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Den Liberalismus gibt es nicht

Die einen wollen nicht liberal sein, die anderen versuchen den Begriff zu verengen, aber der Liberalismus ist zwangsläufig inhomogen – Eine Replik von Tom Schaffer

Die geschätzten Kollegen von Neuwal unternehmen in diesem Monat den lohnenswerten Versuch, sich mit dem Liberalismus als Strömung auseinander zu setzen. Im Rahmen dieser Artikelserie hat auch Thomas Knapp einen Kommentar geschrieben. Auf der Suche nach dem Liberallismus in Österreichs Politik kommt er zum Schluss, dass es keine liberale Partei gibt oder gab.

Zwei grundsätzliche Probleme habe ich mit Knapps Liberalismus-Verständnis. Zum Einen, dass er von Parteien eine hundertprozentig stringente Haltung einfordert, die unrealistisch ist. Natürlich gibt es Liberalismus in der österreichischen Parteienlandschaft, sonst würde unser Land auch anders aussehen. Ich würde sogar behaupten, dass es mehrere Parteien gibt, die man zwar nicht astrein und ausschließlich, aber eben doch vorwiegend als liberal bezeichnen kann. Ein Parteiprogramm lässt sich nicht aus einzelnen Maßnahmen kategorisieren, sondern aus der Gesamttendenz. Aber darauf will ich dieses Mal nicht näher eingehen.

Wichtiger ist mir ein Widerspruch dazu, dass Knapp suggeriert, es würde den einen, wahren Liberalismus geben, der sich irgendwie verwirklichen ließe.

Das gilt besonders für Österreich, ein Land indem der politische Liberalismus bis vor kurzem einer Ruine glich. Diese Abwesenheit einer klassischen politischen Ideologie schien man nicht ganz akzeptieren zu wollen, wurde doch über Jahrzehnte hinweg in Österreich Liberalismus an den verschiedensten Orten ausgemacht, an denen er so gar nicht zu Hause war.

Was wohl nur möglich war, weil keine liberale Partei da war, um einen Kontrast zu zeichnen. Jedenfalls war es lange offenbar populär sich quasiliberal zu geben und das liberal zu nennen. Vielleicht war diese Tendenz ein Mitgrund dafür, dass liberale Parteien nicht so recht gedeihen wollten, einige Wähler und potentielle Aktivisten hatten vielleicht das Gefühl, eh schon hier und dort vertreten zu sein.

Tatsächlich ist Liberalismus – wie seiner wörtlichen Bedeutung abzuleiten ist (lat. liber: „frei“; liberalis, „die Freiheit betreffend, freiheitlich“) – eine philosophische und politische Strömung, die an der größtmöglichen Freiheit des Einzelnen interessiert ist. Liberale sehen dabei aber sehr wohl den Rahmen einer Gesellschaftsordnung und klammern sich nicht an den absurden Gedanken eines Einsiedlers auf einer einsamen Insel oder den Wahnsinn einer gänzlich chaotischen Gesellschaft.

Was, wenn Freiheit nicht grenzenlos sein kann?

Wahrscheinlich wird es jeder als banale Erkenntnis bezeichnen, dass Freiheiten im Kontext von Zivilisationen unmöglich grenzenlos sein können. (Eindrücklichstes Beispiel: Das Problem der Gewalt. Niemand ist frei im Sinne des Liberalismus, wenn er mir jederzeit ungestraft eine in die Gosch’n hauen darf.) Was gerade in der Begriffsdiskussion seltener bedacht wird, ist die nächste Konsequenz dieser Erkenntnis: Wenn man Grenzen abstecken muss, wird es über die diesbezügliche Legitimität und Notwendigkeit in Hinsicht auf Freiheit zwangsläufig Meinungsunterschiede geben. Und an diesem Punkt differnziert die Strömung sich aus, ohne gleich den kompletten Grundgedanken über den Haufen zu werfen.

Um das vorwegzunehmen: Natürlich ist demzufolge nicht jede Meinung automatisch liberal. Das Gegenteil von Liberalismus ist Autoritarismus/Totalitarismus. Reaktionäre, totalitäre, faschistische oder (ohne alles gleichsetzen zu wollen) konservative Haltungen sind Gegenstücke zum Liberalismus: Sie erheben andere(!) normative Sollvorstellungen zur Grundlage ihrer Politik, als die maximierte Freiheit. Man ist dabei nur solange frei, wie man sich im Rahmen einer erdachten, moralischen Norm bewegt, die sich beispielsweise aus Ideologie, Tradition oder Religion speisen kann. Wichtiger als das persönliche Glück auf Erden mag da beispielsweise ein gottgefälliges Leben sein.

Liberal ist, was Freiheit schafft – aber das ist nicht eindeutig

Ein plakatives Modell-Beispiel, warum das Wort liberal zu grob ist, um alles zu beschreiben und Differenzierung braucht: Stellt euch eine Gemeinschaft von 10 Leuten vor: zwei von diesen Leuten haben schlimmes Asthma, sechs sind unnachgiebige Raucher. Regelmäßig wird im gemeinsamen Gesellschaftsraum nun eine Sitzung einberufen, an der – aus welchen Gründen auch immer – alle teilnehmen möchten und sollten. Ist es nun liberal, ein Rauchverbot oder Nichtrauchgebot in diesem Raum einzuführen, um den Asthmatikern die Teilhabe zu ermöglichen und damit den Rauchern Regeln aufzuerlegen? Oder ist es liberal, gesetzte Regeln abzulehnen, um den Rauchern ihr freies Verhalten zu lassen und damit andere auszuschließen? Unabhängig davon, welcher Idee man anhängt, scheint mir kaum zu leugnen, dass beide Maßnahmen einer gewissen Form der Freiheit des Einzelnen dienen.

Wenn man Liberalismus als eine Orientierung an der größtmöglichen Freiheit des Einzelnen im Rahmen der Gesellschaft definiert, dann gibt es hier zweifellos zwei legitime liberale Antworten und gänzlich unterschiedliche Meinungen darüber, ob die eine Regel nun Freiheit oder Unfreiheit schaffen würde. Eine Einigkeit scheint auch nicht zu erzielen, die Uneinigkeit lässt sich aber nicht durch Illiberalität erklären. Dementsprechend braucht man Begriffe einer größeren Trennschärfe als einfach nur „Liberalismus“.

Links- und Rechtsliberalismus

Am Prominentesten findet man das heutzutage in der Unterscheidung von Links- und Rechtsliberalismus. Knapps Text lässt diese Unterscheidung irgendwie als eine modische Erscheinung, als Marketing oder einen prinzipiellen Irrtum dastehen. Tatsächlich geht es dabei aber um einen der angesprochenen Richtungsstreits innerhalb der Strömung. Dass gerade Rechtsliberalen diese Begriffsarbeit oft ablehnen und sich als ganzheitlich Liberale hinstellen, finde ich deshalb unreflektiert bis provokant. Es gibt immer noch den wörtlichen Sinn des Liberalismus. Und in ihm steckt sein großes Schlagwort, das ich als erklärter Linksliberaler mir nicht klauen lassen will: Die Freiheit.

Linksliberale werden sich beim Lesen der großen liberalen Denker der Neuzeit (die noch nicht das Ende der intellektuellen Fahnenstange sind) oft in ihrer grundsätzlichen Haltung zum Mensch- und Gesellschaftssein wiederfinden. Das ändert sich auch nicht dadurch, dass Linksliberale der Begriff Liberalismus oft gar nicht beanspruchen, weil er in linkeren Kreisen kindisch-polemisch als „bäh“ gilt. (Umgekehrt könnte man dasselbe von Rechtsliberalen über die Gleichheit sagen, den diese wiederum oft kindisch-polemisch als „Gleichmacherei“ verhunzen. Beide Gruppen haben meiner Ansicht nach keine Ahnung, was sie wirklich denken.)

Der Staat, Freund oder Unterdrücker?

Der Unterschied zwischen Links- und Rechtsliberalen entzündet sich erst an der Rolle des Staates bei der Verwirklichung von individueller Freiheit. Linksliberale halten den Staat nicht (zwangsläufig) für ein unterdrückendes Übel, sondern für hilfreich oder geradezu nötig, um Freiheiten zu garantieren oder zu schaffen. Das Argument – ich habe schon mehrmals zum Ausdruck gebracht, dass es mir persönlich höchst schlüssig erscheint – lautet: Auch die Abwesenheit von Regeln, Verboten und Geboten kann und wird reale Zwänge erschaffen. Und die können für mehr Unfreheit sorgen können, als es die Grenzen tun, die eine legitime, demokratische Regierung setzt. Gleichzeitig kann der Staat auch freie Menschen unterstützen, indem er zum Beispiel für freie Bildungseinrichtungen und Arbeitslosenversicherung sorgt.

Währenddessen haben Rechtsliberale ein distanzierteres Verhältnis zum Staat. Der soll für sie kaum mehr als ein Schiedsgericht im Streitfall sein, das die Einhaltung allergrundsätzlichster Gesetze und Verträge garantiert (Besonders extreme Rechtsliberale, die in einen Anarcho-Libertarismus hineingleiten, wollen nicht einmal mehr das und treffen sich in ihrer Totalablehnung des Staates als Repressionsisntrument fast schon wieder mit den Marxisten). Leute, deren Weltbild in diese Richtung tendiert, wollen Regulierungen, Gesetze und Regeln tunlichst vermeiden. Die sind für sie nicht nur die Wurzel von Unfreiheit, sondern die Unfreiheit an sich. Ich kann das rechtsliberale Weltbild wahrscheinlich nicht gleichermaßen gut erklären, denn ich finde es persönlich weniger überzeugend. Trotzdem bleibt mir nichts anderes übrig, als anzuerkennen, dass diese Leute zwar im Detail andere Prioritäten setzen, aber auch die Freiheit des Einzelnen im Sinn haben. Darum können sie sich ebenso liberal nennen, wie ich das tue.

TL;DR

Liberalismus ist ein Konzept zur Maximierung von Freiheit. Die lässt sich nicht nur auf eine Weise definieren und verwirklichen. Dass es nicht „den einen wahren Liberalismus“, sondern unterschiedliche Liberalismus-Strömungen gibt, ist eine logische Folge davon.

PS: Take the test

Die Gedanken, die ich hier niedergeschrieben habe, sind übrigens kein neuartiger Spleen von mir, sondern selbstverständlich schon mehreren Menschen gekommen. Im Wesentlichen decken sie sich mit dem Schema des „Political Compass„. Die Wahlprogramme der österreichischen Parteien wurde dort noch nie evaluiert, wohl aber die Deutschen. Das gibt immerhin auch eine Orientierung über die ungefähre Einordnung ihrer österreichischen Geschwister.

Wo ihr ungefähr auf diesem Koordinatensystem liegt, könnt ihr übrigens schon seit einigen Jahren selbst über deren Test ausrechnen lassen, der im Prinzip Bekenntnis zu politischen Grundsätzen abfragt. (tsc)

Von Tom Schaffer

ist Journalist, studiert Politikwissenschaft in Wien und ist der Gründer von zurPolitik.com, ballverliebt.eu und rebell.at.

15 Antworten auf „Den Liberalismus gibt es nicht“

Danke für den Interessanten Beitrag, bitte redigiere noch ein paar Tippfehler, dann wäre er noch schöner. Auf einen kleinen inhaltlichen Fehler wollte ich Dich noch aufmerksam machen: Dein Satz „Besonders extreme Rechtsliberale, die in einen Anarcho-Libertarismus hineingleiten, wollen nicht einmal mehr das und treffen sich in ihrer Totalablehnung des Staates als Repressionsisntrument (s.o., Anm.) fast schon wieder mit den Marxisten“. Ich verstehe, was Du damit sagen wolltest, aber der Begriff ‚Marxisten‘ stimmt hier nicht, weil Marx ein ganz vehementer Verteidiger des Staates war. Bakunin (ein anarchistischer Widersacher von Karl Marx, Zeitgenosse) würde sich im Grab umdrehen, wenn er das lesen könnte. Du hast Glück, er war Atheist.

Bin kein Marxismus-Experte, aber imo ist Marx‘ klassenlose Gesellschaft als eine gedacht, in der es keinen Staat mehr gibt? Dass es radikalere Beispiele gäbe, ist eh klar. Die gibts immer. 😉

Lenin erklärt es ganz gut in „Staat und Revolution“: Marx will klassenlose Gesellschaft durch die Diktatur des Proletariats erreichen. Das Proletariat soll sich des Staats ermächtigen, um ihn zu benutzen und letztendlich aufzuheben. Marx sieht im Staat ein Mittel zum Zweck und daher halte ich, gerade in der Abgrenzung zum Anarchismus, diesen kleinen feinen Unterschied für sehr relevant. Ansonsten wäre ich da auch nicht so kleinlich ;-). (Zu Staat und Revolution empfehle ich Dietmar Dath’s kommentierte Ausgabe im Laika – Verlag. Gerade als gegenwärtiger Links-Liberaler nach Misik’s Definition eine sehr erhellende und erweiternde Lektüre!)

Das Nichtagressionsprinzip ist für viele Libertäre nicht nur zentral, sondern sogar das Grundaxiom, von dem sich alles andere ableitet. Das in Österreich häufige Argument „Liberalismus schön und gut, aber man darf niemandem auf die Nase hauen“ geht also ins Leere und zeugt von Unverständnis.

In der Raucherthematik stellt sich zunächst die Frage, ob gelegentliches Passivrauchen überhaupt eine Körperverletzung darstellt. Dafür gibt es keinen Beleg. Aber selbst wenn es so wäre, dann ist auch eine körperliche Beeinträchtigung in Ordnung, solange sie im Einverständnis erfolgt. Boxen im Boxring ist Okay, einem Passanten ungefragt ins Gesicht schlagen ist nicht okay.

Solange die Raucher niemanden mit Gewalt zwingen, ihren Passivrauch zu ertragen, ist das okay. Illegitim ist es hingegen aus liberaler Sicht Rauchern, die auf privatem Grund mit Einverständnis des Grundeigentümers rauchen, per staatlicher Gewalt die Zigarette aus dem Mund zu nehmen, bzw. ihnen zur Strafe Geld weg zu nehmen.

Das Problem des Liberalismus ist weniger, dass sich zuviele dazu bekennen, sondern dass sich zu wenige zu ihrem Illiberalismus bekennen. Die Raucherdebatte, aber z.B. auch die Glühbirnendebatte und ähnliches wird vorwieglich mit utilitaristischen und paternalistischen Argumenten geführt.

Dass Anarcho-Libertäre keine Regeln wollen, ist völlig falsch. Sie wollen lediglich keine Regeln, die dem einzelnen aufgezwungen werden. Eine private Siedlung könnte beispielsweise auf ihrem Gebiet das Rauchen komplett verbieten, Schrittempo für alle Autos festlegen, den Besitz von Schusswaffen verbieten und eine Privatpolizei finanzieren. Solange niemand gezwungen wird, in der Siedlung zu verweilen, ist das legitim.

Hans-Herman Hoppes Vorstellungen gehen in die Richtung von kleinen territorialen Einheiten.

Ein anderer Weg nicht-staatlicher Regulierung eröffnet das Internet. Überall im Internet gibt es Zonen mit eigenen Regeln.

ebay funktioniert schon heute größtenteils auf Basis von Rückmeldungen. Wer seine Kunden prellt, bekommt schlechte Bewertungen. Die Kundenbewertungen von Amazon sind ebenfalls vortrefflich. Das ist viel effektiver als der mühsame und teure Klagsweg.

Kryptoanarchie ist ein vielversprechender Ansatz. Bitcoin ist die erste Währung, nach Gold, die ohne staatliche Gewalt funktioniert. Sie basiert auf Verschlüsselung und Konsens. Bitcoin hat ein bisher noch kaum genutztes, aber sehr vielversprechendes Feature, nämlich multiparty transactions. Eine Transaktion kann von einem Mehrheitsbeschluss abhängig gemacht werden. Also z.B. zwischen Käufer, Verkäufer und einer dritten Schiedsinstanz. Das könnte die Stiftung Warentest sein, der TÜV, der Papst, der Paketdienst, usw. Wenn sich Käufer und Verkäufer einig sind, dann ist die Transaktion gültig. Im Streitfall entscheidet die Schiedsinstanz.

So kann man Vertragsrecht, Garantie, Gewährleistung, technische Standards usw. auf einvernehmlicher Basis und ohne Waffengewalt aufbauen.

Das Nichtagressionsprinzip ist für viele Libertäre nicht nur zentral, sondern sogar das Grundaxiom, von dem sich alles andere ableitet. Das in Österreich häufige Argument “Liberalismus schön und gut, aber man darf niemandem auf die Nase hauen” geht also ins Leere und zeugt von Unverständnis.

Zuerst mal: Es ist begrifflich ein ziemliches Desaster in diesem Bereich, aber Libertäre und Liberale sind keine Synonyme. Zum anderen ist das Argument legitim und plakativ, es verdeutlich die Notwendigkeit der Beschränkung gewisser Freiheiten. Es ist aber keineswegs das einzige Beispiel. Wir könnten auch über das Eigentum sprechen, dessen Begrenzung irgendwie ausverhandelt werden muss. Oder die Voraussetzungen von Eigenverantwortung, die irgendjemand herstellen muss.

Wenn du sagst, es gibt ein „Nichtaggressionsprinzip“, dann muss das ja auch irgendjemand sicherstellen. Es braucht also eine demokratisch legitimierte Schiedsinstanz, einen Gesetzgeber, eine Regierung. Kurz: Das Nichtaggressionsprinzip mündet direkt in die Notwendigkeit, einen Staat oder zumindest Quasi-Staat zu erschaffen.

Dass Anarcho-Libertäre keine Regeln wollen, ist völlig falsch.

Und steht folgerichtig auch nirgendwo.

Sie wollen lediglich keine Regeln, die dem einzelnen aufgezwungen werden. Eine private Siedlung könnte … Solange niemand gezwungen wird, in der Siedlung zu verweilen, ist das legitim.

D.h. das Prinzip ist: Solang die Mehrheit für etwas ist und die Minderheit sich schleichen kann, ist alles supi? Na das ist mal eine gute Grundlage, um irgendwo viel Geld in ein Haus, ein Unternehmen oder eine Wohnung zu investieren nur um hinterher eh gehen zu können. Es ist aber prinzipiell egal, weil das was du beschreibst ein Quasi-Staat ist. Basisdemokratisch halt.

Ein anderer Weg nicht-staatlicher Regulierung eröffnet das Internet. Überall im Internet gibt es Zonen mit eigenen Regeln. ebay … Amazon.

eBay und Amazon erfüllen genau eine streng definierte Funktion. Völlig lächerlich das mit der Selbstregulierung von komplexen Gesellschaften gleichzusetzen. Gleichzeitig habe ich nichts gegen demokratische Entscheide und Selbstregulierung. Es muss nur funktionieren.

Ganz allgemein: Du ersetzt in deiner Argumentation nur demokratische Regierungen durch demokratische Regierungen in einer anderen institutioneller Form.

Die Siedlung die sich per gemeinsamem Entscheid Regeln gibt. eBay, das dich zwar durch demokratische Bewertungen berät, aber dich vor allem gegen Betrug versichert. Schiedsinstanzen für Transaktionen und Vertragsüberprüfungen bei einer Währung wie Bitcoin, auf die man sich gemeinschaftlich einigt.

Das sind alles Ausprägungen von höheren, gemeinsam akzeptierten Autoritäten auf die man sich einigen muss – wie eben auch eine demokratische Regierung es sein sollte. Dass der heutige Staat von der Idealvorstellung ein gutes Stück entfernt ist, müssen wir glaube ich nicht diskutieren. Wir sprechen ja theoretisch.

Diese Diskussionen mit zu führen, macht mir auch Spaß, aber es ist ein bisserl eine Themenverfehlung, denn deine Argumentation geht auf die von mir besprochene Problematik nicht ein, dass es einen Widerspruch von Freiheiten gibt und damit auch unterschiedliche liberale Ausprägungen (unter anderem in der Einschätzung der Staatsrolle) geben muss keineswegs.

Der Begriff „Libertär“ bzw. „klassisch liberal“ wurde notwendig, um sich vom inflationären Liberalismusbegriff abzugrenzen.

Es gibt freilich das Recht zur Selbstverteidigung, sowie der kollektiven Selbstverteidigung.

Aus einer Privatsiedlung kann man sich viel leichter schleichen als aus einem Nationalstaat oder gar der zentralistischen EU.

Christoph Chorherr musste jahrelang in den 90ern kämpfen um eine autofreie Siedlung im 21. durchzusetzen. Dazu brauchte es Ausnahmegenehmigungen, denn Parkplätze sind heute vorgeschrieben, sowohl im Wohnungsbau, als auch bei neu errichteten Geschäftslokalen. Die Wiener lieben Autos, Straßen und Parkplätze und halten nichts von Radfahrern. Diese Vorschriften sind alle demokratisch legitimiert, aber nicht liberal.

Ebay und Amazon sind nicht demokratisch. Ebay gibt Regeln vor. Ich bin nicht gezwungen, dort einzukaufen. Und selbst, wenn ein Verkäufer auf Ebay oder ein Produkt auf Amazon 99% schlechte Bewertungen bekommt, dann kann ich mich trotzdem dazu entscheiden zu kaufen.

Ich glaube du unterschätzt den Umfang des Vertragsrechts, des Bankwesens und die unzähligen Regularien im Handel. Bitcoin&Co ermöglichen hier einen gewaltiges Stück Staat zu überwinden. Bei Bitcoin hast du mit einem privaten Schlüssel uneingeschränkte Kontrolle über beliebig viele eigene Konten. Es braucht kein SEPA, keine Verordnungen zu Kontonummern, Bankkonditionen, Mindestreserven, keine Zentralbanken, usw.

Mit Colored Coins, bitoin shares, usw. gibt es Ansätze Crowdfunding, Unternehmensfinanzierung und Börsen inklusiver strikter und transparenter Regeln auf nichtstaatlicher Basis aufzubauen.

Man kann vielen Ankaps, Marxisten, Anarchokommunisten und dergleichen sehr wohl vorwerfen, keine konkrete Lösung dafür anzubieten, was denn nach dem Staat bzw. dem Kapitalismus eigentlich kommen soll. Bitcoin und diverse Entwicklungen im Internet zeigen, wie es geht.

Der Begriff “Libertär” bzw. “klassisch liberal” wurde notwendig, um sich vom inflationären Liberalismusbegriff abzugrenzen.

Nein. Er wurde aus genau dem Grund nötig, weshalb ich oben von Links- und Rechtsliberalismus spreche. Liberalismus wird nicht unbedingt inflationär gebraucht, sondern tritt in unterschiedlichen Tendenzen auf. Dass sich manche Gruppen für die einzig wahren Liberalen halten, ist lediglich Zeugnis ihrer Überheblichkeit und möglicherweise die Schuld anders gearteter Liberaler, die den Begriff leichtfertig aufgeben.

Aus einer Privatsiedlung kann man sich viel leichter schleichen als aus einem Nationalstaat oder gar der zentralistischen EU.

Stimmt. Aber wie groß kann so eine Siedlung werden, ohne Staatscharakter zu bekommen und Aufgaben an demokratische Entscheidungsträger delegieren zu müssen?

Die Idee von Kleingruppensiedungen, zwischen denen man frei wählen kann, funktioniert nur im Modell, weil die Welt kein Schachbrett gleichförmiger Zonen ist auf dem alle Figuren zudem noch gleiche Kräfte haben. De facto binden viele Realzwänge Menschen an gewisse Orte, haben nicht alle Gruppen dieselben Ziele und nicht alle dieselben Fähigkeiten und gleiche Macht.

Für die Frage nach Liberalität bleibt zudem auch in der Kleinorganisation entscheidend, wie die Regeln wirken. Auch in einer Gruppe von 3 Leuten kann eine Mehrheit eine Minderheit tyrannisieren. Wer garantiert, dass Menschen ihre Siedlungen wieder verlassen dürfen? Und wer legt fest, dass das überhaupt wünschenswert ist?

Interessant finde ich zudem, dass dieses Ziel der Kleingruppenorganisation der bisherigen menschlichen Entwicklung zuwiderläuft. Möglicherweise ist das zum Teil logisch und durch den Technologiewandel möglich geworden und sicher gibts in dem Ansatz viele valide Argumente (ich hab schon öfter einen Beitrag geschrieben und schlussendlich als noch zu unausgereift wieder verworfen, der aus sehr ähnlichen Erwägungen heraus für mehr Föderalismus bzw. Stärkung lokaler Institutionen plädiert).

Aber man sollte trotzdem bedenken: Der Mensch hat sich aus Kleingruppen heraus entwickelt und durchaus zweckmäßig zu immer größeren politischen und wirtschaftlichen Gemeinschaften zusammengetan. Und es waren dann zum Teil eben die größeren Organisationen, die gewisse Freiheiten erst ermöglicht oder sogar garantiert haben.

Die Widersprüchlichkeit von Freiheiten und Gesellschaft lösen sich nur auf, wenn man jede Gesellschaft auflöst. Dann aber gehts konsequent betrachtet zurück ins Höhlenmenschentum, und diese Lebensweise hat sich als unpraktisch für uns Menschen erwiesen.

Christoph Chorherr musste jahrelang in den 90ern kämpfen um eine autofreie Siedlung im 21. durchzusetzen.

Ich habe ja nicht behauptet, der österreichische Staat wäre ein liberales Vorzeigebeispiel. 😉

Diese Vorschriften sind alle demokratisch legitimiert, aber nicht liberal.

Demokratie ist im Optimalfall der Modus, in dem Freiheiten breitestmöglich auf egalitärer Basis verhandelt werden und jeder seinen Anteil an der Debatte haben kann. Ich würde nicht behaupten, dass Demokratie Liberalität garantiert, aber doch der Gesellschaftsmodus mit dem größtmöglichen liberalen Potential ist. Und das liegt daran, dass es auch ohne Staat keine echt herrschaftsfreie Gesellschaft gibt.

Das Argument ist folglich natürlich nicht, dass jede Vorschrift liberal ist, sondern dass Vorschriften logischerweise liberal sein können.

>>>In der Raucherthematik stellt sich zunächst die Frage, ob gelegentliches Passivrauchen überhaupt eine Körperverletzung darstellt. Dafür gibt es keinen Beleg. Aber selbst wenn es so wäre, dann ist auch eine körperliche Beeinträchtigung in Ordnung, solange sie im Einverständnis erfolgt. Boxen im Boxring ist Okay, einem Passanten ungefragt ins Gesicht schlagen ist nicht okay.<<<

Das erfordert vorneweg die Fähigkeit eine mündige Entscheidung zu treffen – also wiederum: Kein Tabakkonsum in geschlossenen Räumen in denen sich Minderjährige aufhalten.

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Die Voraussetzung dafür ist dann wohl ein äußerst flache Hierarchie und gleichmäßige Wohlstandsverteilung innerhalb der Gesellschaft – ansonsten generierst du bloß fehlende Freiheit bei jenen die die Siedlung nicht wechseln können weil sie in keiner anderen Siedlung willkommen sind. (z.B. durch die Entscheidung der Siedlung keine schwarzen Bewohner zuzulassen wie es in den USA mal durchaus üblich war..)

Womit wir wieder bei der Frage der -Einverständnis- wären: In dem Moment in dem man willkürlich Regeln festlegt schränkt man die Freiheit aller anderer ein Stückweit ein. und das Nichtaggressionprinzip in allen ehren, aber es ist kein allzugroßer unterschied ob du jemand durch die Verneinung aller anderen Möglichkeiten (der arbeit) oder durch Waffengewalt zur arbeit zwingst.

Ob jemand konservativ ist hat nichts damit zu tun, ob er liberal ist oder nicht. Es geht nur darum, ob er seine eigenen Moralvorstellungen anderen aufzwingen will. Z.B. Homosexualität für falsch und unmoralisch zu halten ist nicht illiberal, so lange man der Ansicht ist, dass es eine Privatangelegenheit ist und keine Gesetze geben soll, die in diesem Zusammenhang diskriminieren.

Das gilt selbstverständlich auch für andere politische Richtungen: der Liberalismustest ist nicht, gesellschaftlichen Phänomenen positiv gegenüber zu stehen, sondern sie abzulehnen aber trotzdem anzuerkennen, dass es nicht die Aufgabe des Staates ist sie zu regulieren. Oder nochmals aus konservativer Sicht: Kiffen super zu finden macht niemanden liberal – es abzulehnen und trotzdem gegen die Prohibition zu sein zeigt aber eine liberale Haltung.

Wenn man die Politik der Konservativen ansieht stimmt das zwar. Allerdings kann ich nicht erkennen, dass die Konservativen im Vergleich zu anderen Parteien irgendwie fleißiger sind, wenn es darum geht, den Menschen ihre Ideologie vorzuschreiben.

Gerade zwischen Konservativen und Grünen passt in dieser Disziplin kein Blatt Papier.

Ja? Welche Vorschriften machen die Grünen denn im höchstpersönlichen Lebensbereich? Dass man eine Kreditkarte am Tschickautomaten brauchen sollte? Was kommt jetzt als massiver Grundrechtsangriff? Geschwindigkeitslimits auf Autobahnen in belasteten Umweltzonen und Schritttempo in Wohngegenden oder Frauenquoten für Aufsichtsräte? Wie gesagt: Es gibt keine „astreine“ liberale Partei, aber man sollte schon ein bisserl differenziert betrachten, wo die Zugeständnisse an andere Haltungen aus welchen Gründen und mit welchem Effekt stattfinden.

Konservative Parteien haben so ihre Probleme mit Homo-Ehe und dem Adoptionsrecht für Nicht-Heterosexuelle, mit der Entkriminalisierung weicher Drogen oder einer offenen Familienpolitik die sich nicht am Männchen-Weibchen-für-immer-vereint-Modus orientiert, mit Bettlern auf der Straße, mit einem Internet ohne aufdringliche Überwachung, mit Abtreibungsrechten und dem Zugang zur Verhütung, manche sogar damit Gott NICHT in eine Verfassung zu schreiben und so mancher findet, man sollte vor allem Christen die Menschenrechte gewähren (Syrien-Asylthema anyone?), Zuwanderung stoppen und religiöse Gebäude verbieten. Da geht es um ganz grundlegende Eingriffe in individuelle Grundrechte. Und das betreiben sie politisch alles auch aktiv, nicht nur im eigenen Leben.

Es geht hier um die ideologische Politik, nicht um die persönlichen Entscheidungen. Konservative Parteien sind da nicht auf einer Ebene mit liberalen und Grünen – siehe die Einstufung im Political Compass.

Eine Vorbemerkung: Die folgende Auflistung hat nichts mit Grün vs. Konservativ zu tun sondern Grün vs. Liberal. Bei vielem hier liegen Grüne und Konservative gleichauf (bzw. haben Konservative die Grünen Positionen übernommen).

Frauenquoten in Aufsichtsräten sind für mich ein Beispiel von illiberalen Politik, speziell auch, da es ja erst der Anfang ist – Forderungen nach Frauenquoten in KMU gibt es von Grünen ja auch schon.

Verbot gentechnisch veränderter Pflanzen, deren Unbedenklichkeit wissenschaftlich eindeutig bewiesen ist. Verbote bzw. Einschränkungen bei „ungesunden“ Lebensmitteln.

Forderung nach Privatwaffenverbot.

Sehr vieles, was mit Energie zu tun hat: speziell natürlich die Sanierungspflicht von älteren Häusern, aber auch die bereits absurden Vorschriften für Neubauten, die die Preise für Bauen und Mieten in die Höhe treiben. Und Vorschriften aus der Ökodesign-Richtlinie (Glühbirnen usw.). Die Forderung nach einem Totalverbot von Fracking, ohne Einzelfälle z.B. mit einer UVP zu prüfen. Verbot von Öl- und Stromheizungen in Neubauten. Die von jedem zu finanzierende Förderung von in dieser Form in unseren Breiten äußerst fragwürdigen Energiequellen (Photovoltaik).

Die Grünen haben aus historischen Gründen eine gewisse Affinität zu Marihuana, dessen Freigabe z.T. gefordert wird (stand aber z.B. nicht im „Wahlprogramm“ der österr. Grünen) und es gibt eine Forderung nach Entkriminalisierung von Drogenkonsum. Daneben haben die Grünen beim Substanzkonsum die gleiche antiliberale Regulierungswut wie alle Anderen – Stichworte Apotheken- und Rezeptpflicht, keine Freigabe von anderen weichen Partydrogen und schon gar nicht von Kokain usw. Das bisschen Liberalität bei Canabis wird sofort durch die absurde Regulierungswut bei Zigaretten wettgemacht (Stichwort E-Zigaretten, Zusatzstoffe, usw.).

Zum Internet: die Ideen der Regulierung vom Internet unterscheiden sich je nach Ideologie stark. Allerdings ändert das nichts daran, dass man das Internet so lassen soll, wie es entstanden ist – nämlich ohne Regulierung. Nicht nur ohne Pornofilter, sondern auch ohne Netzneutralität, und ohne Cookie-Abfrage.

Eine Anmerkung zu den Christen in Syrien, was aber nichts mit dem Thema hier zu tun hat: Christen sind in Syrien in einer besonders schwierigen Lage, da sie sich zwischen den Fronten befinden und keine eigene „Schutzmacht“ haben (die anderen Fraktionen haben ja die entsprechenden Unterstützerstaaten). Ich finde an der Forderung, einer besonders stark verfolgten religiöse Minderheit Asyl zu gewähren nichts verwerfliches. Ich versteh schon, dass die Linken ein Problem aus der Richtung haben, aus der die Forderung kommt und auch an der Motivation zweifeln: aber in der Sache ist es richtig.

Frauenquoten in Aufsichtsräten sind für mich ein Beispiel von illiberalen Politik

Und da scheppern die Einschätzungen eben zusammen. Wenn man nämlich davon ausgeht, dass die derzeitige Zusammensetzung von Aufsichtsräten ein Zeichen von illiberalen Zuständen ist und erst solche Quote diese bereinigen sollen. Wobei ich bei Quoten, dort wo ich sie befürworte, eh schon immer gesagt habe, dass sie kein Dauerzustand und kein erstrebenswertes Ziel für sich, sondern ein temporäres Instrument gegen eine faktisch erzwungene Ungleichheit sein sollten.

Ich finde an der Forderung, einer besonders stark verfolgten religiöse Minderheit Asyl zu gewähren nichts verwerfliches. Ich versteh schon, dass die Linken ein Problem aus der Richtung haben, aus der die Forderung kommt und auch an der Motivation zweifeln: aber in der Sache ist es richtig.

Nein. In der Sache ist es richtig, verfolgten Menschen Asyl zu gewähren. Wenn sich aus der Realität ergibt, dass darunter besonders viele Christen sind, dann sei es so. Von vornherein deren Notlage als schlimmer zu bewerten und anderen die Chance auf Asyl deshalb zu verbauen, ist nicht richtig sondern Diskriminierung auf Basis von Religion.

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