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		<title>Wie Griechenland Strom verkauft, den es nicht liefert</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2012/04/16/wie-griechenland-strom-verkauft-des-es-nicht-liefert/</link>
		<comments>http://zurpolitik.com/2012/04/16/wie-griechenland-strom-verkauft-des-es-nicht-liefert/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 16 Apr 2012 13:26:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Schaffer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[Helios]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Solarenergie]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Konzept für Griechenland, um die Staatskassen zu füllen, ist "virtueller" Energiehandel mit neuen Solaranlagen - Eine Erklärung von Tom Schaffer]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Griechenland will demnächst <a href="http://derstandard.at/1334530802523/Helios-Griechenland-will-mit-Solar-Schulden-abbauen" target="_blank">Strom aus geplanten Solarkraftanlagen exportieren</a>, ohne dafür eine passende Leitung ins Ausland zu haben. Was sich am ersten Blick wie eine technische Sensation anhört, ist in Wahrheit natürlich ein Bilanztrick &#8211; der Griechenland aber Geld bringen kann. In Foren sorgt das Projekt &#8220;<a href="http://www.project-helios.gr/" target="_blank">Helios</a>&#8221; für Verwirrung und Hohn. &#8220;Virtuelle&#8221; Exporte klingen skurril? Sie können allerdings in Ordnung sein.<span id="more-10004"></span></p>
<p>Im Rahmen von Klimazielen haben Länder die Aufgabe, mehr Strom aus CO2-armen (und damit auch erneuerbaren) Energiequellen in ihrer Bilanz zu erreichen. Dabei wird berücksichtigt, dass es keinen Sinn macht, etwa Nordskandinavien mit Solarzellen zuzupflastern. Emissionen sollen dort eingespart werden, wo es am Wenigsten kostet &#8211; also dort wo es auch technisch am Sinnvollsten ist. Über den sogenannten &#8220;Emissionshandel&#8221; können sich Länder dann ihre Bilanz verbessern, indem sie nicht zuhause, sondern an anderen (möglicherweise sinnvolleren) Orten in entsprechende Projekte investieren. (Die EU hat dafür ein eigenes <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/EU-Emissionshandel" target="_blank">Handelssystem</a>.)</p>
<p><a href="http://zurpolitik.com/wp-content/uploads/kyotoziele.gif"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/uploads/kyotoziele-146x250.gif" alt="" title="Kyotoziele einzelner Länder" width="146" height="250" class="alignright size-thumbnail wp-image-10005" /></a> Griechenland ist eines der Länder, das seine &#8220;<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Kyoto_Protocol#cite_note-3" target="_blank">Kyotoziele</a>&#8221; bisher übertroffen hat (und durch den wirtschaftlichen Zusammenbruch vermutlich die Bilanz noch verbessert hat &#8211; wo nichts produziert wird, wird nichts verdreckt). Was am ersten Blick jetzt nach etwas aussieht, was sich vielleicht einen Schulterklopfer verdient hat, ist in Wahrheit viel Geld wert. Denn bei internationalen Klimaschutzabkommen sind oftmals Strafzahlungen vorgesehen, wenn man seine Ziele nicht erreicht. Teuer wird das zum Beispiel für Länder wie Österreich, die ihre <a href="http://derstandard.at/1256744655451/Oesterreich-verfehlt-als-einziges-Land-Kyoto-Klimaziele" target="_blank">weitgehend verschlafen</a> haben. Griechenland hingegen kann sich nun schon ganz ohne den Neubau von &#8220;Öko-Kraftwerken&#8221; erlauben, seine Bilanz zu verschlechtern. Es hat ein Guthaben in seiner Bilanz, das es verkaufen kann. Und dieses Guthaben will das sonnige Land ausbauen, indem es weitere Solarkraftwerke baut. </p>
<p><small>(Die Gründe dafür, warum manche Länder besser und andere schlechter dastehen, sind unterschiedlich. Fakt ist: Das sind die Rahmenbedingungen.)</small></p>
<h2>Die Bilanz zählt</h2>
<p>Die Länder Europas, die dieses Guthaben kaufen wollen (aber leider keine Leitung nach Griechenland haben), produzieren mehr als genug Energie für sich. Ihr Problem ist, dass diese im Rahmen der Klimaabkommen zu schmutzig ist. Sie müssen also ihre Bilanz aufbessern. Und genau dafür bezahlen sie Griechenland beim &#8220;virtuellen&#8221; Energiehandel. Zwar wird der angesprochene Strom überhaupt nicht in anderen Ländern verbraucht, sondern in Griechenland selbst (das dann profitiert, weil wegen des Überschusses entweder Energie billiger wird (gut für die Wirtschaft) oder schmutzige Kraftwerke im Land abgeschaltet werden können (gut für das Klima)), aber in der Bilanz scheint er &#8211; zum Beispiel &#8211; in Österreich auf. </p>
<p>Die Binsenweisheit &#8220;Strom hat kein Mascherl&#8221; muss man wirklich verstehen, um zu kapieren, warum ungelieferter Strom ein Geschäft ist. Strom aus Atomkraftwerken und Kohlekraftwerken sieht genau gleich aus und funktioniert genau gleich, wie Strom aus Solar- oder Windkraftwerken. Wie Energie erzeugt wird, ist nicht für das Endprodukt entscheidend, sondern für Klima und Umwelt. Wichtig für das Weltklima ist deshalb, dass Energie weltweit sauberer produziert wird als bisher. Ob ein Land wie Österreich jetzt ein Solarkraftwerk baut, das direkt an die heimischen Haushalte angeschlossen wird und kalorische Energiegewinnung aus dem europäischen Netz ersetzt, oder ein Solarkraftwerk in Guatemala das kalorische Energiegewinnung in Zentralamerika, ist dem Klima komplett egal.</p>
<h2>Bilanzen beschreiben die Realität</h2>
<p>Diese Art des Handels mag auf den ersten Blick absurd erscheinen, aber besonders unter den gegebenen Rahmenbedingungen ist es das nicht. Dabei wird niemand betrogen und getäuscht. Die internationalen Klimaabkommen belohnen kein Land dafür, dass es seine Ziele übertrifft. Aber sie erlauben es Ländern, Kapital aus der positiven Bilanz zu schlagen.  Für das Klima ist es auch egal, wo genau Emissionen eingespart werden, wichtig ist, dass in sauberere Energieformen investiert wird &#8211; was auf diese Weise geschieht. Es leidet nur darunter, dass die formulierten Ziele auf diese Weise sicherlich nicht übertroffen werden. Funktionieren tut dieser Handel vor allem so lange, wie auf Käuferseite ohnehin genug Energie vorhanden ist. Eine direkte Leitung aus Ökoenergie-reichen zu Ökoenergie-armen Ländern wird erst dann nötig, wenn Engpässe in den Importländern auftreten. Für das Klima verpufft der Effekt vor allem dann, wenn die produzierenden Länder keine Möglichkeit mehr haben, den gewonnenen &#8220;sauberen&#8221; Strom zu verwenden.</p>
<p>Kurz zusammengefasst: Obwohl der Effekt auf der Bilanz von Ländern basiert und nicht tatsächlich Strom geliefert wird, hat er reale Auswirkungen.<br />
1. Griechenland (oder andere Kyoto-Übererfüller) verdient Geld (was einen Anreiz zum Klimaschutz gibt) und schafft Arbeitsplätze.<br />
2. Kyoto-Verpasser zahlen Geld (was einen Anreiz gegen die Klimazerstörung gibt und für eigene Projekte gibt).<br />
3. Dieses Geld wird in den Ausbau von erneuerbarer Energiegewinnung investiert (was das Klima schützt).</p>
<p>Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wo man bei diesem System falsch abbiegen kann. Mir ging es hier vor allem darum, das Prinzip zu erklären, das an manchen Stellen zu Unrecht belächelt, attackiert und verspottet wird.</p>
<p><small>Fotocredits: <a href="http://www.flickr.com/photos/bluejeansummer/4725171375/sizes/l/in/photostream/" target="_blank">Bluejeansummer</a>, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/" target="_blank">CC2.0 BY-NC-SA</a>, Infografik: <a href="http://www.informationisbeautiful.net/2009/kyoto-whos-on-target/" target="_blank">Information is beautiful</a></small></p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=10004&amp;md5=ba64e6434113db6d2fa0832e85fb7c50" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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allem+so+lange%2C+wie+auf+K%C3%A4uferseite+ohnehin+genug+Energie+vorhanden+ist.+Eine+direkte+Leitung+aus+%C3%96koenergie-reichen+zu+%C3%96koenergie-armen+L%C3%A4ndern+wird+erst+dann+n%C3%B6tig%2C+wenn+Engp%C3%A4sse+in+den+Importl%C3%A4ndern+auftreten.+F%C3%BCr+das+Klima+verpufft+der+Effekt+vor+allem+dann%2C+wenn+die+produzierenden+L%C3%A4nder+keine+M%C3%B6glichkeit+mehr+haben%2C+den+gewonnenen+%22sauberen%22+Strom+zu+verwenden.%0D%0A%0D%0AKurz+zusammengefasst%3A+Obwohl+der+Effekt+auf+der+Bilanz+von+L%C3%A4ndern+basiert+und+nicht+tats%C3%A4chlich+Strom+geliefert+wird%2C+hat+er+reale+Auswirkungen.%0D%0A1.+Griechenland+%28oder+andere+Kyoto-%C3%9Cbererf%C3%BCller%29+verdient+Geld+%28was+einen+Anreiz+zum+Klimaschutz+gibt%29+und+schafft+Arbeitspl%C3%A4tze.%0D%0A2.+Kyoto-Verpasser+zahlen+Geld+%28was+einen+Anreiz+gegen+die+Klimazerst%C3%B6rung+gibt+und+f%C3%BCr+eigene+Projekte+gibt%29.%0D%0A3.+Dieses+Geld+wird+in+den+Ausbau+von+erneuerbarer+Energiegewinnung+investiert+%28was+das+Klima+sch%C3%BCtzt%29.%0D%0A%0D%0AEs+gibt+zahlreiche+M%C3%B6glichkeiten%2C+wo+man+bei+diesem+System+falsch+abbiegen+kann.+Mir+ging+es+hier+vor+allem+darum%2C+das+Prinzip+zu+erkl%C3%A4ren%2C+das+an+manchen+Stellen+zu+Unrecht+bel%C3%A4chelt%2C+attackiert+und+verspottet+wird.%0D%0A%0D%0AFotocredits%3A+Bluejeansummer%2C+CC2.0+BY-NC-SA%2C+Infografik%3A+Information+is+beautiful&amp;tags=Griechenland%2CHelios%2CKlimaschutz%2CSolarenergie%2Cblog" 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		<title>Peter Haubner, der Roboter</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2012/04/07/peter-haubner-der-roboter/</link>
		<comments>http://zurpolitik.com/2012/04/07/peter-haubner-der-roboter/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 07 Apr 2012 15:04:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Pichler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>

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		<description><![CDATA[Wirtschaftsbundchef Peter Haubner ist gegen Gehaltsfortzahlung am ersten Tag eines Krankenstandes. Nach gründlicher Analyse steht fest, dass er wohl ein Roboter sein muss - eine kurze Feststellung von Georg Pichler]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wirtschaftsbundchef Peter Haubner möchte künftig keine Gehaltsfortzahlung mehr bei eintägigen Krankenständen, <a href="http://news.orf.at/stories/2114103/2114108/" target="_blank">berichtet der ORF</a>. Das damit gesparte Geld unkalkulierbarer Höhe könnte ja in betriebliche Gesundheitsvorsorge fließen, so sein Vorschlag. Sein Anlass dafür ist die stark steigende Zahl von Krankmeldungen von ein bis drei Arbeitstagen. Das wirtschaftliche Argument fehlt trotzdem, denn &#8211; wenn man den im Artikel angegebenen Zahlen folgt &#8211; die  Gesamtkrankenstandsdauer pro Arbeitnehmer und Jahr sinkt seit zwei Jahrzehnten kontinuierlich. <img title="More..." src="http://zurpolitik.com/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" alt="" />Aber versuchen wir einmal, die Weltsicht des Peter Haubner zu erschließen. <span id="more-9998"></span></p>
<h2>Kosten und Bewusstsein</h2>
<p>Diese ist insofern interessant, da sein Vorstoß offenbar jeder wirtschaftlichen Grundlage entbehrt. Er sieht einen &#8220;Beitrag zu mehr Gerechtigkeit&#8221; darin, denn mit Zuzahlungen zu Schulbüchern, Freifahrten, Papamonat und Pflegeurlauben würden die Arbeitgeber ohnehin schon viel leisten. Übrigens die Arbeitgeber, die sich ausgeruhte, gesunde, belastbare und konzentrierte Dienstnehmer wünschen.</p>
<p>Weil der gehaltslose Krankenstandstag &#8220;Kostenbewusstsein&#8221; schaffen soll, frage ich mich, welche Kosten einem Kranken bewusst werden sollen, wenn er mit seiner schweren Erkältung nicht ins Büro geht, wo er ohnehin nur mit Halbdampf arbeiten könnte, möglicherweise seine KollegInnen ansteckt und aufgrund mangelnder Regeneration in Folge länger ausfällt. Mein Kostenbewusstsein sagt mir also, dass das proaktive Auskurieren einer beginnenden Krankheit gesünder für mich und langfristig günstiger für meine Firma ist. Ich halte es auch für wahrscheinlich, dass die Zunahme der Kurzkrankenstände ein wichtiger Grund für die Abhnahme der Gesamtausfallstage sein könnten.</p>
<h2>The mind of a machine</h2>
<p>Doch so funktioniert die Rechnung von Haubner nicht. Für ihn, und das unterstelle ich ihm hier einfach einmal, kommt jeder Ausfall einem Schaden des anteiligen Monatslohns gleich. Für ihn ist der Arbeitnehmer eine Variable in der Kosten-Nutzen-Gleichung, deren Wert sich mit einer Formel stets auflösen lässt. Krankenstand reduziert nun den Wert auf der einen Seite um einen bestimmten Betrag, den auf der anderen, dort wo das Gehalt eingesetzt wird, jedoch nicht. Darum geht in der kalkulierten Welt des Wirtschaftsbundchefs die Rechnung dann nicht mehr auf.</p>
<p>Peter Haubner muss ein Roboter, ein Taschenrechner im Maßanzug sein, anders kann ich mir einen wirtschaftlich dämlichen und arbeitnehmerfeindlichen Vorschlag wie diesen schlichtweg nicht erklären. Vielleicht erfreut er sich aber auch tagtäglich bester Gesundheit. So wie eine Maschine eben.</p>
<p>Immerhin hat seine Idee Ablehnung aus allen Parteien provoziert. Daraus darf man wengistens schließen, dass die politische Vernunft in diesen Landen zumindest noch nicht ganz ausgestorben ist.</p>
<p><em>Fotocredits</em><br />
<em>Cover: <a href="http://www.flickr.com/photos/machintoy/3486236621/sizes/m/in/photostream/" target="_blank">machintoy @ Flickr</a>/CC-BY-NC-ND 2.0</em><br />
<em>Header: <a href="http://www.flickr.com/photos/genewolf/147722350/sizes/l/in/photostream/" target="_blank">andreavallejos @ Flickr</a>/CC-BY-ND 2.0</em></p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=9998&amp;md5=5c59a428a8fae4549f9b2cdb288ddd54" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Keine Koalition zu wollen, ist keine Ausgrenzung</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Apr 2012 15:10:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Schaffer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die FPÖ jammert seit Jahren über eine Ausgrenzung, die sie selbst vornimmt. Der politische Gegner beginnt den Unsinn zu glauben - Ein Hinweis von Tom Schaffer]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nachdem die FPÖ im Innsbrucker Wahlkampf einmal mehr mit einem ebenso fremdenfeindlichen wie die Semantik der deutschen Sprache verachtenden Plakat (&#8220;Heimatliebe statt Marrokaner-Diebe&#8221;) aufgefallen ist, will die ÖVP dort weiterhin <a href="http://www.tt.com/%C3%9Cberblick/Politik/PolitikTirol/4582401-6/platzgummer-schlie%C3%9Ft-koalition-mit-fp%C3%B6-nicht-aus.csp" target="_blank">keine Koalition mit den Blauen ausschließen</a>. So weit, so normal. Disktuabel fand ich allerdings die Begründung von Spitzenkandidat Christoph Platzgummer. &#8220;Man könne schließlich „nicht einen ganzen Teil der Bevölkerung“ von vornherein ausklammern&#8221;, berichtet die Tiroler Tageszeitung über seine Stellungnahme.<span id="more-9983"></span></p>
<p>Wann ist es eigentlich passiert, dass der haarsträubend unsinnige Ausgrenzungs-Schmäh der FPÖ schon vom politischen Gegner selbst geglaubt wird? Seit Jahren beschwert sich die FPÖ darüber, dass sie von anderen Parteien nicht als Koalitionspartner akzeptiert wird (während sie natürlich in mehreren Koalitionen saß) und nennt das &#8220;Ausgrenzung&#8221;. Nur: Das ist es nicht wirklich, obwohl man es sich vielleicht sogar wünschen sollte. In Wahrheit grenzen nicht die anderen Parteien die FPÖ aus, sondern die sich selbst. Und zwar ganz bewusst und strategisch berechnend.</p>
<h2>Der Sinn von Verhandlungen ist ein Ergebnis</h2>
<p>Die Strategie ist simpel: Zuerst nimmt man eine Position ein, die für alle anderen reiner Wahnsinn ist und mit der die sich keinesfalls arrangieren können. Wenn dann mit dieser Position logischerweise niemand eine Regierung bilden will, dann wird über &#8220;die Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsteile&#8221; gejammert. Dadurch, dass sie Politik so als reines Zahlenspiel <em>darstellen </em>(Und nur ums Darstellen geht es. Die FPÖ will in Wahrheit ja genausowenig mit der Position der anderen arbeiten.), bei dem Werte keine Rolle spielen, pachten die Blauen das Rebellenimage als &#8220;einzige Alternative&#8221; für sich. Sie seien die einzigen, die &#8220;ausgegrenzt&#8221; werden, behaupten sie. Natürlich wird mit der FPÖ im Parlament aber gesprochen (und das ist auch gut so). Dass sie oft als einzige nicht zu Koalitionsverhandlungen geladen werden, liegt daran, dass sie sich oft als einzige so radikal positionieren, dass Verhandlungen gleich gar nicht sinnvoll erscheinen. </p>
<p>Tatsächlich kommen aber meistens weniger Parteien in eine Regierung als auf die Oppositionsbank. Das ist normaler Parlamentarismus in Österreich. (Im Innsbrucker Gemeinderat sind übrigens die Grünen die zweitstärkste Partei und nicht in der Stadtregierung. Eine ÖVP-nahe Bürgliste, die ÖVP und die SPÖ haben sich nämlich auf eine geeinigt. Die FPÖ war bei der letzten Wahl nur Sechster.)</p>
<h2>Politik ist nicht Mathematik</h2>
<p>Eine Koalition (von lateinisch coalitio: &#8220;Zusammenschluss&#8221;) ist nunmal nicht das bloße Zusammenzählen zweier Prozentzahlen. Sie erfordert ein inhaltliches Zusammenpassen und eine potentielle Kompromissfindung zumindest in Kernbereichen. Zwei Parteien sind immer unterschiedlich und eine Koalition erfordert immer Kompromisse. Das ist nicht grundsätzlich schlecht, aber es ist auch nicht grundsätzlich gut. Sind die Pole der Parteien zu weit auseinander, ist das ein richtiges Problem für beide. Die Arbeit solcher Regierungen wird jahrelang als &#8220;Stillstand&#8221; wahrgenommen, weil Politik auf Basis des kleinsten gemeinsamen Nenners nicht spektakulär, visionär und richtungsweisend ist, sondern langsam, angreifbar und unbefriedigend. Wir kennen das aus vielen &#8220;Großen Koalitionen&#8221;. </p>
<p>Zu glauben, dass das immer funktionieren kann heißt in letzter Konsequenz, dass man einen basisdemokratischen Menschenrechtsaktivisten und einen totalitären Faschisten in eine Regierung zusammensperrt, am Ende eine sinnvolle Lösung in der &#8220;Mitte&#8221; gefunden wird. Dahinter steckt einerseits die Annahme, dass es eine Mitte gibt (faktisch kann die aber niemand definieren, weil sie zufällig entsteht). Andererseits auch der Irrglaube, dass jede politische Position gleich weit von der &#8220;richtigen&#8221; Lösung entfernt ist. (&#8220;Richtig&#8221; nicht im Sinne der einzigen Wahrheit, sonder in dem der größtmöglichen gesellschaftlichen Akzeptanz&#8221; &#8211; des demokratischen Mainstreams) </p>
<p>Weil Politik aber eben doch auf Werten, Visionen, Wünschen und Utopien basiert (ja, auch die, die sich unideologisch nennt), können nicht alle Parteien miteinander koalieren. Wer würde etwa im Fall der Fälle eine KPÖ-FPÖ-Regierung für sinnvoll halten, wenn die beiden einmal die meisten Stimmen erhalten würden? Es gäbe zwischen den Programmen der beiden Parteien einfach zu wenig Übereinstimmung, um sinnvoll miteinander arbeiten zu können. Für die Grünen, die SPÖ und zumindest Teile der ÖVP gilt dasselbe im Bezug auf die FPÖ. Sie können inhaltlich einfach nicht mit ihr. Das ist keine Ausgrenzung, sondern demokratische Logik.</p>
<h2>Diskussion in einer Blase</h2>
<p>Wenn der politische Gegner zu blöd ist, dem Ausgrenzungs-Schmäh genau dieses prinzipielle Argument entgegenzuhalten (Nach dem Motto: Wir koalieren vielleicht mit Ihnen, wenn sie Position XY aufgeben, ansonsten grenzen nämlich Sie uns aus.), dann betoniert er die taktische Beschwerde der FPÖ auch noch als Fakt ein. Er versucht in der gefälschten Gedankenwelt mit ihrer fehlerhaften Logik ein Argument zu gewinnen, statt die Logik zu berichtigen. Er diskutiert in einer Blase, obwohl das Argument mit dem er rechthat, außerhalb davon liegt.</p>
<p>Was wir dann immer öfter erleben, ist das Gegenteil eines klugen Arguments: Mittlerweile muss die FPÖ sich nicht einmal mehr beschweren. Der leichtgewichtige politische Gegner hält es mittlerweile schon selbst für Ausgrenzung, würde er zu seinen Werten stehen.  Platzgummer (oder <a href="http://derstandard.at/1315006361577/RAU-TV-Ausgrenzung-der-FPOe-ist-demokratiepolitisches-Harakiri" target="_blank">Ursula Stenzel</a>) sagt mit seinem Statement genau das: Würde man sagen, dass mit der FPÖ wegen ihrer radikalen Minderheitenpositionen (und dabei geht es ja nicht nur, um ein deppertes Plakat, sondern um viele Programmelemente) kein gemeinsames Fundament zu bauen ist, dann würde man den Wählerwillen ignorieren. </p>
<h2>Die FPÖ ist nicht der sogenannte Wählerwille</h2>
<p>Selbstverständlich ignoriert dieses Argument nicht nur, dass Politik auf Werten basiert (und übernimmt damit den FPÖ-PR-Spin). Es missachtet auch den simplen Fakt, dass &#8220;die WählerInnen&#8221; die FPÖ gar nicht in der Regierung wollen. Zwar hat sie relativ gute Wahlergebnisse, aber in Wahlen wird ja nur zugestimmt. Die FPÖ ist zeitgleich aber auch jene Partei, die <a href="http://derstandard.at/1331779942103/Umfrage-Klare-Mehrheit-gegen-Blaue-in-Regierung" target="_blank">so stark wie keine andere Partei</a> (außer das abgespaltene BZÖ) abgelehnt wird (und das <a href="http://www.news.at/articles/0213/10/31910/umfrage-ablehnung-fpoe-regierungspartei" target="_blank">schon immer oder sehr lange</a>). Sie hat zwar recht viele Unterstützer, aber eben noch mehr <em>grundsätzliche</em> Gegner. Etwa drei Viertel der Menschen wählen Parteien, die in einigen Kernfragen komplett andere Vorstellungen haben.</p>
<p>Zumindest hoffe ich noch immer, dass etwa die im Innsbrucker Plakat transportierte Hetze gegen Ausländer nicht mit den Werten der ÖVP zusammenpasst. Obwohl sie es ja in dern vergangenen Jahren bereits oft genug schaffte, ihre angeblichen christlichsozialen Grundsätze zu vergessen. Für mich ist das ja einer der wesentlichen Gründe, warum die ÖVP es innerhalb eines Jahrzehnts von über 40 auf knapp 20 Prozent Zustimmungsraten geschafft hat. Sich von keiner Position ausgegrenzt zu fühlen kann nur, wer selbst keine hat.</p>
<p><small><em>Fotocredits: <a href="http://www.flickr.com/photos/schnurrbart/5470481575/sizes/o/in/photostream/" target="_blank">Henry</a>, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank">CC2.0-BY</a></em></small></p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=9983&amp;md5=50d6a16e7d670285b6c11567930b0b73" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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96-FP%C3%96-Regierung+f%C3%BCr+sinnvoll+halten%2C+wenn+die+beiden+einmal+die+meisten+Stimmen+erhalten+w%C3%BCrden%3F+Es+g%C3%A4be+zwischen+den+Programmen+der+beiden+Parteien+einfach+zu+wenig+%C3%9Cbereinstimmung%2C+um+sinnvoll+miteinander+arbeiten+zu+k%C3%B6nnen.+F%C3%BCr+die+Gr%C3%BCnen%2C+die+SP%C3%96+und+zumindest+Teile+der+%C3%96VP+gilt+dasselbe+im+Bezug+auf+die+FP%C3%96.+Sie+k%C3%B6nnen+inhaltlich+einfach+nicht+mit+ihr.+Das+ist+keine+Ausgrenzung%2C+sondern+demokratische+Logik.%0D%0A%0D%0ADiskussion+in+einer+Blase%0D%0A%0D%0AWenn+der+politische+Gegner+zu+bl%C3%B6d+ist%2C+dem+Ausgrenzungs-Schm%C3%A4h+genau+dieses+prinzipielle+Argument+entgegenzuhalten+%28Nach+dem+Motto%3A+Wir+koalieren+vielleicht+mit+Ihnen%2C+wenn+sie+Position+XY+aufgeben%2C+ansonsten+grenzen+n%C3%A4mlich+Sie+uns+aus.%29%2C+dann+betoniert+er+die+taktische+Beschwerde+der+FP%C3%96+auch+noch+als+Fakt+ein.+Er+versucht+in+der+gef%C3%A4lschten+Gedankenwelt+mit+ihrer+fehlerhaften+Logik+ein+Argument+zu+gewinnen%2C+statt+die+Logik+zu+berichtigen.+Er+diskutiert+in+einer+Blase%2C+obwohl+das+Argument+mit+dem+er+rechthat%2C+au%C3%9Ferhalb+davon+liegt.%0D%0A%0D%0AWas+wir+dann+immer+%C3%B6fter+erleben%2C+ist+das+Gegenteil+eines+klugen+Arguments%3A+Mittlerweile+muss+die+FP%C3%96+sich+nicht+einmal+mehr+beschweren.+Der+leichtgewichtige+politische+Gegner+h%C3%A4lt+es+mittlerweile+schon+selbst+f%C3%BCr+Ausgrenzung%2C+w%C3%BCrde+er+zu+seinen+Werten+stehen.++Platzgummer+%28oder+Ursula+Stenzel%29+sagt+mit+seinem+Statement+genau+das%3A+W%C3%BCrde+man+sagen%2C+dass+mit+der+FP%C3%96+wegen+ihrer+radikalen+Minderheitenpositionen+%28und+dabei+geht+es+ja+nicht+nur%2C+um+ein+deppertes+Plakat%2C+sondern+um+viele+Programmelemente%29+kein+gemeinsames+Fundament+zu+bauen+ist%2C+dann+w%C3%BCrde+man+den+W%C3%A4hlerwillen+ignorieren.+%0D%0A%0D%0ADie+FP%C3%96+ist+nicht+der+sogenannte+W%C3%A4hlerwille%0D%0A%0D%0ASelbstverst%C3%A4ndlich+ignoriert+dieses+Argument+nicht+nur%2C+dass+Politik+auf+Werten+basiert+%28und+%C3%BCbernimmt+damit+den+FP%C3%96-PR-Spin%29.+Es+missachtet+auch+den+simplen+Fakt%2C+dass+%22die+W%C3%A4hlerInnen%22+die+FP%C3%96+gar+nicht+in+der+Regierung+wollen.+Zwar+hat+sie+relativ+gute+Wahlergebnisse%2C+aber+in+Wahlen+wird+ja+nur+zugestimmt.+Die+FP%C3%96+ist+zeitgleich+aber+auch+jene+Partei%2C+die+so+stark+wie+keine+andere+Partei+%28au%C3%9Fer+das+abgespaltene+BZ%C3%96%29+abgelehnt+wird+%28und+das+schon+immer+oder+sehr+lange%29.+Sie+hat+zwar+recht+viele+Unterst%C3%BCtzer%2C+aber+eben+noch+mehr+grunds%C3%A4tzliche+Gegner.+Etwa+drei+Viertel+der+Menschen+w%C3%A4hlen+Parteien%2C+die+in+einigen+Kernfragen+komplett+andere+Vorstellungen+haben.%0D%0A%0D%0AZumindest+hoffe+ich+noch+immer%2C+dass+etwa+die+im+Innsbrucker+Plakat+transportierte+Hetze+gegen+Ausl%C3%A4nder+nicht+mit+den+Werten+der+%C3%96VP+zusammenpasst.+Obwohl+sie+es+ja+in+dern+vergangenen+Jahren+bereits+oft+genug+schaffte%2C+ihre+angeblichen+christlichsozialen+Grunds%C3%A4tze+zu+vergessen.+F%C3%BCr+mich+ist+das+ja+einer+der+wesentlichen+Gr%C3%BCnde%2C+warum+die+%C3%96VP+es+innerhalb+eines+Jahrzehnts+von+%C3%BCber+40+auf+knapp+20+Prozent+Zustimmungsraten+geschafft+hat.+Sich+von+keiner+Position+ausgegrenzt+zu+f%C3%BChlen+kann+nur%2C+wer+selbst+keine+hat.%0D%0A%0D%0AFotocredits%3A+Henry%2C+CC2.0-BY&amp;tags=%C3%96VP%2CDemokratie%2CFP%C3%96%2CPolitik%2CWahlen%2CW%C3%A4hlerwille%2Cblog" 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	</item>
		<item>
		<title>Kony 2012: Nutzt die Aufmerksamkeit!</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2012/03/14/nutzt-die-aufmerksamkeit/</link>
		<comments>http://zurpolitik.com/2012/03/14/nutzt-die-aufmerksamkeit/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 14 Mar 2012 08:44:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jakob Arnim-Ellissen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
		<category><![CDATA[Kony 2012]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Lords Resistance Army]]></category>
		<category><![CDATA[Uganda]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Kritik an Kony 2012 begeht dieselben Fehler, die sie der Kampagne vorwirft. Man redet am eigentlichen Thema vorbei - Eine Kritik der Kritik von Jakob Arnim-Ellissen]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich weiß, ich bin spät dran. Die große Aufregung um die <a title="Kony 2012" href="http://www.kony2012.com" target="_blank">Kampagne Kony 2012</a> scheint längst wieder vorbei zu sein. Beginnend am 5. März verbreitete sich das Mobilisierungsvideo der NGO Invisible Children rasend schnell auf Twitter und Facebook, bald gefolgt von einem Sturm an Entrüstung und Kritik. Eine Auseinandersetzung mit dieser Kritik an Kony 2012 zeigt, dass sich der grundlegende Vorwurf – die vereinfachende Darstellung eines komplexen Problems – auch gegen viele der KritikerInnen richten lässt.</p>
<p><span id="more-9945"></span></p>
<p>Es liegt wohl zum Teil im Medium begründet, dass nicht die vielschichtigen, komplexen Abhandlungen, sondern die knackigen – eben vereinfachenden – und polarisierenden Anschuldigungen die größte Aufmerksamkeit bekommen. Vermutlich auch weil erstere nicht innerhalb von Stunden aus dem Ärmel geschüttelt werden können, doch gerade die KritikerInnen von Kony 2012 hätten Werkzeuge zur Verfügung gehabt, um zur richtungweisenden Ausnahme zu werden.</p>
<p>So hat erst im vergangenen November die International Crisis Group einen <a title="Bericht der International Crisis Group über die LRA" href="http://www.crisisgroup.org/~/media/Files/africa/central-africa/182%20The%20Lords%20Resistance%20Army%20--%20End%20Game.pdf " target="_blank">zwanzigseitigen Bericht</a> über die Lords Resistance Army (LRA) veröffentlicht – lang genug für die nötige Substanz, trotzdem kurz genug um tatsächlich gelesen zu werden. Dieser zeigt nicht nur, wo die Kritik an der Bewegung (siehe Box am Ende des Artikels) daneben greift, sondern füllt auch die Lücke, die Kony 2012 zweifellos lässt und liefert konkrete Vorschläge wie die LRA gestoppt werden könnte.</p>
<h2>Der Bericht der Crisis Group</h2>
<p>Nach dem Bericht der International Crisis Group ist Uganda zwar nicht mehr Schauplatz des Konflikts, bleibt aber ein entscheidender Akteur. Nach militärischen Erfolgen der ugandischen Armee, unterstützt durch die USA, und gescheiterten Friedensverhandlungen flüchtete Kony mit seiner LRA über die Grenze und agiert seitdem im Grenzgebiet zwischen dem Südsudan, der Demokratischen Republik Kongo (DRC) und der Zentralafrikanischen Republik (CAR). Die ugandische Armee verfolgt und bekämpft die LRA aber auch auf dem Territorium dieser Staaten.</p>
<p>Seit Ende 2010 plant die Afrikanische Union (AU) eine gemeinsame militärische Mission der vier betroffenen Länder gegen die LRA, die bisher aber an unterschiedlichen Interessen scheiterte: Das Engagement Ugandas hat mit der Verlagerung des Konfliktes aus ihrem Staatsgebiet abgenommen und ihrer Armee wird vorgeworfen, die Stationierung in den Nachbarstaaten dazu zu nutzen deren Ressourcen zu plündern. Aber auch für die Regierungen in der DRC und der Zentralafrikanischen Republik spielt Kony kaum eine Rolle, da er im Moment keine Bedrohung ihrer Machtbasen darstellt. Gemeinsam haben alle AkteurInnen, dass ihnen teils massive Menschenrechtsverletzungen und Gleichgültigkeit gegenüber der betroffenen Zivilbevölkerung vorgeworfen werden.</p>
<p>Die Empfehlungen der Crisis Group richten sich demnach sowohl an die lokalen Regierungen, als auch internationale Geberländer. Sie fordern eine starke, nachhaltige und transparente militärische Mission der drei betroffenen Staaten unter Koordination und Kontrolle der AU, die durch USA und EU finanziell unterstützt wird. Ziel soll nicht nur das „Stoppen“ Konys sein, sondern die Entmilitarisierung der LRA und des gesamten Gebiets und die Übergabe der Führungsriege der LRA an den Internationalen Strafgerichtshof (ICC).</p>
<h2>Die Kampagne und ihre Kritik</h2>
<p>Drei Kritikpunkte an Kony 2012 fanden in meinem Umfeld besonders starken Anklang: Erstens, die (unterstellte) Forderung nach einer militärischen Intervention durch die USA. Zweitens, die (zugegebene) Zusammenarbeit mit den lokalen Regierungen durch die NGO und drittens, der (vorgeworfene) neokolonialistische Ansatz des Videos.</p>
<p>Man verstehe mich nicht falsch, es gibt an der Kampagne vieles zu kritisieren: Ich hatte ein zwiespältiges Gefühl beim Ansehen – zu stark war das Gefühl manipuliert zu werden. Auch einige von jenen, die <a title="Afrikanische Stimmen zu Kony 2012" href="http://boingboing.net/2012/03/08/african-voices-respond-to-hype.html" target="_blank">das Video als neokolonialistisch bewerten</a>, bringen gute Argumente: die überwiegende Darstellung von AfrikanerInnen als untätige und hilflose Opfer, die Auslassung erfolgreicher lokaler Initiativen und der messianische Unterton. Davon abgesehen schien das Video aber bei mir einen fundamental anderen Eindruck zu hinterlassen, als bei den KritikerInnen.</p>
<p>Tatsächlich findet sich im Kampagnenvideo keine Forderung nach einer militärischen Intervention, die über die schon existierende Kooperation zwischen US-Militär und den lokalen Regierungen hinausgeht. Explizit wird lediglich gefordert den Druck aufrecht zu erhalten, damit diese Unterstützung nicht gestoppt wird (eine Gefahr, die auch im Bericht der Crisis Group betont wird). Invisible Children beschränkt sich fast ausschließlich auf die Bekanntmachung Konys, ohne konkrete Lösungsvorschläge zu formulieren. Das kann nun einerseits als unzulässige Vereinfachung kritisiert werden, andererseits lässt es aber Raum für einen Wettkampf unterschiedlicher Lösungen, deren Umsetzung durch die erhöhte öffentliche Aufmerksamkeit unterstützt werden könnte. Der Bericht der Crisis Group legt zumindest nahe, dass öffentliche (auch internationale) Aufmerksamkeit sehr wohl von entscheidender Bedeutung ist.</p>
<p>Den Vorwurf mit fragwürdigen lokalen Regierungen zusammen zu arbeiten muss sich wohl so gut wie jede NGO irgendwann einmal gefallen lassen. In Verbindung mit Kolonialismuskritik stehen engagierte Menschen dann vor einem besonders großen Problem: Alle sind sich einig, dass die LRA gestoppt werden muss. Doch an wen wenden, wenn weder internationale noch lokale staatliche AkteurInnen dabei eine Rolle spielen dürfen? Man sollte dabei beachten, dass beispielsweise die ugandische Journalistin Rosebell Kagumire in ihrer <a title="Rosebell Kagumire zu Kony 2012" href="http://www.youtube.com/watch?v=KLVY5jBnD-E" target="_blank">oft zitierten Kritik</a> tatsächlich die Lösung bei lokalen Initiativen <em>und</em> Regierungen verortet. Trotz der bekannt fragwürdigen Bilanz letzterer.</p>
<p><strong>Eine Kritik der Kritik</strong></p>
<p>Das Video zu Kony 2012 wurde inzwischen auf Facebook über 75 Millionen Mal angesehen. Das Ziel der erhöhten Aufmerksamkeit hat Invisible Children wohl zweifellos erreicht. Die KritikerInnen können vermutlich auf nicht ganz so viele Klicks verweisen, haben aber (bis jetzt) vor allem eine große Chance nicht genutzt: die öffentliche Aufmerksamkeit!</p>
<p>Die Kritik an fragwürdigen Aspekten solcher Initiativen ist notwendig und berechtigt. Sie sollte aber fair bleiben und sich vor einem verabsolutierten Antikolonialismus fernhalten, der dazu führt, dass jegliches grenzübergreifende Engagement als Einmischung verunglimpft wird. Vor allem aber sollte sie die entstehende Aufmerksamkeit auch positiv nutzen.</p>
<p>Anstatt sich ausschließlich auf die Unzulänglichkeiten der Kampagne Kony 2012 zu konzentrieren, könnten sie versuchen diese auszugleichen und die fehlenden Kontextinformationen zu liefern. Anstatt zu beklagen, dass lokale Initiativen im Video keine Rolle spielen, könnten sie existierende lokale Initiativen bekannt machen und einen Teil der kreierten Aufmerksamkeit für sie nutzen. Anstatt die (vermeintliche) Forderung nach einer US-Intervention zu kritisieren, könnten sie die internationale Aufmerksamkeit nutzen, um Druck auf die regionalen Regierungen und die AU aufzubauen.</p>
<p>Natürlich hängt der Erfolg solcher Strategien zu einem großen Teil von den EmpfängerInnen ab. Nur wenige, die es bis hierher geschafft haben, werden auch noch die zwanzig Seiten des <a title="Bericht der International Crisis Group über die LRA" href="http://www.crisisgroup.org/~/media/Files/africa/central-africa/182%20The%20Lords%20Resistance%20Army%20--%20End%20Game.pdf" target="_blank">Berichts der Crisis Group</a> lesen. Wenn aber jeder kritische Blogbeitrag, Video-Podcast und Facebook-Kommentar zumindest einen Teil der wichtigen Kontextinformationen wiedergibt, wäre das vielleicht gar nicht notwendig.</p>
<p><strong>Update:</strong> Ein<a title="Will it change anything?" href="http://www.foreignaffairs.com/articles/137327/mareike-schomerus-tim-allen-and-koen-vlassenroot/kony-2012-and-the-prospects-for-change" target="_blank"> interessanter Beitrag</a> zu Kony 2012 auf <a title="Foreign Affairs" href="http://www.foreignaffairs.com" target="_blank">ForeignAffairs.com</a> spricht einen bisher überraschenderweise völlig untergegangenen Punkt an:  Die Forderung einer US-BürgerInneninitiative an die Regierung dazu beizutragen einen ICC-Haftbefehl durchzusetzen, steht mit der Weigerung der USA dem Internationalen Strafgerichtshof beizutreten doch deutlich in Widerspruch. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Aspekt weiter aufgegriffen wird. Ein <a title="How to help African Children at Risk" href="http://www.foreignaffairs.com/articles/137326/anne-c-richard/how-to-help-african-children-at-risk" target="_blank">weiterer Beitrag</a> gibt zusätzliche Informationen was engagierte Menschen von zu Hause aus tun können.</p>
<blockquote><p><strong>Hintergrund: Die Kampagne</strong><br />
Das Ziel der Kampagne ist es, Joseph Kony berühmt zu machen. Möglichst viele Menschen sollen wissen wer er ist und welche Verbrechen er mit seiner LRA begangen hat. Denn dann, so die Idee, wären diese Menschen involviert und würden sich engagieren um Kony zu „stoppen“. Wie genau das passieren soll wird nicht ganz klar.</p>
<p>Die vom Film zur Kampagne beworbenen Aktivitäten beschränken sich durchwegs auf die Bekanntmachung Konys: Es soll ein „Action-Kit“ erworben werden, das Flyer, Poster und T-Shirts enthält. Mit Spenden soll die Öffentlichkeitsarbeit von Invisible Children unterstützt werden. Politische und kulturelle „Meinungsmacher“ sollen dazu bewegt werden, sich der Bewegung anzuschließen und sie damit verstärken. Schließlich soll am 20. April überall in der (westlichen) Welt Konys Gesicht plakatiert werden.</p></blockquote>
<blockquote><p><strong>Hintergrund: Die Kritik</strong><br />
KritikerInnen werfen der Kampagne vor eine komplexe Situation durch die Zuspitzung auf eine Person falsch darzustellen, wobei die <a title="Kritik an Kony 2012" href="http://blog.foreignpolicy.com/posts/2012/03/07/guest_post_joseph_kony_is_not_in_uganda_and_other_complicated_things" target="_blank">Vorwürfe</a> von verzerrender Vereinfachung bis möglicherweise bewusster Fehlinformation reichen. Sie sei manipulativ und <a title="Afrikanische Stimmen zu Kony 2012" href="http://boingboing.net/2012/03/08/african-voices-respond-to-hype.html" target="_blank">neokolonialistisch</a> und von der „<a title="Kritik an Kony 2012" href="http://innovateafrica.tumblr.com/post/18897981642/you-dont-have-my-vote" target="_blank">Bürde des weißen Mannes</a>“ angetrieben.</p>
<p>Außerdem sei die dahinter stehende NGO Invisible Children mehr als fragwürdig und verwende nur einen <a title="Kritik an Kony 2012" href="http://visiblechildren.tumblr.com/" target="_blank">Bruchteil der Spenden</a> für wirkliche Entwicklungsarbeit in Uganda. Ihr wird vorgeworfen eine Militärintervention durch die USA zu unterstützen. Manche KritikerInnen sehen dies als explizite Forderung des Videos, andere nur in der vereinfachten Darstellung des Problems impliziert, die zu einem ebenso einfachen Lösungsversuch führen müsse. Schließlich wird Invisible Children sowohl für <a title="N-TV über Kritik an Kony 2012" href="http://www.n-tv.de/politik/Netzwelt-jagt-Kriegsverbrecher-article5710466.html" target="_blank">Kooperation mit den lokalen Regierungen</a>, als auch für <a title="Rosebell Kagumire zu Kony 2012" href="http://www.youtube.com/watch?v=KLVY5jBnD-E" target="_blank">mangelnde Kooperation mit den lokalen Regierungen</a> kritisiert.</p>
<p>Die Organisation reagierte ihrerseits mit einem <a title="Reaktion von Kony 2012 auf Kritik" href="http://s3.amazonaws.com/www.invisiblechildren.com/critiques.html" target="_blank">Artikel auf ihrer Webseite</a> auf einige Vorwürfe.</p></blockquote>
<p><span>Fotos: <a title="Invisible Children" href="http://www.invisiblechildren.com" target="_blank">www.invisiblechildren.com</a></span></p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=9945&amp;md5=e01c7e5f4465d5ae5fee9a4f32b1d868" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Filmkritik: Kriegerin</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2012/03/04/filmkritik-kriegerin/</link>
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		<pubDate>Sun, 04 Mar 2012 02:12:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Pichler</dc:creator>
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		<description><![CDATA["Kriegerin" passt zum Kinostart thematisch wie die Faust aufs Auge der Rechtsextremismus-Diskussion in Deutschland. Für den Seher bleibt das eine unbefriedigende Entschädigung - eine Filmkritik von Georg Pichler]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Kriegerin&#8221; ist ein Film, der scheinbar zufällig zur richtigen Zeit in Deutschland erscheint. Die neuentflammte Diskussion um Rechtsextremismus, Neonazis und die NPD bereiten den diskursiven Boden für das Werk von David Wnendt, das sich unter anderem mit der Rolle der Frau in diesem Umfeld auseinandersetzen soll. Recherchen in der rechten Szene sollen die Grundlage für einen authentischen, wenn auch erzählten Einblick in die &#8220;Szene&#8221; geben. Ein Anspruch, dem es leider so gut wie nie gerecht werden kann. Eine Filmkritik. (Achtung, Spoiler!)<span id="more-9929"></span></p>
<h2>Von der &#8220;Szene&#8221;</h2>
<p>Das extreme rechte Milieu übt auch auf mich eine gewisse Faszination aus. Das Leben einer Paralellwelt, die sich verzweifelt an der Vergangenheit und einer Ideologie festklammert, die an der Geschichte unter Einsatz hohen Lehrgelds schlichtweg gescheitert ist, ist in vielerlei Hinsicht ein beobachtungswürdiges Phänomen. Das, so erfuhr man auch vor dem Start von Kriegerin, sieht auch Regisseur David Wnendt so, der sich zum Erkenntnisgewinn auf Demos und in einschlägige Lokalitäten vorgewagt und zahlreiche Interviews geführt hat.</p>
<p>Davon zu merken ist in dem Streifen nur sehr wenig. Marisa, verkörpert von der Jungschauspielerin Alina Levshin, ist tief in der Neonazi-Szene verankert und langt schon auch mal selber zu, wenn es darum geht unerwünschten &#8220;Gästen&#8221; ein Stelldichein zu geben. Der Film eröffnet mit brutalen Attacken ihrer Clique gegen Ausländer und vermutete Gesinnungsfeinde. In den ersten Minuten lässt er starke Bilder sprechen, die noch Gutes hoffen lassen. Die deutliche Bildsprache bleibt eines der wichtigsten Stilmittel, sie verliert jedoch mit Fortschreiten der Handlung rasant an Bedeutung und Effekt.</p>
<p>Unweigerlich trifft der Hass auch den jungen Asylwerber Rasul und seinen Bruder Jamil. Diese werden zuerst an der Kasse des Supermarktes, in dem Marisa und ihre Mutter arbeiten, von ihr nicht bedient. Dann trifft sie an einem Badesee der unbändige Zorn der Rechtsradikalen. Aus Wut tritt Rasul den Rückspiegel von Marisas Auto ab. Diese nimmt kurz darauf die Verfolgung auf und rammt die beiden Flüchtlinge, die auf einem Moped unterwegs sind, in den Strassengraben. Während Rasul bald wiederauftaucht, wird die Ungewissheit um den Verbleib seines Bruders und seines möglichen Todes in Form von Schuldgefühlen zum bedeutenden Handlungsmotiv von Marisa.</p>
<h2>Vorbelastet</h2>
<p>Bis zu diesem Punkt wandelt der Film an einer akzeptablen Grenze. Die Trennung zwischen Gut und Böse verläuft selten klarer als hier, die Oberflächlichkeit der angeblichen Recherche rückt noch nicht in den Blickpunkt. Dafür bricht &#8220;Kriegerin&#8221; früh mit jedweder Glaubwürdigkeit. Rasul, dessen Ziel es ist, seinen Onkel in Schweden zu erreichen, türmt vor der staatlichen Asylbetreuung, die ihn in ein Jugendheim stecken will. Hilfe sucht er ausgerechnet bei Marisa, ohne auch nur die Spur von Angst zu zeigen.</p>
<p>Im zweiten Strang der immer weiter zusammenlaufenden Handlung, will Kriegerin den Abstieg der fünfzehnjährigen Svenja in den Rechtsextremismus skizzieren.Und lässt dabei kein Merkmal aus, das als Katalystator für eine solche Entwicklung in Frage kommen könnte. Ein kontrollsüchtiger, jähzorniger Stiefvater, eine kaum gebildete, wenig durchsetzungsfähige Mutter mit Kontaktproblemen zu ihrem Kind und der mit zwanzig Lenzen eigentlich zu alte &#8220;Verführer&#8221; aus der Nachbarschaft, der für sie zum Einlass in die Szene wird. Sie ist zudem mit einem ideologisierten Opa vorbelastet. Auch Marisa hängt an ihrem Großvater, der im Krankenhaus liegt und im Verlaufe des Films stirbt. Seine zu vermutende Gesinnung wird jedoch nur angedeutet.</p>
<h2>Propaganda</h2>
<p>Dass der Film nicht erklärt, warum Marisa von Anfang an Groll gegen die &#8220;Neue&#8221; hegt und zur unzureichend darlegt, wieso sich dies gegen Schluss plötzlich schlagartig ändert, gehört leider noch zu den kleinen Kritikpunkten. Schon nach einer Stunde hat der Film den Seher schon mit einer solchen Vielzahl an Überzeichnungen und Oberflächlichkeiten bombardiert, dass es darauf kaum noch ankommt. Ein Neonazi ist in &#8220;Kriegerin&#8221; sofort erkennbar. Sei es an der Glatze, unzähligen Tattoos, T-Shirts mit Sprüchen wie &#8220;Trinken macht frei&#8221; oder einem mit einschlägigen Symbolen zugepflasterten Auto mit dem Kennzeichen &#8220;AH 88&#8243;. In der erschlagenden Symbolik verweigert der Streifen auch jegliche, mitunter wichtige, Differenzierung. Allein auf Marisas Körper finden sich einerseits klassische Zeichen der deutsch-germanischen Schiene des Neonazismus wie auch Tätowierungen à la &#8220;White Aryan Skin Girl&#8221;, deren Ursprung in der rechten Skinhead-Szene und angloamerikanischen Phänomenen wie der Blood &amp; Honor-Bewegung zu suchen sind.</p>
<p>Diese Plattheit ist der Grund dafür, warum Kriegerin die Wandlung der Hauptdarstellerin von der glühenden Rechtsextremistin zur Zweiflerin in keiner Sekunde glaubwürdig skizzieren kann. Dies geschieht noch dazu in einer Schnelligkeit, die es dem Drehbuch auch noch erlaubt, sie nebenbei zur Helferin von Rasul zu machen, die ihm letztlich ermöglicht auf einem Motor-Schlauchboot Kurs auf einen Fischkutter zu nehmen, der ihn nach Schweden bringen soll. Gleiches gilt auch für das Abdriften von Svenja, die zudem als extrem passiver Charakter auf Szene-Parties aus dem Klischeebuch (inklusive Randale, Nazi-Liedern und Hitler-Reden) kaum Tiefe zu entwickeln vermag. Man merkt spätestes zur Halbzeit: &#8220;Kriegerin&#8221; soll eine Botschaft transportieren, tut dies aber in einer Art, die gut und gerne das Prädikat &#8220;Propaganda&#8221; verdient hat.</p>
<h2>Verpatztes Debüt</h2>
<p>Seine wenigen starken Momente hat der Film dann, wenn konkret es um die Rolle von Marisa als Frau unter Nazis geht. Dieses Spannungsfeld wird jedoch nur in wenigen Momenten beackert und verliert sich schließlich in einem zur Handlungslogik widersprüchlichen Gewaltexzess, dessen unmittelbarer Auslöser wiederum nichts mit der Rollenbildthematik am Hut hat. Den Tribut dafür zahlt die Inszenierung, die besonders mit gelungener Kameraführung glänzt, das Drehbuch aber nicht retten kann. Dem schreiberischen Desaster entziehen sich immerhin die Schauspieler, deren Talent (hervorzuheben sind hier Marisa/Alina Levshin sowie ihr Freund Sandro/Gerdy Zint) zeitweise durchblitzt.</p>
<p>Mein Urteil: &#8220;Kriegerin&#8221; ist ein Film, dessen Idee, Besetzung und Technik durchaus Potential mitgebracht hätten. Schlampige Recherche, Oberflächlichkeit und ein unglaubwürdiges bis absurdes Skript lassen davon jedoch nichts übrig. Dafür können auch vereinzelte, sehenswerte Szenen und der gelungene Einstieg nicht entschädigen. Ergo: Wnendts Leinwanddebüt ist schwer missglückt.</p>
<p><em>Foto: &#8220;Kriegerin&#8221; (Trailer)</em></p>
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		<title>ACTA funktioniert auch, wenn es nicht ratifiziert wird</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2012/02/28/acta-funktioniert-auch-wenn-es-nicht-verabschiedet-wird/</link>
		<comments>http://zurpolitik.com/2012/02/28/acta-funktioniert-auch-wenn-es-nicht-verabschiedet-wird/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 28 Feb 2012 11:46:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Schaffer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Acta]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Das umstrittene Antipriaterieabkommen ist nicht nur eine Offensiv- sondern auch eine Defensivindustrie der Copyrightindustrie - Eine Analyse von Tom Schaffer]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mittlerweile häufen sich die Zeichen, dass das ACTA-Abkommen (ich erklär das jetzt nicht <a href="http://zurpolitik.com/2012/01/30/acta-als-parlamentarier-zustimmen-heist-sein-mandat-zu-verraten/" target="_blank">noch einmal</a>, mittlerweile solltens alle kennen) im Endspurt doch noch zu Fall kommt. Aber ist es überhaupt eine Niederlage, wenn die ACTA-Lobby scheitert?<span id="more-9774"></span></p>
<p>Erlaubt mir zum Einstieg in meine These eine kleine Metapher aus dem Fußball (nur zwei Absätze, für alle die jetzt aufstöhnen), denn wie in der Politik ist auch <a href="http://ballverliebt.eu" target="_blank">im Fußball ist Taktik eines der wichtigsten Elemente</a>. Um in einem Spiel kein Tor zu bekommen, gibt es verschiedene Herangehensweisen. Die Offensichtlichste: Man beordert alle Spieler zurück und überlässt dem Gegner das komplette Feld &#8211; außer den Teil, in dem er ein Tor schießen könnte. Man nennt das &#8220;mauern&#8221;. Mauern kann dich für einige Minuten über die Zeit retten, wird aber über längere Zeit oft schief gehen. Selbst schießt man auf diese Weise im Normalfall kein Tor mehr und ein einzelner Fehler kann dann folgenschwer sein. Schwächere Teams mauern oft gegen bessere Teams.</p>
<p>Das beste Team der Welt war in den vergangenen Jahren der FC Barcelona. Der verfolgt mit all den Spitzenleuten in seinen Reihen eine ganz andere Strategie. Der FC Barcelona macht seine Gegner schon an deren eigenem Strafraum fertig. Die Mannschaft attackiert sehr früh, wenn sie einmal den Ball verliert. Tief in der Gegnerhälfte erobert sie meistens den Ball zurück und spielt ihn wieder mit perfider Perfektion in den eigenen Reihen hin und her. Sie zwingt den unterlegenen Gegner zum mauern, bis er Gegner vom Nachlaufen müde wird, einen Fehler macht und noch ein Tor zulässt. Absolute Überlegenheit, die von den besten Spielern ermöglicht wird. Angriff als beste Verteidigung.</p>
<h2>FC ACTAlona</h2>
<p>Ich denke, dass die Befürworter von ACTA wie der FC Barcelona sind. Diese Unternehmen haben massenhaft Geld in der Hinterhand, können damit aufwändige Lobby-Kampagnen fahren und <a href="http://www.techdirt.com/articles/20110501/00364014101/us-offered-to-write-new-zealands-three-strikes-laws.shtml" target="_blank">Politiker &#8220;umschmeicheln&#8221;</a>. Sie haben in der politischen Logik der <a href="https://www.amazon.de/dp/3518125400/ref=as_li_ss_til?tag=zurpolitikc07-21&#038;camp=2906&#038;creative=19474&#038;linkCode=as4&#038;creativeASIN=3518125400&#038;adid=0JWGNPKTBC0GSZE8KJNF&#038;" target="_blank">Postdemokratie</a> und <a href="http://zurpolitik.com/2010/07/16/hinter-verschlossenen-turen-4/" target="_blank">hinter verschlossenen Türen</a> die besten Spieler. Obwohl sie in Führung liegen (denn die aktuelle <a href="http://www.internet-law.de/2012/02/ist-die-acta-hysterie-berechtigt.html" target="_blank">Gesetzeslage bietet ihnen bereits alles</a>, um die eigenen Interessen durchzusetzen) greifen sie weiter an. Solange eine lose und kleine Gemeinschaft wie &#8220;die Netzgemeinde&#8221; als Gegner damit beschäftigt ist, sich gegen ACTA (und andere Schweinereien) zu wehren, kann sie nämlich die aktuellen Zustände nicht mit der nötigen Kraft angreifen. </p>
<p>Es gäbe <a href="http://www.internet-law.de/2011/11/die-legitimationskrise-des-urheberrechts.html" target="_blank">einiges, das angegriffen werden</a> müsste. Etwa, dass die Geschäftsmodelle dieser Industrien mit der Realität des 21. Jahrhunderts nicht mehr mitkommen. Das sie deshalb kulturellen Fortschritt eher behindern als fördern. Dass sie nebenbei neue und in der Bevölkerung gängige Praktiken kriminalisieren und damit niemanden helfen. Dass sie deshalb nicht in ihrer heutigen Form erhaltenswert sind. Dass eine Gesetzeslage, die &#8220;geistiges Eigentum&#8221; wie physisches behandelt, nicht mehr in eine Welt passt, in der jeder Taferlklassler weiß, wie man Kulturprodukte <a href="http://derstandard.at/1297822075335/Matrix---Alles-nur-geklaut" target="_blank">remixt</a> und bereichert. (Was aber nur zur Klarstellung nicht heißt, dass &#8220;geistiges Eigentum&#8221; überhaupt nicht geschützt werden soll.) </p>
<p>Dass es außerdem schlecht ist, dass es wichtige wissenschaftliche Sachbücher gibt, die vom Rechteinhaber jahrzehntelang nicht in gewisse Sprachen übersetzt oder in manchen Ländern verlegt werden &#8211; aber auch von niemand anderem übersetzt und veröffentlicht werden dürfen. Dass es falsch ist, dass Dinge die wie Allgemeingut in unserer Kultur funktionieren, nicht als solches behandelt werden können, sondern der Kontrolle von Rechteinhabern unterliegen. So ist es ein Gesetzesbruch, wenn Facebook-User ihr <a href="http://derstandard.at/1289608546111/Comic-Bilder-Facebook-Bilder-und-das-absurde-Schlamassel-mit-Urheberrechten" target="_blank">Profilbild zum Spaß mit einer Comicfigur</a> ersetzen; oder wenn Garagenbands ihre Coverversion eines Musikklassikers auf Youtube laden (und dass beides normalerweise nur hingenommen wird); oder wenn man <a href="http://www.heise.de/foto/artikel/Urteil-Wie-das-Bild-eines-roten-Busses-das-Urheberrecht-verletzt-1423127.html" target="_blank">Bilder vom Uhrturm in London auf eine gewisse Weise</a> schießt und verwendet; oder wenn man <a href="http://www.3sat.de/page/?source=%2Fkulturzeit%2Fthemen%2F160212%2Findex.html" target="_blank">Rezensionen über sich selbst auf seiner Webseite veröffentlicht</a>; oder wenn ein technisches Gerät einem anderen <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,782270,00.html" target="_blank">nach extrem allgemeinen Maßstäben zu ähnlich</a> sieht; oder wenn man <a href="http://news.preisgenau.de/apple-patent-iphone-lockscreen-und-touch-tastatur-jetzt-apple-patentiert-10649.html" target="_blank">grundlegende Funktionen</a> in dieses Gerät einbaut, die irrwitzigerweise patentiert sind. Es gibt <a href="http://www.thisamericanlife.org/radio-archives/episode/441/when-patents-attack" target="_blank">Firmen, die nur davon leben</a>, irgendwelche Patente zu kaufen und die Welt nach klagbaren Unternehmen abzugrasen. </p>
<h2>ACTA festigt den Status Quo</h2>
<p>All das kommt nicht durch ACTA (einiges anderes schon, das auch nicht nur das Internet, sondern etwa das Pharma- und Gesundheitswesen betrifft). Das hat zum Teil dieselbe Lobby bereits so erreicht. <a href="http://www.internet-law.de/2012/01/warum-das-europaparlament-acta-die-zustimmung-versagen-sollte.html" target="_blank">ACTA festigt es aber</a> über einen internationalen Vertrag. Die ACTA-Lobby verdient mit diesen Zuständen viel Geld &#8211; über Lizenzen. Das soll sich nicht ändern. Am liebsten ist es ihr also, wenn man über solche Probleme gar nicht spricht. Vielleicht investiert sie deshalb so viel Zeit und Geld in eine bei nüchterner Betrachtung schlicht absurde Kampagne. Wenn man mit dieser Erfolg hat, dann klingeln die Kassen. Wenn nicht, dann ist auch nicht viel verloren. Und wenn die Gegner nach diesem Angriff dazu übergehen wollen, selbst ein Tor zu schießen, dann schnappt man sich den Ball und startet <a href="http://www.techdirt.com/articles/20111018/05561916398/out-acta-ing-acta-all-tpp-negotiating-documents-to-be-kept-secret-until-four-years-after-ratification.shtml" target="_blank">die nächste Attacke</a>. Das poröser werdende, demokratische Mauerwerk unserer Gesellschaft bietet nicht unendlich viel Schutz vor einer mächtigen Lobby. </p>
<p>Irgendwann macht jede Abwehr Fehler, und dann &#8230; </p>
<p>PS: Wie uns &#8220;ein regelmäßiger zurPolitik.com-Leser&#8221; per E-Mail wissen ließ, gibt es mittlerweile <a href="http://123.writeboard.com/logmjm18j8w95y09lxmqp46q" target="_blank">ein Projekt</a> (Passwort: &#8220;redditcat&#8221;) von <a href="http://www.reddit.com/" target="_blank">reddit</a>-Usern, die versuchen, per offener Online-Kooperation einen &#8220;Free Internet Act&#8221; zu schreiben. Die <a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2012-02/reddit-nutzer-schreiben-internetgesetz" target="_blank">Ergebnisse sind nicht bahnbrechend</a> und der Versuch an sich, <a href="http://www.spreeblick.com/2012/02/22/the-free-internet-act/" target="_blank">erweist sich als schwierig</a>. Aber die Aktion ist genau dafür gut, was ich hier anspreche und implizit fordere: Die Debatte in die andere Richtung zu lenken.</p>
<p><em><small>Fotocredits: <a href="http://www.flickr.com/photos/57798172@N04/6861983825/sizes/z/in/photostream/" target="_blank">matthieu.baldy</a>, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/" target="_blank">CC2.0 BY-NC-SA</a></small></em></p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=9774&amp;md5=f4e4ca8a236d8016c0dcaf2449bf590a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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und+die+Welt+nach+klagbaren+Unternehmen+abzugrasen.+%0D%0A%0D%0AACTA+festigt+den+Status+Quo%0D%0A%0D%0AAll+das+kommt+nicht+durch+ACTA+%28einiges+anderes+schon%2C+das+auch+nicht+nur+das+Internet%2C+sondern+etwa+das+Pharma-+und+Gesundheitswesen+betrifft%29.+Das+hat+zum+Teil+dieselbe+Lobby+bereits+so+erreicht.+ACTA+festigt+es+aber+%C3%BCber+einen+internationalen+Vertrag.+Die+ACTA-Lobby+verdient+mit+diesen+Zust%C3%A4nden+viel+Geld+-+%C3%BCber+Lizenzen.+Das+soll+sich+nicht+%C3%A4ndern.+Am+liebsten+ist+es+ihr+also%2C+wenn+man+%C3%BCber+solche+Probleme+gar+nicht+spricht.+Vielleicht+investiert+sie+deshalb+so+viel+Zeit+und+Geld+in+eine+bei+n%C3%BCchterner+Betrachtung+schlicht+absurde+Kampagne.+Wenn+man+mit+dieser+Erfolg+hat%2C+dann+klingeln+die+Kassen.+Wenn+nicht%2C+dann+ist+auch+nicht+viel+verloren.+Und+wenn+die+Gegner+nach+diesem+Angriff+dazu+%C3%BCbergehen+wollen%2C+selbst+ein+Tor+zu+schie%C3%9Fen%2C+dann+schnappt+man+sich+den+Ball+und+startet+die+n%C3%A4chste+Attacke.+Das+por%C3%B6ser+werdende%2C+demokratische+Mauerwerk+unserer+Gesellschaft+bietet+nicht+unendlich+viel+Schutz+vor+einer+m%C3%A4chtigen+Lobby.+%0D%0A%0D%0AIrgendwann+macht+jede+Abwehr+Fehler%2C+und+dann+...+%0D%0A%0D%0APS%3A+Wie+uns+%22ein+regelm%C3%A4%C3%9Figer+zurPolitik.com-Leser%22+per+E-Mail+wissen+lie%C3%9F%2C+gibt+es+mittlerweile+ein+Projekt+%28Passwort%3A+%22redditcat%22%29+von+reddit-Usern%2C+die+versuchen%2C+per+offener+Online-Kooperation+einen+%22Free+Internet+Act%22+zu+schreiben.+Die+Ergebnisse+sind+nicht+bahnbrechend+und+der+Versuch+an+sich%2C+erweist+sich+als+schwierig.+Aber+die+Aktion+ist+genau+daf%C3%BCr+gut%2C+was+ich+hier+anspreche+und+implizit+fordere%3A+Die+Debatte+in+die+andere+Richtung+zu+lenken.%0D%0A%0D%0AFotocredits%3A+matthieu.baldy%2C+CC2.0+BY-NC-SA&amp;tags=Acta%2CUrheberrecht%2Cblog" 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		<title>#incommunicado &#8211; Das gehört uns</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2012/02/20/incommunicado/</link>
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		<pubDate>Mon, 20 Feb 2012 17:56:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Schaffer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[#incommunicado]]></category>
		<category><![CDATA[Acta]]></category>
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		<category><![CDATA[Buch]]></category>
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		<description><![CDATA[Michel Reimon hat einen wütenden politischen Roman gegen die Copyrightindustrie geschrieben - Eine Rezension von Tom Schaffer]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://reimon.net" target="_blank">Michel Reimon</a> hat ein Buch geschrieben. Und weil so gut wie alles, was Michel Reimon schreibt, irgendwie lesenswert ist, habe ich es aufgeschlagen. Also auf meinen Tablet geöffnet habe ich es. Denn #incommunicado findet ihr in keinem Buchladen, sondern im Web <a href="http://reimon.net/2012/02/01/incommunicado/" target="_blank">zum kostenlosen Download</a>. Ich habe es nur vier Mal geladen. Heute morgen um 5 hatte ich die fast 600 groß bedruckten Seiten der PDF verschlungen. So gut finde ich es. Es ist das erste Buch, das ich auf einem Bildschirm ausgelesen habe und das erste seit langem, das ich ohne Unterbrechung durchgelesen habe (für manche Bücher brauche ich Jahre, weil ich sie zwischendurch ewig nicht anfasse).<span id="more-9842"></span></p>
<p>#incommunicado sieht aus wie ein Roman &#8211; es ist die Geschichte der politischen Radikalisierung des unpolitischen Protagonisten. Der Text folgt einem lustlosen Musikjournalisten, der im Italien-Urlaub auf eine lustvolle, unbekannte Band stößt, bei der er kurz darauf anheuert: Die &#8220;Soundinistas&#8221; (offensichtlich Namensvorlage: Nicaraguas revolutionär-sozialistisch-demokratischen &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Frente_Sandinista_de_Liberaci%C3%B3n_Nacional" target="_blank">Sandinisten</a>&#8220;). Die kleine Band kippt aus der Bedeutungslosigkeit in eine irre Geschichte, die sie durch halb Europa führt. Und dieser Rock&#8217;n'Road-Trip dreht sich um das Copyright. </p>
<p>Eine geschickt im Roman platzierte Figur erzählt dem Protagonisten das meiste, was es darüber zu wissen gibt. Seine Entstehung, seine Machtfaktoren, die aufklärerische Bedeutung, den Missbrauch und die Perversionen. Diese Figur macht #incommunicado in Wahrheit zu einem als Roman verkleideten Sachbuch. Die Anekdoten lassen sich leichter schultern, führen ein. Die Fiktion trägt die Fakten für uns. Anfangs selten. aber mit fortschreitendem Text häufiger, verzichtet Michel Reimon dann auch auf die Einbettung. Er wirft seinen LeserInnen Infobits direkt vor die Füße. Neben einem Romangespräch über Nirvana stehen dann einige Sätze von Immanuel Kant. Neben einem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/The_Revolution_Will_Not_Be_Televised" target="_blank">Gedichtstext</a> ein Gespräch über das &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/My_Sweet_Lord" target="_blank">unbeabsichtigte Plagiat</a>&#8220;, das <a href="http://www.youtube.com/watch?v=wynYMJwEPH8&#038;feature=BFa&#038;list=PL00FB925415F20802&#038;lf=mh_lolz" target="_blank">ein Welthit</a> wurde. #incommunicado ist auch ein Remix. Weil unsere <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons" target="_blank">Kultur ein Remix ist</a> und in Wahrheit schon immer war.</p>
<h2>Abrechnung</h2>
<p>Michel Reimon hat <a href="http://reimon.net/2011/11/30/vom-schreiben-und-vom-uberfluss/" target="_blank">jahrelang recherchiert</a> und nachgedacht und sich mit diesem Buch abgearbeitet. Am Copyrightbusiness das nicht mehr den UrheberInnen und der Menschheit, sondern nur noch den Konzernen und ihrem konzentrierten Kapital dient. Jenen, die über ihre Marktmacht, Lobbyarbeit und AnwältInnen entscheiden, wer noch im großen Stil <a href="http://rebell.at/artikel/ist-steam-ein-problem-fur-adventures" target="_blank">mitmachen kann</a> und wer &#8220;incommunicado&#8221; ist &#8211; isoliert. Und am Überwachungsstaat der dasselbe tut, indem er Bürgerrechte aushöhlt statt auszuweiten &#8211; um kaputte Geschäftsmodelle zu schützen, die versenkt gehören. Das Szenario ist realistisch, auch wenn die ablaufenden Prozesse fiktiv auf ihre logische, nicht aufrechterhaltbare Spitze zugetrieben werden. Dass man Richtung Höhepunkt nicht ganz genau weiß, wo der Autor übertreibt, ob er das überhaupt tut und wo er nur die Fakten liefert, das ist eine Aussage für sich. </p>
<p>Im Vorbeigehen klärt sich die Bedeutung von Entwicklungen wie dem Buchdruck, der Universität, der Schallplatte, dem Radio, dem Internet und von Mickey Mouse. Und Michel Reimon weist auf die großen und kleinen Revolutionen hin, die mit ihnen einher gingen und gehen, weil die alten Zustände mit der neuen Situation nicht mehr klar kamen. Eine dieser Revolutionen erzählt er selbst. Und während die Aufhängergeschichte erfunden ist, ist es der Kampf nicht, den sie beschreibt. Nicht umsonst ziert die sehr real gewordene Guy Fawkes-Maske von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anonymous_%28Kollektiv%29" target="_blank">Anonymous</a> das Cover. #incommunicado ist hinter all dem Roman in Zeiten von <a href="http://zurpolitik.com/2012/01/30/acta-als-parlamentarier-zustimmen-heist-sein-mandat-zu-verraten/" target="_blank">ACTA</a> &#038; Co. eine messerscharfe Analyse &#8211; schwere Fakten in leicht verdaubarem Gewand. </p>
<p>#incommunicado könnte ein gefährliches Buch sein. </p>
<p>Ich finde, ihr solltet es lesen.</p>
<p><small><em>Fotocredits: <a href="http://www.juanosborne.com/2011/06/anonymous-names/" target="_blank">Juan Osborne</a> <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/" target="_blank">CC3.0, BY-NC-ND</a></em></small></p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=9842&amp;md5=f9d7a5ae0a29de8c758ba8825bd3f792" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>ACTA ist gefährlich</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2012/02/09/acta-ist-gefahrlich/</link>
		<comments>http://zurpolitik.com/2012/02/09/acta-ist-gefahrlich/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 09 Feb 2012 01:42:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Sator</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Acta]]></category>
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		<description><![CDATA[ACTA ist gefährlich, undemokratisch und auf dem Mist von Konzernen gewachsen. Vieles in ihm macht Bauchweh. Eine Auswahl von Andreas Sator.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>ACTA ist gefährlich. ACTA ist keine politische Idee, wurde auf Druck von Konzernen in die Welt gesetzt. Konzerne, die immer dann lobbyieren, wenn ihnen Geld und Ideen ausgehen. Dass dabei wichtige Bürgerrechte auf dem Spiel stehen, kümmert sie wenig: Die Dollarscheine vor den Augen versperren die Sicht.</p>
<p><span id="more-9794"></span></p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=9LEhf7pP3Pw">Was</a> <a href="http://digitalegesellschaft.de/wp-content/uploads/2011/10/acta-edri-broschuere-deutsche-uebersetzung.pdf">ACTA</a> <a href="http://www.edri.org/ACTAfactsheet#priva">ist</a>, wurde in den letzten Tagen und Wochen breit diskutiert. <a href="http://zurpolitik.com/2012/01/30/acta-als-parlamentarier-zustimmen-heist-sein-mandat-zu-verraten/">Wieso es undemokratisch ist</a>, hat mein Kollege Tom Schaffer hier ebenfalls bereits aufgezeigt. Im Laufe meiner Online-Recherche bin ich auf ein paar interessante Meinungen gestoßen, die ich hier mit euch teilen möchte. Vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen, ein klareres Bild von ACTA zu bekommen.</p>
<p>ACTA schießt <a href="http://derstandard.at/1326503997129/ACTA-und-SOPA-Schrotflintenpolitik-der-Film--und-Musikindustrie">mit Schrotflinten auf Ameisen</a>. Helmut Spudich meint im Standard:</p>
<blockquote><p>Es ist wie beim Kampf gegen Kriminalität, die mit Drogen oder Armut verbunden ist: Zu gewinnen ist dieser nicht durch schärfere Gesetze und ihrem Kollateralschaden, sondern indem man die Ursachen beseitigt. Und diese sind, etwa bei Filmen, die Nichtexistenz akzeptabler Onlineangebote und eine absurde Vertriebspolitik, wie Filme mit globalem Publikum in getrennt geschützte Märkte segmentiert werden (z. B. 27 in der EU).</p></blockquote>
<p>Spudich führt weiters an, dass sich seit der Gründung von Spotify in Schweden die Zahl illegaler Downloads halbiert habe.</p>
<p>Ein anderer Vorwurf lautet, dass ACTA die Provider (wie in Österreich etwa UPC oder A1) dazu zwingt, gegen das Recht verstoßende Inhalte zu sperren. Markus Beckedahl schreibt auf <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,811808,00.html">Spiegel Online</a>:</p>
<blockquote><p>So soll insbesondere der Vertragsschluss zwischen privaten Parteien befördert werden. Das heißt übersetzt: Die Unterzeichnerstaaten müssten zum Beispiel die Internetprovider ermutigen, mit der Film- und Musikindustrie Verträge abzuschließen, in denen Sperren, Filter und Leitungsüberwachung zur Bekämpfung von Urheberrechtsverletzungen vereinbart werden.</p></blockquote>
<p>&#8220;Wir werden in die Rolle der Polizei und des Richters gedrängt&#8221;, sagte Andreas Wildberger, Generalsekretär des Verbandes der österreichischen Internet-Anbieter, <a href="http://futurezone.at/netzpolitik/7193-wie-gefaehrlich-ist-acta.php">dazu futurezone.at</a>.</p>
<p>ACTA ist nicht nur was die Online-Rechte des Einzelnen betrifft bedenklich. Nein, es ist auch alles andere als demokratisch, stellt die <a href="http://futurezone.at/">Futurezone</a> fest:</p>
<blockquote><p>Demokratiepolitische Sorgen bereitet auch die in dem Abkommen vorgesehene Einrichtung eines ACTA-Ausschusses (Kapitel 5, Artikel 36), in dem Vertreter der Unterzeichnerstaaten entsandt werden, die jedoch nicht demokratisch gewählt werden. Der ACTA-Ausschuss soll die Umsetzung und Auslegung des Abkommens überwachen und kann auch über Änderungen in dem Übereinkommen entscheiden</p></blockquote>
<p>Michael Bauer <a href="http://neuwal.com/index.php/2012/02/05/acta-die-katze-im-sack/">ergänzt dazu auf neuwal.com</a>:</p>
<blockquote><p>Wie internationale Abkommen und Verträge zu verstehen sind, wird von der Wiener Vertragsrechtskonvention geregelt. Diese, aus dem Jahr 1969 stammende, Vereinbarung regelt die Interpretation von Abkommen: Diese seien so zu interpretieren, wie aus dem Text und den vorher definierten Begriffen hervorgeht. Bei Mehrdeutigkeiten sei darauf zu achten, in welcher Absicht das Abkommen geschlossen wurde. Dazu sind auch Verhandlungsunterlagen miteinzubeziehen. Genau da liegt die Tücke von ACTA: Da die Verhandlungsunterlagen geheim sind, wissen weder die Öffentlichkeit noch die Abgeordneten was tatsächlich unterschrieben wurde. Mit ACTA kaufen wir uns die Katze im Sack. Deshalb kann ACTA erst ratifiziert werden, wenn sämtliche Verhandlungsdokumente öffentlich gemacht wurden und eine durchgehende Prüfung durch die Öffentlichkeit vollzogen ist.</p></blockquote>
<p>Die Abstimmung über ACTA wird im EU-Parlament nicht vor Juni erwartet. Österreich hat zu niemandes Überraschung <a href="http://news.orf.at/stories/2101730/">bereits brav unterschrieben</a>. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Donald_Tusk">Donald Tusk</a>, der vor kurzem zu ACTA noch meinte, als Politiker müsse man manchmal auch unpopuläre Entscheidungen treffen, <a href="http://www.tagesschau.de/acta120.html">trägt nun die Aussetzung der Ratifizierung in Polen mit</a>. Tschechien <a href=" http://www.welt.de/politik/ausland/article13853730/Auch-Prag-legt-umstrittenes-Acta-Abkommen-auf-Eis.html">folgte am vergangenen Montag</a>.</p>
<p>Wie Österreichs Politiker zu ACTA stehen, kann man <a href="http://neuwal.com/index.php/2012/02/03/acta-und-die-osterreichischen-eu-abgeordneten/">in einer Neuwal-Recherche nachlesen</a>. Hannes Swoboda, der Präsident der immerhin zweitgrößten Fraktion im europäischen Parlament (<a href="http://www.socialistsanddemocrats.eu/gpes/index.jsp">S&amp;D</a>), sagte gestern in einem Interview: &#8220;We cannot imagine to agree on ACTA&#8221;.</p>
<p><object width="560" height="315" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/-IeJqSar94U?version=3&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed width="560" height="315" type="application/x-shockwave-flash" src="http://www.youtube.com/v/-IeJqSar94U?version=3&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" allowFullScreen="true" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" /></object></p>
<p>Der Weg stimmt. Wir müssen <a href="http://www.facebook.com/RausausACTA">uns vernetzen</a> und <a href="http://www.facebook.com/events/145907925526943/">auf uns aufmerksam machen</a>. Wir haben keine Lust, die fehlenden Konzepte der Kreativindustrie mit Einschnitten in unsere Freiheit zu bezahlen.</p>
<p>Versteht mich nicht falsch: Die Gesetzgebung hinkt dem Internet hinterher, Anpassungen sind notwendig und wichtig. Wie die passieren und letztendlich aussehen, wollen wir aber mit entscheiden. Die Tage, an denen Politik unter der Hand gemacht wurde, sind vorbei. Das Internet hat seiniges dazu beigetragen. Und das soll auch so bleiben. STOP ACTA!</p>
<p>Bild: Pieere-Selim, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de">CC BY 2.0</a>.</p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=9794&amp;md5=1e3a36636860bdb794dc1717ee32fab2" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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+fehlenden+Konzepte+der+Kreativindustrie+mit+Einschnitten+in+unsere+Freiheit+zu+bezahlen.%0D%0A%0D%0AVersteht+mich+nicht+falsch%3A+Die+Gesetzgebung+hinkt+dem+Internet+hinterher%2C+Anpassungen+sind+notwendig+und+wichtig.+Wie+die+passieren+und+letztendlich+aussehen%2C+wollen+wir+aber+mit+entscheiden.+Die+Tage%2C+an+denen+Politik+unter+der+Hand+gemacht+wurde%2C+sind+vorbei.+Das+Internet+hat+seiniges+dazu+beigetragen.+Und+das+soll+auch+so+bleiben.+STOP+ACTA%21%0D%0A%0D%0ABild%3A+Pieere-Selim%2C%C2%A0CC+BY+2.0.&amp;tags=Acta%2CDemokratie%2CGefahr%2CPolitik%2CStop%2Cblog" 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	</item>
		<item>
		<title>Wie viel Platz brauchen Bus, Auto und Rad in der Stadt?</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2012/01/26/wie-viel-platz-brauchen-bus-auto-und-rad-in-der-stadt/</link>
		<comments>http://zurpolitik.com/2012/01/26/wie-viel-platz-brauchen-bus-auto-und-rad-in-der-stadt/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 26 Jan 2012 03:06:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Schaffer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Auto]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlicher Verkehr]]></category>
		<category><![CDATA[Fahrrad]]></category>
		<category><![CDATA[Stadt]]></category>
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		<category><![CDATA[Wien]]></category>

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		<description><![CDATA[In der Stadt eine Katastrophe: Autos verbrauchen mehr Platz als andere Verkehrsmittel. Wieviel genau und was man dagegen tun kann - Eine Erörterung von Tom Schaffer]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Propaganda&#8221; und &#8220;Manipulation&#8221;, nennt <a href="http://www.loub.at/blog/2012/01/25/politische-manipulation-auch-ohne-photoshop/" target="_blank">ÖVP-Webmensch Gerhard Loub</a> ein Bild, das derzeit zum wiederholten Male die Runde durch das Internet macht. Es soll darstellen, dass Autos Platzverschwendender erster Güte sind, und Menschen in der Stadt sinnvollerweise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Rad fahren sollen.</p>
<p><center><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/uploads/296411_259927584049082_203742949667546_688992_633353283_n.jpg" alt="" title="60 Menschen fahren in der Stadt" width="605" height="442" class="aligncenter size-full wp-image-9735" /></center></p>
<p>Nun ist dieses Plakat der Stadt Münster aus dem Jahr 2001 (wo entgegen Gerhards Sorge nicht Rotgrün regiert, sondern seit Menschengedenken ein CDU-Bürgermeister anschafft) in einigen Punkten offensichtlich plakativ. Ein plakatives Plakat &#8211; get it? Und damit würde es als wissenschaftliches Beweisstück für die These mit dem Platzfresser-Auto nicht wirklich taugen. Gerhard hat in seinem Beitrag ein paar Mängel aufgezeigt. Warum auch immer sie entstanden sind, mich irritieren sie vor allem deshalb, weil es keineswegs nötig ist, an diesem Vergleich etwas zu manipulieren, wenn man damit eine Politik zugunsten von Öffis und Rädern rechtfertigen möchte. Mehr als die intellektuelle Debatte über den Wahrheitsgehalt von Werbung interessiert mich deshalb, wie eigentlich die absoluten Zahlen zu diesem Vergleich aussehen würden.<span id="more-9734"></span></p>
<p>Also habe ich mich auf eine kleine Webrecherche begeben um die Wiener Verhältnisse heraus zu finden. <a href="http://www.mantruckandbus.at/de/Bus/Ueberlandbusse/Lions_City.jsp?key=103353" target="_blank"><strong>Autobusse</strong> in der Innenstadt</a> sind normalerweise 12,5 Meter lang und 2,5 Meter breit (30m²). Sie bieten (zum Beispiel <a href="http://xover.mud.at/~tramway/stvkr-a-wiki/index.php/Type_MAN_NL_273_LPG_T3_%28Lion%C2%B4s_City%29_%28Wien%29" target="_blank">der 13A</a>) 73 Menschen Platz. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96ffentlicher_Personennahverkehr#Wirtschaftliche_und_.C3.B6kologische_Bedeutung" target="_blank">Laut Wikipedia</a> liegt die durchschnittliche Auslastung öffentlicher Verkehrsmittel in Wien bei 30% &#8211; also sitzen in einem Bus zu jeder Zeit 22 Personen. Damit verbraucht ein durchschnittlicher Fahrgast 1,4m² an Platz (gegenüber einem Potential von 0,4m²). </p>
<p>Ein gewöhnliches <strong>Auto</strong> ist vier bis fünf Meter lang und etwa zwei Meter breit (sagen wir 9m²). Es hat potentiell Platz für fünf Fahrgäste, in Wien beherbergt es im Schnitt aber tatsächlich nur 1,3 Personen (Quelle: wieder der Wikipedia-Link). Dementsprechend verbraucht jeder Verkehrsteilnehmer für die Zeit des Betriebs 6,9m² an Platz (gegenüber einem Potential von 1,8m²). </p>
<p>Wenn ich mein hauptsächlich verwendetes <strong>Fahrrad</strong> zur Basis mache, ist das am Lenker 60 Zentimeter breit und 1,6 Meter lang. Auf der Grundform eines solchen Rechtecks kann ich zwei Räder abstellen, aber im Betrieb verbraucht man somit nicht ganz einen Quadratmeter (was dem vollen Potential entspricht). </p>
<p>Eine korrekte Grafik würde den Platzverbrauch also folgendermaßen darüberstellen (nagelt mich bitte nicht an der genauen Pixelzahl fest, ich musste im Grafikprogramm bei den Kommastellen schätzen).</p>
<p><center><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/uploads/platz.jpg" alt="" title="Platzverbrauch im Vergleich zwischen Auto, Bus und Rad" width="255" height="255" class="aligncenter size-full wp-image-9736" /></center></p>
<p>Ein weiterer Aspekt ist hier (und im Ausgangsfoto) aber noch nicht veranschaulicht: Die Dauer der Nutzung. Stellen wir uns die Frage also aus der Sicht eines individuellen Verkehrsteilnehmers. </p>
<h2>Wie viel Platzverbrauch &#8220;verantworte&#8221; ich mit welchem Verkehrsmittel?</h2>
<p>Nach der zurückgelegten Strecke lösen sich Fahrzeuge nicht in Luft auf, sondern verbrauchen weiter Platz. Will man wissen, wie viel Platz der Transport von 60 Personen wirklich benötigt, muss man sie zuerst auf vergleichbare Nutzungseinheiten runterrechnen. Dabei kann man nicht ignorieren, dass ein Auto und Fahrrad im Privatbesitz steht, ein Bus aber nicht. Auf der Fläche, die ein Busbenutzer während seiner Fahrt einnimmt, stehen täglich noch viele andere Menschen. </p>
<p>Ein Autofahrer braucht 6,9m². Sein Wagen gehört ihm, er gibt ihn also nach seiner Nutzung niemandem weiter. Seine Einheit ist also die eine Stunde, die er den Wagen benutzt. Von einem ähnlichen Wert gehen wir (mangels Nutzungsdauerstatistik) einfach auch beim Fahrrad aus. Bei Autobussen stimmt dies nicht, denn die fahren 19 oder mehr Stunden am Tag und werden von mehr Menschen benutzt, als gleichzeitig drinnen sitzen. Gehen wir davon aus, dass für dieselbe Strecke die ein Autofahrer täglich fährt der Bus etwa um die Hälfte länger braucht. Eine Fahreinheit ist also 1,5 Stunden lang. Damit teilt ein Buspassagier sich auf 19 Stunden gerechnet seine 1,36m² mit 11,7 weiteren Personen. Plötzlich braucht jeder von ihnen nur noch 0,1m². Im gleichzeitigen Gebrauch wären das eher <a href="http://www.youtube.com/watch?v=r8FQsg12hoY" target="_blank">japanische Zustände</a>, über den Tag verteilt, geht sich das aber aus.</p>
<p>Wenn wir nun also versuchen, 60 Leute mit diesen drei Verkehrsmitteln von A nach B zu kutschieren, kämen wir damit auf folgenden Platzverbrauch:</p>
<p>Die Autos verbrauchen 414m² (86,5%).<br />
Die Räder verbrauchen 58m² (12,1%).<br />
Die Busfahrer verbrauchen 6,6m² (1,4%).</p>
<p>Oder als Bild:</p>
<p><center><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/uploads/platz2.jpg" alt="" title="Platzverbrauch von Auto, Bus und Rad in Relation zur Nutzerzahl" width="366" height="311" class="aligncenter size-full wp-image-9738" /></center></p>
<blockquote><p><small><strong>Was nicht berücksichtigt wird</strong></p>
<p>All dies berücksichtigt nicht, dass ein Fahrzeug sich bewegt. Nicht berechnet ist damit also, dass eine Busspur etwas breiter als eine auf das Auto angepasste Autostraße sein müsste, dass ein Radweg nur halb so breit wie eine Straße sein müsste. Auch das nimmt der Stadt Platz weg. Auch dass diese Fahrzeuge an unterschiedlichen Positionen parken müssen. Wer das Treiben in der Stadt beobachtet, wird bemerken, dass der Platz sich nicht einfach ausgleicht, wenn das Fahrzeug sich bewegt. In Wohngebieten sind tagsüber massenhaft leere Parkplätze zu sehen (die allerdings faktisch weiter für Autos reserviert sind). Abends sind hingegen die Gewerbezonen praktisch leer, weil die Leute wieder nach Hause fahren. Auch vor Einkaufszentren und in Parkgaragen wird Platz für den Individualverkehr freigehalten. Es ist (für mich) unmöglich zu sagen, wie viele Parkplätze im Schnitt tatsächlich für ein Auto oder ein Rad zur Verfügung stehen oder wie viele Pausenzonen für Busse man reinrechnen müsste. Wir müssen uns hier also darauf beschränken, den Platzverbrauch pro Person während der Betriebsdauer zu vergleichen. </p>
<p>Ich musste diese Fakten also aus der Gleichung nehmen, weil das zu kompliziert würde. Es ist aber ohnehin klar, dass sie die Bilanz des Autos weiter dramatisch verschlechtern würden (Es gibt keine vierspurigen Fahrradstraßen oder Busspuren. Busse parken außer Betrieb normalerweise in weniger dicht besiedelten Gebieten. Für Räder braucht man nicht zwingend vordefinierte Parkzonen, sondern oft einfach nur einen Vorraum. Und nochmal: Ein Fahrrad ist eigentlich nicht so rechteckig, wie ich es hier angenommen habe.).</small></p></blockquote>
<p><center><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/uploads/verkehr.jpg" alt="" title="Verkehr in Wien" width="630" height="250" class="aligncenter size-full wp-image-9742" /><br />
<small>Fotocredits: <a href="http://www.flickr.com/photos/denis_todorut/5526281549/" target="_blank">Denis Todorut</a>, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.en" target="_blank">CC2.0-BY</a></small></center></p>
<h2>Folgerung</h2>
<p>Wie diese Teilberechnungen (und ich hoffe, ich habe hier zu später Stunde nicht zuviel Mist gebaut <img src='http://zurpolitik.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' /> ) meiner Ansicht nach deutlich zeigen, ist es vor allem der Privatbesitz von Verkehrsmitteln, der sie zu Platzfressern macht. Dadurch stehen sie einen Großteil ihrer Zeit nutzlos in der Stadt herum. Weil man wohl davon ausgehen sollte, dass Individualverkehr in einem gewissen Ausmaß notwendig ist, muss man vor allem die gemeinsame Nutzung von Fahrzeugen erhöhen. Einerseits geht es da um die gleichzeitige Nutzung (also etwa um Fahrgemeinschaften). Aber diese stößt an Grenzen. Es geht in wesentlich größeren Ausmaß um die zeitversetzte gemeinsame Nutzung von Fahrzeugen. Was diese bewirkt, sieht man in den hiesigen Berechnungen am Bus. Während dessen reale Flächennutzung von 0,1m² bei Vollauslastung noch gedrittelt werden könnte (dieser Gedankengang hat mich im Zuge dieses Beitrags selbst überrascht), kann selbst die optimale Ausnutzung eines herkömmlichen Privatfahrzeugs nie unter 1,8m² Flächenverbrauch fallen. Im Optimalfall braucht ein Autofahrer also immer noch über 50 Mal mehr Platz, als ein Busfahrer.</p>
<p>Ein zukunftsweisendes Modell für den begrenzten Platz in der Stadt müssen also neben dem herkömmlichen öffentlichen Verkehr auch Sharing-Modelle sein. Diese reduzieren die nutzlosen Phasen (also die des Parkens) dramatisch. In Wien gibt es dafür bereits ein annehmbar ausgebautes <a href="http://citybikewien.at/" target="_blank">City Bike-Netz</a> und seit nicht allzu langer Zeit auch <a href="http://www.car2go.com/wien/de/" target="_blank">eines für Autos</a>. Neben der Fragen des ausreichenden Angebots und der Zugänglichkeit ist es aber auch eine der kulturellen Anpassungsfähigkeit, ob diese Modelle genutzt werden. Kurz: Das liegt an uns Verkehrsteilnehmern.</p>
<p>Würden Autos und Räder vermehrt geteilt, würden deutlich weniger von ihnen gebraucht werden (was angesichts der ressourcenintensiven Herstellung auch für das Klima gut wäre). Und selbst wer dennoch eines besitzen möchte, könnte es zumindest außerhalb der Stadt parken (wo Platz kein Problem darstellt) und innerhalb auf Sharing-Modelle ausweichen.</p>
<h2>Was Platz in der Stadt bedeutet</h2>
<p>Platz wird gemeinhin nicht als Ressource verstanden, ist in der Stadt aber tatsächlich ein sehr begrenztes Gut. Das bemerkt man zum Beispiel daran, wie hart Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer um jeden Fahrstreifen raufen müssen (und wie oft sie sich in die Quere kommen, weil für die saubere Trennung einfach zu wenig Platz zur Verfügung steht). Aber auch steigenden Mietpreise sind eine Folge von Platznot, weil eine wachsende Stadt kaum noch Möglichkeiten findet, um Leute und Geschäfte in der Innenstadt anzusiedeln. Als Reaktion könnten immer mehr Parks, Spielplätze und Ruhezonen geopfert werden, was die Lebensqualität direkt angreift. Ein Effekt davon ist, dass Menschen an die Stadtränder abwandern. Das ist aus gemeinschaftlicher Sicht teuer (Neue Straßen müssen gebaut und Kanäle verlegt werden. Man braucht mehr öffentliche Verkehrsmittel, die weitere Strecken zurücklegen müssen und weniger Fahrgäste haben. Am Stadtrand braucht man Autos wirklich, weil die Nahversorgung nichts taugt. Und so weiter).</p>
<p>Wenn ich einen Blick aus meinem Fenster in den einsehbaren Teil meiner Straße werfe, sehe ich auf eine Distanz von 170 Metern beidseitig 54 Autos parken. Diese Autos nutzen im Moment niemandem etwas, verbrauchen aber mehr als 500m² an Stadt (neben ihrer eigenen Fläche halten sie ja noch Abstand voneinander). Angenommen, man könnte nur 20% dieser Autos reduzieren, würde das allein in meiner Straße etwa 100m² an Fläche freischaufeln. Etwa zwei solcher Straßen würden genügen, um die Grundfläche meines Wohnhauses freizumachen. Nimmt man an, das würde bei zukünftigen Neubauten berücksichtigt, und auf dieser Fläche fünf- bis sechsstöckige Häuser gebaut, könnte man langfristig den Wohnungsmarkt deutlich entlasten und müsste nicht stattdessen in einer an Bevölkerung wachsenden Stadt Grün- und Ruhezonen abbauen. (Alternativ könnte man auf diesen Flächen natürlich auch solche Zonen schaffen.)</p>
<p>Um zurück zum Anstoß der Diskussion zu kommen. Gerhard mag sich zurecht Gedanken über die Manipulationskraft von Bildern machen (er hat ja mit seiner Kritik in dieser Hinsicht recht). Um aber eine Forcierung von öffentlichen Verkehrsmitteln, Fahrrädern und eben auch Sharing-Modellen aus Platzgründen zu begründen, braucht man wahrlich nichts zu manipulieren. Nicht, dass es überhaupt keine Probleme mit anderen Fahrzeugen gäbe, aber das privatisierte Auto ist auch in dieser Hinsicht die größte Gefahr einer lebenswerten Stadt. Das klingt nach radikaler Rhetorik? Es ist aber schlicht folgerichtig.</p>
<p>Von unzähligen anderen Aspekten (z.B. Lärm, Klima, Umwelt, Gesundheit, Verkehrsaufkommen und -sicherheit) reden wir vielleicht ein andermal.</p>
<p><small><em>Fotocredit, Coverbild: <a href="http://www.flickr.com/photos/triller/2228849476/" target="_blank">Felix Triller</a>, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.en" target="_blank">CC2.0-BY</a></em></small></p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=9734&amp;md5=5f59f00d7c8ba90312e895d3016d5e71" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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latz+zur+Verf%C3%BCgung+steht%29.+Aber+auch+steigenden+Mietpreise+sind+eine+Folge+von+Platznot%2C+weil+eine+wachsende+Stadt+kaum+noch+M%C3%B6glichkeiten+findet%2C+um+Leute+und+Gesch%C3%A4fte+in+der+Innenstadt+anzusiedeln.+Als+Reaktion+k%C3%B6nnten+immer+mehr+Parks%2C+Spielpl%C3%A4tze+und+Ruhezonen+geopfert+werden%2C+was+die+Lebensqualit%C3%A4t+direkt+angreift.+Ein+Effekt+davon+ist%2C+dass+Menschen+an+die+Stadtr%C3%A4nder+abwandern.+Das+ist+aus+gemeinschaftlicher+Sicht+teuer+%28Neue+Stra%C3%9Fen+m%C3%BCssen+gebaut+und+Kan%C3%A4le+verlegt+werden.+Man+braucht+mehr+%C3%B6ffentliche+Verkehrsmittel%2C+die+weitere+Strecken+zur%C3%BCcklegen+m%C3%BCssen+und+weniger+Fahrg%C3%A4ste+haben.+Am+Stadtrand+braucht+man+Autos+wirklich%2C+weil+die+Nahversorgung+nichts+taugt.+Und+so+weiter%29.%0D%0A%0D%0AWenn+ich+einen+Blick+aus+meinem+Fenster+in+den+einsehbaren+Teil+meiner+Stra%C3%9Fe+werfe%2C+sehe+ich+auf+eine+Distanz+von+170+Metern+beidseitig+54+Autos+parken.+Diese+Autos+nutzen+im+Moment+niemandem+etwas%2C+verbrauchen+aber+mehr+als+500m%C2%B2+an+Stadt+%28neben+ihrer+eigenen+Fl%C3%A4che+halten+sie+ja+noch+Abstand+voneinander%29.+Angenommen%2C+man+k%C3%B6nnte+nur+20%25+dieser+Autos+reduzieren%2C+w%C3%BCrde+das+allein+in+meiner+Stra%C3%9Fe+etwa+100m%C2%B2+an+Fl%C3%A4che+freischaufeln.+Etwa+zwei+solcher+Stra%C3%9Fen+w%C3%BCrden+gen%C3%BCgen%2C+um+die+Grundfl%C3%A4che+meines+Wohnhauses+freizumachen.+Nimmt+man+an%2C+das+w%C3%BCrde+bei+zuk%C3%BCnftigen+Neubauten+ber%C3%BCcksichtigt%2C+und+auf+dieser+Fl%C3%A4che+f%C3%BCnf-+bis+sechsst%C3%B6ckige+H%C3%A4user+gebaut%2C+k%C3%B6nnte+man+langfristig+den+Wohnungsmarkt+deutlich+entlasten+und+m%C3%BCsste+nicht+stattdessen+in+einer+an+Bev%C3%B6lkerung+wachsenden+Stadt+Gr%C3%BCn-+und+Ruhezonen+abbauen.+%28Alternativ+k%C3%B6nnte+man+auf+diesen+Fl%C3%A4chen+nat%C3%BCrlich+auch+solche+Zonen+schaffen.%29%0D%0A%0D%0AUm+zur%C3%BCck+zum+Ansto%C3%9F+der+Diskussion+zu+kommen.+Gerhard+mag+sich+zurecht+Gedanken+%C3%BCber+die+Manipulationskraft+von+Bildern+machen+%28er+hat+ja+mit+seiner+Kritik+in+dieser+Hinsicht+recht%29.+Um+aber+eine+Forcierung+von+%C3%B6ffentlichen+Verkehrsmitteln%2C+Fahrr%C3%A4dern+und+eben+auch+Sharing-Modellen+aus+Platzgr%C3%BCnden+zu+begr%C3%BCnden%2C+braucht+man+wahrlich+nichts+zu+manipulieren.+Nicht%2C+dass+es+%C3%BCberhaupt+keine+Probleme+mit+anderen+Fahrzeugen+g%C3%A4be%2C+aber+das+privatisierte+Auto+ist+auch+in+dieser+Hinsicht+die+gr%C3%B6%C3%9Fte+Gefahr+einer+lebenswerten+Stadt.+Das+klingt+nach+radikaler+Rhetorik%3F+Es+ist+aber+schlicht+folgerichtig.%0D%0A%0D%0AVon+unz%C3%A4hligen+anderen+Aspekten+%28z.B.+L%C3%A4rm%2C+Klima%2C+Umwelt%2C+Gesundheit%2C+Verkehrsaufkommen+und+-sicherheit%29+reden+wir+vielleicht+ein+andermal.%0D%0A%0D%0AFotocredit%2C+Coverbild%3A+Felix+Triller%2C+CC2.0-BY&amp;tags=Auto%2C%C3%96ffentlicher+Verkehr%2CFahrrad%2CStadt%2CUrbanit%C3%A4t%2CWien%2Cblog" 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		<title>Europe&#8217;s Borderline Syndrom</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2011/11/23/europes-borderline-syndrom/</link>
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		<pubDate>Wed, 23 Nov 2011 00:54:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Schaffer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Asyl]]></category>
		<category><![CDATA[Corinna Milborn]]></category>
		<category><![CDATA[TED]]></category>
		<category><![CDATA[TEDxVienna]]></category>
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		<description><![CDATA[In der Nordsahara und im Mittelmeer sterben wegen der Politik unserer Regierungen Menschen, ohne dass es irgendjemandem nützt - Ein Wachrütteln von Corinna Milborn]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bei <a href="http://tedxvienna.at" target="_blank">TEDxVienna</a> ging es auch um die Situation an den europäischen Grenzen, einem &#8220;der großen Massenmorde der Geschichte&#8221;. </p>
<p>Zigtausende Menschen ertrinken im Meer beim Versuch, das abgeriegelte Europa zu erreichen &#8211; viele mehr am von unseren Regierungen bezahlten &#8220;Grenzschutz&#8221; durch Militärs im Norden der Sahara. Manch Glückliche treiben nachdem ihre Boote sanken tagelang lebend im Wasser, bis sich zwei Länder darüber einigen, wer sie nun aufnimmt. </p>
<p>Funktionieren tut all das für niemanden und kosten tut es viel. Aber in der Viertelstunde, in der <a href="http://twitter.com/corinnamilborn" target="_blank">Corinna Milborn</a> spricht, erklärt sie das viel besser als ich &#8211; und argumentiert für eine Idee, die für alle besser klappen sollte. <span id="more-9546"></span></p>
<p><object width="630" height="350"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/KGQXZb4TRNw?version=3&amp;hl=de_DE&amp;hd=1"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/KGQXZb4TRNw?version=3&amp;hl=de_DE&amp;hd=1" type="application/x-shockwave-flash" width="630" height="350" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p><small><em>Fotoinfo: Die Bilder zur Illustration dieses Beitrags wurden aus dem Video herausgeschnitten. Der Ersteller ist uns leider unbekannt.</em></small></p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=9546&amp;md5=662e3a9f1ca9f5a16dae7453cd4ff735" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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