Das Beste, was eine Gesellschaft für die Armen, die Mittelschicht und die Reichen tun kann, ist die Reichen zu besteuern, sagte „Venture Capitalist“ Nick Hanauer in einem TED-Talk im März 2012. Er behauptete, dass es entgegen populärer Behauptungen gar nicht die Reichen sind, die Jobs erzeugen (ein Argument, dass ein Kommentar bei Forbes dann komplett verleugnete). Es sei deshalb falsch, dass höhere Steuern für Reiche schlecht für den Arbeitsmarkt wären.
Vielmehr würde immer die steigende Nachfrage einer wachsenden Mittelschicht, den Unternehmern nicht nur durch steigende Profite erlauben, neue Leute einzustellen, sondern sie förmlich dazu zwingen. Eine die Armen und Mittelschicht stärkende Umverteilung sei folgerichtig gut für alle.
Das war den TED-Verantwortlichen im US-Wahljahr dann plötzlich „zu politisch“ (obwohl ihnen Hanauers Intention sicher vorher bekannt waren, schon 2011 hat er ähnliche Kommentare in klassischen Medien veröffentlicht). Enttäuschenderweise publiziert man deshalb den kurzen Vortrag nicht auf der eigenen Plattform, wo ihn hunderttausende Menschen erwarten würden. Man hat ihn allerdings nach öffentlichem Druck auf Youtube gestellt.
3 Antworten auf „Nick Hanauers klein gehaltener TED-Talk: Reiche schaffen keine Jobs“
Hier ist die Stellungnahme des Kurators von TED: http://tedchris.posterous.com/131417405
Kurzfassung: Nur ein Bruchteil der Vorträge wird überhaupt veröffentlicht. Meiner Meinung nach die Frequenz von einem Vortrag pro Tag noch viel zu hoch. Das meiste ist Müll.
Hanauers Graphik zur Arbeitslosigkeit scheint frei erfunden zu sein.
Ansonsten ist Hanauers Argumentation die 384igste Neu-Erfindung der marxistischen These der Krise des Kapitalismus, was auch aus einem falsch verstandenen Keynesianismus resultieren kann.
„Somebody like me makes hundreds or thousands as times much as the median American, but I don’t buy hundreds or thousands of times as much stuff. My family owns three cars, not 3,000. I buy a few pairs of pants and shirts a year like most American men. Occasionally we go out to eat with friends.“
Es gibt sehr wohl reiche Amerikaner (Rapper, NBL-Stars, Hollywood-Stars, etc.), die ihr Geld schneller ausgeben, als sie es verdienen. Warum sollte es aber etwas gutes für das Allgemeinwohl sein, wenn Einzelpersonen Ressourcen und Arbeitskraft in einem enormen Ausmaß für einen dekadenten Lebensstil verbrauchen? Gerade ein derartiges Verhalten der Reichen wäre ein Grund für höhere Besteuerung, nicht das Gegenteil. Luxussteuern wären angebracht.
Wenn Hanauer sein Geld nicht auf den Kopf haut, dann schadet er niemandem. Falls er das Geld in Bar, Gold oder am Girokonto bunkert, dann ist es einfach dem Wirtschaftskreislauf entzogen. Das Geld aller anderen wird dadurch mehr wert. Die Zentralbanken lassen die Geldmenge/Inflation gleichmäßig wachsen um derartigen Schwund auszugleichen.
Oder aber er investiert sein Geld. Das bedeutet, dass es ein anderer für Investitionen oder vorgezogenen Konsum ausgibt, also in den Kreislauf kommt.
Zwar gibt es das keynesianische Sparparadoxon, das zu einer Kreditklemme führt, wenn in einer Rezession alle gleichzeitig sparen. Das geschah ja auch 2008. Aber Hanauer spricht ja vom Zeitraum der letzten Jahrzehnte. In diesem Zeitraum gab es tw. überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum und keine Rezession und es gab eine Kreditschwemme in den angelsächsischen Ländern und Südeuropa und keine Kreditklemme.
Kein mir bekannter keynesianischer Ökonom behauptet, dass es in den 90ern und 00ern eine Kreditklemme oder Konsumschwäche gegeben hätte. Ganz im Gegenteil warnten Krugman&Co, dass zuviel Kredit im Umlauf sei, dass die Außenhandelsdefizite (mehr Konsum als Produktion) zu hoch seien und die Sparquote zu gering.
Dieser TED-Stellungnahme kann man nur die Doku von Robert Reich entgegenhalten: „Inequality for all“: Hier wird direkt auf die Zeit der 80er und 90er eingegangen – wieso die Wirtschaft trotz wachsender Ungleichheit vorerst weiter funktionierte.
Hier ist auch ein ganz guter Artikel über die Doku!
LG Andrea
…äh… hier:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/inequality-for-all-robert-reich-kaempft-fuer-den-kleinen-mann-a-926686.html
:))