
Vom österreichischen Schulsystem, dominiert vom Entenschwarm-Prinzip. Und von der (späten) Lust, Entrepreneur zu werden.
Mica ist nicht älter als 10 Jahre. Er spricht fünf Sprachen, die meisten fließend. Und er ist davon überzeugt, kein Talent zu haben. Ein trauriger Einzelfall? Wohl kaum.
Kurzer Szenenwechsel: Berlin im Herbst 2008. Ich sitze in einer Vorlesung von Professor Faltin. Eigentlich weiß ich gar nicht so richtig, was mich hier erwartet. Einige Wochen und Vorlesungen später weiß ich es ganz genau. Wenige Monate in Berlin haben mich mehr geprägt als über 20 Jahre hier in Österreich. Ich habe gelernt, nicht mehr bloß in Konventionen zu denken. Nichts schlicht als gegeben hinzunehmen. Den Drang bekommen, Dinge zu verändern. Und die Einsicht gewonnen, dass das eigentlich gar nicht so schwer ist.
Es gibt zwei Möglichkeiten etwas zu verändern: Jammern oder anpacken. Eine der beiden Varianten ist in Österreich leider nicht allzu verbreitet. Ich frag mich, warum? Warum hab auch ich das aktiv Anpacken – also die konkrete Lust am Verändern und das Wissen um die umfangreichen Möglichkeiten dazu – in 22 Jahre nicht einmal ernsthaft in Erwägung gezogen? Warum hat mir niemand gesagt, dass ich auf niemanden angewiesen bin, sondern vieles ebenso gut und meist problemlos selbst machen kann? Warum hat mir niemand gesagt, dass ich beispielsweise nie das klassische Arbeitnehmertum fristen muss, sondern genauso gut Entrepreneur werden kann? Oder besser: Warum bin ich selbst nie auf die Idee gekommen?
Vielleicht, weil ich in während meines Bildungswegs nie gelernt habe, Dinge zu hinterfragen, Probleme zu erkennen, Alltagsprozesse aus eigener Kraft zu optimieren. Ich hab gelernt, vorgegebene Weisheiten als gegeben hinzunehmen, das Wissen von Autoritäten nicht in Frage zu stellen. Ich war festgefahren in Konventionen, ein Teil des Entenschwarms. Eine einzige Vorlesung an der FU Berlin hat mein Denkschema grundlegend verändert.
Meine Ideen zur Reform des heimischen Bildungssystems würden an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Grundlegende Änderungen im Lehrplan und an den Fächer-Angeboten sind für mich aber unumgänglich. Mit sämtlichen Bereichen, mit denen ich mich nach der Matura intensiv auseinandergesetzt habe, hatte ich in meiner gesamten Schulzeit nicht einmal ansatzweise zu tun: Medienkompetenz, Marktkommunikation, politische Bildung, Lebensmittelwirtschaft, BWL, Entrepreneurship.
Und wenn das nur projektweise geschehen würde, wäre schon viel geholfen. Hannes Offenbacher, österreichischer Vorkämpfer in Sachen Entrepreneurship & Nachhaltigkeit, in seinem Blog über die flüchtige aber prägende Begegnung mit „entrepreneurial spirit“ im Jugendalter:
„Woher mein „Entrepreneurship” Spirit kommt? Nicht von hier, sondern von einem US-amerikanischen Projekt names “Junior Achievement Company Program“, wo SchülerInnen ein ECHTES Unternehmen gründen. Ich nahm damals als Schüler selbst teil und durfte als beste „School Company” zum internationalen Treffen nach Chicago fliegen, um mit 120 jungen Leuten aus 90 Ländern zusammenzutreffen. Sowas prägt – das kann Dir auch die Angestellte beim Gründerservice nicht nehmen.“
Abgesehen von den Grundlagen der Medienkompetenz, der politischen Bildung sowie der Ernährungslehre (Einblicke in die Mechanismen der Lebensmittelwirtschaft inklusive): Innovation ist die Grundlage von Wachstum. Innovation ist die Kunst, Probleme zu erkennen und zu lösen. Der Wunsch, Prozesse im Bereich der eigenen Interessen zu optimieren, am Besten, indem man an seinen eigenen „Energiefaden“ anknüpft – denn: Wenn Business nur Business ist, ist es kein gutes Business. Schaffen wir also Bewusstsein und Räume, damit (junge) Menschen tätig werden können.
Und natürlich will nicht jeder Entrepreneur werden. Die (aktuell verkehrte) Welt der Medien und der Politik auf den Kopf stellen. Oder auch nur wissen, was alles weniger gustiöses in seinem Essen ist. Es geht darum, Einblick in die relevanten Abläufe unserer Zeit zu bekommen. Komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Talente zu fördern, die nicht zufällig in den Bereichen der klassischen Schulfächer liegen. Vor allem in vermeintlich „allgemeinbildenden“ Höheren Schulen.
Fotocredits: Andreas Demmelbauer, CC2.0-BY
25 Antworten auf „Talentförderung statt Entenschwarm-Prinzip“
Grossartig. Thx! Und ja, leider kann einem wenig Besseres passieren als frühzeitig aus Österreich auch mal rauszukommen. Es ist kein schlechtes Land – sofern man nicht das ganze Jahr hier ist.
Gute und wichtige Gedanken. Ja, wir leben heute auch in einer globalen und europäischen Gesellschaft, und man kann schon mal das Gefühl haben, dass einem die Schuppen von den Augen fallen…das Gefühl kenne ich gut…Ansonsten bin ich der Meinung, dass wir in Österreich noch immer viel zu sehr autoritär geprägt sind und das freie, unabhängige Individuum und sein schöpferisches Potential daher noch immer zu wenig wertgeschätzt und unterstützt wird. Dennoch, wir haben in Österreich Möglichkeiten und Chancen, von denen viele Menschen nur Träumen können, also nutzen wir sie. Und wir sind Gott sei dank in der Zwischenzeit auch Europäer und WeltbürgerInnen, und Simmeringer…
Genau das ist Österreich. :/
Sehr schöner Beitrag. (Gott Faltin, möp.)
Warum muss man jede sich angeeignete Fähigkeit als Talent bezeichnen? Gibt es überhaupt Talent? Ich glaube jedenfalls, dass man alles erreichen kann, solange man es selbst für realistisch hält und Interesse (viel besser noch: Faszination) hat. Ich meine jetzt keine körperlichen Talente, Autismus oder Sonstiges, aber ich glaube manche Menschen denken „der wär so geboren und der kanns halt“. Das jedenfalls die Definition, die ich meistens von Talent bekomme, ich jedenfalls habe mir keine Definition dazu gebildet, ich glaube einfach nicht an sowas. Talentförderung errinnert mich schon an „Elite“ und diese Arroganz kotzt mich schon an, man kann doch nicht einfach sagen, dass einige Menschen Talent haben und die anderen nicht? Klar, es stärkt schon das eigene Bewusstsein, wenn man sowas von hoch gelobt wird, aber irgendwann musste auch ich einsehen, was für einen einseitigen Bullshit so einige Leute von sich geben. Welcher fremde Mensch kann das Können („Talent“) denn einschätzen? Die Schule wird doch heute eh nur gefördert, damit man den Bedarf an Arbeitnehmern in irgendwelcher Branche decken kann. Dass wir nur für die Wirtschaft lernen, dass begreifen die Meisten ein wenig später. Alles in Frage zu stellen ist nur der erste Schritt, man sollte sein eigenes Handeln, seine eigene Kritik auch in Frage stellen (Bei auftretender Wahnsinnigkeit und Minderwertigkeitskomplexen fragen Sie Ihren Psychiater). Klar man sollte „einem geschenktem Gaul“ nicht ins Maul schauen, man sollte aber nicht alles blind annehmen, nichts ist schließlich kostenlos.
Kleiner Haufen von Sätzen mit winzigen Zusammenhängen zueinander, ich hoffe jemand kann damit etwas anfangen.
Ciao, Eugen.
@martin auf alle fälle! kaum zurück gewöhnt man sich leider schon nach wenigen wochen wieder ans provinziell-konservative in diesem land – wenn auch aus einer etwas anderen perspektive 🙂
@alexander es stimmt natürlich, dass uns österreich ein vielfaches an chancen bietet als so manch anderer staat – nur werden einem im bereich des bildungssystem auch wunderbar konsequent viele chancen genommen. und klar begrüß ich unseren status als europäer- und weltbürgerInnen, nur kann man diese option eben erst so richtig ab einer gewissen reife für sich beanspruchen. bis dahin sollte man diesem system nicht einfach ausgeliefert sein – sondern zumindest wissen, wie dieses system funktioniert.
@lifecheater ein talent kann vieles sein – eine besondere begabung oder eben auch „nur“ ein besonderes interesse, faszination für ein thema. und womöglich entdeckt wie du sagst jeder früher oder später mal sein talent, sein spezialgebiet – das weitgehend dem zufall zu überlassen find ich aber nicht wirklich zielführend.
mit reiner eliteförderung hat meine forderung rein gar nichts zu tun, das lehn ich ebenso wie du ab. ich sage nicht, dass einige talent haben und andere nicht – im gegenteil, ich bin davon überzeugt, dass jeder einzelne für einen oder sogar mehrere bereiche begeisterung und denmach auch überdurschnittliches wissen/können mitbringt.
es geht nicht darum, einzelne talente in der schule auszumachen, sondern den schülern die möglichkeit zu geben, ihre interessen und fähigkeiten ausfindig zu machen. und das funktioniert einfach nicht mit dem system einer sturen lernfabrik, das viele grundlegende bilungsbereiche einfach aussperrt.
@lifecheater
Natürlich haben Menschen unterschiedliche Talente, die sich aus körperlichen Voraussetzungen (groß/klein sein, gut/schlecht sehen, etc), angelernten/trainierten (gut schreiben, schnell laufen) und sozialisierten (gut mit Menschen umgehen können/Einzelgänger sein) Eigenschaften ergeben (grob und salopp kategorisiert). Ich seh keinen Sinn darin, das zu leugnen, denn ganz offensichtlich können Menschen unterschiedliche Dinge unterschiedlch gut.
Diese unterschiedliche Talente individuell zu fördern hat mit Eliten nichts zu tun. Um die geht es nur dann, wenn sich nur die „Eliten“ leisten können, diese Förderung zu bekommen – so wie das jetzt ist, weil sie auf teure und zum Teil sicher bessere Privatschulen geschickt werden.
Talentförderung und Elitensystem sind nicht dieselben Baustellen. Mir ist nicht ganz klar, wie du darauf im Zusammenhang mit diesem Beitrag von Pezi gekommen bist.
Dieses Problem ist angesichts des Bologna-Prozesses allerdings mittlerweile zu einem europäischen Problem geworden. Wenn das Studieren nur mehr zu einem Scheine-Wettbewerb mutiert, dann sollten alle Alarmglocken klingen. Überhaupt steht Bologna für einen Vernichtungsfeldzug gegen das kritische Denken im Hochschulwesen. Nun soll die „Elite“ geistig „entelitisiert“ werden.
ich find eher, das momentan vorhandene (hoch-)schulprinzip entspricht seit jeher dieser scheine-jagd. da muss nichts mehr mutieren.
Spät aber doch hab ich diesen coolen Beitrag gefunden! Zum Thema Talentförderung vs. Elitenbildung, da weiß ich gleich garnicht was ich zuerst schreiben soll:
Ich versteh das schon sehr gut, wenn das eine Bild (Elitenbildung) auftaucht wenn das andere ausgesprochen wird (Talentförderung), nämlich weils bei uns einfach SO IST, dass diese beiden Themen miteinander verknüpft sind. Und ich glaube auch, dass genau das der Grund ist warums bei uns auch nicht zu einer grundlegenden Änderung des Schul-/Ausbildungssystems kommt, weil eben genau das die Angst der sogenannten Eliten ist, dass Talentförderung plötzlich alle betreffen könnte! Wo kämen wir da hin, wenn diese beiden Bilder NICHT mehr miteinander in Verbindung gebracht werden müssten? Wo kämen wir hin wenn plötzlich alle und jedEr Zugang hätte dass seine/ihre Talente „gefördert“ werden würden?! Oder – wie du pezik richtig sagst – wenn plötzlich jedEr die Möglichkeit hätte seine/ihre Interessen und Fähigkeiten ausfindig zu machen! Es gibt ganz starke (politische) Kreise die genau das verhindern möchten, und das ist der Grund warum wir bei Schulreform monatelang um 2 Unterrichtsstunden und 3 Ferientage streiten anstatt wirklich was von Grund auf zu verändern!
Ich hab eine zweijährige Tochter, und stehe schon jetzt vor der Frage: Möchte ich meiner Tochter in einer Umgebung aufgehoben wissen die sie als das was sie ist wahrnimmt, sie begleitet und es ihr ermöglicht sich so und dort zu entwickeln wo sie was fasziniert, wo sie sich gerade hin entwickeln möchte und wo – von mir aus – ihre „Talente“ liegen (und glaubt mir, für ein Kind in dem Alter ist lernen (noch-weil noch nicht ausgetrieben) das schönste, natürlichste und spannendste auf der Welt, da passt das Wort „Talent“ tatsächlich nicht wirklich, weil sie sozusagen ca 3000 Talente täglich entdeckt, weiterentwickelt oder eben wieder vergisst) – ODER möcht ich mein Kind doch in einer Umgebung aufgehoben wissen, wo all das wenn überhaupt dann nur mit viel Zufall und zeitweise stattfindet, sie sich aber dafür in einer „natürlichen sozialen Umgebung“ befindet, mit einem ordentlichen, unserer Stadt entsprechenden Ausländeranteil, in einem auch sozial bunt durchgemischten Umfeld.
Ich sags gleich, ich hab mich bereits für ersteres entschieden. Ich hab mich für die „Elite“ entschieden, weil ich offenbar zu dem kleinen Teil der Bevölkerung gehöre der sich den Zugang zu solchen Elitensystemen auch leisten kann! (Und Gratis-Kindergarten für alle, dass ich nicht lache! Natürlich ist was besser, weil billiger geworden, aber den Unterschied zwischen Elite, die sich z.B. eine andere Pädagogik etc. leisten kann und „irgendwo hin eigeteilt werden“, wo man nicht mal die PädagogInnen kennt, den gibts natürlich noch immer! Das Bildungssystem der 1. Klasse ist nach wie vor teuer und nicht für alle zugänglich!)
Ich hasse es, dass ich da mitmache bei der Elitenbildung, und ich hasse es, dass ich auch für die Zukunft nicht viele andere Möglichkeiten sehe (denn auch z.B. in den Montessori-Mehrstufenklassen der normalen Regelschulen sitzen natürlich z.B. keine Ausländerkinder!)
Nur, glaubt mir, es braucht kein geschultes Auge um bei kurzen Besuchen in den „Bildungseinrichtungen“ bzw. für ihr Alter eben Kindergärten, mehr als sofort zu wissen: „Hier möchte ich sie nicht aufgehoben wissen!“ – also ists eben doch der Elitenschuppen geworden… (den ich normalerweise natürlich – um diesen Umstand zu vertuschen – anders und wesentlich schöner bezeichne!)
…und wunderbar! Mein mir zugeteiltes „statt Foto“-Maxerl entspricht total meinem Gemütszustand! Wie macht ihr das? 😉
ich glaub dir annelies, das dir die entscheidung zwischen elite- und „normaler“ bildungseinrichtung schwer gefallen ist – ich bin froh, dass sich mir die frage die nächsten jahre noch nicht so konkret stellen wird. aber wenn ichs mir leisten kann, wird die entscheidung wahrscheinlich ähnlich ausfallen.
wobei ich mir auch die verschiedenen „eliteschuppen“ ganz genau ansehen würde – um mir sicher zu sein, dass die bildung oder vll. eher das soziale umfeld dort mein kind nicht in eine ganz andere und doch so gar nicht wünschenswerte richtung abdriften lässt. mich dünkt, dort sind schon auch einige hochnasen-monster unterwegs.
oder aber ich revolutionier das bildungssystem doch etwas rascher als geplant. oder gründ einfach meine eigene schule. muha! 😉
Ich halte es für falsch die Lehrpläne an den Schulen grundlegend zu ändern. Erweitern, ja das kann man, aber der Großteil der Bevölkerung braucht die Dinge die du nach der Matura (was ja an sich schon mal nur ein drittel der Bevölkerung errreicht) gelernt hast gar nicht.
Stattdessen muss sich die Schule davon lösen dass ein Schüler eines bestimmten Alters in einer bestimmten Klassenstufe und nur dort zu sitzen hat. Wer ein Talent für Sprachen hat der soll da ruhig in Kurs für Fortgeschrittene gehen und dort mit älteren lernen können. Jeder Schüler hat irgendwelche Stärken und wird diese Bereiche in kürzerer Zeit absolviert haben als andere, schwere Fächer für die er sich dann mehr Zeit nehmen kann. Man kann’s ruhig mit der Uni vergleichen, vielleicht würde man in einem zweiten Schritt vom fixen Zeitraum eines Semester abkommen und die Fächer in kürzeren Blöcken unterrichten.
Ich glaube, diese Reform liese sich im aktuellen Schulsystem unterbringen ohne dass es mehr Geld kosten würde. Interessant daran wäre auch wie sich die Schüler sozial entwickeln da der sonst sehr enge Klassenverbund durchlässig werden würde.
Mein Input in diese gut diskutierte Thematik und gleichsam das, was ich von den USA mitgenommen hab ist, dass talent bzw. spezifische entrepreneurship förderung bei kindern nicht von den schulen kommt. nicht von der politik. nicht von den lehrern.
was in den USA so stark ist und bei uns so schwach: vorbilder. unsere konservative „es darf keine klassen geben“ gesellschaft (was utopie ist), will vorbilder, die es geschafft haben lieber unterdrücken. es könnte neid entstehen.
in den USA gab es einen entscheidenen satz eines motivations gurus, der für mich wiederspiegelte, was es bei uns nicht gibt: „wenn du einen traum hast und dir viele gründe einfallen warum es unmöglich ist, dann frage dich nur eines: WARUM NICHT?“
das ist genau das gegenteil von dem – was auch ich selbst in meiner kindheit gehört habe. in meiner familie, in meiner schule.
europa – österreich – ist problemorientiert, redet ewig über probleme, aber (fast) keiner kommt in bewegung. grass-roots bewegungen, projekte und initiativen.
wenn nur jeder zente, der über die probleme in österreich schimpft, aktiv werden würde, wir hätte keine probleme.
@Hannes Offenbacher: was zu zitierst, sind aber genau die Sorte von US-amerikanischen Dampfplauderern, die es schaffen, innerhalb von wenigen Jahren oder sogar Monaten ganze börsennotierte Unternehmen mit schönen Worten, Motivation, (leeren) Versprechungen und Durchhalteparolen in den Abgrund zu ziehen und sich selbst zu bereichern. Leute, die „es geschafft haben“, haben dies oft genug auf Kosten anderer Leute (Mitarbeiter, Aktionäre, Investoren) gemacht. Und ja, alles schon persönlich erlebt (knapp 3 Jahre für ein US-amerikanisches Softwareunternehmen mit Entwicklungsstandort in Österreich gearbeitet), ein absolutes Trauerspiel.
sorry rollmops, aber das ist ein wenig schnell geschossen von dir. mag sein, dass du bei diesen worten (als europäer) reflexartig an das böse denkst (börse, heuschrecken, manager) – aber das ist deine gedankenwelt.
für mich geht es dabei um ermutigung von kindern und jungen menschen. das kann sich auch mit dem ziel weltbester clown zu werden ausdrücken.
vor allem müssen wir weg von einem blockierenden dualismus der sofort gut/böse schubladen öffnet.
Ich sage ja nicht, dass Entrepeneurship an sich schlecht ist, die harsche US-amerikanische Realität ist jedoch, dass jede Menge erfolgreiche Blender am Werk sind. Und das sind eben _keine_ Vorbilder.
Achja: dein Versuch, eine egalitär-klassenlose Gesellschaft als „konservativ“ darzustellen, ist wirklich lustig. 🙂
@ Thomas: Ganz kann ich dir nicht folgen…?! Lehrpläne nicht ändern, wenn dann erweitern, weil man das eh alles nicht braucht? Ist das nicht ein Widerspruch?
Was du sonst sagts über Alter, bestimmte Klassenstufe und „Kurs für Fortgeschrittene“ find ich eigentlich gute Gedanken, nur mit einer (vielleicht kleinen, weiß nicht genau wie dus gemeint hast) Abänderung. Ich find wir müssen überhaupt weg von den Klassenstufen, hin zu „Mehrstufenklassen“, d.h. wo eben prinzipiell Kinder unterschiedlichen Alteres zusammensitzen und zusammen lernen. Dann stellt sich die Frage nach „Kurs für Fortgeschrittene“ garnicht, weils eben drum geht dass Kinder mit unterschiedlichen Talenten und unterschiedlichen Alterstufen miteinander und nebeneinander das lernen was bei ihnen eben grad „dran“ ist. Und das was „dran“ ist sollte von innen und nicht von aussen bestimmt werden können, nach Interesse gepaart mit „Beratung“ odere eben sich absprechen mit einem Lehrer, was dem dazu einfällt. Verstehst du den Unterschied? Dann ginge es nicht um „Fortgeschrittene“ in unserem herkömmlichen durch die Schule geprägten Sinn, sondern um individuelles sich weiter entwickeln. Dann würde das ganze auch nicht zu „Leistungsgruppen“ verkommen, wo dann wieder die in den unteren Leistungsgruppen dauernd vor Augen hätten wo sie schlecht sind. Was ich mein ist, dass auch jemand mit Lese-Rechtschreibschwäche (auch wieder ein Diagnostikkastl, aber egal) trotzdem wunderbare Gedichte und Geschichten schreiben könnte, vielleicht zusammen mit dem der auch gerne schreibt, aber eben keine Rechtschreibfehler macht.
Ich kenn mich da nicht so gut aus, aber glaub schon dass es dazu auch Sinn machen würde die Lehrpläne grundlegend zu ändern, hin zu viel größeren Zeiträumen, weg vom Kastldenken was man in dem Jahr, womöglich in dem Monat gelernt haben muss…
@Hannes: Vorbilder find ich super, auch ich hab das von den USA mitgenommen, und dort gibts das (z.B. auf den Unis) weil dort einfach extrem viel Wert auf „Lehre“ gelegt wird, anstatt wie bei uns nur auch Forschung, und die Lehre ist das Hinkebein das auch noch erledigt werden muss.
Nur warum sollte das nicht auch in den Schulen und von den Lehrern passieren? Nirgends können eben so viele und so lückenlos Kinder erreicht werden wie da! Oder? Wie stellst du dir das vor?
@Annelies: Natürlich wäre es optimal, wenn Lehrer hier diese Funktion übernehmen würden. Ich bin da aber ein wenig kritisch (realistisch?), dass es möglich ist. Meiner Meinung nach sollte man nicht versuchen ein komplexes, starres System zu verändern. Da verschwendet man zu viel Energie. Und so sehe ich das Bildungssystem.
Um hier notwendige Änderungen zu starten müsste man (a) die Menschen allg. überzeugen, damit diese (b) die richtigen Politiker mit Mut und Vision wählen, diese wiederum müssten dann die (c) Zuständigen für das Bildunssystem auf Spur bringen und diese wiederum die (d) Ausbildner der Lehrer von Morgen und diese folglich (e) die Schüler.
Da glaube ich es ist sinnvoller, den Aufbau eines nicht-staatlichen (aber sozial jedermann zugänglichen) Schulsystems voranzutreiben. Die Innovation und Visionskraft erwarte ich mir eher in kleinen Grass-Root Projekten die skalierbar sind…
Traurig, aber ist so.
@hannes:
das ist mir ein wenig zu pessimistisch. genau darum gehts doch, diese komplexen starren systeme zu verändern. und zwar indem man sie erstmals deutlich vereinfacht. indem man das ganze an den verschiedensten ansatzpunkten selbst in die hand nimmt.
soviel zu
deine argumentation im letzten post mit „da verschwendet man zuviel energie“ schlägt doch genau in diese kerbe.
ich versteh deinen standpunkt und ok, ich glaub auch, dass es im bereich des staatlichen bildungssystems sicher mühsamer ist, etwas bewegen zu können. aber unmöglich ist es nicht. vor allem weil ich denke, dass man aus den vorhandenen ressourcen – stichwort lehrer/ lehrerausbildung – auch schon einiges herausholen könnte.
die errichtung nicht-staatlicher bildungseinrichtungen wär natürlich eine weitere möglichkeit: in deutschland wird jeden tag mindestens eine schule von eltern gegründet, die genug von diesem konventionsüberladenen system haben.
ich hab vor einiger zeit mal kurz recherchiert und auch in ö scheints gesetzlich problemlos möglich zu sein, dass jeder seine eigene schule gründet. das man im rahmen einer solchen gründung gegen einen schwall an über-bürokratie ankämpfen müsste, steht außer frage.
hätt ich mitstreiter, würd ich solche projekte wohl dennoch öfters zu ende denken. und vll. mit entsprechenden investoren (oder auch völlig neuen finanzierungskonzepten) irgendwann umsetzen können.
@ Hannes: Und wie willst du das machen, dass solche Projekte sozial jedermann zugänglich sind? Ich mein, es gibt elternverwaltete Schulprojekte, wirklich coole Projekte, da zahlt man dann für die Schule genausoviel oder mehr als für den Kindergarten (leider immer noch!) Und damit wären wir bei den oben von mir beschriebenen Eliten… die mir echt schwer auf die Nerven gehen, aber die ich dennoch fördere.
Ich mein damit garnicht Geldeliten, das sind durchaus voll interessante Leute, Künstler, Journalisten, Ideenarchitekten ;-), Leute die wirklich was zu sagen haben (inhaltlich), intellektuelle Eliten (zB. ein großteil der Eltern der Kindergruppe meiner Tochter). Und trotzdem, seis weil sie andere Wertschwerpunkte setzen oder weil sies einfach „haben“, sie haben das Geld um sich das leisten zu können. Also doch irgendwie Geldeliten.
Im Regelschulwesen gibt es aber schon Modelle, zumindest im Volkschulbereich, wo lernen anders abläuft. Ich glaube nur wenn man das fördert kann man die soziale Erreichbarkeit ermöglichen. Allerdings derzeit finden sich auch in diesen vom Staat oder der Gemeinde bezahlten Einrichtungen derzeit die Eliten. Keine Ausländer, niemand der selbst keine Möglichkeit hatte sich mit anderen Bildungssystemen auseinanderzusetzen.
Wie sich das ändern soll ist mir unklar.
@pezik an welche Finanzierungskonzepte denkst du?
@pezik na na, ich hab ja nicht nur über das problem geredet, sondern auch (meinen) einen lösungsweg aufgezeigt (= alternative nicht-staatliche schulen).
ich glaube auch deshalb an diese neuen schulen (außerhalb der struktur), weil sie eben vorbild und druckmittel für die visionslosen politiker wären. systeme lassen sich schwer verändern, aber wenn parallel systeme entstehen, die zu ernstzunehmender konkurrenz werden, dann bewegen sie sich schneller…
bzgl. der sozialen gerechtigkeit gibt es meiner meinung nach genügend modelle und möglichkeiten, jenen die das geld nicht haben, das schulgeld zu bezahlen.
wobei ich ja der meinung bin, der staat sollte hier mal endlich tiefer in die kassa greifen und begreifen, dass die bildung gleichzusetzen mit der zukunft des landes ist.
deiner privat vs. staat-wettbewerbsidee widerspricht aber imo die erfahrung. dort wo die besten schulen der welt stehen – in skandinavien, öffentliche schulen – gibt es meines wissens keine großartigen privaten paralellstrukturen. und dort wo es große privatbereiche gibt, sind die öffentlichen schulen eher als unterdurchschnittlich bekannt, weil da kein geld mehr reinfließt. wenn mal eine (meist sehr wohlhabende) gemeinde ihre kinder auf eine privatschule schickt, schaut die finanzierungsbereitschaft für öffentliche schulen nicht mehr besonders aus.
der beste weg wäre es, das staatliche system für innovationen zugänglicher zu machen. spontaner einfall: öffentliche mittel sollen die gründung und den betrieb von neuen innovativen schulprojekten finanzieren – einen öffentlichen auftrag vorausgesetzt, der dann elitenbildung und soziale selektion verhindert. denn das kann man im privatsektor nicht verhindern.
man könnte so einen wettbewerb innerhalb des öffentlichen systems lostreten, der die vielen gefahren einer privaten paralellstruktur stark reduziert.
dazu müsste wohl ein bürokratieabbau her, wahrscheinlich auch mehr finanzielle mittel aber vor allem auch eine große bildungsvision, an der sich auch die neuen projekte orientieren müssen.
lieber tom, aber: skandinavische länder sind aufgrund ihrer ausgangslage wohlhabend und haben zudem eine andere koalitions- und oppositionskultur. ich glaube man kann hier schwer vergleichen, denn die rahmen- und ausgangsbedindungen sind radikal anders.
deine idee mit der querfinanzierung finde ich gut, wenngleich damit ein Ö politiker zugeben müsste, die eigenen schulen sind nicht innovativ. ein unding.
der wettbewerb innerhalb des schulsystems erscheint mir – aufgrund einiger gespräche mit dirketoren und bildungseinrichtungen – auch schwer, da die schulen weit von autonomie entfernt sind.
und auch hier müsste mal ein visionäre, mutiger dirketor an die macht kommen. da arbeitet das jetzige system gegen diese leute.
vor allem bleibt es aktuell im würgegriff der großen pseudo-ideologien der SPÖ/ÖVP.
teufelskreis. ich steig aus und gründ dann mal für meine kinder eine schule. wenn es soweit ist.
muss jetzt schon nochmal einwerfen, dass es diese öffentlichen Schulen gibt! Die „Lernwerkstatt Brigittenau“ z.B. ist eine öffentlich rechtliche, eigentlich ganz stinknormale Volksschule. Die haben altersgemischte integrative Lerngruppen, schreiben nachhaltiges Lernen, Verantwortung für künftige Generationen und die Natur, und Stärkung des Selbstwerts in ihre Grundsätze. Kann natürlich alles bla bla sein, werd bald mal mehr wissen weil da ab Herbst meine Nichte hingeht. Wollt nur sagen, dass ich glaub dass es nicht unmöglich ist von innen was zu verändern. Braucht schon mutige Leute sicher, aber offensichtlich gehts schon! Und die werden jetzt ab kommendem Jahr aufstocken auf 6-14-jährige, also 8 Schulstufen, also ist das ganze sicher nicht im sterben.
Ich glaub einfach die Modelle gibts alles schon, sogar bei uns! Es happert nur eher daran, dass viele das nicht WOLLEN, dass alle Zugang zur Schulen haben wo sie gefördert werden. Es SOLL ein Zweiklassensystem bleiben! Das ist das Problem! Mit noch mehr Privatschulen kann man dem glaub ich nicht begegnen!
@hannes
genau das war auch mein gedanke dahinter und drum meinte ich ja, es sei mühsam aber nicht unmöglich auch im staatlichen bildungssystem etwas zu bewegen – wenn man die dinge einfach erstmals über umwege selbst in die hand nimmt.
und ich hab deine argumentation vorhin schon verstanden, meine antwort hatte dezent polemischen charakter, war natürlich nicht als verbale attacke gemeint 😉
@annelies
was die finanzierung betrifft, gibts immer wieder beeindruckende „spenden“-kampagnen, die richtig inszeniert funktionieren. wenn ich aber schon ein ausgeklügeltes konzept entworfen hätt, würd mein solarbetriebenes öko-schulgebäude mit bio-mampf in der mensa und vielem mehr schon stehen 😉
und wenn ich von „privatschulen“ rede, mein ich nicht die klassischen privatschulen, die das zweiklassensysten auf fragwürdige weise mitschüren. ganz im gegenteil. und wenn das ganze dann öffentlichwirksam gut ankommt, muss der staat einfach nachziehen =)
aber es stimmt wohl, dass der widerstand bestimmt kein geringer ist. sieht man ja schon allein daran, wie wenig geld dem bildungssystem zur verfügung gestellt wird. auch wenn ich nicht ganz dran glauben mag (ist mir irgendwie zu verschwörungstheorie-like), aber irgendwie erweckts ja schon stark den eindruck, dass die zukunft des landes eine verblödete sein soll.
die lernwerkstatt brigittenau klingt auf alle fälle interessant, danke für den hinweis!
hier übrigens der link zum gründungs-boom in deutschland, meine info mit jeden tag wird eine schule gegründet war falsch, jede woche triffts eher 😉
interessant auch, dass eltern so aktiv in der schule mitarbeiten (zaun flicken, treppengeländer streichen, gehweg kehren)…