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Geld her oder wir verblöden!

Wenn sich Landeshauptleute als Bildungsexperten deklarieren, bekommt man eine Ahnung davon, was auf diesem Sektor hierzulande schief läuft – Eine Sachverhaltsdarstellung von Susanne Zoehrer

Es war einmal eine ehemalige Handarbeitslehrerin, die auszog um den Österreichern und Österreicherinnen in Sachen Bildungspolitik das Fürchten zu lehren. Einige Jahre später und durch kräftige Mithilfe ihrer Nachfolgerinnen, können die Bürger des Landes heute das Resultat dieser Bemühung in Form einer allgemeinen Bildungsmisere begutachten.

Von den Kindergärten, über die Schulen bis hin zu den Universitäten streckt sich das bildungspolitische Jammertal durch den gesamten Bereich, in dem der Staat der Schulung und Ausbildung seiner Bürger nachzukommen hätte. Und selbst wenn man zynisch nachhaken möchte, dass sich Weltklasseunis wohl hauptsächlich daran messen, was Frau Gehrer damals als Vergleichsmaß definiert haben wollte (ich zweifle noch heute an, dass die damalige Ministerin jemals eine Ahnung hatte, was de facto eine Weltklasseuniversität ausmacht), so ist einem spätestens nach der Nicht-Performance des Konzernmanagers Hahn das Lachen vergangen, Ankündigungen wie jene der aktuellen Wissenschaftsministerin, die Unis wieder in die Spitzenklasse zu führen, kann man wohl bestenfalls als Drohung auffassen.

Was Hänschen nicht lernt, …

Beginnen wir mit der Bestandsaufnahme dort, wo, im Bezug auf den staatlichen Einfluss, der Grundstein und sämtliche Voraussetzungen für ein mündiges Bildungsbürgertum gelegt werden sollten: im Kindergarten.

Bereits dort zeichnet sich ab,  dass einiges im Argen liegt. Auch wenn ich nicht alle öffentlichen Kindergärten über einen Kamm scheren will und es in ländlichen Gegenden mit Sicherheit kleine, aber feine Beispiele für funktionierende Institutionen gibt, so scheint dies wohl eher Ausnahme als Regel zu sein.

Ein Lehrer ist ein Lehrer ist ein Lehrer

Das Drama beginnt  bei der Ausbildung der Kindergärtnerinnen und ihren Assistentinnen. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass man in Österreich endlich Nägel mit Köpfen machen und sämtliche pädagogische Ausbildungen an den Universitäten ansiedeln sollte.

Pädagogische Akademien und sonstige nicht-universitäre Institutionen müssten abgeschafft werden, Kindergartenpädagogen, Sonderpädagogen und Mittelschullehrer gehören an die Universitäten. Warum? Es ist ein Widerspruch in sich, dass es für unterschiedliche pädagogische Berufe unterschiedliche Ausbildungswege geben soll, insbesondere weil man keine der jeweiligen Arbeitsfelder qualitativ über oder unter das jeweils Benachbarte stellen kann.

Eine Kindergärtnerin leistet einen ebenso wertvollen gesellschaftlichen Beitrag wie eine Mittelschul- oder HTL-Lehrerin. Pädagogen, die sich für einen Weg in die Wissenschaft oder als Lehrende an der Universität entscheiden, sollten diesen vom Baccalaureat über das Magisterium bis zum Doktorat fortsetzen können, wenn sie dies wünschen. Auch ein späterer Wiedereinstieg in eine akademische Laufbahn wäre somit einfacher möglich.

Zum Leben zuviel, zum Sterben zu wenig

Dass hervorragend ausgebildete  Universitätsabsolventen im Fach Kinderpädagogik eine Gleichstellung auch im Bezug auf ihr Gehalt erfahren sollten, ist letztlich nicht nur ein logischer Schluss aus dieser Forderung, sondern ein zutiefst notwendiger. Die Aufgabe von Kindergärtnern ist eine ungemein verantwortungsvolle und erst jüngst hat eine internationale Studie belegt, dass sich die Qualifikation der Kindergärtnerin tatsächlich auf den späteren Werdegang der Kinder auswirkt. Je besser, umso erfolgreicher.

Nicht zuletzt ist es widersinnig ausgerechnet jenen Leuten Hungerlöhne zu bezahlen, die sich um das wichtigste Kapital des Landes – nein ich spreche nicht von den Banken – kümmern, nämlich um die Kinder. Wer eigene hat, oder im Verwandtenkreis, der weiß, dass man sein Kind nicht einfach so in die Hände des Nächstbesten gibt, man will das Allerbeste für sein Kind, und das sollte endlich auch der Arbeitgeber Staat/Land begreifen. Über den jämmerlichen Verdienst von Kindergartenpädagoginnen berichtete die Wiener Zeitung Ende 2009 , dass Kindergartenhelferinnen noch weniger verdienen muss wohl nicht dazu erwähnt werden.

Nach der Volksschule geht man in die… ja wohin eigentlich?

Weiter geht der bildungstechnische Abstieg schließlich über die Volksschulen und diversen Ausprägungen von Pflichtschulen, Mittelschulen, Hauptschulen oder sonstigen Spezialtypen. Auskennen tut sich bei den jeweiligen Bezeichnungen kaum noch jemand, lediglich in der Volksschule herrscht grundsätzlich noch ein relativ übersichtliches Bild.

Auch hier gelten die zwei oben ausgeführten Forderungen: Eine (in Zahlen: 1) universitäre Ausbildungslaufbahn für Volksschullehrer und -lehrerinnen sowie ein Gehaltsschema für alle betroffenen Schulstufen, bis hinauf zu den Gymnasien.

Kaiser, König, Edelmann, Bürger, Bauer, Bettelmann…

Im Bereich jener Schultypen, die nach dem Besuch der Volksschule angesteuert werden, ist es allerhöchste Zeit die mittelalterliche Feudalbildungspolitik der ÖVP endlich dorthin zu verräumen, wo sie hingehört – in die Geschichtsbücher – und die Gesamtschule für alle, mindestens bis zum 14 Lebensjahr blitzartig einzuführen.

Weder die wissenschaftliche Forschung, noch Leistungsstudien aus dem Bildungssektor (Stichwort Finnland) haben jemals großflächige Bestätigungen dafür gefunden, dass sich eine frühzeitig Trennung von Schülern in spezialisierte Bildungsanstalten (Stichwort Hauptschule als Ausrangierplatz für die sog. Unterschicht, Ausländer etc…) positiv oder förderlich auf die Schüler und Schülerinnen auswirkt.

Ein derartiges Bildungssystem führt lediglich dazu, dass der Bildungsrückstand von Kindern aus einkommensschwachen Schichten verstärkt wird, bis an die Universität schafft es schließlich kaum noch eine/r von ihnen. Auch dazu ist es müßig x-Studien anzuführen, sie werden jährlich wiederholt und zeigen jährlich dasselbe Ergebnis.

Gaudeamus igitur  vs. morituri te salutant

Wenn man es schließlich überhaupt an die Universitäten schafft und sich dort nicht im kafkaesken Seminarwartelistensystem verirrt, oder aufgrund mangelnder finanzieller Unterstützung aussteigt, kann man sich zwar als Österreicherin glücklich schätzen zur theoretischen Elite zu zählen, die Praxis ist jedoch eine völlig andere.

Wer im vergangenen Herbst nicht die Proteste der Studierenden – bekannt unter dem Titel „Uni brennt“ – verschlafen hat, der muss, wenn er sich aktuell ein Bild von der Situation vor Ort macht, wohl bestenfalls zum Schluss kommen, dass die Uni nicht mehr brennt, sondern eher in Schutt und Asche liegt.

Mit viel Optimismus kann man da und dort noch ein paar Glutnester erkennen, die katastrophale Situation ist aber nicht die Schuld der Studenten, die sich meines Wissens nach noch immer in diversen Diskussionsrunden, Plenen und thematischen Aktionen rund um „Uni brennt“ organisieren, die Schuld liegt ausschließlich bei der Politik.

Trauerspiel Universitäten

Was Frau Gehrer vor 10 Jahren in der Bildungspolitik gesät hat, trägt heute durch wiederholtes Versagen, Unvermögen oder Inkompetenz auf Seiten ihrer Nachfolgerinnen prächtige Früchte. Da gibt es kaum universitäre Strukturen, die eine adäquate Ausbildung der Studierenden ermöglichen würden, das Rechtskonstrukt auf dem die Universitäten beruhen ist ein Flickwerk, welches die Kompetenzen der jeweils verantwortlichen Organe nicht ausreichend regelt, der so genannte Mittelbau – jener wissenschaftliche Nachwuchs, der irgendwann einmal Institute und Fakultäten leiten soll – wird ausgehungert, Assistentenstellen gibt es kaum und wenn, dann sind sie so unfassbar schlecht bezahlt, dass sich davon kaum eine Person den Lebensunterhalt finanzieren kann, wer in dem Alter „schon“ Familie hat, steht mit einem Bein im Armenhaus, es gibt kein Evaluierungssystem, welches Professoren, die seit 20 Jahren dieselbe Vorlesung halten, von ihren Posten entfernt, es mangelt an Forschungsstellen und an Geld für die Forschung. Fazit: an der Universität findet das was man hierzulande als Bildungspolitik betreibt seinen traurigen Höhepunkt.

Bildungsrettungspaket – Now!

Was tun? In Bezug auf Ausbildung und Bezahlung habe ich bereits oben ausgeführt, dass sämtliche Bildungsprofessionen unabdingbar auf universitärer Ebenen auszubilden sind, die Bezahlung eines Gymnasiallehrers sollte sich von der einer Kindergartenpädagogin nicht unterscheiden. Es bedarf höherer Einstiegsgehälter und hernach flacher verlaufender Gehaltskurven.

Letztlich ist vor allem eines nötig: Geld, Geld und nochmal Geld. Viel Geld. Es muss ein Bildungsrettungspaket geschnürt werden, welches mindestens dasselbe Ausmaß wie jenes des Bankenrettungspakets hat. Und wenn sich die Damen und Herren Politiker nun an den Kopf greifen und darüber lamentieren, dass es kein Geld gäbe und dass wir doch alle soviel sparen müssten, dann möchte ich dazu noch ein paar abschließende Bemerkungen anfügen.

Was kostet die Welt

Im Zuge der größten Wirtschaftskrise seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat man über Nacht Milliarden flüssig gemacht und den Banken in den Rachen gestopft. Meist ohne große Bedingungen. Österreich ist nicht zuletzt aufgrund massiver Korruptionsskandale auch international in Verruf geraten, die Arbeitslosenrate ist in den vergangenen Jahren nach oben geschnellt und wird sich so schnell nicht wieder konsolidieren. Und während Arbeitsplätze in der Industrie auch weiterhin in Dritte-Welt- und Schwellenländer abgesiedelt werden, ist die einzige Möglichkeit für Österreich international konkurrenzfähig zu bleiben jene, sich als Wissensnation und Innovationsstandort zu etablieren.

Das ist jedoch nur dann möglich, wenn man den jungen Leuten im Land die bestmögliche Ausbildung finanziert. Wenn man ein Umfeld schafft in dem es unabhängig von der sozialen Herkunft möglich ist, einen hervorragenden Abschluss bis zum universitären Niveau zu erhalten. Dazu muss aber das Land selbst reif sein und es bedarf mutiger Politiker und Politikerinnen, um dem Steuerzahler zu erklären, dass eine derartige Investition Früchte tragen wird.

Wer daran zweifelt, der solle sich bloß ein Bild vor Augen halten: wenn es hart auf hart kommt, wird es schwer werden mit zornigen, ungebildeten, frustrierten und vor allem perspektivenlosen jungen Erwachsenen über die Vorteile gewaltloser Demonstrationen zu diskutieren.

Susanne, 18. August 2010

Von Susanne Zoehrer

hat studiert und einige Jahre in den USA gelebt, ein paar Monate in Frankreich und ist auch sonst gern unterwegs. Interessiert sich für Musik, Kunst, Literatur, neue Medien und vieles mehr. Lebt zur Zeit in Wien.

20 Antworten auf „Geld her oder wir verblöden!“

Du willst die Probleme eines zentralistischen, bürokratisierten, politisierten und verschwenderschichen Systems mit noch mehr Zentralisierung lösen und noch mehr Geld hinterher werfen?

Das ist der völlig verkehrte Ansatz.

Bildungsgutscheine, steuerliche Absetzbarkeit von Bildungsausgaben, Privatisierung der Schulen und Deregulierung der pädagogischen Berufe (jeder soll sich als Lehrer versuchen können) sind der richtige Weg.

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Weder die wissenschaftliche Forschung, noch Leistungsstudien aus dem Bildungssektor (Stichwort Finnland) haben jemals großflächige Bestätigungen dafür gefunden, dass sich eine frühzeitig Trennung von Schülern in spezialisierte Bildungsanstalten (Stichwort Hauptschule als Ausrangierplatz für die sog. Unterschicht, Ausländer etc…) positiv oder förderlich auf die Schüler und Schülerinnen auswirkt.
Das Gegenteil ist auch der Fall. Gesamtschule oder nicht, frühe Einschulung und Frühförderung im Kindergarten, oder nicht, macht laut PISA überhaupt keinen Unterschied.
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Die New York Times bewirbt ständig enthusiastisch irgendwelche Bildungsprojekte, die sich dann hinterher als Chimäre erweisen. Der muttersprachliche Unterricht war ein totales Desaster.

Mag sein, dass, wenn man hochbegabte und hochmotivierte Pädagogen mit einem Salär von 320,000$ in den Kindergarten schickt, dass dann überdurchschnittliche Resultate erzielt werden. Das gleiche trifft auf jede andere Berufsgruppe zu. Nur gibt es halt nur wenige solcher Superstars. In der breiten Umsetzung muss man eben auf durchschnittlich Begabte zurückgreifen.

Die Schwellenländer steigen selbst zu Industrienationen auf und von Innovationen profitiert die ganze Menschheit, inklusive arme Dritte-Welt-Länder. Die Notwendigkeit, selbst an der Spitze der Innovation zu stehen, wird völlig überschätzt.
Und wer soll eigentlich all die Innovationen erfinden, wenn wir die Innovativen in den Kindergarten drängen?

Schulen privatisieren? Klingt für mich wie eine nette Metapher für „Bildung für die Reichen (und der Rest soll halt schaun wo er bleibt)“.

Der Martk versagt ja schon brachial beim Finanz- und Kreditwesen, da halt ich es für eine grandiose Schnapsidee, ihm etwas Sensibles wie Bildung alleinig anzuvertrauen.

@dieter: Denkst du, dass private Schulen die bestmögliche Bildung für die breite Masse ermöglichen würden? Wenn ein Unternehmen nach Privatrecht Schulen anbietet, dann wird hier nach Wirtschaftlichkeit vorgegangen. Grundsätzlich nichts Schlechtes, aber wer kümmert sich um die Kinder, deren Ausbildung keinen Gewinn einbringt? Und wenn der Staat trotzdem für Bildungsausgaben aufkommen soll (durch Absetzbarkeit, Gutscheine..), dann wird so ein System nicht wirklich effizienter sein, als es das jetzige ist. Und für was wäre die Deregulierung pädagogischer Berufe gut?

@Georg: Ein Marktversagen muss man in der gegenwärtigen Krise relativieren. Niemand ist zu rationalem Handeln verpflichtet und man kann von den Marktteilnehmern nicht ganzheitliches Denken erwarten. Von der Politik aber schon. Marktteilnehmer handeln im Rahmen von Gesetzen. Wenn die Fehlen, ist nicht der Markt schuld, sondern die Politik.

@Andreas: „Niemand ist zu rationalem Handeln verpflichtet“ ist neben „Niemand ist zu absolut rationalem Handeln fähig“ eben das Problem der Advokaten des radikalen Marktes. Deshalb funktioniert der nämlich nicht so wie er soll. Schuld an diesem Versagen sind folglich jene, die ihn ungeachtet dieser Tatsache trotzdem radikal und in allen Lebensbereichen umsetzen wollen und eben das Fehlen von Gesetzen vorantreiben.

Das ist dann zwar die Schuld von den Politikern, die das zu verantworten haben, aber es ist das Problem FEHLENDER Politik. Den Markt in diesem Sinne von Schuld freizusprechen und die Politik zu belangen ist lächerlich.

Die gegenwärtige Krise ist ein Krise der radikalen Marktideologie. Die Deregulierung hat nämlich eben nicht zum Wohlstand für alle geführt, sondern zum Kollaps des Wirtschaftssystems.

Wir wissen, dass der Markt ein mächtiges Instrument zur Steigerung von Effizienz ist – und als solches sollten wir ihn auch sehen. Wir wissen aber auch, dass er gewisse Wunschvorstellungen einfach nicht erfüllt, und dass er besonders politisch erwünschte Ergebnisse bzw. meritorische Güter nicht verlässlich sicherstellt. Nicht alles ist besser, nur weil es billiger ist. Der Markt taugt als Dogma deshalb nicht. Und ich halte deshalb natürlich gar nichts von Dieters Idee, die Bildung zu privatisieren.

Ich halte aber schon etwas davon, die Schulbürokratie zu verändern.In manchem Bereichen brauchen Schulen Kontrolle, in anderen mehr Freiheiten und Autonomie. Vor allem aber brauchen sie mehr Geld – teilweise muss auch einfach nur mehr von dem im Unterricht ankommen, das bereits ausgegeben wird.

Das schaffen andere Staaten mit öffentlichen Systemen aber viel besser als Österreich, weshalb die Lösung „Alles privat“ natürlich nicht nötig oder besser ist. Das viel mehr von Privatisierung geprägte US-Schulsystem bringt wesentlich schlechtere Ergebnisse als sogar das bescheiden österreichische, hat aber die höchsten Ausgaben der Welt. Das sehr gute, staatliche finnische bringt wesentlich bessere Ergebnisse als alle anderen, kostet aber deutlich weniger pro Schüler als das österreichische.

Auch wenn ich das österreichische Bildungssystem nicht im Detail kenne, so möchte ich zu ganz allgemeinen Punkten (die auch bei uns in Deutschland heftig diskutiert werden) Stellung nehmen:
„Ein derartiges Bildungssystem führt lediglich dazu, dass der Bildungsrückstand von Kindern aus einkommensschwachen Schichten verstärkt wird, bis an die Universität schafft es schließlich kaum noch eine/r von ihnen. Auch dazu ist es müßig x-Studien anzuführen, sie werden jährlich wiederholt und zeigen jährlich dasselbe Ergebnis.“

Diese Studien würden mich aber jetzt interessieren, denn ich kenne keine! Alle Studien, die ich kenne, stellen die deutliche Abhängigkeit des Bildungsweges vom sozialen Hintergrund fest, ohne dafür die Ursache im jeweiligen Bildungssystem zu sehen. Erst vor ein zwei Jahren hat Prof. emer. Helmut Fend, der den Gesamtschulen immer wohlgesonnen war, enttäuscht nachgewiesen, dass seine Studien nicht den Schluss zulassen, dass eine Gesamtschule etwas an der sozialen Spaltung ändere. Studien (und sogar großflächige), die die Nachteile des gemeinsamen Lernenes nachweisen gibt es zumindest in Deutschland (siehe http://www.blogbildung.net)

@dieter
Was genau meinst Du mit „jeder soll sich als Lehrer versuchen können“? Experimentieren am lebenden Schüler? Es ist doch heute schon so, dass die Lehrerausbildung auf ein Mindestmaß hinabgeschraubt wird, dass gerade noch gewährleistet, dass Lehrer nicht die Zukunft unserer Kinder ruinieren. Statt den Lehrerberuf wieder aufzuwerten und ihn für jeden Mathematiker, Physiker und sonstwas für Talente attraktiv zu machen, wird er weiter entwertet, indem Hinz und Kunz auf unsere Schüler losgelassen werden und die deutsche Lehrergewerkschaft GEW auch noch Gleichstellung (=Gleichbezahlung) fordert. Da finde ich die Überlegung von Susanne sehr richtig, an der gleichwertigen Ausbildung und der dann auch gleichwertigen (gleichhohen) Bezahlung aller Pädagogen zu arbeiten. In Deutschland verstehen manche Leute unter Gleichbezahlung, dass die besser bezahlten Gymnasiallehrer auf Teile ihres Gehalts verzichten – auch so verdient dann eine Erzieherin im Kindergarten soviel wie ein Lehrer…

Zum Thema „Privatisierung der Schulen“ noch:
Bildung darf nicht den Gesetzen des Marktes unterworfen werden. Denn Bildung ist mehr als monetärer Mehrwert.


http://www.BlogBildung.net
Schule. Bildung. Zukunft

Die Finanzkrise ist eine Mischung aus Marktversagen, staatlichem Versagen und animalistischem Herdentrieb. Das ist kein Beweis, dass der Sozialismus funktioniert und das nun andere Wirtschaftsbereiche verstaatlicht werden sollen.

Zuviel Markt und Liberalismus kann jedenfalls auf keinen Fall als Grund für die oben genannte Bildungsmisere herhalten.

In den USA ist die Lehrergewerkschaft noch mächtiger als bei uns und die staatliche Bevormundung im öffentlichen Schulwesen noch größer. Deshalb weichen diejenigen, die das können, noch stärker auf Privatschulen aus. Bildungsgutscheine sind dort ein altes Streitthema, gegen das sich die Gewerkschafter komplett quer legen. Die Eltern, die sich keine Privatschule aus eigener Tasche leisten können, würden dann doch glatt die Schulen ihrer Kinder nach Qualität aussuchen können.

Schweden hat ein solches Modell eingeführt (allerdings für meinen Geschmack nicht feinkörnig genug).
Obama ist nun der erste, der sich mutig gegen die Gewerkschafter stellt.

Wenn in Österreich auch die Hauptschullehrer, Pflichtschullehrer und Kindergärtner universitär ausgebildet werden müssen, dann bekommt ihr als Resultat die AHS-Gewerkschaft mal vier. Je stärker der Zugang zum Arbeitsmarkt für Lehrer kartellisiert wird, desto strukturkonservativer und bürokratischer wird das System. Bildungsministerin Schmied weiß ein Liedchen davon zu singen.

Ich will totale Autonomie, soll heißen Privatisierung. Dass sich die Schulen an wirtschaftliche Kriterien halten müssen ist der Sinn der Sache, denn wirtschaftlich sein heißt für eine Schule ein gutes und bedarfsgerechtes Angebot zu machen.

Welche anderen, privatwirtschaftlichen Bildungsbereiche wollt ihr zentralisieren und bürokratisieren?
Tanzschulen, Schischulen, Fahrschulen, Klavierunterricht?
Wenn ihr eine Fremdsprache lernen wollt geht ihr dann zu Berlitz oder Interlingua, oder würdet ihr euch lieber in eine Oberstufen-AHS in den Unterricht setzen?
Würdet ihr für ein Bildungsangebot zahlen, bei dem die Hälfte des Geldes in der Verwaltung versickert? Am freien Bildungsmarkt gibt es keine Jahrzehntelangen Debatten über Strukturreformen.

Schon heute lernen viele Schüler den nötigen Stoff im zum Glück völlig unregulierten Nachhilfemarkt.

Euer Finnland-Beispiel leidet an akutem selection bias.
Einige deutsche Bundesländer, die größer sind als Finnland haben ebenso gute PISA-Ergebnisse. Gesamtschule hin oder her. Auch in Mexiko gibt es zentralistisch organisierte Gesamtschulen.

Staatliche Angebote funktionieren in den nordischen Ländern besser wegen der dortigen idealistischen, egalitiären und pragmatischen Kultur und nicht wegen, sondern trotz Zentralisierung.

PISA gefällt mir aber sowieso nicht. Das ist sowas wie ein grobschlächtiger Intelligenztest, der uns nichts über den praktischen Nutzen, den die Kinder aus der Schule mitnehmen sagt. Musikalität, Fremdsprachenkenntnisse, Geschichtsbewusstsein, Wirtschaftskompetenz, Handwerkliches Geschick und alles andere, was Schule den Kindern mit auf den Weg geben kann und nützlich ist wird da einfach nicht gemessen.
Wünschenswerte individualisierte Vielfalt kann man nicht mit einem Einheitstest messen.

@Alle: Privatisierung funktioniert normalerweise so, dass der Staat Schul-Voucher ausgibt. Es gibt dann staatliche Schulen, wenn aber jemand auf eine anerkannte private Schule gehen will, bekommt die private Schule dann halt das Geld, das der Staat sonst im staatlichen Schulsystem für den Schüler ausgegeben hätte. Das wäre gerade in Österreich sehr sinnvoll, da es die Lehrergewerkschaft schwächen würde (die in der Politik und speziell der ÖVP sehr starken Einfluss hat die meisten Reformen blockiert). Außerdem würden dann auch noch andere Probleme gelöst – wie z.B. die Spezialbehandlung religiöser Schulen würde abgeschafft. Schweden ist beim Schulvoucher Vorreiter.

@Susanne: Ich finde das ist ein äußerst schwacher Artikel.

Zunächst zur Gehrer: man kann von ihr halten was man will – aber für die meisten Deiner Kritikpunkte am Schulsystem ist sie nicht verantwortlich. Höchstens insofern, als dass sie daran nichts geändert hat. Aber es gab davor und danach noch andere Unterrichtsminister, die da auch nix unternommen haben. Und der Schmäh mit der Handarbeitslehrerin ist recht billig – zumindest hatte sie aber eine Matura – ganz im Gegensatz zur Dohnal (nur, damit Du mal siehst, wie billig das ist).

Das Argument mit dem Ausbildungsweg ist auch verfehlt. Gymnasium- oder HTL-Lehrer sind wegen ihrer fachlichen Ausbildung an der Universität und nicht wegen der pädagogischen. Viele HTL-Lehrer bekommen die pädagogische Ausbildung (wenn überhaupt) in einem einjährigen Kurs beigebracht und studieren das nicht an der Universität. Dass ein Volksschul- oder Hauptschullehrer nicht auf die Uni muss um dort Mathematik oder Germanistik zu studieren ist eigentlich einleuchtend.

Zum Geld: Wie Tom schon geschrieben hat ist Österreich in den Ausgaben pro Schüler/Student im europäischen Spitzenfeld (Zahlen von 2007) EU:€6475, DE:6752, FI:6682, AT:8694). Als Prozent vom BIP nicht mehr ganz so gut, aber immer noch recht passabel: EU:5%, DE:4.5%, FI:5.9%, AT:5.4%. Schon alleine diese Zahlen zeigen, dass das Ausgaben nicht wirklich das größte Problem sein können.

Die Forderung nach einem Bildungspaket im Umfang vom Bankenpaket ist dann aber vollkommen absurd. Zunächst besteht das Bankenpaket größtenteils aus Krediten und Garantien. Ich nehme aber an, dass Du nicht von Studienkrediten sprichst. Das Bankenpaket hat einen Umfang von €100 Milliarden. Du schreibst nirgendwo, auf wie viele Jahre Du das verteilt sehen willst. Wenn Du das pro Jahr haben willst, dann würden die Bildungsausgaben auf ca. 30% des BIP anwachsen, was dann doch schon recht heftig wäre.

Zur Gliederung des Schulsystems und Finnland ist noch folgendes zu sagen: Die Einführung einer Gesamtschule im Rahmen des jetzigen Systems wäre eine Katastrophe. Zuerst müssen andere Reformen angegangen werden. Im jetzigen System können schlechte Lehrer und schlechte Schüler praktisch beliebigen Schaden anrichten, ohne dass man dagegen etwas unternehmen kann. Es kann nicht Ziel der Einführung der Gesamtschule sein, dass danach alle so schlecht sind, wie jetzt die schlechtesten Hauptschulen.
Finnland hat den großen Vorteil einer sehr homogenen Gesellschaft. Man kann finnische Erfahrungen deswegen nicht 1:1 auf Wiener Problemschulen umlegen und denken, dass durch die Einführung einer Gesamtschule schon alles gut werden wird. Man muss sich schon überlegen, was man z.B. mit Schülern tun will, die halt einfach nicht lernen wollen und die auch nicht daran interessiert sind die Sprache zu lernen. Dass es wenns um die eigenen Kinder geht jede Toleranz aufhört, hat ja die Volksabstimmung in Hamburg gezeigt – und da ging es lediglich um die Verlängerung der Volksschule um 2 Jahre.

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Bildung darf nicht den Gesetzen des Marktes unterworfen werden. Denn Bildung ist mehr als monetärer Mehrwert.
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Kulinarik ist mehr als monetärer Mehrwert.
Architektur ist mehr als monetärer Mehrwert.
Kunst ist mehr als monetärer Mehrwert.
Musik ist mehr als monetärer Mehrwert.
Journalismus ist mehr als monetärer Mehrwert.

Alles verstaatlichen, zentral organisieren und politisieren?

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Was genau meinst Du mit “jeder soll sich als Lehrer versuchen können”? Experimentieren am lebenden Schüler?
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Trial und Error. Wenn sich ein Lehrer nicht bewährt, was man nach kurzer Probezeit sieht, muss er sich halt einen anderen Beruf suchen. Ist im Nachhilfe-Bereich und anderen privaten Bildungsangeboten ja auch so. Wen jemand nicht mit Kindern umgehen kann und nicht erklären kann, dann suchen sich die Eltern einen anderen.

Sobald man ein Lehramtsstudium voraussetzt wird der Eintritt in den Markt verschlossen. Spätberufene haben keine Chance und keine Lust noch mal ein ganzes Studium zu absolvieren. Und die Absolventen pochen auf defacto Unkündbarkeit, schließlich wollen sie ja nicht umsonst studiert haben.

In Österreich gäbe es einen großen Pool an prekären Orchideen-Studiums Absolventen. Warum sollten sich die nicht mal als Lehrer versuchen dürfen? Hungernde Künstler für Musik und bildnerische Erziehung stünden auch haufenweise zur Verfügung.

@Michael:
Im Prinzip fordern Harald Walser, Christoph Chorherr und andere Grüne auch ein Gutscheinsystem und eine Öffnung des Bildungsmarktes, ohne, dass ihnen das bewusst ist. Denn sie fordern, dass alle Privatschulen im gleichen Ausmaß Förderungen bekommen.

Mir ist das aber eben nicht feingliedrig genug. Denn es gibt nur einen Gutschein für den Schulbesuch eines Jahres an einer Schule.

Beispielsweise sollte es für zweite Fremdsprache und Erweitertes Englisch eigene Stundengutscheine geben, die man zu einem beliebigen Zeitpunkt ausgeben kann. Viele interessieren sich zu dem Zeitpunkt zu dem das im strikten Lehrplan vorgesehen ist eben noch nicht für bestimmte Inhalte. Ich beispielsweise habe mein Interesse für Fremdsprachen erst nach der Schule entdeckt.

Wenn ihr eine Fremdsprache lernen wollt geht ihr dann zu Berlitz oder Interlingua, oder würdet ihr euch lieber in eine Oberstufen-AHS in den Unterricht setzen?

Ersters, zweiteres… oder einen Uni-Kurs.

Schischulen, Tanzschulen etc. sind ein humpelnder Vergleich, da sie nicht das Spektrum des Schulwissens (trotz der überladenen Lehrpläne) bieten und nicht zur Allgemeinbildung beitragen. Der Nebenschauplatz bringt also nichts.

Jetzt ist am derzeitigen Schulsystem ohnehin schon zu bemängeln, dass die Strukturen zu starr und auf Einzelinteressen kaum Rücksicht genommen werden kann. Dein „wirtschaftliche Schulen würden ein bedarfsgerechtes Angebot bereitstellen“ hat also den schweren Haken, dass das Angebot den (aktuellen und nicht beständigen) Interessen der Masse entsprechen würden, und „Orchideenfächer“, etwa bestimmte Zusatzkurse und Wahlfächer, mangels Rentabilität flach fallen würden.

Der Spanischunterricht auf meinem ehemaligen Gymnasium etwa hatte ohnehin bereits eine Mindstzahl an Anmeldungen, die erreicht werden musste, damit er überhaupt stattfinden konnte (ich meine, es waren 6 Schüler), die gerade so erfüllt werden konnte.

Jetzt genossen eben diese 6 Schüler ihren freiwilligen Zusatzunterricht. Das ist sicher nicht wirtschaftlich, bildungstechnisch aber definitiv sinnvoll und kommt viel zu selten vor und wäre in einer zur Rentabilität gezwungenen Schule nicht möglich, da die Tendenz ja ist, selbst die kleinsten Verlustquellen schnell zu eliminieren (oder gar Quellen die Gewinn verzeichnen, aber nicht genug).

Dein unregulierter Nachhilfemarkt, der immens von Gehrer und Folgen profitiert, ist übrigens ein gutes Beispiel. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Qualität alles andere als gesichert und die Suche nach guter Nachhilfe damit zT ein Glücksspiel ist (zumal dann auch noch die Auswahl in strukturschwächeren Gegenden eher überschaubar ist). Hinzu kommen die nicht gerade niedrigen Kosten für die Eltern.

Prinzipiell ist es gut, dass der Nachhilfemarkt existiert, weil auch ein perfektes Schulsystem nicht verhindern kann, dass der eine oder andere zusätzliche Unterstützung braucht bzw. die besonders Eifrigen vll. aus Ehrgeiz Nachhilfe nehmen.

Übrigens bietet der Nachhilfemarkt soziale Barrieren, da ärmere Familien sich tendentiell schlechtere bzw. weniger Nachhilfe leisten können als Besserverdiener. Der Lernbedarf des „Hacklerkinds“ ist also erheblich schwieriger zu decken als jener eines „Beamtenkinds“.

Sieht man sicher aber die Explosion der Umsätze des Nachhilfemarktes der letzten anderthalb Jahrzehnte an, so sieht man ein Alarmzeichen, dass dem derzeitigen Schulsystem kein gutes Zeugnis ausstellt (auch wenn andere Faktoren ebenso mitspielen).

Wie gesagt, es ist gut, dass es einen Nachhilfemarkt gibt, aber so groß müsste er – dem Wohle der Kinder und den Finanzen der Eltern zuliebe.

Ein flexibles, modernes Gesamtschulsystem ist da mMn ein richtiger Schritt dazu und kann bei entsprechender Gestaltung (die aus wirtschaftlichen Gründen bei Privatschulen nicht Zustande käme) die „wünschenswerte, individualisierte Vielfalt“ im Lernangebot bieten.

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Schischulen, Tanzschulen etc. sind ein humpelnder Vergleich, da sie nicht das Spektrum des Schulwissens (trotz der überladenen Lehrpläne) bieten und nicht zur Allgemeinbildung beitragen. Der Nebenschauplatz bringt also nichts.
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Turnunterricht = Allgemeinbildung. Schifahren, Tanzen nicht?
Wer definiert überhaupt, was „Schulwissen“ und „Allgemeinbildung“ beinhaltet? Defacto wurde das vor 200 Jahren von den Preussen entschieden. Und das wird seither strukturkonservativ tradiert. Änderungen sind kaum möglich und eine politisierte Angelegenheit.

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Dein “wirtschaftliche Schulen würden ein bedarfsgerechtes Angebot bereitstellen” hat also den schweren Haken, dass das Angebot den (aktuellen und nicht beständigen) Interessen der Masse entsprechen würden, und “Orchideenfächer”, etwa bestimmte Zusatzkurse und Wahlfächer, mangels Rentabilität flach fallen würden.
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Genau. Deshalb gibt es in der Marktwirtschaft auch nur Einheitskost, Einheitsautos, Einheitshäuser, Einheitstelefone. Im Sozialismus gibt es hingegen bunte Vielfalt.
Spanischkurse gäbe es ohne den Staat auch nirgends.

Das Problem mit den Sprachkursen in der AHS ist einfach, dass diese schlecht organisiert sind. Ein paar Stunden pro Woche über viele Jahre statt Intensivkurse. Klassen nach Altersstufe eingeteilt statt nach individuellem Kenntnisstand.

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Übrigens bietet der Nachhilfemarkt soziale Barrieren, da ärmere Familien sich tendentiell schlechtere bzw. weniger Nachhilfe leisten können als Besserverdiener.
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Besserverdiener können sich immer mehr leisten, in jedem Bereich des Konsums. Wogegen oder wofür soll das nun ein Argument sein?

Hier muss man zwischen Umverteilung und Bevormundung und Zentralisierung klar unterscheiden. Der Staat gibt ja 8600€ pro Schüler aus. Nur bevormundet er die Bürger darin, wie, wann und wofür dieses Geld ausgegeben wird. Er zwingt die Geringverdiener in ein zentral geplantes Bildungskorsett. Den Besserverdienern bleibt zum Glück genug Geld übrig, um in den Markt ausweichen zu können. Gutscheine = Marktzugang für alle und nicht nur die Reichen.

Selbst vergleichsweise schlechte Nachhilfe ist es den Eltern das Geld offenbar wert.

@ Dieter
„Kulinarik ist mehr als monetärer Mehrwert.“
siehe McDonalds & Co. vs. Gourmet-Tempel

„Architektur ist mehr als monetärer Mehrwert.“
siehe Plattenbau & Co. vs. Libeskind

„Kunst ist mehr als monetärer Mehrwert.“
kenne ich mich nicht aus, habe aber schonmal davon gehört, dass Irrationalität ein großen Anteil am Zustandekommen von Preisen für Kunst hat…

„Musik ist mehr als monetärer Mehrwert.“
siehe DJ Özi & Co. (jemand anderes fällt mir gerade nicht ein…) vs. J.S.Bach

„Journalismus ist mehr als monetärer Mehrwert.“
siehe BILD vs. ZEIT

Was ich sagen will: Es gibt viel guten Journalismus, viel qualitativ hochwertige Musik, aber es gibt in allen genannten Bereichen durch die Kommerzialisierung abgrundtief bekloppte Auswüchse, die lediglich den Markt bedienen (und sehr erfolgreich sind). Bei der Bildung muss dieser Marktgedanke aber aufhören. Denn wie lange dauert es denn, bis sich Schulen, die Abschlüsse ‚verschenken‘ und den Spaßwillen von Eltern und Schülern bedienen, gegenüber qualitativ hochwertigen und sehr viel kostspieligeren Schulen in der *Masse* durchsetzen?

„Trial and Error“
Wie stellst Du dir das vor? Wir setzen den Schülern alle 3 Wochen einen neuen Lehrer vor – irgendwann wird schon der richtige dabei sein? Abgesehen davon, dass 3 Wochen gar nicht ausreichen würden, um die Qualität eines Leheres zu beurteilen. In Deutschland mussten sich bisher die Beamtenanwärter zunächst 3 Jahre bewähren, bevor sie auf Lebenszeit verbeamtet wurden. Ein Quereinsteiger an einer deutschen Schule wird vom Schulleiter (nicht von der Schulbehörde oder Ausbildern!) in 2 Jahren ca. 4 Mal im Unterricht besucht – dann ist er/sie Lehrer, wenn er/sie nicht völligen Mist verzapft hat…


http://www.BlogBildung.net
Schule. Bildung. Zukunft

In dem Beitrag schimmern einige „Standesdünkel“ durch. Schon der Anwurf der „Handarbeitslehrerin“ funktioniert ja nur deshalb, weil dieser Beruf als minderwertig gesehen wird. Und auch der Glaube, dass alle Pädagogen dann die beste Ausbildung haben, wenn sie universitär ist, geht in diese Richtung. Es kann nebenbei nicht Ziel der Bildungslandschaft sein, dass alle Österreicher universitäre Abschlüsse haben – für viele Ausbildungen ist eine Uni einfach der falsche Platz und raubt unnötige Ressourcen.

Tatsache ist: Die pädagogische Ausbildung an den PHs (mit Aufnahmeprüfung!) ist in der Regel besser als die der universitär ausgebildeten Lehrer. Tatsache ist auch, dass „universitäre Pädagogik“ mit angewandter Pädagogik oft nichts zu tun hat, da viele (nicht alle!) Uni-Pädagogen keine Ahnung von der Praxis haben.

Tatsache ist schließlich auch, dass österreichischen Kindergärtner auch im Ausland gefragt sind; so schlecht kann die Ausbildung nicht sein. Das Problem scheint eher zu sein, dass in der BAKIP viele Schüler noch gar nicht wissen, ob sie später Kindergärtner werden wollen, und daher Ressourcen verschwendet werden. Kindergärtner, die die Ausbildung als Kolleg absolviert haben, ergreifen jedenfalls in viel höherem Ausmaß auch den entsprechenden Beruf. Bei den Kindergärtner stimmt auch, dass die schlechte Bezahlung vor allem in Wien ein Problem ist. Das regelt sich aber bald von selbst, weil dadurch gerade akuter Personalmangel entsteht – wer kann, arbeitet lieber in NÖ oder einer nicht-kommunalen Einrichtung, von denen viele besser zahlen als die Wiener Kindergärten.

Doch allgemein nach „mehr Geld“ zu verlangen, ist phantasielos. Denn beim Geldausgeben steht Österreich ja, siehe Vorkommentare, gar nicht schlecht da. Der Output ist das Problem! Eine Lösung dafür könnte Dezentralisierung sein: Mehr Kompetenzen für die Schulen, weniger für den Bund – denn am Ort kann man sich auf die Probleme besser einstellen. Und das Ende der Sprengelpflicht für VS/HS, die ja in einigen Gebieten bereits aufgehoben worden ist, damit die Eltern freie Schulwahl haben. Radikalere Schritte wie Schulgutscheine etc. haben ja schon andere Kommentatoren vor mir beschrieben.Das wäre dann quasi nicht eine Differenzierung in zwei Schultypen, sondern in Dutzende, weil jede Schule eigene Schwerpunkte setzt.

Auch wenn ich etwas spät in die Debatte einsteige – man hat schließlich auch noch ein Leben abseits des Bloggens – werde ich versuchen zumindest auf ein paar der Einwürfe und Argumente einzugehen. Ich bitte um Nachsicht, wenn ich das eine oder andere übersehe.

@Dieter – ich bin absolut gegen eine Privatisierung und Deregulierung des Bildungssystems. Zum Einen, weil sich dadurch soziale Ungleichheiten noch mehr verschärfen würden. Wer es sich leisten kann wird die passende Schule finden, wer nicht bleibt zurück. Zum Anderen – und das erlebt man schon in den USA, wird es schwer werden eine unabhängige Ausbildung zu gestalten. Wer bezahlt denn diese privaten Schulen? Entweder teures Schulgeld, oder McDonalds als Sponsor (das gibt es in den USA übrigens schon…), derjenige der zahlt schafft an…es gibt in den USA auch bereits privat produziertes Lernmaterial, dort kann es dann auch gut sein, dass man Kreationismus auf gleicher Ebene wie die Evolutionstheorie lehrt. Bildung muss öffentlich bleiben.

Des weiteren: „Gesamtschule oder nicht, frühe Einschulung und Frühförderung im Kindergarten, oder nicht, macht laut PISA überhaupt keinen Unterschied.“ Du vergleichst Äpfel mit Birnen, frühe Einschulung hat nichts mit der frühen Selektion durch Aufsplittung in Haupt- und Mittelschulen zu tun. Darum aber geht es – dadurch dass man 10 Jährige bereits zwingt ihren späteren Lebensweg zu wählen (bzw. das machen ja die Eltern), zementiert man auch deren spätere Laufbahn. Kaum einer der die Hauptschule abschließt, schafft es später noch an die Uni.

@Peter – gerade die von dir zitierte Studie kommt interessanterweise zum Schluss: „Fend räumt zwar ein, dass die Gesamtschule die soziale Auslese durchaus reduzieren könne. Wenn es aber um die weiteren Bildungschancen gehe, „verliert sich dieser schulische Einfluss, und die familiären Ressourcen in der Gestaltung der Entscheidungen treten in den Vordergrund“. http://bildungsklick.de/a/57637/studie-gesamtschule-verhindert-soziale-auslese-nicht/

Fend gibt selbst zu, dass Gesamtschulen die soziale Auslese reduzieren können – der Titel der Seite ist daher irreführend ja falsch. Nichts wird jemals soziale Auslese völlig verhindern können, aber wenn es die Möglichkeit gibt sie zu reduzieren, dann ist es doch verantwortungslos nicht wenigstens auf diese Reduktion zu setzt. Des weiteren (auch wenn ich die originale Studie nicht angesehen habe), ist der Schluss von Fend, wonach sich der schulische Einfluss reduziert und die familiären Ressourcen in den Vordergrund treten ein klassischer wissenschaftlicher Zirkelschluss. Natürlich werden die familiären Ressourcen in den Vordergrund treten, diese familären Ressourcen sind ja genau das was man als soziale Auslese bezeichnet! Wer sich’s leisten kann geht auf die Uni, die anderen nicht. D.h. wenn man nicht versucht die soziale Auslese zu reduzieren, bleibt sie aufrecht und es wird sich nie etwas daran ändern, dass Kinder aus ärmeren Familien weniger selten auf die Uni gehen, sie werden dann später nämlich auch ärmere Erwachsene und werden bei ihren Kindern ebenso in die Entscheidung welche Ausbildung das eigene Kind bekommt Einfluss nehmen, die dann wiederum so ausfällt, dass das ärmere Kind eben früher arbeiten gehen wird usw. usf. Diesbezüglich finde ich Fends Studie absolut nicht aussagekräftig.

@ Michael – dass der Einwurf mit der Handarbeitslehrerin eine ironische Spitze ist mag dir entgangen sein, dein Urteil über die Qualität meines Artikels steht dir natürlich zu. Ich muss aber einwenden, dass Johanna Dohnal meines Wissens nach niemals Wissenschaftsministerin sondern Frauenministerin war. Diesbezüglich gehe ich schon davon aus, dass eine Ministerin mit den Agenden ihres Amtes zumindest einigermaßen vertraut sein sollte, also im Falle des Wissenschaftsministeriums zumindest eine Universität besucht haben sollte. Diese Anforderung erfüllt zumindest Frau Karl.

ad „Das Argument mit dem Ausbildungsweg ist auch verfehlt. Gymnasium- oder HTL-Lehrer sind wegen ihrer fachlichen Ausbildung an der Universität und nicht wegen der pädagogischen. Viele HTL-Lehrer bekommen die pädagogische Ausbildung (wenn überhaupt) in einem einjährigen Kurs beigebracht und studieren das nicht an der Universität. Dass ein Volksschul- oder Hauptschullehrer nicht auf die Uni muss um dort Mathematik oder Germanistik zu studieren ist eigentlich einleuchtend.“

Ich verstehe deinen Einwand nicht. Pädagogische Ausbildung bezieht sich lediglich auf den Ausbildungsweg um später als Lehrer zu arbeiten. Die fachliche Qualifikation wird eben IN dieser pädagogischen Ausbildung erworben. An der pädagogischen Akademie, in den Kindergartenpädagogikschulen oder an der Universität. Und ich bin sehr wohl dafür, dass ein Volks- und Hauptschullehrer seine Ausbildung an der Universität bekommen sollte, ebenso wie Kindergartenpädagogen. Warum das so ist, habe ich bereits in meinem Artikel ausgeführt. Hier geht es um die Qualität der Ausbildung und um die sinnlose Unterscheidung zwischen Pädagogen. Es sollte sich – wenn man schon den Bologna Prozess einführt – alles um die Dreistufigkeit Bacc, MA und Dr. drehen. Demnach könnte ein Bacc für Pädagogen die unterrichten ausreichen, einen MA kann dann jeder wie er will später noch dranhängen, ebenso wie eventuell ein Doktorat.

@Susanne: Du witzelst darüber, dass die Gehrer „nur“ eine Handarbeitslehrerin ist. Ich weiß nicht, was mir da entgangen sein soll. Dass sich Minister in ihrem Fachgebiet oft nicht wirklich auskennen, ist eigentlich eher die Regel als die Ausnahme. Die einzig „wirklich qualifizierten“ Minister sind im Moment die Bandion-Ortner und der Berlakovich. Beim Rest lässt sich bestenfalls mit sehr großer Anstrengung eine Art Qualifikation entdecken. Oder überhaupt nicht: Darabos ist Zivildiener, Bures Zahnarzthelferin.

Nochmal zu Ausbildung der Lehrer: AHS- und HTL Lehrer studieren an den Universitäten in dem Fachbereich, den sie unterrichten werden. Also z.B. Mathematik. Daneben haben sie noch ein paar Kurse, die sich mit Pädagogik beschäftigen. Bei anderen Lehrern steht hingegen die pädagogische Ausbildung in Vordergrund. Dass das sinnvoll ist beweisen die unzähligen AHS- und HTL-Lehrer, die zwar fachlich Top, beim Umgang mit Schülern aber vollkommen überfordert sind (ich bin sicher, dass jeder in seiner Schulzeit solche Lehrer kennen gelernt hat).

Und zur Privatisierung (obwohl das schon mehrfach geschrieben wurde, Du das aber anscheinend ignorierst): Der Schulbesuch wird trotzdem vom Staat bezahlt und nicht von McDonalds. Nur die Schule gehört nicht dem Staat und die Lehrer werden nicht vom Staat beschäftigt. Wie Dieter eh schon geschrieben hat werden solche Ideen auch von manchen Grünen favorisiert. Außerdem heißt das nicht, dass staatliche Schulen abgeschafft werden sonder dass sie mit privaten konkurrieren müssen. Was jemand nach der Schulzeit können muss kann ja der Staat trotzdem noch vorschreiben (z.B. mit einer gemeinsamen Matura).

Die USA hat genauso ein öffentliches Schulsystem wie Österreich – und interessanterweise Teilweise genau die gleichen Probleme (starke Gewerkschaft, die unfähige Lehrer schützt und soziale Probleme, die in die Schulen hinein getragen und dort nicht gelöst werden können).

Der Bildungsgutschein ist ein bürokratischer Schildbürgerstreich. Im Endeffekt bedeutet er, dass der Staat sämtliche Schüler finanziert. Dann kann ich gleich den Schulen einfach die Mittel zukommen lassen, die sie für den Betrieb brauchen. Gratuliere.

Ein Unsinn des Bildungsgutscheins ist der, dass du in kleineren Schulen – also vor allem am Land – nicht mehr die nötigen Mittel für eine ordentliche Bildung hast, weil du mit dem Geld von 40 Schülern keinen umfassende Lehrbetrieb finanzieren kannst. Wenn du das erst wieder mit staatlichen Mitteln ausgleichen willst, hättest du dir das alles gleich sparen können. Gratuliere.

Eine umfassende Konkurrenz von privaten Schulen bedeutet nicht nur, dass die Schulen sich ihre Lehrer aussuchen können, sondern auch ihre Schüler. Beides mit fatalem Effekt: Die Privatschulen nehmen sich neben den klügsten auch die Schüler mit den finanziell potentesten Elternhäusern – denn ob direkt oder wenn mans versucht zu unterbinden indirekt, so eine kleine Spende ist doch was Feines. Mit dem zusätzlichen Geld locken sie dann die besseren Lehrer von den öffentlichen Schulen und bimms: Du hast deine öffentlichen Brain-Drain-Ghettoschulen in der sich die wirtschaftliche und geistige Unter- und Mittelschicht unter Aufsicht der übrig gebliebenen Lehrer gegenseitig nach unten nivellieren und deine abgeschotteten Eliteschulen. Gratuliere.

Ich Rolle die Einwände mal in umgekehrter Reihenfolge auf.

@Tom:
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Der Bildungsgutschein ist ein bürokratischer Schildbürgerstreich. Im Endeffekt bedeutet er, dass der Staat sämtliche Schüler finanziert. Dann kann ich gleich den Schulen einfach die Mittel zukommen lassen, die sie für den Betrieb brauchen. Gratuliere.
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Das ist nur dann äquivalent, wenn „1 Bildungsgutschein = Schulbesuch für 1 Jahr“, so wie das einige Grüne fordern.

Aber in meinem, feinkörnigeren Modell würde es schwierig, festzustellen, ob der Musiklehrer X und der Tschechischlehrer Y auch die behauptete Zahl an Schülern hatte.

Ein gutes altes Stück Papier ist auch im Internetzeitalter häufig das beste und benutzerfreundlichste Interface mit dem geringsten Verwaltungsaufwand.

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Ein Unsinn des Bildungsgutscheins ist der, dass du in kleineren Schulen – also vor allem am Land – nicht mehr die nötigen Mittel für eine ordentliche Bildung hast, weil du mit dem Geld von 40 Schülern keinen umfassende Lehrbetrieb finanzieren kannst. Wenn du das erst wieder mit staatlichen Mitteln ausgleichen willst, hättest du dir das alles gleich sparen können. Gratuliere.
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Auch der Staat wird keine beliebig kleinen Schulen finanzieren. Aber ja, da können die Gemeinden zuschießen oder man könnte die Gutscheine für Schüler kleiner Gemeinden höher dotieren.

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Eine umfassende Konkurrenz von privaten Schulen bedeutet nicht nur, dass die Schulen sich ihre Lehrer aussuchen können, sondern auch ihre Schüler. Beides mit fatalem Effekt: Die Privatschulen nehmen sich neben den klügsten auch die Schüler mit den finanziell potentesten Elternhäusern – denn ob direkt oder wenn mans versucht zu unterbinden indirekt, so eine kleine Spende ist doch was Feines. Mit dem zusätzlichen Geld locken sie dann die besseren Lehrer von den öffentlichen Schulen und bimms: Du hast deine öffentlichen Brain-Drain-Ghettoschulen in der sich die wirtschaftliche und geistige Unter- und Mittelschicht unter Aufsicht der übrig gebliebenen Lehrer gegenseitig nach unten nivellieren und deine abgeschotteten Eliteschulen. Gratuliere.
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Ich halte es für wahrscheinlicher, dass gerade in meinem Modell die Eltern reicher und armer Kinder sich häufiger im gleichen Kurs wiederfinden, als das heute der Fall ist.

Auch heute können Besserverdiener auf den Markt für Nachhilfe, Privatschulen und Zusatzkurse ausweichen. Das wird immer so sein, es sei denn, du willst der Gleichmacherei Willen sämtliche private Angebote verbieten. Ich will den Luxus des freien Marktzugangs für alle öffnen.

Man kann erforderlichenfalls Kurse, für die Gutscheine akzeptiert werden, ein Aufzahlungsverbot oder ein Aufzahlungslimit einführen oder bei Bedarf die Dotierung erhöhen.

Außerdem stehen in meiner Vorstellung durch den freien Marktzugang für Lehrer mehr kompetente Personen potentiell als Lehrer zur Verfügung. Also die genannten hungernden Künstler, Spätberufene, akademisches Präkariat usw.

Du konstruierst hier meiner Meinung nach sehr hypothetische Scheinprobleme, die, falls sie tatsächlich auftreten, durch Nachjustierung gelöst werden können.

Man kann das Gutscheinmodell auch graduell einführen, was sowieso politisch vermutlich der einzig gangbare Weg wäre. Z.b. zuerst für einzelne Fächer und Freifächer, zweite Fremdsprache usw. Bestehende öffentliche Schulen können sich am Markt beteiligen.

Dann sehen wir ja, ob uns, wie im raubtierkapitalistischen Schweden, der Himmel auf den Kopf fällt.

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@Susanne:
Hast du den ganzen Thread durchgelesen? Ich sehe nicht, was McDonalds-Schulen mit meinen Vorstellungen zu tun haben.

In meiner AHS gab es übrigens großflächige Werbung für McDonalds und CocaCola.

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@Peter Schwarzmüller:

Du zeigst anhand deiner Beispiele die wunderbare Vielfalt des Marktes auf. Geschmäcker sind unterschiedlich. Zum Glück bist du nicht die Geschmackspolizei und es gibt keinen Konsumzwang (im Gegensatz zum öffentlichen Schulwesen).

Dein Einwand ist unverständlich und dass du das für einen legitimen solchen hältst, liegt offenbar an deinem abstrusen Marktbegriff. Produkte und Dienstleistungen, die dir nicht zusagen sind für dich für den bösen Markt kommerzialisiert. Werden solche, die dir zusagen etwa außerhalb des Marktes oder am Markt vorbei produziert? Warum existieren diese Angebote dann?

Deine Klage über den angeblich nicht hinreichend vielfältigen und qualitativen Markt im Bereich Kulinarik, Journalismus usw. ist nur dann stichhaltig, wenn du eine bessere Vergleichsbasis nennst. Mir wäre da nur die sozialistische Zentralplanung bekannt. Und in der gab es jede Menge Plattenbauten.
Und in einem zentralplanerischen Musik-Markt gibt es nur einen schlechten, pragmatisierten DJ-Özi, weil die Massen sonst auf die Barrikaden gehen, wenn sie keine populäre Partymusik bekommen.

Deine Befürchtungen über mangelnde Qualität eines privaten Bildungsmarktes teile ich nicht. Eltern haben ein Interesse daran, Kinder an Schulen zu schicken, wo sie auch etwas lernen. Die Qualität der Abschlüsse können von einer Stiftung Warentest, Schul-Geizhals.at und dergleichen bewertet werden und die Öffentlichkeit so informieren.

Aber man kann ja auch die Leistungsüberprüfung bei vom Kursanbieter unabhängigen, staatlich zertifizierten Organisationen oder beim Staat selbst vorschreiben, oder stichprobenmäßige Überprüfungen machen.
Wir verstaatlichen ja auch nicht den gesamten Lebensmittelmarkt oder alle Autowerkstätten, nur um Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten. (Wobei allerdings auch hier der Geschmack und gesunde Menschenverstand der Konsumenten die größte Komponente darstellt).

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Wie stellst Du dir das vor? Wir setzen den Schülern alle 3 Wochen einen neuen Lehrer vor – irgendwann wird schon der richtige dabei sein? Abgesehen davon, dass 3 Wochen gar nicht ausreichen würden, um die Qualität eines Leheres zu beurteilen. In Deutschland mussten sich bisher die Beamtenanwärter zunächst 3 Jahre bewähren, bevor sie auf Lebenszeit verbeamtet wurden.
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Sieht mir ganz nach Trial und Error aus. Und in der Privatwirtschaft gibt es überhaupt keine Pragmatisierung auf Lebenszeit. Der deutsche Lehrer kann ab dem dritten Jahr eine ruhige Kugel schieben.

Wie schaffen es die Privatwirtschaft und private Organisationen und Vereine bloß, sich gutes Personal auszusuchen?

Darüber hinaus gibt es in meinem Modell einen freien Wettbewerb und somit die Qualitätskontrolle von der Nachfrageseite her.

Ich halte es für wahrscheinlicher, dass gerade in meinem Modell die Eltern reicher und armer Kinder sich häufiger im gleichen Kurs wiederfinden, als das heute der Fall ist.
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Du sagst das, aber ich seh kein Argument dafür.

Zumal ich um Himmels willen nicht das System wie es heute ist als Maßstab sehen will. Was wir brauchen ist zum Teil eine gewisse Liberalisierung um der Qualitätssteierungs Willen.

Lehrer sollten mehr nach Leistungskriterien statt Alter bezahlt werden und nicht komplett unkündbar sein (was aber bei der jüngeren Hälfte des Lehrkörpers ja eh nicht mehr der Fall ist – die Lehrerpragmatisierung ist schon lange passe). Sie sollten selbst in einen lebenslangen Lernprozess eingebunden sein und eben nicht nach drei Jahren aufhören, sich weiter zu entwickeln.

Schulen kann dabei durchaus auch mehr Autonomie zugestanden werden und sie der Parteibuchbesetzung entreissen. Durch das Bürokratiegewirr der Verwaltung kann man mit der Axt gehen und freigewordenes Geld in den Unterricht pumpen. Über deinen Vorschlag der Berufsliberalisierung muss man nachdenken. Ich kann die Effekte auf den Lehrkörper und in der Folge dann die Schüler da gerade nicht abschätzen.

Aber bei allem Reformbedarf: Ich halte trotzdem das prinzipielle System des staatlichen Schulwesens für richtig, das den egalitären Zugang und die Durchmischung aller Schichten sicherstellt – ja zur Pflicht erhebt. Das ist ein politischer Wert, ein sinnvoller politischer Wert. Und ich bin nicht bereit den aufzugeben. Was du Gleichmacherei nennst, nenne ich Chancengleichheit. (Etwas das auch nach Marktideologie übrigens wichtig für alle ist. Denn auch die Elite bildet keine über Unterdrückung hinausgehende Stärke, wenn sie nicht in einem fairen Wettbewerb steht.)

Das prinzipielle Problem unseres Systems ist, dass wir zu wenig Mittel zu den Schülern bekommen. Die Klassen sind zu groß, die Lehrer zu wenige und sie werden nicht richtig motiviert, die Materialien sind veraltet, die Methoden auch. Nichts davon braucht in meinen Augen den freien Markt, um geändert zu werden.

Ich bin klar dagegen, dem Markt und der Privatwirtschaft die Bildung zu überlassen. Wenn es vereinzelte Privatschulen gibt, wie heute, dann ist das egal, weil das zu wenige sind um einen Einfluss auf den Rest auszuüben. (Und ja, im Zweifelsfall halte ich es für besser, diese zu verbieten als die anderen zu zerstören.) Öffnest du den Privatschulen aber die staatliche Finanzierung, ohne ihnen die staatlichen Aufgaben aufzuerlegen, wird das zu einem Massenphänomen und du wirst du den beschriebenen Brain Drain im öffentlichen Sektor als Ergebnis haben.

Das Problem der in Österreich ja doch bedeutenden ländlichen Gegenden hat übrigens noch eine andere Dimension. Selbst wenn man annimmt, dass die Marktsache rein prinzipiell funktioniert (was ich nicht tue), würde sie das am Land nicht. Zu wenig Nachfrage, zu wenig Angebot. Keine freie Wahl, kein freier Markt. Städte unter 30.000 Einwohnern, wo sich nicht wenigstens zwei bis drei Schulen erhalten könnten, würden komplett durch das System fallen. Ich komme aus einer Region die im Großraum 60 bis 70.000 Menschen hat. Es gab für mich nach der Volksschule zwei mögliche Gymnasien, eines wäre schon eine Busstrecke von eineinhalb Stunden pro Richtung entfernt gewesen – so der Bus zu den gegeben Zeiten überhaupt gefahren wäre. Das ist keine Kaff-Region in Österreich, aber dein System würde schon da kaum funktionieren.

Wenn wir über zersplitterte Schulbildung reden, reden wir natürlich auch über zersplitterte Lebenschancen. Wo endet das denn? Wenn eine Schule viel besser ist, soll der Abschluss dann mehr wert sein? Bekommen Absolventen von Eliteschulen dann mehr freie Plätze auf der Uni? Oder wie willst du das verhindern, der du ja sicher auch den freien Hochschulzugang nicht anstrebst?

Die Gefahr, dass da einzelne Schul-Wohlfühloasen auf Kosten aller anderen enstehen (die in der Folge ja auch zu selbsterhaltenden Systemen werden), wirst du mit Argumenten über die Effekte deiner Reformen widerlegen müssen, nicht mit dem reinen Leugnen der von mir beschriebenen.

@dieter
Da wir wohl kaum auf eine gemeinsame Meinung kommen, nur noch ein abschließender Kommentar:

„Du zeigst anhand deiner Beispiele die wunderbare Vielfalt des Marktes auf. Geschmäcker sind unterschiedlich. Zum Glück bist du nicht die Geschmackspolizei und es gibt keinen Konsumzwang (im Gegensatz zum öffentlichen Schulwesen).“

Ich lese auch ab und zu die BILD und ich esse auch bei McDonals, obwohl ich weiß, dass das nicht toll ist. Und anderen schreibe ich schon gar nicht ihren Geschmack vor.

In Bezug auf die Bildung führt der Markt aber zur Beliebigkeit. Wir wollen doch alle eine bessere Bildung für *Alle* – sonst brauchen wir doch gar nicht über Bildunf zu dikutieren. Und es ist ja schön, wenn Du an die so hoch gepriesene Marktmacht des Konsumenten appelierst und jeden Bürger für aufgeklärt und umfassend informiert hälst – letzteres sind aber Kompetenzen, die ein Mensch erst in der Schule erwirbt…

„Der deutsche Lehrer kann ab dem dritten Jahr eine ruhige Kugel schieben.“
Kann er, aber falls du das dem deutschen Lehrer unterstellst, dann ist das ein Vorurteil und nicht begründet.
Ein Lehrer der leistungsabhängig bezahlt würde, würde entweder Wege finden, seine Leistungen zu schönen, oder sich direkt einen Arbeitgeber suchen, der von vornherein einen anderen Bildungsbegriff hat – wichtig ist nur, dass er diesen Bildungsbegriff ordentlich bewirbt. Werbung macht es möglich, dass der größte Schrott Erfolg hat. Danke, aber nicht wenn es um Bildung geht.


http://www.BlogBildung.net
Schule. Bildung. Zukunft

@Dieter – natürlich habe ich mir den ganzen Thread durchgelesen, deshalb habe ich ja auch vorausgeschickt, dass ich nicht auf jedes Argument eingehen kann, weil es einerseits redunant wäre, andererseits nicht sinnvoll, wenn sich die Debatte ohnehin in eine andere Richtung entwickelt hat. Dein ursprüngliches Argument war eine Forderung nach „Privatisierung der Schulen und Deregulierung der pädagogischen Berufe“. Ich wende ein, dass ich es nicht sinnvoll finde Bildung zu privatisieren, es gibt im Thread auch genügend Argumente dafür, die ich nicht nochmal alle aufzählen möchte. Und zwischen Werbung an einer Schule und Finanzierung durch privatwirtschaftliche Unternehmen ist ein großer Unterschied.

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