Der freie Markt regelt alles, sagen unsere neoliberalen Freunde. Der freie Markt passt sich an. Der freie Markt erfüllt die Bedürfnisse der Kunden. Denn der freie Markt reagiert auf Nachfrage. Würde der freie Markt alles regeln, wären wir alle frei, glücklich und zufrieden.
Ich schreie ihnen laut ein „Fuck You“ zurück.* Denn ich bin der Meinung, dass der freie Markt die Gewinnmaximierung und den Shareholder Value über all diese angeblich netten Eigenschaften stellt. Zu Lasten der Kunden. Hierzu will ich zwei Beispiele anführen
Der PayTV-Paketwahnsinn
Sky ist, wie allgemein bekannt, ein PayTV-Anbieter. Der auch die Übertragungsrechte diverser europäischer Fußballigen, nationaler und internationaler Bewerbe (DFB-Pokal, Europa League, Champions League) besitzt. Wer in Österreich abgesehen von den Livespielen auf Puls4/RanTV.at (mit Sky-Werbung) und im ORF mehr Fussball sehen will, hat durch die Rechtemechanik nur Sky als Anbieter zur Auswahl
Sky zwingt den Kunden immer das Grundpaket „Sky Welt“ zum monatlichen Preis von 16,90 auf. Egal ob der Kunde die enthaltenen Sender sehen will, oder nicht. Wählt man zusätzlich das Paket mit europäischen Ligen, Bewerben und dem DFB-Pokal, so darf man 32,90 Euro im Monat (knapp 400 EUR im JAhr) hinlegen. Die deutsche Bundesliga ist da aber nicht inkludiert, wer auch Klassiker wie Bayern gegen Dortmund sehen möchte, wird mit 44,90 monatlich (etwa 540 EUR jährlich) zur Kasse gebeten.
Wer nur deutschen Fussball sehen will, wäre wieder bei 32,90. Aber da der deutsche Pokal fieswerweise im internationalen Paket steckt, wird man auch hier zu zwei Paketen gezwungen, wenn man die Cupschlachten nicht versäumen will.**
Ein reines „Internationaler Fussball“-Paket gibt es nicht. Ein Verzicht auf „Sky Welt“ (das keine technische Voraussetzung für’s Fussball-Schauen ist) ist nicht möglich.
Man kann freilich von Sky angebotene Streams auf der UEFA-Seite sehen, diese sind aber derart hochpreisig (ca. 10 €/Spiel), dass selbst das PayTV-Abo noch günstig dagegen aussieht.
Die Preispolitik von Sky in anderen Ländern bzw. jene von anderen PayTV-Anbietern dürfte wohl ähnlich sein. Kein Wunder also, dass sich privat verteilte Streams über SopCast, Veetle, StreamTorrent oder einfach im Browser hoher Beliebtheit erfreuen. Durchaus ein Beweis dafür, dass das Anbieten eines reinen Fussball-Paketes einige Abnehmer hätte. Denn dieses hätte den Vorteil qualitativ viel besserer und abbruchfreier Übetragungsqualität. Während man beim Schauen von Streams mit bröseligem Bild, schlechtem Sound und Unterbrechungen zu kämpfen hat.
Sicherlich würde nicht jeder Stream-Sucher bei Gelegenheit auf ein günstiges Fussballangebot umsteigen. Das einzige Risiko, dem sich Sky aussetzen würde, wäre aber der Umstieg von Kunden, die die Kombination aus Sky Welt und Fussball bis jetzt freiwillig in Kauf genommen haben. Dafür würden einige Neukunden gewonnen.
Ob diese die „Verluste“ durch die Umsteiger ausgleichen würden, weiß ich nicht. Dazu müsste man wohl einen Marktforscher beauftragen. Klar ist aber, dass hier die Profitmaximierung klar auf Kosten der Angebotsflexibilität geht und dem Kunden damit ein Nachteil ist.
Statt ein Angebot für Fussballjunkies bereitzustellen beschäftigen sich Sky und Konsorten übrigens lieber damit, Geld in die Abschaltung der freien Streams zu investieren. Um den Zusehern möglichst keine Wahl zu lassen. Ich komme mir dezent verarscht vor.
Mobiles Internet – nix für Zwischendurchnutzer
Bisher war ich froh. Anno 2008 schlug ich bei einem Orange-Angebot für mobiles Internet zu. Einen Euro pro Tag Nutzung, 6 GB in voller Geschwindigkeit (danach bis 15 GB in ISDN-Speed). Keine Grundgebühr, keine Bindung. Für einen User wie mich optimal, denn ich benutze mobiles Internet maximal zwischendurch, und in manchen Monaten gar nicht.
Nun bin ich allerdings länger im Krankenhaus und habe die 6 GB-Grenze gesprengt. Das Internet 2010 in ISDN-Speed zu besurfen war schon vor zwei Jahren nicht lustig und ist heute eine Qual sondergleichen. Also rief ich den Support an, und fragte was ich tun könnte.
Die Antwort: Nichts. Ausser das Angebot zu wechseln. Ein Refill (für meiner Meinung nach happige 5 EUR pro GB) ist bei einem grundgebührlosen Tarif nicht möglich. Eine aktuelle Version des „1 € pro Tag“-Angebots existierte nicht. Es wurde mittlerweile eingestellt.
Meine Optionen: Weiter mit ISDN-Speed zu surfen (unerträglich), auf ein Angebot mit Grundgebühr, Refilloption und langer Bindung zu wechseln (unnötig) oder auf eine Wertkarte umzusteigen. Letztere wäre bei 12-Monats-Gültigkeit eine Option gewesen. Die Kosten für die Wertkarte (idR. 10-20 EUR mit ein wenig Datenvolumen) hätten mich noch nicht abgeschreckt. Das man ohne Grundgebühr unfassbare 20 Euro pro Gigabyte berappen muss, schon.
Während Sky in Österreich eine Monopolstellung hat, gibt es am hiesigen Markt für Telekommunikation große Anbieter: T-Mobile/Telering, Orange/Yesss und Drei, A1/Bob. Doch überall das gleiche Bild. Ein Gigabyte (1,5 bei A1, 2 bei Yesss) um 20 Euro. .Auch das fällt eher unter die Kategorie „Sauteuer“. Tagesflatrates: nicht vorhanden. Der einzige Lichtblick ist ein grundgebühr- und bindungsfreies 4 EUR/GB-Angebot des A1-Ablegers Bob. Aber auch das darf noch als teuer durchghen.
Ein Schelm, wer an da an Preisabsprachen denkt.
Frei ist nur der Markt, nicht der Kunde
Während der Markt bei den Handytarifen zu funktionieren scheint (hier dreht sich die Preisspirale recht beständig nach unten), versagt er bei mobilem Internet unter den gleichen Bedingungen. Der PayTV-anbieter Sky agiert in österreich als Monopolist. Als solcher könnte er aber immer noch den Wünschen der Kunden entgegenkommen, was er aber nicht tut.
Die Bedürfnisse der Kunden werden in den beiden Beispielen nicht erfüllt. In beiden Fällen ist die Erfüllung der benannten Bedürfnisse mit hohen und unnötigen Kosten verbunden. Die neoliberalen Propheten sind hiermit wiederlegt.
* Ich möchte die absichtlich provokant gewählte Überschrift ein wenig abmildern. Ich habe kein prinzipielles Problem mit dem freien Markt. Ich finde allerdings, das nicht alles (etwa Bildung und Gesundheitsversorgung) ausschließlich von Privatunternehmen geregelt werden muss. Zudem ist der freier Markt ein Konzept mit schöner Theorie, aber einer Wirklichkeit, die ganz anders aussieht. Daran muss gearbeitet werden und darum sind staatliche Kontrollen und Eingriffe manchmal nötig. Auch wenn jene, die den freien Markt als Allheilmittel für alles dies konsequent ausblenden.
** Die einmalige und drei Monate lange Reduktion auf 26,90 Grundgebühr bei Auswahl aller Pakete ist in den Jahresberechnungen nicht enthalten. Die Rechnung stimmt ab dem zweiten Jahr genau, im ersten Jahr belaufen sich die Gesamtkosten inkl. Reduktion auf 484,80 EUR)
Foto: RubyJi / CC-BY-NC-SA 2.0
41 Antworten auf „Fuck You, freier Markt“
Ich möchte gern den ersten Teil des Blogs umarmen. 😉 Ernsthaft: Bei jeder Meldung darüber, wie schlecht es Sky in D und Ö gehe, freue ich mich im Grunde, denn: Wer so unflexible Pakete am Kunden vorbei schnürt, dem geschieht es nur recht, wenn er Verlust macht.
Vielleicht kann ja der eine oder andere posten, welches Paket er hat und wie viel er dafür zahlt. ich hatte früher das „jedes wochenende im chelsea guinness und becks inklusive paket“ mit schwerpunkt premier league. zurzeit hab ich das „sopcast“ paket, mit dem ich sehr zufrieden bin. wär aber letztens fast schwach geworden bei einer „liga total“ aktion für die deutsche buli.
ich würd 10-15 euro/monat zahlen, wenn mir jemand legale, verlässliche, gute livestreams zur premier league und europapokal und optional noch einzelnen spielen aus anderen ligen anbietet. tut aber niemand, also kann ich auch niemandem mein geld geben. schade eigentlich.
Du hast absolut recht, die staatliche Planwirtschaft im Bildungsbereich als einzige Alternaive zur freien Marktwirtschaft schafft den Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage viel besser 🙂
Die Rechteproblematik bezüglich Fußballübertragungen ist staatsgenuin. Gäbe es so etwas wie Urheber- oder Exklusivübertragungsrechte nicht (die ausschließlich durch die Staatgewalt gesichert werden – durch wen auch sonst?), könnte jeder, der einen Deal mit dem Stadion aushandelt, dort seine Kameras reinstellen und eine Übertragung auf dem freien Markt anbieten. Nachdem das dann wohl mehr als ein Unternehmen durchführen würde, entstünden auch konkurrenzbasierte Preise oder zumindest ein vielfältigeres Angebot.
Ad mobiles Internet: Bob startet demnächst mit einem Tarif („gigabob“), der 9 GB um 8,80 Euro im Monat ohne Vertrag und Bindung anbietet. Soviel dazu, man würde nicht auf Kundenwünsche reagieren. (Und falls dir das immer noch zu teuer erscheint, kann man dir echt nicht mehr helfen.)
Ein bisschen überheblich erscheint es außerdem, anhand von zwei Beispielen das Funktionieren eines ganzen Wirtschaftssystems, des freien Marktes, „widerlegen“ zu wollen – erst recht, wenn bei beiden ohnehin hintergründig wieder der Staat seine Finger im Spiel hat (eine Mobilfunklizenz gibt es ja schließlich auch – das hast du wohl „vergessen“).
Ich lese die Kommentare bzw. Meinungen auf zurpolitik.com gerne, auch wenn ich ihnen nicht immer beipflichte. Dieser Beitrag ist aber lächerlich, sorry.
Die Überschrift „Fuck You, freier Markt“ und der Lead impliziert, dass hier die freie Marktwirtschaft ansich kritisiert werden soll. Das Seltsame ist, dass das anhand von zwei Angeboten des freien Markt passieren soll. Gäbe es keinen freien Markt, gäbe es nur ein System wie den ORF, wo Du auch rund 30 Euro im Monat bezahlst und bezahlen musst (!), aber keine Wahlmöglichkeit hast.
Wenn ein Unternehmen wie Sky, das tief in den roten Zahlen steckt, schlechte Programmpolitik macht, ist das kein Problem des freien Marktes, sondern des Managements.
Das Gleiche gilt natürlich auch für Dein Provider-Beispiel. Und das Ironische dabei ist: In Ö. sind die Kosten dafür extrem niedrig. (rede nur mal mit Deutschen, wieviel die zahlen müssen) Und warum ist das so? Weil wir in Ö. einen „freien Markt“ haben und im Mobilfunkbereich besonders starke Konkurrenz herrscht, was wiederum den Konsumenten zu Gute kommt.
Und um abschließend noch ein klein wenig wissenschaftlich zu werden: Auch der eingeschworenste Neoliberale wird Monopole und/bzw. Kartelle als schädlich einstufen (tat schon Adam Smith) und Kartellrecht bzw. Sonderauflagen für Monopolunternehmen werden heute mehrheitlich bejaht. Monopole und Kartelle zerstören ja gerade den freien Markt!
Du bist gefrustet, dass Mobiles Internet und PayTV mehr kostet, als Du bereit bist dafür zu zahlen und den Frust schiebst Du einer Sache zu die Dir anscheinend sowieso nicht ganz sympathisch ist.
@Mathias:
„eine Mobilfunklizenz gibt es ja schließlich auch – das hast du wohl “vergessen”“
Tja, eine Lizenz ist notwendig, weil große Frequenzbereiche des EM-Spektrums reguliert sind. Gäbe es keine Regulierung, könnte jeder auf jeder Frequenz in quasi beliebiger Leistung herumfunken, was es Mobilfunkbetreibern verunmöglichen würde, irgendeine brauchbare Servicequalität zu erreichen. Der Markt kann sich hier schon einmal prinzipiell nicht selbst regeln, denn auch wenn sich n Personen oder Unternehmen miteinander geeinigt haben, kann die n+1. Person immer noch im wortwörtlichen Sinne dazwischenfunken. Wären die Frequenzbereiche vollkommen unreguliert, dann gäbe es nur illegale Methoden (Sabotage gegen Anlagen, Killerkommandos gegen Betreiber), um diesem Herr zu werden.
Du glaubst ja ohnehin nicht wirklich, dass Beiträge dieser Art etwas zur dahinterliegenden Debatte beitragen, sondern tust es halt für die Quote.
Insofern bringt es auch nichts darauf näher einzugehen. Dass irgendwelche radikallibertären Extremisten behaupten „Der freie Markt regelt alles“ – kann man darauf wirklich eine Identität aufbauen? Es ist völlig uninteressant. Interessant wäre es, einmal von tendentiell linker Seite aufgearbeitet zu hören was der Markt alles kann und warum er als Bestandteil einer freien Gesellschaftsordnung unverzichtbar ist. Dann könnte man auch informiert diskutieren, welche für alle verbindlichen Regeln es braucht, die sicherstellen, dass freie Menschen an einem freien Wirtschaftsgeschehen partizipieren können. Und wo wir in dem Bereich stehen.
Die fundamentale, unreflektierte und ungebildete Kritik am Marktgeschehen ist mE DER Hemmschuh für die Entwicklung einer modernen linken Position und darauf aufbauend einer modernen sozialdemokratisch/sozialliberalen Politik.
Lg. (Heut mal Kritik)
http://www.youtube.com/watch?v=8r1CZTLk-Gk
@Mathias: Die Fußballer wiederum würden nur in Stadien spielen, die nur die gewünschten TV-Stationen zulassen, die sich wiederum Endgeräte und Zuseher aussuchen dürfen.
Das besondere des Urherberrechts kommt nur dann ins Spiel, wenn Dritte das Signal abhören und weiter verbreiten wollen. Das halte ich, im Falle des Urheberrechts, für unmoralisch. Die Frage ist aber, ob der Staat das als Eigentumsrecht in der Praxis durchsetzen kann und soll. Freiluft-Direktübertragung (neudeutsch public viewing) kann man leicht untersagen. Nachträgliche Verbreitung von Aufzeichnungen aber nicht.
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Wie auch immer. Ich sehe hier kein wie immer geartetes Marktversagen und keine Monopole, sondern freie Assoziation zur Zufriedenstellung aller Beteiligten.
Auch keinen Hinweis auf „Preisabsprachen“. Mobiles Internet konkurriert mit Sprachtelefonie um Bandbreite und letztere ist begrenzt. Je beliebter mobiles Internet ist, desto teurer könnte es werden. Auf der anderen Seite gibt es unzählige Möglichkeiten, ins Internet zu kommen, was wiederum Preisdruck von oben ausübt.
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Slavoj Žižek geht mit seiner Kritik an der linken Kapitalismuskritik noch nicht weit genug, wenn er beobachtet, dass sie sich auf das Bekritteln von moralistischen Kleinigkeiten (Sweatshops, Tierhaltung, Umweltfragen) usw. beschränkt und sich somit innerhalb der kapitalistischen Hegemonie einrichtet. Nein, jetzt werden schon Kundenbeschwerden und -wünsche zum Ausdruck linken, antikapitalistischen Protestes. Hier und an anderen Orten der Bloggosphäre vor ein paar Monaten war das Gerede davon, dass Apple ein „Monopol“ auf Apps hätte und dass das dieser Missstand dringender Marktintervention bedürfe. Dieser Konsumismus, also eine Art Vereinigung der Konsumfetischisten aller Länder, scheint ja ganz in Mode zu sein.
http://www.youtube.com/watch?v=AI2y4GikP20
Die anarcho-kapitalistische Lösung in der Mobilfunkfrage wäre, schätze ich mal, dass derjenige, der eine Frequenz als erster aktiv benutzt, sich diese somit aneignet. (So wie auch im Fall von Landbesitz/ Staatsbetrieben/illegitimen Organisationen die Bauern/Abeiter/aktiven Nutzer die rechtmäßigen Besitzer wären)
Durchgesetzt würde das freilich über DROs (dispute resolution organizations). Der Markt würde selbstverständlich dafür sorgen, dass nur vernünftige DROs bestehen.
Die feudalistische Ancap-Variante, die ja territorial wäre, könnte böse Signale als unbefugten Zutritt werten. Wiederum würde der Markt dafür sorgen, dass nur vernünftige und faire Feudalherren prosperieren.
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Aber wozu Utopien durchdenken. Es gibt ja eigentlich freie Frequenzspektren, die jeder benutzen darf und für die maximal technologische Standards zur Kollisionsverhinderung vorgeschrieben sind, wie beispielsweise bei Wlan, Bluetooth oder RF 2,4Ghz. Man kann also auch staatliche Regulierung von monopolistisch (ORF früher) bis frei zugänglich gestalten.
Sogar NeoliberalistInnen geben zu, dass Märkte ohne Wettbewerbe kein gutes Ergebnis bringen. Sowohl der Handymarkt (insgesamt 3 oder 4 Mutterunternehmen?) als auch der PayTV-Markt sind nicht sehr competitive. Leider sehr schlecht argumentiert das Ganze.
Jetzt mal eine ganz blöde frage – sind Handys im Krankenhaus nicht verboten? Ist mobiles Internet erlaubt? Ist ja auch nix anderes.
Und €4/GB ist ja der reine Wahnsinn. Ich kann mich noch an die guten alten Zeiten erinnern, wo die Telekom noch Post geheißen hat, und wo noch kein freier Markt für diese unhaltbaren Zustände gesorgt hat. BTX und Viertelanschluss rulez!
Liest hier eigentlich irgendwer Fußnoten?
Keine Sorge, ihr seid hier nicht mit einem Steinzeitkommunisten konfrontiert.
Trotzdem halte ich insbesondere das Mobile Internet-Beispiel für geeignet, um zu demonstrieren, dass der freie Markt auch seine Schwächen hat, weil das Credo Profitmaximierung öfters über das Credo Konkurrenz bzw. Kundenfreundlichkeit geht (Preisabsprachen wären so ein Fall).
Die Preise für Breitband via Wertkarte sind bei allen Marktteilnehmern fast exakt gleich. Und das waren sie auch schon länger. Ich will nicht direkt eine Preisabsprache unterstellen, wundere mich aber trotzdem über diesen Umstand.
Der „gigabob“-Tarif klingt bedingt interessant, und wenn er einen Preiskampf auslöst, ist mir das nur Recht.
Sicherlich war das Postmonopol auf Internetzugang bzw. die spätere Abzocke der Konkurrenz über die Bereitstellung der Leitungen, um deren Preise hoch zu halten, ein Problem.
Und ich bin durchaus froh, zwischen verschiedenen Anbietern wählen zu können. Problematisch wird es aber dann, wenn diese Anbieter nicht das tun, was sie sollen. Nämlich in Konkurrenz treten.
Der freie Markt ist in der Theorie ein gutes Instrument, in der Praxis funktioniert er aber oft anders. Dafür muss er nicht verteufelt werden, aber es rechtfertigt durchaus staatlich gesetzte Grenzen und Eingriffe.
Dass der Beitragstitel natürlich hauptsächlich als Provokation gedacht ist (was auch für die Einleitung des Beitrags zutrifft), ist hoffentlich klar.
@Litteratus
Die Aufgabe des Marktes besteht hoffentlich nicht nur darin, ein bisschem besser zu sein als das ORF-Gebührensystem.
Ja, ich lese sogar Deine Fussnoten. Aber ich finde, diese verbessern den Text nicht. Es bringt nix über deine konkreten Beispiele zu diskutieren, wenn Du sie in so einen Kontext stellst. Wahrscheinlich, vermute ich jetzt mal ohne die Märkte im Detail zu kennen, „funktionieren“ diese Märkte tatsächlich immer noch recht wenig kompetitiv/oligopolistisch. Und insofern haben Deine Beobachtungen vermutlich sehr realen Bezug. Ich ärger mich auch oft subjektiv.
Deine generellen Schlussfolgerungen sind aber nicht ausreichend reflektiert. Das beginnt schon damit, dass es nicht reicht, sich einfach auf den Standpunkt des Konsumenten zu stellen und zu sagen „Der Markt funktioniert dann, wenn die Preise so niedrig wie irgendmöglich sind“ (ohne jetzt mal zu hinterfragen, wer das „objektiv“ beurteilen kann, ob sie das nun sind). Märkte sind nicht per se dazu da, dem Konsumenten zu dienen, sondern sie sind Instrumente eines Interessensausgleichs mehrerer Seiten. Würdest Du brutale Preiskonkurrenz immer noch so einwandfrei „gut“ finden, wenn Deine nächste Lohnverhandlung vom Operating Profit deines Unternehmens abhängt? Es sind eine Vielzahl an Märkten hier im Spiel und alle dienen nicht einseitig einer Seite, sondern mehreren Seiten. Die Interessen sind bei weitem nicht immer ausgewogen berücksichtigt in dem Spiel, aber man kann generell sagen, umso mehr reale Optionen alle Teilnehmer haben umso mehr wird es ihnen gelingen ihre Interessen selbst zu vertreten und derart implizit für so einen ausgewogenen Interessensausgleich zu sorgen. Hier die Mitspieler ohne reale Optionen ausfindig zu machen und ihnen mehr Bewegungsspielraum zu verschaffen wäre ein zukunftsträchtiges Betätigungsfeld für Politik.
Ich bezweifle ja gar nicht, dass Du das nicht vielleicht sogar sehr ähnlich siehst. Was nervt ist einzig, dass die linke Debatte sich momentan in Fundamentalkritik gefällt und dabei stehenbleibt. Also dann steht die Debatte eben solange stupides Kapitalismusbashing en vogue bleibt. Die Frage ist halt, wozu man Beiträge leisten will. Zum Stillstand oder dass wir langsam den einen oder anderen Schritt weiterkommen? Dazu ist es mE notwendig, mal voranzugehen und sich offen zu den vielen positiven Aspekten der Marktwirtschaft zu bekennen. Aber das fällt schwer, denn es geht ja um Distinktionsgewinn in der Peer Group, unterstelle ich jetzt mal etwas frech. Daher das „Fuck you“ im Titel und die Richtigstellung in der Fussnote.
Puh, wo fange ich an.
– Sicher will ich nicht, dass Preiskämpfe auf der Angestellten gehen. Sachen wie diese halte ich allerdings auch, wenigstens teilweise, für ein Marktproblem, wenn der Shareholder Value über dem Wohlergehen der eigenen Mitarbeiter steht
– Preisverfall in der Elektronik- und in der Telekommunikationsbranche halte ich für etwas normales, da er in meinen Augen vor allem auf technologischem Fortschritt beruht. Auch das Bereitstellen von Internetverbindungen wird immer billiger, es sei denn du möchtest die Preis- und Angebotsunterschiede (vom teuren 1 mbit / 1GB-Tarif im Monat zur günstigen 16 Mbit-Flatrate) der letzten 10 Jahre ausschließlich mit Lohndumping und Konkurrenz erklären
– Im Mobiltelefonie-Segment tobt in Österreich der Preiskampf eigentlich schon seit Jahren. Für so ein kleines Land sind die 4 großen Anbieter mitsamt ihrer Discount-Ableger gar nicht so wenig. Man kann, wie ich finde, annehmen, dass der Preisverfall hier auch deshalb so geführt werden, weil die Gewinnspannen es erlauben (was auch nahelegt, dass manche Dienstleistungen verhältnismässig teuer auf den Markt geworfen werden um sie später – etwa zu Weihnachten – mit Preissenkungen oder als Weihnachtstarif günstig aussehen zu lassen.
– Soll heissen: Im Preis steckt eine Menge Kalkül, und das kann auch missbraucht werden. Und wie ich finde, wird es das auch oft.
– Am Markt für mobiles Internet sind exakt die gleichen Anbieter tätig wie am Markt für mobile Telefonie. Warum ist dieser Markt trotzdem nicht ähnlich stark in Bewegung (meine subjektive Einschätzung)?
– Noch einmal: Ich bin der Ansicht, dass der freie Markt eine notwendige, sinnvolle und hilfreiche „Institution“ ist, die prinzipiell auch funktioniert. Ich bin allerdings auch der Meinung, dass sie das nicht so tut wie die Theorie (der Marktradikalen) es vorschwärmt. Was bedeutet: Auch der freie Markt hat Schwächen, die im wesentlichen darauf beruhen, dass die rationalen Handlungen seiner Akteure aus Eigeninteresse besagter Theorie zuwider laufen (und dabei rede ich nicht nur von illegalen Absprachen usw). Das ist durchaus logisch und ist daher ein Aspekt der beachtet werden muss und staatliche Grenzsetzungen und ggf. Eingriffe rechtfertigt. Und, das ein freier Markt meines Erachtens nach zB nichts im allgemeinen Gesundheitswesen zu suchen hat, weil das ein Bereich ist, bei dem Profitorientiertheit Menschenleben kosten kann. Ich sage nicht „Verstaatlichen wir alles“. Mit Sicherheit nicht.
– „Aber das fällt schwer, denn es geht ja um Distinktionsgewinn in der Peer Group, unterstelle ich jetzt mal etwas frech. Daher das “Fuck you” im Titel und die Richtigstellung in der Fussnote.“ — Ich versteh nicht ganz, was du mir sagen willst.
Ad letztem Absatz: ich will Dir damit sagen, dass ich ein sehr grundsätzliches, ziemlich tiefgehendes Problem drin seh, dass einer zielführenden Debatte (so wie jetzt zB im letzten Comment wieder) momentan nicht nur hier, sondern sehr breit, jeder Boden entzogen wird, wenn man alle Kritik in eine völlig überzogene Fundamentalvariante giesst. Und ich unterstelle – vielleicht ein wenig unfair – dass man das bewusst oder unbewusst deshalb tut, weil man sich des ebenso unreflektierten Applauses jeder Menge Leute sicher sein kann. Das gilt übrigens für beide „Seiten“. Die Tirade von den „Sozialdemokraten in allen Parteien“ kann ich zB auch schon nicht mehr hören. Das bringt uns doch alles keinen Millimeter weiter.
Applaus zu kassieren sollte einen als kritisch denkenden Menschen noch nicht wirklich zufrieden machen.
Übrigens noch zu Deiner Aussage „Ich bin allerdings auch der Meinung, dass sie das nicht so tut wie die Theorie (der Marktradikalen) es vorschwärmt.“
Setzt Du Dich in anderen Bereichen auch laufend nur mit den Theorien der Radikalsten auseinander oder hat die gemässigte Mehrheit in Deinem Weltbild entscheidendes Gewicht? Ich plädiere lediglich dafür das zu lassen, weil es politische Voraussetzung für die Verbesserung des Kapitalismus ist, dass die Mitte-rechten und die Mitte-Linken sich in ein Boot begeben und die radikalen Ränder wieder sich selbst überlassen.
Ansonsten spielt man letztlich ein Spiel der Radikalisierung durch eine Wirtschaftskrise mit, das bitter ins Auge gehen würde, wenn sich die Krise nochmal drastisch verschärfen würde.
Es geht nicht ausschließlich um die Marktradikalen, die, wie ich finde, im Verhältnis zu der Grße ihres Randes ziemlicht laut sind. Es geht auch um das ganz und gar nicht nur den Radikalen vorbehaltene „Weniger Staat – mehr Privat“. Die zukünftig noch größere Abhängigkeit der Unis von der Wirtschaft, die Umwandlung staatlicher Dienstleister in Aktiengesellschaften usw usf. Teile des marktradikalen Denkens sind mMn in der Mitte angekommen.
Ich wollte aufzeigen, dass ein freier Markt nicht automatisch alles verbessert. Meine Beispiele waren vll. nicht die Allerbesten, meine Kritik bleibt aber aufrecht. Ich habe mir zudem angewöhnt, Sachen verbal deutlich auszudrücken, weil sie sonst oft nicht richtig verstanden werden. Das schägt durchaus ins schriftliche durch, und ich finde das nicht ausschließlich schlecht.
Mit meinem Beitrag ging es mir darum, eine Diskussion auszulösen. Das ist teilweise gelungen. Um Applaus geht es mir aber nicht, weil mir klar war, dass dieser Beitrag auf Kritik stossen wird.
„Umwandlung staatlicher Dienstleister in Aktiengesellschaften“
Zu allgemein. Werden wir im Rahmen des Themas konkret: ich halte es nach wie vor für richtig, dass dieser Weg im Bereich „Telekom“ und Post gegangen wurde und weitergegangen wird. Du auch? Oder doch zurück zur staatlichen Bewirtschaftung?
Man muss schon Farbe bekennen. Es reicht nicht, das als „marktradikales“ oder „neoliberales“ Denken zu verunglimpfen. Man muss sich mal klar werden, was man in welchen Bereichen will und warum.
Ein viel größeres Problem als mit diesem linken Radikalismus („Fuck you, freier Markt“), der dann in irgendeiner Fußnote relativiert wird, habe ich mit deiner von Grund auf falschen Prämisse. Du gehst davon aus, wir befänden uns innerhalb eines völlig freien Marktes – was einfach nur falsch ist. Nicht einmal das System in den USA kommt dem nahe, obwohl dort Staatsinterventionen in weitaus geringerem Ausmaße stattfinden. Von Kritik an dem jetzigen System einer Marktwirtschaft mit (zum Teil massiven) Staatseingriffen schließt du allerdings darauf, dass der freie Markt nicht funktioniert, ohne zu Ende zu denken, wie die von dir angesprochenen Thematiken auf einem wirklich freien Markt (keinerlei Staatseingriffe, keine Lizenzen, keine Urheberrechte, keine Exklusivrechte auf Immaterielles und Reproduzierbares usw.) womöglich aussehen würden.
Das geht Hand in Hand mit der falschen Verwendung des Begriffes „neoliberal“ deinerseits. Der Neoliberalismus setzt sich ja, im Gegensatz zum Liberalismus oder Libertärismus, für einen regulierenden Staat ein, der eben Preisabsprachen, Monopole, Kartelle usw. verhindern soll. Was de facto der Fall ist – und wenn es dennoch Preisabsprachen gibt, ist das kein Versagen des Marktes (der ja nicht einmal ein Wesensgebilde ist, das irgendjemand in der Hand hat, sondern lediglich ein fundamentales Handelssystem), sondern vielmehr des Staates Österreich.
Davon abgesehen gebe ich natürlich Martin Recht: Wenn man konkrete Thematiken anspricht, muss man sich auch mit diesen punktuell auseinandersetzen und sich anschauen, warum trotz des Vorhandenseins einer Marktwirtschaft die Preise so unflexibel sind und teilweise stagnieren. Ich sehe die Schuld dafür vor allem beim Staat, der schließlich reguliert, wer was senden darf und wem es erlaubt ist, mobile Datenübertragung anzubieten. Mögliche Konkurrenten, die für einen härteren Preiskampf sorgen könnten, können nur dann auf den Markt treten, wenn der Staat dies gestattet. Und das soll jetzt die Schuld des Marktes sein?
„Man muss sich mal klar werden, was man in welchen Bereichen will und warum.“
Genau darum geht es. In der gesundheitlichen Grundversorgung will ich das nicht. Diese soll durch den Staat sichergestellt werden, der Einsarpotentiale in der Verwaltung nutzen sollte. Er muss aber für einen Dienst am Gemeinwohl nicht gewinnorientiert arbeiten.
Bei der Telekom war der Schritt richtig, bei der Post bin ich mir da nicht so sicher. Beides natürlich subjektiv, die Liberalisierung des Telekom-Marktes hat sichtbare und messbare Vorteile gebracht. Das einzige was ich vom gewinnorientierten Arbeiten der Post gemerkt habe ist, dass bei meinen Eltern zu Hause nicht einmal mehr ein Post-Partner in Gehweihte existiert.
„Ich sehe die Schuld dafür vor allem beim Staat, der schließlich reguliert, wer was senden darf und wem es erlaubt ist, mobile Datenübertragung anzubieten. Mögliche Konkurrenten, die für einen härteren Preiskampf sorgen könnten, können nur dann auf den Markt treten, wenn der Staat dies gestattet. Und das soll jetzt die Schuld des Marktes sein?“
Ja, soll es. Es sind die gleichen Anbieter, die sich bei der Mobiltelefonie die Preise um die Ohren pfeffern. Bei mobilem Internetzugang funktioniert dass dann nicht, stattdessen hat jeder Anbieter fast idente (teure) Pakete zur Auswahl.
Ich glaube dass im Bereich mobiler Datenübertragung das letzte Wort noch lange nicht gesprochen ist. Ich vermute, ohne den Markt im Detail zu kennen, dass die Anbieter hier (noch) ein recht gewinnträchtiges und ausbaubares Feld haben, bei dem sie alle noch zaudern den ersten Move zu machen und es einem ebenso extremen Preiskampf wie im Bereich Sprachtelefonie zu „opfern“. Es wird aber, wiederum: vermute ich, nur eine Frage der Zeit sein, bis einer der Anbieter im zügigen Ausbau der Marktanteile einen Vorteil sieht und genau so eine Preiskampfstrategie wieder geht.
Aber das alles nur so als Bauchgefühl zu meiner Einschätzung dieses Markts aus der Ferne. Ultraniedrige Preise sind nicht immer gut, die Anbieter müssen auch Investitionen bedenken und gerade da könnte sich die Datenübertragung auch vom Sprachbereich unterscheiden: während man im Sprachbereich kaum mehr das Service verbessern kann, erwarten wir als Konsumenten im Datenbereich eine ständig steigende Geschwindigkeit. Ähnlich wie im Computerbereich wird der Schwerpunkt daher vermutlich eher auf Zusatznutzen und weniger auf nominell fallenden Preisen liegen.
Ich, als Marktradikaler, wenn man so will, betrachte Georgs Beitrag als alles andere als radikal. Dazu fehlt die Kenntnis und genauere Analyse. Sondern es handelt sich um einen unüberlegten Hüftschuss auf Vulgärkonservative, die er mit Marktliberalen verwechselt.
1.) Die Deutsche Telekom macht eine Eigenkapitalrendite von 0,8%. Die TKA sogar einen Verlust. Von wegen Shareholder Value. Das Telekom-Business bewegt sich auf Subsistenzniveau.
2.) Falls diese Unternehmen aber einen saftigen Gewinn einfahren würden, wär‘ das auch kein Problem, solange Konkurrenz nicht verhindert wird.
3.) Georg, was du eine „Preisabsprache“ nennst, ist nichts anderes als ein Marktpreis, den es ja ganz besonders auf gut funktionierenden, transparenten Märkten für Handelswaren gibt. Da rechnen eben alle, Konsumenten und Produzenten mit dem etablierten Marktpreis.
4.) Es ist für mich auch nicht verwunderlich, dass Internet, wie eine standardisierte Handelsware oder Energie fast einheitlich nach Menge abgerechnet wird. Ein Gb ist ein Gb.
Bei der Telefonie kann man hingegen viel stärker differenzieren. Nach Ort, Zielnetz, Telefonnummern, Uhrzeit, etc.
5.) Die Bandbreite ist begrenzt. Wenn der Preis zu niedrig wird, dann stockt das Internet und du würdest dich über falsche Geschwindigkeitsangaben beschweren. Oder aber jemand anderer soll mehr zahlen und auf Bandbreite zu deinen Gunsten verzichten.
6.) Generell übersiehst du, dass hinter dem Produkt/der Dienstleistung viele Leute stehen und auch andere Kunden den Dienst nutzen wollen. Aus diesem organischen Netz freier, menschlicher Interaktion, wird für dich offenbar ein Golem-artiges Marktwesen, von dem du vermutest, es würde ich bescheißen, so scheint es.
7.) Weiters hast du einen sehr engen Wettbewerbsbegriff. Sky steht mit zehntausenden alternativen Unterhaltungsformen und medialen Inhalten in Konkurrenz. Unterschiedliche Sportvereine und Ligen konkurrieren miteinander um die Gunst der TV-Sender und die TV-Sender um die Gunst der Ligen und diese um Sportler, usw.
Statt im Netz zu surfen, hättest du auch ein Buch kaufen und lesen können und die Mobilfunker wären leer ausgegangen. Warum hat der staatliche Dienstleister AKH eigentlich kein Wlan und Ethernet eingerichtet, so wie beispielsweise, wie mir Google versichert, das private Rudolfinerhaus?
Ich will nochmal auf die €4/GB zurückkommen. Ich finde das einen absolut angemessenen Preis – die meisten Nutzer kommen mit einigen wenigen GB aus. In Deutschland wurden 2009 40.000Terabyte über mobiles Internet übertragen. Wenn man das jetzt auf Österreich und mit dem €4/GB umrechnet dann sind das €16,4 Millionen. Das klingt für mich nicht so, als ob sich da ein Kartell eine goldene Nase verdienen würde.
ad 4) für mich auch nicht. mich wundert nur der preis. und da mobiles internet auf der gleichen technik wie mobile telefonie beruht, sind derlei differenzierungen auch möglich. ähnlich wie es mit der damaligen einwahl mit dem 56k-modem durchaus auch tag- und nachtpreise usw. gab.
die sind aber verschwunden, auch tag- und nachtstrompreise sind meines wissens nach ein auslaufmodell. und die preise fürs zielnetz sind meistens auch immer gleich, und ins eigene netz telefoniert man halt günstiger.
was dafür bei mobilem internet und bei mobiler telefonie sehr wohl stark differenziert wird, sind zielgruppen.
ad 5) das mit den „falschen geschwindigkeiten“ ist längst realität, drum wird auch mit „bis zu 7,2 m/bit“ usw. geworben. Ich habe alle Voraussetzungen zum Erreichen dieser Geschwindigkeit und muss mich schon freuen, wenn ich mal eine weile einen schnitt von 3 m/bit halten kann.
ad 7) Für Leute, die einfach nur europäischen Fussball schauen wollen steht Sky in Konkurrenz mit den illegalen Streams und sonst gar nichts. Weil Bücher/Hörspiele/Videospiele usw usf kein Ersatz für eine gerade laufende Europa League Partie sind.
Wer das wegen abgedrehter Streams und zu teurem Sky nicht schauen kann, hat eh keine Wahl als zu was anderem zu greifen. Das liegt aber genau nicht daran, das Sky mit irgendwas in Konkurrenz steht, sondern weil Sky eben die einzige (legale) Wahl zur Erfüllung des Bedürfnisses „Europa League live schauen“ ist.
Ad 8) Ich weiß nicht, ob es im AKH ein WLAN gibt oder nicht. Der primäre Zweck eines Krankenhauses ist es aber, Menschen zur Gesundung zu verhelfen. Da gibt es tausende Sachen zu beachten und ein WLAN für die Patienten ist weit hinten in der Prioritätsliste. Wer sich dieses im Sinne eines KH sekundäre Bedürfnis trotzdem erfüllen will, geht entweder zu den Internetautomaten im Foyer (leider alt, teuer und marode) oder steht vor meinem Problem. Das Krankenhaus zieht auch keinen wirklichen Nutzen daraus, ein WLAN anzubieten. Ein Cafe, dass Internetzugang bieet, sehr wohl
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Genau darum geht es. In der gesundheitlichen Grundversorgung will ich das nicht. Diese soll durch den Staat sichergestellt werden,
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Was soll das bedeuten? Soll der Staat die Spritzen herstellen und die Heilbehelfe? Das Essen in die Spitalskantine? Alle Ärzte in den Staatsdienst?
Was genau soll denn nun der Staat im Gesundheitsbereich machen und warum?
Und warum klammerst du gerade die Gesundheit aus dem Markt aus? Warum nicht die viel lebenswichtigere Nahrungsmittelversorgung? Warum nicht gefährliche Technologien, wie Autos oder chemische Industrie?
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der Einsarpotentiale in der Verwaltung nutzen sollte. Er muss aber für einen Dienst am Gemeinwohl nicht gewinnorientiert arbeiten.
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Warum unterscheidest du Gemeinwohl von Gewinnorientierung? Dienen Google, Merck, Aldi, Stromkonzerne und die Mobilfunkindustrie etwa nicht dem Gemeinwohl?
Und wie willst du die Gewinnorientierung verhindern? Es müssen ja alle Beteiligten von einem Gesundheitswesen profitieren. Die Patienten, die behandelnden Ärzte, die Industrie und die Beamten. Ohne Kapitalisten und ohne Konkurrenz würden hier die politisch einflussreichsten das Meiste für sich raus holen.
Die Grundversorgung des Gesundheitswesen ist defizitär und wird es immer Bleiben. Jedenfalls solange bei uns nicht das US-System eingeführt wird (jenes vor Obamas Gesundheitsreform) und man sich arm blecht, wenn man sich einen Bruch einhandelt oder eine amoklaufende Schilddrüse besitzt.
Der Staat soll nicht Spritzen herstellens usw. usf., er soll aber zb. Krankenhäuser betreiben und dadurch besagte Grundversorgung sichern.
Und die ist nicht profitable zu betreiben, ohne Einbussen in der Behandlungsqualität, pflegerischen Betreuung, Ausstattungsqualität oder anderen Sachen hinzunehmen. Oder eben die Patienten schwer zur Kasse zu bitten.
Man kann durch Verwaltungsmassnahmen in solchen Bereichen die Kosten sicherlich optimieren. Ein dauerhaft profitabel laufendes, öffentliches Krankenhaus kann ich mir nicht vorstellen (und im Übrigen auch einige Ärzte nicht, die ich kenne).
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Das Krankenhaus zieht auch keinen wirklichen Nutzen daraus, ein WLAN anzubieten.
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Sie könnten damit Kohle machen.
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Zu Sky. Du schießt dich da auf einen Mittelsmann ein, dem du Monopolismus vorwirfst. Das ist ungefähr so, als würdest du auf ein Madonna-Konzert wollen und du regst dich über die Verkäufer am Schalter auf, weil diese den Zugang zu Madonna monopolisieren und horrende Wegelagerer-Gebühren verlangen würden. Ein anderes Popkonzert würdest du auch nicht als Alternative akzeptieren.
Die Fußballer (und alle anderen Beteiligten) wollen nunmal Kohle sehen. Du hast keinen Anspruch darauf, dass sie für dich spielen müssen. Das ist einfach Assoziationsfreiheit.
Im Übrigen kann es durchaus sein, dass eine gewisse Exklusivität Teil des Produkts ist, mit der das Interesse am Sportspektakel und die Freude, zusehen zu können, gesteigert wird.
Bei Apple ist das bekanntlich besonders transparent. Apple könnte von den Kosten her ihre Preise halbieren. Aber damit würden sie ihren Kunden die Freude am Produkt nehmen und das eigene Geschäftsmodell ruinieren.
Sicher könnte ein Krankenhaus mit einem WLAN Geld machen. Sie könnten auch ein Sonnenstudio reinbauen, einen Eisstand ins Foyer stellen und die Zimmer mit Werbung volltapezieren.
Ich halte es für sinnvoller, wenn ein Krankenhaus seinen Kernaufgaben folgt.
Bei Apple funktioniert das Marketing natürlich brilliant und sie haben ihre Zielgruppen. Apple ist allerdings nicht allein in Österreich, denn man kann sich auch Hardware kaufen und die mit Windows, Linux oder irgendwelchen Betriebssystemexoten bespielen. Je nachdem, was man benötigt und will.
Bei Sky ist das nicht der Fall. Die sitzen auf den Fussballrechten (zu deren Kauf sie niemand gezwungen hat) und vergraulen lieber eine potentiell große Zielgruppe mit unnötigen Paketen zu hohen Preisen und ärgern sie auch noch, indem sie als defizitärer Betrieb auch noch lieber Geld in das Abdrehen von Streams als in die Umstrukturierung des Angebots investieren.
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Die sitzen auf den Fussballrechten (zu deren Kauf sie niemand gezwungen hat)
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Die Verkäufer hat auch niemand gezwungen. Nunmehr wirfst du Sky eigentlich vor, nicht profitmaximierend genug zu arbeiten.
Interessanter Artikel zum Thema:
http://www.sportal.de/sportal/generated/article/fussball/2010/08/17/17513600000.html
Nun, ich sehe hier eben keinen Marktfehler, sondern Bemühen auf allen Seiten, das alles irgendwie zu schaukeln.
Fernsehen ist halt zunehmend out. Vielleicht kann man sich auf allen Seiten noch nicht damit abfinden, dass das Geld im Fußball nicht mehr so sprudeln wird, wie bisher. Solche Schrumpfungsprozesse sind übrigens einer der großen Vorteile des Marktes im Gegensatz zu strukturkonservativen Zentralplanung.
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Krankenhäuser müssen defizitär arbeiten? Worauf du möglicherweise hinaus willst, ist, dass der Staat den Armen zugunsten umverteilen sollte, damit sich alle eine Behandlung leisten können. Deswegen müssen die Krankenhäuser aber nicht gleich vom Staat betrieben werden. Die Umverteilung innerhalb von Institutionen und staatlichen Betrieben wie Krankenhäusern zu betreiben, ist ein Grundübel, weil dann keiner mehr kontrollieren kann, welcher Anteil der Ausgaben auf erwünschte Umverteilung und welcher auf unerwünschte Kosten entfällt.
sport und im speziellen sportübertragungen im fernsehen könnten mir wurschter nicht sein.
aber ein oder zwei worte zu den ach-so-teuren datenkarten: wie seit jeher sind wir hier mit den billigsten tarifen in ganz europa gesegnet, soweit mein überblick reicht.
4€/GB als teuer zu bezeichnen ist schlicht vermessen in meinen augen. wie eh schon wer gesagt hat – es wird sowieso noch billiger werden.
bei drei gibts 19GB um 15Eur, flatrate um 24,90EUR.
künstliche und IMHO nicht angebrachte aufregung – du hast schlicht das falsche produkt gekauft und regist dich jetzt auf, dass dein apfel nicht gleichzeitig birne sein kann.
und hier ein aktuelles „sonderangebot“ aus den usa: http://i.imgur.com/t6jLF.png
Das Beispiel aus den USA zeigt, dass dasselbe passieren wird wie im Bereich Sprachtelefonie. Sobald das Service nicht mehr wesentlich verbessert werden kann wird das Produkt zum Commodity, die Tarife immer pauschaler und vergleichbarer um letztlich schrittweise auf annähernd Selbstkostenniveau zu sinken. Weil die Margen in solchen Märkten gegen Null gehen können nur mehr die effizientesten Betriebe kostendeckend mitspielen.
Ich hab echt keine Vorstellung wo Ö heute stehen würde, hätte uns die EU nicht zur Aufgabe all dieser staatlichen Monopole gezwungen. Ich will es mir gar nicht ausmalen. Mock und Vranitzky sei Dank dass dieses Land wenigstens diesen Schritt geschafft hat.
Was ich im Bereich der Mobiltelefonie als Martkversagen empfinde sind nicht die Tarife (die zum Teil auch seltsam sind. Ich zahl bei meinem Handy für 1gb satte 7€, dieselbe leistung kostet mit einem stick am pc 4€ – wtf? auch interessant: bei t-mobile DE ist um 20€ im monat unbegrenztes datenvolumen dabei, bei AT selbst bei 55€-tarifen nur 3gb – dafür sind bei AT vergleichsweise mehr freiminuten dabei).
Was ich als absurd empfinde und wo ich als technischer Laie deshalb eine Art Marktversagen vermute(!) ist die Infrastruktur. Jedes Unternehmen hat hier mehr oder weniger sein eigenes Netz aufgebaut und das Land so mit Handymasten überzogen.
Ich hab im 250m Umkreis meiner kleinen Gasse rund 15-20 Handymasten stehen, keiner davon scheint gemeinsam von mehreren Unternehmen genutzt zu werden. Zuhause in der Steiermark scheint zumindest so jeder dritte Mast gemeinsam genutzt zu werden.
http://www.senderkataster.at/
Absurderweise hab ich trotz dieser Dichte nicht überall in Wien 3G-Empfang, sondern öfters „nur“ Edge oder gar GSM. ^^
PS: Ob die USA preislich vergleichbar sind hängt imo von Infrastruktur, Technologie und Nutzbarkeit ab.
@Tom: Es geht ja dabei nicht nur um Technik und prinzipielle Machbarkeit. Es gibt auch sowas wie Kosten der Kooperation und damit verbundene Risken, die letztlich wieder Kosten sind, diese können höher oder niedriger sein, je nachdem mit wem man es konkret zu tun hat.
Es könnte dann rauskommen, dass Du zwar weniger Masten hast aber höhere Kosten, ergo Dein Vertrag mehr kostet.
Ich sage bitte nicht, dass das immer „optimal“ gehandhabt wird. Aber ich sehe keine andere Möglichkeit, als die Leute, die die Dinge konkret machen im wesentlichen selbst entscheiden zu lassen. Nur sie verfügen über das Wissen, in welchen Dingen die Kosten wirklich versteckt sind.
Muss mal sagen gute Diskussion hier! 🙂 (auch wenn ich jetzt ehrlich viele Kommentare nur überflogen habe.)
Kann mich Johannes nur anschließen und hinzufügen: „The competitive environment has led to relatively low ARPU for operators and some of Europe’s lowest tariffs for consumers.“ (siehe: https://www.budde.com.au/Research/Austria-Mobile-Market-Overview-Statistics-and-Forecasts.html?r=51)
Sprachtelefonie ist mit mobilen Internet nicht zu vergleichen. Für UMTS usw. haben die Funkbetreiber 1. neue(!) Infrastruktur aufbauen und 2. Lizenzgebühren bezahlen müssen. (wo übrigens der Staat hübsch verdient hat)
@Tom Schaffer: Martin Schimak hat es eh schon angesprochen. Der Unterschied zwischen mobilen Internet am Smartphone und Laptop erklärt sich mit dem zeitlichen Unterschied. Mobiles Internet am Handy ist noch sehr jung. Der Markt bzw. der Konkurrenzdruck baut sich erst mit Zeit auf. Der Markt musss sich erst entwickeln. Außerdem ist es fast immer so, dass Neuigkeiten anfangs einen besonders hohen Preis haben bis es sich einpendelt.
@Georg Pichler: „Die Aufgabe des Marktes besteht hoffentlich nicht nur darin, ein bisschem besser zu sein als das ORF-Gebührensystem.“ Naja, kein System ist perfekt. Wenn man „Fuck you, freier Markt“ postuliert, dann muss man sich auch überlegen was die Alternative ist. Die Alternative scheint auch nicht besonders klasse zu sein. Fußnoten können eine Überschrift nicht wirklich relativieren und wenn man sich schon überlegt hat es zu relativieren, dann hätte man sich vlt. gleich eine andere Überschrift überlegen müssen/können. Z.B. „Marktversagen in Mobilfunk und PayTV“ oä.
Zum Thema Mobilfunk:
Die Analyse von Oligopolmärkten ist aufgrund der strategischen Interdependenzen der Anbieter nur durch eine langfristige, empirische Untersuchung möglich und das kostet Zeit und Geld. Es wäre wirklich aufschlussreich solche Studien (wie Lebensmittelhandel) EU-weit durchzuführen (wenn sie nicht schon durchgeführt werden) und entsprechende Lösungen anzudenken (z.b. erleichterten Markteintritt). Ich wage aber zu behaupten, dass selbst dann ein sogenannter „freier Markt“ in vielen Bereichen nicht erreicht werden kann.
@freier Markt:
Ich interpretiere den Begriff „freier Markt“ einmal synonym für vollkommenen Wettbewerb, und den gibt es so gut wie nie. Es sei denn: die Güter sind homogen, Informationsfreiheit ist gesichert, viele Anbieter, viele Nachfrager, etc. (->Keynes). Langsam aber sicher müsste doch klar sein, dass dieser nicht der Regelfall, sondern nur die Ausnahme ist.
@dieter:
Den vollkommener Wettbewerb als zu erreichenden Idealzustand anzubeten ( weil dieser oft nicht möglich ist) oder einen wenig kompetetiver Markt als solchen zu stilisieren, hilft vielleicht alles in den ideologischen Rahmen zu bekommen. Der Realität entspricht es nicht.
@hultsch:
Du beschreibst die Annahmen in ökonometrischen, also mathematischen Modellen. Solche vereinfachten Annahmen finden wir auch in der Physik, der Klimatologie und überall sonst, wo man Modelle erstellen will.
Das sind aber nicht die Kriterien, an denen man einen freien Markt festmachen kann. Wenn ich die einzige Pizzeria oder das einzige Schuhgeschäft in einem Ort betreibe, dann ist der Markt dadurch nicht weniger frei, als wenn es ein Konkurrenzgeschäft gäbe, oder wenn es gar kein solches Geschäft gäbe.
Nach dieser Logik wäre ja jedes neue, innovative Produkt ein Rückschlag, weil es zunächst einmal nur einen Anbieter gibt (und möglicherweise auch niemals einen zweiten geben wird).
Ich finde den Begriff „freier“ Markt generell irreführend, weil er impliziert, dass der Markt ohne irgendwelche Eingriffe der Marktteilnehmer funktioniert. Dem ist aber nicht so. Die Anbieter können z.B. den Preis durch absichtliche Verknappung des Angebots hinauftreiben oder der Staat kann Subventionen oder Höchstpreise für die bessergestellten Konsumenten durchsetzen.
Bei innovativen Produkten mit kostenintensiver Entwicklung ist es eine Zeitlang gerechtfertigt höhere Preise bestehen zulassen (->Patentrecht, Lizenzen, etc.), damit sich die Entwicklungskosten amortisieren können, sonst gäbe es ja keinen Anreiz neue Produkte zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.
Trotzdem ist es nach einer gewissen Zeit wünschenswert, wenn es mehrere Anbieter gibt, schon allein weil die Marktversorgung unter einem einzigen Anbieter leidet und nicht alle Konsumenten zum Zug kommen können, auch wenn sie die gleiche Zahlungsbereitschaft haben.
Die Frage ist nur wie lang diese Zeitspanne sein darf. In den USA ist sie für Pharmaunternehmen deutlich kürzer als in der EU.
@hultsch
Freiheit bedeutet eben nicht, dass es keine Eingriffe gibt, Freiheit existiert immer nur in Bezug zu einem Rahmen, einer Ordnung, zu Gesetzen usw. Dort wo nichts gilt, existiert nur Zufall, und damit keine Freiheit.
Freiheit, für alle geltende Freiheit, setzt Sicherheit, Planbarkeit, Einschätzbarkeit usw. voraus, ohne die man sie gar nicht in Anspruch nehmen würde oder könnte.