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	<title>zurPolitik.com &#187; Medien</title>
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	<itunes:subtitle>Geschichten zum Zeitgeschehen aus Politik, Medien und Gesellschaft.</itunes:subtitle>
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		<title>Parkgebühren sinken, Autofahrer schäumen</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2012/02/08/parkgebuhren-sinken-autofahrer-schaumen/</link>
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		<pubDate>Wed, 08 Feb 2012 13:51:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Schaffer</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Öffentlicher Verkehr]]></category>
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		<description><![CDATA[In Wien hat sich 2011 Erstaunliches ergeben. Von den 69 Millionen Euro, die die Stadt über die Parkraumbewirtschaftung eingenommen hat, gab sie 95 Prozent nicht für das Auto aus. &#8220;Autofahrer-Abzocke&#8221; betitelt &#8220;Österreich&#8221; diese Zahlen, um keinen Zweifel daran zu lassen,&#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In Wien hat sich 2011 Erstaunliches ergeben. Von den 69 Millionen Euro, die die Stadt über die Parkraumbewirtschaftung eingenommen hat, gab sie 95 Prozent nicht für das Auto aus. &#8220;Autofahrer-Abzocke&#8221; betitelt &#8220;Österreich&#8221; diese Zahlen, um keinen Zweifel daran zu lassen, was es davon hält.</p>
<p><center><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/uploads/oesterreich.jpg" alt="Österreich über Ausgaben der Parkgebühreneinnahmen in Wien" title="Österreich über Ausgaben der Parkgebühreneinnahmen in Wien" width="413" height="198" class="aligncenter size-full wp-image-9782" /><br />
<small>Quelle der ÖSTERREICH-Grafik laut ÖSTERREICH: &#8220;Verwendung Einnahmen Parkometerabgabe&#8221;</small></center></p>
<p>Bei Betrachtung aller Fakten tut man sich schwer, diese Umschichtung der Mittel vom Auto auf den öffentlichen Verkehr als eine logische und legitime Folge des Regierungseintritts der Grünen zu interpretieren. Noch dazu wurde dafür nicht einmal ein Gesetz verändert, sondern einfach bestehender Spielraum ausgenützt. &#8220;Österreich&#8221; deutet diese Umschichtung allerdings so, dass die rot-grüne Regierung in Wien davon abgerückt ist, die Gebühren &#8220;wie ursprünglich zweckgebunden vereinbart&#8221; zu verwenden. In Wahrheit zwingt die Verordnung (2006 erlassen) absolut nicht dazu, diese Einnahmen für Auto-bezogene Projekte zu verwenden. Ordnungspolitische Maßnahmen sind sogar ausdrücklich vorgesehen.<span id="more-9781"></span></p>
<blockquote><p>&#8220;Der Nettoertrag der Parkometerabgabe ist für Maßnahmen zu verwenden, die der Erleichterung des innerstädtischen Verkehrs dienen. Darunter sind vor allem Maßnahmen zu verstehen, die den Bau von Garagen fördern, die der Verbesserung von Einrichtungen des öffentlichen Personennah- und Regionalverkehrs dienen, oder solche, die zu einer Funktionsaufteilung zwischen Individual- und Massenverkehr führen.&#8221; (<a href="http://www.wien.gv.at/recht/landesrecht-wien/rechtsvorschriften/html/f4200400.htm" target="_blank">§7 der Wiener Parkometerabgabeverordnung</a>)</p></blockquote>
<p>Auf Facebook kann man seit diesem Bericht die aufrechtesten unter den AutofahrerInnen beim Schäumen beobachten. &#8220;Das schlägt dem Fass den Boden aus&#8221;, <a href="https://www.facebook.com/photo.php?fbid=181577231946837&#038;set=a.140343702736857.23306.139950776109483&#038;type=1&#038;theater" target="_blank">geifern sie</a> und einzelne fordern: &#8220;Diese Hurenparteien gehören verboten&#8221;. Sie schimpfen über &#8220;die Griechin&#8221;, und kommentieren in derselben Gruppe den Anstieg des Benzinpreises mit &#8220;Scheiss Grüne&#8221;. </p>
<p>Ja, (diese) Autofahrer fühlen sich als &#8220;Melkkühe der Nation&#8221; und diese Zahlen, die seien ja nur das nächste Beispiel davon. Freilich ist es ihnen keinen Aufschrei wert, dass die Gebühren für die Parkpickerl <a href="http://www.wien.gv.at/verkehr-stadtentwicklung/auto/parkometerabgabe-neu.html" target="_blank">ab März um 11 Prozent sinken</a>. (Mir wäre nicht bekannt, dass im Gegenzug 11 Prozent der Parkplätze in Wien vernichtet werden.) Die Parkgebühr macht für AutofahrerInnen aus Wien dann nur noch zwischen 0 und 14€ im Monat aus. Das ist weniger als ein &#8220;Österreich&#8221;-Abo kostet.</p>
<p>Und die Reaktionen, die &#8220;Österreich&#8221; dazu einholt? Abgedruckt sind ausschließlich die von den Oppositionsparteien. Die ÖVP will schlicht wieder mehr Garagen bauen, die FPÖ nutzt die ihr gebotene Plattform um über was anderes zu reden. Sie möchte den RadfahrerInnen wieder mal eine kostenpflichtige Nummerntafel vorschreiben. Was das damit zu tun hat? Weiß man nicht genau, denn die thematisierte Umschichtung hat mit dem Radverkehr wenig zu tun. <a href="chorherr.twoday.net" target="_blank">Christoph Chorherr</a> von den Grünen hat auf unsere Nachfrage <a href="https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10150524147111456&#038;set=a.273923241455.153948.199795771455&#038;type=1" target="_blank">auf unserer Facebook-Seite reagiert</a>: &#8220;Bisher wurden mit den Einnahmen einerseits die sogenannten Volksgaragen mitfinanziert, andererseits die Wiener Linien. Da 2011 keine neue Volksgarage errichtet wurde, floss der Großteil der Mittel Richtung Wiener Linien (v.a. Ankauf neuer U-Bahngarnituren). Kaum mehr Mittel flossen aus diesem Budgetposten in den Radverkehr&#8221;. Bei den Grünen ist man mit der Entwicklung unter diesen neuen Wiener Verkehrspolitik zufrieden: &#8220;Die tatsächliche Entwicklung der Verkehrszahlen gibt uns recht (Autoverkehr nimmt tatsächlich ab, Jahreskartenverkauf boomt)&#8221;.</p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=9781&amp;md5=8a4e6e7350dab07b20a743beeaa98223" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Suchbildrätsel für FOX-Seher</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2011/12/14/suchbildratsel-fur-fox-seher/</link>
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		<pubDate>Tue, 13 Dec 2011 23:51:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Pichler</dc:creator>
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		<description><![CDATA[FOX News, der wohl nicht ganz zu Unrecht dem republikanisch-konservativen Lager zugerechente US-Nachrichtensender, hat sich jüngst mit den Arbeitslosenzahlen unter Präsident Obama beschäftigt. Und weil Diagramme bekanntlich mehr sagen als tausend Worte, wurde natürlich auch eines geliefert. Wer findet die&#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>FOX News, der wohl nicht ganz zu Unrecht dem republikanisch-konservativen Lager zugerechente US-Nachrichtensender, hat sich jüngst mit den Arbeitslosenzahlen unter Präsident Obama beschäftigt. Und weil Diagramme bekanntlich mehr sagen als tausend Worte, wurde natürlich auch eines geliefert. Wer findet die Fehler?</p>
<p>(Hinweis: Es sind mindestens drei Stück.)</p>
<p><img class="size-full wp-image-9626 alignnone" title="Arbeitslosenstatistik USA via FOX News" src="http://zurpolitik.com/wp-content/uploads/foxvsobama.png" alt="" width="500" height="302" /></p>
<p>Und hier die große Auflösung:<span id="more-9625"></span></p>
<p>1) Das wahrscheinlich auffälligste Problem. Irgendwie will die letzte Zahl der Diagrammlinie nicht so recht mit der Zahl korrelieren. 8,6% auf Höhe von 9,0%? Das ist schon ziemlich frech, muss man sagen. Ein Tippfehler ist es definitiv nicht, denn laut der angegebenen Quelle, dem Bureau of Labor Statistics lag die Arbeitslosenquote vor einem Monat<a href="http://www.bls.gov/news.release/empsit.nr0.htm" target="_blank"> tatsächlich bei 8,6%</a>. Die Credits für die Entdeckung dieses &#8220;Flaws&#8221; gehen übrigens an <a href="http://front.moveon.org/fox-news-hoped-you-wouldnt-notice-this/?rc=fb.fan" target="_blank">MoveOn.org</a>, wo ich erst auf diesen Screenshot gestoßen bin.</p>
<p>2) Die muntere Fehlersuche geht weiter. Auch ein Abfall der Arbeitslosenquote um einen Zehntelprozent sieht auf dieser Grafik nicht immer gleich aus. Schön zu sehen bereits ganz am Anfang der Linie. Auf welcher Hilfslinie sich die jeweiligen Skalaschritte sich tatsächlich befinden, ist nicht ganz klar.</p>
<p>3) Das Verhältnis zwischen der Skala auf der Y-Achse und der Diagrammlinie ist, um es höflich zu formulieren, ausgesprochen seltsam. Nicht ausgenommen davon ist der Winkel der Steigungen. Führt man etwa die Anhebung von 9,1% auf 9,2% fort um festzustellen, wo die Linie endet, wenn sie 9,5% anzeigen sollte, landet man in jedem Fall darüber. Je nach Höflichkeit der Skalenauslegung nämlich bei etwas über 9,75% oder gar knapp über 10%.<br />
<img class="size-full wp-image-9629 alignnone" title="FOX vs Obama: Arbeitslosigkeit" src="http://zurpolitik.com/wp-content/uploads/foxvsobama11.png" alt="" width="500" height="302" /></p>
<p>Mit dem Fund weiterer Fehler ist zu rechnen, es wäre aber ohnehin nicht das erste Mal, dass FOX dramatisch an der <a href="http://www.google.at/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=fox%20news%20fail%20statistics&amp;source=web&amp;cd=2&amp;ved=0CCcQFjAB&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.funnyordie.com%2Fslideshows%2F7dffb13ac4%2Fthe-funniest-fox-news-fails&amp;ei=--LnTrfHA86UOtzz0bQK&amp;usg=AFQjCNEmM0WRw8i3RCYjslcCjnrrkhdY7A&amp;cad=rja" target="_blank">Erstellung von statistischen Visualisierungen und ähnlichem scheitert</a>. Und die passende Statistik zu diesem Faktum liefert <a href="http://articles.nydailynews.com/2011-11-22/news/30431182_1_fox-news-results-show-viewers" target="_blank">eine Studie der Fairleigh Dickinson University</a>. Dort fand man heraus, dass FOX News-Zuseher schlechter informiert sind als Mitbürger, die gänzlich auf den Konsum von Nachrichtensendungen verzichten.</p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=9625&amp;md5=aece6130b9f41e65e977d8787022449e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Ihr seid gefragt: Medienkonsum im Online-Zeitalter</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2011/09/21/medienkonsum-im-zeitalter-des-internets/</link>
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		<pubDate>Wed, 21 Sep 2011 17:29:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Sator</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich lese täglich in mehr als zehn Zeitungen. Und bezahle für all das nichts. Ich kämpfe oft mit meinem Gewissen. Denn das System kann so nicht funktionieren. Die Gratismentalität zerstört den Qualitätsjournalismus. Und je länger der Status quo anhält, desto&#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich lese täglich in mehr als zehn Zeitungen. Und bezahle für all das nichts. Ich kämpfe oft mit meinem Gewissen. Denn das System kann so nicht funktionieren. Die Gratismentalität zerstört den Qualitätsjournalismus. Und je länger der Status quo anhält, desto mehr Menschen gewöhnen sich daran, für Informationen nichts zu bezahlen. Und diese Entwicklung halte ich für eine gefährliche.</p>
<p>Wie seht ihr die Thematik? Wie konsumiert ihr Medien im Internetzeitalter? Welche Entwicklungen seht ihr auf uns zukommen? Wie lange werden wir noch die Printartikel von morgen früh am Vorabend gratis lesen können?</p>
<p>Ihr seid am Zug.</p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=9388&amp;md5=29f01749d684c5db660ac3661060d923" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>&#8220;Österreich&#8221;: Hunger verkauft Zeitung</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2011/08/15/osterreich-hunger-verkauft-zeitung/</link>
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		<pubDate>Mon, 15 Aug 2011 13:36:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Pichler</dc:creator>
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		<category><![CDATA[fellner]]></category>
		<category><![CDATA[Hunger]]></category>
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		<description><![CDATA[<a href="http://www.oe24.at/welt/Das-Wunder-von-Afrika/37316860" target="_blank">„Das Wunder von Afrika&#8230;</a>“ prangt groß unter den Aufmachergeschichten von oe24.at, dem Onlineportal der Tageszeitung &#8220;Österreich&#8221;. Schwer emotional wird die Geschichte des sieben Monate alten Minhaj geschildert, der von seiner Mutter gegen widrigste Umstände in ein kenianisches Flüchtlingslager gebracht]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.oe24.at/welt/Das-Wunder-von-Afrika/37316860" target="_blank">„Das Wunder von Afrika</a>“ prangt groß unter den Aufmachergeschichten von oe24.at, dem Onlineportal der Tageszeitung &#8220;Österreich&#8221;. Schwer emotional wird die Geschichte des sieben Monate alten Minhaj geschildert, der von seiner Mutter gegen widrigste Umstände in ein kenianisches Flüchtlingslager gebracht wurde. Er gibt, so der Artikel, der Hungerkatastrophe nun ein Gesicht.</p>
<p>Und das tut er auch im Artikel, sind doch drei Fotos von Minhajs eigens in einer Bildergalerie eingebunden. Seine Schwester hat den langen Marsch nicht überlebt, er selbst soll mittlerweile auf dem Weg der Besserung sein. Der Artikel schließt mit einer UNO-Statistik, die in Ziffern fasst, was kaum in Worte passen mag. <span id="more-9255"></span></p>
<blockquote><p> <strong>„ÖSTERREICH hat deshalb mit Caritas und Nachbar in Not eine Spendenaktion gestartet.</strong></p>
<p><strong>HEUTE IN ÖSTERREICH: DER ERLAGSCHEIN FÜR IHRE AFRIKA SPENDE! HEUTE ÖSTERREICH KAUFEN UND WAS GUTES TUEN [sic!]. BITTE SPENDEN SIE.“</strong></p></blockquote>
<p>Dieser aus der Printausgabe übernommene Artikel ging heute morgen online. Ergänzt ist er um die zitierten zwei Zeilen in durchgehender Großschrift. Es ist ein Aufruf, die Papierversion von &#8220;Österreich&#8221; zu erwerben, weil dort ein Spendenerlagschein beigelegt ist.</p>
<h2><strong>Das instrumentalisierte Hungeropfer</strong></h2>
<p>Interessant ist, dass sowohl auf der Caritas-Webseite als auch am Auftritt von &#8220;Nachbar in Not&#8221; nur der ORF als Partner genannt wird. Weit und breit kein Wort jener Zeitung, die mit ihren Worten suggeriert, die Initiative wäre von ihr ausgegangen. Ich schließe eine Zusammenarbeit trotzdem nicht aus, womöglich offenbart die Printausgabe mehr.</p>
<p>Geradezu pervers ist jedoch der Kauf-Aufruf für selbige, für welchen der Erlagschein ganz offen als Anreiz herangezogen wird. Kein Wort darüber, ob ein Teil des Erlöses aus dem Zeitungsverkauf aufs Spendenkonto wandert, obwohl man mit dem Erwerb etwas &#8220;Gutes tun&#8221; soll. Man hätte den Zahlschein auch einfach als PDF zum Download anbieten können. Oder – noch einfacher – auf die Möglichkeit des <a href="http://nachbarinnot.orf.at/" target="_blank">Online-, Telefon- oder SMS-Spendens</a> verweisen können, die &#8220;Nachbar in Not&#8221; anbietet. Der gute Zweck wäre leicht erfüllbar gewesen.</p>
<p>Doch &#8220;Österreich&#8221; geht mit Minhaj lieber auf Käufer- statt auf Spendenjagd. Der Hunger in Ostafrika wird zum Mittel der Auflagensteigerung, weit über das hinaus, was wir von reißerischen Schlagzeilen und dramatischen Bilder bereits gewohnt sind.</p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=9255&amp;md5=4bba758ee85c831181bc6da437943759" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Oslo und das System des schnellen Bauchgefühls</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2011/07/23/bauchgefuhl-experten-publikum-und-system/</link>
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		<pubDate>Sat, 23 Jul 2011 13:10:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Schaffer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Oslo]]></category>
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		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>
		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Anschläge von Oslo haben das Mediensystem schwer überfordert, das schon früh die falschen Schuldigen gefunden hatte. - Eine Anmerkung von Tom Schaffer]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Noch bevor am Freitag in Oslo klar war, ob die Explosion in der Innenstadt eine Gasexplosion oder ein Terroranschlag war, fiel auf diversen Nachrichtenstationen bereits unzählige Male das Schlagwort &#8220;Al Qaida&#8221;. Auf CNN und in der BBC waren dutzende dahin tendierende Terrorexperten am Wort (von deutschsprachigen Medien fangen wir hier gleich gar nicht erst an) und in Onlineforen jubelten nicht nur Jihadisten über die westlichen Toten sondern geiferten auch bereits die Rechtsextremen über die verabscheuten Moslems. <span id="more-9116"></span></p>
<p>Ich habe gestern nach Bekanntwerden des ersten Anschlages einen <a href="https://www.facebook.com/zurpolitik/posts/10150247052081456" target="_blank">&#8220;Live-Ticker&#8221; auf Facebook</a> gestartet, wo ich nur über das berichten wollte, was mir gesichert schien. Im Laufe des gesamten Nachmittags und Abends gelang es mir, 30 Updates zu posten &#8211; viele davon waren redundant, andere beinhalteten auch nur Hinweise auf unwichtige Details, wie den Explosionsradius oder frühe Bodycounts. Obwohl man als interessierter Medienkonsument mit Analysen, Videos und Bildern zugedröhnt wurde, war die tatsächliche Nachrichtenlage also extrem dünn. Stundenlang wurde selbst über ganz grundlegende Fakten gerätselt: Gab es eine oder zwei Explosionen? </p>
<h2>Armes Fernsehen</h2>
<p>Es muss also schon ein harter Job sein, für das Nachrichtenfernsehen zu arbeiten. Wann immer auf der Welt etwas Schlimmes passiert, muss man nicht nur Informationen sammeln, sondern auch Bildmaterial finden um es zu illustrieren. Eine lesende Nachrichtensprecherin ist kein aufrechterhaltbares Programm. Und wenn man diese Aufgabe schafft, hat man immer noch 59 Sendeminuten pro Stunde, in denen nichts neues gezeigt werden kann. Den &#8220;<em>Mut zur Lücke</em>&#8220;, <a href="http://blogs.taz.de/arabesken/2011/07/23/plaedoyer_zur_abschaffung_des_berufstand_des_terrorexperten_selten_lagen_so_viele_so_schnell_auf_dem_holzweg/" target="_blank">wie Karim El-Gawhary das fordert</a> (wobei ich es nicht auf den Qualitätsjournalismus beschränken würde), erlaubt sich im Prinzip niemand. </p>
<p>Und so durften &#8211; selbst als die Anschläge als gezielt gegen Regierung und Sozialdemokraten erkennbar waren, und von zumindest einem 1,90 Meter großen blonden Angreifer die Rede war &#8211; immer noch diverse Tunnelblick-Terrorexperten ihre Schnellschuss-Al Qaida-Theorien verbreiten. Diese können ja schon aus Zeitgründen auf nichts anderem als purem Bauchgefühl basieren. Mit diesen Experten kann man viele Minuten füllen.</p>
<h2>Betriebsblinde Experten</h2>
<p>Diese Theorien sind ja mittlerweile so umfassend, dass sich eh alles damit vereinbaren lässt. Anschläge auf große Symbole des Westens? Ein Erfolg für die Al Qaida, die unsere Gesellschaften hasst. Anschläge auf die Regierungen? Die Al Qaida mag deren Nahostpolitik nicht. Anschläge auf Infrastruktur? Die Al Qaida mag unseren Lifestyle nicht und will uns verängstigen. Anschläge mit heftigen Bomben? Das kann nur die Al Qaida bewältigen. Anschläge mit Handfeuerwaffen? Die neue Strategie der Al Qaida. Anschläge auf Zeltlager von norwegischen Jungsozialdemokraten? Nur weil die keine aggressive Außenpolitik wollen, sind sie vor der Al Qaida auch nicht sicher. Anschläge von blonden Hünen? Die Al Qaida rekrutiert mittlerweile eh alle. </p>
<p>Es geht einfach alles. Dass Leute, die sich professionell nur mit so etwas beschäftigen, dann auch überall das passende Muster erkennen, ist keineswegs überraschend.</p>
<h2>Nachher ist es einfach</h2>
<p>Es klingt und ist im Nachhinein einfach, das zu sagen. Aber <em>spätestens</em> als die Verbindung zwischen der Schießerei und der Bombenexplosion klar wurde, hätten Forscher und Experten aber auch erfahrene Journalisten die Distanz zur Materie haben müssen, um sich zumindest an die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bombenanschlag_auf_das_Murrah_Federal_Building_in_Oklahoma_City" target="_blank">Anschläge von Oklahoma City</a> zu erinnern. Das gehört zur Expertise dazu, dass man sich Möglichkeiten offen hält, auch wenn man <a href="http://www.theatlantic.com/international/archive/2010/07/why-does-al-qaeda-have-a-problem-with-norway/59649/" target="_blank">vielleicht Gründe hat, etwas Bestimmtes zu ahnen</a>.</p>
<p>Mit dem Ausbleiben dieser Distanz in der Berichterstattung der Livemedien verselbstständigt sich etwas. Weil natürlich auch alle anderen Medien (und auch die Protagonisten der sozialen Medien &#8211; also jeder) am Bildschirm von BBC, CNN und Al Jazeera hängen und davon beeinflusst werden. Michi Vosatka &#8211; mein Kollege bei derStandard.at &#8211; beschreibt, wie man als diensthabender Journalist in einer Redaktion <a href="http://derstandard.at/1310511975907/Terror-in-Norwegen-Der-Moslem-wars" target="_blank">zu schnellen Urteilen gedrängt wird</a>: &#8220;<em>Im Journalistenalltag entzieht man sich nicht leicht solchen Mechanismen: alle melden, dass es so ist, also muss nachgezogen werden</em>&#8220;. </p>
<h2>Der Druck</h2>
<p>Speed ist Trumpf. Der Sender mit den ersten Livebildern wird eingeschaltet. Der erste Livestream im Web ist jener, der sich in sozialen Netzwerken verbreitet. Wer online zu spät meldet, taucht nicht mehr auf Google News auf. Wer im Printbereich den Redaktionsschluss verpasst, hat am nächsten Tag das größte Thema nicht drinnen. Trotzdem ist manches von diesem Druck auch selbst gemacht. Es ist schlicht nicht nötig, Minuten nach einem Ereignis schone eine Prophezeiung seiner <a href="http://www.bbc.co.uk/news/world-europe-14256438" target="_blank">gesellschaftshistorischen Bedeutung</a> parat zu haben. Wenn das in Ausnahmefällen möglich ist, weil die Fakten schnell klar oder besondere Einsichten vorhanden sind, schön. Aber es ist Unsinn, das als Anforderung an das aktuelle Nachrichtengeschehen zu stellen.</p>
<p>Eine Blankoscheck-Ausrede für einzelne JournalistInnen kann dieser Druck aber nicht sein. Kollege Vosatka belegt gleichzeitig auch, dass man sich dem entziehen kann. Dazu muss die Redaktion aber den Mut haben, sich im ungünstigsten Fall einem User-Shitstorm auszusetzen (und natürlich dürfen dort auch keine Leute sitzen, die sich mit Freude an den Vorurteilen beteiligen). Dort wo das nicht gelungen ist, müssen Strukturen überdacht werden. Und die neuen müssen gut sein, denn der Druck der Geschwindigkeit ist enorm. </p>
<h2>Kein Lohn für das richtige Verhalten</h2>
<p>Im aktuellen Fall, hätte niemand jene Medien gewürdigt, die ihre Aufgabe gewissenhaft erledigt haben, wenn die Al Qaida-Theorie am Schluss doch aufgegangen wäre. Viele hätten sogar wüst darüber geschimpft. Man sieht sie förmlich vor sich, die Klagen über die angebliche politische Korrektheit, mit der &#8220;das System&#8221; dem Volk die Fakten zu verschweigen versucht. Die Entscheidung für die saubere journalistische Ethik, auf die Fakten zu warten und keine schnellen Urteile zu fällen (also auch nicht schon früh den gegenteiligen Standpunkt einnehmen und zu hoffen, dass man DAMIT richtig liegt), ist eine die viel von einzelnen JournalistInnen verlangt ist, denn sie verspricht kaum Lob und Lohn, birgt aber ein großes Risiko.</p>
<p>Das merkt man selbst an von kommerziellen Interessen befreiten Blogs wie diesem. Erste Gedanken zu einem Beitrag über das Thema hatte ich schon gestern, ich musste mich dazu zwingen, noch einmal darüber zu schlafen. Das ist eine manchmal schwer fallende Entscheidung für die Qualität und gegen die Reichweite. Man kann auf diese Weise (meistens) nicht mehr der Erste sein, der einen Gedanken ausdrückt. Wer nicht der Erste ist, wird auch deutlich weniger gelesen. Und wer behauptet, gar keinen Lohn &#8211; also etwa in Form von Geld, Aufmerksamkeit, Einfluss oder schlichter Anerkennung &#8211; für sein Tun zu wollen, gehört wahrscheinlich insgeheim zu einer anderen Spezies. </p>
<h2>Und das bringt mich zu uns</h2>
<blockquote><p>&#8220;Übrigens, Ihr Rezipienten, Ihr seid auch Mitschuld. Mit Eurem ewigen Herbeisehnen des Echtzeiterlebnisses, mit Eurer Gier nach Spekulationen&#8221; (<a href="http://twitter.com/#!/RafaelBuchegger/statuses/94701730570309632" target="_blank">Raphael Buchegger</a>)</p></blockquote>
<p>All das zu berücksichtigen, sollte davor bewahren, die MacherInnen klassischer Medien zu verurteilen und sich auf ein Podest über sie zu stellen. Auch Social Media und Mikromedien &#8211; so sehr sie mich oft auch begeistern &#8211; unterliegen denselben Mechanismen: der Belohnung von Aktualität und Emotionalisierung. </p>
<p>Und das liegt schlussendlich an den KonsumentInnen. Dass die ihren gewichtigen Anteil am Problem haben, kann niemand bestreiten. Deshalb ist es auch richtig, von einem Medien<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/System" target="_blank">system</a> zu sprechen, nicht von einem Medien<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Regime" target="_blank">regime</a>.</p>
<p>Einzelne können den beschriebenen Reizen vielleicht widerstehen (was oft mit einer Ignoranz gegenüber ihren Vorteilen einhergeht), andere schaffen das vielleicht fallweise (meist wenn sie zufälligerweise auf der richtigen Seite liegen), die meisten beteiligen sich aber regelmäßig an diesem Kreislauf. Erst kürzlich hatten wir bei zurPolitik.com intern das etwas unmotivierende Gespräch, dass arbeitsintensive Recherchen, aufwändige Interviews oder kluge Analysen nur in Ausnahmefällen so oft geteilt und kommentiert werden, wie der <a href="https://www.facebook.com/zurpolitik" target="_blank">flappsige Scherz</a> oder <a href="http://blog.profil.at/index.php/christianrainer/freiheit-fur-den-mann" target="_blank">der seltsame, geistige Aussetzer eines Kolumnisten</a>. </p>
<p>Wer bessere Information will, sollte bei sich selbst anfangen, bessere Information zu konsumieren, zu verbreiten und zu belohnen.</p>
<p><em><small>Fotocredits: <a href="http://www.flickr.com/photos/adcuz/3104028585/sizes/l/in/photostream/" target="_blank">Adcuz</a>, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/" target="_blank">CC2.0 BY-NC-ND</a></small></em></p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=9116&amp;md5=2c3b51170ed3ad3455f7333e9d416d33" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Rohrers Unmöglichkeiten sind nicht genug</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2011/07/11/anneliese-rohrers-unmoglichkeiten-sind-nicht-genug/</link>
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		<pubDate>Mon, 11 Jul 2011 13:26:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Schaffer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Anneliese Rohrer]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Replik]]></category>

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		<description><![CDATA[Obwohl alles schlecht sei, verlangt die Grande Dame des Innenpolitikjournalismus von der Jugend Engagement. Das ist die falsche Rede - Eine Replik von Tom Schaffer]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Falls jemand noch nie einen Kommentar von Anneliese Rohrer gelesen hat, sei ihm hiermit eine rasche Zusammenfassung vieler davon geliefert: &#8220;<em>Österreichs Junge sind viel zu brav und egoistisch angepasst (und die duckmäuserischen Alten sind als schlechte Vorbilder schuld daran)</em>&#8220;. Ich habe dieses Lamento jetzt schon einige Male zu oft gelesen. Obwohl ein großer, wahrer Kern darin steckt, teile ich den Befund so nicht mehr.<span id="more-9055"></span></p>
<p>Es gibt natürlich diese passiven und unkritischen Jungegoisten, die man wie Rohrer als <a href="http://diepresse.com/home/spectrum/zeichenderzeit/676410/Wenn-die-Blase-platzt" target="_blank">&#8220;Generation Scheiß drauf&#8221;</a> bezeichnen könnte (wenn man meint, dass diese Generation noch nicht mit genügend negativen Überbegriffen gestraft ist). Vielleicht gibt es heute etwas mehr als früher, vielleicht auch nicht. Jedenfalls hat es diese Gruppe schon immer gegeben. &#8220;<a href="http://zurpolitik.com/2010/10/14/unpolitische-generation-my-ass/" target="“&quot;blank&quot;">Ein gesteigertes Politinteresse ist immer ein Minderheitenphänomen</a>&#8220;, schrieb ich vergangenes Jahr bereits in einer ausführlichen Behandlung eines solchen Vorwurfs.</p>
<h2>Welche Jugend soll das sein?</h2>
<p>Die Jugend (die ich breit und doch zu eng als &#8220;Unter 30&#8243; verstehe), die Rohrer immer wieder beschreibt, scheint mir nicht die aus meiner Welt zu sein. Ich kenne zum Beispiel viele jener mutigen, motivierten und hervorragenden JungjournalistInnen, <a href="http://oe3.orf.at/sendungen/stories/510423/" target="_blank">deren Existenz Rohrer permanent zu leugnen scheint</a>. In meinem Bekanntenkreis sind ganz allgemein viele politisch interessierte Menschen, die <del>versuchen etwas zu tun</del> etwas tun, was ihnen wichtig erscheint. Und seit <a href="http://zurpolitik.com/index.php?s=unibrennt" target="_blank">#unibrennt</a> (das hier nicht als Aufbegehr-Feigenblatt unserer Generation steht, sondern als simpler Beleg <a href="http://zurpolitik.com/2009/11/10/jugendliche-faul-und-uninteressiert/" target="_blank">der Falscheit</a> der <a href="http://www.fm5.at/Kritisch%20sein%20bedeutet%20brennen/" target="_blank">Pauschalvorwürfe</a>) sind es noch viele mehr geworden.</p>
<p>Rohrer scheint solche jungen Menschen nicht zu kennen. Jedenfalls werden die Jungen, wie ich sie kenne, bei der großen alten Dame des heimischen Journalismus nie in ihrer Kritik ausgenommen oder auch nur erwähnt. Ich muss annehmen, dass jemand bewusst die angebrachte Differenzierung vermeidet, der wie sie mit Worten umzugehen weiß.</p>
<p>Oft – und da wird es etwas paradox &#8211; werden solche Rohrer-Beiträge von genau solche Menschen beklatscht, die ich in diese &#8220;gute&#8221; Kategorie tun würde. Dabei sollten sie &#8211; statt sich der Geißelung verpflichtet und möglicherweise noch darin angesprochen zu fühlen &#8211; das Selbstvertrauen aufbringen, sich lautstark auszunehmen und den Denkfehler aufzuzeigen.</p>
<h2>Nicht &#8220;trotzdem&#8221;, sondern &#8220;deswegen&#8221; muss das Prinzip sein</h2>
<p>Diese Selbstvertrauen fehlt vielen. Das ist nicht nur schade, sondern gefährlich. Ich gebe Rohrer eine Mitschuld daran.</p>
<p>Sie spricht über junge Menschen mit einer Attitüde des Wohlmeinens und mit der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anneliese_Rohrer" target="_blank">Autorität all ihrer Erfahrung</a> – also als Person, der man als Junger ruhig etwas glauben kann (und will). Und in dieser empfindlichen Position des Glaubens werden viele junge Menschen von ihr dann mit einem hoffnungslosen Bild überrumpelt. Was die Grande Dame als <a href="http://www.youtube.com/watch?v=9VH7GT_-7ug" target="_blank">ihre &#8220;Trotzdem&#8221;-Haltung</a> bezeichnet, malt immer eine Welt, in der alles ganz fürchterlich ist und niemand das Richtige tut. Und aus dieser Situation heraus wird der einzelne junge Mensch (ob nun konkret JournalistInnen oder andere) aufgefordert, doch &#8220;trotzdem&#8221; den hoffnungslosen Kampf zu führen.</p>
<p>Auch das Hoffnungslose zu versuchen ist ein legitimer Appell. Er ist ja <a href="http://de.wikiquote.org/wiki/Hermann_Hesse" target="_blank">nicht so ganz neu</a>, aber er ist vor allem nicht genug. Dieses &#8220;Allein gegen Alle&#8221;-Szenario schreckt mehr ab, als man abschrecken müsste. Es begünstigt die Mutlosigkeit, die Rohrer bekämpfen möchte. Autoritäten wie sie, die es gut mit der Jugend meinen, müssten zeitgleich mit der Kritik auch auf jene hinweisen und ihnen eine Plattform bieten, die &#8220;es&#8221; richtig machen. Nicht (nur) um deren Egos zu streicheln (was auch wichtig ist), sondern um den Nachrückenden Beispiele zu geben, wie es gehen kann. Statt nur an das innerste und schwierige Ideal zu appellieren, muss man gerade junge Menschen auch ermutigen &#8211; das &#8220;Deswegen&#8221; betonen, nicht das &#8220;Trotzdem&#8221;.</p>
<h2>Was Anneliese Rohrer auch sagen müsste</h2>
<p>Ermutigung soll das Prinzip Rohrers <a href="http://diepresse.com/home/blogs/rohrer/676094/WutbuergerStammtisch-VIII" target="_blank">Cafe Landtmann-Stammtisches</a> sein (der mich ja aus irgendeinem Grund bisher nicht anzieht &#8211; anderes Thema). Hingegen verpasst sie es in so ziemlich allen mir bekannten Texten, Interviews und Podiumsdiskussionen (also dem öffentlichkeitswirksamen Teil ihres Tuns), etwas von großer Bedeutung zur Jugend zu sagen: &#8220;Es gibt den Erfolgsweg, auf dem man etwas ändern kann. Und der ist gar nicht immer nur anstrengend und hoffnungslos, sondern es kann sich wirklich auszahlen, ihn zu gehen&#8221;.</p>
<p>Weil auch ich viel Respekt vor Anneliese Rohrer habe, würde ich mir wünschen, dass sich das ändert.</p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=9055&amp;md5=76f75803f2f9b3435756fdea69689ce0" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Wie &#8220;Die Presse&#8221; mit ihrer Lehrredaktion Geld verdient</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2011/06/09/wie-die-presse-mit-ihrer-lehrredaktion-geld-verdient/</link>
		<comments>http://zurpolitik.com/2011/06/09/wie-die-presse-mit-ihrer-lehrredaktion-geld-verdient/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 09 Jun 2011 01:32:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gastautoren</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gastbeitrag]]></category>
		<category><![CDATA[Ausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Lehrredaktion]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Presse]]></category>

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		<description><![CDATA[Für manche Praktika bekommt man nicht nur kein Geld, man muss auch noch dafür zahlen - Ein Gastbeitrag von Florian Gossy]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auch wenn &#8220;Die Presse&#8221; seit 1848 frei ist, die Freude zur Innovation ist geblieben – vor allem, wenn es um die eigenen wirtschaftlichen Belange geht. Da wird schon mal eine Sonntagsausgabe gestartet, die von derselben Redaktion gestaltet wird, welche schon die Montags- bis Samstagsausgaben verantwortet – gratis.</p>
<p>Nun ist es nicht neu, dass PraktikantInnen von Medienhäusern in Dienstverhältnisse gezwängt werden, die knapp an der Rechtswidrigkeit vorbeischrammen. Dieser Grundkonsens zieht sich quer durch die Medienlandschaft (wenn auch Ausnahmen die Regel bestätigen). <span id="more-8963"></span></p>
<h2>Zwölf Wochen, 1500 Euro</h2>
<p>Die Presse ist auch hier besonders innovativ: Die PraktikantInnen bekommen nicht nur nichts bezahlt (was schon frech genug wäre), sie dürfen auch noch für <a href="http://diepresse.com/unternehmen/lehrredaktion/index.do" target="_blank">die Lehrredaktion</a> bezahlen. 1500 Euro kostet der Spaß, der insgesamt zwölf Wochen dauert. Dafür erhält man eine &#8220;profunde journalistische Grundausbildung, die noch in der Lernphase praxisbezogen vertieft wird&#8221;. </p>
<p>Diese journalistische Grundausbildung besteht aus einem &#8220;Intensivtraining&#8221;, welches drei Wochen dauert. Hier kann es vorkommen, dass man auch mal 60 Stunden in der Woche in der Redaktion sitzt – auch Arbeit an den Wochenenden ist möglich (aber das sollte selbstverständlich sein, wenn man schon 1500 Euro in eine &#8220;profunde journalistische Grundausbildung&#8221; investiert). Pressekonferenzen werden simuliert, man darf auch zu Reportagen &#8220;ausrücken&#8221;, wie es heißt.</p>
<p>Nach diesen drei Wochen startet Phase zwei: der Einsatz im Ressort. Die LehrredakteurInnen verbringen unter &#8220;Echtbedingungen&#8221; je drei Wochen in drei unterschiedlichen Ressorts, bekommen &#8220;laufend Feedback&#8221; durch den Ressortchef. Hier ist auch die &#8220;Veröffentlichung von Artikeln&#8221; möglich – es wird also nicht nur für den Papierkorb geschrieben.</p>
<p>Das ist also die zwölfwöchige &#8220;profunde journalistische Grundausbildung&#8221;, die 1500 Euro kostet.</p>
<h2>Was haben die Lehrredakteurinnen davon?</h2>
<p>Cui bono, wer hat etwas davon? Die LehrredakteurInnen bekommen in diesen zwölf Wochen einen Einblick in den Alltag einer Tageszeitungsredaktion. Man darf eine Reportage schreiben, einen Kommentar verfassen, vielleicht sogar ein Interview führen. Diese Texte werden dann von erfahrenen RedakteurInnen kritisiert. </p>
<p>Das ist nichts anderes als ein erstes Erfahrung sammeln im Journalismus. Eine &#8220;profunde journalistische Grundausbildung&#8221;? Naja – zumal sich die Lehrredaktion explizit an &#8220;branchenfremde&#8221; Absolventen richtet, die bis jetzt noch nie etwas mit dem Journalismus zu tun gehabt haben (Vorerfahrung ist nicht notwendig, aber &#8220;eventuell hilfreich&#8221;). Ein fertiger Journalist kommt aus diesen paar Wochen Lehrredaktion nicht heraus.</p>
<h2>Was hat die Presse davon?</h2>
<p>Bei Lehrredaktionen geht es darum, journalistischen Nachwuchs zu bekommen und Talente zu scouten. Im Idealfall ist also wirklich eine oder einer dabei, der in Zukunft für die Presse schreiben wird. Die Chancen sind freilich gering – nach zwölf Wochen im Journalismus ist man kaum weit genug, Redakteur bei einer Qualitätstageszeitung zu sein. Was die Presse aber auf jeden Fall hat: 12.000 Euro cash. Denn &#8220;ca. 8 Personen&#8221; machen bei der Lehrredaktion mit, 1500 Euro pro Nase. </p>
<h2>Was übrig bleibt</h2>
<p>Es ist das gute Recht der Presse, für ihre Leistung – die Lehrredaktion – Geld zu verlangen. Deswegen ist es aber weder gut noch richtig. Für junge, talentierte Menschen, die in den Journalismus streben (oder einfach nur schnuppern wollen), wird die Einstiegshürde immer höher. Denn zu den Kosten von 1500 Euro kommt noch hinzu, dass (wir erinnern uns an die 40 bis 60 Wochenstunden, die anfallen) man in diesen drei Monaten ohne Einkommen leben muss – die &#8220;Lehrredaktion kann nicht &#8216;nebenbei&#8217; gemacht werden&#8221;, wie es heißt. Man muss es sich also leisten können, Journalist zu werden. Ob das der richtige Weg ist?</p>
<p>PS: Falls trotzdem jemand Lust bekommen hat: Bewerbungen sind noch bis 2. Juli möglich. Aber Achtung: Es werden nur Bewerbungen akzeptiert, &#8220;die per Post erfolgen. Bewerben Sie sich also bitte nicht per E-Mail&#8221;.</p>
<p>PPS: Gibt es noch weitere Beispiele für Medienhäuser, die sich für Praktika bezahlen lassen? Bitte um sachdienliche Hinweise per Kommentar unterhalb.</p>
<blockquote><p>Florian Gossy (Jahrgang 1988) ist Journalist und studiert selbiges. Er interessiert sich für das, was er für das Übliche hält: Politik, Medien und Fußball. Hier vertritt er einzig und allein seine Privatmeinung.</p></blockquote>
<p><small>Fotocredits: <a href="http://www.flickr.com/photos/tim_ellis/145582913/" target="_blank">Tim Ellis</a>, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/deed.en" target="_blank">CC2.0 BY-NC</a></small<</p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=8963&amp;md5=fed5d7c2ec4412c25a46948f27d501bf" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Dilbert über Paywalls</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2011/06/07/dilbert-uber-paywalls/</link>
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		<pubDate>Tue, 07 Jun 2011 14:57:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Schaffer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Dilbert]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Paywall]]></category>
		<category><![CDATA[Weekly Comic]]></category>

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		<description><![CDATA[Der gute Wally aus dem Comic &#8220;<a href="http://dilbert.com" target="_blank">Dilbert</a>&#8221; hat eine fantastische Möglichkeit gefunden, eine Paywall weniger unlukrativ zu machen. 
<a href="http://dilbert.com/strips/comic/2011-05-11/" title="Dilbert.com">&#8230;</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der gute Wally aus dem Comic &#8220;<a href="http://dilbert.com" target="_blank">Dilbert</a>&#8221; hat eine fantastische Möglichkeit gefunden, eine Paywall weniger unlukrativ zu machen. </p>
<p><a href="http://dilbert.com/strips/comic/2011-05-11/" title="Dilbert.com"><img src="http://dilbert.com/dyn/str_strip/000000000/00000000/0000000/100000/20000/0000/600/120674/120674.strip.gif" border="0" alt="Dilbert.com" width="630"/></a></p>
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		<title>&#8220;Ostarbeiter&#8221;: Was es dagegen jedenfalls zu sagen gibt</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2011/05/04/was-es-gegen-ostarbeiter-jedenfalls-zu-sagen-gibt/</link>
		<comments>http://zurpolitik.com/2011/05/04/was-es-gegen-ostarbeiter-jedenfalls-zu-sagen-gibt/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 04 May 2011 14:41:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Schaffer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausländer]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[BZÖ]]></category>
		<category><![CDATA[FPÖ]]></category>
		<category><![CDATA[Krone]]></category>
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		<category><![CDATA[Presse]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn von einigen Titelseiten heute das Nazi-Wort "Ostarbeiter" lacht, ist seine Vergangenheit fast noch das kleinste Problem - Eine Ergänzung von Tom Schaffer]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf Kobuk läuft gerade <a href="http://www.kobuk.at/2011/05/die-krone-und-ein-nazibegriff-ein-pro-und-contra/" target="_blank">eine interessante Debatte</a> zum Begriff &#8220;Ostarbeiter&#8221;, der zuletzt von manchen politischen Parteien und einigen Medien verwendet wurde. Yilmaz Gülüm erklärt im Beitrag, dass dieses Wort direkt aus dem Jargon Hitler-Deutschlands stammt. Das hätte ich ehrlich gesagt gar nicht mehr gewusst. <span id="more-8695"></span></p>
<p>Im Prinzip fände ich es auch gar nicht so wichtig, Worte ausschließlich deshalb nicht mehr zu verwenden, weil sie auch von Nazis verwendet wurden. Es geht bei der Sprache immer vor allem um aktuelles Verständnis und Intention. Wenn jemand &#8220;Ostarbeiter&#8221; bewusst als Nazijargon verwendet, ist das schlimm. Wenn er es aber unbewusst als scheinbar &#8220;normales&#8221; Wort verwendet? Dann ist das in diesem Fall auch schlimm. </p>
<h2>Warum?</h2>
<p>Fassen wir mal die historische Auffassung des &#8220;Ostens&#8221; über die letzten Jahrzehnte zusammen: Dort lebten für die Nazis <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lebensraum_im_Osten" target="_blank">Sklaven-artige Untermenschen</a>. Im Kalten Krieg lauerte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ostblock" target="_blank">die kommunistische Bedrohung</a>. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs regierte die Armut und weiter die Korruption. Und seit der <a href="http://www.lpb-bw.de/eu_osterweiterung.html" target="_blank">EU-Osterweiterung</a> werden die Menschen dort werden als Arme begriffen, die geil drauf sind jeden Moment ihre Heimat, Familie und Freunde zu verlassen, um uns unsere schöne Arbeit wegzunehmen.</p>
<p>Habt ihr eigentlich schon einmal etwas von den Westarbeitern gelesen? Oder den Nordarbeitern? Oder den Südarbeitern? Wenn man sich vor Augen führt, was der Begriff aussagen soll, kommt man drauf: Darin steckt eine ganze Reihe von Ressentiments gegen Menschen aus dem Osten &#8211; dazu braucht es die Nazis gar nicht. Da geht es ja nicht etwa darum, dass vorrangig &#8220;Ostarbeiterinnen&#8221; unser unterentwickeltes Pflegesystem retten, Österreich natürlich schon lange keine Probleme damit hat, in <a href="http://salzburg.orf.at/stories/204868/" target="_blank">osteuropäischen Ländern großes Geld zu verdienen</a> und es hierher zu schaffen, andere OsteuropäerInnen hier mit ihrer Tätigkeit sogar Arbeitsplätze schaffen und wiederum andere Jobs machen, die anscheinend sonst niemand machen will. Hier wird stattdessen nur eine Bedrohung und anonyme Flut herbei geschrieben. Die &#8220;Ostarbeiter&#8221; klauen angeblich bald &#8220;unsere&#8221; Jobs.</p>
<h2>Wonach niemand mehr fragen wird, wenn es widerlegt ist</h2>
<p>In Wahrheit geht es dabei nur um politisches Kleingeld. Diese Warnungen treffen nie ein. Vor der Grenzöffnungen gen Osten vor einigen Jahren wurde praktisch von denselben Parteien und Medien geschrien, jetzt käme die große Kriminalitätsflut der damals sogenannten &#8220;Ostbanden&#8221;. Damals profitierten die Rechten von dieser im Boulevard angeheizten Stimmung. In der Wirklichkeit ging die Kriminalität <a href="http://www.statistik.at/web_de/statistiken/soziales/kriminalitaet/anzeigen_polizeiliche_kriminalstatistik/020113.html" target="_blank">seitdem (2004) deutlich zurück</a>. (In den selig-abgeschotteten 1980er-Jahren wurden hierzulande sogar mehr als doppelt so viele Menschen eines Verbrechens schuldig befunden als heute.) Und die &#8220;Ostbanden&#8221; sind so selten, dass es so ziemlich jede einzelne von ihnen auf die Titelseite der Krone schafft. </p>
<p>Das verändert den Profit der Rechten von damals nicht (und der Boulevard muss das Geld für die schlechten Informationen an seine damals verängstigten LeserInnen nicht zurückgeben). Danach, wie falsch das damals war, fragt heute niemand mehr. Bevor das passiert, werden halt schnell die nächsten hysterischen Fantasien erfunden. Eben solche wie die angebliche &#8220;Ostarbeiter&#8221;-Flut. Und wieder regieren der Boulevard und seine rechten Brüder und Schwestern die Debatte mit der Angst (was eine sachlich-konstruktive Beschäftigung mit echten Herausforderungen oder Problemen nicht möglich macht). </p>
<h2>Menschenfeindlichkeit ohne Nazis wäre auch nicht besser</h2>
<p>All diese medial-politischen Fake-Erfahrungen schwingen im Wort &#8220;Ostarbeiter&#8221; mit. Das alles soll heißen: Hätte es die Nazis nicht gegeben, wäre der heutige Begriff &#8220;Ostarbeiter&#8221; auch nicht viel neutraler. Die typischen &#8220;Kleinformat-LeserInnen&#8221; wissen von dieser Nazi-Vergangenheit gar nichts, und er vermittelt ihnen trotzdem offensichtlich etwas negatives. Und mit &#8220;etwas&#8221; sind Menschen gemeint.</p>
<p>Dass hier möglicherweise nicht aus böser Absicht ein Nazibegriff verwendet wird, sondern dass das ganz unschuldig von selbst geschieht &#8211; weil es sich im menschenfeindlichen Denkmuster der Angstverbreiter so ausgeht, dass sie von selbst auf dieselben Wörter kommen &#8211; ist vielleicht noch schlimmer als die Alternative.</p>
<p>Wenn man in solchen Debatten zu sehr auf die &#8220;Nazikeule&#8221; vertraut, gerät man in Gefahr, zu viel Energie auf den Horror der Vergangenheit zu verschwenden und dem Dreck von heute zu wenig Widerspruch zu geben. In dieser Hinsicht hat Kobuk-Autor Hans Kirchmeyr recht, dass dies erschwert, &#8220;die Leser mit ins Boot zu holen&#8221;. Unwidersprochen muss man es trotzdem nicht lassen.</p>
<p><small><em>Fotocredit: <a href="http://www.flickr.com/photos/mkorsakov/2148806904/sizes/o/in/photostream/" target="_blank">mkorsakov</a>, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/" target="_blank">CC2.0 BY-NC-SA</a></em></small></p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=8695&amp;md5=5591f0a6309dbdc73ccbfd3cab2d8b9d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Was der Fall Strasser über Murdochs Paywall sagt</title>
		<link>http://zurpolitik.com/2011/03/20/was-der-fall-strasser-uber-murdochs-paywall-aussagt/</link>
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		<pubDate>Sun, 20 Mar 2011 13:35:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tom Schaffer</dc:creator>
				<category><![CDATA[flattr]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[New York Times]]></category>
		<category><![CDATA[Paywall]]></category>
		<category><![CDATA[Rupert Murdoch]]></category>
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		<description><![CDATA[Wie die Paywall uns davon abhält, großartigen Journalismus zu sehen, zu würdigen und zu belohnen - Eine Beobachtung von Tom Schaffer]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Undercover-JournalistInnen der <a href="http://www.thesundaytimes.co.uk/sto/" target="_blank">Sunday Times</a> filmten den ehemaligen österreichischen Innenminister und ÖVP-Europaparlamentarier Ernst Strasser bei einer sehr offenherzigen Diskussion über den Preis seiner Meinung im EU-Parlament. Da das ja mittlerweile in allen Medien <a href="http://derstandard.at/1297820910907/Lobbying-Affaere-Ernst-Strasser-tritt-zurueck" target="_blank">ausführlich diskutiert</a> wird, widme ich mich hier kurz einem Nebenaspekt der Causa: Der Bedeutung für Journalismus im Internet. Die Causa Strasser zeigt nämlich, was Rupert Murdochs Paywall mit tollem Journalismus anrichtet. <span id="more-8372"></span></p>
<p>In erster Linie führt die <a href="http://zurpolitik.com/2010/05/27/das-flattrbook-gegen-murdochs-mauer/" target="_blank">Bezahlmauer der Sunday Times</a> dazu, dass kaum jemand den Originalartikel aus der Zeitung liest. So bleibt die Information auf Abschriften in Gratis-Medien beschränkt. Was für den Text gilt, gilt auch für die Videos. Respektvolle Konkurrenzmedien werden sich zwar hüten, die zum Thema gehörenden Times-Videos selbst einzubinden, aber natürlich bleiben auch die nicht lange der englischen Zeitung vorbehalten. Innerhalb von Minuten tauchten Kopien davon auf anderen Videoplattformen auf.</p>
<h2>Exklusivität ist Unsinn, Widerstand zwecklos</h2>
<p>Die Exklusivität von journalistischem Content im Internet ist damit ein weiteres Mal als Hirngespinnst von alten Menschen entblöst, die die Internet-Infrastruktur nicht verstehen wollen (lieber würden diese gefährlichen Leute sie über politisch-wirtschaftlichen Einfluss ändern). Für das Funktionieren von Paywalls ist einzigartiger Inhalt eine wichtige Voraussetzung. Der Effekt der Paywall in der Wirklichkeit ist also: Jeder bekommt mit, was passiert ist, aber kaum jemand liest die Arbeit der Times zum Thema. Das muss journalistisch unbefriedigend sein, denn die großartige Arbeit der Times-JournalistInnen wird so nicht gewürdig. Auch dem Blatt selbst entgeht dadurch ein Prestigegewinn bei den LeserInnen. </p>
<p>Wirtschaftlich dürfte das Murdoch-Imperium bei solchen Fällen ebenfalls auf der Nase landen.  Ich bezweifle, dass viele Menschen aufgrund dieses Berichtes ein Abo mit der Times abschließen. Und weil man anders ja nicht darauf zugreifen kann, entfallen auch die Werbeeinnahmen durch erhöhten Verkehr auf der Seite. Wäre diese Untersuchung zum Beispiel im Guardian erschienen, hätten alle Twitteranten, Facebooker und auch das ein oder andere österreichische Medium einen Link auf die britische Seite gesetzt. Zehntausende Menschen hätten draufgeklickt und so Geld in die Kassen der Times gespült &#8211; gäbe es dort einen Flattr-Button, hätten viele vielleicht sogar ein paar Dankes-Cents dortgelassen. Doch die Bezahlmauer und das im Printmedienmachen steckengebliebene Denken der Geschäftsführer verhindert das.</p>
<h2>Die New York Times steigt auch um</h2>
<p>Bei der Sunday Times ist all dies ein Experiment ohne Opfer für mich persönlich, hat die Einführung der Paywall doch nichts an meinem Medienverhalten verändert. Doch auch die New York Times, meine liebste amerikanische Nachrichtenseite, wird in den kommenden Wochen auf ein Bezahl-Modell umsteigen. Das System dort ist klüger und reagiert zumindest auf die Kritikpunkte, die ich hier genannt habe. UserInnen dürfen <a href="http://derstandard.at/1297820704359/New-York-Times-ab-28-Maerz-hinter-der-Paywall" target="_blank">noch bis zu 20 Artikel im Monat lesen</a>, bevor sie zahlen müssen. Das erhält die Möglichkeit, verlinkt und gelesen zu werden und so bei Exklusivgeschichten vom Besucherstrom zu profitieren. </p>
<p>Ob das System deshalb insgesamt angenommen wird, bleibt abzuwarten. Gut möglich, dass viele Menschen für aktuelle Nachrichten einfach zu anderen Medien surfen, und sich ihr Artikelguthaben für besonders interessante Geschichten aufsparen, die es nur bei der Times gibt. Die Frage ist dann nicht nur, ob die Zahl-Abos die permanenten Werbeausfälle kompensieren, sondern ob die Gesamteinnahmen gesteigert werden können. Ein Nullsummenspiel oder ein nur kleiner Zugewinn wäre eine Niederlage für die Geschäftemacher. Eine Paywall kostet Reichweite, Einfluss und widerspricht der Idee von frei zugänglicher Information. Abseits der damit einhergehenden Kosten ist das ein hoher Preis.</p>
<p>All die Energie und Mittel, die in diese Bezahlschranken gesteckt werden, wären in den Aufbau eines <a href="http://zurpolitik.com/2010/05/27/das-flattrbook-gegen-murdochs-mauer/" target="_blank">medienübergreifend-gemeinsamen, Flattr-artigen Services</a> besser investiert.</p>
<blockquote><p>Dem Autor <a href="http://twitter.com/schaffertom" target="_blank">auf Twitter folgen</a></p></blockquote>
<p><small><em>Fotocredits: <a href="http://www.flickr.com/photos/twicepix/2649434963/sizes/l/in/photostream/" target="_blank">twicepix</a>, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/" target="_blank">CC2.0 BY-SA</a></em></small></p>
 <p><a href="http://zurpolitik.com/?flattrss_redirect&amp;id=8372&amp;md5=33d3a4fcdb44de553fe989b5064e6f4f" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://zurpolitik.com/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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