Beiträge zu "Somalia"

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Äthiopien und Somalia: Noch ein Krieg?

2 K., , 24. July 2006

Mittlerweile habe ich einen Analysebericht zu Somalia (wenn auch eher zum Somalia nach dem Barre-Fall) fertiggestellt und warte auf seine Benotung, bevor ich ihn auch hier veröffentlichen möchte. Währenddessen stand das Land aber seit meinem letzten Beitrag nicht still. Diplomatische Gespräche im Sudan über die Zukunft Somalias sind geplatzt, nachdem äthiopische Truppe offensichtlich bei Kampfhandlungen in das Land eingedrungen sind. Obwohl offiziell dementiert ist anzunehmen, dass dies mit Duldung der ohnmächtigen, prowestlichen Übergangsregierung Somalias geschieht, die zuletzt aus Mogadischu vertrieben wurde. Deshalb verließen die Islamistischen Quasi-Herrscher des Landes schlussendlich den Verhandlungstisch. Ihrer Meinung nach sei dadurch ein Waffenstillstandspakt verletzt worden. Die “Regierung” wiederum entsandte zuletzt mit dem Argument, die Islamisten würden die Ergebnisse der Verhandlungen ohnehin nicht akzeptieren, keinen Diplomaten mehr. Sie verlangt nach internationalen Garantien und beschuldigten den Obersten Islamischen Gerichtshof, wie sich die Islamisten nennen, außerdem, ihrerseits schon davor den Pakt gebrochen zu haben.

Äthiopien, eine formale aber nicht praktische Demokratie, ist schon fast ein “natürlicher” Feind Somalias. Immer wieder kam es in den letzten Jahrzehnten zu Auseinandersetzungen. Der Hintergrund ist ein bei vielen immer noch währender Traum eines Groß-Somalias, das auch Gebiete in Äthiopien einschließt. Dieser nationalistische Wahn geht in seinen Grundzügen sogar auf die Zeit vor Diktator Mohammed Siyad Barre zurück, den sozialistischen Herrscher Somalia’s zwischen 1969 und 91. Kurios ist das vor allem deshalb, weil das Clanwesen Somalias sich nie wirklich mit einer Identifikation der Bevölkerung mit der somalischen Nation vereinbahren lies.

Die Feindschaft der beiden Länder überdauerte interessanterweise auch die gemeinsame sozialistische Ära. Äthiopien, einst Verbündeter der USA am Horn von Afrika, wurde nach einer Revolution (meines Wissens 1977, Wikipedia behauptet 74) während eines Konflikts mit Somalia um die Ogaden-Gebiete sozialistisch. Daraufhin änderte die Sowjetunion ihre Politik, der schwierige Partner Barre wurde fallen gelassen und die bisherigen Verhältnisse schwenkten um. Der bisherige Sowjet-Partner Somalia näherte sich dem Westen an, blieb jedoch im Großen und Ganzen sozialistisch.

Der somalische Oberste Islamische Gerichtsrat hatte zuletzt gedroht, nach der erfolgreichen Eroberung des gesamten Landes, auch nach Äthiopien vorzustoßen und einen Heiligen Krieg auszufechten. Das instabile Nachbarland, bei dem trotz UNO-Mission im Moment auch mit dem ehemals ihm zugehörigen Eritrea Konflikte aufschwellen, begründet wohl damit und mit dem Schutz der Übergangsregierung sein (offiziell dementiertes) Eingreifen in den somalischen Konflikt. Eritrea wiederum wird vorgeworfen, Jihad-Krieger nach Somalia zu entsenden und die Islamisten dort zu unterstützen.

Interessant wird sein, wie sich die USA und der restliche Westen im drohenden Krieg verhalten. Eine andere spannende Entwicklung: Wird sich die Kleine Zeitung wenigstens in der morgigen Ausgabe zu einem zumindest kleinen Bericht herablassen?

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Breeding a new Afghanistan?

6 K., , 1. June 2006

Angestoßen von einem kleinen Bericht auf FM4 habe ich mich mal ein wenig um die Lage in Somalia erkundigt. Beim Guardian bin ich dann fündig geworden und dachte mir, vielleicht interessierts ja den ein oder anderen hier:

Somalia hat ungefähr so viele Einwohner wie Österreich, ist aber ungefähr 7-8 Mal so groß. Seit dem Sturz einer kommunistischen Diktatur 1991 gibt es den Staat nicht mehr. An der Aufteilung des hungernden Landes an von Warlords geführte Clans konnte auch ein UNO-Einsatz noch Ende desselben Jahres nichts ändern. Die Blauhelm-Mission wurde 1995 beendet – erfolglos. Heute gibt es im Stillen zwar internationale Bemühungen, das Land zumindest einigermaßen zu einen und politisch zu stabilisieren, aber diese scheitern. Und das hat viele Gründe. Das Land (bzw. die 18 aufgesplitteten Regionen) ist nicht nur in einem dramatischen, wirtschaftlichen und humanitären Zustand, es ist auch ein weitgehend unbeachteter Spielplatz im Krieg gegen den Terror – obwohl der Bürgerkrieg laut ICG angeblich vorbei war.

Doch der neue Bürgerkrieg orientiert sich nicht mehr an Clanlinien, sondern spielt sich zwischen Ungläubigen und Extremisten ab. Die CIA unterstützt seit einer Weile eine Gruppe von Warlords, die sich im Kampf gegen terroristisch-islamistisch geprägte andere Warlords vereint haben (ich konnte nicht herausfinden, wie weit “die Guten” von Terror und radikalem Islamismus entfernt sind). Damit wird ein Keil durch die Bemühungen getrieben, das Land auf “friedliche” Weise politisch zu einigen (unter Einbindung der kämpfenden Warlords in die Regierung). Es scheint, als würden sich die USA ein neues Afghanistan heranzüchten. Denn die unterstützten Warlords sind nicht populär im Land, noch weniger seit das CIA-Engagment bekannt wurde. Die Menschen in dieser muslimischen Region werden so in die Hände von Extremisten getrieben. Und die gewannen zuletzt auch an Land (NYT).

Ein Hoffnungsschimmer? In Somaliland, einem nicht anerkannten aber einseitig unabhängigen Landstrich im Norden Somalias, gibt es eine erstaunlich fortschreitende Mehrparteien-Demokratie, über deren Status-Neubestimmung nachgedacht wird (ICG)

Für eine tiefergehende politische Analyse werde ich noch ein wenig Zeit benötigen – ich denke ich werde eine für mein Internationale Politik-Seminar machen. Wer weiter in das Thema einsteigen will, kann ja einmal meinen Quellen folgen. Über weitere Literaturhinweise bin ich natürlich dankbar.

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