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Warum wir nicht die ganze Welt ernähren können

Wir haben genug zu essen, es liegt nur am falschen Ort. Davon ist nicht nur Jean Ziegler überzeugt. Wieso das zu kurz gedacht ist – Ein Kommentar von Andreas Sator

Wir haben genug zu essen auf der Welt, die Nahrung ist nur am falschen Ort. Der in unserem Raum wohl bekannteste, weil lauteste, Vertreter dieser These ist der Schweizer Jean Ziegler. Zwölf Milliarden Menschen könnten wir ernähren, sagt er, und obwohl wir viel weniger sind, hungern trotzdem noch hunderte von Millionen.

Schaut man in die überfüllten Supermärkte, und am besten gleich auch in ihre Abfalltonnen, klingt das auf den ersten Blick recht nachvollziehbar.

Ziegler, ehemaliger Politiker, dann UN-Sonderberichterstatter und jetzt und eigentlich eh schon immer Globalisierungskritiker, steht mit seiner Meinung nicht alleine da. Viele meinen, wir haben zu viel und die zu wenig. Die, das sind meistens die Afrikaner. Aber wie stellen sich Ziegler und seine Mitstreiter das mit der falschen Verteilung eigentlich genau vor?

Denken wir seine Idee einen Schritt weiter. Dazu zwei Modelle:

Modell 1: Wir schicken unser Essen gen Süden

Heißt: Wir stellen gleich viel her, konsumieren davon aber weniger. Das übrige Brot, Fleisch oder Gemüse geht mit Hermes ab in den Süden. Also mit dem Paketdienst, nicht mit dem komischen Typen im weißen Anzug.

Problem 1: Vieles ist nicht so lange haltbar. Die Milch etwa überlebt den Flug kaum, Fleisch kann man einsalzen, Gemüse und Obst gefroren versenden. Aber: Man stelle sich den logistischen Aufwand vor. Wie viele Schiffe und Flugzeuge würde man da brauchen? Die Verteilung wäre dann das nächste Problem. Wer erledigt das? Clans in Somalia helfen da sicher gerne. In Summe: Unrealistisch.

Problem 2: Blenden wir das alles aber einmal aus, gibt es da noch etwas. Wollen wir eine Milliarde an Bittstellern? Deren tägliches Überleben von den Gaben reicher Länder abhängt? Immerhin noch besser, als eine Milliarde Hungernde, könnte man meinen. Was man aber wirklich anrichten würde, wäre eine vollkommene Zerstörung der lokalen Wirtschaft. In akuten Notsituationen gibt es freilich auch heute schon Organisationen wie das WFP, das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen.

Die langfristige Ernährung der Menschen in Simbabwe etwa durch Lebensmittel aus England macht aber wenig Sinn. Nie könnte sich so etwas wie eine lokale Wirtschaft entwickeln. Und was kommt als nächstes? Bauen wir auch deren Häuser? Wer sich auch nur etwas mit internationaler Politik beschäftigt, der weiß, dass Politiker meist keine noblen Spender sondern interessensgeleitete Menschen sind. Kolonialismus zwei Punkt null wäre wohl das einzige logische Ergebnis.

Modell 2: Wir essen und produzieren weniger

Heißt: weniger Brot, weniger Fleisch, weniger Gemüse. Weil wir weniger Rohstoffe verbrauchen, bleibt den Armen mehr. Außerdem sind die Leute bei uns eh zu dick. Win-Win also.

Schluss mit dem Sarkasmus: Abhängigkeiten sind nämlich sehr wohl vorhanden. Das hat viel mit der Geschichte zu tun. Weil den Franzosen der Zucker im Laufe der Zeit immer besser geschmeckt hat, hat man die Sklaven auf Haiti eben einfach in Zuckerrohrplantagen gesteckt. So tun sich auch heute noch viele Länder schwer, den Umstieg vom Abbau einfacher Ressourcen wie Öl oder Cobalt auf die Produktion von komplexeren Produkten wie etwa Autos oder Laptops zu schaffen. Mit solchen verdienen die Beschäftigten dann nämlich wesentlich mehr.

Aber zurück zu unserem Modell. Zur Erinnerung: Wir wollen weniger konsumieren. Wenn wir jetzt zum Beispiel weniger Bananen kaufen, dann hat davon erst einmal niemand etwas. Dem Bauern in Costa Rica bricht das Einkommen weg und das Joghurt der Verkäuferin im ersten Wiener Bezirk schmeckt plötzlich auch fad. Im Ernst: Die Nachfrage aus reichen Ländern bewirkt meist eher gutes, auch wenn daran oft ein grausiger Beigeschmack haftet. Wer produziert, zahlt auch Löhne. So haben es in den letzten Jahrzehnten hunderte Millionen von Chinesen aus der Armut geschafft.

Im Unterschied zu Modell 1 produzieren wir jetzt auch weniger. Wir brauchen also auch weniger Ressourcen wie etwa Maschinen. Könnte man die nicht in arme Länder bringen und dann dort vor Ort die Produktion ankurbeln? Kaum. Denn mit der Maschine muss man auch umzugehen wissen. Unsere wichtigste Ressource ist nämlich die gut ausgebildete, menschliche Arbeitskraft. Wer will, kann auch jetzt schon in die Armenviertel Brasiliens gehen. Machen tun das freilich wenige, und zwingen kann man die Leute auch nur schwer.

Wenn also weder weniger Konsum noch weniger Produktion hilft, ja was hilft denn dann?

Doch ein wenig komplizierter

Hunger ist ein vielschichtiges Problem. Und auch wenn es oft als das Problem Afrikas konstruiert wird, ist es von Land zu Land verschieden. Afrika besteht aus über 50 Ländern, die sich oft stark unterscheiden. Und nebenbei gibt es auch noch Regionen in Asien, Südamerika und der Karibik, wo Hunger zum Alltag gehört.

So viele verschiedene Kontinente, mit so verschiedenen klimatischen Bedingungen, politischen und wirtschaftlichen Organisationsformen, kulturellen Einstellungen und einer jeweils individuellen Geschichte: Vom Problem Hunger an sich, als einschichtiges Problem mit einer dazu passenden einschichtigen Lösung zu sprechen ist einfältig und naiv.

Oft sind die Witterungsbedingungen das Problem, die Entwicklungspolitik der reichen Länder, die Politik vor Ort, fehlende wirtschaftliche Rahmenbedingungen (oft gibt es nicht einmal ein Grundbuch oder halbwegs mit LKWs befahrbare Straßen), die Geschichte und der Kolonialismus. Und meistens ist es eine Kombination aus allem. Dass die Chinesen den Afrikanern gerade den halben Kontinent wegkaufen, hilft auch nicht wirklich.

Hunger ist nicht einfach ein Verteilungsproblem. Ein Jean Ziegler, der sich sein halbes Leben mit dieser Frage beschäftigt hat, sollte das eigentlich wissen.

Titelbild: Wolfgang Dirscherl / pixelio.de

Von Andreas Sator

studiert Volkswirtschaft, mag Gerechtigkeit und fühlt sich politisch irgendwie nirgends wirklich zu Hause. Sein größtes Anliegen ist ihm eine Gesellschaft mit globalerem Bewusstsein.

20 Antworten auf „Warum wir nicht die ganze Welt ernähren können“

naja…wenn es möglich ist waren jeglicher art in unsere supermärkte zu bringen, sollt es auch möglich sein die etwas „gerechter“ zu verteilen. und zwar schon bevor sie zu uns kommen! es redet niemand davon das argentinische fleisch in unseren supermärkten weiter zu schicken! 
um die these „real“ denken zu können, muss auch ein strukturwandel mitbedacht werden, den du in deinen beiden szenarien aber nicht einbeziehst. 
die probleme die du zum schluss ansprichst, sind natrlich da. aber in einer globalen welt, in der warenproduktion und ihr konsum schon längst und wie selbstverständlich ortsunabhängig sind, sollte ein helfen und ausgleichen bei angesprochenen problemen nicht das unlösbare problem. auch hier fehlt in erster linie der wille, und nicht die mittel. viele firmen haben ihre produktion längst auf just-in-time umgestellt (auch komplexe produkte wie autos) aber du glaubst echt, eine verteilungssystem dass auf lokale krisen eingehen kann, sei nicht möglich? um hungertote zu vermeiden, brauchts nicht mal kühlketten…

ich denke du hast die debatte ein bisschen verfehlt…
die frage ist doch nicht ob wir mehr oder weniger essen sollen, sondern WAS wir essen und WIE wir damit umgehen. wenn beispielsweise eine gigantische fläche an soja angebaut wird um unsere schweine zu füttern, dann liegt das problem nicht darin dass wir zu viel kalorien zu uns nehmen, sondern zu viel von solchen, die sehr energie- und wasserintensiv produziert werden müssen. weniger fleisch würde deshalb schon einmal eine gewaltige fläche für den anbau von getreide oder gemüse freilegen.
angesichts dessen, dass rund die hälfte aller lebensmittel bei uns gar nicht konsumiert werden und im müll landen, lässt sich durchaus der provokative schluss ziehen, dass unsere faulheit bzw. unsere ignoranz tatsächlich in anderen ländern die menschen verhungern lässt. dabei geht es nicht darum das essen nach afrika per post zu schicken anstatt es in den müll zu werfen, sondern weniger zu importieren.
 
ein wichtiger punkt noch: du führst viele punkte an, die den grund für den hunger in der schlechten situation bei den verhungernden selbst begründen: „klimatischen Bedingungen, politischen und wirtschaftlichen Organisationsformen, kulturellen Einstellungen“ und „Witterungsbedingungen das Problem, die Entwicklungspolitik der reichen Länder, die Politik vor Ort, fehlende wirtschaftliche Rahmenbedingungen (oft gibt es nicht einmal ein Grundbuch oder halbwegs mit LKWs befahrbare Straßen), die Geschichte und der Kolonialismus“. dass viele aspekte in den unterschiedlichsten ländern zutreffen, das ist gewiss. es ist durchaus vorstellbar, dass man in einem großteil afrikas das gemüse lieber selber herstellen möchte als es (wenn auch subventioniert und billig) aus europa zu importieren. diese unfairen handelspraktiken erlauben den „entwicklungsländern“ kaum eine eigene produktion. und wie wollen sie jemals ihr essen bezahlen können, wenn sie es nicht einmal selbst produzieren können oder dürfen. dazu gehört auch der finanzialisierte handel mit rohstoffen und das von dir genannte landgrabbing.
ich bin kein großer freund von jean ziegler’s art, aber so unrecht hat er nicht, zu sagen, dass unfaire handelspraktiken und unser falscher umgang mit essen zu den wichtigsten gründen für den hunger in anderen ländern zählen…

Wenn Konzerne rund um die Welt Anbauflächen aufkaufen und Seen und Meere leerfischen um Produkte für unseren Bedarf zu produzieren (seien es tatsächlich direkt verwendbare Lebensmittel, Futter für unser Fleisch oder Bioethanol-Rohstoffe) die sich die lokale Bevölkerung zu den Weltmarktpreisen nicht leisten kann und mangels Gewinnbeteiligung auch nie leisten können wird, ist das Verteiliungsproblem relativ evident. Auch das damit zusammenhängende Problem der enormen Abfallerzeugung, die wir in Sachen Lebensmittel betreiben kann man nicht einfach ignorieren (Es wird also produziert, dann aber gar nicht benötigt). 

Natürlich gehts auch nicht darum, pauschal weniger zu konsumieren, sondern gezielter und fairer. Wenn wir weniger Bananen essen, haben davon vermutlich erstmal nicht viele Menschen etwas. Wenn wir aber zB weniger Fleisch essen und damit die Landpreise in Futtermittelanbaugebieten fallen, spielt das für die Entwicklung der lokalen Wirtschaft sehr wohl eine Rolle.

Es gibt natürlich auch andere Faktoren, aber unser Konsum- und Produktions- und Wegwerfverhaltenverhalten kann man deshalb trotzdem nicht ganz so einfach als signifikantes Problem komplett wegreden. Ich finds sogar etwas bedenklich, wie du mit simplifizierten Unsinnsmodellen versuchst, die Kritik von Leuten wie Ziegler zu delegitimieren, die deine angedachten Modelle wohl keine Sekunde als der Weisheit Krönung sehen würden.

@ Christopher:
Bzgl. Verteilungssystem für lokale Krisen: Bei akuten Krisen sicher sinnvoll, ansonsten würde ich das Problem anders anzugehen versuchen als mit der Verteilung von Lebensmitteln. Unmöglich sicher nicht, problematisch (wie oben beschrieben) aber sicher auch.

@ Harald:
Zum Müllargument: Wir können sich viel sparsamer leben und weniger verschwenden, dass aber Supermärkte lieber zu viel als zu wenig in den Regalen stehen haben, liegt auch an uns. Wer würde zum Spar gehen, wenn da immer wieder die Nudeln oder die Äpfel fehlen würden, die ich bei jedem Einkauf mitnehme.

Zur Frage „was“ wir essen und „wie“ wir damit umgehen:  Bin da ganz bei dir und habe auf den ersten Kommentar in Richtung „THEMENVERFEHLUNG“ gewartet. Mir geht’s bei meinem Kommentar um die Zerlegung des simplen und mir ziemlich stupide erscheinenden Argumentes: 

13 Billiarden Kilokalorien beträgt nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO der Energiegehalt aller weltweit produzierten Lebensmittel im Jahr 2010. Rechnerisch entspricht dies 5.300 Kilokalorien täglich für jeden Erdbewohner, teilt das Bundesagrarministerium mit. Dies sei mehr als genug, um alle Menschen auf der Welt zu ernähren. Diese Zahlen verdeutlichen, dass der Hunger auf der Welt in erster Linie ein Verteilungsproblem ist
Zitat von: http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Agrarpolitik/Welthunger-Verteilungsproblem_article1352438578.html

Dass das, was wir essen, auch Auswirkungen auf die Peripherie hat, ist mir klar. Das es aber zu den wichtigsten Gründen für Hunger gehört, glaube ich nicht. Unfaire Handelspraktiken, absolut problematisch, da stimme ich dir wieder voll und ganz zu. Ich sehe zwar Fortschritte in der Abschaffung von Exportsubventionen in der EU, aber trotzdem gibt’s noch viele, viele große Probleme. Hat aber dann mit Verteilungsproblem meiner Meinung nach wieder weniger zu tun.

@ Tom:
Fleisch ist eines der Güter, an denen sich ein Verteilungsproblem manifestiert. I agree.

Ich sehe meine Argumentationslinie nicht bedenklich, weil ich Ziegler mehr als prominenten Aufhänger verwende, und nicht für eine wirkliche ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Sammelsurium seiner Thesen. Er schwafelt immer davon, wie viel wir nicht produzieren und wie viele trotzdem nichts davon kriegen würden. Und das halte ich für zu einfach, zu kurz gedacht. Der Logik dieses Argumentes wollte ich nachgehen, und habe sie, wenig überraschend, nicht gefunden.

 

Grundsätzlich: Ich empfehle Interessierten den neuen TAB-Bericht „Forschung zur Lösung des Welternährungsproblems“: http://www.tab-beim-bundestag.de/de/publikationen/berichte/ab142.html
 
Die machen wunderbar deutlich, dass man den Hunger in der Welt dreifach beschreiben kann: Als Mengen-, Zugangs- und Ernährungsproblem. (Mit Ernährungsproblem meinen die Erkrankungen durch Mangelernährung, z.B. Vitaminmangel. Die Qualität der Nahrungsmittel wird oft vergessen.) Alle drei Perspektiven haben etwas für sich.
 
Ziegler hat halt seinen Standpunkt, der auf das Zugangsproblem fokussiert, den schreit er in die Welt hinaus, den Rest blendet er aus. Ziegler ist eben kein Wissenschaftler. Er hat eine Botschaft, die will er verkünden. Die Pointe der jüngeren Hungerforschung: Das Zugangsproblem ist ein essentielles, kann aber in den nächsten Jahrzehnten verstärkt in ein Mengenproblem kippen. (Siehe TAB-Bericht.)
 
Damit gibt es viele Einflussgrößen auf die Welternährungssituation: Landwirtschaftliche Fläche, Bodenfruchtbarkeit, Pflanzenzüchtung und Ressourcenknappheit, Auswirkungen des Klimawandels, Bewirtschaftungssysteme, Nachernteverluste… und vor allem: Armut.
Hunger ist vor allem ein Armutsproblem.

Hunger ist primär ein politisches Problem, das bisher noch immer nicht von den Regierenden in den wohlhabenden Staaten der Welt zur Kenntnis genommen und bekämpft wird. Wir fantasieren von einem vereinten Europa und vergessen dabei, dass es in allein in der EU zig Millionen Menschen gibt, die hungern, frieren und obdachlos sind, sich keine medizinische Betreuung geschweige denn ein Vorsorge leisten können. Die reichen und armen Staaten der Welt geben Billionen Dollar/Euro für sinnlose Waffensysteme aus statt in Infrastruktur und in den Kampf gegen den Hunger zu investieren.

zu müll: ja richtig, damit bestätigst du die unverantwortlichkeit des konsums bei uns. diese wird aber von den produzenten und konsumenten gleichzeitig verursacht.
 
zum „was“: unter dem „verteilungsproblem“ wird nicht verstanden, dass wir das produzierte falsch verteilen, sondern das falsche am falschen ort produzieren. damit liegt der fehler bei der verteilung der produktion, nicht in der verteilung des produzierten. und deshalb muss ich dem Tom recht geben, wenn er sagt:
„Ich finds sogar etwas bedenklich, wie du mit simplifizierten Unsinnsmodellen versuchst, die Kritik von Leuten wie Ziegler zu delegitimieren, die deine angedachten Modelle wohl keine Sekunde als der Weisheit Krönung sehen würden.“
Denn beide modelle beziehen sich um die verteilung des produzierten und nicht der (hier relevanten) produktion. damit hast du meiner ansicht nach den nagel nicht auf den kopf getroffen, sondern zwei modelle als alternative dargestellt, die gar nicht diskutiert werden bzw. völlig offensichtlich nicht in frage kommen. denn eine andere verteilung der produktion erfolgt nicht mit mehr oder weniger oder post, sondern über „wie“, „was“ und „wo“.
welche faktoren sind aus deiner sicht die entscheidenden? beispielsweise in brasilien, nigeria oder indien?

Ein Film, der das Prinzip Arbeitsteilung und Spezialisierung beschreibt. Da bist du einer ganz neuen Sache auf der Spur, von der noch nie jemand gehört hat! Gut, dass ich diese Nachhilfe von dir erhalten habe! 😉

@ Harald: 
Unverantwortlichkeit des Konsums: Teilweise ja, aber dass Müll anfällt und in den Regalen etwas liegen bleibt, halte ich für unvermeidbar. Man kann damit sicher besser umgehen als heute, aber ganz vermeiden lässt sich das sicher nicht. Im Gegenteil, ich denke, dass man das relativ schwierig substanziell verringern kann.

Verteilung der Produktion: Oft ist die unfaire Verteilung von Land ein Problem. Das spielt sich aber in den Ländern selbst ab. Dein Argument mit der falschen Verteilung der Produktion erschließt sich mir nicht ganz. Meinst du damit das Ernten und Verkaufen von Nahrungsmitteln in ärmeren Ländern für und an reichere Länder? Pauschal halte ich das für schwierig bis nicht haltbar, oft profitieren die Bauern (die ja in vielen Ländern noch eine große Anzahl der Bevölkerung ausmachen) von steigenden Nahrungsmittelpreisen, war etwa phasenweise 2010 und 2011 in Ghana mit Kakao stark zu spüren. Dem Soja-Anbau-für-unser-Fleisch-Argument von Tom schließe ich mich aber zu 100% an. Ansonsten muss man die Sache differenzierter betrachten, eine partielle Abschirmung vom Welthandel halte ich manchmal für angebracht und manchmal aber auch für gefährlich. 

Zu Brasilien, Nigeria oder Indien weiß ich zu wenig. Denkst du, dass deren Probleme mit Armut und Hunger mit einer falschen Verteilung der Produktion zusammenhängen? Wäre super, wenn du uns deine Ansicht dazu ausführlicher schildern könntest. Wenn du Zeit hast, kannst du ja einen „Gegenkommentar“ dazu bei uns veröffentlichen, indem du erklärst, wo ich irre und was wirklich die Gründe für Hunger und Armut sind. Bei Interesse: die Mail-Adresse vom Tom steht im Impressum.

@ Christian: 
Der kurze Film ist super. Wo siehst du aber den Zusammenhang zur Debatte um Hunger? Solange es Freihandel und Marktwirtschaft gibt wird es sich schon von alleine lösen?  

Nun, der Zusammenhang des Videos mit dem Artikel ist nicht so ganz klar. Das stimmt schon. Aber man hat ja nicht immer das 100% passende zur Hand.
Zu deiner Frage: Im Grunde ja. Bedenke nur, was alles zusammenhäng mit Freiheit und Marktwirtschaft. Aber eins nach dem andern.
Für mich liegt die Hauptaussage des Films darin, dass man ein so komplexes System wie die Weltwirtschaft nicht steuern kann. Aber genau das verlangen viele Poster in diesem Forum, auch wenn sie es nicht direkt ansprechen.
Da wird vom unbestimmten man geredet, der das perfekte Verteilsystem aufbauen sollte. Von wir, die wir zu viel konsumieren, und noch dazu das falsche. Natürlich ist mit wir nicht wir gemeint, sondern zunächst einmal die anderen Mitmenschen und der Konsum und der Kapitalismus.
Das Argument Nahrung statt Waffen wurde auch noch hineingeworfen. Das Geld, was heute in die Rüstung investiert wird, sollte stattdessen als Entwicklungshilfe ausgegeben werden. Sicher nobel im Vorsatz, wohl aber eher kontroproduktiv, wenn man sich den Erfolg von 50 Jahren Entwicklungshilfe ansieht (siehe [1], [2], [3], [5]).
Auch der Fleischkonsum hat nichts mit globaler Armut zu tun. Österreich importiert zwar Fleisch, produziert jedoch mehr, als es selbst verbraucht [7]. Auch die Futtermittel dafür könnten locker selbst hergestellt werden. Werden sie aber nicht. Ich bin zwar auch der Meinung, dass Fleisch in AT viel zu billig ist und Tierrechte zu wenig geachtet werden, aber den Fleischkonsum als Ursache für globalen Hunger zu brandmarken, wie es etwa vegan.at [8] macht, stimmt einfach nicht (Noch dazu mit einem erfundenen und unbestätigten Zitat von Einstein).
 
Jedoch kann man das System Marktwirschaft nicht steuern, man muss aber bestimmte Eckpunkte gewährleisten, damit die Marktwirtschaft funktionieren kann und die Menschen sich Wohlstand erarbeiten können. Dazu gehören die Einhaltung von Menschenrechten, Freiheit, Demokratie, Gewährleistung von Eigentumsrechten, ein funktionierendes Rechtssystem, etc.
Ebenso sollte nicht zu sehr in den Markt eingegriffen werden. EU-Subventionen und Quotenregelungen verursachen wahrscheinlich mehr Probleme als sie lösen und verhindern den Marktzugang afrikanischer Unternehmer.
Gibt es genügend Wohlstand in einem Land, wird eine Naturkatastrophe kaum Auswirkungen haben. Und Hunger wird es mit genügend Wohlstand auch kaum geben.
Ein Verteilungsproblem würde bedeuten, dass die automatisch mehr hätten, wenn wir weniger hätten. Ist natürlich Blödsinn und ist in etwa so wie eine relative Armutsdefinition. Aber das wurde auch schon angesprochen.
Dann ist Afrika natürlich nicht Afrika. Jedes der über 50 Staaten Afrikas hat seine eigene Geschichte und eigenen Probleme. Man muss sich ein Land schon genauer anschauen, bevor man ein Hungerproblem glaubt lösen zu können. Und dann wird klar, dass es kein Verteilungsproblem ist. Schauen wir zunächst Äthiopien an und dann noch kurz Niger.
 
Blenden wir beim Blick nach Äthiopien mal kurz den Eritreakonflikt aus.
Äthiopien ist ein fruchtbares Land am Horn von Afrika. Es ist so fruchtbar, dass es das gesamte Horn von Afrika ohne Probleme ernähren könnte [5]. Trotzdem ist es eines der ärmsten Länder der Welt und immer wieder von Hungerkatastrophen betroffen. Auch wenn es in einem Teil des Landes genug Nahrung gibt, wenn in einem anderen Teil des Landes eine Ernte ausfällt, kann die Nahrung nicht hingebracht werden, auf Grund von schlechten Strassen und anderen logistischen Problemen. Äthiopien hat somit ein Verteilungsproblem, jedoch kein globales, sondern ein logistisches nationales.
40% des gesamten Staatsetats oder eine Mia. Euro kommen aus Entwicklungshilfen. Dennoch kommt nichts davon bei der Bevölkerung an. Denn die sozialistische Partei, welche jede Opposition verhindert (99.6% bei Wahlen???? – bitte nichts gegenteiliges behaupten), versucht das gesamte Land zu kontrollieren und unterbindet jede Initiative. Da Privateigentum in Äthiopien verboten ist ([9] S. 6), investiert auch kein Bauer in sein Land und so ist heute noch die vorherrschende Ackerbaumethode der Holzpflug.
Die Korruption und Ignoranz von Menschenrechten geht so weit, dass bewässertes Ackerland unter Missachtung der Eigentumsrechte der indigenen Völker im fruchtbaren Omo Tal, an ausländische Unternehmen verpachtet werden [6]. Viele werden jetzt einwenden, dass dies ein Beweis wäre dafür, dass der Kapitalismus schuld sei an der Misere, aber da kann man entgegnen, wenn das Eigentum der indigenen Bevölkerung geachtet werden würde, wie es in einem marktwirtschaftlich orientierten Rechtsstaat usus ist, könnte dies gar nicht geschehen.
Zusammengefasst sind die Hauptprobleme Äthiopiens nicht Kriege, das Klima oder ausländische Kapitalisten. Auch wir sind nicht Äthiopiens Hauptproblem, sondern es sind ein politisches, jede Eigeninitiative unterdrückendes System und Korruption. Dieses verursacht Hunger. Dieses verhindert den Ausbau der Infrastruktur. Es ist auch nicht so, dass es mehr Geld bräuchte. Nein, es braucht mehr Freiheit und Marktwirschaft. Äthiopien hat bestimmt nicht zu viel von beidem.
 
Nun noch ganz kurz nach Niger. Dieses Land beherbergt eines der grössten Uranvorkommen der Welt.
Der französische Staatskonzern Aleva, mit einem Umsatz, etwa dreimal so gross, wie Nigers BIP, beutet dieses Land und dessen Bevölkerung zum Zwecke des Uranabbaus aus. Trotz dieser grossen Rohstoffvorkommen, ist Niger eines der ärmsten Länder der Welt, denn Niger selbst hat davon nichts, zumindest nicht ganz Niger, sondern nur einige korrupte Regierungsbeamten und Machthaber.
Man stelle sich vor, dieses Land hätte ein Rechtssystem und eine Demokratie wie z.B. Norwegen. Nicht ein französischer Staatskonzern sondern ein nigerscher würde diese Vorkommen abbauen unter Einhaltung grösstmöglicher Sicherheitsvorschriften und mit den Gewinnen einen Staatsfond mit Liquidität versorgen, der zum Wohle der Bevölkerung arbeitet. Atomstrom wäre dann zwar etwa 3-4 Mal so teuer wie im Moment, aber das wäre wohl auch nicht so schlimm.
Auch hier ist das grösste Problem nicht das Klima. Es ist Korruption und die dadurch verursachte Armut, welche sich dann in einem übermässigen Bevölkerungswachstum manifestiert und damit wiederum verbundenen Problemen.
 
Ich denke daher nicht, dass wir ein Verteilungsproblem haben. Und zurück zur Eingangsfrage, Marktwirschaft und gut ists? Da Marktwirschaft immer auch an Demokratie, Freiheit, Privateigentum, Rechtssystem hängt, ja, denke ich das. Man sehe sich z.B. die Entwicklung von Südkorea seit 1987 an [11].
 
 
[1] http://www.spiegel.de/politik/ausland/entwicklungshilfe-warum-die-helfer-in-afrika-versagen-a-694057.html
[2] http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2006-41/artikel-2006-41-sehnsucht-nach-d.html
[3] http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2009-24/artikel-2009-24-entwicklungshilf.html
[4] http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/uranfoerderung-in-niger-der-gelbe-fluch-a-686763.html
[5] http://www.sueddeutsche.de/politik/reportage-aus-aethiopien-aecker-auf-denen-die-armut-gedeiht-1.915624
[6] http://www.hrw.org/de/news/2012/06/18/thiopien-viehz-chter-wegen-zuckerplantagen-von-ihrem-land-vertrieben
[7] http://oesv1.orf.at/stories/466280
[8] http://www.vegan.at/warumvegan/umwelt/wieviel_fleisch.html
[9] http://www.addis-abeba.diplo.de/contentblob/2206458/Daten/2715562/download_investorenmerkblatt.pdf
[10] http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/uranfoerderung-in-niger-der-gelbe-fluch-a-686763.html
[11] http://www.google.com/publicdata/explore?ds=d5bncppjof8f9_&ctype=l&strail=false&bcs=d&nselm=h&met_y=ny_gdp_pcap_cd&scale_y=lin&ind_y=false&rdim=region&idim=country:KOR&ifdim=region&hl=de&ind=false

„Für mich liegt die Hauptaussage des Films darin, dass man ein so komplexes System wie die Weltwirtschaft nicht steuern kann. Aber genau das verlangen viele Poster in diesem Forum, auch wenn sie es nicht direkt ansprechen.“

Das ist insofern Blödsinn, als dass jede Handlung, jede Regulierung, jede Subvention eine Steuerung der Marktwirtschaft darstellen. Nach ethischen Handlungen, anderen Regeln und geschickteren Subventionen zu verlngen, ist also keineswegs utopisch.

„Da wird vom unbestimmten man geredet, der das perfekte Verteilsystem aufbauen sollte.“

Das anonymisierende „man“ fällt denke ich vor allem deshalb oft, weil die zugrundeliegenden Mechanismen des Hungerproblems überwältigend groß sind und systematische Ausmaße annehmen, sodass konkrete Problemverursacher schwer zu benennen und auch nicht einfach herauszutrennen sind. Dass du es aber allgemein zum Ruf nach einer globalen Planwirtschaft interpretierst, ist auch nicht seriös argumentiert. Wenn jemand sagt „man muss“ oder „wir müssen“, dann ist das doch vor allem ein Aufruf zur kollektiven Verhaltensänderung und Regelanpassung.

Es GIBT derzeit ja Verhaltensmuster und Regeln und die sind nicht naturgegeben und unabänderbar.

„Von wir, die wir zu viel konsumieren, und noch dazu das falsche.“

Grundsätzlich ist die Hinterfragung und Problematisierung der eigenen Handlungen nicht verwerflich sondern vernünftig.

Natürlich ist mit wir nicht wir gemeint, sondern zunächst einmal die anderen Mitmenschen und der Konsum und der Kapitalismus.“

Eine Unterstellung die eine sachliche Diskussion halt schwierig macht. Mir geht Moralapostelei auch auf die Eier, aber die korrekte Reaktion kann ja auch nicht sein, überhaupt nix mehr über gewisse Dinge zu sagen.

Du musst zumindest mich btw nicht von den Benefits von Privateigentum und Marktwirtschaft überzeugen. Sie sind offensichtlich, wenn man sich nur mal 20 Minuten mit den Wurzeln des Liberalismus beschäftigt hat. Und natürlich brauchen viele Drittweltländer mehr Marktwirtschaft und besser geschütztes Eigentum.

Gleichzeitig halte ich die Mantren rechtsliberaler Marktfundis aber auch für relativ entbehrlich, wonach in Märkte bestmöglich gar nicht eingegriffen werden sollte und die Gier eh immer zu wünschenswerten Ergebnissen führt. Das missachtet einfach die Zwänge und Konsequenzen, die sich aus unregulierter und ungleicher ökonomischer Macht ergeben. (Demokratische) Politik ist ein kollektives Korrektiv, das die einzelnen Marktteilnehmer ansonsten nicht hätten. (Demokratische) Politik kann die Transparenz schaffen, die Märkte ansonsten den Konsumenten versagen würden. Und natürlich ist sie auch bis zu einem gewissen Grad höchstnotwendig, weil Märkte unter Bedingungen asymmetrischer Information und irrationalen Handlungen nicht einmal theoretisch funktionieren – und diese Bedingungen sind in praktisch allen Märkten Fakt.

Sind diverse Probleme von Drittweltländern auch hausgemacht, die Konsquenzen von Aktivitäten westlicher Konzerne in Drittweltländern einfach wegzureden ist ziemlich sinnlos. Und wenn du alle Regulierungen aufhebst, dann wird dieses Problem nicht weggehen, du hast dort die Voraussetzungen für eine soziale Marktwirtschaft auch dann nicht, wenn du über Nacht alle „sozialistischen“ Regierungen stürzt.

@Tom
Ich bin kein Marktfundi. Rede auch nicht von allen Regulierungen. Ausserdem sollte aus meinen Beispielen und Links klar sein, dass die Hauptursachen Gier und vor allem Korruption sind. Nicht jede Gier hängt übrigens mit Kapitalismus zusammen. 
Bitte lies mein genanntes Beispiel von Aleva und Niger oder die Anprangerung von Landverpachtung an ausl Unternehmer in Äthiopien.  Ich rede da keine Konsequenzen weg. Ich übertreibe aber auch nicht und verteufele nicht zB mit Vitamin A angereicherten Golden Rice wie zB Greenpeace, aber das ist ein anderes Thema.

„Ausserdem sollte aus meinen Beispielen und Links klar sein, dass die Hauptursachen Gier und vor allem Korruption sind.“

Es sind sicher sehr gewichtige Gründe, ja.

„Nicht jede Gier hängt übrigens mit Kapitalismus zusammen.“

Ich meinte das weniger im Sinne der katholischen Todsünde oder der prinzipiellen Charaktereigenschaft, sondern eher in dem Sinn, wie Markt-Propheten die angebliche Gier der menschliche Natur gern als bestmöglichen Antrieb zur Entwicklung aller beschreiben (Das paraphrasierte Filmzitat „Greed is good“ ist für manche ja schon eine Art Mantra.). 😉

Nicht ganz. Es ist ein Zitat aus Wall Street, dass in Wall Street so aber nie fällt. Wurde damals für den Trailer anscheinend so zusammengeschnitten und hat sich von da weg so verbreitet.

Die größte Bedrohung für die Nahrungsmittelsicherheit ist, dass wir auf dem ganzen Planeten gerade die fruchtbarsten Böden in einem rasanten Tempo zubetonieren. Menschen haben ihre Siedlungen inmitten der fruchtbarsten Böden errichtet. Genau diese traditionellen Siedlungen wachsen heute rasant. Wenn ein Acker einmal versiegelt ist, ist er praktisch verloren. Nur wenn sich die Nahrungsmittelpreise verzigfachen, könnten sich eine kostspielige und aufwendige Wiederherstellung möglicherweise auszahlen.
In Österreich wurde bereits 25% der nutzbaren landwirtschaftlichen Fläche verbraucht. Alle zwanzig Jahre wird die Ackerfläche des Burgenlandes verschlungen.
Schuld daran ist der sozialistich, zentralplanerisch und gemeinwohlorientierte Straßenbau, sowie der Trend zum Einfamilienhaushalt und nunmehr zum Singlehaushalt, sowie die Bevölkerungszunahme.
***
Jean Ziegler und Attac beklagen sich gleichzeitig darüber, dass billige Nahrungsmittel die dritte Welt überschwemmen und die dortigen Landwirte ruinieren und gleichzeitig beklagen sie, dass der Westen dort nicht genügend Nahrungsmittel verteilt. Das ist ein totaler Widerspruch, stört diese selbstgefälligen Berufsempörten aber nicht.
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Eine globale Umverteilung von Nahrungsmitteln ist noch unmöglicher als die Verhinderung des Klimawandels. Das Bedürfnis nach Nahrung und besonders nahrhafter und schmackhafter Nahrung ist so stark wie wohl kein anderes im Menschen. Das geht bekanntlich soweit, dass sich viele Leute zu Tode mampfen.
Folglich kann man jene, die an hochwertige Nahrung durch Produktion oder Handel herankommen können, nur mit massiver Brutalität davon abhalten (siehe Nordkorea). Solche Regime verschärfen das Problem freilich noch dadurch, dass die Nahrungsmittelproduktion unter ihnen zusammenbricht, der verteilbare Kuchen also verkümmert. Und solange nicht die ganze Menschheit unter Knute eines weltweiten Nahrungsmitteltotalitarismus steht, genehmigt sich der freie Teil der Menschheit das, auf was die anderen verzichten.

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