Ich möchte für unsere Andersrum-Kategorie diesmal ein theoretisches Gedankenspiel anregen, angelehnt an die aktuelle Situation in Ägypten (Pro- und Anti-Mubarak-Aktivisten treffen im Moment aufeinander und bekämpfen sich):
Zwei aufgeheizte Massen stehen sich gegenüber. Die Situation beruhigt sich nicht nachhaltig, weil immer wieder einzelne Aktionen die beiden Seiten anstacheln. Es scheint keine Sprecher zu geben, die vermitteln könnten. Nehmen wir an, keine der beteiligten Gruppen hat das direkte Ziel, einen Kampf zu provozieren. Wie kann man so eine Situation – nennen wir sie Konfrontationsdilemma – lösen, wenn man sich in ihr wieder findet?
4 Antworten auf „Gedankenspiel: Konfrontationsdilemma“
Ein Vorschlag: Man muss eine Form des Dialogs herstellen. Ich würde ein Schild malen, auf dem ich die Anderen auffordere, eine Abordnung zusammen zu stellen und auf neutralem Gebiet die eigene zu treffen.
Es sollte eine der beiden Seiten beginnen, sowohl an die eigenen Leute als auch an die andere Seite zu appellieren, besonnen zu bleiben und inhaltliche Differenzen friedlich auszutragen. Ideal wäre es, wenn Persönlichkeiten, die auf beiden Seiten über eine gewisse Akzeptanz verfügen, dafür eintreten, gemeinsamen Zielen und Werten einen Vorrang vor der Durchsetzung eigener Interessen einzuräumen. Dann müsste eine aus beiden Seiten bestehende Gruppe eine „Kolition der Vernunft“ bilden und einen Prozess zu einer friedlichen Konfliktbeilegung vorschlagen. Dieser müsste m. E. vorsehen, dass beide Gruppen VertreterInnen wählen/bestimmen, die über ein Mandat zur Verhandlung eines Kompromisses verfügen, der dann in einer getrennten Wahl beschlossen wird und dadurch genügend Legitimation erhält, um erfolgreich umgesetzt werden zu können.
Das sind jedenfalls schon mal sehr schöne Stichworte, finde ich, das wesentliche auf der ersten Ebene scheint mir gesagt: Dass es Werte (und Bedürfnisse) gibt, die alle teilen, die universell sind.
Die Gewaltfreie Kommunikation (M. Rosenberg hat die Methode bekannt gemacht) hat da viel praktisches zu bieten.
z.B. auch Übungen, die dazu beitragen, sich bewusst zu werden, dass „aufgeheizt“ sein, ein vorübergehender Zustand ist… dass es wichtig wäre, zu schauen, was hinter einem Gefühl steht. Wichtig scheint mir zum Erkennen beizutragen, dass wir uns letztlich freiwillig entscheiden, was wir fühlen, weil wir uns dafür entscheiden und was und wem wir Aufmerksamkeit geben.
Dass sich Bedürfnisse auf verschiedenste Weise befriedigen lassen.
Ein islamischer Mystiker, Rumi, hat gesagt: „Jenseits von Richtig und Falsch ist ein Ort. Dort treffe ich dich“.
Schade, es ist in Ägypten zu dem gekommen, was wohl unvermeidlich war. Jetzt wird um die Macht gekämpft. Brandbomben fliegen, Schüsse fallen, Menschen werden gejagt. In Kairo findet eine regelrechte Schlacht zwischen Regimegegnern und Mubarak-Getreuen statt. Am Abend forderte die Armee im Staatsfernsehen den Abzug der Demonstranten vom Tharir-Platz. Mir tun die ganzen armen Menschen einfach leid. Warum, musste es nur dazu kommen.