Das Audimax wird nie wieder dasselbe für uns sein. Die gut zweitausend Menschen die sich heute am ersten Tag der Unibesetzung in Wien den größten Hörsaal (und ein paar weitere) unter den Nagel gerissen haben, kennen diesen nun nicht mehr nur als Ort der Prüfung und des Bodensitzens, sondern als einen der Versammlung, des Protests, der Party und des Bodensitzens. Das war eine Sache die in zwei Jahrzehnten in Österreich vielleicht ein oder zwei Mal passiert.
Am ersten Tag (Donnerstag) war die Stimmung fantastisch. Politischer Protest ist nicht länger (nur) dieses verkrampfte 68er-Getue (auch wenn die Instrumente tatsächlich ähnlich geblieben sind). Das Fuck You der Gegenwart ist dort Spaß zu haben, wo die Missstände jeden Spaß verunmöglichen. Wenn ich auch noch einige kritische Worte anmerken werde müssen, war das doch ein Erlebnis das ich nie vergessen werde. Wie es am Freitag vor dem langen Wochenende weitergeht wird sich weisen.
Es ist möglich, dass die Uni die Sache wegen des ungünstigen Termins auszusitzen versucht – deshalb wurde die Polizei auch recht bald wieder zurückgepfiffen. Das kann kurzfristig funktionieren. Allerdings sind die Missstände zu tief und die Unzufriedenheit seit langem zu groß, als dass diese Sache einfach vorbeigehen würde. Der 22. Oktober war nur ein Anfang.
22 Antworten auf „Die Uni ist besetzt (Video)“
[…] This post was mentioned on Twitter by Tom Schaffer, Vagabunt. Vagabunt said: RT @schaffertom Mein Video & Blogpost: Die Uni ist besetzt http://is.gd/4wTRj #audimax […]
und der lindinger ist auch dabei.
danke für das video. hoffentlich bleibt mehr als ein happening. das grundproblem eines demonstrierenden studenten, der sein salz wert ist, bleibt ja, dass er gegen zwei lager bei den mit-demonstranten zu „kämpfen“ hat: gegen die idioten, die nur (!) eine party drin sehen/draus machen, und die politisch aktiven, die ein parteiübergreifendes anliegen stets für ihre parteipolitischen interessen zu instrumentalisieren versuchen. beide lager muss man aushalten, oder man geht irgendwann desillusioniert heim.
[…] Infos und Berichte unter anderem bei ZurPolitik, Politwatch, Polilog, Eva Maltschnig, Kathiza, 2-Blog, yxbitBlog, Santa Precaria oder Leichen der […]
[…] wirds zwar nie verstehen, aber langsam muss uns doch jemand hören. die studis besetzen das audimax der uni wien, gestern live […]
@Dyrn sehr richtig.das ist auch was mich dran gestört hat, dass dieser forderungskatalog gestern als „die demo-forderungen“ durch die medien (die diesmal teilweise einen sehr guten job machten übrigens) ging. das war halt das was eine organisation mitgebracht hat.
Super Video!
ok fang ich zu erzählen an: „Der Hörsal 1 im NIG wird nie wieder dasselbe für uns sein“ rief der Gebärdenmaoist Han-Tu-Chen als sich Otto Mühl gerade auf dem Pult in fäkalischer Hinsicht entleerte, während der künftige Vater einer bekannten Spitzenköchin über Wittgenstein referierte.
„Du hast nicht recht“ fuchtelte die trotzkistische Linke mit eben dieser: „Es wird immer so sein, weil wir permanent sind: ein Hörsaal ist nur die Rotation der Weltgeschichte!“ Inzwischen hatte Stumpfl das Wettpinkeln gewonnen und schüttelte die Bierflasche, die er hernach ins Publikum goß.
„Meine Hose wird für mich nie wieder so sein wie sie war“ jammerte der stellvertretende Vorsitzender der „Selbstkritischen Aktivposten (AO)“ und starrte auf die Stumpfelschen Flecken.
„Entkrampf dich!“ rief ein erst viel später erfundener Ad-hoc-Sponti. Doch niemand hörte ihm zu und alle verkrampften sich durch und durch.
😉
[…] katastrophalen Studienbedingungen aufmerksam zu machen. Nachdem es bereits bei Andreas Lindinger, Tom Schaffer, Michael Thurm oder Dominik Leitner interessante Berichte hierzu gibt, möchte ich den Protest der […]
Zur Aktion würde mich nun ganz brennend interessieren, was denn nun genau die Gründe sind. Vom weiten Hörensagen her weiß ich von „katastrophalen Studienbedingungen“, Bakk. – Master -Unzufriedenheiten, Studiengebühren und pro/kontra Ansichten zu Zugangsbeschränkungen.
Kann mir jemand genaueres erklären? Wie sehen die Studienbedingungen aus? Was sind die Bakk./Master – Probleme? Was genau würden neuerliche Studiengebühren für wen bedeuten? Müssen die alle bezahlen oder gibt es das Unterschiede? Bitte um Details!
Studienbedingungen: Ich sitze aktuell in drei Seminaren(!!) mit einer durchschnittlichen Anwesenheit von 70-80 Personen. Letztens durfte ich ein Seminar am Gang vor dem Zimmer erleben. Unsere verbleibenden Studienpunkte sollen wir erreichen indem wir Vorlesungen nochmal besuchen, die halt einen neuen Titel bekommen haben.
Würde ich von meinem auslaufenden Diplomstudium (Pflichtveranstaltungen wurden ohne Vorwarnung gestrichen) in Bakk/Master wechseln, so würde mir als Politikwissenschafter keine Vorlesung mehr aus politischer Ökonomie, Völkerrecht und Internationalen Organisationen angeboten werden.
Da ich nicht in dieses beschissene Bolognasystem wechseln will, werde ich ausgehungert. Es gibt in diesem Semester sage und schreibe eine Vorlesung die ich besuchen kann.
Die Bedingungen waren NICHT besser als es noch Studiengebühren gab – sie waren nur noch teurer. Ich bin bereits jetzt ein berufstätiger Student, weils anders halt nicht geht. Ist in meinem Fall ok, weil ich meinen Beruf sehr mag, aber mich voll auf das Studium zu konzentrieren geht so natürlich nicht. Ich habe auch noch einen Bruder der studiert. Ich bekomme eine Hammer-Studienbeihilfe von ich glaube 27€ im Monat.
Ich bin sowohl gegen Studiengebühren als auch Zugangsbeschränkungen, weil ich die Freheit von Menschen zur Bildung und die soziale Durchlässigkeit für wichtige Werte einer Gesellschaft halte. Eigentlich müsste ein lebenslanges Studium für alle die eines wollen politisch angestrebt werden, keine „in 6 Semester bist du durch oder blechst dich kaputt“-Mentalität.
Österreich hat in der OECD den zweitniedrigsten Akademikeranteil. Nur die Türkei liegt noch hinter uns. Was das für die Zukunft eines Landes ohne besondere Rohstoffe und Industrie im Zeitalter der Wissens- und Informationsgesellschaft bedeutet, wenn man dann noch weiter an der Bildung herumkürzt, sei deinen eigenen Vorstellungen überlassen.
Im Endeffekt braucht es für die Bildng einfach mehr Geld. Einerseits müssten seit Jahren mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden, andererseits gibt es sicher auch Spar-, Modernisierungs- und Optimierungspotential.
Was möchtest du noch wissen? 😉
gutes video, guter artikel, gute kommentare
danke!
@OECD Studie: und in der türkei wächst die akademikerInnenquote schneller als bei uns… also vielleicht sind wir ja bald an letzter stelle….
ich find die besetzung gut und wichtig, aber wie diese teilweise abläuft find ich ein wenig daneben – müssen da massig bekiffte studenten im audimax herumkullern bzw die linkslinken fraktionen schon wieder den ganzen protest vereinnahmen? warum ist man nicht fähig, abseits der ewig gleichen radikalpolitischen forderungen (zb die gender fraktion) einige wenige konkrete, auch in den medien kommunizierbare forderungen zu stellen: angemessene budget-erhöhung, abschaffung der studiengebühren, keine zugangsbeschräkungen?
ein großes problem der proteste ist fürcht ich, dass sich die studenten untereinander in die haare bekommen haben (da fallen sätze wie „diese hippies unterstütz ich nicht“) – gab eh bereits ein gutes kommentar hier von dyrn dazu. ich tret nur zu gern für die oben genannten forderungen ein, im audimax kam ich mir gestern aber dezent fehl am platz vor.
das sich manche vollkoffer u.a. nicht ans rauchverbot halten und die uni vollmüllen macht die truppe zusätzlich nicht wirklich zu einem vernünftig wirkendem dialogpartner (und jaa ich weiß, mit dem hahn kann man sowieso nicht reden, trotzdem!). natürlich ists wichtig, die proteste dennoch zu unterstützen, einfach damit nicht nur partyversessene vs. radikalpolitische vertreter alias trolle im audimax herumkullern.
das immense potenzial der proteste erkennt man denk ich u.a. daran, dass sogar die vize-rektorin der uni wien die proteste gut heißt. solange die studenten jedoch nicht mehrheitlich geschlossen + ansatzweise zivilisiert auftreten, wird man fürcht ich nicht entsprechend ernst genommen.
auf der gegenseite: erschreckend wie viele studenten studiengebühren und zugangsbeschränkungen befürworten, in der naiven annahme, dann würd die hörsaal-und-sowieso-die-komplette-uni-situation plötzlich wieder besser werden – kombiniert mit standardsätzen wie „ah, jeder der ordentlich studieren will kann das auch“ – schwachsinn!
tolles video jedenfalls und weiter gehts! 🙂
Pezi du warst genau 10 Minuten während einem Plenum dort. Da rennen keineswegs nur partyversessene und radikalpolitische Leute rum.
erstens warn das nicht nur 10min, zweitens behauptet das auch keiner, dass da nur partyversessene und radikalpolitsche leute rumrennen – da sind gewiss genug vernünftige leute drin, hab genug getroffen. da sind aber leider eben auch genug nicht so vernünftige dabei. und die fallen leider oft ein wenig mehr auf. das find ich schade, nicht mehr und nicht weniger.
„auf der gegenseite: erschreckend wie viele studenten studiengebühren und zugangsbeschränkungen befürworten, in der naiven annahme, dann würd die hörsaal-und-sowieso-die-komplette-uni-situation plötzlich wieder besser werden – kombiniert mit standardsätzen wie “ah, jeder der ordentlich studieren will kann das auch” – schwachsinn!“
Ja – richtig naiv, wenn man bedenkt, dass die besten Unis der Welt allesamt sowohl Studiengebühren als auch Zugangsbeschränkungen besitzen. Sowie sämtliche FHs in Österreich, deren Lehrsituation jeden Unistudenten Bauklötze staunen lassen.
(Dass trotzdem zu wenig Geld da ist, sehe ich ein – auch amerikanische Privatunis werden staatlich gefördert/mit Stiftungsgeldern unterstützt. Nur ist es mit „Mehr Geld!“ eben auch nicht getan – das zu glauben ist nicht mehr nur naiv, sondern bereits utopisch!)
@mathias: du glaubst aber nicht wirklich, dass die besten unis der welt ausschließlich dort sind, weil diese studiengebühren und zulassungsbeschränkungen haben oder?
ich hab während der zeit der studiengebühren an der uni studiert – war schrecklich. ich studier nun ohne studiengebühren – ist weiterhin schrecklich. ich studier aber auch an der fh – besser, aber ein völlig anderes system!
„Ausschließlich“ hab ich nicht gesagt. Dass sie dazu beitragen, davon bin ich hingegen überzeugt.
Und ja: Nur Studiengebühren sind daneben. Es braucht zunächst qualitative Zugangsbeschränkungen, etwa durch einen Aufnahmetest vor Studienzulassung, dessen Stoff für jeden (mit echtem Interesse) erlernbar ist.
Studiengebühren sind eher dann vonnöten, wenn die Stipendien nicht mehr bezahlt werden können. Denn genau ein gebührenfinanziertes Stipendiensystem ist doch Umverteilung pur, das, was die Linken immer wollen.
Und: Was ist am System der FH so anders? Es sind Hochschulen, die prinzipiell dieselbe Kohle vom Staat bekommen, durch Aufnahmetests- und Gespräche ihre Studierendenzahl aber so stark reduzieren, dass genug Geldmittel für jeden da sind. Dass bei der Ausbildung mehr auf Praxis als Theorie geschaut wird, ist diesbezüglich doch irrelevant.
Korrektur: Ganz irrelevant natürlich nicht, weil theoretische Vorlesungen durchaus Massenbetriebe sein können. Ich will ja auch keine 50 Studierenden pro Studiengang – aber zumindest so wenig, dass jeder einen Platz im HS sowie in den Pflichtseminaren bekommt.
@mathias:
„Ich will ja auch keine 50 Studierenden pro Studiengang – aber zumindest so wenig, dass jeder einen Platz im HS sowie in den Pflichtseminaren bekommt.“
Du willst die Anzahl der Studierenden danach bemessen, wie groß die bestehenden Hörsääle sind? Eine sehr zukunftsweisende Methode. Wir haben in Österreich eine vergleichsweise geringe Akademikerquote. Dies ist und wird zukünftig noch mehr zum Problem werden (gesellschaftlich, wirtschaftlich etc.) Die Augen vor den Zeichen der Zeit, der Wissens- und Informationsgesellschaft zu verschließen und etwa Studienplätze anhand von Sitzbänken eines in die Jahre gekommenen Hörsaals zu bemessen ist vor diesem Hintergrund so zielführend wie die beidseitige Verwendung von Toilettenpapier. Nicht die Studierenden haben die Unis in eine prekäre gebracht sondern Jahrzehnte von VP-Ministern in diesem Bereich die Augen und Ohren (mutwillig oder aus Dummheit?) verschlossen haben. Es liegt an der Politik eine Lösung zu finden. Es ist nicht Aufgabe der Studierenden die Verfehlungen der Politik auszubügeln.
„Und: Was ist am System der FH so anders?“
Eine Universität ist zum Erwerb von Bildung und einer wissenschaftlichen Ausbildung da. Eine Fachhochschule ist für den Erwerb von Bildung und vor allem für eine direkt verwertbare berufliche Ausbildung da. Dies ist ein massiver Unterschied. Weiters werden FH´s und Universitäten, auch abgesehen von Studiengebühren – die übrigens zu keiner Qualitätsverbesserung führten – nicht gleich finanziert (z. B. erhalten FH´s Gelder für die Anzahl der gemeldeten Studenten/Schüler). Weil es eben verschiedene Systeme sind, die man nicht ohne etwas Bauchweh vergleichen und v. a. nicht immer gegeneinander ausspielen sollte.
Dann hab ich mich womöglich missverständlich ausgedrückt – natürlich beziehe ich mich auf die möglichen Geldmittel und nicht auf die Hörsäle an sich.
Jedenfalls sehe ich keinen Sinn darin, so viele Studenten wie möglich aufzunehmen, dabei eine Menge Geld in die Universitäten zu pumpen und das mit „niedriger Akademikerquote“ zu begründen. Mehr Studenten bedeuten nicht automatisch mehr Akademiker – darum geht’s doch. Wer mehr Akademiker, also ausgebildete Studenten will, muss jene Menschen möglichst gut fördern, die Willen, Interesse und Wissen zu ihrem Studium mitbringen und nicht die, die bloß studieren, weil ihnen nichts anderes einfällt oder das Studentenleben so gemütlich ist. Die Augen vor der Tatsache der Existenz solcher Leute zu verschließen bringt uns kaum weiter.
Anyway, ich frage mich ganz prinzipiell, warum sich so viele gegen Zugangstests sträuben. Ist es wirklich zu viel verlangt, ein wenig erlernbares Wissen und Grundinteresse für die Disziplin von einem künftigen Studenten zu verlangen?
Warum das zum Dogma erhobene Credo, Hinz und Kunz müssten auf Teufel komm raus studieren können, auch wenn sie etwa mit einer Lehre oder einer karriereträchtigen Arbeitsstelle eigentlich besser beraten wären – vor dem Hintergrund von 30.000€, die ein Student den Staat pro Semester kostet?
Klar, Bildung muss uns was wert sein, aber lockeres Geldwegwerfen aufgrund einer sozialistischen Utopie kann nicht die Lösung sein.
Zu den FHs:
Ausspielen will ich gar nichts, man sollte sich nur daran ein Beispiel nehmen – selbst wenn die Finanzierung in Details anders sein sollte. Der Lehrinhalt hat schließlich nicht zwangsläufig etwas mit den Zugangsmodalitäten zu tun; dass an den Universitäten ein massives Platzproblem herrscht und an den FHs aus erkennbaren Gründen nicht, ist schlichtweg Tatsache.
Wirtschaftlich halte ich das für unbelegt. Österreich lebt prächtig mit der geringen Akademikerquote z.T. auch wegen der FHs, HTLs, HBLAs usw.
Die Tatsache, dass Österreich wirtschaftlich hervorragend da steht und wächst sollte der OECD zu Denken geben, ob viele Akademiker, so wie in der Ukraine, maßgeblich sind. Da sollten sich andere Staaten eher etwas von unserem Modell abschneiden als umgekehrt.
Gesellschaftlich ist ein anderes Thema, sowie nicht zu letzt künstlerisch/kulturell. Die aktuellen Proteste gehen immerhin von den bildenden Künsten aus, die sich zu Recht gegen das auch von der OECD für toll gehaltene Bologna-System wehren. Künstler an ECTS-Punkten zu bewerten ist eine Schnappsidee.
Aber auch hier muss man auf Qualität achten.
Da happert’s aber, aber nicht unbedingt aufgrund von Studentenzahlen. Wieviele Soziologen haben denn ein echtes Verständnis für gesellschaftliche Zusammenhänge und gehen an die Sache politisch möglichst unvoreingenommen und wissenschaftlich heran?
Dabei wären gute Soziologen überaus wichtig für eine Gesellschaft.
Den Unterschied zwischen FH und Universität hast du gut beschrieben. Nur halten die meisten Studenten die Uni für eine FH und nutzen sie lediglich zur Berufsausbildung, z.t. für Berufe, die es gar nicht gibt.
Und dementsprechend gibt es durch Bologna&Co auch den Versuch die Uni zur standardisierten Schule zu machen.
Da sollte man doch den Maturanten anraten, nur dann zu studieren, wenn sie tatsächlich ein brennendes Interesse an der Wissenschaft oder Kunst haben, selbst, wenn man sich daneben einen Brotjob zulegen muss. Allen anderen sollte man zur FH raten.
Wenn eine Master- bzw. Diplomarbeit tatsächlich, so wie ursprünglich intendiert, ein echter wissenschaftlicher Beitrag wäre und nicht eine längere Hausaufgabe, dann bräuchte man auch kein Bologna.
In früheren Zeiten wurden Abschlüsse ja auch international anerkannt. Damals konnte man aber auf Vertrauensbasis davon ausgehen, dass jemand, der bei einem namhaften Professor studierte, etwas von seinem Fach versteht.
@Dieter:
„Wirtschaftlich halte ich das für unbelegt. Österreich lebt prächtig mit der geringen Akademikerquote z.T. auch wegen der FHs, HTLs, HBLAs usw.
Die Tatsache, dass Österreich wirtschaftlich hervorragend da steht und wächst sollte der OECD zu Denken geben, ob viele Akademiker, so wie in der Ukraine, maßgeblich sind. Da sollten sich andere Staaten eher etwas von unserem Modell abschneiden als umgekehrt.“
Ich gebe dir Recht, dass die relativ geringe Akademikerquote bislang noch nicht zu gravierenden wirtschaftlichen Nachteilen geführt hat. Die Ausbildung an BHS war in der Vergangenheit durchaus besser als PISA usw. vermuten lassen, wodurch wir, so meine These, die wirtschaftlichen Auswirkungen einer veränderten Arbeitsumwelt erst in einigen Jahren offensichtlich nachteilig spüren werden. Transformationen finden statt und um diese Transformationen positiv nutzen zu können ist es v. a. für ein kleines Land wie Österreich unumgänglich jungen Menschen eine höchstmögliche Bildung (etwa an den Universitäten) oder zumindest eine höchstmögliche berufliche Ausbildung (an den FHs) zu bieten (natürlich ist auch die Lehre ein gutes Werkzeug zur beruflichen Ausbildung welche jedoch auch ständig verbessert und an geänderte Bedingungen angepasst werden muss). Sowohl Bildung als auch Ausbildung sind gesellschaftlich und wirtschaftlich (Wirtschaft als Teilsystem der Gesellschaft)von enormer Wichtigkeit.
Um hierbei etwas wirtschaftlichen Praxisbezug einzubringen: Ich bin im Bankensektor berufstätig und auch nebenher Student der Kommunikationswissenschaften. Von meinem Studium profitieren wirtschaftlich gesehen sowohl mein Arbeitgeber als auch ich (etwa durch Wissenstransfer in den Betrieb; wissenschaftliche Methodik und Denkweise erleichtern etwa die Planung als auch die Umsetzung komplexer Projekte und führen damit zu besseren Ergebnissen etc.). Was ich damit ausdrücken will: natürlich würde die Wirtschaft kurzfristig nicht einbrechen, wenn die Akademikerquote vergleichsweise gering bleibt. Jedoch würde aber wichtiges Potenzial brach liegen gelassen. Von den gesellschaftlichen Vorteilen, der Meretorik von Bildung, möchte ich jetzt gar nicht anfangen, da du hier ohnehin bereits einiges wichtiges erwähnt hast.
„Studenten die Uni für eine FH und nutzen sie lediglich zur Berufsausbildung, z.t. für Berufe, die es gar nicht gibt. Und dementsprechend gibt es durch Bologna&Co auch den Versuch die Uni zur standardisierten Schule zu machen.“
Diese Beobachtung ist in vielen Fällen korrekt. Jedoch ist die Verschulung der Universitäten ein Ergebnis schlechter Bildungspolitik welche von vielen Studenten und Studentinnen leider sehr kritiklos übernommen wird. Die Umsetzung des Bologna-Prozesses in Österreich fördert leider die Verschulung. Selbstinitiative, Organisationstalent, Kreativität und Wissenshunger werden hierbei leider durch starre Module ersetzt. Den Studierenden werden Wahlmöglichkeiten genommen, gleichsam wird ihnen jedoch in der öffentlichen Wahrnehmung oftmals fehlende Eigeninitiative vorgeworfen – etwas eigenartig.
„Wenn eine Master- bzw. Diplomarbeit tatsächlich, so wie ursprünglich intendiert, ein echter wissenschaftlicher Beitrag wäre und nicht eine längere Hausaufgabe, dann bräuchte man auch kein Bologna.“
Eine Master- bzw. Diplomarbeit muss einen wissenschaftlichen Beitrag leisten um als solche anerkannt zu werden. Natürlich darf man sich unter einer solchen Arbeit kein Standardwerk vorstellen und Wissenschaft ist ein langfristiger Prozess. Der wissenschaftliche „Output“ ist somit natürlich nicht unendlich hoch. Ich bin der Meinung, dass es trotz der mehr als widrigen Umstände noch immer gut funktioniert – v. a. aufgrund des Idealismus vieler Lehrender welchen Wissenschaft ein wirkliches Anliegen ist und die die widrigen Umstände durch großen Einsatz oftmals etwas abmildern können.
@Mathias:
„Anyway, ich frage mich ganz prinzipiell, warum sich so viele gegen Zugangstests sträuben. Ist es wirklich zu viel verlangt, ein wenig erlernbares Wissen und Grundinteresse für die Disziplin von einem künftigen Studenten zu verlangen?“
Was soll ein Test bringen, der ein wenig erlernbares Wissen abfragt? Dies ist vllt. bei einer FH, wo die Ausbildung im Vordergrund steht, sinnvoll, an einer Universität jedoch nur sehr beschränkt sinnvoll. Wenn du etwa die Sozialwissenschaften betrachtest, dann wirst sehr rasch erkennen, dass es zuviele Zugänge gibt um wirklich herauszufinden, wer besonders und wer weniger geeignet für ein solches Studium ist. Wichtig wäre eine aktive Aufklärung vor einer Studienwahl. Würde eine solche ehrlich betrieben werden, die Komplexität und die Anforderungen der jeweiligen Studienrichtungen wiederspiegeln und nicht bloß ein bisserl Propaganda zu Berufsfeldern bzw. -chancen hätten wir, davon bin ich überzeugt, durchaus einen guten Lenkungseffekt ohne Leute stupide wegzuprüfen.
„Mehr Studenten bedeuten nicht automatisch mehr Akademiker – darum geht’s doch. Wer mehr Akademiker, also ausgebildete Studenten will, muss jene Menschen möglichst gut fördern, die Willen, Interesse und Wissen zu ihrem Studium mitbringen und nicht die, die bloß studieren, weil ihnen nichts anderes einfällt oder das Studentenleben so gemütlich ist. Die Augen vor der Tatsache der Existenz solcher Leute zu verschließen bringt uns kaum weiter.“
Gerne, bin hier total bei dir. Es ist unumgänglich Studierende bzw. junge Menschen generell bestmöglich zu fördern. Der Großteil der Studierenden bringt einen enormen Rucksack an Willen, Interesse und Wissensdrang mit – ohne diese Tugenden und engagierte Lehrende wäre das Unisystem ohnehin bereits zusammengebrochen. Ich kenne kaum Kollegen oder Kolleginnen, die dem Klischee des Dauerparty-feiernden faulen Studenten entsprechen würden. Ein paar Exemplare gibt es wohl davon (ich verschließe also meine Augen nicht 😉 ) aber wir reden hier von einer kleinen Minderheit die es sich vllt. leisten kann ein Studium schleifen zu lassen. Keine Angst, eine Karteileiche kostet den Universitäten kaum Geld.