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Wieso wir nicht die ganze Welt ernähren müssen

Hunger ist ein vielschichtiges Problem. Warum der Westen die meisten verursacht und Jean Ziegler Recht hat – Ein Gastkommentar von Harald Wieser

„Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet.“ Jean Ziegler nimmt sich kein Blatt vor dem Mund seinen Unmut gegenüber der weltweiten Misslage kundzutun. Damit übertreibt er zwar erheblich und gefährdet eine sachliche Debatte, aber so ganz Unrecht hat er doch nicht.

Den jüngsten Schätzungen der FAO zufolge sind 868 Millionen Menschen auf der Welt chronisch unterernährt. Das Problem liegt aber nicht in der Knappheit von Nahrungsmitteln, denn die Produktion übertrifft die notwendige Menge zur Nahrungssicherung bei weitem. Insgesamt gibt es sogar mehr Übergewichtige als Hungerleidende auf der Welt. Diese extremen Unterschiede
können nur über zwei Argumentationslinien begründet werden: Entweder sind es die regionalen Eigenheiten, die einige Menschen übergewichtig und andere hungrig machen, oder es liegt an einer ungerechten Verteilung.

Wie Andreas richtigerweise angemerkt hat, ist Hunger ein vielschichtiges Problem und man kommt wohl kaum mit nur einer Argumentationslinie aus. Doch auch wenn es viele Gründe für den chronischen Hunger von Millionen Menschen geben mag, so hat sich im Laufe der Zeit das Gewicht der Argumente hin zum Hunger als Verteilungsproblem verschoben. Hier sind drei Gründe, warum Hunger nicht aus regionalen Besonderheiten, sondern aus dem westlichen Einfluss und damit einer ungerechten Verteilung resultiert:

Grund Nr. 1: Ausländische Interventionen

Aus geschichtlicher Perspektive macht es Sinn mit dem ältesten Phänomen zu beginnen: der Kolonialisierung. Mit der Plünderung der Ressourcen und der Versklavung der Menschen über Jahrhunderte hinweg, wurde in den Ländern des Südens ein politisches und kulturelles Chaos hinterlassen. Durch die Ziehung von imaginären Landesgrenzen und der Besetzung der politischen Posten durch die Kolonialherren konnten sich kaum Institutionen entwickeln, die eine wirtschaftliche Entwicklung begünstigen könnten. In vielen Ländern herrschen nach wie vor Diktatoren, grassierende Korruption und aufgeblasene Militärs. Demgegenüber stehen unzählige Gruppierungen mit unterschiedlichen Kulturen. Unter solchen Bedingungen ist es nahezu unmöglich Steuern einzuziehen und die Eigentumsrechte zu gewähren.

Doch die westlichen Eingriffe in die Souveränität südlicher Staaten sind auch nach der nationalen Unabhängigkeit noch vorhanden. Wahlen werden manipuliert, Waffen exportiert, es wird Druck auf nationale Gesetze zur Begünstigung von multinationalen Konzernen gemacht und Unmengen an Land aufgekauft, um nur einige fatale Eingriffe in die Souveränität anderer Staaten zu nennen. Besonders direkt und offensichtlich ist aber der Druck auf die südlichen Staaten, der von den sogenannten Entwicklungsorganisationen, dem IWF und der Weltbank, ausgeht.

Mit der Drohung des Kreditentzugs als Peitsche wurden und werden die südlichen Länder zu tiefgreifenden Reformen gezwungen. Durch solchen Einfluss von außen werden die Zielländer nicht nur dem System des Freihandels und des Neoliberalismus angepasst, sondern auch die politischen Institutionen untergraben. Den Staaten wird ein vermeintlich universelles System aufgedrängt, das keine Rücksicht auf kulturelle und soziale Eigenheiten nimmt. Unter solchen Bedingungen ist es nahezu unmöglich eine funktionierende Demokratie mit einem nicht korrupten Staat zu etablieren.

Es wird aber nicht nur eingegriffen, sondern man schließt den Süden auch von der Weltpolitik aus. In G8 oder mittlerweile auch G20-Treffen wird Weltpolitik mit dem Ausschluss des Großteils der Bevölkerung gemacht und nicht einmal bei der Entscheidungsfindung in den internationalen Organisationen werden die südlichen Länder in gerechter Weise miteinbezogen. Damit wird eine Weltpolitik- und Wirtschaft im Sinne der südlichen Länder systematisch ausgeschlossen.

Grund Nr. 2: Unfaire Handelspraktiken

Wenn vom einem Verteilungsproblem gesprochen wird, dann geht es nicht um die Verteilung der vorhandenen Nahrungsmittel, sondern um die Verteilung der Nahrungsmittelproduktion. Bis in die Nachkriegszeit war Afrika ein Netto-Exporteur von Nahrungsmitteln. In den letzten 40-50 Jahren wurde der afrikanische Kontinent aber zu einem Nettoimporteur und damit noch abhängiger von anderen Ländern und von der Entwicklung der Lebensmittelpreise.

Im selben Zeitraum ist die Agrarproduktion in vielen afrikanischen Ländern stagniert oder sogar gesunken. Anstatt selbst zu produzieren und damit auch Einkommen zu generieren müssen die Länder des Südens die subventionierten Produkte aus dem Westen kaufen. Damit gelangen sie zwar teilweise zu günstigen Nahrungsmitteln, doch bei einem noch niedrigeren oder gar keinem Einkommen werden sogar die günstigsten Nahrungsmittel zu Luxusgütern.

Diese Entwicklung ist das Resultat der westlichen Agrarsubventionspolitik bei gleichzeitigem Druck zu Niedrigzöllen in den „Entwicklungsländern“. Solche unfaire Handelspraktiken geben den Kleinbauern keine Chance am Weltmarkt konkurrenzfähig zu sein. Die Subventionen der Industriestaaten betragen das Siebenfache (!) ihrer Ausgaben für Entwicklungshilfe, womit diese zur Farce wird.

Grund Nr. 3: Lebensstil und Beeinflussung des Klimas

Der westliche Lebensstil hat nicht zu vernachlässigbare Konsequenzen für die Ärmsten der Armen. Unsere Essensgewohnheiten haben dabei ähnliche Konsequenzen wie der Konsum-Fetischismus im Allgemeinen. Mit dem Einkommen steigt der Fleischkonsum und damit überproportional unser ökologischer Fußabdruck. Um eine bestimmte Menge an Fleisch zu produzieren, muss viel mehr Land bearbeitet werden als es für dieselbe Menge an Gemüse oder Getreide notwendig ist.

Weil die Löhne und damit die Preise sehr viel niedriger sind, wird das Futter für die Tiere aus den südlichen Ländern importiert. Riesige Plantagen an Mais oder Soja werden damit angebaut um den Fleischkonsum im Westen zu ermöglichen. Flächen, die auch für die Eigenproduktion verwendet werden könnten. Ähnlich ist es bei der Produktion von Biomasse: dem Hunger im Süden steht der Energiehunger der Industriestaaten gegenüber.

Noch viel größere Konsequenzen hat aber die enorme Nachfrage nach Lebensmitteln, die vom Westen ausgeht. Angesichts dessen, dass wir die Hälfte aller Lebensmittel entsorgen, besteht ein Überschuss an Nachfrage, der zusammen mit unserer Kaufkraft die Weltpreise für Nahrungsgüter in die Höhe schießen lässt. Davon profitieren zwar die landwirtschaftlichen Produzenten des Südens, doch diese sind zumeist Großgrundbesitzer oder sogar multinationale Konzerne, die sich die Flächen aufgekauft haben (das genannte Landgrabbing). Während diese ohnehin nicht vom Hunger bedroht sind, treffen die Preissteigerungen die Ärmsten der Armen als Konsumenten umso härter.

Zu guter Letzt hat unser Lebensstil auch erhebliche Auswirkungen auf das Klima, weshalb sich die geographische Situation in den Ländern des Südens äußerst ungünstig entwickelt. Während viele westliche Länder sogar von den Temperaturanstiegen profitieren, breiten sich andernorts die Wüsten aus, Wetterextreme nehmen zu und Dürreperioden werden häufiger. Ein indirekter Einfluss auf den Hunger im Süden, mit zunehmender Intensivität.

Mit diesen drei übergeordneten Gründen lassen sich die regionalen Eigenheiten zu einem beträchtlichen Teil und mit zunehmender Relevanz erklären. Die schlechten oder oft kaum vorhandenen Institutionen sind mitunter das Resultat der Kolonialisierung und der „Entwicklungspolitik“. So wie die Steuermoral in Italien schlecht ist, weil die Italiener über Jahrhunderte unter fremder Herrschaft waren und widerwillig vereint wurden, so ist gibt es in vielen südlichen Ländern kein nationales Gemeinschaftsdenken, weil die Nationen willkürlich bestimmt worden sind und die Beziehung zum Staat seit jeher auf Gewalt beruht.

Unter solch miserablen Bedingungen lassen sich nun einmal kaum Zugriffsrechte sichern, die nach dem Ansatz des Nobelpreisträgers Amartya Sen die Vorraussetzung zur Bekämpfung des Hungers bilden. Die Eindämmung des Bevölkerungswachstums ist auch kaum zu verhindern, solange sich die Rahmenbedingungen nicht ändern. Auch die klimatischen und geographischen Bedingungen waren bisher nur in wenigen Ländern relevant, wie Sen aufgezeigt hat. Es gibt Fälle von Hungersnöten, die eingetreten sind, ohne dass die Produktion zurück gegangen wäre. Dennoch wird die geographische Situation zunehmends vom westlichen Lebensstil negativ beeinflusst.

Sind „wir“ Schuld am Verhungern von Kindern?

Man kann gewiss keinem einzelnen Menschen in Europa oder sonst wo vorwerfen, den Hunger in den südlichen Ländern mit Absicht zu provozieren. Tatsächlich ist ein breiter Wille da, den Hunger ein für alle Mal zu beseitigen. Doch unserer Lebensstil und das Wirtschaftssystem, indem wir leben, steht zumeist ohne unseres Wissens im Konflikt mit diesem Wille. Unsere Essens- und Konsumgewohnheiten sind mitunter das Resultat eines kapitalistischen Systems, das nur den Preis und die Menge kennt und uns gar zum Konsum-Fetischismus zwingt. Wir wertschätzen das Essen nicht mehr so, weil die Preise niedrig sind und wir unser Einkommen für Prestigegüter ausgeben wollen oder sogar müssen.

Der expansive Charakter des kapitalistischen Systems zwingt uns mehr zu konsumieren und aus unseren Geschäftspartnern stets das Maximum herauszuholen. Der Eingriff in andere souveräne Staaten ist die logische Konsequenz einer expansiven Wirtschaft. Wer nicht mitmacht, gerät in einer Welt des Freihandels und der Konkurrenz unter die Räder. Deshalb kann man den Einzelnen nicht vorwerfen, sie würden Kinder auf der anderen Welt absichtlich verhungern lassen. Doch das System und die Institutionen sind nicht vom Himmel gefallen. Jeder Mensch, der sich nicht der Auswirkungen seines Lebensstils und seiner Unterstützung des Systems bewusst ist, begeht damit nicht absichtlichen, aber fahrlässigen Mord.

Jeder von uns spielt eine nicht vernachlässigbare Rolle. Niemand kann das System von allein ändern und ist auch nicht verantwortlich für die Konsequenzen, die durch das aggregierte Verhalten bzw. das System entstehen. Mit einem „ethischeren“ Konsum (darunter verstehe ich das Handeln nach dem kategorischen Imperativ: „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip der allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.“) könnten sich die Menschen von dieser Schuld befreien. Doch dazu braucht es Maßnahmen, die Menschen mit ethischem Konsumverhalten anderen gegenüber nicht benachteiligen.

Dazu muss den Konsumenten ihr Wissen über die Produkte wieder zurückgegeben werden. Mehr Information durch regionale Produkte, weniger Zwischenhändler und weniger Distanz zum Produzenten würden einen ethischen Konsum erheblich erleichtern. Auch Einfuhrbeschränkungen würden beispielsweise den internationalen Druck erheblich reduzieren und dem expansiven Charakter des Kapitalismus zumindest zum Teil Einhalt gebieten.

Damit käme es zwar zu Preissteigerungen, doch angesichts unseres materiellen Wohlstands sollte das kein Problem darstellen. Im Gegenteil: Es würde weniger konsumiert und das Vorhandene, insbesondere das Essen, mehr wertgeschätzt werden. Frei nach dem Motto „Wer einem Manne einen Fisch schenkt, gibt ihm für einen Tag zu essen. Wer ihn das Fischen lehrt, gibt ihm ein Leben lang zu essen“, könnte sich in den südlichen Ländern durch sogenannte Schutzzölle eine eigene landwirtschaftliche Produktion mit angemessenen Löhnen entwickeln. Der zwischenzeitliche Nachfrageschock müsste „nur“ durch die Gewährung von Krediten für einige Zeit ausgeglichen werden.

Harald Wieser studiert in Wien.

Titelbild: © Katharina Wieland Müller / pixelio.de

Von Gastautoren

sind extrem großartige Menschen, die über etwas für uns schreiben.

7 Antworten auf „Wieso wir nicht die ganze Welt ernähren müssen“

Sehr guter Kommentar! Erwähnen sollte man noch die Zinszahlungen der Entwicklungsländer für in den 80er-Jahren gewährte Kredite von IWF/Weltbank, die im Grunde abbezahlt sind, siehe dazu Christian Felber („50 Vorschläge für eine gerechtere Welt“).

Ich finde „Ländern des Südens“ etwas komisch – warum nicht einfach Entwicklungsländer?
 
Dass Kapitalismus Menschen zum konsumieren zwingt finde ich eine seltsame Interpretation der Realität. Kapitalismus ermöglicht Menschen das Konsumieren. Dass Futter für Tiere aus den „südlichen Ländern“ importiert werden, ist zwar richtig – aber nur geografisch (deswegen auch meine Kritik an dem „südliche Länder“). Wir importieren (fast?) kein Tierfutter aus Ländern mit großen Problemen mit der Ernährung (siehe auch http://ec.europa.eu/agriculture/agrista/tradestats/gra_eu25_main_markets/page_005.htm).
 
Zu G8 und G20: ich finde ich die Kritik an G8 und G20 nicht gerechtfertigt. Es ist wohl das Recht von Staaten mit einender zu Verhandeln und Verträge abzuschließen. Unmengen an Ländern sind nicht in den G8/G20 vertreten und haben dadurch überhaupt keine Probleme. Außerdem sind in den G20 sehr wohl Länder mit einem Hungerproblem vertreten (speziell Indien aber auch China und Südafrika haben einen WHI-Index > 5).
 
Zur Einmischung des Westens in die Entwicklungsländer: Niemand wird dazu gezwungen, Kredite von Weltbank oder IWF zu nehmen. Deren Bedingungen sind oftmals nicht so falsch. Es handelt sich nicht ausschließlich um Bedingungen betreffend das Wirtschaftssystem, sondern z.B. Demokratie, Umweltschutz, Korruptionsbekämpfung. Sicher ist nicht alles perfekt – aber Du kannst ja mal überlegen, woher die Kredite sonst noch kommen könnten, und was diese alternativen Kreditgeber für Bedingungen daran knüpfen werden (Ecuador hat übrigens gerade Geld von China bekommen – und die verlangen angeblich noch nicht mal „neoliberale“ Reformen, toll – nicht?).
 
 

„Länder des Südens“ war nur meine Alternative zu Entwicklungsländer, da der letztere Begriff von vielen als sehr problematisch eingestuft wird. deshalb habe ich mich für einen neutralen Begriff entschieden, auch wenn dieser geographisch natürlich nicht ganz richtig ist…
 
Die Logik ist folgende: Im kapitalistischen System sind die Unternehmen und Staaten aufgrund der Konkurrenz einem immanenten Expansionstrieb ausgesetzt. Der Zwang liegt darin, dass jene, die nicht expandieren, durch die Kraft der „schöpferischen Zerstörung“ (leider nicht immer nur durch schöpferische Leistungen) vom Markt ausgeschlossen werden. Es gibt also einen klaren Expansionsdruck in der Produktion, der notwendigerweise von einem Zwang zum Konsum begleitet werden muss, um sich erhalten zu können. Der Zwang des Konsums wird vor allem durch das Sozialverhalten der Menschen ausgeübt, Durch Konsum wird im Zeitalter der (zweiten) Moderne Identität geschaffen und sich sozial eingegliedert – etwas, das noch vor einigen Jahrzehnten durch die Arbeit gemacht wurde. Eine Frage, die dir den Zwangscharakter vielleicht klarer erscheinen lässt: kann „man“ es sich heute noch leisten, kein Auto, kein Handy, oder als StudentIn kein Notebook zu kaufen? Erstens, kann man ohne diese Geräte seinen Tätigkeiten kaum mehr nachgehen und zweitens, hat man schweres, sich sozial zu behaupten, wenn man diese Geräte nicht besitzt.
 
zu: „Wir importieren (fast?) kein Tierfutter aus Ländern mit großen Problemen mit der Ernährung“… Brasilien wird in der Statistik als Hauptexporteur in die EU gelistet… dazu: http://www.fao.org/english/newsroom/news/2003/13320-en.html
die statistik zeigte auch nur die EU, nicht aber Nordamerika, Japan und Ozeanien… insgesamt wird noch eine ganze menge für Futtermittel importiert. wie im Artikel angemerkt, sind über alle Nahrungsmittel verteilt in Afrika die Exporte zurückgegangen… dort verhungern sie nicht weil wir ihnen die Nahrungsmittel wegkaufen, sondern weil wir ihrer Eigenproduktion keine Chance geben
 
zu G8 und G20: natürlich kann sich jeder mit jedem treffen, aber dieser Satz: „Unmengen an Ländern sind nicht in den G8/G20 vertreten und haben dadurch überhaupt keine Probleme“ verfehlt die Realität in jeglicher Hinsicht. nur eine kurze Recherche zeigt auf, dass diese Gipfeltreffen höchstunbeliebt sind bei den Nichtteilnehmern. denn hier wird nicht nur über Inhalte entschieden, die die Teilnehmer betreffen, sondern bei Ausschluss von anderen Staaten bzw. Menschen Weltpolitik betrieben!
Zu Weltbank und IWF: auch hier ist absolut ein Zwang dahinter. Wenn vor den griechischen Inseln auch keine Fregatten und Flugzeugträger den Druck auf die griechische Regierung ausgeübt haben, so war es doch die Angst vor einer „folgenreichen Reaktion der Märkte“, sollte die Regierung die Empfehlungen inkl. Kredit des IWFs nicht annehmen und durchsetzen. Offensichtlich hätte die Regierung andere Schritte einleiten müssen, hätte sie den demokratischen Willen der Bevölkerung verfolgt. Die teilweise ausgearteten Proteste zeugen vom Konflikt mit der nationalen Souveränität Griechenlands. Und dieser Druck der internationalen Märkte funktionierte sogar bei einem EU-Land! Ohne Frage war dieser Druck für lateinamerikanische Länder in dern 1980er Jahren erheblich größer…
Du gehst hier davon aus, als wären die verschuldeten Länder selbst schuld und beanspruchen in der Folge Kredite, die dann von gutwilligen anderen Regierungen oder Organisationen gewährt werden. Doch die Schuldenberge in den meisten Industriestaaten sind eine Konsequenz des politischen und wirtschaftlichen Systems. Wären die Schulden so hoch, wenn u.a. der Wachstumsdruck geringer wäre? Ich denke nicht.

Protest gegen Nahrungsmittel-Spekulationen
Spekulanten profitieren vom Handel mit Nahrungsmitteln, während die Zahl der Hungernden weltweit steigt! Die Initiative handle-fair.de protestiert dagegen!

Ich glaube, Du verwechselt beim „Kapitalismus“ Ursache und Wirkung. Das was Du beschreibst ist die menschliche Natur, die Menschen wollen nun halt mal diese Produkte und sie wollen damit z.T. auch ihren Status zeigen. Das hat aber nicht der Kapitalismus erfunden – aber in einer freien Gesellschaft (die die Marktwirtschaft impliziert), wird das halt besonders gut ermöglicht.
 
Zum Futtermittelimport: Ja, es wird importiert. Aber nicht von Staaten mit einem „großen“ Hungerproblem. Der Futtermittelimport ist nicht die Ursache für Hunger.
 
Der demokratische Wille der Bevölkerung führt ja gerade zu den Schuldenbergen. Es ist nicht so, dass wir z.B. in Österreich vom Kapitalismus dazu gezwungen werden, ein viel zu geringes Pensionsantrittsalter zu haben. Dieses zu erhöhen ist halt so unpopulär, dass es für einige Parteien (SPÖ) schwer durchsetzbar ist. Und genauso hat uns der Kapitalismus nicht dazu gezwungen, den Pendlerzuschuss (oder wie immer das auch heisst) zu erhöhen – aber die ÖVP verhofft sich halt, damit bei den Wahlen besser abzuschneiden. Dass sich die Griechen (und Österreicher) wünschten, dass alles immer so weiter geht wie vor 2008, das ist schon verständlich – aber irgendwann ist halt das Geld fertig. Und wenn man sich von den internationalen Finanzmärkten, IWF, Weltbank usw. Unmengen Geld geliehen hat und darauf angewiesen ist, dass man sich weiter dort Geld leihen kann, dann dann werden die halt auch ein gewisses Mitspracherecht haben.
 

Kurz zusammengefasst: Wir sind schuld. Blabla. Böser Kapitalismus. Blabla. Böser Neoliberalismus.
Du schaffst es inmerhin einige richtige Punkte anzusprechen. Das eine ist die Korruption das andere Eigentumsrechte. In Äthiopien ist Privateigentum an Grund und Boden zB verboten. Das schafft die dortige kommunistische Regierung auch durchzusetzen. Sie könnten also sehr wohl auch Steuern durchsetzen. Aber die dortigen Machthaber sind korrupt und unterdrücken gerne das Volk.
Und Freihandel ist nicht das Problem sondern wäre eine Lösung.
Und wir entsorgen nicht die Hälfte aller Lebensmittel. Keine Statistik zeigt einen so hohen Wegwerfanteil. Wenn man Statistiken falsch interpretiert dann kommt das schon zu Stande. siehe http://www.rwi-essen.de/media/content/pages/presse/downloads/Unstatistik_Januar_2013.pdf

1.) Exportsubventionen sind vernachlässigbar. In der EU wurden diese bereits auf praktisch Null zurückgefahren: link
2003 betrugen die Subventionen noch 4 Milliarden Euro. Das ist nur etwas mehr als ein Prozent des Österreichischen BIP, bzw. 0,2% des BIPs Afrikas. Noch weniger, wenn man arme Länder Lateinamerikas und Asiens dazurechnen würde. Es ist nicht nachvollziehen, wie diese kleinen Summen für die kärglichen Ernten in Entwicklungsländern verantwortlich sein sollen.

2.) Afrika hat hohe Zölle!
Vergleichskarte von der Weltbank: link
Noch dazu gibt es kein Freihandelsabkommen, obwohl ein solches in Planung ist. Das heißt, dass bei jedem Grenzübertritt Zölle anfallen. Wenn man nach der Thematik bei Google sucht, dann findet man vieles über Zollstreitigkeiten zwischen Afrikanischen Ländern und die Ambition diese Handelsschranken abzubauen. Protektionismus hat man in Afrika bereits zur Genüge probiert, der Trend geht in die andere Richtung. Von Globalisierung und Freihandel ist Afrika aber weit entfernt. Dafür fehlen insbesondere die lokalen Grundlagen. Eigentumsrecht, Transport-Infrastruktur, etc.

3.) Handy, Notebook und Flachbildschirm sind irrelevant.
Immer wieder müssen diese Produkte bei Wachstumskritikern als Symbol für ungebremstes Wachstum herhalten. Dabei machen diese Dinge einen verschwindenden Teil des BIP aus. Die großen Brocken im privaten und öffentlichen Konsum stecken in Wohnen+Heizen (Quadratmeter pro Person; Zunahme der Singlehaushalte), Individualverkehr (+Straßen), Urlaub, Freizeit (Wirtshaus), Gesundheit und Bildung (jeweils öffentlich + privat) . Selbst Kosmetikartikel haben einen größeren Umsatz als Elektronik. Noch dazu ersetzen Smartphone, Notebook und Flachbildschirm den Röhrenfernseher, die Stereoanlage, den Videorekorder und all die VHS-Kassetten, in denen viel mehr Rohstoffe und Energie steckten.
Wenn man das BIP konkret aufschlüsselt, wird auch diese abstrakte Verteilungs-, und „System“kritik relativiert. Inwiefern verhungern Kinder in Zimbabwe, weil Österreicher Schi fahren oder gerne mal zum Wirten gehen?

Fortsetzung folgt…

Die Kommentare sind geschlossen.

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