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Politische Bildung – ganzjährige Baustelle

Seit 2007 dürfen in Österreich Jugendliche ab 16 wählen. Das Schulfach „Politische Bildung“ fristet trotz allem ein Dasein als Mauerblümchen – ein Lösungsvorschlag von Susanne Zoehrer

In meiner letzten Kolumne wurde das Thema Bildung angeschnitten, woraus sich ein recht intensiver Schlagabtausch im Kommentarforum entwickelte, dessen zentrale Debatte sich um die Schulen drehte und wo ein fast quasi-religiöser Eifer so mancher Debattierender (Danke übrigens für die Beiträge!) evident wurde. Bildung und die jeweilige Überzeugung wie man sie am besten zu vermitteln hat, ist in Österreich offenbar eine Art Religionsersatz, umso mehr ein Grund sich damit noch einmal etwas eingehender zu beschäftigen.

Exkursion ins Demokratiezentrum

Das hat sich ausgezeichnet getroffen, denn wie es der Zufall wollte, habe ich vor nicht allzu langer Zeit von einer Wiener Einrichtung namens Demokratiezentrum erfahren, habe postwendend dort angefragt, ob ein persönlicher Lokalaugenschein im Rahmen des Möglichen wäre – war es – und mir ein Bild davon gemacht, was dort so vor sich geht.

Ohne auf allzuviele Details einzugehen – Gertraud Diendorfer, die überaus freundliche Leiterin, hat sich netterweise fast zwei Stunden Zeit genommen, um mir Rede und Antwort zu stehen – der zentrale Punkt auf den sich meine Aufmerksamkeit richtete, ließ sich letztlich am Begriff „politische Bildung“ festmachen.

Am Demokratiezentrum beschäftigt man sich diesbezüglich mit verschiedensten Aktivitäten, die Schülern und Schülerinnen oder dem Lehrpersonal das Thema Politik in all seinen Facetten näher bringen soll. Besonders erwähnenswert ist diesbezüglich die sogenannte Polipedia – ein „multimediales Online-Wiki-Lehrbuch zu Themen der politischen Bildung„, welches von Schülern und Schülerinnen selbst mit diversen Kernthemen (Europa, Verfassung, etc.) befüllt wird. Sie bedürfte größerer Aufmerksamkeit, gerade weil ein für Jugendliche vermutlich wenig spannendes Gebiet hier etwas von seinem Schlaftablettencharakter verliert.

Trotz allem entstand der Eindruck, dass man im Demokratiezentrum eine Art Mauerblumendasein führt. Der Großteil der Aktivitäten entsteht aus der Eigeninitative einer Handvoll Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. So aber kann man kaum das ganze Schulsystem Österreichs versorgen, schon gar nicht, wenn im Bezug auf die Finanzierung des Ganzen wieder einmal aktiv gespart wird. „Krise“ heißt die aktuelle Ausrede in Sachen Fördergelderkürzungen.

Von nichts kommt nichts

Nichts desto trotz ist politische Bildung für Jugendliche wichtiger als je zuvor und wenn ich bereits vergangene Kolumne polemisch dem gesamten Bildungssektor ein akutes Verblödungsrisiko unterstellt habe, so muss ich dies umso mehr im Bereich der Schulen  tun. Man könnte zwar einwenden, dass es auf diesem Sektor beruhigenderweise gar kein Verblödungsrisiko gibt, weil nicht vorhandene Bildung keinem Verlernprozess unterliegen kann, aber wie jeder sofort einsehen wird, ist dieser Ausgangspunkt wohl der dramatischere.

Es stellt sich also die Frage, wie man Jugendlichen, die bis auf ihr Freundes- und Familienumfeld noch nicht mit Themen wie Demokratie und Politik in Kontakt gekommen sind, dieses ungemein wichtige Wissen bestmöglich vermitteln kann? Vor allem, was tut der österreichische Staat dafür?

Politisches Bildungsturnen

Nicht viel, wie es scheint, denn auch wenn man vor einigen Jahren (2007) beschlossen hat, dass man mit 16 schon wählen dürfen sollte, junge Erwachsene bis zum 21. Lebensjahr aber – zu Recht – mitunter als nicht zur Gänze straffähig anerkennt, so hat man offenbar darauf vergessen, allen über 16-jährigen das nötige Grundwissen für die Ausübung des Wahlrechtes zu vermitteln.

Zu meinem Erstaunen, ich gebe zu, dass ich mich seit längerem nicht mehr intensiv damit beschäftigt habe, ist das Fach „politische Bildung“ nämlich kein eigenständiges Unterrichtsfach. Viel mehr ist die Verantwortung dafür den Lehrern und Lehrerinnen aufgebürdet, die die Thematik im Rahmen ihres Unterrichtes (innerhalb des Faches Geschichte) einbauen müssen und bisweilen darauf angewiesen sind, von Kollegen Stunden zu schnorren, um überhaupt damit zu Rande zu kommen.

Des weiteren gibt es auch keine explizite Fortbildungspflicht bei der Lehrerschaft, wenn also überspitzt forumuliert der Qi-Gong Kurs im Sommer attraktiver ist, als sich beispielsweise in ein Seminar zum Thema „Hans Kelsen und die österreichische Verfassung“ zu setzen, dann leiden letztlich die Schüler und Schülerinnen unter dem mangelnden Wissen der Lehrer.

Aus Null mach Eins

Lerninhalte zum Thema politische Bildung müssen also über diverse bereits bestehende Stunden sozusagen in den Unterricht geschummelt werden. Es gibt kein eigenes Plichtfach. Noch nicht, denn auf die Frage des Warum, hat mir Frau Diendorfer sinngemäß folgendes erwidert: wer eine Stunde einführen möchte, muss anderswo eine abschaffen.

Darüber, welche Stunde man getrost abschaffen könnte, musste ich nach meinem Besuch im Demokratiezentrum nur ganz kurz nachdenken, ich hatte sofort einen längst überfälligen Kandidaten gefunden. Religion. Dass es nämlich im 21. Jahrhundert noch immer mit Steuergeldern geförderten Religionsunterricht gibt, ist meines Erachtens nach schlicht und einfach skandalös.

Die Aufklärung liegt mittlerweile mehrere Jahrhunderte zurück, Religion sollte endlich auch in Österreich zur Privatsache erklärt werden und das viele Geld, welches an zweifelhafte Institutionen wie z.B. die katholische Kirche geht, könnte endlich für Sinnvolleres verwendet werden.

Konfessioneller Religionsunterricht am Tag des Herrn

Im Bereich der Schulen würde es sich diesbezüglich auch hervorragend treffen, konfessionsgebundenen Religionsunterricht aus dem Stundenplan zu streichen – ersatzlos – und durch das Kombinationsfach „Politische Bildung/Ethik“ zu ersetzen.

Religionsunterricht kann problemlos von den jeweiligen Religionsgemeinschaften übernommen werden – das Modell der „Sunday School“ wie es in den USA betrieben wird, stellt damit auch einen passenden Wochentag zur Verfügung – die jeweilige Religionsgemeinschaft müsste das zwar selbst finanzieren (oder wie in den USA auf die freiwillige, kostenlose Hilfe ihrer Anhänger vertrauen), muss sich aber auch nicht an bestimmte Lehrpläne halten. Religionsfreiheit im wahrsten Sinne des Wortes.

Achtung – Untergang der abendländischen Kultur

Wer jetzt einwirft, dass diverse religionstheoretische Inhalte zu unserem Kulturgut gehören, dem möchte ich entgegnen, dass es nicht darum geht Ethik und Moral aus dem Lehrplan zu entfernen, ja, ich fände es durchaus angebracht und wichtig im neuen Pflichtfach „Politische Bildung und Ethik“ auch gewisse religionswissenschaftliche Inhalte zu vermitteln.

Das sollte jedoch religionsübergreifend erfolgen, schließlich gebe sogar ich zu, dass eine gewisse Bibelfestigkeit zur Allgemeinbildung gehört, über die ich durchaus aber auch verfügen kann, ohne von jemandem Märchen über die unbefleckte Empfängnis als faktische Wahrheit präsentiert zu bekommen. Es ginge im angestrebten Fach viel mehr um eine vernunftbasierte Vermittlung von Inhalten, die von religionsgeschichtlichen Entwicklungen über Themenbereiche wie Moral und Recht bis hin zur Funktionsweise einer Demokratie reichen.

Wo kein Wille, da kein Weg

Dass dieses Themengebiet für Schülerinnen und Schüler durchaus altersgerecht aufbereitet werden kann, daran zweifle ich nicht, im Demokratiezentrum macht man das bereits seit dem Jahr 2000, woran es scheitert ist der politische Wille.

Schließlich reicht es meines Erachtens nach nicht, den Bürgern irgendwelche Rechte einzuräumen, der Staat hat auch dafür zu sorgen, dass, insbesondere wenn es sich um Jugendliche handelt, diese auch darin geschult werden, welche Verantwortung man mit der Ausübung jener Rechte übernimmt. Im Falle des Wahlrechtes wohl um eine der größten im Rahmen der Demokratie.

Susanne, 1. September 2010

Von Susanne Zoehrer

hat studiert und einige Jahre in den USA gelebt, ein paar Monate in Frankreich und ist auch sonst gern unterwegs. Interessiert sich für Musik, Kunst, Literatur, neue Medien und vieles mehr. Lebt zur Zeit in Wien.

22 Antworten auf „Politische Bildung – ganzjährige Baustelle“

Wer ein Fach einführen möchte, muss ein anderes rauskicken – das finde ich zwar schade, diese realpolitische Spielregel ist aber wohl anzuerkennen. Dann beginnt also das Spiel: Wen nehmen wir denn? Religion ist ganz klar auch mein Favorit für eine Kürzung. Ein Fach wie „Politische Bildung“ schätze ich persönlich als wichtiger ein als einen konfessionsgebundenen Religionsunterricht (der schwer argumentativ zu verteidigen ist) und – dieses Gegenargument kommt dann ja oft – auch wichtiger als eine konfessionsübergreifende religiöse Ideengeschichte. Denn natürlich stimmt es, dass unsere Kultur – ja im Grunde fast jede Kultur dieser Erde – maßgeblich durch religiöse Ideen und Konzepte mitgestaltet wurde, dies aufzuarbeiten und zu lehren rechtfertigt aber meines Erachtens keineswegs ein eigenes Fach, sondern kann vielmehr im Rahmen von „Geschichte“ geleistet werden (oder dann eben auch in einem neu eingeführten Fach wie „Politische Bildung“).

Übersehen dürfen wir dabei nicht, dass Religionsunterricht oftmals de facto nicht als biblische Dogmatik (mit „Märchen über die unbefleckte Empfängnis“) stattfindet (ich kenn genau niemanden, der so etwas in Religion gelernt hat), sondern als eine Art „Inselstunde“ im Alltagsstress fungiert. Mit Mandala-Malen und „Sprechen wir über die Probleme“ Therapie. Solche Stunden wären wohl prinzipiell – glaubt man den LehrerInnen – essentiell notwendig, finden aber kaum statt. (KV-Stunden müssen ja meist für anderes verwendet werden bzw. sind sie meist gar nicht existent)

Problematisch sehe ich, dass die Erwartungen an das „neue“ Fach à la „Politische Bildung und Ethik“ etwas groß werden. Gerade „Ethik“ darf nicht mit „Wir basteln moralische Menschen“ verwechselt werden.

Das „logische“ „Opfer“ wäre also Religion, keine Frage. Persönlich würde ich aber auch gerne sehen, dass wir an der einen oder anderen „heiligen Kuh“ rütteln. Muss es sein, dass Mathematik bis zur achten Klasse hinauf ein Schularbeitenfach ist? Polemisch gefragt: Mathematische Grundausbildung ja, aber ist uns eine Sinus-Cosinus Diskussion wirklich wichtiger als das Verstehen von Demokratie und das Mit-Reden-Können über Verfassungsfragen? Könnte man da nicht – ohne Mathematik abzuschaffen – ab der 7. Klasse ein „normales“ Fach draus machen und eine Stunde kürzen? (Bevor man jetzt über die Wichtigkeit des logischen Denkens und der Magie der Mathematik beginnt zu reden, sollte man diese Frage mit Blick auf den Lehrplan der 7. und 8. Klasse kurz ernsthaft diskutieren.)

Als letztes Jahr einige Grüne, inkl. Harald Walser, die Abschaffung des Religionsunterrichts forderten, hieß es dann sofort, dass aber dann die bestehenden Lehrer im neu zu schaffenden Fach „Ethik“ einzusetzen wären.

Als Institution ist das Schulsystem, wie jede andere Institution auch, primär daran interessiert, das Einkommen und die Stellung ihrer Leute zu sichern. Wenn man schon bei einer Ausweitung der Unterrichtszeit um zwei Stunden auf Beton stößt, sieht man, wie wahrscheinlich eine echte Reform im Unterrichtsstoff, die über Umbenennungen hinaus geht, sein wird. Das ist ein typisches Problem eines zentralplanerischen und damit strukturkonservativen Wirtschaftszweigs wie es das Schulsystem in Österreich leider ist.
Das Problem gäbe es in dem von mir propagierten Gutscheinmodell freilich nicht, weil dann die Macht in den Händen der Kinder und Eltern läge.

Aber warum muss es gleich ein ganzes Fach sein? Ein Vortrag, oder ein kurzer Kurs, der von jemandem unterrichtet wird, der sich nur mit diesem Thema befasst und sich auch dafür interessiert, wäre viel effektiver.

Höchst problematisch ist freilich die Frage der Objektivität, weshalb ich im Zweifel gegen politische Bildung an den Schulen bin.

Die juristische Seite halte ich auch eher für vernachlässigbar. Vom Parteienzwang steht nichts in der Verfassung, aber die österreichische Politik wäre ohne sie unerklärlich. Wenn die Demokratie voraussetzte, dass die Massen verfassungsjuristisch geschult wären, dann könnte sie ja auch niemals funktionieren.

Die Frage der Objektivität spielt bei politischer Bildung keine große Rolle. Wenns darum geht zu lehren, wie und warum Menschenrechte entstanden sind, was die Grundlagen von demokratischen Gesellschaften sind, welche Philosophien es da so gibt, wie das politische System in unserer Welt eigentlich so funktioniert und eben weiterzugeben was die Politikwissenschaft so alles erforscht, dann ist das so objektiv vermittelbar wie Wirtschaftskunde, Geschichte, Psychologie, Ethik oder um Himmels Willen Religion.

Dass die Lehrer das Weltbild unserer Schüler sehr oft mitprägen wissen wir. Sie tun es schon immer in allen möglichen Fächern. Das kann ja echt kein Grund dafür sein, dass man eine Gesellschaft bildungstechnisch in dieser Hinsicht blöd sterben lässt.


„Wenn die Demokratie voraussetzte, dass die Massen verfassungsjuristisch geschult wären, dann könnte sie ja auch niemals funktionieren.“

Die Qualität einer Demokratie profitiert davon, wenn mehr Menschen informiertere Entscheidungen treffen. Die tatsächliche Existenz einer einmal eingerichteten Demokratie ist erst in einem enorm schlechten Stadium in Gefahr (an dessen Rande wir uns imo befinden), ihre Qualität steht aber andauernd auf dem Prüfstand.

@Dyrnberg – ich denke, dass sich solche „Inselstunden“, wie du sie bezeichnest, leichter integrieren ließen, wenn man eine flächendeckende Gesamtschule hätte. Was die Mathematik betrifft, so bin ich nicht sicher, ob es Vorteile brächte, wenn man auf die Schularbeiten verzichetet. Solange man das Fach nicht als Wahlfach quasi abschafft, könnte man aber drüber diskutieren, insgesamt ist Mathe aber, auch wenn sich viele damit schwer tun, eines der wichtigsten Fächer.

@Dieter – genau das Argument, warum es ein ganzes Fach sein muss, steht oben im Artikel – weil ich es eben für sehr wichtig halte, dass Jugendliche, denen man gewisse demokratische Instrumentarien in die Hand gibt, auch wissen wie man damit verantwortungsvoll umgeht. Deshalb sollte politische Bildung zusammen mit einem Ethik-Unterricht der den konfessionellen Religionsunterricht ersetzt als volles Fach im Lehrplan integriert werden.

Was die angesprochene Objektivität betrifft, bzw. ein möglicher Mangel daran, so sehe ich das genauso wie Tom. Es geht nicht darum Parteiprogramme zu unterrichten, sondern Inhalte, die die Demokratie und Verfasstheit des Staates betreffen. Bzw allgemeine Inhalte zum Thema Politik, Recht, Ethik etc.

Die gänzliche Verbannung des Religionsunterrichts in den privaten Bereich halte ich für keine gute Idee. Unbefleckte-Empfängnis-Märchen, ebenso wie weitaus gefährlicherer Unsinn, werden doch viel eher noch in privaten und unkontrollierten Sonntagsschulen verbreitet als im Religionsunterricht.

Vielleicht könnte man ja den Geschichtsunterricht in der 3. und 4. um eine Stunde aufstocken.

@Markus – das wäre nicht nötig – wie gesagt, religionswissenschaftliche Inhalten könnten im neuen Fach Politische Bildung/Ethik drinnen bleiben – das, was zum historischen Hintergrund gehört und ausgeweitet auf die wichtigsten Weltreligionen. Den konfessionsgebundenen Reliunterricht soll man in die Privatssphäre verlegen. Dass Kinder und Jugendliche diesbezüglich ohnehin daheim indoktriniert werden ist ohnehin schon Realität, das wird sich durch privaten Reliunterricht – Stichwort Sunday School – nicht verstärken. Wohl aber gehört der dogmatische Unsinn der Religionen endlich aus dem Unterricht verbannt – umso mehr als er einen Haufen Geld kostet. Der Rest siehe Tom: Märchen soll daheim jeder hören so viel er will.

Religion. Dass es nämlich im 21. Jahrhundert noch immer mit Steuergeldern geförderten Religionsunterricht gibt, ist meines Erachtens nach schlicht und einfach skandalös.

Davor möchte ich warnen. a) Weil mir lieber ist, dass der Staat weiß wer Religion wie unterrichtet, und b) weil ich glaube dass eine Verwobenheit von Staat und Religion (im Sinne einer Zusammenarbeit, nicht einer politisierten Religion) für ein ausgewogenes Verhältnis und Verständnis beider für einander, besser ist.

Religionswissenschaft und Religion ist das eine Mal eine Außen- und dann eine Innenperspektive, es sollte beides in einem guten Religionsunterricht vorhanden sein, wie auch Ethik, aber es ist kein gleichwertiger Ersatz (eine Alternative wäre vielleicht eine Kombination aus Religions- und Ethikunterricht).

Ich hätte das neue Fach auch eher Staatsbürgerkunde bezeichnet, in das die Politik gehört, aber auch anderes, wie Ethik und Religion – gerade die sind in pluralistischen Gesellschaften bedeutsam, da ja mehrere Religions- und Wertsysteme auf einer Grundlage zusammenfinden müssen.

Religionsunterricht heute hat bis etwa zur 8. Schulstufe rein gar nichts mit Religionswissenschaft oder einem Verständnis für Religionen zu tun. Bis dahin ist es eine christliche Märchenstunde, da wird Jesus gezeichnet, werden Gebete gelernt und Bibelgeschichten in kindertauglicher Form erzählt. In der Oberstufe von Gymnasien hat das bei uns dann anders ausgesehen, aber das ist ziemlich stark abhängig vom Lehrer und Interesse der Klasse.

Wie hier schon mehrfach gesagt wurde, ist die Aufklärung über Religionen logischerweise ein wichtiger Bestandteil eines politischen oder ethischen Unterrichtsfachs, als alleinstehender, monokonfessioneller Unterricht in der heutigen Form hat er aber in einem säkular-laizistischen Staat nichts mehr verloren – besonders nicht, wenn so viel anderes wegen Zeitmangels nicht gelehrt wird.

Wie soll eine gewinnbringende, kooperative Verwobenheit von Staat und Religion aussehen, die du dir wünscht?

@metepsilonema – ad a)+ b) der Staat unterrichtet ohnehin nur die sogenannten anerkannten Religionen – was daheim passiert, bleibt auch weiterhin berechtigterweise nicht zugänglich. Diesbezüglich haben aber sowohl ich, als auch Tom bereits ausführlich geantwortet. Ich füge nur hinzu: der Staat ist für die Bildung seiner Bürger verantwortlich, ob ich als Erwachsene an Märchen glaube oder ein kritikfähiges, mündiges Individuum bin ist sehr stark davon abhängig, was ich in der Schule gelernt habe.

Des weiteren ist die Trennung von Kirche und Staat ein Um- und Auf für einen modernen aufgeklärten Staat – diese Trennung ist bis dato in Österreich noch immer nicht vollständig verwirklicht. Das ist tatsächlich ein Skandal.

Ob erwähnte Fach letztlich politische Bildung oder Staatsbürgerkunde heißt ist völlig egal, der Inhalt zählt, den habe ich bereits oben ausgeführt und ja, es soll auch Ethikunterricht dort seinen Platz finden.

@Tom

Vielleicht liest du meinen Kommentar noch einmal, ich habe nirgendwo behauptet, dass der Religionsunterricht nicht verbesserungswürdig wäre, und auch nicht, dass Religionen nicht auch aus einer anderen (Außen-, etc.)perspektive geschildert werden sollen (nebenbei bemerkt: Dass Unterricht generell auch vom Lehrer abhängt ist eine Binsenweisheit). Und dann sparst du dir vielleicht auch autoritäre Feststellungen wie die folgende: „[…] als alleinstehender, monokonfessioneller Unterricht in der heutigen Form hat er aber in einem säkular-laizistischen Staat nichts mehr verloren […]“

Danke (ich reagiere darauf ziemlich allergisch). Danach antworte ich auch gerne auf Fragen.

@Susanne
Ich sehe weder in den „anerkannten Religionen“ noch in der Feststellung „was daheim passiert, bleibt auch weiterhin berechtigterweise nicht zugänglich“ ein prinzipielles Gegenargument.

Dann folgt leider wieder nur eine autoritäre Setzung, kein Argument: „Des weiteren ist die Trennung von Kirche und Staat ein Um- und Auf für einen modernen aufgeklärten Staat – diese Trennung ist bis dato in Österreich noch immer nicht vollständig verwirklicht.“

Ich versuche es noch einmal: Warum sollte ein freiwilliger Religionsunterricht (also die Möglichkeit eine religiöse Innenperspektive kennen zu lernen) nicht für einen Staatsbürger (besonders für Agnostiker und Atheisten) wertvoll sein können? Das gilt umgekehrt für den Ethikunterricht genauso? Und warum sollte ein staatlicher Religionsunterricht nicht einen Beitrag zur Integration leisten können in dem der Staat Migranten „sagt“, dass ihm ihre Religion und Kultur ein Anliegen ist. Frankreich hat es durch seine strikte Trennung von Staat und Religion nicht geschafft, Konflikte zu vermeiden. Warum sollte die Vermittlung einer gemeinwohlverträglichen „Variante“ von Religion nicht ein staatliches Anliegen sein?

Der Staat ist für die Bildung seiner Bürger verantwortlich, aber nur insofern als, dass er ihnen die Mittel gewährt sich selbst (und einander) zu bilden und aufzuklären.

Ganz unerheblich ist der Name nicht, er sollte möglichst mit dem Inhalt übereinstimmen (aber von sekundärer Bedeutung, das stimmt schon).

„Und dann sparst du dir vielleicht auch autoritäre Feststellungen wie die folgende: “[…] als alleinstehender, monokonfessioneller Unterricht in der heutigen Form hat er aber in einem säkular-laizistischen Staat nichts mehr verloren […]”“

ist das realsatire?

Jemand der seine Behauptungen nicht durch Argumente angreifbar macht, sondern ihnen nur dadurch Gültigkeit verleiht, dass er sie mit Floskeln wie „in der heutigen Form hat er aber in einem säkular-laizistischen Staat nichts mehr verloren“ stützt, der verlässt jeden ernsthaften (kritisch-argumentativen) Diskurs (oder will ihn erst gar nicht).

Ich könnte genauso gut schreiben: Monokonfessioneller Unterricht ist ein fundamentales Element jedes modernen Staates, ohne den diese nicht lebensfähig sind. Da ist nichts begründet, sondern nur etwas behauptet – Du verstehst was ich meine?

Die Realsatire ist ganz auf Deiner Seite…

Der Staat weiß eigentlich nicht so wirklich, wer Religion unterrichtet, er hat nur eine gewisse Kontrolle über die Lehrer. Nominiert werden sie (zumindest für den rk. Religionsunterricht) von der Kirche, bezahlt aber vom Staat. Und ich sehe tatsächlich keinen Platz für konfessionellen Religionsunterricht in staatlichen Schulen, schon gar nicht als Opt-Out wie derzeit. Eher sollte man ein Ethik.Fach oder Ähnliches einführen.

Privaten Religionsunterricht soll jede/r haben können, der/die das möchte, dafür zuständige PädagogInnen sollten dafür via staatlichem Zertifikat qualifiziert sein für das zumindest ein längerer Lehrgang nötig sein sollte. Aus diesem Pool können dann gerne die Religionsgemeinschaften ihre Privatlehrer nominieren und auch selbst bezahlen. Zudem sollte sowas wie ein „einheitlicher Lehrplan“ oder das grundsätzliche „Was“ und „Wie“ reglementiert sein.

Das wären mehrere Fliegen mit einer Klappe:
– der Religionsunterricht findet nicht mehr an staatlichen Schulen statt
– der Religionsunterricht ist ein freiwilliges Opt-In, statt jeden nicht interessierten Schüler Jahr für Jahr mit einer Abmeldefrist zu sekkieren
– der taat hat trotzdem noch Übersicht, wer Religion lehrt und kann eine gewisse Qualität sicherstellen

@metepsilonema: das hier ist eine bildungsdebatte in der ich nicht die längst millionenfach geführte debatte über den sinn der trennung von staat und religion aufrollen möchte. das hat nichts damit zu tun, dass ich das nicht begründen kann, sondern damit, dass eine debatte irgendwo auch ihre grenzen hat. religion ist privatsache, bildungs ist öffentliche sache. daraus folgt, dass die lehre der religionen kein öffentlicher auftrag sein kann, sondern nur die überprüfung der kompatibilität mit den staatlichen gesetzen. das gilt insbesondere, da dinge, die sehr wohl in den öffentlichen bildungsauftrag fallen, im unterricht momentan aus zeitmangel keinen platz finden. so weit wirst du meinen standpunkt akzeptieren müssen. soviel böse autorität zur begrenzung der debatte erlaube ich mir.

@metepsilonema was du am Argument, dass Kirche und Staat zu trennen sind autoriär findest kann ich absolut nicht nachvollziehen und werde mich nur dahingehend äußern, dass das Resultat jeglicher aufklärerischer Anstrengungen in den vergangenen 200+ Jahren zum Glück dazu geführt hat, dass in den meisten westlichen Demokratien diese unabdingbare Trennung vollzogen wurde. Autoritär ist daran rein gar nichts, denn die verfassungsrechtlich garantierte Freiheit der Religionsausübung garantiert jedem Staatsbürger und jeder Staatsbürgerin das Recht ihre oder seine Religion auszuüben, wie es ihm oder ihr beliebt (solange die Rechtsordung eingehalten wird…). Falls du aber nachlesen möchtest, was passiert wenn man Kirche und Staat nicht trennt, dann kannst du entweder die diversen „Gottesstaaten“ als Informationsquelle heranziehen oder die Auswüchse des Feudalsystems im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit, da findest du sicherlich genügend Beispiele was passiert, wenn man die Kirchen in die Staatsführung lässt.

@Tom

Zur Begrenzung der Debatte… Du musst gar nichts begründen, wirst aber sicher verstehen, dass die Diskussion damit von meiner Seite aus beendet ist.

@Georg

Die Frage ist nur, ob die Religionsgemeinschaften dann nicht argumentieren würden: Wenn wir zahlen, wollen wir auch selbst ausbilden. Zudem wären die Kontrolle etwas schwieriger, aber grundsätzlich sicher eine Alternative (allerdings fiele der positive „Integrationsschub“ weg).

@Susanne

Es geht nur darum ob man etwas begründet oder nicht. Es bringt mich zur Weißglut, wenn jemand schreibt, dass etwas so ist, weil es eben so ist (also z.B. dass eine etwaige Trennung eine Errungenschaft ist, und man deswegen trennen muss – das ist eine Leerformel, die sich über etwaige Argumente hinwegsetzt, wenn sie die Errungenschaft nicht erläutert).

Ich halte selbst viel von der Trennung von Religion und Staat (und habe nie gefordert, dass diese aufgehoben wird), frage mich aber immer wieder, ob es in mancher Hinsicht nicht besser sein könnte, das nicht zu strikt zu tun. In Österreich sind wir in dieser Hinsicht auch schlampig, und deswegen weder im Mittelalter, noch ein Gottesstaat (und wenn mir dann jemand mit dem „Argument“ kommt, dass Religion ein Märchen ist, wie Tom, dann frage ich mich wo ich hier gelandet bin…).

Also: Ich habe nichts gegen die Trennung von Staat und Kirche, erwarte mir aber, wenn ich Argumente aufzähle, warum eine strikte Trennung nicht so gut sein könnte, dass man mir anders antwortet, als die Trennung sei eine aufklärerische Errungenschaft…

Ist das so unverständlich?

@metepsilonema – ich bin davon ausgegangen, dass ich dir die unzähligen Gründe für die Trennung von Kirche und Staat nicht auch noch einzeln aufzählen muss. Etwas was man nicht akzeptieren, oder einsehen will als Leerformel abzutun, ist mittlerweile langweilig und ich würde sagen feige.

Hiermit also noch einmal: die Errungenschaft der Aufklärung und somit Trennung von Kirche und Staat hat dazu geführt, dass das Prinzip der Rechtstaatlichkeit eingeführt wurde, dass man z.B. vom inquisitorischen Prinzip und haarsträubenden Praktiken wie „Gottesbeweisen“ abgegangen ist, dass man Andersgläubige nicht mehr verfolgt und ermordet (spanische Inquisition), dass man sich von Leibeigenen nicht mehr den Zehent dafür zahlen lässt, dass sie Land bewirtschaften, das ihnen nicht gehört, dass man Frauen unterjocht und verteufelt hat, dass man ihnen nicht die gleichen Rechte wie den Männern zuerkannt hat usw. usf.

Ergo – Trennung von Kirche und Staat ist ein Muss, um soetwas wie Demokratie und Menschenrechte überhaupt zu gewährleisten, auch wenn sie nach wie vor nicht gänzlich verwirklicht sind. In Österreich fordere ich deshalb auch die 100% Trennung von Kirche und Staat (mehr darüber kannst du hier nachlesen: http://www.laizismus.at) und NEIN, ein bisserl Trennung von Kirche und Staat ist weder sinnvoll noch gut. Warum? Weil sich 1. ohnehin jeder seine Religion aussuchen und sie im Rahmen des Rechtsstaates praktizieren kann. Zweitens, ein bisserl Kirche im Staat ist für meine Begriffe genauso sinnvoll wie ein bisserl die Folter im Verhör zu erlauben.


das ist eine Leerformel, die sich über etwaige Argumente hinwegsetzt, wenn sie die Errungenschaft nicht erläutert.

es ist nicht weil es ist, es ist weil es gut ist. die trennung von staat und religion ist gut und steht für mich nicht zur debatte. damit wirst du nicht fertig, weil du das für eine „autoritäre“ diskussionshaltung hältst. de facto hab ich einfach keine lust, das offensichtliche bis zum umfallen zu erläutern. es gibt dinge, die kann man ganz einfach mal als einen wert hinstellen, ohne ihn jedes mal neu erringen zu müssen. andernfalls kann man schlichtweg nicht mehr diskutieren, ohne jedes argument in ein fettes buch zu fassen.


Ich halte selbst viel von der Trennung von Religion und Staat

Ja eh. Du meinst nur, dass der Staat die religiöse Bildung seiner Staatsbürger bestimmen, beeinflussen und finanzieren sollte und als Konsequenz desssen dafür auch gern andere Bildungsinhalte aus dem Lehrplan halten soll. Ich denke nicht, dass du der Trennug von Staat und Religion damit wirklich gerecht wirst.


wenn mir dann jemand mit dem “Argument” kommt, dass Religion ein Märchen ist

das hat niemand gesagt. ich sagte der religionsunterricht ist eine märchenstunde.

es wird dich vielleicht überraschen, aber jesus ist nicht wirklich nach drei tagen wieder aufgestanden und moses hat das meer nicht gespalten. im pflichtschul-religionsunterricht lernt man das aber so. genau so. auch weil man in diesem alter die dahinterstehende moral noch gar nicht abstrakt verstehen kann.

und diese märchen fallen einfach nicht in den aufgabenbereich einer öffentlichen bildungsinstitution. im gegensatz zu im moment nicht angemessen gelehrten dingen wie politischer und philosophischer bildung, medienkompetenz, rechtswissen oder psychologie.

aber hey, die österreicher wissen zwar großteils nicht was unsere politischen institutionen tun, warum die menschenrechte eigentlich für alle gelten müssen, warum die trennung von staat und kirche eigentlich super ist, wie man facebook richtig nutzt, eine statistik liest, welche verträge man besser nicht unterschreibt oder wie man mit depressiven erkrankungen umgeht, an denen ja nur 10% der menschen hierzulande leiden – aber dafür hat jeder die story von diesem funky typen gehört, der in der löwengrube stark genug geglaubt hat um zu überleben.

am besten wir lassen das so.

@Susanne

Ich habe bereits in meinem ersten Kommentar klargemacht, dass ich genau das (die Trennung) als richtig erachte (ich habe mich ja von der politisierten Religion abgegrenzt, weil ich ihre Gefahren kenne). Mir dann mit einem Verweis auf die aufklärerischen Errungenschaften zu kommen, obwohl ich nichts gegen sie habe, sondern nur argumentiere sie aus bestimmten Gründen, nicht mit voller Wucht durchzusetzen, zeigt doch, dass man sich auf meine Argumentation nicht einlassen wollte. Vergleiche einmal Deine erste Antwort auf den ersten Kommentar von mir, mit jener von Georg – er hat sich auf meine Argumente eingelassen, und eine Alternative aufgezeigt. So funktioniert es.

@Tom

Zu Märchenstunde: Du hast recht, ich habe Deine Aussage zugespitzt (aber wer den Unterricht meint, der meint auch seine Inhalte, also Religion, oder?). Und der Rest, tut mir leid, ist einfach zu wirr und hingeschludert…

Die Kommentare sind geschlossen.

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