
Zu früh gefreut! Eigentlich bin ich der Bachelor-/Master-Umstellung an den heimischen Hochschulen ja recht positiv gegenüber gestanden. Hätte ich für meinen Bachelor-Abschluss noch einige Semester mehr gebraucht, hätte sich daran möglicherweise nicht viel geändert.
Nun steh ich da. Als vermeintlicher High Potential mit ausgezeichnetem Bachelor-Abschluss. Und doch ohne Aussicht auf entsprechend weiterführende Ausbildungsmöglichkeiten. Weil zwar überall bereits seit einiger Zeit auf den Bachelor-Modus umgestellt wurde, die entsprechenden Master-Lehrgänge aber mehrheitlich noch auf sich warten lassen. Oder aber eine Finanzkraft von Tausenden Euronen voraussetzen.
Die EU-Richtlinie sieht eine Umstellung bis 2010 vor. Bis dahin sollte die neue Studienstruktur auch hierzulande vollendet sein. Blöd nur, dass es in einigen Studienrichtungen schon seit geraumer Zeit eine Vielzahl an Bachelor-Absolventen gibt. Pure organisatorische Unfähigkeit oder steckt doch mehr dahinter?
Kopfschüttel-Attacke starten!
Foto: threedots
9 Antworten auf „Studium gesucht!“
Dass dahinter mehr steckt, ist sicher.
Ein Problem kann ich sogar benennen: Es gibt ja Übergangsfristen, während derer sowohl die LV des alten als auch des neuen Studienplanes verfügbar sein sollten (!). Problem an der Sache ist, dass dazu grob doppelt soviele LVs wie normal angeboten werden müssten, und das wird – wen wunderts – nicht finanziert. Daher stehen viele SPLs vor der Wahl, die alten oder die neuen LVs anzukündigen.
Weil das ganze aber sowieso ein bürokratisches Chaos sondergleichen bedeutet und zusätzlich diverse Befindlichkeiten von Professoren und Rektorat von den Curricularkommissionen berücksichtigt werden müssen (ich hatte die große Freude, als Studentenvertreter in einer solchen zu sitzen), zudem die Umstellung teilweise auch einen erheblichen Mehraufwand für die Professoren bedeutet (neue VO, SE, UE oder was weiß ich vorbereiten, gerade ältere Herren sind da nicht mehr so flexibel), geht das ganze schleppend vor sich und man hält vorerst an den alten Studienplänen fest.
Dass mit den Masterstudienplänen außerdem a priori ein höherer Organisationsaufwand verbunden ist („absolute horizontale und vertikale Durchlässigkeit“ ist gefragt), weil plötzlich jeder Biologe mit bac einen Master in Chemie machen können soll und umgekehrt, was einen Schwall an zusätzlichen Modalitäten bedeutet, fällt zusätzlich ins Gewicht.
Das wenigstens ist mein Blick auf die Dinge, sollte ich Sachen falsch verstanden haben, tut mir das leid.
P.S.: Ich bin froh, im alten Diplomstudienplan studiert zu haben. Die fehlende „horizontale und vertikale Durchlässigkeit“ jedenfalls ist mir nicht so schlimm aufgefallen. Außerdem: Den Master gibts bei uns seit 1 Jahr und es dürfte alles halbwegs reibungslos funktionieren – mehr oder weniger.
mein Problem ist, dass ich das Gefühl habe, das bei vielen Arbeitgebern nicht ganz bekannt was der Bachelor überhaupt ist.
und das ist bei der Arbeitssuche nicht gerade förderlich. jetzt habe ich eh etwas, aber nur befristet.
@markus: die übergangsfristen leuchten ein, nur hat man dafür eh bereits jahrelang zeit gehabt. dass die lv’s nun doppelt angeboten werden müssen, kann ich nicht ganz nachvollziehen, wurde ja „nur“ die studienstruktur verändert, wofür grundsätzlich keine gänzlich neuen studienpläne notwendig wären?
recht geb ich dir auf alle fälle was den höheren organisationsaufwand betrifft, wenn man sich im master noch anders spezialisieren möchte – wenn man etwa einen bwl-master an einen publizistik-bachelor anhängen möchte. aber selbst da muss es doch möglichkeiten geben. ansonsten wär der grundgedanke der bologna-verordnung ja irgendwie nicht ganz getroffen würd ich meinen. man könnte ja beispielsweise vor beginn des masterstudiums im herbst einfach auf entsprechende aufbauende sommerkurse verweisen, die ja inzwischen sowieso vermehrt im regluären bakk-betrieb (sommeruni) angeboten werden.
@weltbeobachterin: ich hab eher den eindruck dass der bakk-abschluss durchaus hoch angesehen ist in der wirtschaft – stichwort niedrigeres einstiegsgehalt und der glaube, jüngere absolventen entsprechend der firmenphilosophie noch eher formen zu können. in welchem bereich arbeitest du denn?
interessant find ich ja auch den umstand, dass die master-studien als „verspätete zugangsbeschränkung“ eingesetzt werden – garantiert man dank limitierten studienplätzen, wie etwa an der wu, seinen bakk-absolventen keineswegs einen master-platz in der ehemals selben studienrichtung.
@pezi
Informationsbereich, aber nicht Journalismus.
wenn ich ehrlich bin, hatte ich da eine 50/50 Quote. und bei der Menge ist es wohl auch nicht besonders repräsentativ. Nur wurde ich von vielen gefragt: Was bist du jetzt? und das habe ich nicht nur ältere Semester erklären müssen oder welche die sich mit dem Thema nie auseinandergesetzt haben.
Die meisten von meinem Jahrgang studierten weiter.
Pezi: Die strukturelle Umstellung bedeutete und bedeutet in vielen Fällen eine Erneuerung des Studienplans, die prinzipiell begrüßenswert ist. Für eine handvoll Studienrichtungen weiß ich, dass es tiefgreifende Änderungen gab. Abgesehen davon kann man nicht LVs mit unterschiedlichen LV-Nummern in einem halten. Stattdessen werden Dir die neuen LVs für die alten und umgekehrt angerechnet (vom SPL) – hier einen sinnvollen Schlüssel zur Anrechnung zu finden, ist auch gar nicht so einfach und außerdem hängt das alles ausschließlich am SPL
Zusätzlich wurden oft auch Stunden gestrichen (sprich effektiv die Gesamtsemesterwochenstundenzahl reduziert) – auch hier wieder aus Kostengründen. Bei den ECTS fällt das nicht auf, die hängen ja in keiner Weise mit der Stundenzahl zusammen.
Dein Einwand, dass es „selbst da Möglichkeiten geben muss“, kann so nicht gelten: Irgendjemand muss das alles bezahlen, unsere Politiker stützen aber lieber Industrielle, Finanzgenies und die Verbrennungsmotorproduzenten. Eine gebildete Bevölkerung macht außerdem nur Probleme, die würde unsere Spitzenpolitiker nämlich mit einem nassen Fetzen aus dem Land jagen.
Ich denke die Kritik gilt ja gerade diesen behämmerten Politikern.
exakt, meine kritik richtet sich natürlich an die bildungspolitische unfähigkeit unseres landes.
und klar hängen solche strukturänderungen oftmals mit groben studienplan-veränderungen zusammen – wird in so mancher studienrichtung auch zeit, wo noch die selben lv’s mit den selben theorien aus den 60er und 70ern ohne jegliche rücksicht auf aktuelle entwicklungen gehalten werden, stichwort ‚fortgeschrittenes alter der professoren‘. aber das kann doch nicht nach dem prinzip „wir organisieren neu, solang das geld da ist, die master-lehrgänge müssen eben warten“ geschehen. und ich beton es nochmals, selbst diesen fehler hätte man innerhalb der letzten jahre erkennen und entsprechend neu angehen müssen.
und ich bin mir durchaus bewusst, dass die einführung einer neuen studienstruktur mit enormem organisatorischen aufwand verbunden ist – aber dafür gabs übergangsfristen und ausreichend personal.
die kürzlichen aussagen hahns machen das ziel der politik aber erschreckenderweise wieder ganz klar deutlich. hahn kritisierte, „dass ein Großteil der Studenten sofort nach Abschluss des Bachelor-Studiums ein Master-Studium anschließt (…) Denn Ziel der neuen Studien-Architektur sei es, Studenten früher als bisher in den Beruf zu bringen.“ jaja, die bedürfnisse des arbeitsmarktes…
Es geht im Allgemeinen nicht mehr darum, an einer Universität Bildung zu erwerben.
Es darum, an einer Hochschule eine Ausbildung (samt Ist-Nicht-Einmal-das-Papier-Wert-Auf-Dem-Es-Gedruckt-Ist-Diplom) abzuschließen. Schnellstmöglich und „kostenneutral“.
Es wird unserer alpinen, paranoiden Vorgartenzwerggesellschaft beizeiten auf den Kopf fallen.