Da saß ich nun gemeinsam mit Wien-Besucher Konrad im SCS-IKEA mit meiner neuen verpackten Couch. Die erdgasbetriebenen Leih-Transporter waren noch weitere dreieinhalb Stunden vergriffen, eine Station um seine Einkäufe zwischenzulagern kennt man in Schweden anscheinend nicht. Und selbst Twitter ließ mich im Stich.
Keiner meiner Follower erfüllte die Kriterien: Neimand war in der Nähe von Wien mit etwas Zeit und einem Auto und der Lust dazu, einem armen gestrandeten Twitterer auszuhelfen. Auch der Rückgriff auf die Echtwelt-Freunde half nicht. Von denen haben nicht viele ein Auto. Und jene, die eines haben, waren entweder arbeiten oder in weiter Ferne.
Lange Stunden vor dem Kaffeeautomaten bei Hotdogs um 50 Cents und unbegrenzt wiederbefüllbaren Softdrinks taten sich vor uns auf. Ich dachte schon daran, einen Twitteraccount zu eröffnen, jede Menge Blödsinn anzustellen und in die Welt zu verbreiten und die Filmrechte an dieser Komödie nach Hollywood zu verkaufen: „Gestrandet im Ikea“
Nach 20 Minuten dann der Geistesblitz: Andere Menschen hier hatten doch sicher noch ein wenig Platz im Auto und würden nach Wien fahren. Gegen ein wenig Benzingeld, würde sich da doch bestimmt jemand erbarmen? Eine verdammt logische Idee – keine Ahnung, wieso einem die nicht selbstverständlich einfällt?
Ein Blick rund um uns herum zum Gesichtercheck. Ein älterer Mann stänkerte eine Mitarbeiterin an, weil er bei seiner Reklamation eine Viertelstunde anstehen musste. Nope, den fragen wir sicher nicht. Als Hilfsbedürftiger ist man wählerisch. Und wer als Journalist schon einmal eine Straßenbefragung machen musste, weiß: Alte Männer kannst du schmeissen. Wenn man etwas braucht – zumindest als junger Mann – dann fragt man junge Frauen.
Und so war meine erste Ansprechperson dann auch K., selbst Steirerin in Wien, die gerade eine Menge Zeug zurückbrachte und mir sofort Hilfe zusagte, mich in ihrem Miettransporter mitzunehmen. Benzingeld wollte sie am Ende auch keines, dafür half ich ihr am Weg noch ein altes Möbelstück am Mistplatz rauszuwerfen.
Fazit: Zwei Fahrten mit einem Transporter, Zeit und Geld gespart, Couch nach hause bekommen, Weltbild verbessert. Danke an K..
8 Antworten auf „Gestrandet im IKEA“
Bin selbst Ikea-Mitarbeiter und kann daher nachvollziehen, warum man sich von älteren Männern in diesem Laden besser fernhält. 🙂
Man kann die Leihtransporter auch vorher reservieren, z.B. wenn man weiß, dass man sowas Großes wie eine Couch kaufen will (aber damit würde man der Welt keine Chance geben, zu beweisen, dass sie besser ist)
Jetzt weiß ich das auch. Hab beim Blick auf die Homepage aber keinen Hinweis auf die Notwendigkeit oder eine Empfehlung zum Reservieren gefunden. Darum dachte ich, dass die dort genug Transporter haben und man vielleicht mal wenns hoch kommt eine Stunde auf den nächsten warten muss. Ich kann nun erkennen, dass das etwas naiv war. 😀
Man kann seine Couch auch beim Fachhändler kaufen und sich nach Hause liefern lassen ohne selbst zu schuften :p
Aber nicht jeder kauft sich ein 3×3-Meter-Monster :p
@suit: aber nicht jeder hat das Geld sich eine Couch beim Fachhändler zu Kaufen und dann auch noch liefern zu lassen. Achja: und IKEA ist ja nun auch nicht unbedingt ein Discounter-Möbelladen.
@suit ich brauchte ein bettsofa für eine studenten-wg, keinen kredit. 😉
Gab’s nicht einst in der Krone diese Rubrik „Die gute Geschichte“ oder so, in der ein Journalist immer solche herzerwärmenden Geschichten niederschrieb. Vielleicht existiert es eh noch.
don’t know, die les ich nur, wenn ich irgendwo im wartezimmer sitze und keine bessere gebrauchsanweisung in der nähe ist.