Liebe Griss-WählerInnen, eine Frage wär da schon noch

Vorab: Ich möchte Irmgard Griss nicht in ein Nazi-Eck stellen. Ich habe in keiner Weise den Eindruck, dass sie Nazi-Sympathisantin ist. Aber mich stört es, wenn sie wiederholt in Interviews und Talkrunden keine klaren Worte zur Rolle Österreichs im Nationalsozialismus findet, so wie ich sie mir vorstelle.

Lange habe ich das eher so abgetan, dass da ihre politische Unbeholfenheit durchkommt. Aber nach Monaten des Wahlkampfs zieht diese Erklärung einfach nicht mehr.

Griss hat in diesem Wahlkampf in diesem Zusammenhang mehrere problematische Aussagen getätigt. Sie hat Kurt Waldheim und ihre Stimme für ihn verteidigt, weil man seine Rolle in der Wehrmacht nicht so genau kenne. Sie hat für die Novemberpogrome 1938 das Wort “Reichskristallnacht” verwendet (und die Verwendung hinterher verteidigt). Sie hat sich geweigert, Österreich als Täternation des Nationalsozialismus zu bezeichnen, und gemeint, dass die Nazis nicht immer “ihr böses Gesicht” gezeigt, sondern “die Menschen verführt” hätten. Sie meint, man solle Menschen heute nicht mehr an ihrer Einstellung zu damals messen und in diesem Wahlkampf bitteschön nicht so viel darüber reden.

Und da Griss zu intelligent ist, um den Sachverhalt nicht zu verstehen. Und da sie als Juristin im Umgang mit Nuancen der Sprache zu gebildet sein sollte, um in all diesen Monaten keine eindeutigeren, befriedigenderen Aussagen zu formulieren. Und da (ums nochmal zu sagen) auch die “Sie ist ein Nazi!!1!”-Erklärung nicht trifft, finde ich nur noch eine andere Erklärung für dieses Verhalten: Sie macht diese klaren Aussagen aus taktischen Gründen nicht. Weil sie vor allem in einer möglichen Stichwahl mit Alexander Van der Bellen halt ganz gerne auch die Stimmen der Dolfuß-Bilderaufhänger und Ewiggestrigen hätte. (Gegen Norbert Hofer dürfte das eher ein schwieriges Klientel sein)

Sorry, aber das stört doch! Das geht nicht. Nicht bei diesem Thema. Nicht in diesen Zeiten. Nicht bei diesem Amt.

Ich weiß, dass diejenigen unter meinen FreundInnen, die sie wählen wollen, bei diesem Thema normalerweise sensibel sind.

Ich weiß, dass sie wissen, dass man sich von dieser ewigen Schande auf dem Konto dieser Nation – ja auch 2016 noch – uneingeschränkt distanzieren sollte. Mit der Gnade der späten Geburt nicht aus einem Gefühl persönlicher Schuld, sondern weil es angesichts der Widerlichkeit der begangenen Verbrechen einfach nicht schwer fallen sollte. Es muss auch nicht dauernd und jeden Tag sein, aber schon wenn man gefragt wird, weil man PräsidentIn werden will. Zwischen Kurt Waldheim und unserem nächsten Präsidenten lagen mit Thomas Klestil und Heinz Fischer gerade einmal zwei Amtsträger. Da sollten Kandidaten es noch nicht leid sein, an dieser Distanzierung auch gemessen zu werden.

Ich weiß, dass diese FreundInnen normalerweise darauf bestehen, dass diese Epoche der österreichischen Geschichte natürlich insbesondere dann zum Thema wird, wenn es manchen doch schwer fällt, ohne Vorbehalte zu sagen: “Österreich war eine Täternation” (wie Griss und Khol, der auch kein Nazi ist). Weil alles andere schwer mit den geschichtlichen Fakten und schon gar nicht den moralischen Gepflogenheiten in Einklang zu bringen ist. Und weil es aufrechten Österreichern außerdem nicht im Geringsten weh tun sollte, das zu sagen, weil sie sich heute nicht in der Tradition dieses Regimes sehen, sondern als sein Feind, der 1945 gesiegt hat.

Ich weiß, dass diese FreundInnen kapieren, dass man Waldheim heute nicht mehr mit dem Argument der Ignoranz verteidigen kann. Dass man ihn vielleicht einst zum Bundespräsidenten gewählt haben kann (woran man sich vielleicht schon erinnern sollte), aber dann heute schlicht sagen könnte: “Das war ein Fehler, ich wurde getäuscht und würde das heute nicht mehr tun” und nicht “Man weiß ja nicht, was er wusste.” Man weiß es hinreichend. Er hat selbst keine nachweisbaren Kriegsverbrechen begangen, aber über solche Verbrechen außerordentlich gut Bescheid gewusst; er konnte sie realistischerweise nicht verhindern und hat das auch nicht versucht; und er hat im Gegenteil dazu manche von ihnen durch sein Zutun erleichtert. Und man weiß, dass er die Öffentlichkeit über seine Rolle belogen hat.

Ich weiß, dass sie vielleicht schonmal gehört haben, dass man seit zumindest 30-40 Jahren nicht mehr “Reichskristallnacht” sagen sollte, weil argumentiert werden kann, dass dieses Wort die Novemberpogrome mit ein paar zerschlagenen Fenstern verharmlost, statt ihrer grausamen Gewalttaten und Mob-Morde gerecht zu werden (jene Pogrome die in Österreich übrigens schon Monate davor und auch durch die Zivilgesellschaft besonders aggressiv verübt wurden und dem “die Menschen wurden verführt”-Mythos schlicht nicht gut tun). Dass man dieses Wort vielleicht seiner Oma nicht übel nimmt, weil die das Zeit ihres Lebens so sagte, aber dass das für KandidatInnen des höchsten Amts im Staat zumindest ein heftiger (und nicht auch noch verteidigenswerter) Fauxpas ist.

Es ist ja wirklich traurig, dass man über diese Dinge noch reden muss. Denn wir haben einen Wahlkampf für das höchste Amt im Staat im Jahr 2016 und die Sache sollte klar und wir sollten uns alle einig sein. Aber zumindest zwei KandidatInnen schaffen es nicht, Östereichs Rolle im Nationalsozialismus ohne irgendwelche Vorbehalte zu verurteilen. Irgendwo muss immer noch ein “aber” rein. Irgendwo noch ein bisserl Verständnis. Ein Dritter muss überhaupt noch betonen, dass er Österreichs Existenzrecht im Gegensatz zu seiner Burschenschaft eh anerkennt und betrachtet den 8. Mai (den Tag der Befreiung vor dem NS-Regime) als Tag für Traurigkeit. Und irgendwie ist das Thema eben damit einfach doch noch nicht so richtig gegessen und klar und ignorierbar.

Und deshalb würde mich interessieren, wie es diesen FreundInnen eigentlich so geht, wenn sie jemanden wählen wollen, der natürlich um Himmels Willen kein Nazi ist, aber all diese zweifelhaften und verwerflichen Dinge irgendwie taktisch in Kauf nimmt?

Redet man sich das schön und sagt “Aber bei allen anderen Fragen finde ich sie so viel besser”?
Hört man da immer kurz weg?
Oder zuckt man bei diesen Aussagen wenigstens so ein bisserl?

So, wie man es sonst halt auch immer tun würde.

  • Stuart

    Finde die Diskussion erinnert inhaltlich an den Historikerstreit…finde auch nicht, dass sie nicht klar stellung bezieht. dieses pauschalisierende diskussionsverbot nimmt jeder diskussion sämtliche grundlagen. und deine theorie mit dem taktieren finde ich schon ein bisschen seltsam…das kostet ihr nämlich meiner meinung nach mehr stimmen als es bringt…glaubst du wirklich, dass jemand sie wählt, weil er meint sie sieht österreich als opfer der ns-zeit? und wo genau hätte sie das denn so gesagt oder weil du sie ja nicht explizit ins nazi eck stellen willst, sondern nur implizieren möchtest, dass sie eigentlich ein nazi ist, auch nur angedeutet? finde es 70 jahre danach wichtig über die mechanismen zu sprechen, die den nazis zum aufstieg verholfen haben. ich habe ihre einwände nämlich immer so interpretiert, dass sie vor den damaligen mechanismen gewarnt hat und eine gefahr sieht, dass die sich gerade jetzt wiederholen. in dem falter interview bspw, dass die leute so naiv waren nur das zu hören was sie hören wollten und nicht was man hätte sehen und hören können. bzw es zu hören und sich dazu entscheiden es zu ignorieren. ich habe außerdem die vermutung dass du den riedl in der zeit gelesen hast und dich davon massiv hast beeinflussen lassen. der fantastiert sich ja auch sachen herbei. davon, dass griss eine apologetin der ns-zeit wäre zb…ich mein gehts noch? und das mit der reichsprogromnacht, die ja eigtl nur mehr novemberprogrom und schon gar nicht mehr reichskristallnacht heissen darf, halte ich auch wieder für eine sehr fadenscheinige twitterblasen sache. sicher könnte man über die begrifflichkeit besser bescheidwissen. aber wie mit jedem begriff ist es auch wichtig was damit gemeint wird. nur weil ich einen anderen begriff verwende habe ich noch nichts an meiner interpretation von ebendiesem geändert. finde solche reinen begrifflichkeiten gehen immer beinhart am thema vorbei. ist ähnlich wie mit dem umändern von straßennamen…da wär es oft gescheiter die zachen namen zu lassen, aber durch zusätzliche informationen jeden immerzu darüber reflektieren zu lassen…dieses reinwaschen von unangenehmen dingen, wie es riedl (und vll im ansatz auch du) verlangen versteh ich nicht. es ist weder schwarz noch weiss, wahr oder unwahr. wer versucht geschichte so zu präsentieren als gebe es nur eine wahrheit oder eine lösung, der hat sie ganz einfach nicht verstanden

    ich finde auch, dass solche warnungen vor einem hxfer, der ja von einer partei kommt, deren chef ganz klar für die aktionen der identitären ist (wo war bitte da der aufschrei im wahlkampf? versteh nicht wieso das niemand aufgenommen hat…zumindest khol hätte nichts mehr zu verlieren), viel eher angebracht sind. und dass der riedl die griss in habermas’scher eitelkeit als nazi abzukanzeln versucht und ihr absichtlich die worte im mund umzudrehen finde ich auch ein starkes stück…seiner eigenen logik nach zu folge könnte ich meinen er attackiert sie so, weil sie eine frau ist, was natürlich blödsinn ist.

    und trotzdem werd ich sie vmtl nicht wählen…aber das mit der nazi sache ist wirklich ein topfen. im nachhinein ist man immer klüger

    • “glaubst du wirklich, dass jemand sie wählt, weil er meint sie sieht österreich als opfer der ns-zeit? und wo genau hätte sie das denn so gesagt”

      Nirgends. Steht da oben auch nirgends. Was sie tut (und was ich ihr ankreide), ist sehr umständlich zu vermeiden, Österreich als Täternation darzustellen.

      “Die Opfertheorie”” wird “infrage gestellt” sagt sie. Sie sagt: “Es gibt da bestimmte Formulierungen, die jetzt verwendet werden, dass eben auch viele Österreicher und Österreicherinnen Täter waren. Dieses Hängen an Formulierungen finde ich gewöhnungsbedürftig und nicht richtig” Es sei “bezeichnend”, dass an solchen Formulierungen gehangen werde.

      Kurz: Die Opferthese wiederholen will sie nicht, so richtig dagegen Stellung beziehen aber auch nicht.

      Und das, sage ich, geht so nicht. Damit käme man bei vielen Leuten, die sie wählen wollen, sonst nicht durch. Und dieses Bestärken und Wieder-Salonfähigmachen von uberwunden geglaubter Nachkriegspropaganda, das ist übel.

      • Sab Do

        Ich hab selten so viel sinnloses und ermüdendes Blabla gelesen, wie Du es hier schreibst, nur um deinem präferierten BP-Kanditaten zu mehr Stimmen zu verhelfen, in dem du einen anderen Kandidaten mit guten Chancen in Misskredit zu bringen versuchst. Ich weiß nicht, wen du wählen wirst aber das hier von Dir Geschriebene klingt sehr nach Grün eventuell noch Rot. Ich bin mit der Geschichte bestens vertraut und auch alt genug und ich kenne die Begriffe Reichskristallnacht und Novemberprogrome oder Progrome und weiß auch, daß beides das Gleiche ist. Aber auch ich wußte nicht, daß man Reichskristallnacht nicht mehr benutzen soll, ich kenne auch den Begriff Reichsprogromnacht und in meinem Kopf wird dieses Verbrechen zB mit dieser Bezeichnung verknüpft. Ich finde daher, daß all Dein Geschriebenes nur dazu dient, hier jemanden in ein bewußt falsches Licht zu drücken, damit man denjenigen nicht wählt. Mehr nicht. Sie hat eindeutig, sofort BEI diesem erstmaligen Gespräch über dieses Thema gesagt und das war auch eindeutig verständlich – wenn man es verstehen wollte – daß die Nazis es verstanden, nicht sofort ihr wahres Gesicht zu zeigen und daß es einfach viele unbedarfte Menschen gab, die das echte Nazi-Wesen und die grauenhaften Ziele nicht erkannten und nicht erkennen konnten. Nicht mehr und nicht weniger. Sie hat mit keinem Satz ermöglicht, an ihrer Ablehnung des Regimes zu zweifeln. Das haben wiedermal nur die mit allen erdenklichen Wortklaubereien und Verdrehungen geschürt, die sie halt nicht haben wollen und einen anderen Kanditdaten siegen sehen wollen. Schwach, einfach nur schwach, mühsam und armseelig. Genauso wie Dein ellenlanger ermüdender, sinnloser Texterguss.
        Und nur nebenbei der Vollständigkeit halber, ich bin kein Griess Fan oder Wähler. Aber einfach nur weil sie für TTIP steht.

      • “… daß die Nazis es verstanden, nicht sofort ihr wahres Gesicht zu zeigen und daß es einfach viele unbedarfte Menschen gab, die das echte Nazi-Wesen und die grauenhaften Ziele nicht erkannten und nicht erkennen konnten.”

        Und das ist historischer Mumpitz und mit welcher Verve die Griss-Anhänger diesen Mumpitz jetzt zu ihrer Unterstützung verbreiten, illustriert sehr schön, warum ich ein Problem mit diesen scheinbar harmlosen Sätzen habe. Es nährt einen Mythos, den ich für weite Teile der Bevölkerung für längst überwunden geglaubt hatte.

        Die Nazis waren offene Faschisten, offene Antisemiten, offene Rassisten, eine offene Diktatur. All das war nicht nur bekannt, sondern ein Grund für ihren Erfolg, auch in Österreich, wo der Austrofaschismus den Boden bereitet hat und Antisemitismus lange historische Tradition hatte.

        Mag schon sein, dass sich mancher 1938 diese Dinge ausgeblendet hat, aber sie waren kein Geheimnis und sie waren nicht unmöglich zu erkennnen. Die Nazis waren kein Wolfs im Schafspelz und weder Österreich noch Deutschland waren Nationen voller Unzurechnungsfähiger, die Hitler für einen lieben Onkel hielten, der niemandem böses will.

        “Nicht mehr und nicht weniger. Sie hat mit keinem Satz ermöglicht, an ihrer Ablehnung des Regimes zu zweifeln.”

        HÄTTE ein Kandidat DAS getan, würde mein Artikel nicht mit dem Satz anfangen “Ich will diesen Kandidaten nicht in eine Nazi-Ecke stellen”. Er würde dann damit “Dieser Kandidat ist ein Nazi” beginnen.

        Man kann auch gegen die Nazis sein und trotzdem problematische Dinge sagen. Das hat Irmgard Griss in meinen Augen im Wahlkampf wiederholt getan.

        Wenn du das als Wahlkampf abstempeln willst, kann ich weder dir noch mir in dieser Diskussion weiterhelfen. Ich finde diese haltlose Unterstellung unanständig. Ein ehrliches Interesse an einem Austausch muss von beiden Seiten einer Debatte gegeben sein. Wenn dir das fehlt, klick bitte woanders hin. Den Anstoß der Debatte hat Griss gegeben.

      • Alexander

        Also Du behauptest jetzt damit, dass alle Österreicher (unsere Groß-, Urgroßeltern oder Eltern, je nachdem wie alt wir sind) genauestens bescheid wussten über die Grausamkeiten, die Hitler und seine treue rassistisch-faschistische Gefolgschaft der Menschheit angetan hat? Ich bin kein Historiker und kann diesbezüglich auch keine Expertise abgeben, meine aber schon, mich noch soweit an meinen Geschichtsunterricht zu erinnern, als dass darin sehr wohl Unwissenheit der Bevölkerung auch ein Thema war.

        Es gab damals keine Medienvielfalt, keine Unabhängigkeit, wie es heute der Fall ist (oder großteils sein sollte), keine kritische Berichterstattung, die die abscheulichen Taten aufzeigt. Was die Nazis auf jeden Fall am besten beherrschten, war mediale Propaganda. Auch mein Großvater meinte einmal: “Als wir von den Konzentrationslagern erfahren hatten, war der Krieg schon weit fortgeschritten.”

        Und jetzt frage ich Dich, ist es da so falsch zu behaupten, dass die Österreicher nicht nur Täter waren? Ich glaube, dass die wenigsten Soldaten, die “für unser Land gekämpft” haben, dies aus voller Überzeugung “für die Sache” getan haben und den Wehrdienst freiwillig und mit großer Freude angetreten sind. Also ich würde sogar behaupten, es gab extrem viele Opfer. Zum einen Opfer einer diktatorischen Staatsmacht, deren Marschbefehl die “braven Bürger” zu folgen hatte, zum anderen Opfer der Täuschung durch Propaganda und nicht zu letzt würde ich auch alle Personen mit oder ohne österr. Staatsbürgerschaft, die in Österreich lebten, hier aufgewachsen sind, und aufgrund ihres jüdischen Hintergrunds bedroht und verfolgt wurden, als österreichische Opfer sehen.

        Aber, da bin ich ganz bei dir, waren wir Österreicher natürlich vor allem auch Täter. Denn der Rollenwechsel vom Opfer zum Täter, war die traurige Konsequenz daraus. Niemand ist von Haus aus Täter. Und ich habe die Ausführungen von Griss so verstanden. Genau da müssen wir in Zukunft achtsam sein, das müssen wir uns immer wieder bewusst machen. So etwas darf nie wieder passieren!

        Gerade deshalb würde ich es falsch finden, alle, und ich betone “alle”, die damals wie auch immer gehandelt haben, als bösartige Täter darzustellen. Es gab damals genau so unzufriedene und verzweifelte Menschen, wie es sie auch heute leider – aufgrund unzureichender und falscher politischer Maßnahmen – gibt. Und die FPÖ ist derzeit die einzige Partei, die es versteht, diese Personen abzuholen. Diese Partei macht das allerdings mit einer extrem verwerflichen populistischen Art. Auch hier spielen Täuschung, z.B. durch aus dem Zusammenhang gerissene Aussagen, sowie leere Versprechungen eine Rolle.

        Worauf ich hinaus will: Schwierig finde ich es halt auch, wenn du dann Personen, die für FPÖ-Populismus anfällig sind, sie mit Aussagen, wie “Ewiggestrige” auch noch direkt in dieses Rechte Eck drängst. Ich setze in Griss die Hoffnung, auch solche Personen abzuholen. Und ja – ich hab sie gewählt, und hoffe, dass ich damit eine gute Entscheidung getroffen habe.

      • “Gerade deshalb würde ich es falsch finden, alle, und ich betone “alle”, die damals wie auch immer gehandelt haben, als bösartige Täter darzustellen. ”

        Eh nicht. Es gab reine Opfer, es gab Widerstandskämpfer, es gab Leute mit wenig anderer Wahl. Aber der Staat Österreich kann sich nicht länger als Opfer darstellen und die Mehrheitsgesellschaft auch nicht. Und die “man hats ja nicht gewusst”-Geschichterln sind alle längst aufgeblattelt.

        Mag ja sein, dass nicht jeder gewusst hat, wie genau und wo genau Juden ermordet werden. Aber Mit der Inhaftierung politischer Gegner, mit Arbeitslagern, mit Vertreibung und mit der Ermordung von Juden wurde lange vor der Nazi-Machtübernahme in Österreich begonnen. Und die Nazis haben dieses Vorgehen 20 Jahre lang angekündigt. Das hat man auch auch ohne Internet mitgekriegt. Es kam in Österreich vielleicht vielleicht nicht gar so böse vor, weil das Verbot politischer Gegner, die Todesstrafe für sie und ihre Inhaftierung in Arbeitslagern hier auch Staatspolitik war und auch antisemitische Gewalt alles andere als ungewöhnlich.

        “Schwierig finde ich es halt auch, wenn du dann Personen, die für FPÖ-Populismus anfällig sind, sie mit Aussagen, wie “Ewiggestrige” auch noch direkt in dieses Rechte Eck drängst.”

        Schwierig finde ich es, wenn man Menschen die Konsequenzen ihrer Handlungen nicht mehr aufzeigen darf. Die FPÖ ist eine ausländerfeindliche Partei. In Zukunft wird keiner behaupten können, das hätte man nicht gewusst. Und wer die heute wählt, stellt sich von ganz allein ins rechte Eck.

      • Sab Do

        Du schreibst nur Müll, echt. Werd erwachsen. Gerade dein eigener letzter Satz ist schon als Rassismus im weitesten Sinn gegen Andersdenkende zu sehen. Du klingst einfach nur wie ein scheuklappenbewaffneter ultralinker Grüner, der heimlich mit den anderen zur Zeit grad in Wien die ganzen Steine wirft und dann schreit, die Nazis da mit der blauen FPÖ Flagge warn’s. (und ich bin auch kein FPÖ Wähler, nur zur Info…)

      • “Rassismus im weitesten Sinn gegen Andersdenkende.”

        Soso.

        Macht Spaß mit dir. Baba.

      • Sab Do

        🙂 Schlußendlich bleibt also nur ein soso. Jo, die Wahrheit is entwaffnend und argumenteraubend 😉 Stussverbreitung dauert halt nie lang…

      • Sab Do

        Warst Du dabei ? SIcher nicht. Also behaupte nicht etwas, von dem Du offensichtlich faktisch keine Ahnung haben kannst. Mein Opa war auch in der Armee und mußte in Russland kämpfen und hatte keinerlei Ahnung, worum es eigentlich wirklich ging. Meine Oma wartete zu Hause auf ihren Mann und hatte keinerlei Ahung worum es ging und war totsicher kein Nazi. Im übrigen macht(e) Griess NICHT damit Wahlwerbung, sondern andere, so wie Du, wollten ihr damit einen unfairen und linken Strick drehen, was zum Glück nicht funktionierte. Im übrigen war ich kein Griess Wähler, falls du das annimmst.

      • Wenn du keinen respektvollen Umgangston zustandebringst und nur an persönlichen Unterstellungen interessiert bist, brauchst du hier bitte nicht mitzudiskutieren.

        Da du nicht dabei warst im Zweiten Weltkrieg, musst du laut deiner eigenen Meinung ja sowieso auch ruhig sein.

      • Sab Do

        Hahaha, aha, dir gehen also die argumente aus und jetzt kommst du mit sowas. Ich war nicht dabei habe aber meine großeltern noch lange gekannt und mit denen viel reden dürfen (im gegensazu zu zu dir offensichtlich) Na passt schon, hahaha… der einzige der hier mit unterstellungen angefangen hat, warst im übrigen du (griess gegenüber).

      • “Mein Opa war bei der deutschen Armee” und “Du schreibst Müll und willst nur Griss verhindern” und “Du kannst keine Ahnung haben, weil du warst im Zweiten Weltkrieg nicht dabei” sind Argumente, denen ich natürlich aufgrund ihrer intellektuellen Qualität einfach wenig entgegenzusetzen habe. Du hast mich entwaffnet.

        Danke fürs vorbeischauen! Wenn ich wieder mal ein Tröllchen brauche, meld ich mich bei dir.

      • Sab Do

        Dir fällt aber schon noch auf, daß dich hier auch alle (!) anderen Schreiber komplett entwaffnet haben, weil Du mit deiner eigenen inhaltlichen “intellektuellen Qualität” dieses dummen und durchschaubaren Zweck-Vorwurfes vollkommen gestrandet bist… 😉

  • hans

    Ich höre tatsächlich zum ersten Mal, dass man jetzt “Reichskristallnacht” “nicht mehr sagen sollte”. Ich persönlich finde, dass dieses Wort den Schrecken sehr, sehr gut spürbar macht – auf jeden Fal 1000mal besser als “Novemberprogrome”. Schade, dass sich Antifaschismus und Antirassismus momentan gerne ausführlich in Sprechgeboten manifestieren. M.E. eine extrem falsche Entwicklung.

    • Mag schon sein, dass du damit den Schrecken dieser Zeit verbindest, das will ich dir nicht absprechen. Aber es geht halt nicht um dich oder mich, oder? Die Diskussion ist ziemlich alt und dass ich mehrere Rückmeldungen gekriegt habe, dass mancher das noch nie gehört hat, ist eher alarmierend was die Aufarbeitung dieser Zeit angeht, als in irgendeiner Form ein Argument.

      Kritik an der Verwendung dieses Begriffs kam schon kurz nach dem Krieg von Seiten der Opfer auf.

      “Da der Ausdruck widersprüchliche Mitbedeutungen anklingen lässt, die man nur bei Kenntnis der Begriffsentstehung versteht, stieß er schon früh besonders bei den Opfernachfahren auf Kritik und Ablehnung. So befürchtete die „Notgemeinschaft der durch die Nürnberger Gesetze Betroffenen“ 1948 am zehnten Jahrestag der Novemberpogrome:

      „Ehe es soweit ist, dass sich dieses falsche Wort im allgemeinen Sprachgebrauch so eingebürgert hat, dass es nicht mehr wegzubringen ist, möchten wir darauf hinweisen, welche Entstellung mit der Benutzung dieses Wortes verbunden ist. Das Wort ‚Kristallnacht‘ ist nicht von den früher Verfolgten erdacht und in den Sprachgebrauch gebracht worden.“”

      https://de.wikipedia.org/wiki/Novemberpogrome_1938#Begriffe_nach_1945

      Insofern würde ich sagen: Wenn die Opfer sich an diesem Begriff stören, sollte man sich darüber nicht hinwegsetzen. Und das ist unter Historikern eigentlich auch seit Jahrzehnten Usus.

      Es geht halt nicht um zersplittertes Kristall. Es geht um systematische Verhöhnung, Gewalt, Morde und Verfolgung. Warum sollte es schwer oder “extrem falsch” sein, dafür einen sensiblen Begriff zu verwenden? Hat ja keiner was davon, an einem Wort festzuhalten, das die Täter vereinnahmt haben, oder?

      • Gerhard Männl

        Ich finde ein “Original” immer am abstoßensten: Einen KZ-Besuch oder ein Schulbuch mit Rechenaufgaben, wie viele Einfamilienhäuser für Gesunde mit dem Geld, das für 1 “Asylheim für unwertes Leben” verschwendet wird, gebaut werden könnten … Diese Originale schockieren mich immer wieder aufs Neue. Diese Originale verlieren für mich nie ihren Schrecken. Nicht nur im Zusammenhang mit dem Nazi??? (soll es -wahnsinn, -gräuel, -verbrechen heißen?), sondern in allen Belangen. Die Bezeichnung Sexarbeiterin erleichtert einer Prostituieren nicht die Grauslichkeiten ihrer Tätigkeit zu ertragen.
        Und wenn ich mir Original-Radio-Reportagen über die Kristallnacht anhöre, wie “arme” Bediensteten aus den Fängen der Synagogen “befreit” wurden, wie “lustig” über die “spontanen” Ausschreitungen berichtet wurde, glaube ich nicht, dass mich das Wort Novemberpogrom tiefer berühren könnte; egal wie alt ich auch werden werde.

  • andreas habicher

    Interessant, wie “Dollfuß-Bilderaufhängen” und “den Nationalsozialismus nicht zu 100% verurteilen” in eine Schublade passen. Immerhin wollte Dollfuß sich hinter Mussolini vor Hitler verstecken und wurde von den Nazis getötet. Ich denke, gerade du weißt über diese Sachlage besser Bescheid als 96% der Österreicher, trotzdem verwischt du das hier und erweckst unterschwellig (ohne es ausdrücklich zu sagen) den Eindruck, Dollfuß sei ein Nazi gewesen. Das ist nicht seriös.

    • Dollfuss war kein Nazi, sondern ein faschistischer Diktator. Er wäre wie die vermeintliche Schutzmacht Mussolini ein logischer Verbündeter Hitlers gewesen, hätte dieser nicht Anspruch auf das von ihm kontrollierte Staatsgebiet angemeldet.

      Er wird hier nicht angeführt, weil er ein Nazi gewesen ist, sondern weil er sehr viel mit dem Opfermythos zu tun hat.

      • andreas habicher

        Ja, passt. Halte ich für eine wichtige Klarstellung; gerade heutzutage, wo die Details in der hektischen Diskussion leicht unter den Tisch fallen.

  • Rumpelpumpel

    Viel zu langes blabla…..ja wenn man nur einen Hammer hat sieht man even nur mehr Naegel.

  • Peter Mueller

    Wenn nichts an Kritik mehr übrig bleibt, die Nazi Karte geht immer noch.
    Aber, wenn jemand Jahre lang Parteivorsitzender der Grünen war und dann nach seiner Ablöse sich vom roten Bürgermeister hat aushalten lassen, was ist das für eine “Gesinnung” ? Ein Job, der extra für ihn geschaffen wurde und den die Wähler zahlen durften, damit er uns dann sagt, was Rechtens ist? Danke, auf so einen Präsidenten kann ich gerne verzichten!! Der Lugner tät`s um`s halbe Geld machen.