Vor ein paar Tagen hat der britische Premierminister Gordon Brown in den Augen vieler Beobachter seinen Wahlkampf endgültig versenkt. Nach den, für ihn nicht gerade optimal gelaufenen, TV-Debatten, kostete ihn ein, besser in eine schlechte Komödie passender, Faux Pas vielleicht die letzten Chancen auf die Wiederwahl. Über John Stewart’s Daily Show hat der Skandal auch mich erreicht.
„She is just a sort of bigoted woman.”
Die Daily Show zeigte erst einen kurzen Ausschnitt aus einem längeren Gespräch zwischen Brown und einer Wählerin, in dem diese ihn nach den Kosten eines Universitätsbesuches ihrer Enkelkinder fragt.
„What an unassuming and lovely english woman“, kommentiert Stewart, bevor er das Video weiterlaufen lässt. Brown steigt in sein Auto und beginnt sich, mit offenem Mikro, über das „Desaster“ zu beschweren, nennt die alte Dame schließlich „just a sort of bigoted woman“.
Der Skandal ist perfekt, Medien kampieren vor dem Haus der Frau und konfrontieren sie immer wieder mit der Aussage des Premierministers, die für sie natürlich völlig unverständlich ist. Brown entschuldigt sich öffentlich in einer Radiosendung (mit bezeichnenden Videoaufnahmen), innerhalb kürzester Zeit breitet sich „Bigotgate“ in klassischen und neuen Medien (mit entsprechendem Twittertag #bigotgate) aus. Für JournalistInnen und auch Stewart ist die ganze Angelegenheit natürlich ein gefundenes Fressen.
Warum ich hier darüber schreibe, obwohl die ganze Sache schon drei Tage alt ist? Nun, nach der Daily Show hab ich mir den originalen Videoclip genauer angesehen. Warum Brown die Frau als „bigott“ bezeichnet, hält Stewart seinen ZuseherInnen nämlich vor.
Das Gespräch zwischen Premierminister und der Frau dauerte nämlich wesentlich länger und streifte eine breite Themenauswahl. Darunter auch Missbrauch von Sozialleistungen. Zu diesem Thema hatte die „bescheidene und liebe“ Frau folgendes zu sagen: „You cannot say anything about the immigrants, because you’re saying that you are, well, all these Eastern-Europeans, who are coming in, where are they flocking from?“
Meine Meinung?
Nur so eine bigotte Frau!
Vor ein paar Tagen hat der britische Premierminister Gordon Brown in den Augen vieler Beobachter seinen Wahlkampf endgültig versenkt. Nach den, für ihn nicht gerade optimal gelaufenen, TV-Debatten, kostete ihn ein, besser in eine schlechte Komödie passender, Faux Pas vielleicht die letzten Chancen auf die Wiederwahl. Über John Stewart’s Daily Show hat der Skandal auch mich erreicht.
„She is just a sort of bigoted woman.”
Die Daily Show zeigte erst einen kurzen Ausschnitt aus einem längeren Gespräch zwischen Brown und einer Wählerin, in dem diese ihn nach den Kosten eines Universitätsbesuches ihrer Enkelkinder fragt.
„What an unassuming and lovely english woman“, kommentiert Stewart, bevor er das Video weiterlaufen lässt. Brown steigt in sein Auto und beginnt sich, mit offenem Mikro, über das „Desaster“ zu beschweren, nennt die alte Dame schließlich „just a sort of bigoted woman“.
Der Skandal ist perfekt, Medien kampieren vor dem Haus der Frau und konfrontieren sie immer wieder mit der Aussage des Premierministers, die für sie natürlich völlig unverständlich ist. Brown entschuldigt sich öffentlich in einer Radiosendung (mit bezeichnenden Videoaufnahmen), innerhalb kürzester Zeit breitet sich „Bigotgate“ in klassischen und neuen Medien (mit entsprechendem Twittertag #bigotgate) aus. Für JournalistInnen und auch Stewart ist die ganze Angelegenheit natürlich ein gefundenes Fressen.
Warum ich hier darüber schreibe, obwohl die ganze Sache schon drei Tage alt ist? Nun, nach der Daily Show hab ich mir die gesamten Videoclips (natürlich alle im Netz zu finden) genauer angesehen. Warum Brown die Frau als „bigott“ bezeichnet, hält Stewart seinen ZuseherInnen nämlich vor.
Das Gespräch zwischen Premierminister und der Frau dauerte nämlich wesentlich länger und streifte eine breite Themenauswahl. Darunter auch Missbrauch von Sozialleistungen. Zu diesem Thema hatte die „bescheidene und liebe“ Frau folgendes zu sagen: „You cannot say anything about the immigrants, because you’re saying that you are, well, all these Eastern-Europeans, who are coming in, where are they flocking from?“
Meine Meinung?
Nur so eine bigotte Frau.
6 Antworten auf „Nur so eine bigotte Frau!“
d’accord!!!
Ich muss zugeben, dass ich den Satz der Frau über die Einwanderer nicht 100%ig verstehe. Bedeutet „flocking from“ nicht so was wie „von irgendwo her strömen“? Warum fragt sie woher die kommen, wenn sie ja im gleichen Satz von den Osteuropäern redet?
Das Englische „bigot“ kann man in diesem Zusammenhang m.E. aber nicht mit dem Deutschen Bigot übersetzen, da das im Deutschen eigentlich nur im Zusammenhang mit Religion verwendet wird. Intolerant, engstirnig usw. wären hier die richtigen Übersetzungen.
Darüber hinaus ist es aber wohl so, dass genau diese Einstellung der Politiker uns die FPÖ usw. eingebrockt hat.
Sehr gut; habe ehrlich gesagt die ganze Zeit darauf gewartet, dass Stewart genau diese Pointe bringt.
@Michael
Gemeint ist meines Wissens: „Diese ganzen Osteuropäer, bei denen darf man ja gar nicht mehr fragen […] aus was für Verhältnissen kommen die eigentlich?“
Um die Aussage der Frau zu verstehen, muss man den Hintergrund kennen. Im aktuellen Wahlkampf versprechen alle Parteien sich der Einwanderungsthematik anzunehmen und die Einwanderung zu kontrollieren. Konkurrenz um Arbeitsplätze und Überbevölkerung und Überstrapazierung bestehender Infrastruktur werden als Probleme genannt.
Nur sind den Politikern bei der Einwanderung aus Osteuropa, für die GB auf Übergangsbestimmungen verzichtete, die Hände völlig gebunden. Ihre Versprechungen sind also wertlos.
Darauf will die Frau hinaus.
„You cannot say anything about the immigrants“
=~ Sie (Gordon Brown) können die Zuwanderung ja gar nicht kontrollieren.
„, because you’re saying that you are“
=~ obwohl sie das versprechen.
„, well, all these Eastern-Europeans, who are coming in, where are they flocking from?“
=~ Hinweis, dass man bei den Osteuropäern keine Kriterien anlegen darf.
Wörtlich ergibt der Satz freilich keinen Sinn. Aber da möchte ich mal sehen, ob ihr, wenn ihr unvorbereitet auf einen wahlkämpfenden Politiker stößt, nur druckreife und kohärente Sätze hervorbringt.
@jakob:
„Warum Brown die Frau als „bigott“ bezeichnet, hält Stewart seinen ZuseherInnen nämlich vor.“
Erstens erwähnt Jon Stewart sehr wohl, dass die Frau die Problematik der EU-Zuwanderung anspricht und zweitens ist es lediglich deine Interpretation, dass Gordon Brown genau an diesen Aspekt der Konversation dachte.
Dass Gordon Brown ein falscher Schleimer ist, der, soweit ich weiß, noch nie eine Wahl gewonnen hat, merkt man auch so. Der Vorfall zeigt, dass er total abgehoben ist und in Wahrheit keinerlei Bezug zu den Sorgen seiner Stammwähler hat.
Ihr seid hier überaus selbstgerecht. Die Frau hat wohl ihre ganzes Leben gearbeitet – unter anderem mit behinderten Kindern -, ihre Privatpension wird besteuert, was ihr offensichtlich Geldsorgen macht und sie sorgt um die eskalierenden Schulden des Landes und um die Zukunft ihrer Enkel. Die Oma hat meine volle Sympathie.
Der Skandal ist ja deshalb einer, weil die Falschheit Gordon Browns so klar zum Vorschein kommt. Der potentiellen Wählerin schmeichelt er, und im Auto danach beschimpft er sie. Natürlich ahnen wir, dass es im Wahlkampf oft so ist; aber wenn man es so deutlich zu spüren bekommt, ist es trotzdem verstörend.
Übrigens ist der Schmäh dieses Blogeintrags ziemlich billig, aber da habe ich dieter nichts mehr hinzuzufügen.
„During that brief conversation they touched on national debt, British health services, pension, education and some of the woman’s concerns of the recent influx of Eastern European immigrants du to border relaxation under EU policy.“
Das sagt Stewart in seinem Kommentar über das Gespräch. Sagt mMn absolut nichts darüber aus, warum Brown die Dame „bigoted“ nennt. Einen Bezug zwischen den beiden Zitaten hab übrigens nicht nur ich hergestellt, sondern zb. auch die The Times (http://www.timesonline.co.uk/tol/news/politics/article7111086.ece). Schließlich hat auch Brown selbst (http://www.guardian.co.uk/politics/2010/apr/28/gordon-brown-gillian-duffy-transcript) seine Aussage auf das Zitat bezogen. Meine Interpretation hat sich also als richtig erwiesen (bin gerade erst über beide Artikel gestolpert).
Ich finde ihre Aussage tatsächlich engstirnig (Michael hat Recht mit seiner Kritik an der Übersetzung „bigott“) und vorurteilsbeladen. Ich bin auch kiein Fan von Brown, und der Widerspruch zwischen seinem Verhalten gegenüber der Frau und danach ist tatsächlich eklatant. Aber die Art und Weise wie Stewart das präsentiert hat ist trotzdem daneben. Und gerade weil ich Stewart und Brown unterschiedlich (nicht) schätze, lege ich auch unterschiedliche Maßstäbe an.