Vor bald 1,5 Jahren saß ich im VIP-Klub des Happel-Stadions und lauschte der Präsentation des Perspektivenpapiers der ÖVP. Damals kündete der heutige Chef der Partei vollmundig an, seinen Leuten etwas zuzumuten. Sogar der damalige Boss verstand das Papier als Auftrag, der komplett umgesetzt werden sollte. Darunter war auch die volle rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen. Eine Mehrheit dafür wäre mit SPÖ, Grünen und vielleicht sogar BZÖ im Parlament schnell gefunden. Aber noch heute ist das nicht passiert.

Denn die ÖVP ist zwar seit Jahrzehnten am absteigenden Ast (nur die Selbstzerstörung der extremen Rechten gab ihr einen kurzen Moment der Verschnaufpause), doch statt sich neue Perspektiven für konservative Politik zu suchen streitet sie immer noch lieber über die lebensentscheidende Frage, ob der Bevölkerung „zugemutet“ werden kann, dass am Standesamt auch Homosexuelle heiraten.

Kleiner Tipp, liebe ÖVP. Die Bevölkerung verbringt ihre Tage nicht am Standesamt. Ob Homosexuelle heiraten dürfen sollen, mag noch einigermaßen umstritten sein. Wo, das ist scheissegal. Es ist einzig und allein die ÖVP, die gefangen zwischen ihren homophoben Kräften und der Not zu Veränderung über solchen Mist nachdenkt.

Auch wenn ihr mittlerweile eure Front ausgetauscht habt, könnt ihr euren inhaltlichen Konkurs nicht vertuschen. Mit 26% ist der Boden für euch noch nicht erreicht.

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  • dieter

    Es ist denkbar, dass Bürgerliche von den Grünen, dem LIF und BZÖ ohne Haider wieder zur ÖVP wechseln könnten. (aus jeweils unterschiedlichen Gründen)

    Das Problem der ÖVP ist, dass sie keinen intellektuellen Konservativismus betreibt, so wie man ihn beispielsweise von den Republikanern vor Bush kannte (die Republikaner galten als die Partei der Ideen) und auch in der konservativen Blogosphäre sieht.

    Bei uns gibt es hauptsächlich Mostschädelkonservativismus („Des woar scho immer so“, „Des is so weils so is“)
    Das intellektuelle Feld überlässt man Bischöfen und strengen, frömmelden Katholiken, die mit weltfremden, nebulösen, theologischen Argumentationen aufwarten und noch dazu im Zölibat leben, was sie unglaubwürdig macht. (z.B.: „gelebte Homosexualität als Sünde“)

    Säkulare oder gar offen Atheistische Konservative, wie in den USA, sucht man in Österreich vergeblich.

    P.S.: Ach ja. Und dann gibt es noch die, die unter Konservativismus primär Sozi- und Grünenbashing verstehen und das Verwenden von Wörtern wie „Eigenverantwortung“ um Menschen schlecht zu machen, statt die Bedeutung dieser Begriffe als Teil eines positiven gesellschaftspolitischen Gesamtkontextes zu sehen.

  • Lukas

    @dieter
    Die Beschreibung trifft die Sache wohl wirklich ziemlich gut. Die ÖVP ist halt seit dem Absägen von intelligenten Leuten wie Busek und Fischler intellektuell am Boden angelangt und besteht wirklich nur mehr aus konservativen Bauern.

  • 20 Prozent! (zu YMCA)

  • Ist die ÖVP auf absehbare Zeit zu retten? http://is.gd/g7Rb

  • Michael

    Automatisierte Google-Werbung ist manchmal ganz lustig:

    „Nervös wegen Politik?
    Haben Sie schon an Darmreinigung gedacht?
    Verblüffende Geschichten..
    http://www.drnatura.at

  • Wenn sie so toll ist, immer schön klicken 😉