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Griechenland – Ein Drama wird zur Tragödie

Staatsschulden und Defizit laufen aus dem Ruder, das Volk gegen die Sparmaßnahmen Sturm. Als Retter ist eine handlungsfähige Politik vonnöten. Das nächste Problem. – Ein Handlungsauftrag von Andreas Sator

Die Medien kennen in den letzten Tagen kein anderes Thema mehr. Griechenland, Schulden, Defizit, Maastricht, Bail-out, Krise, Insolvenz. Man könnte die Liste der genannten Begriffe problemlos weiterführen.

Laut griechischem Finanzminister kann sich das gebeutelte Urlaubsparadies nicht mehr über die internationalen Finanzmärkte refinanzieren. Das kommt einem Staatsbankrott gleich. Von so einem spricht man nämlich, wenn ein Land seinen Schuldendienst nicht mehr leisten kann.

Ein Bankrott und seine Folgen

Ohne Einspringen seitens der EU könnten die im Mai fälligen Anleihen eben nicht mehr bedient werden. Griechenland wäre dann bankrott. Doch was würde das bedeuten?

Zum einen wäre die griechische Wirtschaft kaputt. Wenn der Staat keine Kredite mehr bekommt, dann muss ein drastisches Sparpaket her, das sich gewaschen hat. Schulen, Sozialsysteme und öffentliche Institutionen finanzieren sich eben nicht von selbst.

Die wackelige wirtschaftliche Situation würde sich verschlimmern. Eine Depression wäre die Folge. Doch die Krise würde nicht nur Griechenland selbst treffen. Viele europäische Banken halten Staatsanleihen der Hellas. Französische in Summe 56, schweizerische 48 und deutsche 32 Milliarden. Laut Presse sind Österreichs Banken mit 4 Milliarden involviert. 

Die Verluste würden die Institute massiv belasten und die Kreditvergabe weiter einschränken, was Gift für eine Erholung der Konjunktur wäre.

Gezielte Insolvenz

Eine andere Möglichkeit wäre eine geordnete Insolvenz, in der man sich die Schulden genau ansieht und verhandelt. Banken die Anleihen halten, könnten diese zu gleichen Konditionen verlängern oder auf Teile verzichten.

Eine solche würde aber vermutlich das Vertrauen der Finanzmärkte voll und ganz in den Keller jagen. Wer kauft noch Staatsanleihen europäischer Wackelkandidaten, wenn er mit einem nicht unwesentlichen Verlust rechnen muss. Und von diesen Wackelkandidaten existieren genug, Stichwort PIIGS (Portugal, Irland, Italien, eben Griechenland und Spanien).

Der Hungernde gibt dem Verhungernden

Anfang 2010 war die Rede davon, dass man den Griechen bei Bedarf aus der Patsche helfen werde. Konkret müsse man das aber noch nicht überdenken. Im April überschlugen sich dann aber die Ereignisse, bis jetzt eine Unterstützung von EU und IWF mit einem Volumen von 135 Milliarden über 3 Jahre im Raum steht.

Wenn man den Griechen hilft, dann auch richtig und in diesem Ausmaß. Die anfangs genannten Summen würden einen Bankrott nur aufschieben. Und die eingesprungenen Euroländer den Großteil ihres Geldes vermutlich nicht mehr wieder sehen.

Der Staat wirft den Rettungsanker

Die Intervention der EU muss man klug abwägen. Ein Bail-out fördert einerseits undiszipliniertes Verhalten, wenn solches nicht mehr sanktioniert wird.

Auch Steuerzahler stößt er auf den ersten Blick vor den Kopf. Warum sollen wir für die „faulen Griechen“ und die riskanten Geschäfte der Banken einspringen?

Für einen Bail-out spricht das Faktum, dass Griechenland ohne einen solchen Akt zusammenbrechen würde. Ein Bankrott hätte wie oben geschildert schlimme Auswirkungen auf den gesamten Euroraum.

Die Aussicht ist keine goldene. Durch nötige Budgetkonsolidierungsmaßnahmen wie Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen wird die sowieso schon schwache Wirtschaft weiter gebremst. Normalerweise würde man eine wirtschaftliche Erholung abwarten. Dafür ist es für Griechenland aber viel zu spät. Die Schulden sind derart hoch, dass sich der Staat selbst nicht mehr finanzieren kann.

Volkswirtschaftliche Ungleichmäßigkeiten

Man darf gespannt sein, wie die EU mit dem Problem der ungleich starken Volkswirtschaften umgehen wird. Durch die Einheitswährung können diese Ungleichheiten nicht mehr durch Währungsabwertungen ausgeglichen werden.

Auch das beliebte Mittel der inflationsbedingten Schuldenreduzierung funktioniert mit dem Euro nicht mehr. Die politische Gemeinschaft Europa hat sich um eine solche in wirtschaftlicher Hinsicht einfach zu wenig bemüht.

Auf jeden Fall muss konkrete Hilfe so schnell wie möglich beschlossen werden. Die Politik darf die Märkte nicht weiter verunsichern. Wenn es um den Zusammenbruch von Ländern der Währungsunion geht, welcher immense Auswirkungen auf die anderen Mitgliedsländer hätte, dann sind auch anstehende Wahlen kein Grund für billigen Populismus, wie man ihn gerade in Deutschland erlebt.

Verantwortung tragen

In Zukunft muss ein geregelter Ablauf für die Insolvenz eines Staates erstellt werden. Die dabei herrschende Klarheit könnte Unsicherheiten verringern und der bis jetzt vorherrschenden „Wurschtigkeitsmentalität“ wegen einer im Notfall einspringenden Union entgegenwirken.

Und wenn man Griechenland stützt, dann darf das nicht nur der Steuerzahler tun. Auch die Banken, die von den hohen Zinsen auf griechische Anleihen profitiert haben, müssen ihren Beitrag leisten. Sie könnten auf Teile ihrer Forderungen verzichten und Griechenland so die Chance auf einen Neustart geben.

Hier ist die Politik gefragt, entsprechendes mit den betroffenen Instituten auszuhandeln. Die Verhinderung eines Bankrotts liegt im Interesse beider Parteien. Und eine solche Vereinbarung würde nicht nur dem Image der politischen Klasse guttun.

Bild „Akropolis“: © segovax/ PIXELIO
Bild „Griechenland“: © 110stefan/ PIXELIO

Von Andreas Sator

studiert Volkswirtschaft, mag Gerechtigkeit und fühlt sich politisch irgendwie nirgends wirklich zu Hause. Sein größtes Anliegen ist ihm eine Gesellschaft mit globalerem Bewusstsein.

14 Antworten auf „Griechenland – Ein Drama wird zur Tragödie“

10 Jahre dauert die Sanierung Griechenlands. 140 Milliarden Euro für die ersten 3 Jahre. Das ist ein Fass ohne Boden und wofür. Dass unsere Politiker geschlafen haben. Ich finde das unfassbar. Die ganzen Politiker, egal ob die deutschen oder die aus Griechenland haben ihre Unfähigkeit bewiesen. Warum ist das für die ohne Konsequenzen? Darüber sollte man mal nachdenken.

Dieser Presse-Artikel fasst das „wofür“ sehr gut zusammen: http://is.gd/bPIxO – Zitat: „Die Eurozone hat keine Alternative zur Griechenland-Rettung“

Eine Pleite Griechenlands würde sich auf den gesamten Euroraum auswirken, die PII(G)S mit in den Tod reißen und damit die gesamte Währungsunion inklusiver aller Volkswirtschaften.

Es bleibt uns nichts anderes übrig als mit Krediten auszuhelfen, bis sich Griechenland selbst retten kann. Ich bin zwar trotzdem skeptisch, weil durch die Einsparungen und Steuererhöhungen die Konjunktur derart belastet wird, dass sich das neutralisieren könnte.

Die Eurozone steht mit dem Kopf vor der Wand.

Ein bisschen mager der Artkel, er geht auf Punkte wie CDS und andere finanzwirtschaftliche Gründe für das Zusammenbrechen der griechischen Wirtschaft nicht wirklich ein.
Und noch was: Insolvenzrecht für Staaten? Geht’s noch? Hier würden sämtliche demokratischen Rechte des Volkes mit Füßen getreten werden, weil den Gläubigern doch scheiß egal ist was zuerst gepfändet wird, das Gesundheitssystem des Landes oder gleich die ganze Infrastuktur.

Meine Meinung hab ich übrigens schon im Februar in meiner Abschlussarbeit in einem Seminar Kund getan, falls wen interessiert…

@hultsch

Das ist dann immer die Frage des Zugangs. Wie es zu dieser enormen Verschuldung und der Zuspitzung in den letzten Wochen und Monaten kam, stand nicht auf meiner Agenda. Wäre aber auf jeden Fall auch ein interessantes Thema für einen Artikel.

Und ein Insolvenzrecht könnte man so gestalten, dass die demokratischen Rechte des Volkes eben nicht mit Füßen getreten werden. Es sollte nur Klarheit herrschen, wie man mit offenen Forderungen umgeht, usw. Das diese Regelung keine Veräußerung von Krankenhäuser oder Schulen beinhaltet, ist klar. Aber auch das würde für einen eigenen Artikel reichen. Die Idee gefällt mir. 🙂

Ein Insolvenzrecht für Staaten wäre – hultsch bemerkt das ganz richtig – ein absolut falscher Weg.

Was ist ein Staatsbankrott? Ein Staat kann seine Schuldzahlungen nicht mehr leisten und wird in dessen Folge auch keine neuen Kredite aufnehmen können – der Finanzierungs- und Schuldkreislauf wird eben unterbrochen woraufhin die öffentliche Finanzierung sozusagen (kurzfristig) zusammenbricht. Das gab es in der Vergangenheit relativ oft und ist weit weniger gefährlich, laut meiner Einschätzung, wie meist dargestellt.

Für die griechische Bevölkerung werden die Auflagen von IWF und EU – so meine Einschätzung – kaum attraktiver sein als ein Staatsbankrott. Trotz der vielen Beamten dort, die kurzfristig keine Gehälter erhalten würden 😉

Eine Insolvenz bedeutet nicht, dass alles verpfändet wird, sonder nur, dass der Schuldner eingesteht, dass er nicht alles zurückzahlen kann und es wird zwischen Schuldner und Gläubigern darüber verhandelt, welcher Teil der Schulden wie zurückgezahlt wird. Die Banken haben nicht wirklich eine Handhabe gegen Griechenland – das schlimmste was Griechenland passieren kann ist, dass es keine weiten Kredite bekommt (bzw. nur zu extrem hohen Zinsen). Niemand kann Griechenland aber dazu zwingen Infrastruktur an die Banken abzugeben oder ähnliches.

Grundsätzlich wäre das schon zu begrüßen, da die Banken für das höhere Risiko bei Griechenland ja auch höhere Zinsen bekommen. Wenn dieser Risiko-Fall aber nicht eintreten darf, warum muss Griechenland dann überhaupt höhere Zinsen zahlen?

eine gute headline, die hoffentlich nicht prophetisch ist.

„tragisch“ ist eine situation nämlich im klassischen sinne nur dann, wenn ein akteur zwischen zwei optionen zu wählen hat, von denen keine ein gutes ende verspricht. (in diesem sinne verwenden die medien die rede von der „tragödie“ zu 99% falsch, btw).

In österreich herrscht Ratlosigkeit und Mutlosigkeit?

Was?!!! Schulden müssen zurückbezahlt werden???

Das ist neu für uns.

Übrigens interessante Geschichte von einem Staat der aufgrund des Staatsbankrott aufgelöst wurde:
http://en.wikipedia.org/wiki/Dominion_of_Newfoundland

Neufundland erreichte 1907 Dominion Status von Großbritannien (also praktisch ein unabhängiger Staat). Neufundland häufte jedoch bereits in den wirtschaftlich recht guten 20ern hohe Schulden an. Die Great Depression sorgte dann dafür, dass Neufundland zahlungsunfähig und wieder von den Briten übernommen wurde. 1949 wurde es dann nach einer Volksabstimmung ein Teil Kanadas.

Wenn ich das halbwegs überblicke, ist das Problem ja, dass ein Insolvenzverfahren im Fall Griechenland nichts helfen würde: Es läuft so oder so darauf hinaus, dass sehr vielen Banken sehr viel Geld durch die Lappen geht, wenn die Staatsanleihen nicht mehr (voll) zurückgezahlt werden können. Dann müsste man eben die Banken retten, die die Milliardenverluste auch nicht verkraften würden.

@Markus: Ein Insolvenzverfahren würde aber nicht bedeuten, dass Griechenland gar nichts mehr zurückzahlt, sondern nur, dass es weniger zurückzahlt oder weniger Zinsen zahlt oder erst später zurückzahlt. Das wäre dann Verhandlungssache.

Stimmt natürlich; üblicherweise ist das aber nur ein winziger Bruchteil der ursprünglichen Forderungen, irgendwo bei drei bis sechs Prozent. Das würde den Banken wohl wenig weiterhelfen und Rettungspakete nicht unbedingt obsolet machen.

hmm…das beispiel mit neufundland gefällt mir, die griechen sollten mal mit den türken reden (LoL-super verhandlungsklima), vllt wird das die rückkehr der hellas zum osmanischen reich ^^

Die Kommentare sind geschlossen.

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