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Zwei Vollversammlungen und eine Besetzung

Die Kluft zwischen Studierenden und Universitätsleitung scheint an der Universität Wien unüberbrückbar. Enttäuscht von konventionellen und alternativen Vollversammlungen ist Jakob Arnim-Ellissen

Wer sich nach den gestrigen Vollversammlungen mit Studierenden in Wien unterhalten hat, bekam je nach Universität sehr unterschiedliche Antworten. Auf der TU und der VetMed, der Medizinischen Universität und der BOKU schien alles sehr gut verlaufen zu sein und alle freuten sich über eine gemeinsame Front gegen die Politik. Anders ging es den Studierenden der Universität Wien.

Die Angst des Rektors vor den Studierenden

Der 300-Personen Hörsaal U10 im Juridicum war, wie erwartet und von ÖH und Unibrennt im Vorfeld aufgezeigt, viel zu klein. Natürlich hätten die tausenden Studierenden auch nicht ins Audimax gepasst, doch die Botschaft, die das Rektorat über das U10 transportierte war klar: Wir haben kein Vertrauen in die Studierenden.

Die Angst des Rektors vor den Studierenden zeigte sich auch in der Informationspolitik der Universität Wien. Bis zuletzt gingen alle Mobilisierungsaktionen von ÖH und Unibrennt aus, von Seiten der Universität Wien gab es weder ein Einladungsemail an alle Studierenden (wie es bei Veranstaltungen wie z.b. UniSuccess absolut üblich ist), noch Plakate.

Die Vollversammlung selbst verstärkte die Frustration vieler Studierenden nur. Der Impulsvortrag eines WIFO-Experten, der zwar teilweise ganz amüsant war insgesamt aber wenig Neues aufzeigte, und Kurz-Statements von Vertretern der Unileitung und der ÖH, ließen 15-30min für eine „Diskussion“. Da konnten die Studierenden kurz Frust ablassen, der im abschließenden Statement des Rektors allerdings ignoriert oder zur Seite gewischt wurde. Den roten Teppich zur Versöhnung wollte Winckler nicht beschreiten, auf einen geforderten „Halbsatz, dass er im Vorjahr möglicherweise ein Momentum verpasst hätte“ warteten die Studierenden vergeblich. Auch die Einladung, doch an der Demonstration teilzunehmen, war ihm keine Antwort wert.

An anderen Universitäten wurde inhaltlich diskutiert und über Resolutionen abgestimmt, die Studierenden der Universität Wien bekamen zum Abschied einen Brief der Universitätsleitung an Wissenschaftsministerin Karl in die Hand gedrückt.

Als Studierender und Unibrennt-Aktivist verließ ich enttäuscht und frustriert den Hörsaal Richtung Demonstration.

Die Alternative Vollversammlung

Unter den Zaungästen, die vor dem Juridicum und in angrenzenden Hörsälen das Spektakel auf Videoleinwänden verfolgen und dadurch erst gar keine Möglichkeit hatten an der Mini-Diskussion teilzunehmen, war inzwischen der Plan zu einer „Alternativen Vollversammlung“ entstanden. Nach SMS- und Twitter-Einladungen versammelten sich einige Hundert Studierende in der Universität. Inhaltlich tat sich hier allerdings noch weniger als in der konventionellen Vollversammlung. Schließlich wurde das Audimax besetzt.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Universität ähnlich enttäuscht verlassen, wie vorher das Juridicum. Über den gewohnt schnell eingerichteten Live-Stream, mit allerdings ungewohnt schlechter Tonqualität, konnte ich die Besetzung trotzdem verfolgen. Das Audimax war gut gefüllt, inhaltliche Diskussionen schienen aber nicht wirklich stattzufinden.  Auch die ersten Medien berichteten von der Besetzung, die APA-Meldung vom Aufbrechen einer Tür verbreitete sich rasch. Ebenso rasch verbreiteten sich aber die Dementis der BesetzerInnen, dass das Universitätspersonal eine Tür aufgesperrt hätte. Augenzeugen konnten in jedem Fall keine Beschädigungen an den Türen feststellen.

Von Angst und fehlenden Strategien

Auf dem gestrigen Aktionstag wollten Studierende, Mittelbau und Rektorat eine einheitliche Front gegen die Politik bilden. An vielen Universitäten hat das auch funktioniert. Doch (die Universität) Wien ist anders. Ein Rektor, der Angst vor engagierten Studierenden hat, und diese sichtlich widerwillig und dementsprechend halbherzig einbezieht, und Studierende, die in ihrer Frustration völlig planlos agieren und so die Reputation einer beispiellosen Protestbewegung gefährden und ihre eigenen Bemühungen untergraben, haben gestern gezeigt, wie groß die Kluft zwischen Universitätsleitung und Studierenden ist.

Fotos: Jakob Arnim-Ellissen

Von Jakob Arnim-Ellissen

studiert Politikwissenschaft und versucht sich seit geraumer Zeit auch an Orientalistik. Er würde auch gern Arabisch und Französisch können.

7 Antworten auf „Zwei Vollversammlungen und eine Besetzung“

Die APA-Aussendung bezüglich einer aufgebrochenen Tür ist zumindest journalistisch skandalös und kann nur auf unüberprüftem Hörensagen basiert haben.

Das Rektorat an der Uni Wien müsste mittlerweile eigentlich zurücktreten. Einen „Schulterschluss“ mit den Studierenden anzukündigen und dann erstmal nicht viel besseres zu tun zu haben, als anzuzweifeln, dass letztes Jahr wirklich 30.000 Menschen demonstriert haben und vorzuwerfen, man habe „die Gesellschaft nicht erreicht“, obwohl sogar der Boulevard zeitweise auf der Seite der Studierenden stand und die halt auch gegen den Spin des eigenen Rektorats kämpfen mussten, ist unfassbar und kann von einem Mann dieser Intelligenz nur als Provokation gemeint sein.

Ich war von der Vollversammlung an der Hauptuni auch sehr enttäuscht. Die Studierenden sind nur zu ein paar Wortmeldungen gekommen, die dann gänzlich unbeantwortet blieben.

Zuvor war ich auf der Vollversammlung an der WU, wo Rektor Badelt den Studenten über eine Stunde in einer offenen Diskussion Rede und Antwort stand.

Exakt auf den Punkt gebracht!

Ich war ebenfalls sehr enttäuscht vom Rektor und der Vollversammlung an der Uni Wien!

Das war doch bitte abzusehen! Es hat sich nichts an den verhärteten Fronten sowohl des Rektors als auch der ÖH an der Uni Wien geändert. Kompromissbereitschaft? Fehlanzeige! Im Gegenteil, durch die Ottakringer-Fraktion ist das öffentliche Erscheinungsbild der Proteste auch noch nachhaltig beschädigt worden.
Entschuldigung, aber die Audimax-Besetzung II war wirklich eine ganz tolle Idee! Es hat keiner mehr Lust auf Party im Audimax und das auch noch live im Stream!

@hultsch auch wenn die besetzung II sicher nicht das durchdachteste unterfangen war: was war von den partybildern her der große unterschied zur letztjährigen aktion? war eine stunde dort und hab mich stark an die ursprüngliche bewegung erinnert gefühlt. soweit das durch die rauchschwaden erkennbar war 😉 (auch wenn vom podium aus diesmal von anfang an auf das rauchverbot verwiesen wurde)

auch wenn ich nicht unbedingt für eine erneute besetzung bin: ohne die symbolische „schaltstelle audimax“ wird es ob der masse an unterstützern schwierig sein, eine gemeinsame strategie zu finden, die auch ähnlich viel aufmerksamkeit erregen kann. auf konventionelle weise a la straßendemo funktioniert das fürchte ich schon lange nicht mehr effektiv genug.

ich wär für viele kleine, anhaltende, klug durchdachte guerilla aktionen (im sinne der vermarktung, nicht des krieges 😉 ), die den bildungspolitischen irrsinn einfach aber sehr klar kommunizieren – und das konsequent über einen langen zeitraum. gerne auch mit einer portion humor. aber dazu müsste sich wohl eine kleine „marketing-agentur“ formieren… 🙂

Ich glaub, das Konzept „Studenten-Protest“ ist in Österreich immer/stets/prinzipiell zum Scheitern verurteilt. Simma uns ehrlich: Der „Österreicher“ hasst doch wenig „Berufsgruppen“ so sehr wie die Studierenden. Vielleicht noch die Politiker („die da oben“) und die Wissenschaftler („Frankenstein!“ „was bitteschön hat die Wissenschaft je für mich getan?“)

Das bedeutet natürlich nicht, dass Ihr aufhören sollt, Euren Unmut zu äußern. Das wär ja komplett irrsinnig. Aber mE muss ein Protest, der tatsächlich eine realpolitische Reaktion hervorbringt, breiter angelegt sein. Mehr Bildung. Bessere Bildung. Vom Kindergarten bis zum WIFI-Kurs. Damit man auch alle Mütter, Väter, Eltern, Maturanten-auf-dem-2.Bildungsweg etc etc etc mit an Bord hat. (Dieser Vorschlag ist nun auch nicht gaaanz neu, ich weiß 😉

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