24 Lehrstunden für Weißwähler

In den knapp 24 Stunden in denen der Sieger der Präsidentenwahl nicht entschieden war, hat die FPÖ die Wahl und damit die Institutionen der Republik Österreich angezweifelt. Sie hat quasi allen Medien in diesem Land unterstellt, das Ergebnis falsch zu berichten. Sie hat mit diesem Verhalten der Republik massiven Schaden zugefügt, der womöglich noch über Jahre spürbar sein wird und das hat sie aus strategischem Kalkül getan, weil es ihr selbst nutzen wird.

Kaum auszudenken, was diese Partei statt in ungewissen 24 Stunden mit nur 31.000 Stimmen mehr und einem Präsidenten in 6 Jahren machen hätte können.

Eine erkleckliche Anzahl an Leuten haben nicht nur weiß gewählt, sondern in sozialen Medien mitunter auch aggressiv dafür geworben, das zu tun, weil sie keine gravierenden Nachteile von Hofer gegenüber Van der Bellen erkennen wollten.

Mit Sicherheit werden diese Leute darin jetzt keinen Fehler sehen wollen und die Gnade der Mehrheit erspart ihnen die meisten Konsequenzen. Aber vielleicht erinnern sie sich beim nächsten Mal an diese 24 Stunden.

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  • Christof Sorge

    Hi,

    weil ich mich das gerade frage und auf die Schnelle nichts gefunden habe:
    Weißwähler helfen ja den jeweils Stimmstärksten, weil die Parteien proportional zu ihrem Stimmenanteil Prozente dazubekommen. Ich beziehe mich jetzt vor allem auf die Nationalratswahl.

    Gilt das aber nicht auch für die 4-Prozent-Hürde? Wenn jetzt hypothetisch fünf Parteien jeweils 3 Prozent kriegen, würden doch nur 85% der abgegeben Stimmen für die Mandatsverteilung herangezogen werden und damit die großen Parteien wieder proportional bevorzugt werden.
    Das macht es natürlich einfacher Mehrheiten zu finden, trägt aber nicht dazu bei kleinen Parteien eine Stimme zu geben, wenn im Vorfeld nicht klar ist, ob sie über die 4-Prozent-Hürde kommen.
    Oder habe ich da einen Denkfehler?

    PS: Ich will auf keinen Fall Werbung fürs Weißwählen machen!

    • In beiden Fällen müsste man ohne konkretes Szenario rein statistisch davon ausgehen, dass “verlorene” Stimmen sich gleichmäßig auf die verbleibenden Parteien auswirken. Weißwählen stärkt nicht die stärkste Partei, sondern bestätigt einfach voll uns ganz das Wahlergebnis.

      Die 4%-Hürde hat hingegen ein mehrheitsförderndes Element, das wird tendentiell zwar schon, muss aber nicht unbedingt der stärksten Partei helfen. Es vergrößert unter Umständen die Möglichkeiten aller im Nationalrat vertretenen Parteien.

      Zwei Szenarien:

      1. Angenommen Partei A hat 30, Partei B hat 25, Partei C hat 23%, Partei D hat 18,1% und dann kommt eine Partei E mit 3,9% nicht in den Nationalrat. Dann hat Partei A in der Gesamtrechnung 2 Koalitionsoptionen mit einer anderen Partei, Partei B und C keine zusätzliche und Partei D gar keine.

      Nach dem Wegfall von Partei E hat Partei A (nun 31,22%) plötzlich 3 Optionen (da Partei D mit 18,83% nun eine Mehrheit sichert), sonst ändert sich knapp nichts (B käme auf 26,01, C auf 23,93%).

      2. Wäre die Ausgangslage aber knapper: Etwa wenn A 28,1, B 26, C 23,9 und D 18,1 und E wieder 3,9 erreichen, dann ist der Wegfall von E plötzlich ein Vorteil für B. Denn plötzlich bleibt A (29,24) bei zwei Optionen (B (27,06) und C (24,87), D (18,83) geht sich nicht mehr aus), aber B hat plötzlich ebenfalls 2 Koalitionsvarianten (A und C).

      Das heißt: Obwohl die stärkste Partei proportional marginal mehr dazu gewinnt, gibt es plötzlich unter solchen Voraussetzungen eine Koalitionsmöglichkeit ohne die stärkste Partei, die vorher nicht da war. Das ist eine viel drastischere Auswirkung auf die Koalitionsbildung als ein um 0,18% vergrößerter Vorsprung.

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