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	<title>zurPolitik.com &#187; Blogs</title>
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		<title>&#8220;A Gay Girl in Damascus&#8221; revisited</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2011/06/19/a-gay-girl-in-damascus-revisited/</link>
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		<pubDate>Sun, 19 Jun 2011 14:56:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Schaffer</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Tom MacMaster]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Enthüllung, dass die syrische Bloggerin Amina von <a href="http://zurpolitik.com/2011/06/13/gay-girl-in-damascus-ist-ein-mann-aus-den-usa/" target="_blank">&#8220;A Gay Girl in Damascus&#8221; in Wahrheit Tom aus den USA</a> war, löste interessante Reaktionen aus. Das Blog hätte einfach so schön die Hoffnungen vieler für den Nahen Osten erfüllt, <a href="http://hollerbusch.wordpress.com/2011/06/18/amina-und-die-geschichten-die-wir-gerne-glauben/" target="_blank">lautet eine &#8230;</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Enthüllung, dass die syrische Bloggerin Amina von <a href="http://zurpolitik.com/2011/06/13/gay-girl-in-damascus-ist-ein-mann-aus-den-usa/" target="_blank">&#8220;A Gay Girl in Damascus&#8221; in Wahrheit Tom aus den USA</a> war, löste interessante Reaktionen aus. Das Blog hätte einfach so schön die Hoffnungen vieler für den Nahen Osten erfüllt, <a href="http://hollerbusch.wordpress.com/2011/06/18/amina-und-die-geschichten-die-wir-gerne-glauben/" target="_blank">lautet eine Erklärung</a>.  Und das ist natürlich bis zu einem gewissen Grad richtig. Eine liberale, lesbische Syrerin erlebt die Öffnung der arabischen Gesellschaften? Wir wollten das glauben. Natürlich! Nun aber regiert eine Reaktion das Geschehen, die kein bisschen klüger ist.<span id="more-8998"></span> </p>
<p>Solche Geschichten könnte es gar nicht wirklich geben. Nur die Gutmenschen könnten auf sie hereinfallen. Für die ZynikerInnen dient die Entlarvung von MacMaster als Beweis, dass es keine Amina geben kann. Eine Fiktion, die vorher den Gutgläubigen in die Hoffnungen spielte, dient den Schlechtgläubigen nun auch als nichts anderes als die Bestätigung ihrer Erwartungen. </p>
<p>Die wenigsten, die Amina für echt gehalten haben, haben wohl jeden Satz des Blogs gelesen und auf Plausibilität gecheckt. Das hat sich als Fehler herausgestellt. Aber es ist ein Fehler, den jeder Mensch täglich dutzende Male machen könnte und macht. Die &#8220;Oh mein Gott, wie konntet ihr das nur glauben?! LOL!&#8221;-Schreier machen sich mit dieser Betrachtung im Rückspiegel schwer lächerlich (eine Berechtigung hätten Menschen, die schon vorher darauf hingewiesen hätten &#8211; mir ist niemand bekannt). </p>
<p>Hinterher ist es einfach, clever zu sein. Doch im Alltag kann man weder alles überprüfen, was man täglich aufschnappt, noch hinterfragt man alles ausreichend. Manches glaubt man, manches nicht. Wir alle fallen damit ab und zu auf die Schnauze &#8211; alle von der negativsten Schwarzseherin bis zum überschwänglichsten Optimisten (manche öfter als andere). Selbst der gemäßigteste Realist wird überrascht. Eine individuelle Erwartungshaltung kann der Welt besser oder schlechter entsprechen, aber niemals der Vielfalt allen menschlichen Handelns gerecht werden.</p>
<h2>Der unangebrachte Spott</h2>
<p>Auch wenn es der Spott der ZynikerInnen im Moment suggeriert, ist es schon allein deshalb keine Schande, auch eine geschickte, positive Geschichte einfach mal zu glauben (<a href="http://www.ftd.de/politik/international/revolte-in-tunesien-wie-luegen-zum-sturz-des-diktators-ben-ali-fuehrten/60066035.html" target="_blank">man glaubt ja auch die negativen Fakes</a>). Was wäre schon die Alternative gewesen? Es brauchte neben dem Zweifel über die Plausibilität auch die Motivation das Gegenteil beweisen zu wollen. Und schlussendlich waren es aufwändige Recherchen von bezahlten JournalistInnen, die es taten. Das will und kann nicht jeder leisten. </p>
<p>Das Auffliegen der Amina bedeutet nichts anderes, als dass der Blog ein Fake war. Es bedeutet nicht, dass es eine wie sie nicht wirklich unter den 20 Millionen BewohnerInnen des Landes gibt. Vielleicht bloggt sie nicht auf Englisch. Vielleicht bloggt sie einfach gar nicht. Immerhin ist das gefährlich. Wahrscheinlich würde eine solche manche Dinge auch nie so schreiben, wie es Tom MacMaster in seiner Fiktion getan hat. Vielleicht gibt es eine wie sie auch gar nicht. Weil der Fake eines einzelnen Blogs nichts über die Wahrheit in Syrien aussagt, bleibt die Einschätzung darüber eine des Welt- und Menschenbilds. </p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=8998&amp;md5=f212e1188e20a17d96ce657c88c447ab" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>&#8220;A Gay Girl in Damascus&#8221; ist ein Mann aus den USA</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2011/06/13/gay-girl-in-damascus-ist-ein-mann-aus-den-usa/</link>
		<comments>http://zurpolitik.com/2011/06/13/gay-girl-in-damascus-ist-ein-mann-aus-den-usa/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 13 Jun 2011 12:32:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Schaffer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[A Gay Girl in Damascus]]></category>
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		<category><![CDATA[Fake]]></category>
		<category><![CDATA[Syrien]]></category>
		<category><![CDATA[Tom MacMaster]]></category>

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		<description><![CDATA[Das syrische Regime ist im Moment nach wie vor dabei, die Revolte im Land mit aller Gewalt nieder zu strecken. Eine besonders schöne Quelle, um sich darüber zu informieren, wie das aus der Sicht einer Oppositionellen aussieht, war das Blog&#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das syrische Regime ist im Moment nach wie vor dabei, die Revolte im Land mit aller Gewalt nieder zu strecken. Eine besonders schöne Quelle, um sich darüber zu informieren, wie das aus der Sicht einer Oppositionellen aussieht, war das Blog &#8220;<a href="http://damascusgaygirl.blogspot.com/" target="_blank">A Gay Girl in Damascus</a>&#8220;. Vor allem mit der Geschichte eines <a href="http://damascusgaygirl.blogspot.com/2011/04/my-father-hero.html">heldenhaften Vaters</a>, der seine lesbische Tochter Amina (die angebliche Autorin) mit einer rhetorischen Glanzleistung vor den reaktionären Staatsschergen beschützte, ließ das Blog über Twitter und Facebook bekannt werden. Auch ich habe diese Geschichte weiterempfohlen. Nun stellt sich heraus: Die Stimme aus Syrien <a href="http://thelede.blogs.nytimes.com/2011/06/13/gay-girl-in-damascus-blogger-admits-to-writing-fiction-disguised-as-fact/?ref=global-home" target="_blank">ist ein Fake</a>.<span id="more-8993"></span></p>
<p>Ein amerikanischer Autor namens Tom MacMaster, der in Schottland studiert, hat sich die Figur von Amina ausgedacht. Er habe nicht geglaubt, dass dieses Projekt so groß würde und wollte nur auf Themen aufmerksam machen, die ihm wichtig waren, sagt MacMaster in einer <a href="http://damascusgaygirl.blogspot.com/2011/06/apology-to-readers.html" target="_blank">Stellungnahme auf dem Blog</a>. &#8220;Obwohl die Erzählerstimme fiktiv war, sind die Fakten auf diesem Blog wahr und nicht irreführend über die Situation [in Syrien]&#8220;, behauptet er dort. </p>
<p>Weitreichend könnten die politische Auswirkung sein. Das Blog dürfte nun als erschlagender Beweis des syrischen Regimes angeführt werden, wonach unangenehme Berichte von ausländischen Akteuren fabriziert würden. In einem Inteview über die Entdeckung seines Hoaxes bekundet der Autor sein Bedauern: &#8220;Ich bedaure, dass ich von der wahren Geschichte und den wahren Helden ablenke. Ich bin nicht wichtig&#8221;. Währenddessen sterben auf den Straßen des Landes täglich zahlreiche Menschen im Kampf um ihre Freiheit. </p>
<p><script src="http://storify.com/schaffertom/gay-girl-in-damascus.js"></script></p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=8993&amp;md5=3934c1de7aa24b7ac74cddc67ee2ea70" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Goldener Hut: Das Polit-Web 2010</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2011/01/04/goldener-hut-das-polit-web-2010/</link>
		<comments>http://zurpolitik.com/2011/01/04/goldener-hut-das-polit-web-2010/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 04 Jan 2011 11:12:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Schaffer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bewegung]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein neues Jahr beginnt und das verlangt immer einen Blick zurück. Was andere Menschen 2010 im österreichischen Web geleistet haben - Die Redaktion würdigt mit es mit dem Goldenen Hut]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir haben im Jahr 2010 viel erlebt und viel geschafft. Anfang des Jahres startete das Blog als Projekt von mehreren AutorInnen mit dem Ziel, laut nachzudenken, kluge Debatten zu führen und so manch Neues auszuprobieren. Aber das Web ist auch rund um diese beste aller Internetseiten nicht stehengeblieben. Und so hielten wir als Redaktion zum Jahresanfang inne um die besten anderen Initiativen und Leistungen in vier Kategorien zu würdigen und den gebührenden Respekt zu zollen. Der Goldene Hut für herausragende Leistungen um das Internet geht an&#8230;<span id="more-7323"></span></p>
<h2>Beste politische Bewegung im Web: &#8220;Nichtrauchen In Lokalen&#8221;</h2>
<p><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/uploads/bestbewegung2010.png" alt="" title="Beste politische Bewegung im Web 2010" width="200" height="200" class="alignright size-full wp-image-7366" /> Das dominante Thema über viele Wochen 2010 war natürlich Wikileaks. Die Whistleblower-Plattform und die &#8220;Anonymous&#8221;-Attacken auf Wikileaks-Gegner wurde deshalb am öftesten in dieser Kategorie genannt. Wir wollten uns allerdings einen direkteren Österreich-Bezug bewahren &#8211; und auch da hat sich einiges getan. </p>
<p>Die meisten Nominierungen und damit den Sieg in dieser Kategorie bekam &#8220;<a href="http://www.nichtraucheninlokalen.at/" target="_blank">Nichtrauchen in Lokalen</a>&#8220;. Die Aktion startete als <a href="http://www.facebook.com/group.php?gid=207474724730" target="_blank">Facebook-Gruppe</a>, wo sie bald über 100.000 Fans fand. Von diesen Zahlen motiviert, kümmerte sich eine Gruppe von Mitgliedern darum, das Ganze in ein Volksbegehren umzuwandeln. Und tatsächlich scheinen sich &#8211; wie man hört &#8211; über 9.000 Menschen zum nächsten Amt/Magistrat aufgemacht zu haben, um zu unterschreiben. Nun wird anscheinend ein günstiger Moment abgewartet, um das Volksbegehren auch einzuleiten.</p>
<p><strong>Verfolger:</strong><br />
<a href="http://3000kinderleben.at/" target="_blank">3000kinderleben.at</a>: Die Initiative schaffte es, nicht ganz 30.000 Briefe an Parlamentarier zu provozieren, als Protest dagegen, dass die österreichische Regierung die ohnehin bereits geringen Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit weiter stutze.<br />
<a href="http://gegen-unrecht.at/" target="_blank">Gegen-Unrecht.at</a>: Über 115.000 Menschen forderten nach der skandalösen Abschiebung kleiner Kinder endlich die vollständige Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Österreich.<br />
<a href="http://unibrennt.at/" target="_blank">#unibrennt</a>: Immer wieder brandete die Bildungs-Bewegung auch 2010 wieder auf. Zum Beispiel im März beim Gegengipfel zum Bologna-Jubiläum, im Sommer als Ars Electronica-Preisträger und im Herbst in besonders großer Zahl als Reaktion auf das jugendfeindliche Staatsbudget.<br />
<a href="http://www.purplesheep.at/" target="_blank">Purple Sheep</a>: Bei einigen der umstrittenen Abschiebungen von Menschen aus Österreich, tauchte der Name der Organisation zu Demonstrationen als Hashtag bei Twitter auf. PS versteht sich als ein Zeichen gegen &#8220;die Auswirkungen der fremdenfeindlichen Debatte und der jährlich härter werdenden Gesetzeslage im Asylbereich&#8221;.</p>
<p><em>Ehrenvolle Erwähnung: </em><a href="http://213.251.145.96/" target="_blank">Wikileaks</a>/<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Anonymous_%28group%29" target="_blank">Anonymous</a></p>
<h2>Bestes Blog eines Politikers: Christoph Chorherr</h2>
<p><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/uploads/bestpolitiker2010.png" alt="" title="Bester Politikerblog 2010" width="200" height="200" class="alignright size-full wp-image-7365" />Das Urteil in dieser Wahl fiel weder unerwartet noch knapp aus. <a href="http://chorherr.twoday.net/" target="_blank">Christoph Chorherr</a> nutzt sein Blog seit Jahren um Feedback einzuholen, <a href="http://chorherr.twoday.net/stories/11481636/" target="_blank">Diskussionen</a> loszutreten, <a href="http://chorherr.twoday.net/stories/8467756/" target="_blank">Projekte</a> oder <a href="http://chorherr.twoday.net/stories/8470921/" target="_blank">Aktionen</a> vorzustellen und auch einmal <a href="http://chorherr.twoday.net/stories/8450236/" target="_blank">grundsätzliche Dinge</a> zu sagen &#8211; auch <a href="http://chorherr.twoday.net/stories/8383157/" target="_blank">Kritisches zur eigenen Partei</a>. </p>
<p>Er bewahrt sich eine gewisse Neugierde gegenüber &#8220;neuen&#8221; Medien und experimentiert auch gerne damit, weshalb in seinem Blog Texte mit Links versehen sind (leider tatsächlich eine Besonderheit) und er sich auch schon mal <a href="http://chorherr.twoday.net/stories/8371661/"  target="_blank">vor eine Kamera stellt</a>. Das Ergebnis: Man bekommt mit, was ihm wichtig ist, warum das so ist und was er tut. Mit dieser offenen Affinität sticht er all seine Berufskollegen locker aus &#8211; von den Kolleginnen ganz zu schweigen. Keine einzige Frau wurde nominiert. </p>
<p>Ob sich auch 2011 wieder eine Nominierung ausgeht, bleibt abzuwarten. In einer Regierungsfunktion geht Kommunikation anders als in der Opposition. Auch darüber denkt er <a href="http://chorherr.twoday.net/stories/11516035/" target="_blank">in seinem Blog öffentlich nach</a>.</p>
<p><strong>Verfolger:</strong><br />
<a href="http://www.peterpilz.at/" target="_blank">Peter Pilz</a> bloggt als ernsthaftester Oppositionspolitiker des Landes bereits seit Jahren in aufdeckerischer Manier.<br />
<a href="http://www.schieder.spoe.at/" target="_blank">Andreas Schieder</a> berichtet regelmäßig von seiner Politik. Der Finanzstaatssekretär hat aber den Nutzen der weitergehenden Kommunikation noch nicht verstanden. Er wurde aber trotz fehlender Kommentarfunktion und Diskussionen mit der Web-Gemeinde mehrmals nominiert.</p>
<p><em>Erwähnung fanden außerdem:</em> <a href="http://gebimair.blogspot.com/">Gebi Mair</a>, <a href="http://www.marco-schreuder.at/" target="_blank">Marco Schreuder</a>, <a href="http://klauswerner.com/" target="_blank">Klaus Werner-Lobo</a></p>
<h2>Beste Politikmenschen auf Twitter: Ein Quintett</h2>
<p><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/uploads/besttwitter.png" alt="" title="Beste Twitterer 2010" width="200" height="200" class="alignright size-full wp-image-7364" /> Die Kategorie ist vielleicht am besten als Follow-Empfehlungsliste zu verstehen. Denn es wurden so viele tolle Menschen genannt, dass es uns nicht möglich war jemanden allein an die Spitze zu reihen. Gleich fünf Personen teilen sich deshalb den Platz an der Sonne: <a href="http://twitter.com/corinnamilborn" target="_blank">Corinna Milborn</a> (Vize-Chefredakteurin von NEWS, Autorin, Politikwissenschaftlerin), <a href="http://twitter.com/#!/wernerreisinger" target="_blank">Werner Reisinger</a> (Club 2-Redakteur, Blogger und Journalist), <a href="http://twitter.com/hubertsickinger" target="_blank">Hubert Sickinger</a> (Politikwissenschaftler und Experte für Parteifinanzierung), <a href="http://twitter.com/arminwolf" target="_blank">Armin Wolf</a> (ZiB 2-Anchorman im ORF) und <a href="http://twitter.com/zielina" target="_blank">Anita Zielina</a> (Journalistin bei derStandard.at) bekamen je zwei Nominierungen. </p>
<p>Naturgemäß nicht viel weniger Stimmen fielen auf die <em>VerfolgerInnen</em>:<br />
<a href="http://twitter.com/chorherr" target="_blank">Christoph Chorherr</a>, <a href="http://twitter.com/yilmazgulum" target="_blank">Yilmaz Gülüm</a>, <a href="http://twitter.com/eminenz" target="_blank">Günter Felbermayer</a>, <a href="http://twitter.com/karli" target="_blank">Max Kossatz</a>, <a href="http://twitter.com/#!/sigi_maurer" target="_blank">Sigrid Maurer</a>, <a href="http://twitter.com/#!/volkerplass" target="_blank">Volker Plass</a>, <a href="http://twitter.com/marcoschreuder" target="_blank">Marco Schreuder</a>, <a href="http://twitter.com/olobo" target="_blank">Klaus Werner-Lobo</a>.</p>
<h2>Bestes politisches Blog: Ein Trio</h2>
<p><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/uploads/bestblog2010.png" alt="" title="Bestes Blog" width="200" height="200" class="alignright size-full wp-image-7359" /> Die Königsdisziplin unseres Best-ofs. Und wer hätts gedacht? Noch vor einigen Jahren wäre in dieser Kategorie nicht viel los gewesen. Nur vereinzelt bloggte eine Hand voll Leute zu den Themen, die auch uns bewegen. Doch mittlerweile können wir uns schon gar nicht mehr entscheiden. Gleich drei Blogs haben es uns im vergangenen Jahr besonders angetan und ex-aequo den ersten Platz ergattert. </p>
<p>Bei <a href="http://www.kobuk.at" target="_blank"><strong>Kobuk</strong></a> hat Helge Fahrnberger seine Publizistik-Studierenden dazu verdonnert, die journalistischen Qualitäten der heimischen Medienlandschaft zu überprüfen und ihre Fehler und Unsauberkeiten zu tadeln. Da gibt es ja einiges zu tun. Und auch wenn manche Kritik kleinlich oder nicht besonders weltbewegend erscheint, was die Kobukianer so alles rausfinden ist oftmals erstaunlich und sollte eigentlich von den betroffenen Medien abgedruckt werden müssen.</p>
<p>Ein Journalist, der vom Papier kommt, und sich trotzdem auch im Web wohlfühlt. Das ist Co-Gewinner <a href="http://www.misik.at" target="_blank"><strong>Robert Misik</strong></a>. Der hat 2010 mit seinem Blog einen Schritt in die Spendenfinanzierung unternommen um ihm mehr Zeit widmen zu können. Nebenher macht er mit FS Misik für derStandard.at auch noch den vielleicht besten Videoblog des deutschsprachigen Raums. Da wird geraunzt, analysiert, klug gedacht und &#8211; entschuldigt den schlechten Reim &#8211; nicht selten auch gelacht. </p>
<p>Und dann wäre da noch <a href="http://www.zib21.com" target="_blank"><strong>ZiB 21</strong></a>. Die &#8220;Zeit im Blog&#8221; ist da, wo Frater Gladius das unkonventionelle Wort zum Sonntag hält, unter der Woche das Weltgeschehen kommentiert wird und Renee Pornero zwischendurch aus ihrer nicht schwer zu erratenden Berufsvergangenheit erzählt. Mit einem breiten pop-magazinesquen Themenfeld zwischen Politik und Sex halten die Journalisten Eberhard Lauth und Manfred Sax als Herausgeber und ihre lesenswert tippenden UnterstützerInnen die Leserschaft bei Laune. Der Reichtum steht als Lohn noch aus &#8211; bis dahin muss unsere Bewunderung reichen.</p>
<p><strong>Die Verfolger:</strong><br />
<a href="http://neonliberal.at/" target="_blank">Neonliberal</a> bringt eine steirische Sicht in die wienlastige Blogosphäre. Das Abenteuer ist noch jung, aber bereits vielversprechend.<br />
<a href="http://neuwal.com" target="_blank">Neuwal</a> ist hingegen schon länger ein fester Bestandteil der politischen Bloggerei in diesem Land. Mit viel Engagement wird interviewt, berichtet, kommentiert und analysiert. Feiner Bonus: Die gesammelten, aktuellen Politumfragen des Landes.<br />
<a href="http://nonapartofthegame.eu/" target="_blank">Nonapartofthegame.eu</a> ist das Projekt mit der vielleicht unglücklichsten Domain, aber mit einem tollen Team, das &#8211; wir raten nur &#8211; sich wohl zu einem guten Teil bei #unibrennt gefunden hat. Besonders hervorzuheben ist das Livegesprächs-Projekt &#8220;<a href="http://supertaalk.at/" target="_blank">Supertaalk</a>&#8220;, das sich anschickt der Club 2 der 2010er-Jahre zu werden.</p>
<p><em>Außerdem erwähnt:</em> <a href="http://www.baeck.at/blog/" target="_blank">Bäckblog</a>, <a href="http://fm4.orf.at/blumenau/main" target="_blank">Blumenau</a>, <a href="http://denkwerkstatt.wordpress.com/" target="_blank">Denkwerkstatt</a>, <a href="http://digiom.wordpress.com" target="_blank">Digiom</a>, <a href="http://bernhardjenny.wordpress.com/" target="_blank">Bernhard Jenny</a>, <a href="http://wissenbelastet.com" target="_blank">Wissen belastet</a></p>
<blockquote><p>Nachtrag zum Modus: Alle AutorInnen, die in diesem Jahr hier regulär mitgearbeitet haben, sollten jeweils ihre drei Lieblinge (einen bei den Bewegungen) nominieren. Wer die meisten Nominierungen erhielt, gewann die Kategorie. Dieser Modus sorgte dafür, dass einige Projekte außen vor blieben, die uns auch gefallen haben. Wir bitten die vielen ungenannten, engagierten Menschen da draußen um Verzeihung.</p></blockquote>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=7323&amp;md5=72386d0c235e0b62979e652dfc536a7f" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Man muss ja eh nicht bei Kleiderbauer kaufen</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2010/08/05/man-muss-ja-eh-nicht-bei-kleiderbauer-kaufen/</link>
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		<pubDate>Thu, 05 Aug 2010 11:38:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Schaffer</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Medienrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Ist nur eine spontane Äußerung, die mir eingefallen ist, und die ich für erwähnenswert halte. Und meiner Familie und meinen Freunden werde ich diese Idee auch nahelegen. Nur so, ohne besonderen Grund. Weil das ein freies Land ist.
In den&#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ist nur eine spontane Äußerung, die mir eingefallen ist, und die ich für erwähnenswert halte. Und meiner Familie und meinen Freunden werde ich diese Idee auch nahelegen. Nur so, ohne besonderen Grund. Weil das ein freies Land ist.<span id="more-5615"></span></p>
<p>In den weiteren Schlagzeilen: Kleiderbauer klagt gegen einen Blogger, weil der ein Interview mit jemandem geführt hat, der etwas gesagt hat, was Kleiderbauer nicht passt. Über 5000 Euro kostet das den Blogger, weil der sich nicht auf einen Rechtsstreit einzulassen wagt. (Dass er den gewinnen sollte, ist zwar meine Überzeugung, aber so ganz sicher ist das hierzulande dann ja doch nicht.) <a href="http://diewahrheit.at/video/blogger-in-not" target="_blank">Spenden werden erbeten</a>.</p>
<p><embed type="application/x-shockwave-flash" src="http://diewahrheit.at/wp-content/mediaplayer-viral/player-licensed.swf" style="" id="ply" name="ply" bgcolor="#FFFFFF" quality="high" allowfullscreen="true" allownetworking="all" allowscriptaccess="always" flashvars="file=http://diewahrheit.at/wp-content/videos/spendenaufruf.flv&amp;width=580&amp;height=330&amp;autostart=true&amp;repeat=list&amp;linkfromdisplay=true&amp;linktarget=_self&amp;javascriptid=delfivideo&amp;enablejs=true&amp;shownavigation=true&amp;allownetworking=true&amp;plugins=adtonomy,drelated&amp;adtonomy.config=http://diewahrheit.at/wp-content/mediaplayer-viral/config.xml&amp;drelated.dxmlpath=http://diewahrheit.at/wp-content/mediaplayer-viral/drelated/relatedclips.xml&amp;drelated.dposition=bottom&amp;drelated.dskin=http://diewahrheit.at/wp-content/mediaplayer-viral/drelated/skins/grayskin.swf&amp;drelated.dtarget=_self&amp;stretching=uniform" width="580" height="330"></p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=5615&amp;md5=700cf1060f42f436410233d41f66eb19" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>&#8220;Blog-Zusammenschlüsse werden absolut notwendig sein&#8221;</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2010/07/29/blog-zusammenschlusse-werden-absolut-notwendig-sein/</link>
		<comments>http://zurpolitik.com/2010/07/29/blog-zusammenschlusse-werden-absolut-notwendig-sein/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 29 Jul 2010 13:49:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Schaffer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blogs]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Medienfinanzierung]]></category>

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		<description><![CDATA[Objektivität im Journalismus ist eine Illusion, Blogger sind normale Menschen und Verbände sind zur Professionalisierung von Blogs nötig - Ein Interview mit aber nicht von Tom Schaffer]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als einigermaßen bekannter Blogger bekommt man so alle ein bis zwei Wochen E-Mails von Studierenden, WissenschafterInnen und JournalistInnen mit der Bitte um ein Interview für Diplomarbeiten, Studien oder Beiträge. Eine solche ging bei mir Anfang Juni von Michael Andres ein, der seine Diplomarbeit zum Politikbloggen in Österreich verfasst (Michael hat gemeinsam mit unserem Mig auch <a href="http://zurpolitik.com/series/osterreichische-politikblogger-studie/" target="_blank">unsere Politikbloggerstudie</a> verfasst). Was ich ihm dazu zu erzählen hatte, erfahrt ihr nach dem Klick. <span id="more-5535"></span></p>
<p><strong>Michael Andres:</strong> Vielen Dank erstmal das du dich für das Experteninterview zur Verfügung stellst. Also, du bist der Tom, Politikstudent in Wien und Gründer des Weblogs zurpolitik.com, richtig?<br />
<strong>Tom Schaffer: </strong>Jap. That&#8217;s me.<br />
<strong><br />
Michael Andres:</strong> Kannst du mir vielleicht erstmal erzählen wie du zum Bloggen gekommen bist?<br />
<strong>Tom Schaffer: </strong>Ich habe das eigentlich schon meine ganze Jugend über gemacht. Ich hatte schon vor 10 Jahren ein privates Blog. Später habe ich einen Nebenjob als Redakteur bei einem Onlinemagazin bekommen und als mir die Ausrichtung davon nicht gepasst hat ein eigenes gegründet, das auch sehr stark Blog-ähnlich war (das Wort gab es es ja damals, 2003, noch gar nicht so richtig). Damals ging es um Computerspiele, irgendwann habe ich auch angefangen mein Interesse an Politik für ein Blog zu nutzen.</p>
<p><strong>Michael Andres:</strong> Welchen Aspekt nimmt das Thema Blogging heute in deinem Leben ein?<br />
<strong>Tom Schaffer:</strong> Es ist für mich einerseits ein sehr wichtiges Hobby, andererseits auch eine Plattform zum journalistischen und technischen Experimentieren &#8211; was ich ja beruflich auch brauche.</p>
<p><strong>Michael Andres:</strong> Du sprichst von einem sehr wichtigen Hobby auf der einen Seite, und von beruflichem Nutzen auf der anderen. Wie ist das bei dir so, bloggst du eher für dich selbst oder doch mehr für die Rezipienten?<br />
<strong>Tom Schaffer:</strong> Beides. Für mich ist das Bloggen ein Prozess des Lernens. Ich prüfe damit meine Meinungen, schärfe sie und nutze die Plattform als Motivation, mich mit Themen auseinander zu setzen. Andererseits ist aber auch immer ein starker aufklärerischer Gedanke dahinter, dass ich Informationen und Erklärungen jedermann zugänglich machen möchte.</p>
<p><strong>Michael Andres:</strong> Um Rezipenten zu erreichen muss man natürlich auch halbwegs interessante Themenbereiche in den Blogs wählen, welche einem selbst, aber auch anderen zusagen. Dies scheint bei vielen Bloggern meist die Politik zu sein. In meiner Arbeit habe ich mir die internationalen Technorati Studien angeschaut und diese miteinfließen lassen. Eine Technorati Studie kam dabei zu den Ergebnissen dass „Bei den Self- Employed Blogger_innen stehen Business Themen an erster Stelle, genauso wie bei den professionellen Corporate Blogger_innen. Weiters wird vor allem über Privates und Technologie gebloggt. Hobby- Blogger_innen bloggen vor allem über politische Themenbereiche.“ Auch bei meiner letzten Forschung im Bereich Weblogs, welche ich zusammen mit Michael Moser im Rahmen eines Seminars durchführte, konnten wir festhalten, dass die österreichische Blogosphäre sehr poltisch motiviert ist. Was kannst du dazu noch sagen? Über welche Themenbereiche wird aus welchen Gründen deiner Meinung nach gebloggt? Uns siehst du dich nach obiger (von Technorati bestimmten) Unterteilung eher als Hobby Blogger oder doch in einer anderen Kategorie?<br />
<strong>Tom Schaffer:</strong> Ich denke über die meisten Themengebiete wird aus Interesse gebloggt und die allermeisten Blogger sind auch Hobby-Blogger. Es ist logisch, dass populäre Themen sich leichter kommerzialisieren lassen &#8211; etwas technologische Themen. Die Web-Gemeinde hat naturgemäß eine große Anzahl an Menschen, die sich für Technik interessieren. Da ich mit meiner Arbeit auf zurPolitik nichts verdiene, muss ich es natürlich als Hobby bezeichnen. Das Ziel ist aber schon, damit irgendwann auch einmal etwas zu verdienen.</p>
<p><strong>Michael Andres:</strong> Da du an dieser Stelle ansprichst, dass du irgend wann etwas mit dem Bloggen verdienen willst, will ich an dieser Stelle zur Professionalisierung von Blogs kommen. Kann es in AT eine Professionalisierung von Weblogs geben? Wie könnte diese aussehen?<br />
<strong>Tom Schaffer: </strong>Ja, die kann es geben. Das wird allerdings noch ein bisschen dauern. Die wird genauso aussehen wie überall sonst: Die Blogs werden sich über einen Mix aus Spenden und Werbung finanzieren. Entscheidend wird hochwertiger Content sein, da das der einzige Bereich ist, in dem sich Mikromedien von großen Massenmedien abheben können.</p>
<p><strong>Michael Andres: </strong>Wie könnte dabei eine eventuelle Zusammenarbeit mit traditionellen Medien/ Unternehmen aussehen?<br />
<strong>Tom Schaffer: </strong>Große Medien können einerseits Content von Blogs kaufen, andererseits auch Besucherströme dorthin leiten. Es gibt in den USA bereits Modelle, wo Blogger kostenlos für Medien schreiben, dafür aber online den ganzen Besucherstrom abbekommen und so auch Geld über Werbung &#038; Spenden verdienen können. Es gibt auch in Europa bereits Beispiele für die andere Möglichkeit, dass Blogger dafür bezahlt werden, auf den Plattformen der Medien zu schreiben. Die FAZ macht das zum Beispiel.</p>
<p><strong>Michael Andres:</strong> Diese Beispiele sind mir bekannt. Hier wäre die Huffington Post in den USA auch zu nenne sowie &#8220;Spreeblick Deutschland&#8221;. 2005 wurde in Deutschland zudem ein Weblog Verlag gegründet um „professionellen Bloggern bei der Akquise von Werbung und Sponsoren, vor allem aber bei der Vermarktung der Texte“ zu helfen. Wären solche Optionen auch in einem Land wie Österreich mit seiner doch relativ überschaubaren Blogosphäre denkbar?<br />
<strong>Tom Schaffer:</strong> Nicht nur denkbar, sondern absolut notwendig. Blogs die von einer Person allein betreut werden, werden es sehr schwer haben mit der Kommerzialisierung. Es ist einfach zu viel Arbeit. Zusammenschlüsse oder Verbände werden dafür sicher notwendig sein.</p>
<p><strong>Michael Andres:</strong> Um wieder von der Professionalisierung wegzukommen und zurück zum Selbstversändnis österreichischer Blogger zu kommen. Eine Technorati Studie fand heraus, dass Blogger sich meist als ehrlich und subjektiv bezeichnen. Wie und inwiefern würdest du dieser Aussage zustimmen?<br />
<strong>Tom Schaffer:</strong> Ob sie sich so bezeichnen, oder ob ich das auch so sehe?</p>
<p><strong>Michael Andres:</strong> Beides. Ob du diese Aussage für allgemein gültig hälst, also ob sich Blogger wirklich zu einem großen Teil so bezeichnen.<br />
<strong>Tom Schaffer:</strong> Ich denke, dass sie sich so bezeichen. Die meisten Menschen würden sich doch so sehen. Die Frage ob sie es auch sind lässt sich nicht pauschal beantworten. Unter den Bloggern sind ganz normale Menschen die in Parteien arbeiten, Geld verdienen wollen und eigene Interesse haben. Ich denke, dass die österreichische Politikbloggerschaft ein für dieses Land nahezu vorbildhaftes Verhalten in Sachen Transparenz und Ehrlichkeit an den Tag legt, aber ich denke nicht, dass sich dieses Urteil auf jeden einzelnen Blogger ausdehnen lässt. Zudem ist das ein Urteil über jene Community, die ich verfolge</p>
<p><strong>Michael Andres: </strong>Und wie siehst du das siehst, wie weit ist es mit der Subjektivität in der österreichischen Blogosphäre her?<br />
<strong>Tom Schaffer:</strong> Subjektivität ist eine zentrales Element jedes Journalismus, und bei Blogs ganz besonders unverhüllt.</p>
<p><strong>Michael Andres:</strong> Subjektivität siehst du als Element eines jeden Journalismus? Printmedienjournalismus sollte doch stets bemüht sein ein hohes Maß an Objektivität an den Tage zu legen, meiner Meinung nach. Was dann natürlich auch Blogs von traditionellen Medien wiederum unterscheidet.<br />
<strong>Tom Schaffer:</strong> Objektivität ist Illusion im Journalismus.</p>
<p>Was ich von Journalisten (und Bloggern) erwarte, ist ein hohes Maß an Fairness und Neugierde &#8211; inwiefern das befriedigt wird, bestimmt die Qualität des Journalismus. Wie ein Mensch mit subjektiver Wahrnehmung und ihm innewohnenden Werten jemals objektiv sein soll, ist mir ein Rätsel und selbst wenn es möglich wäre, wird es im Journalismus sicher nicht verwirklicht.</p>
<p><strong>Michael Andres:</strong> Sehr nettes Zitat und interessante Ansichten. Um aber nicht zu sehr vom Thema abzuschweifen, wollen wir bei den Blogs bleiben. Siehst du dich in deinem Selbstverständnis als Blogger (oder eher als Medienmensch, Journalist oder einfach jemand der was zu sagen hat mit seiner Website, etc..)?<br />
<strong>Tom Schaffer:</strong> Ich sehe mich als Journalist und Blogger. Für mich besteht da kein prinzipieller Unterschied. Da ich auch beruflich online arbeite, sind die Elemente des Bloggens (respektvolle Interkation mit den Usern, Links zu Quellen setzen) für mich da genauso gegeben.</p>
<p><strong>Michael Andres:</strong> Um zu einem weiteren Themenaspekt der Arbeit zu kommen. Natürlich muss ich auch, wenn ich mir ein Bild der österreichischen Blogosphäre machen will und diese genauer untersuchen will, die Vernetzung innerhalb ebendieser betrachten. Die österreichische Blogosphäre ist vor allem über Social Networking vernetzt. Sei es Facebook, Twitter oder aber auch die Kommentarfunktion in den Blogs. Wenn man von so einer Bloggerszene in Österreich sprechen will, inwieweit siehst du dich darin verankert? Wie bist du also sozusagen in eine österreichische Blogosphäre integriert und hast du näheren Kontakt zu mehreren anderen Bloggern im österreichischen Raum?<br />
<strong>Tom Schaffer:</strong> Ich bin denke ich sehr gut integriert. Die Blogosphäre in Österreich ist klein und sehr stark Wien-dominiert und man trifft zu diversen Projekten und Anlässen auch immer wieder dieselben Leute. Ich kenne deshalb viele Leute persönlich und interagierte mit den meisten großen, reichweitenstarken Bloggern relativ häufig.</p>
<p>Außerdem habe ich bei Facebook und Twitter ein ziemlich großes Netzwerk, was diese Vernetzung natürlich noch enger macht.</p>
<p><strong>Michael Andres: </strong>Im Internet entstehen oft virtuelle Freundschaften. Schubert (2009: online) spricht  von einem Relationship 2.0. Inwiefern kann man bei Bloggern und ihren Usern von solchen Beziehungen sprechen? Inwiefern kann man bei Bloggern untereinander von solchen Beziehungen sprechen?<br />
<strong>Tom Schaffer:</strong> Mir ist das Schubert-Konzept nicht bekannt. Ich habe über das Bloggen einige Menschen kennengelernt, die auch zu Freunden wurden. Das prinzipielle Verhältnis zu anderen Bloggern oder auch den Usern würde ich aber eher als ganz normale Bekanntschaft beschreiben. Sofern man weiß, mit wem man es zu tun hat, wird sich immer eine Art Beziehung zwischen zwei Personen entwickeln. Beim Lesen der Meinung von Menschen entwicklen sich natürlich Sympathie und Abneigung.</p>
<p>Ich würde beim Sprechen über Web-Beziehungen keinen so großen Unterschied zu Beziehungen in er Realität sehen. Das Web überwindet die räumliche Dimension und ändert ein wenig das Kommunikationsverhalten, ändert sonst aber nicht soo viel.</p>
<p><strong>Michael Andres:</strong> Sehe ich zu einem großen Teil genauso. Was das Verhältnis Blogger/Rezipient betrifft: Was erwarten die User von den BloggerInnen? Können die BloggerInnen deiner Meinung nach diese Erwartungen erfüllen?<br />
<strong>Tom Schaffer:</strong> Ich denke, dass das sehr indiviudell ist. So wie sich schon Blogger selbst sehr unterschiedlich sehen und definieren, gibt es für User natürlich mindestens genausoviele Möglichkeiten. Ganz allgemein stellt sich aber die Frage: Warum sollte man ein Blog besuchen, das die Erwartungen nicht erfüllt? Irgendwas muss die Leute zum Besuch und Mitdiskutieren motivieren.</p>
<p><strong>Michael Andres:</strong> Was denkst du was einen guten Weblog ausmacht? Was sind deiner Meinung nach die Kriterien für einen ebensolchen? Ich habe mich bisher auf folgende festgelegt:</p>
<li>Aktualität</li>
<li>Authentizität</li>
<li>Transparenz</li>
<li>flüssiger Schreibstil der Autor_innen</li>
<li>Impressum (mit Kontaktdetails des Bloggers) </li>
<li>Texte mit Bildern unterrahmt </li>
<li>Feedbackfunktion</li>
<li>Geringes Maß an Werbung</li>
<li>Offen zugänglich/ Allen zugänglich</li>
<li>Blogroll mit nützlichen Links zu weiteren Blogs </li>
<li>aktiv betreute Kommentarfunktion</li>
<p><strong>Tom Schaffer:</strong> Das ist ein ziemlich großes Gesamtpaket</p>
<p>Natürlich muss der Content gut aufbereitet sein. Natürlich muss er auch authentisch sein und ich bin ein großer Fan von Transparenz. </p>
<p>Ganz wichtig ist es, die Kommentare nicht als Zusatz oder Beiwerk zu versehen, sondern als Teil des Prozesses des Bloggens. Wer das nicht zulässt oder betreibt, ist kein Blogger, sondern ein Prediger. </p>
<p>Aktualität ist auch wichtig, allerdings meine ich damit nicht das Dranhängen an das was eh überall steht, sondern das Treffen von wichtigen zeitgemäßen Themen &#8211; optimalerweise gerade solche, die sonst nicht so groß sind. </p>
<p>Und ohne Vernetzung, ohne das Verlinken auf andere und das Rezipieren und Kommentieren von anderen ist man meiner Meinung auch kein Blogger.</p>
<p>Ob es viel oder wenig Werbung, ein Impressum oder nicht, oder Bilder zum Schmücken gibt, spielt für mich prinzipiell keine Rolle. Das sind für mich zu formalistische Kriterien. Für mich ist die Bewertung von Blogs eine sehr stark inhaltliche Frage.</p>
<p><strong>Michael Andres:</strong>  à „Blogs werden in erster Linie von Bloggern selbst gelesen“ (Allmich 2008: online) &#8211; Inwiefern trifft diese Aussage in Bezug auf die österreichische Blogosphäre im Jahre 2010 zu?<br />
<strong>Tom Schaffer:</strong> Kann ich nicht allgemein beantworten. Es gibt natürlich gerade bei kleineren Blogs starke Überschneidungen und insgesamt eine etwas abgegrenzte Community. Aber ich merke auch bei meinen eigenen Blogs, dass die eifrigsten und auch auffälligsten Kommentierer eher solche sind, die nicht selbst bloggen. Ich mag es nicht, dass das &#8220;Blogs lesen nur Blogger&#8221;-Argument oft als Kritik geäußert wird. Das Bloggen anzufangen ist prinzipiell so einfach wie einen Brief zu schreiben. Wenn man sich dafür interessiert, hat man es sehr einfach ebenfalls einfach einzusteigen, was halt auch viele tun.</p>
<p><strong>Michael Andres: </strong>Das Blogs nur von Bloggern gelesen werden, ist auch definitv falsch wie man an meinem Beispiel sieht. Noch nie im Leben selbst gebloggt und dennoch les ich doch recht aktiv in für mich interessante Blogs mit. <img src='http://zurpolitik.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' /> </p>
<p>Wo siehst du als Blogger (und auch als Blogleser) selbst die Nutzungsmotive der Blogleser?</p>
<p>Eine an der Uni Leipzig verfasste Studie kam zum Ergebniss über die Hauptmotive: alternative Informationsquelle, Empfehlungen, Hintergrüne zu aktuellen Themen, aktuelle News und schnellerer Zugang dazu als in den klassischen Medien&#8230;<br />
<strong>Tom Schaffer:</strong> Ich halte die Suche nach interessanten Meinungen und Analysen und das Bedürfnis nach gleichberechtigter Kommunikation in einem sehr offenen Umfeld für entscheidende Motive zur Blognutzung. Auch decken Blogs natürlich manchmal besonders gut irgendwelche Interessensnischen ab. Wenn man an die Studierenden-Protestbewegung 2009 denkt, dann waren Blogs die beste und schnellste Informationsquelle und auch die, die am Nähesten dran und von Beginn an dabei waren. Hätte es die Mikromedien nicht gegeben, wer weiß ob die schlussendlich monatelangen Proteste wirklich die ersten drei Tage überstanden hätten?</p>
<p><strong>Michael Andres:</strong> Du sprichst hier auch den Einfluss von Blogs an. In welchem Maß (bzw. machen sie es überhaupt) beeinflussen Blogs die Politik, die Technik, bzw. ganz einfach unsere Gesellschaft allgemein? Hast du weitere Erfahrungen diesbezüglich?<br />
<strong>Tom Schaffer:</strong> Ich denke, dass es da im Allgemeinen sehr wenig Einfluss gibt. Allerdings schafft allein die Existenz von Blogs Möglichkeiten. Jedes Thema kann jederzeit groß werden und dann geht von Mikromedien ein potentiell enormer Druck aus. Mikromedien wie Blogs oder Twitter sind wie Ameisen. Für sich allein nicht besonders einflussreich, aber so ein wütender Ameisenschwarm kann ganz schön was bewegen &#8230; und ist schwer aufzuhalten.</p>
<p><strong>Michael Andres:</strong> Hehe, schöne Zitate wiederum. Bist du selbst parteipolitisch aktiv?<br />
<strong>Tom Schaffer: </strong>Nein. Ich bin im Zuge der Grünen Vorwahlen ein Unterstützer der Grünen geworden, weil mir diese Partei inhaltlich am Nähesten steht, aber eine Parteimitgliedschaft interessiert mich nicht. Ich bin ein politischer Mensch und habe keine Angst davor, Positionen zu beziehen, aber ich lege sehr viel Wert auf meine Eigenständigkeit und Unabhängigkeit.</p>
<p><strong>Michael Andres:</strong> Kommen wir so langsam zum Abschluss dieses gelungenen Interviews. Ein letzter Punkt wäre der Vergleich zu den USA. Wo liegen die Unterschiede zu Mainstream Blogosphären wie den USA (nur aufgrund der Überschaubarkeit Österreichs, oder gibt es auch andere Hindernisse in AT)?<br />
<strong>Tom Schaffer:</strong> Ich halte die Komunikations- und auch Blogkultur im angloamerikanischen und deutschsprachigen Raum für ziemlich unterschiedlich. Das zu untersuchen oder besser zu reflektieren habe ich bisher nicht geschafft, aber mir scheint, dass Dinge anders funktionieren.</p>
<p>Natürlich sind besonders augenfällige Unterschiede, dass Blogs in den USA schon länger ernst genommen werden, was hier gerade erst kommt. Manche Dinge, die Blogs in den USA helfen, spielen hier keine Rolle. In den USA werden Social Bookmarking-Services glaube ich stärker genutzt und tragen zur Verbreitung von Beiträgen bei. Bei uns hat das erst mit Facebook und Twitter ein bisschen Einzug gehalten. </p>
<p>Es gibt da so viele Aspekte. Manche haben erst am zweiten Blick Einfluss auf das was Blogger tun. In den USA hat jeder eine Kreditkarte und Bezahlen und Spenden übers Web fällt allein dadurch viel leichter. Hierzulande kannst du Paypal und (noch) flattr fast vergessen, weil kein Mensch eine Kreditkarte hat um diese Services sinnvoll nutzen zu können.</p>
<p>Als ich mich mit dem Sebstständigmachen rund ums Blog beschäftigt habe, ist mir aufgefallen, wie viele Steine einem in Österreich in den Weg gelegt werden, wenn man nur was probieren möchte. Das ist in den USA glaube ich viel besser, da kann man das einfach probieren. Man darf nicht vergessen, dass das zum Teil auch Gründe hat, über die wir sehr froh sind (die höhere soziale Sicherheit). Aber ich würde mir da trotzdem mehr Freiheiten wünschen.</p>
<p><strong>Michael Andres:</strong> Versuchen BloggerInnen die besseren Journalisten zu sein? Wird in der österreichischen Bloggerszene viel dem Journalismus nachgeahmt?<br />
<strong>Tom Schaffer: </strong>Viele Blogger verstehen sich explizit nicht als Journalisten. Das kann ich persönlich gar nicht so gut nachvollziehen, weil viele von ihnen meiner Ansicht nach natürlich journalistisch arbeiten. Anspruchsvolle Informationsvermittlung hat ja zwangsläufig sehr viele Ähnlichkeiten zum Journalismus. Ich glaube aber, dass die Blogger  nicht versuchen &#8220;die besseren Journalisten&#8221; zu sein, weil sie sich ja anscheinend daran nicht messen wollen. Diese Konkurrenz spielt keine so große Rolle, wie manchmal behauptet. Die Leute die mir bei dieser Frage in den Sinn kommen versuchen einfach die bestmögliche Arbeit für sich und ihre Leser abzuliefern.</p>
<p><strong>Michael Andres:</strong> Eine abschließende Frage welche die Zukunftsaussichten von Weblogs in Österreich behandelt; wie siehst du die Entwicklung der österreichischen Blogosphäre in Zukunft?<br />
<strong>Tom Schaffer:</strong> Sie wird wachsen und sich zu einem klein Teil professionalisieren, zum größten Teil allerdings so bleiben wie sie ist.</p>
<p><strong>Michael Andres: </strong>Ok, das wars dann auch. Vielen vielen Dank für das gelungene Interview wo ich wieder einige interessante Ideen und Denkanstöße finden konnte.<br />
<strong>Tom Schaffer:</strong> Bitte gerne, keine Ursache <img src='http://zurpolitik.com/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':)' class='wp-smiley' /> </p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=5535&amp;md5=ce35a96b1a4f17bdd88b1547bf1a2918" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Wie Blogger und Journalisten sich unterscheiden</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2010/07/26/wie-blogger-und-journalisten-sich-unterscheiden/</link>
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		<pubDate>Sun, 25 Jul 2010 23:32:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Schaffer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Blogs]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Podcasts]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://zurpolitik.com/?p=5495</guid>
		<description><![CDATA[In ihrer tatsächlichen Tätigkeit gleichen die beiden Gruppen sich sehr. In ihrer Herangehensweise aber nicht - Ein Strukturgebrabbel von Tom Schaffer]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Unterschiede oder Gemeinsamkeiten von BloggerInnen und JournalistInnen sind im Umbruch der Informationswelt ein häufig aufgegriffenes Thema. Vor einigen Monaten hielt ich zum Beispiel bereits an der FH Wien <a href="http://zurpolitik.com/2010/03/15/vortrag-uber-den-unterschied-zwischen-bloggerinnen-und-journalistinnen/" target="_blank">einen kleinen Vortrag zu diesem Thema</a> (mit eurer Hilfe). Es gibt Unterschiede, die ich damals noch nicht ausformuliert hatte. <span id="more-5495"></span></p>
<p></p>
<p>Ich bin sowohl Journalist als auch Blogger. Es erschien mir bisher immer etwas seltsam, den Unterschied zwischen zwei Gruppen auszumachen, denen ich beiden angehöre. Immer wieder stellten auch andere Menschen mir die Frage, was die Tätigkeiten unterscheidet. Eine besonders befriedigende Antwort fiel mir bislang nicht ein: An der Arbeit selbst gibt es nichts. Ich recherchiere immer mit allen verfügbaren Mitteln, versuche das gesammelte Datenmaterial fair zu analysieren und bin ein großer Anhänger davon, das Ergebnis dann später mit den LeserInnen zu diskutieren und die Erkenntnisse daraus weiter einzuarbeiten. </p>
<p>Letzteres haben <a href="http://www.zib21.com/3438/micrei/this-is-beta/" target="_blank">andere schon als eine blogspezifische Eigenschaft festgemacht</a>, sie fließt aber (nicht bei allen KollegInnen, aber auch nicht nur bei mir) immer mehr in den heutigen Journalismus ein. Das ist ein logischer Generationswechsel, der sich durch die neuen Technologien ergibt. Schreiben, recherchieren und berichten wird zunehmend als kommunikativer Prozess verstanden, niemand kann noch predigen. Da ich auch beruflich <a href="http://derstandard.at/" target="_blank">online</a> arbeite, kenne ich den Feedbackkanal nicht nur als journalistischer Blogger, sondern auch als Journalist.</p>
<p><strong>JournalistInnen suchen und finden Geschichten, BloggerInnen finden sie einfach nur</strong></p>
<p>Während sich bei der Ausführung Journalismus und journalistisches Bloggen also nicht mehr deutlich unterscheiden, tun sie das allerdings bei der Herangehensweise an eine Geschichte. Als angestellter Journalist gehe ich in eine Redaktionssitzung, denke mir aus, worüber ich schreiben möchte (oder muss) und beginne dann mit der Recherche. Gelingt die Geschichte nicht oder stellt sich das Konzept für eine Neuerung als unbrauchbar heraus, stehe ich ohne vorzeigbare Leistung oder mit einem schlechten Produkt da. </p>
<p>Tritt dieser Fall ein, kann es im besseren Fall nur unangenehm sein, der/dem Vorgesetzten mitzuteilen, dass die Geschichte nichts geworden ist. Im schlimmeren Fall wird in manchen Redaktionen (und besonders im Freiberufler-Bereich) der Aufwand dann auch nicht entlohnt &#8211; je nachdem wie experimentierfreudig die Geschäftsführung ist. Solche Flopps lassen sich bestimmt durch Erfahrung weitgehend vermeiden &#8211; aber man wird instinktiv auch verleitet, das Risiko überhaupt zu vermeiden und sichere Geschichten zu produzieren.</p>
<p>Als Blogger lebe ich in meiner Welt, stoße auf etwas das mich <a href="http://zurpolitik.com/2010/04/22/die-piraten-segeln-in-internationalen-gewassern/" target="_blank">interessiert</a> oder <a href="http://zurpolitik.com/2010/06/01/die-kindheit-wird-abgeholzt/" target="_blank">betrifft</a>, und entscheide dann, ob ich darüber berichten möchte. Finde ich nichts oder ist das Erlebte uninteressant, wäre es auch egal &#8230; aber ich finde immer viel einfacher etwas Interessantes.</p>
<p>Das erklärt sich aus der Logik der klassischen (besonders Nachrichten-)Redaktionen heraus. Da bist du für ein Ressort zuständig und musst es füttern. Das erlaubt nicht, einmal die <a href="http://zurpolitik.com/2010/06/02/gedanken-und-videos-zur-sturmung-des-free-gaza-schiffs/" target="_blank">politische Lage in Nahost</a> zu besprechen, ein andermal die <a href="http://zurpolitik.com/2010/07/08/die-neue-dolfus-affare/" target="_blank">Hickhackereien der österreichischen Innenpolitik</a> zu analysieren und irgendwann anders über <a href="http://zurpolitik.com/2010/05/27/das-flattrbook-gegen-murdochs-mauer/" target="_blank">das Potential von flattr</a> zu debattieren. Allein mit den im Verlauf dieses Beitrags verlinkten Geschichten von mir taucht man in ein halbes Dutzend unterschiedliche Ressorts eines Nachrichtenmediums ein &#8211; und doch stehen sie alle im selben Blog (und wenn mich Interesse an <a href="http://rebell.at/" target="_blank">Technik und Spielen</a> oder <a href="http://ballverliebt.eu/" target="_blank">Fußball</a> treibt, kann ich ja meine anderen Blogs füttern). </p>
<p>Ich finde, diese (Nicht-)Struktur entspricht eher der Realität, dass ein Mensch sich für viele Dinge interessiert und sich mit mehreren gut auskennt. Die Freiheit vom Ressort wäre im klassischen Journalismusbetrieb stärker integrierbar, aber sie ist vor allem ein Ausdruck dessen, wie sich das Bloggen vom klassischen, institutionalisierten Journalismus unterscheidet. Der Unterschied ist nicht jener zwischen einem Beruf und einem Hobby, sondern der zwischen einem impulsiven und einem verpflichtenden Ansatz &#8211; zwischen dem selbstständigen, persönlichen von BloggerInnen und dem hierarchisierten von JournalistInnen in Redaktionen. </p>
<p><small><em>Fotocredits: <a href="http://www.flickr.com/photos/hughelectronic/2247778792/sizes/l/in/photostream/">hughelectronic</a>, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC2.0-BY</a></em></small></p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=5495&amp;md5=24e586b478da0700d3e46b7982dbb769" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<series:name><![CDATA[Der neue Journalismus]]></series:name>
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		<itunes:subtitle>In ihrer tatsächlichen Tätigkeit gleichen die beiden Gruppen sich sehr. In ihrer Herangehensweise aber nicht - Ein Strukturgebrabbel von Tom Schaffer</itunes:subtitle>
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		<title>Was ist ein Qualitätsblog?</title>
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		<pubDate>Mon, 03 May 2010 20:44:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Schaffer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Andersrum]]></category>
		<category><![CDATA[Blogs]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Forum ist geöffnet.&#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Forum ist geöffnet.</p>
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		<title>Blogs und Journalismus</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2010/04/06/blogs-und-journalismus/</link>
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		<pubDate>Tue, 06 Apr 2010 15:46:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Moser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blogs]]></category>
		<category><![CDATA[Impressumspflicht]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Journalisten]]></category>
		<category><![CDATA[Medienrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Finale der Untersuchung widmen wir uns journalistischen Vorkenntnissen, medienrechtlichen Behinderungen und dem Verhältnis zwischen BloggerInnen und traditionellen Medien - Ein Endspurt von Michael Moser]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit einer kleinen Verspätung sind wir nun beim sechsten Teil der PolitikbloggerInnenstudie angelangt. Im Finale widmen wir uns den journalistischen Vorkenntnissen der BloggerInnen, deren Beurteilung rechtlicher Gegebenheiten und dem Verhältnis von BloggerInnen zum traditionellen Journalismus.<span id="more-3981"></span></p>
<p><strong>BloggerInnen sind keine JournalistInnen</strong></p>
<p>BloggerInnen sind BloggerInnen und JournalistInnen sind JournalistInnen. Diese Behauptung stellten wir im Fragebogen auf und diese Behauptung erscheint mir als richtig. Mittlerweile gibt es kaum noch Menschen, ob in der Kommunikationswissenschaft oder unter den PraktikerInnen, die versuchen BloggerInnen und JournalistInnen gleichzusetzen.</p>
<p><strong>Leidige Diskussion</strong></p>
<blockquote><p>&#8220;Blogger können Journalisten sein und Journalisten Blogger. Im Regelfall sind Blogger jedoch keine Journalisten und stellen diesen Anspruch auch nicht an sich. Die ganze (leidige) Diskussion rührt vielleicht daher, dass Journalisten durch Blogger ihr Meinungsmonopol bzw. ihre Gatekeeper-Funktion bedroht sehen.&#8221;</p></blockquote>
<p>So beschrieb eine befragte Person das Verhältnis BloggerInnen zu JournalistInnen und befindet sich damit in guter Gesellschaft. Der überwiegende Großteil der Befragten sieht starke Unterschiede zwischen Blogging und Journalismus. So sehen sie BloggerInnen etwa vorrangig als Verbreiter von Meinungen. Während in Blogs vorwiegend subjektiv argumentiert wird, steht im  Journalismus Objektivität im Vordergrund (so sollte es zumindest sein).</p>
<p><strong>Organisation vs. Privat</strong></p>
<p>Auch die Produktionsbedingungen sind kaum zu vergleichen. Während Journalismus vorrangig in Organisationen mit klarer Aufgabenverteilung stattfindet, werden Blogs hierzulande privat von Einzelpersonen (oder einer Gruppe von Einzelpersonen) betrieben. Wir halten also fest: BloggerInnen sind keine JournalistInnen.</p>
<p><strong>Journalistische Vorkenntnisse?</strong></p>
<p>Eine gewisse Verwandtschaft im schöpferischen Prozess ist jedoch kaum von der Hand zu weisen. Demnach schadet es auch nicht, wenn BloggerInnen journalistische Vorkenntnisse haben. Eine klare Schreibweise, die Fähigkeit zur kritischen Recherche oder das Wissen um rechtliche und ethische Grundlagen sind Skills, die auch BloggerInnen bei ihrer Tätigkeit positiv unterstützen und die Qualität der Inhalte steigern können.</p>
<p><strong>55 zu 45</strong></p>
<p>Das Verhältnis von BloggerInnen mit journalistischen Vorkenntnissen zu BloggerInnen ohne journalistische Vorkenntnisse zum Zeitpunkt des Beginns ihrer Tätigkeit ist mit 55% zu 45% relativ ausgeglichen. Jene BloggerInnen die laut eigener Auskunft über journalistische Vorkenntnisse am Beginn ihrer Bloggerkarriere verfügten, sehen diesen Umstand als sehr förderlich für ihr Schaffen an.</p>
<p><strong>Recherche, Recherche</strong></p>
<p>Journalistische Kenntnisse helfen &#8211; dies nannten die Befragten am häufigsten &#8211; vor allem im Prozess der Recherche und stellen ein wertvolles Rüstzeug dar um den LeserInnen gute Inhalte bieten zu können. Journalistische Vorkenntnisse sind also keineswegs Bedingung zur Führung eines &#8220;guten Blogs&#8221;, hilfreich sind sie aber allemal.</p>
<p><strong>Medienrechtliche Ungerechtigkeiten?<br />
</strong></p>
<p>Fühlen sich BloggerInnen hinsichtlich des Medienrechts und sonstiger Rechtsgrundlagen gegenüber JournalistInnen ungerecht behandelt bzw. behindern rechtliche Zwänge die BloggerInnen bei ihrer Tätigkeit? Zu meiner Überraschung verneinte der überwiegende Großteil diese Frage. Im Großen und Ganzen fühlen sich die österreichischen PolitikbloggerInnen von medienrechtlichen Vorgaben in ihrer Tätigkeit nicht behindert.</p>
<p><strong>Die Schere im Kopf</strong></p>
<p>Als Kritikpunkt wurde jedoch vorrangig die <a href="http://www.internet4jurists.at/e-commerce/impressum1a.htm">Impressumspflicht</a> genannt. Journalistinnen können sich meist hinter einem starken Verlag und deren Rechtsabteilungen &#8220;verstecken&#8221;. BloggerInnen haben diese Möglichkeiten nicht, müssen jedoch aus rechtlichen Gründen aus der Anonymität treten. Dies führe bei heiklen Themen zu einer</p>
<blockquote><p>&#8220;Schere im Kopf&#8221;</p></blockquote>
<p>wie es eine befragte Person ausdrückte &#8211; Selbstzensur.</p>
<p><strong>Medial anerkannt?</strong></p>
<p>Der Großteil der befragten BloggerInnen hat derzeit nicht den Eindruck, dass Blogs von traditionellen Medien wirklich anerkannt werden. Allerdings sehen viele der Befragten eine Tendenz in die “richtige Richtung”. Denn JournalistInnen &#8211; vor allem jene die aktiv Web 2.0-Anwendungen nutzen &#8211; greifen laut den PolitikbloggerInnen immer häufiger Themen aus österreichischen Weblogs auf. Zwei Statements wollen wir an dieser Stelle vorstellen:</p>
<blockquote><p>&#8220;Blogs werden von den klassischen Medien nicht anerkannt. Ausnahme ist da nur ATV, dort hat man erkannt, dass Blogger auch Multiplikatoren sein können. Negativbeispiel sind ORF und Falter.&#8221;</p></blockquote>
<blockquote><p>&#8220;Ich denke Blogs werden von traditionellen Medien in Österreich (noch) nicht als Konkurrenz wahrgenommen. Demgegenüber werden sie jedoch immer öfter von anderen Online- und Offlinemedien aufgegriffen. Gerade große, gemeinsame Aktionen wie die Grünen Vorwahlen schlagen in den traditionellen Medien breite Wellen.&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Das Ende?</strong></p>
<p>Damit schließen wir diese sechsteilige Serie vorerst ab. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an alle BloggerInnen, die sich durch den Fragebogen gekämpft haben. Natürlich konnten wir manche Themen im Rahmen des Projekts nur anstreifen. Aus diesem Grund wird mein Kollege, Michael Andres, im Rahmen seiner Masterarbeit weiter in die tiefen Tiefen der österreichischen Blogosphäre eintauchen. Und dazu die Ergebnisse nach Abschluß des Projekts auch mit zurPolitik.com und den LeserInnen dieses Blogs teilen.</p>
<p>Foto: <em><a href="http://www.flickr.com/photos/37244380@N00/">cogito ergo imago</a>, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de">CC2.0-BY-SA</a></em></p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=3981&amp;md5=07054dae7e8eefad389b8f0e481abbc9" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<series:name><![CDATA[Österreichische Politikblogger-Studie]]></series:name>
	</item>
		<item>
		<title>&#8220;Man müsste darüber lachen&#8221;</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2010/03/31/man-musste-daruber-lachen/</link>
		<comments>http://zurpolitik.com/2010/03/31/man-musste-daruber-lachen/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 31 Mar 2010 09:48:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Schaffer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blogs]]></category>
		<category><![CDATA[Heinz Fischer]]></category>
		<category><![CDATA[Hofburg]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Millenium Goals]]></category>
		<category><![CDATA[Nordkorea]]></category>
		<category><![CDATA[Obama]]></category>
		<category><![CDATA[Ortstafeln]]></category>

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		<description><![CDATA[Der zweite Teil unseres großen Heinz Fischer-Interviews über österreichischen Irrsinn, Nordkorea und Ortstafeln - Eine Verlängerung von Tom Schaffer, Pezi Köstinger und Georg Pichler]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im zweiten Teil unseres Interviews mit Bundespräsident Heinz Fischer sind unter anderem der österreichische Irrsinn, Freundschaft mit Nordkorea und Kärntner Ortstafeln die Themen. Außerdem verleihen wir Heinz Fischer ein Ehrenzeichen.<span id="more-3894"></span></p>
<p><em>Die Fragen stellen immer noch Tom Schaffer und Pezi Köstinger. Die Fotos sind immer noch von Georg Pichler. Die Titelfotos (Startseite und oben) sind von Andreas Wenzel und Urheberrechts-geschützt.</p>
<p>Den ersten Teil <a href="http://zurpolitik.com/2010/03/30/es-ist-kein-parteipolitisches-amt/" target="_blank">findet ihr hier</a>.</em></p>
<p><strong>Pezi: Die politische Kultur in Österreich wirkt generell etwas verwahrlost. Immer wieder gibt es Korruptionsvorwürfe, Dinge werden vertuscht oder bleiben ohne Konsequenzen, während Studierendenprotesten schafft die Regierung zum Beispiel monatelang das zuständige Ministerium ab. Ist das nicht Irrsinn, was da momentan in Österreich passiert?</strong><br />
Mit dem Wort Irrsinn müssen wir vorsichtig sein. Mein Blick auf die Dinge ist kombiniert mit der Frage: Wie steht Österreich im Vergleich mit anderen Ländern da? Und da stehen wir gar nicht so schlecht da.</p>
<p>Aber dass man einzelne Dinge kritisiert ist für die Demokratie lebensnotwendig. Eine Demokratie ohne Kritik kann nicht existieren.</p>
<p>Wenn Sie sagen &#8220;<em>die Regierung schafft für einige Monate das Wissenschaftsministerium ab</em>&#8221; &#8230; Es gab jede Minute einen rechtlich und politisch voll verantwortlichen Minister und der gesamte Apparat war ja in Existenz. Das ist die eine Seite.</p>
<p>Wo Sie recht haben: Dass ein Wissenschaftsminister der in Kürze Mitglied der EU-Kommission werden soll, auch dieser bevorstehenden Aufgabe und dem sogenannten Hearing eine gewisse Aufmerksamkeit widmen muss. Aber das ist in allen Ländern so. Österreich ist ja nicht das einzige Land, das ein Regierungsmitglied als EU-Kommissar nominiert hat.</p>
<p>Ich glaube diese beiden Seiten müssen Sie in Betracht ziehen. Jetzt gibt es wieder eine gut eingearbeitete, weil schon vorher an der Universität tätige Wissenschaftsministerin. Wir werden sehen wie es weiter geht. Ich habe kürzlich mit ihr ein langes Arbeitsgespräch geführt, werde weiter auch ein Anwalt der Universitäten sein. Ich habe eine gute Beziehung zur Hochschülerschaft und auch zu den Rektoren.</p>
<p><strong>Generell hat man den Eindruck, die Politik gerät zunehmend zum Geschäft. Es zählt nur noch, was öffentlichkeitswirksam ist. Glauben Sie noch an die Funktionsfähigkeit der Politik?</strong><br />
Politik findet auf jeden Fall statt und funktioniert auf jeden Fall. Es gibt kein Land ohne Politik. Politik ist die Beschäftigung mit den Angelegenheiten der Gesellschaft. Worauf es ankommt ist, dass möglichst viele positive Impulse einfließen, und dass Menschen politisch tätig sind, die sich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlen.</p>
<p>Ich habe gerade in diesen Tagen darüber diskutiert, dass sich die Formen der Politik ändern. Heute wird weniger Politik über die Parteien transportiert, dafür mehr über NGOs – oder über Blogger! Aber sie findet in jedem Fall statt.</p>
<p><strong>Tom: In Ihrer Auftaktrede im MAK haben Sie gesagt: &#8220;<em>Ich habe keine Angst vor Ortstafeln, auch nicht vor zweisprachigen</em>&#8220;. Ich bin kein Jurist, aber meines Wissens haben Sie ein Weisungsrecht an Bundesorgane bezüglich der Umsetzung von Verfassungsgerichtshofs-Erkenntnissen? Sie könnten anordnen Ortstafeln in Kärnten aufstellen zu lassen?</strong><br />
Nein, das ist nicht so. In der Verfassung steht, der Bundespräsident kann die Exekution von Verfassungsgerichtshofs-Urteilen anordnen, sofern dieser einen diesbezüglichen Antrag stellt. Und das hat er nicht gemacht, weil sich hier der Gegenstand der Exekution auf etwas bezieht, was mit Weisung nicht erledigt werden kann. Es gibt also die Voraussetzung für eine Weisung derzeit nicht, weil es keinen Antrag des Verfassungsgerichtshofes gibt.</p>
<p><strong>Wenn der Verfassungsgerichtshof Sie darum ersucht, könnten Sie das anordnen?</strong><br />
<em>(Fischer steht plötzlich auf und geht zu seinem Arbeitsplatz. &#8220;Jetzt holt er die Verfassung&#8221;, flüstert die Pressesprecherin lachend. Er kommt zurück und blättert.)</em></p>
<p>Ich suche es Ihnen später heraus.</p>
<p><em>(später nach dem offiziellen Ende des Interviews zeigt und erklärt er uns tatsächlich noch einmal den <a href="http://www.wienerzeitung.at/linkmap/recht/verfassung1.htm" target="_blank">Gesetzestext (Artikel 146 (2))</a>)</em></p>
<p><strong>Und würden Sie das umsetzen?</strong><br />
Wenn der Antrag gestellt wird, muss man sich damit beschäftigen. Da kann man dann nicht sagen &#8220;<em>Das freut mich nicht</em>&#8220;. Aber im Moment geht es nicht. Das braucht einen Antrag des Verfassungsgerichtshofs.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-3886" title="Heinz Fischer holt die Verfassung raus" src="http://zurpolitik.com/wp-content/uploads/heifi3.jpg" alt="" width="630" height="250" /></p>
<p><strong>Wir folgen naturgemäß im Internet Diskussionen zu Ihrer Person und dem Wahlkampf. Man kann sich zwar denken, woher das kommt, aber man stoßt immer wieder auf das Argument, dass sie als ehemaliges Präsidiumsmitglied der Gesellschaft für nordkoreanisch-österreichische Freundschaft zu wenig Abstand zur dortigen Diktatur hätten. Was war Ihre Aufgabe damals und warum haben Sie diese Funktion ausgeübt?</strong><br />
Das erkläre ich Ihnen gerne, obwohl es eine Lappalie ist, die 30 Jahre zurückliegt.</p>
<p>Österreich hat nicht zu allen Staaten diplomatische Beziehungen. Wenn wir solche aufnehmen, dann wollen wir, dass die Beziehungen funktionieren – auch wenn es ein Land ist das ganz andere politische Systeme hat. Auch zu Rumänien unter Ceauşescu oder Südafrika zur Zeit der Apartheid hatten wir diplomatische Beziehungen.</p>
<p>Anfang der 70er haben wir unter Außenminister Kirchschläger beschlossen, diplomatische Beziehungen zu China und Nordkorea aufzunehmen. Dazu wurden auch im Vereinsregister eingetragene Gesellschaften zur Förderung der Zusammenarbeit gegründet – wie vorher schon zu Dutzenden anderen Staaten.</p>
<p>Diese Gesellschaften waren auf überparteilicher Basis organisiert. In der österreich-nordkoreanischen waren <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Klecatsky" target="_blank">ÖVP-Justizminister Klecatsky</a>, die Abgeordneten Heinz-Fischer (SPÖ), Johann Gassner (ÖVP) und  und  <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hilde_Hawlicek" target="_blank">Hilde Hawlicek</a> (SPÖ, später Kulturministerin), und Leute aus der Wirtschaft, Bürgermeister und der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Holaubek" target="_blank">Polizeipräsident Holaubek</a> &#8230; Die waren völlig frei vom Verdacht mit dem kommunistischen Regime zu sympathisieren. Aber der Staat Nordkorea wurde durch diplomatische Beziehungen mit Österreich verbunden.</p>
<p>Weil &#8220;manche&#8221; darauf spekulieren, dass die Österreicherinnen und Österreicher diese Details nicht kennen, sagen sie &#8220;<em>Der Heinz Fischer macht sich verdächtig</em>&#8220;. Sie haben das nie über ÖVP-Justizminister Klecatsky oder die anderen gesagt. Das kommt aus rein parteipolitischen Gründen immer in Wahlkampfzeiten &#8211; mittlerweile schon zum fünften Mal. In Wirklichkeit müsste man darüber einfach lachen. Für mich ist das ein Beweis, dass &#8220;ihnen&#8221; sonst nichts einfallt.</p>
<p>Ich habe meine Anti-Diktatur- und Anti-Kommunismus-Haltung bei vielen Gelegenheiten bewiesen. Schon bei der ungarischen Revolution 1956 und 68 beim Prager Frühling habe ich gegen die sowjetischen Panzer demonstriert. Mich in die Nähe des Kommunismus zu rücken wird niemandem gelingen.</p>
<p><strong>Pezi: Von Nordkorea zum Wahlkampf: Die Meinungsumfragen bescheinigen Ihnen 70 bis 80 Prozent. Fühlen Sie sich da nicht schon wie der sichere Sieger?</strong><br />
Das darf man nie bei einer Wahl. Man muss die Entscheidung der Bevölkerung ernst nehmen. Die steht erst am Abend des 25. April fest. Ich weiß nicht was bis dahin passiert. Ich gehe mit Zuversicht in diese Wahl, aber das ist schon das Äußerste was ich sagen kann.</p>
<p><strong>Tom: Finden Sie es schade, dass es keine ernsthaften GegenkandidatInnen gibt (im doppelten Sinne von herausfordernd und seriös)?</strong><br />
Diese Frage dürfen Sie nicht an mich richten. Ich bin einer der Bewerber und kann mir die anderen nicht aussuchen. Ich hoffe auf eine vernünftige und seriöse Wahlbeteiligung.</p>
<p><strong>Pezi: Kritiker bezeichnen sie hart gesagt als &#8220;konturlose Schlaftablette&#8221;. Was entgegnen Sie dem?</strong><br />
Dass mich die ordentlich unterschätzen.</p>
<p><strong>Haben Sie nicht Angst, dass Frau Rosenkranz mit ihrem &#8220;Ohne Mut keine Werte&#8221;-Slogan genau solche Kritiker anspricht?</strong><br />
<em>(überlegt)</em> Die Frau Rosenkranz wird sicher manche Leute ansprechen. Wie viele das sind, was deren Position und politische Intentionen sind, wird sich herausstellen. Angst habe ich keine.</p>
<p><strong>Tom: Angesichts dessen, dass sie der einzige moderate Kandidat sind: Sind Sie enttäuscht, dass es noch keine Wahlempfehlung von den Grünen und der ÖVP gibt?</strong><br />
Von der Haltung der Grünen kann ich wirklich in keinster Weise enttäuscht sein. Die Umfragen zeigen auch, dass die Wählerschaft der Grünen eine sehr positive Einstellung zu meiner Kandidatur hat. Es wird auch noch <a href="http://www.gruene.at/fischer_nachgefragt/" target="_blank">ein Hearing mit den Grünen</a> geben, vielleicht wird die Zahl derer mit einer positiven Entscheidung sich dadurch noch vergrößern.</p>
<p>Was die ÖVP betrifft bin ich auch nicht &#8220;enttäuscht&#8221;. Ich bemühe mich um ein gutes Resultat für mich, und dass Österreich einen herzeigbaren Bundespräsidenten hat. Auf die anderen Parteien reagiere ich weder mit Enttäuschung noch Begeisterung. Jede Partei ist in einer Demokratie für sich selbst verantwortlich.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-3888" title="Fischer: &quot;Jede Partei ist in einer Demokratie für sich selbst verantwortlich.&quot;" src="http://zurpolitik.com/wp-content/uploads/heifi6.jpg" alt="Fischer: &quot;Jede Partei ist in einer Demokratie für sich selbst verantwortlich.&quot;" width="630" height="235" /></p>
<p><strong>Einige unserer LeserInnen wollten wissen: Sie sind Zeit Ihres Lebens aktiv und werden mit Ende der zweiten Amtszeit 77 sein. Haben Sie nie das Bedürfnis in Pension zu gehen? Anders gefragt: Warum tun Sie sich das noch einmal an?</strong><br />
Weil es mir Freude macht. Wenn ich mich entscheide zwischen sechs Jahren als Pensionist und sechs Jahren als jemand der für das Land das ich liebe arbeitet, nehme ich die zweite Variante.</p>
<p><strong>Pezi: Eine andere Leserfrage: Wird sich der neue Präsident Fischer vom alten unterscheiden?</strong><br />
Falls ich das Vertrauen bekommen wird es ein beträchtliches Maß an Kontinuität geben, aber man kann auch etwas dazu lernen und sich manche Kritik und Anregung zu Herzen nehmen. Man merkt ja worauf die Menschen positiv reagieren (Anständigkeit, Seriosität, Verlässlichkeit,..) und wo sie einem zu überlegen geben, etwas innovativ anzugehen.</p>
<p><strong>Tom: Als Präsident bewegen Sie sich ja auch am internationalen politischen Parkett. Was erhoffen Sie sich in Ihrem Leben realistischerweise noch für eine Veränderung in der Welt zu sehen?</strong><br />
<em>(Schaut ernst und schnauft kurz durch)</em> Ganz, ganz wichtig wäre, dass der Nahost-Konflikt einer Lösung zugeführt wird &#8211; auf Basis zweier selbstständiger und in geordneten Verhältnissen friedlich nebeneinander lebender Staaten.</p>
<p>Das Zweite wäre, dass die Europäische Union sich bewährt und mit allen Krisen fertig wird. Sie ist ein wirklich positives Projekt für Frieden und die Rolle Europas und seiner Werte in der Welt.</p>
<p>Das Dritte ist, dass der Abrüstungsgedanke … <em>(lange Pause)</em> … Erfolge erzielen kann. Dass das wofür Obama im Voraus den Friedensnobelpreis bekommen hat, auch wirklich eingelöst werden kann.</p>
<p>Ich würde noch etwas Viertes hinzufügen: Die globalen Unterschiede zwischen Reich und Arm sollen geringer werden, Fortschritte bei den <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Millennium_Development_Goals" target="_blank">Millenium Goals der Vereinten Nationen</a> wären ganz wichtig.</p>
<p>Das sind Aufgaben die natürlich über die nächsten sechs Jahre hinausreichen, aber mit denen wir uns auch in diesen sechs Jahren ernsthaft beschäftigen müssen.</p>
<p><strong>Weil Sie gerade Obama erwähnt haben, passt unsere Schlussfrage ganz gut: Würden Sie ihn bei einem Treffen bitten, dass er uns auch ein Interview gibt?</strong><br />
<em>(lacht)</em> Ich glaube, er ist schon ein Blogger, ihr müsst ihn nur überreden.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-3885" title="Heinz Fischer bekommt von zurPolitik.com das &quot;Ungoldene Ehrenzeichen für besondere Verdienste um die Blogosphäre&quot;" src="http://zurpolitik.com/wp-content/uploads/heifi4.jpg" alt="Heinz Fischer bekommt von zurPolitik.com das &quot;Ungoldene Ehrenzeichen für besondere Verdienste um die Blogosphäre&quot;" width="630" height="250" /></p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=3894&amp;md5=81f9844175aa8dd79956f4c618830590" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>&#8220;Es ist kein parteipolitisches Amt&#8221;</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2010/03/30/es-ist-kein-parteipolitisches-amt/</link>
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		<pubDate>Tue, 30 Mar 2010 07:06:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Schaffer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blogs]]></category>
		<category><![CDATA[Hein Fischer]]></category>
		<category><![CDATA[Hofburg]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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		<description><![CDATA[Der erste Teil unseres großen Heinz Fischer-Interviews über Medien, Studierendenproteste, sein Amt und Jörg Haider - Eine Weltpremiere von Tom Schaffer, Pezi Köstinger und Georg Pichler]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Montag in aller Früh. Unsere kleine zurPolitik.com-Abordnung klopfte an die Tore der Hofburg. &#8220;<em>Ist der HeiFi da?</em>&#8220;, fragten die düsteren Bloggergestalten den Polizisten am Eingangstor, &#8220;<em>Die Medienmacht begehrt mit ihm zu sprechen</em>&#8220;. Als der Portier bemerkte, mit wem er es zu tun hatte, strich er alle Termine des Präsidenten, rollte den roten Teppich aus und führte uns ins <a href="http://www.hofburg.at/show_content2.php?s2id=41" target="_blank">Maria-Theresien-Zimmer</a>. Hier, wo die Kaiserin einst schlief, hörten wir hinter der Wand Heinz Fischer noch eilig wichtige Staatsverträge unterzeichnen. Das Team der Pro 7 News ist uns auf den Fersen, die Kamera nie von den sensationellen Bloggern abgewandt. Nachdem der Präsident die unscheinbare Tür zum <a href="http://www.hofburg.at/show_content2.php?s2id=40" target="_blank">Arbeitszimmer</a> öffnete, in dem schon Josef II. gewirkt hatte, gewährte er außer für einen kurzen Moment nur uns Einlass. In den nächsten 40 Minuten hatte er bloß eines im Sinn: Die brutalen Fragen dieser Blogger zu überstehen.<span id="more-3877"></span></p>
<p><em>Das vermutlich erste Interview eines amtierenden Staatsoberhauptes mit nicht-professionellen Bloggern führten Tom Schaffer und Pezi Köstinger. Die Fotos schoss Georg Pichler. Die Titelfotos (Startseite und oben) sind von Andreas Wenzel und Urheberrechts-geschützt.</em></p>
<p><strong>Tom: Dass wir hier als Staatsoberhaupt und Blogger sitzen ist bemerkenswert. Das hat es international noch nicht so oft gegeben.</strong><br />
Heinz Fischer: Ich habe gesehen, dass Sie das <a href="http://zurpolitik.com/2010/03/26/wir-bitten-zum-interview-heinz-fischer/" target="_blank">hervorgehoben</a> haben.</p>
<p><strong>Woher kommt Ihr Interesse für so etwas?</strong><br />
Ich glaube wir haben ein gemeinsames Interesse. Sie haben ein Interesse an neuen Kommunikationsformen, und ich will Menschen erreichen, die sich für Politik interessieren – oder solche die sich noch nicht interessieren, um ihnen zu zeigen, dass Politik doch etwas Wertvolles und Vernünftiges sein kann.</p>
<p><strong>Das bringt uns auch gleich zu den alten Medien. Die Krone kampagnisiert sehr stark gegen Sie bzw. für Ihre MitbewerberInnen. Was passt dem Hans Dichand an Ihnen nicht?</strong><br />
Das müssen Sie Hans Dichand fragen.</p>
<p><strong>Wenn er uns auch ein Interview gibt.</strong> <em>(Gelächter) </em></p>
<p><img class="size-full wp-image-3880" title="zurPolitik.com zu Gast bei Heinz Fischer" src="http://zurpolitik.com/wp-content/uploads/heifi2.jpg" alt="" width="630" height="250" /></p>
<p><strong>Pezi: Wie sehen Sie generell das Verhältnis von Politik und Medien? Wer instrumentalisiert da eher wen?</strong><br />
Ich versuche das Verhältnis von Politik und Medien sehr professionell und cool zu sehen. Damit habe ich auch gute Erfahrungen gemacht.</p>
<p>Die Medien haben ihre in der Demokratie unersetzbare Aufgabe, Kommunikation zu fördern. Das muss unbedingt pluralistisch sein, es muss Meinungspluralismus herrschen.</p>
<p>Die Politik soll mit den Medien vernünftig und sachlich zusammenarbeiten. Man soll sich nicht selber den Medien ausliefern, aber auch nicht umgekehrt glauben, dass man sie wie ein Werkzeug behandeln kann. Wenn jeder seine Rolle ehrlich und fair wahrnimmt ist es am Besten für beide Seiten.</p>
<p><strong>Tom: Es gibt immer wieder Diskussionen um das Bundespräsidentenamt: Ob das noch zeitgemäß ist, ob das noch Sinn ergibt. Wie stehen Sie dazu? Ist die Trennung von Repräsentation und Exekutive im Staat eine gute Sache?</strong><br />
Für mich ist das Amt nicht dadurch bestimmt, dass man sagt, das sei die Trennung von Politik und Repräsentation. Ich gehe da anders heran. Es gibt etwa 190 Mitgliedsstaaten in den Vereinten Nationen. Alle haben ein Staatsoberhaupt.</p>
<p>Es gibt Diktaturen und Demokratien. Ich stehe auf der Seite der Demokratien.<br />
Darunter gibt es Republiken und Monarchien. Ich stehe auf Seiten der <em>(verspricht sich)</em> Monarch&#8230; Pardon! <em>(lacht)</em> der Republiken.<br />
Darunter gibt es wieder solche, wo der Präsident vom Volk gewählt wird und solche wo er zum Beispiel von einer Bundesversammlung gewählt wird. Ich stehe auf der Seite der Volkswahl.</p>
<p>Ich finde das vernünftig und demokratisch. Ein österreichischer Bundespräsident bekommt von der Verfassung eine Fülle von Rechten und Pflichten übertragen.</p>
<p><strong>Nichts desto trotz: In Österreich kommen die Präsidenten immer aus den Parteien, sind meistens Leute die sehr lange in der Politik sind und da auch klare Werte und Standpunkte vertreten haben. Dann werden sie dafür gewählt und im Endeffekt haben sie dann ein repräsentatives Amt, wo diese Werte nicht mehr so zum Vorschein kommen. Ist das nicht irgendwie absurd?</strong><br />
Eine Bundesregierung zu ernennen und eine Regierungsbildung zu managen ist nichts Repräsentatives. Nach China zu fahren, mit der dortigen Staatsführung zu verhandeln und österreichische Interessen zu vertreten ist viel mehr als nur Repräsentation. Auch die österreichischen Gesetze auf ihr verfassungsmäßiges Zustandekommen zu prüfen (und nötigenfalls <a href="http://derstandard.at/3182945?_seite=5&amp;sap=2" target="_blank">ein Gesetz an den Nationalrat zurückzuschicken</a>) ist viel mehr als nur Repräsentation. Jedes Jahr hunderte Personalentscheidungen zu fällen – Oberstaatsanwälte und Präsidenten von Gerichtshöfen zu ernennen – ist auch mehr als Repräsentation. Ich glaube, es ist ein sehr politisches, aber kein parteipolitisches Amt.</p>
<p>Und die Repräsentation soll auch nicht unterschätzt werden. Jede Bürgerin und jeder Bürger will haben, dass das Staatsoberhaupt das eigene Land im In- und Ausland so vertritt, dass man stolz sein kann und sich nicht genieren muss. Es wäre schrecklich peinlich einen Bundespräsidenten zu haben, bei dem man nicht stolz sein kann, wie die rot-weiß-rote Fahne vertreten wird.</p>
<p><strong>Pezi: In Ihrer Biographie sagen Sie, dass Sie das Amt möglichst unparteiisch und objektiv anlegen möchten. Wie schwierig ist das als Mann mit klaren Überzeugungen und Haltungen?</strong><br />
Objektivität steht ja nicht im Gegensatz zu bestimmten Haltungen und Werten. Wenn ich einen Personalakt vorgelegt bekomme, wo der Beste an erster, der Zweitbeste an zweiter und der Drittbeste an dritter Stelle steht, werde ich als objektiv Entscheidender natürlich den Besten nehmen. Das ist Ausdruck einer über den Parteien stehenden Wertung und widerspricht nicht sondern entspricht meinen Werten. Denn dazu gehören Gerechtigkeit, Fairness, demokratische Kultur und Einhaltung der Verfassung ganz besonders. Also ich habe kein Problem Objektivität und Grundwerten auf einen Nenner zu bringen.</p>
<p><strong>Tom: Wenn man sagt, dass das ein repräsentatives und unpolitisches Amt ist, dann eher deshalb, weil es wenig in der Tagespolitik in Erscheinung tritt. Es gibt Themen, die die Parteilandschaft spalten, zum Beispiel die Studierendenproteste. Erlaubt das Amt, dass man sich da zu Wort meldet? Und wenn ja, warum ist zum Beispiel dieses Thema in Ihrer Neujahrsrede nicht vorgekommen?</strong><br />
Ich glaube, dass vor allem junge Menschen eine Sehnsucht haben, dass der Begriff &#8220;politisch&#8221; nicht immer als &#8220;parteipolitisch&#8221; missverstanden wird. Die Demokratie braucht Parteien, das steht außer Zweifel. Aber ebenso braucht sie die Fähigkeit zu einer grundsätzlichen Haltung die nicht nur von parteipolitischen Interessen geprägt ist.</p>
<p>Sie haben schon Recht, dass der Bundespräsident in erster Linie zu Fragen Stellung nehmen wird, die von staatspolitischer Relevanz sind (Verfassung, Außenpolitik, Neutralität, Menschenrechte und so weiter).</p>
<p>Aber auch zu den Fragen der Studentenproteste habe ich mich nicht verschwiegen. Ich bin unlängst <a href="http://heifi2010.at/2010/03/18/taras-borodajkewycz-rechtfertigte-sich-mit-freier-meinungsauserung/" target="_blank">bei einer großen Studentenversammlung</a> gewesen. Ich habe dort gesagt: &#8220;<em>Ich war ein sehr aktiver Studentenfunktionär während meiner Hochschulzeit, und natürlich wäre ich damals – und heute wenn ich noch entsprechend jünger wäre – auf Seite der Studenten gestanden</em>&#8220;.</p>
<p>Das heißt nicht, dass die in allem recht haben. Aber dass die Studierenden das Recht haben, sich zu artikulieren, dafür muss jeder Verständnis haben, der sich hinein versetzen kann in die gar nicht so einfache Lage der Studierenden von heute.</p>
<p><strong>Pezi: Sie sehen es also nicht als Ihre Aufgabe, auf Themen draufzudrücken, über die sich die Politik weigert zu diskutieren?</strong><br />
Meine Aufgabe ist nicht in der Tagespolitik bei einer Parlamentssitzung zu sagen &#8220;<em>Die Partei A hat recht und die Partei B ist eine böse Partei</em>&#8220;. Aber natürlich können auch Grundsatzthemen Themen der Tagespolitik sein &#8211; und dann muss man dazu Stellung nehmen. Das tue ich auch &#8211; im Bemühen die besondere Rolle des Bundespräsidenten nicht aus den Augen zu verlieren.</p>
<p>Der Bundespräsident ist das von allen Österreicherinnen und Österreichern mit absoluter Mehrheit gewählte Staatsoberhaupt. Daraus ergeben sich gewisse Aufgaben, die auch Rudolf Kirchschläger, den ich sehr geschätzt habe, und andere Präsidenten wahrgenommen haben. Ich bin kein parteiischer Präsident.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-3884" title="Heinz Fischer im Interview mit zurPolitik.com" src="http://zurpolitik.com/wp-content/uploads/heifi5.jpg" alt="" width="630" height="235" /></p>
<p><strong>Tom: Im Gegensatz zu unserer Kritik hat Jörg Haider Sie &#8211; am Anfang Ihrer Amtszeit &#8211; der &#8220;sozialistischen Parteipolitik&#8221; bezichtigt. Das hat möglicherweise damit zu tun, dass Sie sich am Anfang eher häufiger zu solchen Themen geäußert haben. Wie kommt das?</strong><br />
Das hat nichts mit meiner Tätigkeit zu tun, sondern das hat mit Jörg Haider zu tun.</p>
<p><strong>Das Gefühl, dass Sie sich am Anfang Ihrer Tätigkeit öfter geäußert haben, ist mir allerdings auch gekommen. Da ist nichts dran?</strong><br />
Da ist nichts dran &#8211; gerade weil ich mein Amt sehr vorsichtig angegangen bin. Im Laufe der Jahre habe ich an Sicherheit gewonnen. Das können Sie auch an den Interviews die ich in den letzten Monaten gegeben habe feststellen.</p>
<p><em>Im <a href="http://zurpolitik.com/2010/03/31/man-musste-daruber-lachen/">zweiten Teil des Interviews</a> geht es um Heinz Fischers Verhältnis zu Nordkorea, zweisprachige Ortstafeln, die Millenium Goals und Barack Obama. Außerdem verleihen wir ihm ein Ehrenabzeichen.</em></p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=3877&amp;md5=5c217ccb3634cab88b0c9a3a3e3aeee8" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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