mich auf das Wort der Mittäterschaft, wenn nicht sogar Täter wegen unterlassener Hilfeleistung.
    -Es stellt sich ebenfalls politisch die Frage, wie sich Europa weiterentwickeln soll, leben wir Europa und entwickeln das Projekt weiter voran oder zerstören wir das größte Friedensprojekt der Geschichte.
    -Zu den verrückten Aktionen Mauern aufzustellen, obwohl ich dachte diese Zeit in Europa überwunden zu haben… möchte ich ein Zitat anbringen, das m.E. die Problematik Europas auf den Punkt bringt und den Zeitfaktor nicht vergisst:

    „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen“ (chinesisches Sprichwort)

    -Kein Mensch darf derartige Zustände erleben, dass er seine geliebte Heimat verlassen MUSS um zu leben und Europa die Menschen nicht überleben lässt.

    -Für mich zählen NUR SOFORTMAßNAHMEN. HEUTE und nicht MORGEN! Ein Schritt nach dem anderen. Heute beginnen Menschen zu retten, morgen weitermachen, Strukturen aufbauen, das Grundproblem angehen.
    Nur so können wir uns noch im Spiegel betrachten.

    Und da sich die EU bereits in Unmenschlichkeit in Griechenland bewiesen hat, möchte ich an verschiedene historische Begebenheiten erinnern.

    Griechenland als DAS EUROPÄISCHE MUTTERLAND, wie konnte die EU derartige Handlungen setzen. Die meisten europäischen Sprachen, Wissenschaften u.v.m. stammen aus diesem bewundernswerten antiken Land. GR ist nicht ein Teil von Europa, sondern ist vielmehr der Urboden Europas. Der Name EUROPA selbst stammt aus der griechischen Mythologie. Für die damalige Zeit die wohl modernste DEMOKRATIE, wo bleibt hier die Achtung vor diesen Errungenschaften.

    Im Namen des humanistischen Prinzips ist es unsere Pflicht zu helfen, aber nicht erst morgen, sondern heute !!!

  • Michael

    Es geht in der NYT ja um das „k-step thinking“. „Grenzkontrollen“ und „schärfere Strafen für Schlepper“ ist der Schritt 1, wenn man weiter denkt, dann kommt man vielleicht drauf, dass das das grunsätzliche Problem, dass es Schlepper gibt nicht löst.

    Schritt 2 ist also, den Menschen, die sonst Schlepper in Anspruch nehmen würden einen legalen Weg in die EU zu ermöglichen.

    Leider ist das aber nicht der letzte Schritt: es gibt auf dieser Welt nun mal sehr viele Flüchtlinge und noch viel mehr Menschen, die einfach nur gerne in die EU kommen würden, weil sieh hier bessere ökonomische und soziale Möglichkeiten haben (z.B. die „Flüchtlinge“ vom Westbalkan).

    Hast Du das bei Deinem „logischen Weg“ auch den Schritt 3 berücksichtigt: was passiert, wenn die Flüchtlingszahlen nach Europa noch weiter stark zunehmen? Was die Millionen zum grossen Teil niedrig qualifizierten Menschen für unsere Sozialsysteme bedeuten? Wo sie wohnen werden, wo sie in die Schule gehen werden. Und ja – welche Parteien dann die „alteingesessenen“ Menschen wählen werden?

    • Es ist natürlich nicht der letzte Schritt und er löst auch nicht alles. Der nächste (bzw. gleichzeitige) Schritt ist eine EU- und Europa-weite Verteilungsquote, vielleicht sogar eine transatlantische Kooperation in den Bereich. Weitere Schritte gibts viele – z.B. Peacebuilding in den Krisengebieten.

      • Stefan Rohregger

        Michael, du kritisierst den logischen Weg für „Schritt 3“ (was meinst du mit dem Wort „SCHRITT“ konkret?) an, aber erläuterst deine Argumentation genauso durch Logik.
        In der westlichen Welt nützen wir die Logik in der Alltagssprache, um zu versuchen Lösungen zu finden. (Im Gegensatz dazu gäbe es z.b. ein dualistischen Denkansatz, der Ja und Nein als Lösung ermöglicht).

        Ich möchte das nochmal auf der Metaebene betrachten und versuche dies indem ich die Thesen durch die Sprache der Mathematik aufschlüsseln versuche. Wenn y uns gleich unendliche Möglichkeiten darstellt, so verändert doch jegliches Handeln das Ergebnis.

        Michael behauptet, dass wenn wir bei Schritt 3(?) nicht weiterdenken, Probleme entstehen und wir nicht das gewünschte Ergebnis z erhalten. Damit beweist er die Kraft des logischen Denkens. Indem wir z definieren als nach meiner Meinung nach „möglichst optimale humanitäre Lösung“ mit „Folgewirkungen“, die bis hin zu Kulturveschmelzungen führen können, die es über alle Jahrhunderte hinweh immer wieder, nicht nur in Europa gab und oft sehr Fruchtbares hervorbrachten, ist das Ergebnis z per Definition von Michael nicht wünschenswert. Tom, hier teile ich deine Vorschläge zur Gänze, verfolgt anscheinend ein anderes Ergebnis z (z ist natürlich in der Realität ein einfaches Ergebnis, sondern beweglich, vielmehr ein Teilergebnis, das uns ein weiterdenken und andere Lösungen ermöglicht). Eventuell wollen auch beide ein ähnliches Ergebnis, ein humanitäres und Michael spricht deshalb fatale Fehler für eine Lösung an, weil er die VON UNS BEEINFLUSSBARE VARIABLE Y bzw. auch ERWEITERUNGEN erkennt, um sich dem gemeinsam definiertem Ziel „z“ anzunähern.

        Tom antwortet auch damit, dass dies nicht das Ende dieser Logik ist, weil noch bestimmte Punkte fehlen bzw. erst möglich gemacht werden.

        Daher sehe ich Logik nicht von Vornherein al etwas Schlechtes an, sonder vielmehr als Hilfsmittel, um Lösungen zu kreieren.

        Unsere Sprache, unsere Verständigung baiert auf Logik!

        Das Ergebnis, eines Problems können wir vielseitig und immer kreativer gestalten, damit wir das Ergebnis erreichen. Dazu müssen wir uns über Grunddefinitionen des Ergebnisses im Großen und Ganzen verständigen und einig sein. Danach gilt es den Weg dorthin zu lösen. Dies passiert durch LOGIK, genauso wie Michaels Kritik.

        – Ich will eine humanitäre Lösung.

        – Ich bin davon überzeugt, dass der Verstand des Menschen in der Lage ist derartige Probleme zu lösen, wenn er denn will.

        – Ich bin davon überzeugt, dass es mehrere Lösungswege gibt.

        – Ich denke, das Michael ein Hauptproblem in der Flüchtlingskatastrophe anspricht, die Emotion der ANGST.

        – Ich bin aber davon überzeugt, dass wir als Gegenspieler zur Angst Kraft besitzen. Kraft konstruktive Lösungen zu gestalten. Wenn wir Probleme, wie sie Michael anspricht erreicht haben, dann haben wir vermutlich bereits das Überleben unzähliger Flüchtlinge erreicht.

        – Ich spreche mich vehemennt gegen das Argument aus,
        „es gibt auf dieser Welt nun mal sehr viele Flüchtlinge und noch viel mehr Menschen, die einfach nur gerne in die EU kommen würden, weil sieh hier bessere ökonomische und soziale Möglichkeiten haben (z.B. die “Flüchtlinge” vom Westbalkan)“(zit. Michael). Ich finde das Argument steht auf sehr schlechtem Fundament, wenn du berücksichtigst, dass dies ein auf kapitalistischen Werten aufbauendes Argument ist, welches die westlichen Ländern seit der UN-ÄRA der „IRON LADY“ im neoliberalistischen Kontext zu zahlreichen Problemen geführt hat, siehe „Spekulation“ – „Finanzkrise – „Schere zwischen Arm und Reich“, etc., die mittlerweile immer mehr Ökonomen als menschenfeindliche Konstrukte betiteln. Dies hat M.E. auch nichts mit echter VOLKSwirtschaft zu tun. Ich glaube die „nicht“ oberen 10.000 Menschen in Österreich wollen diese Art von Volkswirtschaft nicht. Aber dies zu lösen ist ein anderes Problem.

        – In der Nachkriegszeit gab es in der Geschichte Österreichs ein politisches Phänomen, dass „kommunistische“ Ideen nicht einfach verborgen werden mussten. Einer der wichtigsten Bausteine der österreichischen Verfassung, geregelt im B-VG (Achtung: nicht BVG, ist dass sich Österreich als Sozialstaat definiert. Die beiden Regierungsparteien Schwrz-Rot / Rot-Schwarz waren aufeinander angewiesen. Sie wusssten um die Audläufe der 1. Republik und die NOT der Bevölkerung. Um nicht einer Wiederholung der Geschichte zu Opfer zu fallen, unter dem Druck der Siegermächte wieder ein freies Land zu werden, den Aufbau zu fördern und sensibel mit der Bevölkerung umzugehen wurde das sozialstaatliche Prinzip GELEBT. Das Wunderbare
        nach dieser Explosion an Gewalt in Europa war die Idee eines friedlichen Europas, der Ursprung der EU. Es gab bereits Frieden und Aufbau. Das deutsche Wirtschaftswunder wäre ohne amerikanische Hilfe – „Marshall-Plan“ – vermutlich nur ein schleppender Aufbau gewesen.

        – Stellt euch diese Situation der Menschen vor. Als junge Frau meist schon verwitwet. Alleine mit Kindern. Alles zerstört. Die ersten Jahr nur Hunger. Ein besetztes Land, keine Autonomie. Mitten im Keim des kalten Krieges. Aber es war ein anderer Krieg. Unzählbar (!!!) viele MENSCHEN, vor allem jüdische, politisch anders denkende, homosexuelle u.v.m. waren während des 2. Weltkrieges Verfolgte. Verfolgte bis zum Tode (!), ja von nationalsozialistischen Österreichern und Deutschen verfolgt und GETÖTET auf grausamste Weise. Von der Aufklärung nur Spuren einzelner, die sich dagegen stellten, ansonsten keine Spur von Humanismus und Aufklärung. Europa lag danach in Trümmern. Manche Überlebende verließen das Land mit der HOFFNUNG auf ein anderes, besseres LEBEN. Manchen gelang während des Krieges die Flucht mit der HOFFNUNG auf ein besseres LEBEN. Andere flüchteten noch kurz vor den Schrecken des Krieges, mit Wehmut um ihr Zuhause, Angst vor dem neuen Leben, aber der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Diese Grausamkeiten passierten nicht in der fernen Vergangenheit, sondern im Kontext der menschlichen Geschichte auf diesem Planeten gerade eben. Zeitlich so nah, dass zumindest meine Generation von den Großeltern immer wieder von den Schrecken des Krieges hörten, es aber nicht erlebten und es weit in der Vergangenheit sein musste. So war es aber nicht. In Österreich wussten die Menschen, dass Schweigen Gold ist, die bekannte Opferrolle Österreichs.Erst die Jugend der 60er und 70er begann die Schrecken des Krieges zu verurteilen und damit im Konflikt aufzuarbeiten. Mein heutiger Eindruck ist, dass der Bezug zu den damaligen Ereignbissen verloren gegangen ist. Man möchte nichts mehr wissen, das sei lange vorbei und daher wollen sich viele nicht damit befassen. Unfassbar, ein großer Fehler. Logisch betrachtet könnten wir daraus lernen. Viele Menschen haben dies auch. Die Europäische Union hat sich gebildet, ein Unikat, ein Experiment, das von den Europäer hoffentlich mit Achtung in die Zukunft getragen wird und sich weiterentwickeln kann.

        1. Ohne fremde Hilfe wäre das heutige Europa nicht das, was es ist, eines der größten Friedensprojekte der Geschichte.

        2. Wir haben in den Kriegswirren unsere Mitmenschen zu FLÜCHTLINGEN gemacht. Ich kann mir schwer vorstellen in der Angst von der Waffen-SS getötet zu werden mit Freude in eine fremdes Land zu gehen und sein Hab und Gut zu verlieren.

        Kurze EXKURSION:
        a) Zählen diese Flüchtlinge auch zu WIRTSCHAFTSFLÜCHTLINGEN… weil sie woanders einen besseren Wohlstand haben, nachdem sie von den Nationalsozialisten ausgeraubt wurden??
        b) Warum haben wir das Recht jemanden als Wirtschaftsflüchtling wegzuschicken. Seine aufgebaute Existenz wieder zu zerstören. Ist es Ansgt, dass zu wenig für alle da ist?

        3.Muss das sozialstaatliche Prinzip in der Verfassung mittels 2/3 Mehrheit gekappt werden, was juristisch vermutlich nicht umsetzbar wäre?

        Sollen wir stattdessen das Prinzip des Egoismus, dem Stärkeren mehr Macht einführen? Das wäre eine verrückte Idee…

        Zum Rest von Michaels Kommentar: „was passiert, wenn die Flüchtlingszahlen nach Europa noch weiter stark zunehmen? Was die Millionen zum grossen Teil niedrig qualifizierten Menschen für unsere Sozialsysteme bedeuten? Wo sie wohnen werden, wo sie in die Schule gehen werden. Und ja – welche Parteien dann die “alteingesessenen” Menschen wählen werden?

        Wenn y gegen UNENDLICH geht und diese Fragen bereits ansgtbesetzte Antworten suggerieren, anworte ich, sieh dir Europa als Beispiel an! Die Logik sagt wir MÜSSEN SCHNELLER handeln. Und nicht so, wie derzeit. Es muss ein Lösung für den Konfliktherd in Syrien gefunden werden.

        Menschen, auch Millionen sind keine Gefahr, denn die Flüchtlinge wollen uns nichts tun, die haben Angst vor uns, weil wir sie so empfangen, nachdem Sie lieber den lebensgefärhlichen Weg nach Europa genommen haben um zu überleben!!!

        Die Menschen sind eine Bereicherung. Wir haben Platz. Sie haben sich in SYRIEN, wo wir wohl ausgesetzt keine 2 Tage überleben würden, die Fähigkeit sich selbst zu erhalten, wenn wir mit Ihnen teilen. STARTHILFE. Die Vorschläge von TOM. SPENDEN. und LAND! Wir leeren Milch weg und verschmeißen Lebensmittel, ich glaube kaum dass ich um irgendwas Angst habe. Wir bauen gemeinsam. Wir lernen von Ihnen. Wir müssen Flüchtlinge mit Respekt und Hilfe begegnen und das bedeutet auch eigene AUTINOMIE. JA viele Bürger warten auf Arbeit. Wir können was tun, es ist sogar, so glaube ich, auch wenn es paradox erscheint, ein Antriebsmotor für die Wirtschaft. Aber bitte nicht falsch verstehen. Das Ziel ist nicht Flüchtlinhge auszubeuten, sondern sie aufzufangen, zu teilen und gemeinsam etwas zu kreieren. Dazu brauchen wir unsere Föhigkeiten und ich denke jeder kann helfen, auf seine Art und Weise. Es gibt übrigens schon erfolgreiche Projekte, sie zB. ein Hotel in Salzburg, das Flüchtlinge aufgenommen hat. Sie beginnen sich selbst zu organisieren. Und Bildung, vielleicht schätzen sie ja Bildung mehr als manche meiner Mitbürger hierzulande.

        – Und falls tatsächlich ein Wahlrecht vergeben wird, Hut ab, dann sind wir dem Ziel z sehr nahe gekommen.

        – Ein Fakt zuden Menschen, die aus dem Balkan zu uns gekommmen sind. Hierzu durfte ich vor Kurzem einen Artikel lesen, dass NIE von denen gesprochen wird, die wieder zurückgehen, freiwillig, ohne Fremdenpolizei, und das sind MEHR als NACHKOMMEN. Warum das so ist?

        Zusammenfassend:

        Die unterschwelligen Ängste sind sogar produktiv, weil sie Alternativen denken lassen. Wir dürfen nicht vergessen, dass WIR EUROPÄER für das Zielergebnis „z“ verantwortlich sind, humanitär und auch noch in 100 Jahren. Wir haben den Auftrag y so gut als möglich zu gestalten, so kreativ und humanitär als nur möglich. Damit tragen wir auch die Verantwortung. Weniger Angst, mehr Kreativität und SOLIDARIÄT. Logik ist dazu nur ein nützliches Instrument, um Größeres zu ermöglichen.

      • Michael

        @Stefan Rohregger: Mit „Schritt“ beziehe ich mich auf den von Tom verlinkten Artikel in der NYT, der schreibt, dass Menschen das „k-step thinking“ zeigen, d.h. sie denken etwas nicht zu Ende (in dem Fall bis zum Nash-Equilibrium) durch, sondern eben nur k Schritte davon.

        Wenn Du schreibst, dass „die Menschen sind eine Bereicherung, wir haben Platz“ oder „Lösung für den Konfliktherd in Syrien“ dann ist das leider nicht nur nicht zu Ende gedacht, sondern noch nicht mal zu Anfang gedacht worden.

        Sicher kannst Du sagen, dass für Dich feststeht, dass Europa moralisch dazu verpflichtet ist jeden, der zu uns kommen will aufzunehmen – Punkt. Aber in der Praxis hat das schon auch Auswirkungen.

  • Rafael Woitzuck

    Ich versteh die NYT Lösung nicht, oder besser gesagt: Ich verstehe ihren Lösungsansatz nicht.

    Wenn die Fragestellung darin liegt die Zahl zu finden die bei 2/3 des Mittelwertes liegt wird wohl keiner eine Lösung abgeben welche über 2/3 der Zahlenmenge liegt, d.h. die relevante Zahlenmenge läuft nicht von 1 – 100 sondern von 1 – 66. Die Hälfte von 66 ist 33 und 2/3 davon sind ~~ 22. (Normalverteilungs vorausgesetzt welche recht offensichtlich nicht gegeben ist)

    Die NYT konstruiert daraus 2-Stufen (2/3 von 2/3 von der hälfte von 100) was mit Verlaub ein bisserl blöde ist. Was das mit der Flüchtlingsproblematik zu tun hat?

    Kein Ahnung. Ich wüsste auch nicht wieso man abseits einer trivialen Ableitung (Genfer Konvention & Menschenrechtscharta bedingen eine Chance auf ein menschenwürdige Unterbringung ergo sollte diese dargestellt werden solange man sich an diese Normen gebunden fühlt) die Thematik einer abstrakten Logik unterwerfen sollte.

    • Bei der NYT ist die einzig logische Lösung, wenn man das Problem durchdenkt – das heißt die Konsequenz der ersten Antwort auf eine Frage bedenkt und in die Lösung miteinbezieht und so weiter – natürlich 0.

      Die Relevanz für den Text ist, dass Grenzkontrollen der erste Impuls vieler auf die Flüchtlingsproblematik sind, aber dass man durchdenken muss, was das als Antwort bedeuten würde.

      Und das tun die meisten nicht.