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Zieglers Aufstand des Gewissens

Jean Ziegler hätte heuer in Salzburg eine Rede halten sollen. Durfte dann aber nicht, veröffentlichte sie darauf online. – Ein Kommentar dazu von Andreas Sator

Kaum jemand dürfte es verpasst haben: Jean Ziegler sollte diesen Sommer bei den Salzburger Festspielen die Eröffnungsrede halten. Kurzerhand entschied man sich aber um und ließ den Schweizer doch nicht zu Wort kommen (weshalb, darüber wird spekuliert). Ziegler entschloss sich, seine Rede trotzdem zu veröffentlichen und hat das via YouTube getan. Ich habe sie mir angesehen (zugegeben, etwas spät) und ein paar Gedanken dazu zu Papier bzw. auf den Bildschirm gebracht.

Wer Ziegler kennt, der kennt auch seine polarisierende Aussage: „Ein Kind das heute verhungert, wird ermordet“. Doch ist dem wirklich so? Klar wirkt der Kontrast zwischen Reich und Arm auf dieser Welt pervers. Die einen ersticken langsam im Überfluß, die anderen verhungern in der trockenen Wüste. Doch könnte man mit dem Geld der einen das Leid der anderen verringern? Teilweise bestimmt. Doch das geschieht auch bereits jetzt. Die Behauptung, man müsste nur genug Dollar in die Hand nehmen und der Hunger würde verschwinden (was Ziegler nicht sagt, mit seinen Vereinfachungen aber impliziert) halte ich für Blödsinn. Zu vielschichtig und komplex ist die Problematik. Das spielen Interessen lokaler Eliten, mangelhafte Eigentumssysteme und jede Menge volkswirtschaftlicher Schwierigkeiten (fehlende Skalenerträge, Koordinationsfehler, etc.) mit.

Dass unser Reichtum die Kinder in der Dritten Welt verhungern lässt, lasse ich schlicht und einfach nicht gelten. Unsere Art Güter zu produzieren und vor allem die Lust diese zu konsumieren killt zwar die Umwelt, was soziale Angelegenheiten betrifft halte ich unser Wirtschaftssystem aber durch und durch für eine Reichtumsmaschinerie (sowohl für die Elite als auch die breite Masse). Natürlich lässt sich der Westen auch immer wieder etwas zu Schulden kommen (Subventionspolitik, land grabbing, die Kolonialzeit lässt grüßen, usw.), überwiegend Schuld an so manchem „failed state“ hat er meines Wissens aber nicht.

Die Gewalt des Kapitals

Wäre Ziegler nur ein sich der Übertreibung zu Nutze machender Lobbyist für die gute Sache, könnte man über seine pikanten Formulierungen ja noch hinwegsehen. Der Schweizer gilt aber nicht gerade als Verfechter einer freien, sozialen und von mir aus ökologischen Marktwirtschaft, wie ich sie für den Wohlstand der Nationen favorisiere, sondern als Kommunist. Und was ein ihm genehmes Wirtschaftssystem für die Welt bedeuten würde, brauche ich an dieser Stelle nicht ausführen.

„Es geht um die strukturelle Gewalt des Kapitals“, sagt Ziegler gegen Ende seiner Rede und will damit die Gewinnorientierung von Unternehmen abmontieren. Natürlich ist die Gier für so manches Leid verantwortlich. Meines Erachtens ist sie aber im Menschen immanent (gewagte These, ich weiß). Die Marktwirtschaft und der Kapitalismus haben Nebenwirkungen, das streite ich nicht ab. Manchmal ziemlich, ziemlich unschöne. Und ja, es wirkt nicht in großem Ausmaß edel, wenn der Mensch seinen Antrieb etwas für die Gemeinschaft zu schaffen nur mit der Aussicht auf Geld findet. Aber so ist es nun einmal und mit diesem Prinzip hat es ein kleiner Teil der Welt bereits geschafft, die Lebenserwartung und die Lebensqualität in einer Form zu steigern, die für viele Menschen auf diesem Planeten heute leider nicht einmal Wunschdenken sein kann.

Die Antwort auf die essentielle Frage unserer Zeit findet man nicht unter linken Utopisten, sondern im Markt. Der funktioniert in vielen Ländern aus den verschiedensten Gründen nicht. Diesen Gründen gebührt Aufmerksamkeit. Ihnen sollten wir unsere Energie widmen. Ziegler ist ein äußerst kluger Mensch, mit großem Engagement und einem Erfahrungsschatz im Entwicklungsbereich, der mich meinen Hut ziehen lässt. In der wichtigsten aller Fragen maße ich mir aber an, ihm vehement zu widersprechen: Der des Wirtschaftssystems.

Bilder © Rosel Eckstein & Daniel Lucas Egger / PIXELIO

Von Andreas Sator

studiert Volkswirtschaft, mag Gerechtigkeit und fühlt sich politisch irgendwie nirgends wirklich zu Hause. Sein größtes Anliegen ist ihm eine Gesellschaft mit globalerem Bewusstsein.

14 Antworten auf „Zieglers Aufstand des Gewissens“

Wenn die freie marktwirtschaft in ihrer ausprägung als gieriger kapitalismus nicht funktioniert, der kommunismus nicht sein darf, weil er auch nicht funktioniert hat (ziegler sagt auch: „3 wochen gab es kommunismus, nämlich die ersten 3 w. der franz. revolution“), die gier also in der natur des menschen liegt, was dann? Die lösung findet man im markt, der aber aus vielen gründen nicht funktioniert? Die gründe sind letztendlich immer nur einer: individuelle gier in unterschiedlichsten ausprägungen.
Sollte man das mächtigste, brutalste lebewesen auf der erde nicht gelegentlich zur mäßigung aufrufen?

@Andreas: Nein nicht wirklich, war nur eine Anmerkung. Nur ob die Lösung auschließlich im freien Markt liegen kann, ist ja auch kürzlich von ein paar Konservativen angezweifelt worden….

hm!
Also der (freie)Markt würde prinzipiell funktionieren, wären nicht da und dort kleine Mängel die das blöderweise verhindern? 

aha!
Eine ziemlich stumpfsinnige Ansage, meiner Meinung nach. Diese Argumentation ist in etwa so stichhaltig wie die, der von dir kritisierten kommunistischen Linken, dass Kommunismus in seiner Reinform („wie er ja toll und erstrebenswert wäre“ – so die Argumentationslinie) noch nie existiert hätte und deshalb darüber auch kein Urteil gefällt werden kann/darf.

oha!
Diese Sichtweise baut auf der Idee einer absoluten(reinen) Wirtschaftsform, welche von der Theorie in die Praxis transferiert wird und dabei die Akteure/innen außen vor lässt, auf. Sie ist schlichtweg realpolitisch nicht haltbar.

oweia!
Marktversagen ist märkten inhärent. Nicht jede (verteilungs-) Problematik kann über marktwirtschaftliche (verteilungs-)Mechanismen gelöst werden.

btw!
(Dass Arbeit als Verteilungsmechanismus – so wie das unserer Marktwirtschaftsform zugrunde liegt – schön langsam ausgedient hat wäre der hier und jetzt Bezug, damit wir nicht nur über die armen hungernden Afrikanischen Kinder sprechen, aber das ginge dann wohl zu weit und am Thema des Artikels vorbei) 

Der Markt funktioniert auch prinzipiell. Wo er das nicht tut, greift der Staat auf die eine oder andere Weise regulierend ein. 

Ich lese aus meiner Argumentation nicht die Forderung nach der Einführung einer unregulierten Marktwirtschaft heraus.

„Nicht jede (verteilungs-) Problematik kann über marktwirtschaftliche (verteilungs-)Mechanismen gelöst werden.“

Absolut richtig. Doch den Markt als Allokationsmechanismus halte ich trotzdem für das beste bekannte System. Märkte & Gewinnorientierung sind mE prinzipiell etwas Gutes – über Details kann man dann immer streiten. Und bei soviel „Märktebashing“ musste dieser Artikel einfach einmal sein.

 
Erstaunlich. Jean Ziegler lernt dazu. Jedenfalls erwähnte er diesmal die meisten jener Fakten, die dazu ausreichen, um seine eigene Position zu entkräften.

Allerdings zieht er keine Schlüsse daraus, oder relativiert wenigstens seine grandiosen Anschuldigungen. Er fügt besagte Fakten lediglich in seinen Schwall an freier Assoziation und in seine naive Weltsicht ein.
—–
Ziegler spricht von einer „Weltlandwirtschaft“, die 12. Mrd Menschen mit 2200 Kcal pro Tag ernähren könne. „Im Gegensatz zu vergangenen Jahrhunderten“ gäbe es heute keinen „objektiven Mangel“.

Ich erinnere mich, dass Ziegler noch unlängst von der Subsistenzwirtschaft schwärmte und den Reichtum der entfremdeten kapitalistischen Länder als Diebstahl an den früher idyllisch lebenden primitiven Völkern darstellte. Heute gibt er wenigstens zu, dass es Fortschritt gibt und die Moderne die Lösung ist.
Wo diese „Weltlandwirtschaft“ genau liegt, verrät Ziegler nicht. Aber ich glaube das sie liegt gleich neben dem „Weltmarkt“ und sie gehört dem Weltbauern und seinem treuen Milchmädchen.
(Ob sich Jean Ziegler auch auf seine 2200 Kcal-Ration beschränkt, wage ich übrigens zu bezweifeln.)
—–
Gleich im Anschluss an die schräge Behauptung, es gäbe keinen „objektiven Mangel“, zählt er auf, dass am Horn von Afrika seit fünf Jahren Dürre herrsche, der Grundwasserspiegel auf 60 Meter gefallen sei und der Boden hart wie Beton wäre. (Das sieht mir ganz nach Mangel aus.)
Darüber hinaus erwähnt er die durchgeknallten Kebap-Milizen.

Nach dieser Konkretisierung dieses Problems schließt Ziegler messerscharf: „Das Geld ist das Problem“ (Also bedruckte Papierscheine, die als Tauschmittel gebräuchlich sind, nicht etwa Wasser oder verrückte bewaffnete Banden).

Nun gut, er will 3 Milliarden an Soforthilfe. Jetzt könnte er ja eine Kontonummer zum Spenden vorlesen und die Zuhörer dazu aufrufen, zu spenden und an Politiker und Reiche zu schreiben.
Aber nein, Jean Ziegler braucht eine große These für eine noch größere Anklage.

Jenes schon erwähnte bedruckte Papier wurde im Rahmen der Bankenrettungen in großer Zahl gedruckt und den Banken geschenkt, um die Bilanzen wieder ins Lot zu bringen. Das sorgte für eine etwas undurchsichtige Umverteilung von Menschen mit hohen Einkommen, die die meisten Steuern zahlen, zu Menschen mit hohen Vermögen, die meist auch ein großes Einkommen haben oder hatten.
Wie auch immer, jedenfalls ist diese bedruckte Papier für Ziegler genau jenes, das nun der Unicef fehlt. Ziegler schließt messerscharf, dass die Bankiers somit ursächlich am Hunger am Horn von Afrika verantwortlich wären und vor ein Nürnberger Tribunal wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gestellt gehörten.

Doch schon wenige Sätze, nachdem Jean Ziegler Bankiers und Konzernchefs mit Nazis und ihre Handlungen mit geplantem Völkermord verglich und implizit über deren harte Bestrafung phantasierte, streckt er eben jenen Magnaten, die er unter den Besuchern der Salzburger Festspiele wähnt, die Hand aus. Man soll nicht sie hassen, sondern das System, zitiert er Jean-Paul Sartre, der im Alter zunehmend radikal und gewaltverherrlichend wurde und den Maoismus unterstützte.

Jean Ziegler hat auch einen zweiten Schuldbeweis im Ärmel. Die Spekulanten seien von den Aktienbörsen zu den Argrarbörsen abgewandert und hätten die Preise in die Höhe getrieben. Nun, diese Agrarbörsen gibt es seit hunderten von Jahren und ebensolange sind die meisten Teilnehmer „Spekulanten“. Eine Reihe von Gütern wird gar nicht an diesen Börsen gehandelt. Reis z.B.

Zum Spekulieren gehören immer zwei. Für jeden, der auf steigende Preise setzt braucht es einen, der auf das Gegenteil wettet. Reale Güter, die noch dazu verderblich sind, werden dort gar nicht gehortet.
Daher behaupten Paul Krugman, Robert J. Shiller und überhaupt der Mainstream der Ökonomen, dass die Spekulanten die Preise nicht in die Höhe treiben können. Mag sein, dass sich manche Zocker an der Börse das einreden, aber die glauben auch an Charttechnik und orakelhafte Deutungen täglicher Marktbewegungen.

Was also, wenn die Preise gar nicht durch böse Spekulanten erzeugt werden, sondern durch die von Ziegler selbst erwähnte Dürre? Ähnliche Dürre-Probleme gibt es auch in den Argrarexportländern Kaliforniern und Australien, obwohl diese Länder ja viel bedrucktes Papier haben?

Tja, dann muss man das Nürnberger Tribunal doch abblasen und erkennen, dass es sehr wohl einen „objektiven Mangel“ abseits von Milchmädchenrechnungen gibt. 

Zu Jean Zieglers Einladung und Ausladung.

Die Einladung Jean Zieglers war freilich unnötig wie ein Kropf, denn er hat nichts zu sagen, was objektiv zur Lösung irgendeines Problems beiträgt. Ebenso hätte sich die UNO die Spesen und etwaiges Gehalt für seine Tätigkeit als UN-Sonderberichterstatter von 2000-2008 besser sparen können.

Aber seine Ausladung erfolgte glaube ich eher, weil er zu Gaddafi hielt, als jener plötzlich wieder in Ungnade fiel, obwohl er Wochen zuvor noch mit Van Rompuy Händchen hielt und von Berlusconi und Sarkozy geschmust wurde: http://www.dw-world.de/image/0,,6277803_1,00.jpg

Stattdessen setzten die westlichen Eliten plötzlich auf nebulöse Rebellen, über deren ethnische Säuberungen von Schwarzafrikanern und sonstige Untaten hinweg gesehen wurde.

Insofern ist Zieglers Ausladung genauso irrational wie seine Einladung.

Ein guter Artikel. Veröffentliche deine Artikel hier doch auch auf zuwi.at.
 
@schwubidiwup oder so
Der freie Markt funktioniert. Freier Markt heisst ja nicht, dass jeder machen kann was er möchte. Genauso wenig heisst freier Markt die völlige Absenz eines Service public.
Genauso wenig ist im freien Markt die Gier implizit. Aber nur wo es frieen Markt gibt und dieser ermöglicht wird, gibt es auch Wohlstand. Aber du kannst mir gerne das Gegenteil beweisen und ein Land nennen, welches Wohlstand für die breite Masse ohne freien Markt erreicht hat.

@dieter

„Nun, diese Agrarbörsen gibt es seit hunderten von Jahren und ebensolange sind die meisten Teilnehmer “Spekulanten”.“

Weil ich da zufällig mal einen wissenschaftlichen Artikel drüber gelesen habe: Das ist falsch. Die Zusammensetzung der Player auf den Agrarbörsen hat sich verändert. Früher haben industrienahe Spekulanten sich abgesichert, heute sind völlig branchenfremde, hauptberufliche Spekulanten dort zu Gange die vom Getreide auf das sie wetten genausowenig Ahnung haben wie von den Softwarepatenten, mit denen sie nebenbei spekulieren. Mal schaun, ob ich den Artikel nochmal wo finde, dann kann ichs vielleicht nochmal genauer zitieren – ist schon etwas länger her.

„Daher behaupten Paul Krugman, Robert J. Shiller und überhaupt der Mainstream der Ökonomen, dass die Spekulanten die Preise nicht in die Höhe treiben können.

Und doch springen die Märkte gern wie verrückt hin und her, manchmal auch ohne dass sich realwirtschaftlich groß was ändert. Schon komisch.

Krugman sagt das nicht, er akzeptiert die Spekulanten nur nicht als größte der Ursachen. Prinzipiell ausschließen tut er das nicht, sondern er beurteilt jeden Anstieg für sich. Shiller beschreibt in „Die Subprime Krise“ den Effekt von Spekulationen auf die realen Preise ebenfalls bei Immobilien – warum soll er das also angeblich bei Landpreisen, Lebensmitteln und Grundbedarfsgütern leugnen?

Spekulative Märkte basieren auf Erwartungshaltung und die wird natürlich von den großen Playern beeinflusst und geprägt, um deren Wetten lohnenswert zu machen. Ich find das Bild von den Märkten, auf denen alle nur nobel nach bestem Wissen und Gewissen wetten, und dabei höchstens selbst die Verlierer sein können, ja reichlich naiv. Hätten die Aktivitäten auf den Märkten keine realen Auswirkungen, warum sollten wir sie fann nicht logischerweise gleich ins Casino verlegen? Nur zur Sicherheit?

Natürlich ist auch der Umkehrschluss nicht richtig, dass Dürren überhaupt keine Rolle spielen. Wer Ursachen nicht in diesen beiden (und anderen) Probleme sieht, denkt nicht sonderlich scharf nach.

„Ähnliche Dürre-Probleme gibt es auch in den Argrarexportländern Kaliforniern und Australien

Achso? Dort verhungern Zehntausende wie in Somalia? Vielleicht solltest du das der UNO melden.

„Aber seine Ausladung erfolgte glaube ich eher, weil er zu Gaddafi hielt, als jener plötzlich wieder in Ungnade fiel…“

Achso? So ein gefinkelter Hund. Da hält er in Wahrheit zu Gaddafi und nennt ihn dann öffentlich aber doch einen verrückten Lügner und Tyrannen und forderte die Luftraumsperre als Minimalhandlung.  http://www.sueddeutsche.de/politik/interview-mit-jean-ziegler-gaddafi-ist-voellig-verrueckt-1.1067974

Und doch springen die Märkte gern wie verrückt hin und her, manchmal auch ohne dass sich realwirtschaftlich groß was ändert. Schon komisch.

Du vergleichst Äpfel mit Birnen. Verrückte Schwankungen gibt es auf den Aktienmärkten. Das ist der Primärmarkt für Aktien. Aktien werden am Aktienmarkt gehandelt. Feedback gibt es nur hie und da über Quartalszahlen, oder wenn ein Unternehmen pleite geht.

Immobilien werden unmittelbar gar nicht auf der Börse gehandelt. Immobilien kann man horten.
(Robert Shiller tritt gar für die Einrichtung Immobilienpreisindizes und spekulative Derivate auf diese ein, um zukünftige Immobilienblasen zu verhindern!)

Anders sieht das bei Öl und Weizen aus. Der Preis von Öl und Weizen ergibt sich durch Angebot und Nachfrage unter Millionen von Produzenten und Milliarden von Konsumenten. An den Warenterminbörsen wird auf Preisentwicklungen spekuliert. Wer daneben liegt, ist der Gelackmeierte. Horten ist bei Nahrungsmitteln nur eingeschränkt möglich und beim Öl findet es objektiv nicht statt. Dafür gibt es gar keine Kapazität.

Paul Krugman und Robert Shiller warnten vor der Immobilienblase und wurden ausgelacht. Krugman warnte auch vor der Internetblase und wurde für verrückt und gestrig gehalten. Im Falle der angeblichen Blase auf den Agrar- und Rohstoffmärkten ist das genau umgekehrt. Hier ist der Glaube, dass es sich um Spekulation handeln würde, weit verbreitet und beide schreiben eben gegen die Spekulations-Hypothese an. Paul Krugman schrieb vor einigen Jahren unzählige Kommentare und Blogeinträge zum Thema:

http://www.nytimes.com/2008/06/27/opinion/27krugman.html
http://krugman.blogs.nytimes.com/2008/06/24/various-notes-on-speculation/
http://krugman.blogs.nytimes.com/2008/06/23/speculative-nonsense-once-again/
http://krugman.blogs.nytimes.com/2008/05/13/more-on-oil-and-speculation/

#Achso? Dort verhungern Zehntausende wie in Somalia? Vielleicht solltest du das der UNO melden.

Nein, aber es liegt nahe, dass die Ernteausfälle auch für die Preissteigerungen verantwortlich sind, die Ziegler den Spekulanten zuschreibt. Der Öl-Preis ist auch ein Kandidat, denn Dünger, Pestizid und Transport brauchen Öl und Gas.

Robert Shillers Vorlesung über Warenterminbörsen:
http://videolectures.net/yaleecon252s08_shiller_lec21/

Ich habe gelesen, dass der Anteil der Spekulanten an den Warenterminbörsen schon ewig >95% beträgt. Man argumentiert, dass der soziale Nutzen der Spekulation darin bestünde, dass die Spekulanten Liquidität zur Verfügung stellen. Falls jemand sich tatsächlich gegen Preisschwankungen absichern will, findet er am Markt immer einen Spekulanten, der sich auf eine Wette einlässt.
Auch wenn das nicht stimmt, heißt das noch lange nicht, dass deren Wettaktivitäten schädlich sind. Wenn wir auf den Ausgang eines Fussballspiels wetten oder auf das Wetter, dann heißt das nicht, dass wir für schlechtes Wetter verantwortlich sind.

Du musst schon einen plausiblen Mechanismus präsentieren, wie ein neutrales Termingeschäft zwischen zwei entgegen gesetzten Wettpartnern den Preis von Weizen beeinflussen können soll und darüber hinaus auch noch die Preise von Gütern, die gar nicht an solchen Börsen gehandelt werden. (Eisenerz, Reis, usw.)

Zur Gaddafi-Frage: Soweit ich das in Erinnerung hatte, hat er Gaddafi zuerst noch verteidigt, bevor er die Zeichen der Zeit erkannte und seinem ehemaligen Freund in den Rücken fiel. Aber da war es schon zu spät.

Warum wurde er deiner Meinung nach nicht eingeladen? Der Inhalt seiner wirren, aber harmlosen Thesen kann es meiner Meinung nach nicht sein.

@Andreas Sator: Guter Artikel.
@Tom: Ziegler hat bis vor kurzem Ghadhafi noch verteidigt und er war nach eigenen Angaben ca. 7 mal bei ihm. Nein, nicht irgendwo in Lybien, sondern bei Ghadhafi. Das letzte mal vor ca. 2 Jahren bei der 40 Jahr Feier. Er war einer der Initiatoren des Ghadhafi Menschenrechtspreis – aber ok, das war 1989. 2002 hätte er dann mit dem Ghadhafi Menschenrechtspreis ausgezeichnet werden sollen. Er hat abgelehnt – aber nicht, weil der Preis von Ghadhafi kommt und auch nicht, weil ihm der Preis gleichzeitig einem franz. Holocaustleugner verliehen wurde. Nein, weil er als UN-Botschafter leider keine nationalen Auszeichnungen annehmen will.
Und das war nur seine Beziehung zu Ghadhafi. Ziegler hat noch nie den Kontakt zu Tyrannen gescheut, wenn sie nur möglichst laut gegen die USA und/oder Israel hetzen.
Das sind alles keine Geheimnisse. Seit Erfindung des Internetz kann sich niemand mehr damit  raus reden, dass er das ja alles gar nicht gewusst hat. Und deswegen ist die Unterstützung der Grünen für Ziegler auch so beschämend. Oder auch nicht: es zeigt vielleicht, dass die Grünen auch nur eine normale Partei sind, die halt auch Beziehungen zu Personen mit fragwürdiger Vergangenheit und lockerem Verhältnis zu den Menschenrechten haben.

Ich will den Autor auch für den Artikel loben, die Rede selbst find ich ziemlich schwach. Rheorisch langatmig, inhaltlich sehr seicht.

@Tom Schaffer: 1. sehr guter Beitrag!
2. sehr verständlich und fundiert (aber halt auch plakativ) ist dieses Video: http://www.youtube.com/watch?v=X32bhc9EB_I, das auch dein Argument hinsichtlich vertretener Player beinhaltet
das Volumen der Rohstoffspekulation hat sich zwischen 2003 und 2011 ver50facht (laut http://www.youtube.com/watch?v=2K0x4UaactA), man muss schon recht blind die heilige Kuh freier Markt verehren, um da kontraproduktive (da gefährliche und grenzenlos unethische) Auswirkungen zu leugnen und keinen Zusammenhang zu den in letzter Zeit ausufernden Kursen zu sehen.
(wobei ich im Übrigen zu den Leuten gehöre, die nicht primär im Neoliberalismus (der ja selbst einen Staat einfordert, der sich zwar nicht direkt einmischt, aber übergeordnet eben doch gewisse Marktradikalismen unterbinden soll, zB die ganze „too big to fail“ Situation) als den großen Sündenbock hinstellen wollen)
 

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