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Peter Haubner, der Roboter

Wirtschaftsbundchef Peter Haubner ist gegen Gehaltsfortzahlung am ersten Tag eines Krankenstandes. Nach gründlicher Analyse steht fest, dass er wohl ein Roboter sein muss – eine kurze Feststellung von Georg Pichler

Wirtschaftsbundchef Peter Haubner möchte künftig keine Gehaltsfortzahlung mehr bei eintägigen Krankenständen, berichtet der ORF. Das damit gesparte Geld unkalkulierbarer Höhe könnte ja in betriebliche Gesundheitsvorsorge fließen, so sein Vorschlag. Sein Anlass dafür ist die stark steigende Zahl von Krankmeldungen von ein bis drei Arbeitstagen. Das wirtschaftliche Argument fehlt trotzdem, denn – wenn man den im Artikel angegebenen Zahlen folgt – die  Gesamtkrankenstandsdauer pro Arbeitnehmer und Jahr sinkt seit zwei Jahrzehnten kontinuierlich. Aber versuchen wir einmal, die Weltsicht des Peter Haubner zu erschließen.

Kosten und Bewusstsein

Diese ist insofern interessant, da sein Vorstoß offenbar jeder wirtschaftlichen Grundlage entbehrt. Er sieht einen „Beitrag zu mehr Gerechtigkeit“ darin, denn mit Zuzahlungen zu Schulbüchern, Freifahrten, Papamonat und Pflegeurlauben würden die Arbeitgeber ohnehin schon viel leisten. Übrigens die Arbeitgeber, die sich ausgeruhte, gesunde, belastbare und konzentrierte Dienstnehmer wünschen.

Weil der gehaltslose Krankenstandstag „Kostenbewusstsein“ schaffen soll, frage ich mich, welche Kosten einem Kranken bewusst werden sollen, wenn er mit seiner schweren Erkältung nicht ins Büro geht, wo er ohnehin nur mit Halbdampf arbeiten könnte, möglicherweise seine KollegInnen ansteckt und aufgrund mangelnder Regeneration in Folge länger ausfällt. Mein Kostenbewusstsein sagt mir also, dass das proaktive Auskurieren einer beginnenden Krankheit gesünder für mich und langfristig günstiger für meine Firma ist. Ich halte es auch für wahrscheinlich, dass die Zunahme der Kurzkrankenstände ein wichtiger Grund für die Abhnahme der Gesamtausfallstage sein könnten.

The mind of a machine

Doch so funktioniert die Rechnung von Haubner nicht. Für ihn, und das unterstelle ich ihm hier einfach einmal, kommt jeder Ausfall einem Schaden des anteiligen Monatslohns gleich. Für ihn ist der Arbeitnehmer eine Variable in der Kosten-Nutzen-Gleichung, deren Wert sich mit einer Formel stets auflösen lässt. Krankenstand reduziert nun den Wert auf der einen Seite um einen bestimmten Betrag, den auf der anderen, dort wo das Gehalt eingesetzt wird, jedoch nicht. Darum geht in der kalkulierten Welt des Wirtschaftsbundchefs die Rechnung dann nicht mehr auf.

Peter Haubner muss ein Roboter, ein Taschenrechner im Maßanzug sein, anders kann ich mir einen wirtschaftlich dämlichen und arbeitnehmerfeindlichen Vorschlag wie diesen schlichtweg nicht erklären. Vielleicht erfreut er sich aber auch tagtäglich bester Gesundheit. So wie eine Maschine eben.

Immerhin hat seine Idee Ablehnung aus allen Parteien provoziert. Daraus darf man wengistens schließen, dass die politische Vernunft in diesen Landen zumindest noch nicht ganz ausgestorben ist.

Fotocredits
Cover: machintoy @ Flickr/CC-BY-NC-ND 2.0
Header: andreavallejos @ Flickr/CC-BY-ND 2.0

Von Georg Pichler

Hightech-Journalist, Stimmwunder und Meister des Spezialtiramisus. Trotz des österreichischen Irrsinns immer noch ein Homo Politicus.

7 Antworten auf „Peter Haubner, der Roboter“

Ich verstehe die persönlichen Angriffe auf Haubner nicht so recht – für mich disqualifiziert das diesen Artikel.
Die Sache an sich ist verhandlungsfähig – es gibt offenbar fundierte statistische Daten aus Schweden, die man als Grundlage für eine Entscheidung heranziehen könnte. Wo bleibt die Analyse dieser Daten und der damaligen politischen Diskussion Schwedens in diesem Artikel?
Ich bin weder für, noch gegen diesen Vorschlag – wogegen ich sicher bin, ist die Art wie hier ein Politiker runtergemacht wird, dessen Job es ist die Interessen seines Klientels zu vertreten.
Natürlich macht er solche Vorschläge – er ist ja auch Vertreter der Unternehmer dieses Landes. Aufgabe der Arbeitnehmervertreter ist es, mit guten Argumenten gegen diesen Vorschlag vorzugehen – persönliche Angriffe sollten hier keinen Platz haben.

Mir ist das schon bei Toms letztem Beitrag aufgefallen und jetzt auch bei Dir: wenn ein Politiker was sagt, dann kann man auch mal versuchen zwischen den Zeilen zu lesen. Es ist wohl ganz offensichtlich, dass es Haubner um die Bekämpfung vom Krankenstandsmissbrauch geht – nur halt etwas „kreativer“ verpackt mit der „betrieblichen Gesundheitsvorsorge“.
 
In Schweden, das 1993 eine ähnliche Regelung eingeführt hat (nennt sich Karenztag, zusätzlich gabs noch eine Senkung der Entgeltfortzahlung auf ca. 80%) haben sich die Krankenstandstage (also insgesamt, nicht nur die Kurzkrankenstände) damit um 1/3 reduziert. Es muss dazu gesagt werden, dass in dieser Zeit die Arbeitslosenrate anstieg, was üblicherweise auch zu einer Reduktion der Krankenstände führt. http://citeseerx.ist.psu.edu/viewdoc/download?doi=10.1.1.198.8521&rep=rep1&type=pdf
 

@Andreas: Der „Krankenstandsmissbrauch“ ist angesichts sinkender Gesamtkrankenstandsdauer (ca- -15% in 20 Jahren, wobei der ORF offenbar eine neuere Zahl hat als ich sie auf der Webseite der Statistik Austria finden kann) offenbar kein besonders brennendes, noch ein bedrohlich wachsendes Problem. Und die Lösung benachteiligt Niedrigverdiener, führt potenziell zu mehr „Krankarbeit“ (die dem Arbeitgeber letztlich teurer kommt) und unterstellt durch ihren Ansatz pauschal alllen, die mal für einen Tag ausfallen, sie würden den Krankenstand mißbrauchen. Dazu kann ein Arbeitgeber durchaus verlangen, dass auch eintägige Krankenstände per Krankschreibung von einem Arzt zu erfolgen haben, was ein Schutzmechanismus gegen potenziellen Mißbrauch ist.

Ich verwehre mich schlichtweg gegen die Logik, die hinter Haubners Idee steckt. Und die legt mir nahe, dass dahinter keine besonders ausgereifte, sondern eine eher ideologische Überlegung steckt, die jeden Ausfall gleich zum möglichen Mißbrauch hochstilisiert und Fakten wie eben die teure „Krankarbeit“ geflissentlich ignoriert.

Damit erweist er imho auch seiner Klientel keinen guten Dienst. Zum Einen, weil es nicht oberstes Ziel sein darf, Arbeitnehmer nach dem Prinzip „Viel Arbeit auf sowenige Schultern wie möglich“ auszuquetschen und der Betrieb dann beim ersten Ausfall von ein, zwei Leuten empfindlich gestört ist. Zum Anderen, weil sich Unternehmer und ihre Angestellten am Ende des Tages im gleichen Boot wiederfinden.

Sicher könnten es noch weniger als 12 Ausfallstage im Jahr sein, aber da gibt es noch zahlreiche andere Rädchen an denen man sinnvoller drehen könnte.

@Georg: Deine Argumente sind schon in Ordnung und diskussionswürdig, aber alleine beim Titel des Beitrags sieht man schon, dass eine sachliche Diskussion nicht erwünscht ist. Eine Person mit „xy der Roboter“ anzugreifen ändert den gesamten Kontext. Plötzlich steht nicht mehr die Sache, sondern die Person oder Partei im Vordergrund und das finde ich antidemokratisch, polemisch und destruktiv.

Zur Sache: Da ich von meinen MA auch ab dem ersten Krankenstandstag eine Krankmeldung beim Arzt erwarte und ich nur MA habe, die ihren Job gerne und höchst freiwillig machen, trifft Dein Argument der „Zwangsbeglückung“ auf mich zu. Ich bin mit der derzeitigen Regelung zufrieden und würde nur ungern sehen, dass Sozialleistungen gekürzt werden. 
Trotzdem halte ich Haubner nicht für einen Roboter und jegliche Angriffe gegen eine Person die Vorschläge macht für Stammtischniveau. Ich habe nichts gegen Stammtischplaudereien, aber der Blog hier nennt sich jedoch „zurPolitik.com“ und nicht  „offenGsogt.com“ oder so.

Hehe. Ich sehe Haubner mit einer Argumentationslinie in einer Reihe mit den Leuten, die mit ziemlicher Regelmäßgkeit Vorschläge bringen, die auf das Kürzen von Sozialleistungen und/oder Arbeitnehmerrechten hinauslaufen. Die sind in ihrer einseitig berechnenden Art und Weise, die mit einer ideologisch motivierten Pauschalunterstellung als Grundlage arbeitet, wie Roboter für mich, insofern „beschimpfe“ ich Haubner hier exemplarisch.

Dazu kommt eine gewisse Betroffenheit, da ich 40h/Woche und nicht selten auch etwas länger in einem Beruf arbeite, der mir gefällt und seit Freitag wegen einer schweren Erkältung krankgeschrieben bin. Ich würde nicht im Geringsten einsehen, warum ich dafür bestraft werde, meine Gesundheit und die meiner Mitarbeiter zu schonen anstatt einen erheblich längeren Ausfall zu riskieren. Sowas macht mich einfach sauer, und dann fällt schon mal das Wort „Roboter“ als Definition für die politische Vorgangsweise von Haubner.

Angesichts dessen, was ich mir so gedacht habe, war das eigentlich eine sehr nette Formulierung 😉

@Georg: Verstehe ich total, nur macht der Ton die Musik. Wenn er (Haubner) berechnend und kühl argumentiert wird man mit Beschimpfung (bei mir) nicht weit kommen.
Wie gesagt: In der Politik sollte es um die Sache gehen, immer mehr stehen jedoch Persönlichkeiten im Vordergrund und persönliche Angriffe gehören offenbar in jeden guten Argumentationswerzeugkasten.
Wer den anderen besser runtermacht gewinnt das politische Casting.

Ich bin politisch total unengagiert, mir fallen diese Angriffe jedoch an allen Ecken und Enden auf. Da werden Personen verunglimpft, beschimpft und lächerlich gemacht anstatt die Sache zu besprechen.
Das macht mich sauer.

PS: Ich freue mich schon auf die Piraten. 🙂 

@michael – „Mir ist das schon bei Toms letztem Beitrag aufgefallen und jetzt auch bei Dir: wenn ein Politiker was sagt, dann kann man auch mal versuchen zwischen den Zeilen zu lesen“ 

Genau das hab ich im letzten Beitrag gemacht. Und zwischen den Zeilen war Unsinn. 

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